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Weiße Rose Hamburg
Rosa Harter, eine langjährige Freundin von Katharina Leipelt aus Rönneburger Zeiten, ihre beiden Brüder waren als Widerstandskämpfer in Konzentrationslagern …
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Was die Weiße Rose Hamburg war
„Weiße Rose Hamburg“ ist eine nach 1945 entstandene Forschungsbezeichnung für mehrere miteinander verbundene Freundes- und Familienkreise, die sich dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg widersetzten. Die Beteiligten nannten sich selbst nicht so und verstanden sich größtenteils auch nicht als Widerstandskämpfer. Einige Kreise standen bereits seit 1936 in Opposition zum Regime; ab 1942 orientierten sich Beteiligte an der Münchner Weißen Rose und verbreiteten deren Flugblätter weiter. Die Hamburger Kreise waren jedoch kein bloßer Ableger: Sie waren älteren Ursprungs und besaßen eine eigene Struktur.
Die ungefähr 50 Beteiligten waren überwiegend Studenten, junge Ärzte, Buchhändler und andere Intellektuelle, schlossen aber auch Eltern, Freunde und Mentoren ein. Deshalb gilt die Gruppe zwar als Jugend- und Studentenopposition, war tatsächlich jedoch generationsübergreifend. Ein einheitliches politisches Programm, eine feste Mitgliedschaft oder eine zentrale Leitung gab es nicht. Vielmehr bestand ein lockeres Netz persönlicher und familiärer Beziehungen, in dem sich nicht alle kannten. Zu den zentralen Personen gehörten Margaretha Rothe, Albert Suhr, Heinz Kucharski, Reinhold Meyer, Karl Ludwig Schneider und Hannelore Willbrandt. Traute Lafrenz und Hans Leipelt vermittelten Informationen zwischen Hamburg und München.
Von Sommer 1943 bis Januar 1944 verhaftete die Gestapo mehr als 30 Menschen aus diesem Umfeld. Gegen 24 wurde schließlich Anklage erhoben. Acht Angehörige wurden bis zum Kriegsende ermordet, hingerichtet oder starben infolge von Haft und Misshandlungen.
Kreise, Verbindungen und gemeinsame Grundlagen
Die Gruppe entstand durch die Vernetzung mehrerer selbstständiger Kreise:
• Ehemalige Schüler der reformpädagogischen Lichtwarkschule, darunter Margaretha Rothe, Traute Lafrenz, Heinz Kucharski und Karl Ludwig Schneider, waren durch eine humanistische Bildung geprägt. Die Lehrerin Erna Stahl setzte auch nach ihrer Strafversetzung 1935 Lese- und Gesprächsabende über Literatur, Religion, Kunst und Geschichte fort. Die jungen Leute diskutierten politische Fragen, hörten verbotene ausländische Sender und tauschten unzensierte Nachrichten aus.
• Im Haus der Familie Leipelt traf sich ein generations- und religionsübergreifender Freundeskreis. Wegen der jüdischen Herkunft Katharina Leipelts war die Familie von den Nürnberger Rassegesetzen betroffen. Hans Leipelt wurde im August 1940 als „Halbjude“ aus der Wehrmacht entlassen; seine Schwester Maria wurde aus ihrer Schule verwiesen. Die Deportation der Großmutter Hermine Baron nach Theresienstadt am 19. Juli 1942 und ihr Tod am 22. Januar 1943 verschärften Hans Leipelts Gegnerschaft zum Regime.
• Die „candidates of humanity“ waren eine Gruppe junger Ärzte und Medizinstudenten am Universitäts-Krankenhaus Eppendorf. Ihr englischer Name drückte Protest gegen nationalistische Deutschtümelei aus und sollte Gespräche vor Denunzianten schützen. Zu ihnen gehörten unter anderem Frederick Geussenhainer, Heinz Lord, Albert Suhr und Rudolf Degkwitz junior. Der Kinderarzt Rudolf Degkwitz senior wandte sich gegen Antisemitismus, Judenverfolgung und Kindereuthanasie und schützte oppositionelle Ärzte. Er wurde 1944 wegen Wehrkraftzersetzung zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt; sein Verfahren wurde jedoch nicht mit der Weißen Rose Hamburg verbunden.
• Das 1940 gegründete Musenkabinett war ein öffentlich bekannter Gesprächskreis über moderne Kunst, Musik und Literatur. Aus einem Teil dieses Kreises entwickelte sich der Wunsch nach konkretem Widerstand. Reinhold Meyer, Albert Suhr und Hannelore Willbrandt spielten dabei wichtige Rollen. Die Buchhandlungen von Felix Jud und Reinhold Meyers Familie dienten als Treffpunkte.
• Einige Kontakte bestanden zur Hamburger Swingjugend. Sie war weder organisiert noch grundsätzlich politisch oppositionell, wurde aber wegen unangepasster Kleidung, Jazzbegeisterung und Auftretens verfolgt. Über Bruno Himpkamp, einen früheren Nachhilfeschüler Hans Leipelts, wurden einzelne Swingboys in das Widerstandsumfeld einbezogen.
An der Universität und über Buchhandlungen verbanden sich diese Kreise. Albert Suhr und Hannelore Willbrandt führten mehrere Gruppen zusammen. Persönliche Kontakte bestanden auch zu anderen Hamburger Widerstandskreisen, besonders zur Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe; eine organisierte Zusammenarbeit entstand jedoch nicht.
Widerstandsarbeit, Ziele und Radikalisierung
Ausgangspunkt des Widerstands waren eine humanistische Grundhaltung, kulturelle Freiheit, christliche Überzeugungen, sozialistische Ideen und persönliche Verfolgungserfahrungen. Gemeinsam waren den Beteiligten die Ablehnung des NS-Regimes und des Krieges sowie Forderungen nach Freiheit der Meinung, Presse, Forschung, Lehre, Kunst und Kultur. Sie wandten sich gegen Militarisierung, Antikommunismus, Antisemitismus und die nationalsozialistische „Herrenvolk-Ideologie“. Die meisten hielten eine militärische Niederlage Deutschlands für notwendig, um einen politischen Wandel zu ermöglichen.
Seit 1940 tauschten Mitglieder marxistische und andere verbotene Schriften sowie Nachrichten aus dem Ausland aus. Mit einem Kinderdruckkasten stellten sie Streuzettel und Stempelaufdrucke her, die Sendezeiten und Wellenlängen verbotener „Feindsender“ nannten.
Im Herbst 1942 brachte Traute Lafrenz das dritte Flugblatt der Münchner Weißen Rose nach Hamburg. Die Hamburger schrieben es mehrfach ab, ergänzten es um Erich Kästners Gedicht „Ihr und die Dummheit zieht in Viererreihen“ und gaben es weiter. Nach der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst im Februar 1943 brachten Hans Leipelt und Marie Luise Jahn das sechste Flugblatt nach Hamburg. Es erhielt die Überschrift „Und ihr Geist lebt trotzdem weiter“, wurde vervielfältigt und verteilt. Außerdem verbreitete die Gruppe Thomas Manns Aufruf „Nachruf auf einen Henker. Deutsche Hörer!“ und Gedichte Bertolt Brechts. Hans Leipelt verfasste das satirische Flugblatt „Fragebogen im IV. Reich“. Zusammen mit Marie Luise Jahn sammelte er Geld für die Witwe des hingerichteten Professors Kurt Huber.
Die Agentur des Rauhen Hauses am Jungfernstieg wurde 1943 zum zentralen Treffpunkt. Dort diskutierten die Beteiligten über den Widerstand, Marxismus, Philosophie, Kunst, Literatur und einen zukünftigen Staat. Die Mehrheit befürwortete nach dem Ende des Regimes eine parlamentarische Demokratie; Kucharski, Leipelt und Rothe setzten sich für eine sozialistische Volksrepublik ein. Uneinigkeit bestand auch darüber, ob Deutsche selbst aktiv zum Sturz des Regimes beitragen sollten und ob Gewalt zulässig sei.
Im Frühjahr 1943 wurden Demonstrationen, ein Anschlag auf die Hamburger Gestapo-Zentrale und die Sprengung der Lombardsbrücke samt Bahnverbindung erwogen. Reinhold Meyer lehnte Gewalt aus christlichen Gründen ab; Karl Ludwig Schneider hielt den möglichen Nutzen im Verhältnis zur Gefahr für zu gering. Keine dieser Planungen wurde verwirklicht.
Verhaftung, Haft und Prozesse
Die Zerschlagung begann 1943. Gestapo-Spitzel drangen in verschiedene Kreise ein. Yvonne Glass-Dufour gab sich bei den „candidates of humanity“ als pazifistische Widerstandskämpferin aus. Der französische Schriftsteller Maurice Sachs arbeitete als Agent „G 117“ für wöchentlich 80 Reichsmark. Er stellte sich als jüdischer Zwangsarbeiter dar, gewann das Vertrauen der Gruppe und spionierte später auch Mitgefangene aus. Bei John Gluck handelte er als Agent Provocateur, indem er scheinbar einen Fluchtversuch unterstützte und ihn zugleich verriet.
Im Mai 1943 wurden Bruno Himpkamp, Gerd Spitzbarth und Thorsten Müller festgenommen. Im Juli folgten Frederick Geussenhainer, John Gluck und Heinz Lord, am 13. September Albert Suhr. Hans Leipelt wurde am 8. Oktober 1943 in München verhaftet. Nachdem die Gestapo seine Hamburger Kontakte ermittelt hatte, trafen die folgenden Verhaftungswellen unter anderem Heinz Kucharski, Margaretha Rothe, Maria Leipelt, Karl Ludwig Schneider, Katharina Leipelt, Erna Stahl, Reinhold Meyer und Traute Lafrenz. Bis Januar 1944 waren von ungefähr 50 Beteiligten mehr als 30 in Haft.
Im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel wurden Gefangene psychisch unter Druck gesetzt, geschlagen, ausgepeitscht und anderweitig misshandelt. Katharina Leipelt starb laut der Übersicht im Dezember 1943 unter ungeklärten Umständen; im Abschnitt über die Haft wird der 9. Dezember 1943 genannt, während ältere Quellen von einem Suizid in der Nacht vom 8. zum 9. Januar 1944 sprechen. Elisabeth Lange wurde am 29. Januar 1944 tot aufgefunden; auch bei ihr wurde Suizid angegeben. Reinhold Meyer starb am 12. November 1944 offiziell an Diphtherie. Seine Familie bezweifelte dies, und Mitgefangene berichteten von seinem Tod nach einem Verhör.
Hans Leipelt wurde am 13. Oktober 1944 wegen „bolschewistischer Propaganda“, Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung zum Tode verurteilt und am 29. Januar 1945 in München-Stadelheim hingerichtet. Margaretha Rothe starb am 15. April 1945 nach einem unmenschlichen Gefangenentransport in einem Leipziger Krankenhaus an Lungentuberkulose. Frederick Geussenhainer starb vermutlich im April 1945 oder nach der Befreiung des KZ Mauthausen am 5. Mai 1945; der genaue Zeitpunkt und die Umstände sind ungeklärt.
Gegen 24 Personen erhob der Oberreichsanwalt im Januar 1945 Anklage, vor allem wegen Vorbereitung zum Hochverrat. Vier Prozesse fanden vom 17. bis 20. April 1945 vor dem in Hamburg tagenden Volksgerichtshof statt. Viele Angeklagte waren zu diesem Zeitpunkt bereits in Stendal oder Bayreuth von alliierten Truppen befreit worden. Heinz Kucharski erhielt am 17. April ein Todesurteil, konnte aber beim Transport zur Hinrichtung nach einem Luftangriff fliehen. Rudolf Degkwitz junior wurde zu einem Jahr Gefängnis, Felix Jud zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt; Ilse Ledien und Riko Graepel wurden freigesprochen. Weitere Verfahren kamen nicht mehr zur Verhandlung.
Frederick Geussenhainer, Heinz Lord, John Gluck, Margarete Mrosek und Kurt Ledien blieben ohne Gerichtsverfahren in „Schutzhaft“. Mrosek und Ledien standen auf einer Gestapo-„Liquidationskartei“ mit insgesamt 71 Gefangenen und wurden zwischen dem 21. und 23. April 1945 im KZ Neuengamme ohne Urteil erhängt. Insgesamt verloren acht Angehörige der Widerstandskreise bis Kriegsende ihr Leben.
Historische Einordnung und Erinnerung
Ursel Hochmuth veröffentlichte 1969 die erste grundlegende historische Aufarbeitung. Eine umfassende Forschung, die darüber hinausgeht, stand laut Artikel weiterhin aus. Von 36 bekannten Festgenommenen gehörten 21 zur jüngeren Generation der Schüler, Studenten und Assistenzärzte; 15 waren ältere Familienangehörige, Freunde oder Mentoren. Hochmuth bezeichnete das Netzwerk als „lockere Gruppierung Gleichgesinnter mit einem revolutionären Kern“ aus Heinz Kucharski, Albert Suhr, Hans Leipelt und Margaretha Rothe. Viele Beteiligte verstanden ihre Tätigkeit rückblickend eher als Auflehnung gegen die Beschneidung von Freiheit denn als organisierten Widerstand.
Das öffentliche Gedenken setzte spät ein. 1971 wurde im Audimax der Universität Hamburg eine Bronzeplatte für Hans Conrad Leipelt, Frederick Geussenhainer, Reinhold Meyer und Margaretha Rothe eingeweiht. In Volksdorf entstanden 1977 ein nach der Weißen Rose benannter Platz und 1978 eine Skulptur von Franz Reckert; 1993 wurden dort die Namen der acht getöteten Hamburger Gruppenmitglieder ergänzt. Weitere Erinnerungsorte sind Gedenktafeln am Jungfernstieg 50 und am früheren Wohnhaus der Familie Leipelt, das Mahnmal „Tisch mit zwölf Stühlen“, das Rothe-Geussenhainer-Haus am Universitätsklinikum Eppendorf und die 1990 eingeweihte „Verhörzelle“.
Mehrere Hamburger Straßen tragen Namen von Mitgliedern, darunter seit 1960 die Leipeltstraße sowie seit 1982 der Kurt-Ledien-Weg, der Margaretha-Rothe-Weg und die Reinhold-Meyer-Straße. Für alle ermordeten Mitglieder wurden Stolpersteine an letzten Wohnorten und teilweise zusätzlich an Wirkungsstätten verlegt. Auch das seit 1988 so benannte Margaretha-Rothe-Gymnasium und ein 1997 eingerichteter Denkraum für Hans Leipelt an der Ludwig-Maximilians-Universität München bewahren die Erinnerung.
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