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Universität Hamburg
Die Universität Hamburg (kurz UHH) ist mit über 40.000 Studierenden die größte Universität in der Freien und Hansestadt Hamburg, die größte Forschungs- und …
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Überblick und Bedeutung
Die Universität Hamburg (UHH) ist eine staatliche Universität in Hamburg. Sie wurde am 28. März 1919 gegründet und steht unter der Trägerschaft der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke. Ihr Motto lautet „der Forschung, der Lehre, der Bildung“. Mit 42.819 Studierenden im Wintersemester 2022/23 ist sie die größte Universität der Freien und Hansestadt Hamburg, die größte Forschungs- und Ausbildungseinrichtung in Norddeutschland und eine der zehn größten Hochschulen in Deutschland.
Der Hauptsitz liegt seit der Gründung im Stadtteil Rotherbaum. Die Universität ist in acht Fakultäten gegliedert und bietet über 170 Studiengänge an. Im Jahr 2022 hatte sie 15.331 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 9.885 in der Medizin. Es gab 682 Professorinnen und Professoren, davon 165 in der Medizin. Der Jahresetat betrug 577 Mio. Euro, dazu kamen 314 Mio. Euro Drittmittel, also Gelder von außen für Forschung und Projekte.
Seit Juli 2019 ist die Universität Hamburg als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. Dieser Status wird im Rahmen der Exzellenzstrategie vergeben, einem Wettbewerb zur Stärkung der Spitzenforschung in Deutschland. Die Universität beteiligt sich seit 2012 nicht mehr aktiv an Hochschulrankings, wird aber weiterhin in internationalen Ranglisten geführt. 2017 wurde sie in mehreren internationalen Rankings unter den führenden 200 Universitäten weltweit genannt. Mit der Universität Hamburg werden bis heute fünf Nobelpreisträger verbunden.
Entstehung und historische Entwicklung
Die Vorgeschichte der Universität reicht weit zurück. 1529 gründete Johannes Bugenhagen im ehemaligen Kloster St. Johannis die Gelehrtenschule des Johanneums, Hamburgs erste höhere Lehranstalt. 1613 entstand das Akademische Gymnasium, das in zweijährigen Studien auf den Besuch einer Universität vorbereiten sollte. Später wurden wichtige wissenschaftliche Einrichtungen geschaffen, darunter die Handelsakademie Hamburg von 1768 und die Hamburger Sternwarte von 1801.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts setzten sich vor allem Werner von Melle und private Förderer für eine Universität ein. 1907 entstand die Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung, 1908 das Hamburgische Kolonialinstitut. Das von Edmund Siemers gestiftete Vorlesungsgebäude wurde am 13. Mai 1911 übergeben und gehört bis heute zum zentralen Universitätsbereich. Nach dem Ersten Weltkrieg beschloss die erste frei gewählte Bürgerschaft 1919 ein vorläufiges Gesetz über eine Hamburgische Universität und Volkshochschule; 1921 folgte das erste reguläre Universitätsgesetz. Die Zahl der ordentlichen Professuren stieg von 19 auf 39. Das Allgemeine Krankenhaus Eppendorf wurde 1934 zum Universitätskrankenhaus.
In der Weimarer Republik erlebte die Universität eine erste Blüte. Mehrere tausend Studierende waren eingeschrieben, und Wissenschaftler wie Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Aby Warburg und Ernst Cassirer prägten die Hochschule. 1922 wurde die Hamburger Studentenhilfe gegründet; sie eröffnete ein Studentenwohnheim und später die erste Mensa der Stadt.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden 66 Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, also 21,4 % des Lehrkörpers, aus politischen Gründen vertrieben. Viele Betroffene waren Juden oder jüdischer Herkunft, darunter Ernst Cassirer, Erwin Panofsky, William Stern und Otto Stern. Agathe Lasch wurde Opfer des Holocaust. Die Universität bekannte sich bereits am 1. Mai 1933 in einer Festveranstaltung zu Adolf Hitler. Auch Bücher unliebsamer Autoren wurden aus Bibliotheken entfernt. Mindestens zehn Studierende wurden der Zusammenarbeit mit der Weißen Rose Hamburg verdächtigt und festgenommen; vier von ihnen starben. Eine Gedenkplatte im Audimax erinnert seit 1971 daran.
Bei Kriegsende war die Universität zu 75 Prozent zerstört. Im Wintersemester 1945/46 wurde sie wiedereröffnet. In diesem ersten Nachkriegssemester waren 2872 Studierende eingeschrieben. In der Bundesrepublik wuchs die Universität stark: Neue Fakultäten entstanden, große Gebäude wie Audimax, Philosophenturm, Geomatikum und der sogenannte Wiwi-Bunker kamen hinzu. 1967 wurde die Universität ein Ort der Studentenproteste. Die Aktion „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ wurde bundesweit bekannt. 1969 führte ein neues Universitätsgesetz zu einer Reform der Selbstverwaltung und zur Auflösung der traditionellen Fakultäten zugunsten von Fachbereichen. Später wurden Teile dieser Reformen wieder zurückgenommen.
Seit den 1990er-Jahren war die Universität von Sparmaßnahmen, Reformen und dem Bologna-Prozess geprägt. 2005 wurde die Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik gegen den Willen der beteiligten Universitäten in die Universität Hamburg eingegliedert. Die bisherigen Fachbereiche wurden in sieben Fakultäten zusammengefasst; seit 2014 gibt es acht Fakultäten. Ihr 100-jähriges Bestehen beging die Universität 2019 unter anderem mit einer Vorlesungsreihe zur eigenen Geschichte.
Fakultäten, Forschung und Kooperationen
Die Universität Hamburg gliedert sich in acht Fakultäten: Rechtswissenschaft; Wirtschafts- und Sozialwissenschaften; Medizin; Erziehungswissenschaft; Geisteswissenschaften; Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften; Psychologie und Bewegungswissenschaft; sowie Betriebswirtschaft. Zu den Fachbereichen gehören unter anderem Medizin, Rechtswissenschaft, Sozialökonomie, Sozialwissenschaften, Volkswirtschaftslehre, Evangelische Theologie, Geschichte, Philosophie, Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik.
Die Forschung ist breit aufgestellt. Es gibt Kooperationen mit außeruniversitären Einrichtungen, zum Beispiel mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, dem Deutschen Elektronensynchrotron (DESY), dem Hamburger Synchrotronstrahlungslabor (HASYLAB), dem Europäischen Molekularbiologielabor (EMBL) und mehreren Max-Planck-Instituten. Beispiele sind Forschungsarbeiten zu Lebensmittelallergien, Biomolekülen, Gesundheitsökonomie, Mikroalgen, Nanomaterialien, Solarzellen, Hydridspeichern, Lithiumbatterien und Strukturen von Krankheitserregern. Das Hamburg Center for Health Economics wurde 2010 gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gegründet.
Ein wichtiger Forschungsbereich ist die Klimaforschung. Das Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) bündelt Arbeiten von Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften und ist Teil des Netzwerks KlimaCampus Hamburg. Es koordiniert auch den Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society (CLICCS)“.
Zur Universität gehören mehrere Sonderforschungsbereiche. Sonderforschungsbereiche sind langfristige, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungsprojekte. Genannt werden acht SFB vor Ort und neun Beteiligungen, unter anderem zu braunem und beigem Fett, Erwartungen in medizinischen Behandlungen, Immunität und Entzündung, Energietransfer in Atmosphäre und Ozean, Lernen, neuronaler Kommunikation und Quantensystemen.
Seit 2019 werden vier Exzellenzcluster der Universität gefördert: „CUI: Advanced Imaging of Matter“ in Photonen- und Nanowissenschaften, „Climate, Climatic Change, and Society (CLICCS)“ in der Klimaforschung, „Understanding Written Artefacts“ in der Manuskriptforschung und „Quantum Universe“ in Mathematik, Teilchenphysik, Astrophysik und Kosmologie. An-Institute, also rechtlich eigenständige Einrichtungen mit enger Verbindung zur Universität, sind unter anderem das Leibniz-Institut für Medienforschung Hans-Bredow-Institut, das Leibniz-Institut für Virologie und das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik.
Studium und Lehre
Die Universität Hamburg bietet über 170 Studiengänge an. Die Zulassung ist stark digitalisiert. Seit 2014 ist die Universität in acht Fakultäten gegliedert, die wiederum aus Fachbereichen oder Departments bestehen. Der größte Einzelfachbereich ist die Medizin mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Der größte Studiengang ist Sozialökonomie mit über 2.200 Studierenden und den vier interdisziplinären Fachgebieten Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Recht und Soziologie.
Der überwiegende Teil der Studiengänge wurde zwischen 2005 und 2007 auf das Bachelor-/Master-System umgestellt. Bachelor und Master sind gestufte Studienabschlüsse: Der Bachelor ist meist der erste berufsqualifizierende Abschluss, der Master ein weiterführender Abschluss. Auch die Lehramtsstudiengänge wurden zum Wintersemester 2007/08 umgestellt. Der Staatsexamensstudiengang Lebensmittelchemie wurde zum Wintersemester 2016/17 umgestellt. Der Studienalltag wird über STiNE organisiert, ein elektronisches Studieninformationssystem für Modulanmeldungen, Prüfungstermine und Stundenpläne.
Für die Promotion, also den Erwerb eines Doktorgrades, gibt es acht Graduiertenkollegs und weitere Graduiertenschulen. Forschung und Lehre sind in vielen Bereichen eng verbunden, etwa in Klimaforschung, Nanotechnologie, Lebensmittelwissenschaften und Kooperationen mit DESY. Die Universität nutzt außerdem OpenOLAT als freie und quelloffene Plattform für Online-Lehre und unterstützt Open Access, Mobile Learning und Transparenz in der Lehre. Mit Lecture2Go werden öffentlich zugängliche Videoaufzeichnungen von Vorträgen und Lehrveranstaltungen bereitgestellt.
Eine Besonderheit ist das Studium ohne Abitur. In den Fachbereichen Wirtschaftsingenieurwesen und Sozialökonomie können Menschen ohne Abitur über den offenen Hochschulzugang per Hochschulzugangsprüfung studieren. Dafür gibt es Einführungskurse und Brückenseminare, die besonders für Menschen aus dem Zweiten und Dritten Bildungsweg gedacht sind. Allgemeine Studiengebühren wurden 2006 eingeführt, ab dem Sommersemester 2007 erhoben und zum Wintersemester 2012/2013 wieder abgeschafft. Weiterhin fällt ein Semesterbeitrag an; bei einer Einschreibung zum Sommersemester 2024 betrug er insgesamt 332 Euro.
Die Universität richtet sich nicht nur an eingeschriebene Studierende. Ein Allgemeines Vorlesungswesen steht seit 1919 der Öffentlichkeit offen. Es soll Bürgerinnen und Bürgern Einblick in Wissenschaft geben, lebenslanges Lernen ermöglichen und beim Übergang vom Studium in den Beruf oder bei der Studien- und Berufswahl helfen.
Campus, Einrichtungen und Universitätsleben
Der Hauptcampus liegt im Stadtteil Rotherbaum rund um den Von-Melle-Park. Dort befinden sich das Hauptgebäude mit Flügelbauten, die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, das Audimax und weitere Lehrgebäude. Weitere Standorte liegen über das Stadtgebiet verteilt: Die Medizinische Fakultät ist am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Physik unter anderem in Jungiusstraße, Bergedorf und Bahrenfeld, Biologie in Klein Flottbek und am Martin-Luther-King-Platz. Wegen vieler sanierungsbedürftiger Flächen wurde 2009 und 2010 ein Neubau auf dem Kleinen Grasbrook diskutiert, aber verworfen. Stattdessen soll der bestehende Campus in Eimsbüttel modernisiert und ausgebaut werden.
Neben der Staats- und Universitätsbibliothek gibt es an mehr als 40 Standorten Fachbibliotheken und Sondersammlungen. Eine der größten ist die 2005 fertiggestellte Rechtsbibliothek mit fünf Etagen. Für die Recherche dienen Katalogplus und KatalogHamburg.
Zum Universitätsleben gehören Mensen, Hochschulsport und studentische Gruppen. Das Studierendenwerk Hamburg betreibt 13 Mensen und wurde mehrfach für seine Verpflegung zertifiziert. Der Hochschulsport bietet Pauschaltarife wie FitnessCard, SportsCard und SchwimmCard sowie etwa 250 Kurse in 50 Sportarten an, darunter Segeln, Rudern, Kanu, Golf, Schwimmen, Tauchen, Klettern, Zumba und Segelfliegen.
An der Universität gibt es politische, überparteiliche, religiöse und andere studentische Gruppen. Studierende können sich im AStA, in Fachschaftsräten oder im Studierendenparlament beteiligen. Es gibt außerdem ein teilautonomes Queer-Referat und ein Referat für behinderte und chronisch kranke Studierende. Für ausländische Studierende wird eine Willkommenswoche angeboten. Außerdem existieren in Hamburg etwa 30 Studentenverbindungen; die ältesten hamburgischen Verbindungen sind das Corps Irminsul und die Landsmannschaft Hammonia.
Netzwerke, Beratung, Auszeichnungen und Kritik
Die Universität Hamburg unterhält internationale Partnerschaften mit ausländischen Universitäten. Diese umfassen Studierenden- und Wissenschaftsaustausch, die Teilnahme am ERASMUS-Programm, gemeinsame Promotionsprogramme und Forschungsprojekte. Für das Asien-Afrika-Institut bestehen besondere Partnerschaften mit Universitäten in asiatischen und afrikanischen Ländern; in der Japanologie gibt es Beziehungen zu elf japanischen Universitäten.
Die Universität ist Mitglied in mehreren Verbünden, darunter German U15, European University Association, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Deutscher Akademischer Austauschdienst und Verbund Norddeutscher Universitäten. Zwei Forschungszentren, das Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit und das Center for Sustainable Society Research, gehören zum Deutschen Klima-Konsortium.
Für Beratung und Berufseinstieg gibt es das Career Center als zentrale Einrichtung. Es begleitet Studierende und Absolventinnen und Absolventen mit Beratung, Coaching, beruflicher Orientierung, Karriereplanung und dem Aufbau von Schlüsselkompetenzen. Stellenwerk ist eine Marke der Universität Hamburg Marketing GmbH, die seit 2007 kommerzielle Jobportale für Hochschulen anbietet.
Die Universität erhielt 2010 das Zertifikat „audit familiengerechte hochschule“. 2019 erhielt sie das Diversity Audit des Stifterverbandes für die Einführung eines Diversity Managements. 2018 wurde ihr erneut das „Audit Internationalisierung“ der Hochschulrektorenkonferenz verliehen. Der wichtigste Forschungserfolg ist der Status als Exzellenzuniversität seit Juli 2019 für das Konzept der „Flagship University“.
Kritik gab es an der Universität Hamburg Marketing GmbH. Bemängelt wurden mangelnde Transparenz, hohe interne Kosten und die Konkurrenz kommerzieller Stellenwerk-Angebote zu gemeinnützigen Studenteninitiativen wie AIESEC, bonding und MTP. Zum 100-jährigen Bestehen der Universität gab die Deutsche Post AG am 1. März 2019 ein Sonderpostwertzeichen mit dem Nennwert von 260 Eurocent heraus.