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Weiße Rose
Sie entstand während des Zweiten Weltkriegs, ab Juni 1942 auf Initiative eines Freundeskreises um Hans Scholl und Alexander Schmorell. ... In diesen …
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Überblick und Bedeutung
Die Weiße Rose war eine hauptsächlich von Studierenden getragene deutsche Widerstandsgruppe gegen die nationalsozialistische Diktatur. Sie entstand während des Zweiten Weltkriegs ab Juni 1942 in München aus einem Freundeskreis um Hans Scholl und Alexander Schmorell. Die Gruppe berief sich auf christliche und humanistische Werte sowie auf Traditionen der bündischen Jugend.
Sie verfasste, druckte und verbreitete insgesamt sechs Flugblätter. Darin benannte sie Verbrechen des NS-Regimes und rief zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf. Zunächst wurden die Schriften in München verbreitet, später durch Kuriere auch in anderen Städten, vor allem in Süddeutschland. Die Auflage stieg zuletzt auf bis zu 9000 Exemplare. Nach der Schlacht von Stalingrad kamen Parolen an Münchner Hauswänden hinzu.
Die Weiße Rose wurde zwischen Ende Februar und April 1943 enttarnt und zerschlagen. Ihre prägenden Mitglieder wurden verhaftet, vom sogenannten „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und ermordet. Heute gilt sie als bekanntestes Beispiel des studentisch-bürgerlichen Widerstands innerhalb Deutschlands. Sie steht außerdem für Zivilcourage, moralische Verantwortung und den Einsatz für humanistisch-demokratische Ideale unter einer totalitären Diktatur. Die Urteile des „Volksgerichtshofs“ wurden 1998 durch das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege aufgehoben und als rechtswidrig erklärt.
Kern der Gruppe und ihre Motive
Zum inneren Kreis gehörten die Geschwister Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf und der Universitätsprofessor Kurt Huber. Schmorell und Probst kannten sich seit 1935 und studierten später Medizin in München. Hans Scholl lernte Schmorell 1941 im Medizinstudium kennen; 1942 kamen Sophie Scholl und Willi Graf zum Studium nach München, und Hans Scholl lernte Kurt Huber persönlich kennen. Daneben gab es Unterstützende, Mitwissende und befreundete oder einflussreiche Personen.
Die Beteiligten beschäftigten sich intensiv mit Literatur, Kunst und Musik. In den Flugblättern bezogen sie sich unter anderem auf Schiller, Goethe, Laozi, Aristoteles, das biblische Buch der Sprichwörter und Novalis. Sie stellten die humanistische und christlich-abendländische Kultur der nationalsozialistischen Ideologie gegenüber. Diese bezeichneten sie als „ungeistig“ und auf Betrug und Lüge gegründet.
Wichtig war die Forderung nach persönlicher Verantwortung: Wer angesichts staatlicher Verbrechen untätig bleibe, sei nicht bloß Zuschauer, sondern mache sich mitschuldig. Das zweite Flugblatt nannte offen den Mord an Juden und die planmäßige Vernichtung der polnischen Elite im besetzten Polen. Es sprach von „dreihunderttausend Juden“, die seit der Eroberung Polens „auf bestialische Art ermordet worden“ seien, und verurteilte die Gleichgültigkeit großer Teile der Bevölkerung.
Auch die Jugendbewegung prägte mehrere Mitglieder. Sie betonte Natur, Gemeinschaft, selbstständiges Denken und Unabhängigkeit. Hans Scholl war seit 1934 Mitglied der Deutschen Jungenschaft vom 1. November 1929; Christoph Probst gehörte der Jugendbewegung an. Willi Graf war in der illegalen katholischen Jugendbewegung Neudeutschland und im Grauen Orden aktiv. Hans und Sophie Scholl waren zunächst begeisterte Mitglieder von Hitlerjugend beziehungsweise Bund Deutscher Mädel. Nach dem Verbot unabhängiger Jugendorganisationen 1936 wurden Hans Scholl und Willi Graf 1937 und 1938 wegen „bündischer Umtriebe“ verhaftet und verhört.
Für mehrere Beteiligte war das Christentum eine wichtige Grundlage des Widerstands. Alexander Schmorell gehörte der russisch-orthodoxen Kirche an, Willi Graf war fest katholisch geprägt, und Christoph Probst ließ sich unmittelbar vor seinem Tod katholisch taufen. Hans und Sophie Scholl, evangelisch erzogen, wandten sich unter anderem unter dem Einfluss von Carl Muth einem reformkatholisch geprägten Christentum zu. Der Schriftsteller Theodor Haecker beeinflusste die Gruppe stark. Im dritten Flugblatt heißt es, der Staat solle eine Analogie der göttlichen Ordnung darstellen; im vierten wird dazu aufgerufen, das Böse dort anzugreifen, „wo es am mächtigsten ist“, nämlich „in der Macht Hitlers“.
Flugblätter und Wandparolen
Erfahrungen an der Front und Berichte über Massenmorde in Polen und Russland führten dazu, dass Lesen und Diskussionen den Beteiligten nicht mehr genügten. Alexander Schmorell und Hans Scholl begannen im Juni 1942 mit dem aktiven Widerstand. Die ersten vier Flugblätter entstanden im Sommer 1942 und wurden anonym per Post an Intellektuelle im Raum München versandt.
Vom 23. Juli bis 30. Oktober 1942 waren Graf, Hans Scholl und Schmorell als Sanitäter an der Ostfront eingesetzt. Danach setzten sie ihre Arbeit fort. Das fünfte Flugblatt, „Aufruf an alle Deutsche!“, wurde Ende Januar 1943 durch Kuriere in mehreren süddeutschen sowie einigen österreichischen Städten verteilt. Das sechste Flugblatt entstand vor dem Hintergrund der verlorenen Schlacht von Stalingrad und studentischer Proteste nach einer Rede des Gauleiters Paul Giesler am 13. Januar 1943.
Mit den Flugblättern wollte die Weiße Rose Widerstand gegen die NS-Herrschaft wecken und eine geistige Erneuerung anstoßen. Als politische Perspektive formulierte sie ein föderalistisches Deutschland in einem vereinten Europa nach dem Krieg.
In drei Nächten im Februar 1943 schrieben Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf mit schwarzer Teerfarbe und einer von Schmorell hergestellten Schablone Parolen an Gebäude. Am 4. und 9. Februar stand mehrfach „Freiheit“ und „Nieder mit Hitler“ am Eingang der Universität. Am 16. Februar brachten sie am Marienplatz und Viktualienmarkt „Massenmörder Hitler“ sowie durchgestrichene Hakenkreuze an etwa 30 Hauswänden an. In der letzten Phase versuchte die Gruppe über Falk Harnack, Kontakte zu weiteren Widerstandsgruppen in Berlin und zu systemoppositionellen Kreisen der Wehrmacht auszubauen.
Entdeckung, Verhaftungen und Urteile
Die Gestapo begann bereits im Juni 1942 Ermittlungen zu den ersten vier Flugblättern. Diese wurden zunächst eingestellt, weil während des Fronteinsatzes der Studenten keine neuen Flugblätter auftauchten. Nach erneuten Verteilungen setzte die Gestapo am 29. Januar 1943 in München eine Sonderkommission unter Kriminalsekretär Robert Mohr ein. Kriminaltechnische Untersuchungen ergaben, dass die Flugblätter auf derselben Maschine geschrieben worden waren. Nach den Wandparolen wurde eine Großfahndung eingeleitet; für Hinweise waren 1000 RM ausgesetzt.
In der Nacht vom 15. auf den 16. Februar 1943 verteilte die Gruppe 800 bis 1200 Flugblätter in München. Am 18. Februar betraten Hans und Sophie Scholl gegen 10:45 Uhr die Münchner Universität. Sie legten Exemplare des sechsten, daneben eine kleinere Menge des fünften Flugblatts vor Hörsälen und in Gängen aus. Sophie Scholl warf die übrigen Blätter vom zweiten Stock in den Lichthof. Der Hörsaaldiener Jakob Schmid entdeckte die Geschwister und hielt sie fest, bis die Gestapo eintraf.
Hans und Sophie Scholl wurden im Wittelsbacher Palais, der Gestapo-Zentrale, bis zum 21. Februar getrennt verhört. Noch am 18. Februar wurden Willi Graf und seine Schwester Anneliese verhaftet. Bei Hans Scholl fand man einen handschriftlichen Flugblattentwurf von Christoph Probst; dieser wurde am 21. Februar in Innsbruck festgenommen. Alexander Schmorell wurde nach mehrtägiger Flucht am 24. Februar in München erkannt, denunziert und verhaftet. Kurt Huber kam am 26. Februar 1943 in Haft.
Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst erhielten am 22. Februar 1943 Todesurteile. Sie wurden noch am selben Tag durch den Henker Johann Reichhart mit dem Fallbeil hingerichtet. Kurt Huber, Willi Graf und Alexander Schmorell wurden am 19. April 1943 ebenfalls zum Tode verurteilt. Huber und Schmorell wurden am 13. Juli 1943 im Gefängnis München-Stadelheim enthauptet. Willi Graf starb am 12. Oktober 1943 durch das Fallbeil, nachdem die Gestapo monatelang erfolglos versucht hatte, weitere Namen aus dem Umfeld der Weißen Rose von ihm zu erfahren.
Unmittelbare Reaktionen und Erinnerung
Die Erwartung der Weißen Rose, die Niederlage bei Stalingrad werde offenen Widerstand auslösen, erfüllte sich nicht. Die NS-Propaganda nutzte die Niederlage vielmehr zur Mobilisierung für den „totalen Krieg“. Am 18. Februar 1943 hielt Joseph Goebbels seine Sportpalastrede unter dem Jubel der Zuhörer.
Nach Bekanntwerden der Hinrichtungen versammelten sich am 22. Februar Münchner Studierende an der Universität. Sie protestierten gegen die „Verräter aus ihren Reihen“ und bejubelten Jakob Schmid. Zeitungen berichteten knapp über Verhaftungen und Hinrichtungen. Ein Bericht des SS-Sicherheitsdiensts vom 15. März 1943 stellte jedoch fest, dass Gerüchte über die Flugblätter beträchtliche Unruhe auslösten und dass sie nicht mehr so zuverlässig bei Behörden abgegeben würden. Freundinnen, Freunde und Unterstützende wurden bis Kriegsende verfolgt.
Im Ausland wurde der Widerstand bekannt: Die New York Times veröffentlichte im März und April 1943 erste Berichte. Thomas Mann würdigte am 27. Juni 1943 in seiner BBC-Sendung Deutsche Hörer! den Mut der Münchner Studierenden. Das sechste Flugblatt gelangte über Helmuth James Graf von Moltke nach Großbritannien und wurde im Juli 1943 als „Ein deutsches Flugblatt“ von Flugzeugen der Royal Air Force über Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Münster und Weimar abgeworfen.
Die Erinnerung an die Weiße Rose wird heute unter anderem von der Weiße Rose Stiftung, DenkStätten und dem Weisse Rose Institut getragen. Viele Straßen, Plätze und Schulen sind nach Mitgliedern benannt. Alexander Schmorell wurde heiliggesprochen. Außerdem behandeln zahlreiche Theaterstücke, Musicals, Opern, Filme, Musikstücke und Hörspiele die Gruppe und besonders Sophie Scholl.