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Zweiter Weltkrieg
Als Zweiter Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet.
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Charakter und Ausbruch des Weltkriegs
Der Zweite Weltkrieg war vom 1. September 1939 bis zum 2. September 1945 der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert. Über 60 Staaten waren direkt oder indirekt beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen trugen Waffen. Schätzungen zufolge wurden über 65 Millionen Menschen getötet; werden Holocaust (Shoa), Völkermord an den Sinti und Roma, andere Massenmorde, Vertreibungen, Zwangsarbeit, Kriegsverbrechen und Kriegsfolgen einbezogen, reichen die Schätzungen bis zu 80 Millionen Opfern.
In Europa begann der Krieg am 1. September 1939 mit dem von Adolf Hitler befohlenen Überfall auf Polen. In Ostasien kämpfte Japan bereits seit Juli 1937 gegen China. Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 führte zum Pazifikkrieg. Japan erklärte am selben Tag den USA und Großbritannien den Krieg; Deutschland und Italien folgten am 11. Dezember mit Kriegserklärungen an die USA. Damit waren der europäische und der ostasiatische Krieg zu einem Weltkrieg verbunden.
Die beiden großen militärischen Bündnisse waren die Achsenmächte und die Alliierten beziehungsweise die Anti-Hitler-Koalition. Hauptgegner Deutschlands waren Frankreich, das 1940 besiegt und teilweise besetzt wurde, Großbritannien mit den Commonwealth-Staaten, ab Juni 1941 die Sowjetunion und ab Dezember 1941 die USA. Die Kampfhandlungen in Europa endeten nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945. Japan kapitulierte am 2. September 1945 nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki sowie dem sowjetischen Kriegseintritt gegen Japan.
Vorgeschichte und Kriegsziele
Hitler und die NSDAP wollten die internationale Ordnung des Versailler Vertrags revidieren. Deutschland führte ab 1935 die allgemeine Wehrpflicht wieder ein, marschierte im März 1936 in das entmilitarisierte Rheinland ein, vollzog im März 1938 den Anschluss Österreichs und erhielt im Münchner Abkommen vom 30. September 1938 das Sudetenland. Die britische und französische Appeasement-Politik, also der Versuch einer friedlichen Verständigung mit Deutschland, erleichterte diese Schritte. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 gaben Großbritannien und Frankreich Polen eine Garantie, die kurz darauf in ein Bündnis umgewandelt wurde.
Am 23. August 1939 schlossen Deutschland und die Sowjetunion den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, den später sogenannten Hitler-Stalin-Pakt. Ein geheimes Zusatzprotokoll teilte Europa in Interessensphären auf. Es führte zur Aufteilung Polens zwischen Deutschland und der Sowjetunion sowie zur sowjetischen Besetzung weiterer Gebiete, darunter der baltischen Staaten und Teilen Finnlands und Großrumäniens.
Deutschland verfolgte weit mehr als eine Revision des Versailler Vertrags. Hitler forderte im Vierjahresplan von August 1936 die Kriegsfähigkeit der Armee und Wirtschaft innerhalb von vier Jahren, um Lebensraum, Rohstoffe und Ernährungssicherheit zu gewinnen. Der europäische Krieg war ein vom nationalsozialistischen Deutschland ausgelöster Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg. Ziele waren die deutsche Weltmachtstellung, ein Großreich aus eroberten und abhängigen Gebieten sowie eine rassistische Neuordnung Europas. Osteuropa sollte als Lebensraum für deutsche Siedler dienen; die dort lebenden, vorwiegend slawischen Völker sollten unterworfen, ausgebeutet, umgesiedelt oder vernichtet werden. Hinzu kam die systematische Vernichtung der europäischen Juden.
Auch Japan verfolgte eine aggressive Expansion. Die Mandschurei war bereits 1931 annektiert und 1932 zum japanischen Satellitenstaat Mandschukuo gemacht worden. Der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg begann am 7. Juli 1937. Japan wollte in Ostasien Rohstoffe, Arbeitskräfte, Absatzgebiete und Siedlungsland gewinnen und eine japanische Hegemonialmacht errichten. Italien hatte 1935 Äthiopien angegriffen und am 7. April 1939 Albanien besetzt.
Achsenmächte, Alliierte und Kriegswirtschaft
Der Antikominternpakt von 1936 war ein Ausgangspunkt der späteren Achse Deutschland–Japan–Italien. Ende September 1940 schlossen die drei Staaten den Dreimächtepakt. Er verpflichtete sie zu gegenseitiger Unterstützung, falls einer von einer bisher nicht am europäischen oder chinesisch-japanischen Krieg beteiligten Macht angegriffen würde. Der Vertrag richtete sich vor allem gegen einen Kriegseintritt der USA und ausdrücklich nicht gegen die Sowjetunion.
Die Westmächte erklärten Deutschland nach dem Überfall auf Polen am 3. September 1939 den Krieg, blieben zunächst aber weitgehend defensiv. Großbritannien wollte Deutschland durchhalten lassen, Italien schlagen und anschließend Deutschland besiegen. Die Sowjetunion versuchte zunächst, einen Krieg hinauszuzögern, bis ihre Fünfjahrespläne genügend militärisches Potenzial geschaffen hatten. Nach dem deutschen Angriff reorganisierte sie Heer und Luftwaffe; Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow übernahm wichtige operative Aufgaben. Die USA unterstützten Großbritannien und später die Sowjetunion. Das Leih- und Pachtgesetz vom Februar beziehungsweise 11. März 1941 ermöglichte direkte Lieferungen; allein an die Sowjetunion gingen ab 1941 über 15 Millionen Tonnen militärische Ausrüstung und Treibstoff.
Kriegswirtschaft bedeutete den Umbau der Volkswirtschaften zu einer Zentralverwaltungswirtschaft und die totale Mobilisierung von Ressourcen für Armee und Ernährung. Marktmechanismen wurden eingeschränkt. Deutschland und Japan setzten zunächst auf eine Blitzkriegstaktik und eine breit angelegte Rüstung, während die Sowjetunion seit 1928 eine standardisierte Massenproduktion betrieb. Ab 1942 stellten auch Deutschland und Japan ihre Kriegswirtschaft um. 1944 betrug die Kriegsgüterproduktion in den USA 40 % des Bruttonationaleinkommens, in Großbritannien und Japan je 50 % und im Deutschen Reich etwas über 50 %. Frauenarbeit nahm besonders bei den Alliierten zu; im Deutschen Reich, in Japan und in der Sowjetunion wurde Zwangsarbeit verbreitet eingesetzt.
Die Streitkräfte wuchsen stark: 1941 verfügten Großbritannien über 3,38 Millionen, die Sowjetunion über 7,10 Millionen, die USA über 1,62 Millionen, Deutschland über 7,31 Millionen, Japan über 2,42 Millionen und Italien über 3,23 Millionen Soldaten. 1945 lagen die Zahlen bei 5,09 Millionen für Großbritannien, 12,10 Millionen für die Sowjetunion, 11,43 Millionen für die USA, 7,83 Millionen für Deutschland und 7,73 Millionen für Japan.
Krieg in Europa: deutsche Expansion und Wendepunkt
Beim Überfall auf Polen am 1. September 1939 griff Deutschland ohne formale Kriegserklärung an. Der fingierte Überfall auf den Sender Gleiwitz sollte den Angriff rechtfertigen. Die Wehrmacht setzte fast drei Millionen deutsche Soldaten ein; Polen verfügte über ungefähr eine Million Soldaten. Am 17. September marschierte die Rote Armee in Ostpolen ein. Warschau kapitulierte am 26. September, die letzten polnischen Truppen am 6. Oktober. Das Land wurde zwischen Deutschland und der Sowjetunion geteilt. Die Besatzung war von Deportationen, Zwangsarbeit, Kriegsverbrechen und der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung der polnischen Juden geprägt.
An der Westfront herrschte zunächst der Sitzkrieg. Der deutsche Angriffsplan Fall Gelb wurde wegen schlechter Witterung, hoher deutscher Verluste und innerdeutscher Bedenken 29-mal verschoben. Am 9. April 1940 besetzte Deutschland Dänemark und griff Norwegen an, vor allem wegen der strategisch wichtigen Eisenerztransporte über Narvik. Am 10. Mai begann der Westfeldzug gegen die Niederlande, Belgien und Luxemburg. Der deutsche Vormarsch durch die Ardennen schnitt alliierte Truppen bei Dünkirchen ab. In der Operation Dynamo wurden ab dem 27. Mai etwa 338.000 Soldaten, darunter 145.000 Franzosen, evakuiert.
Die eigentliche Schlacht um Frankreich begann am 5. Juni. Paris wurde am 14. Juni besetzt; am 22. Juni unterzeichnete Frankreich den Waffenstillstand, der am 25. Juni in Kraft trat. Frankreich durfte nur 100.000 Soldaten mit leichten Waffen unterhalten. Der Norden und Westen wurden deutsch besetzt, im Süden entstand der von Philippe Pétain regierte Vichy-Staat. Großbritannien blieb trotz der Niederlage Frankreichs im Krieg.
In der Luftschlacht um England 1940/41 scheiterte der Versuch, die Royal Air Force auszuschalten und eine Invasion vorzubereiten. Britisches Radar, ein wirksames Leitsystem, die begrenzte Reichweite deutscher Jagdflugzeuge und eine höhere britische Flugzeugproduktion waren entscheidend. Im Oktober 1940 hatte die Luftwaffe 1733 Kampfflugzeuge verloren, die RAF 915. Die deutschen Angriffe auf London und andere Städte töteten 1940/41 etwa 43.000 Zivilpersonen; insgesamt starben 61.000 Briten durch deutsche Luftangriffe. Am 17. September 1940 wurde Unternehmen Seelöwe auf unbestimmte Zeit verschoben.
Italien trat am 10. Juni 1940 in den Krieg ein. Seine Angriffe in Nordafrika und Ostafrika scheiterten; britische Gegenoffensiven nahmen 130.000 italienische Soldaten in Nordafrika und über 100.000 in Ostafrika gefangen. Das Deutsche Afrikakorps unterstützte Italien ab Februar 1941. Der italienische Angriff auf Griechenland vom 28. Oktober 1940 wurde zum Fiasko und führte zum deutschen Balkanfeldzug im April 1941. Deutschland besetzte Jugoslawien und Griechenland; Kreta fiel nach schweren Verlusten am 1. Juni 1941 endgültig an die Deutschen.
Ostfront, Widerstand und alliierte Gegenoffensive
Am 22. Juni 1941 begann Unternehmen Barbarossa, der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. 153 deutsche Divisionen griffen auf einer Frontlänge von 1600 km an; insgesamt waren etwas über drei Millionen Heeressoldaten beteiligt, darunter 600.000 Soldaten verbündeter, neutraler und besetzter Staaten. Die Heeresgruppe Nord zielte auf Leningrad, die Heeresgruppe Mitte auf Moskau und die Heeresgruppe Süd auf die Ukraine. Der Angriff war kein Präventivkrieg, sondern im Kern ein ideologisch begründeter Eroberungs- und Vernichtungskrieg. Besatzungstruppen und SS-Einsatzgruppen ermordeten systematisch Juden, beuteten Gebiete aus und verschleppten Millionen Menschen zur Zwangsarbeit.
Nach anfänglichen deutschen Erfolgen scheiterte Barbarossa. Die Wehrmacht erreichte im Herbst 1941 etwa 70 Kilometer vor Moskau, wurde aber im Dezember von der Roten Armee unter Schukow zurückgedrängt. Deutschland verlor bis Ende Januar 1942 rund ein Drittel seiner Soldaten. Unternehmen Blau sollte 1942 Stalingrad und die kaukasischen Erdölgebiete erobern. Die deutsche Führung teilte die Kräfte und überdehnte die Front. Die 6. Armee wurde in Stalingrad eingekesselt und kapitulierte am 31. Januar beziehungsweise der Nordkessel am 2. Februar 1943. Die Schlacht kostete auf sowjetischer Seite etwa 500.000 Tote; deutsche und verbündete Truppen verloren, Tote und Gefangene zusammengerechnet, ebenfalls etwa eine halbe Million Mann. Stalingrad war der psychologische Wendepunkt.
Das Unternehmen Zitadelle bei Kursk wurde im Juli 1943 nach wenigen Tagen abgebrochen. Die Rote Armee ging zum dauerhaften Gegenangriff über, eroberte unter anderem Kiew zurück und sprengte im Januar 1944 den Belagerungsring um Leningrad. Im Sommer 1944 zerschlug die Operation Bagration die deutsche Heeresgruppe Mitte; 28 deutsche Divisionen gingen verloren.
Widerstand entstand in vielen besetzten Gebieten. Kollaboration reichte von neutraler und taktischer Zusammenarbeit bis zur bedingungslosen ideologischen Unterstützung. In Osteuropa beteiligten sich zeitweise fast eine Million Verbündete und Freiwillige am Krieg auf deutscher Seite. Die Besatzungspolitik aus Repression, Ausbeutung und Rassenverfolgung führte jedoch vielfach zum Umschwung. Partisanen kämpften besonders in Jugoslawien, Griechenland und der Sowjetunion. Die deutsche Partisanenbekämpfung war von schweren Verstößen gegen das Kriegsrecht und Massakern an Zivilisten geprägt.
Pazifikkrieg, Kriegsende und Folgen
Japan griff am 7. Dezember 1941 Pearl Harbor an. Flugzeuge von sechs Flugzeugträgern versenkten fünf US-Schlachtschiffe, von denen drei später wieder flottgemacht werden konnten, sowie 14 weitere größere Kriegsschiffe. Weil Docks, Werften, Treibstofflager und die drei nicht anwesenden US-Flugzeugträger verschont blieben, konnten die USA ihre Pazifikflotte rasch wiederaufbauen. Japan eroberte bis März 1942 große Teile Südostasiens und Pazifikinseln mit etwa 450 Millionen Menschen. Am 15. Februar 1942 kapitulierten in Singapur 139.000 Briten, Australier und Inder.
Die Schlacht im Korallenmeer Anfang Mai 1942 verhinderte die japanische Landung bei Port Moresby. In der Schlacht um Midway Anfang Juni 1942 verlor Japan vier Flugzeugträger und 200 Flugzeuge mit erfahrenen Piloten und Ausbildern. Midway war der Wendepunkt des Pazifikkriegs. Nach Guadalcanal setzten die USA auf Island Hopping, also das Umgehen starker japanischer Stützpunkte und die schrittweise Eroberung wichtiger Inseln. Entschlüsselung japanischer Funkcodes, erfolgreiche US-U-Boote und die amerikanische Überlegenheit bei Flugzeugen, Schiffen und Radar schwächten Japan weiter. In der See- und Luftschlacht im Golf von Leyte 1944 verlor Japan fast seine gesamte verbliebene Seestreitmacht.
Am 6. Juni 1944 landeten die Westalliierten in der Normandie. An der Operation Neptune waren etwa 6700 Schiffe, mehr als 4000 Landungsboote und über 11.000 Flugzeuge beteiligt; 175.000 alliierte Soldaten wurden an Land gesetzt. Im August folgte die Landung in Südfrankreich. Paris wurde am 25. August befreit, Aachen fiel am 21. Oktober. Die Ardennenoffensive vom 16. Dezember 1944 scheiterte. Am 1. April 1945 wurde die deutsche Heeresgruppe B im Ruhrkessel eingeschlossen. Am 25. April trafen US-amerikanische und sowjetische Truppen an der Elbe zusammen. Berlin fiel am 2. Mai; Hitler hatte am 30. April Selbstmord begangen. Die bedingungslose Kapitulation trat am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft; in der Sowjetunion wurde der 9. Mai als Tag des Sieges begangen.
Am 6. und 9. August 1945 wurden Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. In Hiroshima waren sofort 70.000–80.000 Menschen tot, in Nagasaki etwa 20.000. Nach der sowjetischen Kriegserklärung vom 8. August und der Invasion der Mandschurei verkündete der japanische Kaiser am 15. August die Kapitulation, die am 2. September auf der Missouri unterzeichnet wurde.
Irland, Portugal, Schweden, die Schweiz und Spanien blieben neutral; die Türkei erklärte Deutschland und Japan am 23. Februar 1945 den Krieg, wird wegen ihrer militärischen Nichtbeteiligung aber meist ebenfalls zu den Neutralen gezählt. Die Schweiz nahm 1939–1945 rund 300.000 Menschen auf und wies oder schob rund 20.000 Menschen zurück. Spanien unterstützte Deutschland mit Rohstoffen, Häfen und der etwa 47.000 Mann starken Blauen Division, erklärte sich 1943 aber wieder neutral.
Der Krieg zerstörte Städte, historische Stadtviertel und politische Ordnungen. 1945 wurde die UNO gegründet; ständige Mitglieder ihres Sicherheitsrats wurden USA, Sowjetunion, China, Großbritannien und Frankreich. Die europäischen Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich verloren ihre Überseeherrschaft, die meisten Kolonien wurden unabhängig. Die vom Zweiten Weltkrieg geprägte Epoche endete nach der Darstellung des Artikels erst mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem Ende des Kalten Krieges.
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