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Konzentrationslager

Dieser Artikel behandelt das zwischen 1933 und 1945 entstandene und unterhaltene System der Konzentrationslager im Herrschaftsbereich des Deutschen Reiches.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Entwicklung des KZ-Systems
  2. 2. Lagerarten, Vernichtung und Zwangsarbeit
  3. 3. SS-Herrschaft und Alltag der Gefangenen
  4. 4. Opfer, Gewalt und Todesursachen
  5. 5. Besetzte Gebiete und Befreiung
  6. 6. Erinnerung und strafrechtliche Aufarbeitung

Bedeutung und Entwicklung des KZ-Systems

Konzentrationslager (KZ, auch KL, KoLa oder KonzLg) waren von 1933 bis 1945 ein zentraler Teil des nationalsozialistischen Unterdrückungsapparats im Herrschaftsbereich des Deutschen Reiches. Nach 1940 gab es rund 1.000 deutsche Konzentrations- und KZ-Nebenlager sowie sieben Vernichtungslager unter staatlicher Aufsicht. Sie dienten der Verfolgung politischer Gegner, der Ausbeutung durch Zwangsarbeit, Menschenversuchen, der völkerrechtswidrigen Internierung von Kriegsgefangenen und vor allem dem rassistisch begründeten Völkermord an den europäischen Juden.

Die Entwicklung wird in vier Phasen gegliedert. 1933–1935 wurden vor allem politische und gesellschaftliche Gegner eingeschüchtert und verfolgt. Die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 setzte den Schutz der persönlichen Freiheit außer Kraft. Frühe Lager waren häufig improvisierte Folterstätten; das KZ Nohra wurde am 3. März 1933 eingerichtet, Dachau am 13. März 1933 und Oranienburg am 21. März 1933. Bis Mitte März 1933 waren über 100.000 Menschen inhaftiert. Nach der Entmachtung der SA 1934 unterstanden alle KZ der SS; Theodor Eicke leitete die Inspektion der Konzentrationslager (IKL). Die Lager wurden rechtsfreie, von der Außenwelt abgeschirmte Räume.

1936–1938 nahm die Zahl der Gefangenen zu und die Verfolgung richtete sich verstärkt gegen Gruppen, die nicht dem NS-Bild der „Volksgemeinschaft“ entsprachen, etwa als „Asoziale“ oder „Arbeitsscheue“ Bezeichnete, Homosexuelle und Zeugen Jehovas. 1938 wurden bei der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ über 10.000 Menschen verschleppt; während der Novemberpogrome kamen 26.000 Juden in Haft. Ende 1938 befanden sich fast 60.000 Menschen in KZ.

1939–1941 wurden zunehmend Menschen aus den eroberten Gebieten und sowjetische Soldaten inhaftiert; Ende 1940 gab es 53.000 Häftlinge. Die Lager wurden in drei Kategorien unterschiedlicher Härte eingeteilt. Die Sterblichkeit stieg stark, etwa in Dachau von 4 % auf 36 % im Jahr 1942. Von 1942 bis 1945 wurde die massenhafte Verfolgung und Ermordung europäischer Juden zum Hauptziel. Im Januar 1945 waren 714.211 Menschen in KZ gefangen. Insgesamt waren schätzungsweise zweieinhalb bis drei Millionen Menschen für Wochen oder Jahre in Konzentrationslagern eingesperrt.

Lagerarten, Vernichtung und Zwangsarbeit

Das KZ-System bestand aus 24 Stammlagern mit zuletzt weit über 1.000 organisatorisch unterstellten Außenlagern. Eine andere, weiter gefasste Zählung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ kommt auf 3.846 Lager. Fachleute des Holocaust Memorial Museums in Washington errechneten rund 42.500 NS-Lager, wenn auch Außen-, Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager, Ghettos, Judenhäuser, Zwangsbordelle und Heime für Euthanasieopfer einbezogen werden.

KZ-Außenlager oder Außenkommandos waren einem Stammlager und dessen Kommandanten unterstellt. Sie entstanden besonders im Zusammenhang mit Rüstungsprojekten. Der Auschwitz-Komplex aus Auschwitz I, Auschwitz-Birkenau und Auschwitz-Monowitz hatte eine Schlüsselstellung: Hier verbanden sich Rüstungsproduktion, Vernichtung durch Arbeit und direkter Massenmord.

Zwangsarbeit bedeutete im NS-KZ-System vor allem „Vernichtung durch Arbeit“: Menschen wurden durch Arbeits- und Lebensbedingungen ermordet. Die Lebensmittelrationen lagen bei körperlicher Arbeit unter dem Existenzminimum. Nicht mehr arbeitsfähige Kranke wurden, wenn keine baldige Arbeitsfähigkeit erwartet wurde, etwa durch Phenol getötet oder nach einer Selektion in Vernichtungslager deportiert. Gleichzeitig gewann die Arbeit im Krieg kriegswirtschaftliche Bedeutung. Die SS setzte Häftlinge in eigenen Betrieben ein und verlieh sie an die Rüstungsindustrie. Als Beispiel nennt der Artikel die I.G. Farben und das bei Oświęcim errichtete Werk mit dem KZ Auschwitz III Monowitz.

Vernichtungs- oder Todeslager waren vor allem für die massenhafte Ermordung von Juden, außerdem von Roma und Sinti sowie weiteren Opfergruppen bestimmt. Zunächst wurden Gaswagen, später vor allem Gaskammern eingesetzt. Zwischen Dezember 1941 und Juli 1942 entstanden im besetzten Polen Lager in Chelmno, Belzec, Sobibor und Treblinka sowie Maly Trostinez in Weißrussland. Auschwitz-Birkenau und Majdanek waren zugleich Konzentrations- und Vernichtungslager; dort kamen Gaskammern erst nach der Inbetriebnahme hinzu. Sie unterschieden sich von anderen KZ besonders durch die enorme Zahl jüdischer Opfer.

Durchgangslager und Sammellager beziehungsweise Ghettos waren dem KZ- und Vernichtungssystem vorgeschaltet. Sie dienten häufig dazu, Deportationstransporte zusammenzustellen oder Menschen festzuhalten, bis Transport- und Vernichtungskapazitäten verfügbar waren. In Osteuropa richtete die SS etwa 600 so bezeichnete Ghettos ein, in denen mindestens vier Millionen Menschen interniert wurden. Begriffe wie „Wohnbezirk“ oder „Durchgangslager“ verschleierten oft die tatsächliche Funktion; der Durchgang etwa durch Theresienstadt oder Westerbork bedeutete vielfach den Tod.

SS-Herrschaft und Alltag der Gefangenen

Die IKL war die zentrale Führungs- und Verwaltungsbehörde der KZ. 1942 wurde sie als Amtsgruppe D in das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (SS-WVHA) eingegliedert, das Oswald Pohl leitete. Damit waren die Lager nicht in normale staatliche Hierarchien eingebunden; die SS konnte etwa Leistungen ihrer Wirtschaftsbetriebe und Häftlingszwangsarbeit abrechnen.

An der Spitze eines Lagers stand der Kommandant mit Kommandantur und Wachmannschaften. Weitere Bereiche waren die Politische Abteilung beziehungsweise Lager-Gestapo, der Schutzhaftlagerführer für innere Ordnung, Tagesablauf und Appelle, die Verwaltung, das Sanitätswesen und teilweise eine Abteilung für SS-Fürsorge und Truppenbetreuung. Rapportführer, Arbeitseinsatzführer und in Frauenlagern gegebenenfalls die Oberaufseherin unterstanden dem Schutzhaftlagerführer. Blockführer überwachten einzelne Blocks und bestimmten mit über die Arbeitskommandos sowie Block- und Stubenälteste.

Die SS setzte Funktionshäftlinge als Hilfspolizei ein. Ein Kapo leitete im Auftrag der SS die Arbeit anderer Gefangener und war für Ergebnisse verantwortlich. Vergünstigungen wie bessere Essensrationen konnten diese Hierarchie stützen; diese Methode wird als Teile-und-Herrsche-Strategie bezeichnet.

Bei der Aufnahme wurden den Gefangenen Haare und Privatkleidung genommen; anstelle des Namens erhielten sie eine Häftlingsnummer. In einem Bereich von Auschwitz wurde sie eintätowiert. Häftlingsgruppen wurden durch farbige Dreiecke auf der Kleidung gekennzeichnet und aus Sicht der SS hierarchisiert; Juden standen dabei regelmäßig am unteren Ende. Deutsch war die offizielle Lagersprache. Gefangene mussten Befehle und ihre Nummer auf Deutsch verstehen und nennen können; untereinander entwickelte sich teils ein deutschbasiertes, multinationales Sprachgemisch, das als „Lagerszpracha“ bezeichnet wird.

Der Alltag diente der möglichst langen Ausnutzung der Arbeitskraft. Im Beispiel Flossenbürg begann er im Sommer oder Winter um 4:00 beziehungsweise 5:00 Uhr, gefolgt vom Zählappell um 5:15 Uhr, Arbeit von 6:00 bis 12:00 Uhr und von 13:00 bis 18:30 Uhr, einem weiteren Appell um 19:00 Uhr und Nachtruhe ab 21:00 Uhr. In manchen Lagern wurde rund um die Uhr in zwei Schichten gearbeitet. Zählappelle kontrollierten die Vollständigkeit der Häftlinge und wurden auch als Kollektivstrafe eingesetzt. Arbeitskommandos konnten die Überlebenschancen stark beeinflussen: Arbeit in Gebäuden war meist erträglicher als schwere Außenarbeit bei Kälte. Manche Kommandos mussten bei Mord und Leichenbeseitigung mitwirken, etwa Krematoriumskommandos oder das Sonderkommando Auschwitz-Birkenau.

Opfer, Gewalt und Todesursachen

Etwa zwei Drittel der geschätzt sechs Millionen Juden, die der Shoah oder dem Holocaust zum Opfer fielen, wurden nach der Darstellung direkt in Vernichtungs- und Konzentrationslagern ermordet oder starben dort an systematischer Unterernährung, Misshandlungen und unbehandelten Krankheiten. Das übrige Drittel starb in Ghettos, bei Massenerschießungen vor allem durch Einsatzgruppen, sowie in der letzten Kriegsphase bei Todesmärschen und Deportationen. Weitere Opfergruppen waren unter anderem Kommunisten, Sozialisten, Pfarrer, Systemkritiker, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, geistig Behinderte und als „Asoziale“ Bezeichnete. Die genaue Zahl aller Toten ist unklar, weil Unterlagen fehlten, verloren gingen oder Täter Zeugnisse und Zeugen gezielt beseitigten.

In der Endphase ab Dezember 1944 starben vermutlich 240.000 Häftlinge direkt oder indirekt infolge von Mangelernährung, unzureichender Kleidung, Schwerstarbeit, Todesmärschen, Luftangriffen und Seuchen. Auch nach der Befreiung starben noch Tausende an Krankheiten, Unterernährung oder Refeeding-Syndrom.

Medizinische Experimente an KZ-Häftlingen wurden durch Wehrmacht, Forschungseinrichtungen, Universitäten und Pharmaindustrie unterstützt. Genannt werden Fleckfieber-, Malaria- und Tuberkuloseversuche, Operationsversuche mit absichtlich zugefügten Verletzungen, Salzwasserversuche in Dachau und Versuche mit chemischen Kampfstoffen in der Gaskammer von Natzweiler-Struthof. Versuchspersonen starben meist qualvoll; Überlebende und beteiligtes Personal wurden teilweise zur Vertuschung getötet. Der Nürnberger Ärzteprozess dauerte vom 9. Dezember 1946 bis zum 20. August 1947.

Todesursachen wurden im NS-Aktenverkehr häufig verschleiert. Zu den Chiffren gehörten 14 f 1 für „natürliche Todesfälle“, 14 f 2 für „Freitod oder Tod durch Unglücksfall“, 14 f 3 für „Erschießung auf der Flucht“, 14 f I für „Exekution“ und 14 f 13 für „Sonderbehandlung kranker und gebrechlicher Häftlinge“. „Sonderbehandlung“ meinte in der Regel Ermordung, etwa durch Vergasen oder Giftspritze. Sonderstandesämter erstellten mit gefälschten ärztlichen Bescheinigungen Todesmeldungen, deren angegebene Ursachen meist nicht der tatsächlichen individuellen Todesursache entsprachen.

Strafen konnten Kommandanten weitgehend selbst verhängen. Der „Bunker“ war das KZ-Gefängnis: häufig Einzelhaft, oft ohne Nahrung oder Licht, teilweise in Stehzellen. Er wurde auch als Ort für Folter genutzt.

Besetzte Gebiete und Befreiung

Konzentrations-, Vernichtungs-, Durchgangslager und Ghettos bestanden in vielen besetzten Gebieten Europas. Besonders dicht war das Netz im besetzten Polen und in Osteuropa, wo sich unter anderem Auschwitz, Sobibor, Treblinka, Chelmno und Belzec befanden. Maly Trostinez lag im heutigen Belarus. Auch in der Ukraine und den besetzten Teilen Russlands wurden Juden, als Partisanen verdächtigte Zivilisten und Kommunisten verschleppt oder erschossen. Das KZ Osaritschi wurde von der Wehrmacht vom 12. bis 19. März 1944 für arbeitsunfähige Zivilisten errichtet; mindestens 9.000 Menschen starben dort in einer Woche.

Der Artikel nennt außerdem Lager in Belgien, Dänemark, Italien, Griechenland, den Niederlanden, Norwegen und auf der Kanalinsel Alderney. In Frankreich gab es mit Natzweiler-Struthof nur ein KZ unter SS-Wachmannschaften; daneben bestanden zahlreiche Lager unterschiedlicher Funktion. Einige dienten durch Zusammenarbeit des Vichy-Regimes mit den deutschen Besatzern der Zusammenstellung von Deportationen in Vernichtungslager. Das Sammellager Drancy war ein zentraler Ausgangsort solcher Transporte.

Am 23. Juli 1944 befreite die Rote Armee Majdanek. Am 27. Januar 1945 wurden Auschwitz-Monowitz, Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Truppen befreit; in Birkenau waren fast 5.800 kranke und entkräftete Häftlinge zurückgelassen worden. Es folgten unter anderem Buchenwald am 11. April, Westerbork am 12. April, Bergen-Belsen am 15. April und Dachau am 29. April 1945. Britische Truppen fanden Neuengamme am 2. Mai leer vor, nachdem die SS die letzten 600 bis 700 Häftlinge abtransportiert hatte. Am 3. Mai ertranken bei der Versenkung von Cap Arcona und Thielbek schätzungsweise 6.400 bis 7.300 KZ-Häftlinge. Die letzten Häftlinge wurden am 10. Mai 1945 in Flensburg befreit.

Nach der Befreiung wurden Überlebende als Displaced Persons in DP-Lagern untergebracht und unter anderem durch UNRRA und IRO versorgt. Viele starben in den ersten Monaten noch wegen ihres schlechten Gesundheitszustands und mangelhafter Versorgung. Die Rückkehr in die Herkunftsländer war für jüdische, russische, polnische und südosteuropäische Überlebende besonders schwierig. Das letzte DP-Lager in Deutschland, Föhrenwald, schloss 1957.

Erinnerung und strafrechtliche Aufarbeitung

Nach der Befreiung konfrontierten die Alliierten die deutsche Bevölkerung mit den Verbrechen. Menschen aus der Umgebung der Lager wurden gezwungen, Lagerteile und Leichen zu sehen und Tote würdig zu bestatten. Fotos und Filme entstanden auch als Beweismittel für Gerichtsverfahren; der Film Die Todesmühlen von 1945 war für Vorführungen im besetzten Deutschland und Österreich bestimmt.

Die 1943 gegründete United Nations War Crimes Commission sicherte Beweise, erstellte Täterlisten und bereitete Verfahren wegen Kriegsverbrechen vor. Nach dem Krieg folgten zahlreiche NS-Prozesse. In den Nürnberger Nachfolgeprozessen wurden Verantwortliche des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts sowie von Flick, I.G. Farben und Krupp wegen unter anderem Versklavung, Misshandlung, Einschüchterung, Folterung, Ermordung und planmäßiger Ausbeutung verurteilt. Weitere wichtige Verfahren waren der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, die Rastatter Prozesse, die Frankfurter Auschwitzprozesse, der Krakauer Auschwitzprozess, die Dachauer Prozesse, der Bergen-Belsen-Prozess sowie Prozesse gegen Adolf Eichmann und Rudolf Höß.

Überlebende gründeten Häftlingsvereinigungen, etwa das Comité International de Dachau, das Internationale Sachsenhausen-Komitee, die Amicale de Mauthausen und die Fédération Internationale des Résistants. Zeitzeugenberichte wurden gesammelt, beispielsweise in David Boders Interviews von 1946, im Film Shoah von Claude Lanzmann sowie im Visual History Archive der Shoah Foundation. Solche Zeugnisse, Dokumentationen, Zeichnungen und Spielfilme dienen der Erinnerung an die Opfer und der Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Lagersystem.

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