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Nationalsozialismus

Seine Wurzeln hat er in der völkischen Bewegung, die sich etwa zu Beginn der 1880er Jahre im deutschen Kaiserreich und in Österreich-Ungarn entwickelte. Ab 1919 …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition, Herrschaft und Folgen
  2. 2. Entstehung und politische Wurzeln
  3. 3. Programm, Rassenideologie und Führerstaat
  4. 4. Wirtschaft, Sozialismus und Gewerkschaften
  5. 5. Religion und Kirchenpolitik

Definition, Herrschaft und Folgen

Der Nationalsozialismus ist eine radikal antisemitische, rassistische, ultranationalistische, völkische, sozialdarwinistische, antikommunistische, antidemokratische und antipluralistische Ideologie. „Völkisch“ bedeutet hier, Menschen nach einer angeblichen Abstammungs- und Blutsgemeinschaft einzuteilen; Sozialdarwinismus überträgt die Vorstellung eines Kampfes ums Überleben auf menschliche Gruppen. Im Zentrum standen eine rassistisch definierte „Volksgemeinschaft“, die Ausgrenzung angeblich „minderwertiger“ Menschen, die Unterordnung unter einen „Führer“ sowie militärische Expansion.

Die 1920 gegründete Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) gelangte unter Adolf Hitler am 30. Januar 1933 an die Macht. Durch Terror, Rechtsbrüche und „Gleichschaltung“, also die erzwungene Unterordnung staatlicher und gesellschaftlicher Einrichtungen, verwandelte sie die Weimarer Republik in eine Diktatur. Mit dem Überfall auf Polen löste das NS-Regime 1939 den Zweiten Weltkrieg aus. Nationalsozialisten und ihre Kollaborateure begingen zahlreiche Kriegsverbrechen und Massenmorde, darunter den Holocaust an etwa sechs Millionen europäischen Juden sowie den Völkermord an den europäischen Sinti und Roma. Die Herrschaft endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945.

Seit 1945 sind in Deutschland und Österreich NS-Propaganda, die Verwendung damaliger Symbole und politische Betätigung im nationalsozialistischen Sinn verboten; andere Staaten kennen ähnliche Verbote. Neonazis und andere Rechtsextremisten vertreten dennoch weiterhin nationalsozialistische oder verwandte Ideen. In der Forschung ist umstritten, ob der Nationalsozialismus als Form des Faschismus oder des Totalitarismus eingeordnet werden sollte oder wegen seines rasseideologischen Programms und des Holocaust als eigenständiges, singuläres Phänomen zu betrachten ist.

Entstehung und politische Wurzeln

Die Wurzeln des Nationalsozialismus lagen in der völkischen Bewegung, die sich seit Beginn der 1880er Jahre im Deutschen Kaiserreich und in Österreich-Ungarn entwickelte. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand daraus ab 1919 eine eigenständige politische Bewegung. In ihr verschmolzen rassistische, antisemitische, extrem nationalistische, imperialistische und antikommunistische Strömungen.

Antisemitische Parteien und Verbände verlangten seit dem späten 19. Jahrhundert eine Rücknahme der rechtlichen Gleichstellung der Juden. Zu den organisatorischen Vorläufern gehörten der Reichshammerbund, der Germanenorden, die Münchner Thule-Gesellschaft und der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund. Letzterer besaß 1920 rund 200.000 Mitglieder in 600 Ortsgruppen. Der 1891 gegründete Alldeutsche Verband forderte eine gewaltsame Erweiterung deutschen „Lebensraums“ und nach 1918 eine „nationale Diktatur“.

Nach der Oktoberrevolution von 1917 verbreiteten antikommunistische Gruppen und Freikorps die Behauptung eines „jüdischen Bolschewismus“. Sie setzten Juden und Kommunisten gleich und verbanden dies mit der Verschwörungstheorie eines angeblich nach Weltherrschaft strebenden „Weltjudentums“. Der Antisemitismus wurde zum wichtigsten Bindeglied der verschiedenen Strömungen. Zugleich lehnten sie die Weimarer Republik als angebliche „Judenrepublik“, den Marxismus, den politischen Katholizismus und die pluralistische Demokratie ab. Teile der völkischen Bewegung vertraten außerdem eugenische Ideen einer angeblichen „Menschenzucht“.

Programm, Rassenideologie und Führerstaat

Der Nationalsozialismus besaß zunächst keine geschlossene Lehre. Die verschiedenen Strömungen wurden vor allem durch Hitler zusammengehalten, der als charismatischer „Führer“ beanspruchte, die Ideologie verbindlich auszulegen. Eine NS-Losung lautete daher: „Unser Programm heißt Hitler“.

Das 25-Punkte-Programm der NSDAP von 1920 verband mehrere Ziele:

  • Alle Deutschen sollten in einem „Groß-Deutschland“ vereinigt und der Versailler Vertrag aufgehoben werden. „Land und Boden (Kolonien)“ sollten Ernährung und Ansiedlung ermöglichen.
  • Staatsbürger sollte nur sein, wer als „deutschen Blutes“ galt. Juden wurden ausdrücklich aus der „Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen; vorgesehen waren ihr Ausschluss aus Ämtern sowie Einwanderungsverbote und Ausweisungen für als „Nichtdeutsche“ definierte Menschen.
  • Sozial klingende Forderungen umfassten allgemeine Arbeitspflicht, „Brechung der Zinsknechtschaft“, Verstaatlichung bereits vergesellschafteter Großbetriebe, Gewinnbeteiligung, Ausbau der Altersversorgung und Schutz des Mittelstandes. Viele dieser Punkte blieben unklar oder wurden später verändert beziehungsweise ignoriert.
  • Pressefreiheit, Kunst und Kultur sollten staatlich kontrolliert werden. Gefordert wurden eine starke Zentralgewalt und „unbedingte Autorität“, womit die spätere Gleichschaltung bereits angelegt war.

In Mein Kampf erklärte Hitler die Eroberung von „Lebensraum“ in Osteuropa, besonders in „Russland und den ihm untertanen Randstaaten“, zum außenpolitischen Ziel. Seine Rassenlehre behauptete einen Kampf zwischen „höheren“ und „niederen“ Rassen und erklärte „Rassenvermischung“ zur Gefahr. Der Staat sollte angeblich „erbkranke“ und „behinderte“ Menschen zwangssterilisieren und zugleich als „rassisch wertvoll“ eingestufte Familien fördern. Antisemitismus verband Hitler mit einer widersprüchlichen Verschwörungstheorie: Juden wurden zugleich als weltbeherrschende Macht und als angeblich minderwertige „Parasiten“ dargestellt. In Mein Kampf sprach er auch eine präventive Tötung von Juden mit Giftgas an. Saul Friedländer bezeichnet diese über traditionelle Judenfeindschaft hinausgehende Vorstellung als „Erlösungsantisemitismus“.

Der Führerkult entwickelte sich nach dem gescheiterten Hitlerputsch von 1923. Die NSDAP wurde zur streng hierarchischen Führerpartei. Nach 1933 entstand durch die Ausschaltung selbstständiger Institutionen ein Führerstaat. Nach dem Tod Paul von Hindenburgs wurde Hitler am 2. August 1934 als „Führer und Reichskanzler“ auch Oberster Befehlshaber der Wehrmacht; seit 1938 trat das Regierungskabinett nicht mehr zusammen. Der Staat wurde zunehmend durch Hitlers Erlasse und seinen persönlichen Willen gelenkt und konnte nach Kriegsniederlage und Hitlers Tod nur kurz fortbestehen.

Weitere Kennzeichen waren Propaganda und Masseninszenierungen, Einparteienherrschaft, Aufhebung der Gewaltenteilung, Polizeistaat, Militarismus und Imperialismus. Ab 1933 betrieb das Regime zunächst heimlich, dann offen die Aufrüstung. Sein Eroberungsprogramm zielte nach Ansicht der meisten Historiker auf das europäische Festland und die Sowjetunion bis zur Linie Archangelsk–Uralgebirge–Kaukasus; andere Forscher sehen Hinweise auf das Ziel einer Weltherrschaft. Zur Ideologie gehörten außerdem „Blut und Boden“, die Verherrlichung des Bauernstandes, Männerherrschaft und soldatische Härte sowie der Anspruch einer „Herrenrasse“, andere Bevölkerungen unterdrücken, vertreiben oder vernichten zu dürfen.

Wirtschaft, Sozialismus und Gewerkschaften

Ob die nationalsozialistische Wirtschaftsordnung als kapitalistisch oder sozialistisch einzuordnen ist, wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert. Die NSDAP verwendete häufig antikapitalistische und sozialistische Begriffe, deutete sie jedoch rassistisch um. Ihr Bezugspunkt war nicht die soziale Klasse, sondern die angebliche „Rasse“: Hitler ersetzte den marxistischen Klassenkampf durch einen „Rassenkampf“. Sein „nationaler Sozialismus“ meinte eine hierarchische „Volksgemeinschaft“ unter einem starken Staat und einem Führer, nicht die Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Hitler hatte diese ausdrücklich abgelehnt und sich zum Privateigentum bekannt.

Das Programm von 1920 enthielt zwar Forderungen nach Verstaatlichungen, Gewinnbeteiligung und der „Brechung der Zinsknechtschaft“. Der als „sozialistisch“ bezeichnete Parteiflügel wurde jedoch zwischen 1930 und 1934 ausgeschaltet. Enteignungen erfolgten vor allem rassistisch und politisch: Besonders jüdisches Eigentum wurde im Zuge der „Arisierung“ geraubt; betroffen waren auch nichtjüdische Emigranten und politische Gegner. Die behauptete Gleichheit galt nur für rassistisch eingeschlossene „Volksgenossen“ und war auch innerhalb dieser Gruppe hierarchisch und leistungsbezogen gedacht.

Auch die Finanzierung des NS-Aufstiegs ist untersucht worden. Einzelne Industrielle wie Fritz Thyssen und Emil Kirdorf unterstützten Hitler, und die Industrielleneingabe vom November 1932 verlangte seine Ernennung zum Reichskanzler. Untersuchungen Henry Ashby Turners zufolge stammten die NSDAP-Mittel jedoch überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen und Eintrittsgeldern; die Großindustrie gab konkurrierenden Parteien mehr Geld. Großunternehmer gelten deshalb heute kaum noch als Hauptverursacher von Hitlers Aufstieg und Machtübernahme.

Die tatsächliche Wirtschaftspolitik von 1933 bis 1945 verband fortbestehendes Privateigentum und Unternehmensgewinne mit immer stärkeren staatlichen Eingriffen. Nach Hjalmar Schachts „Neuem Plan“ von 1934, dem Vierjahresplan von 1936 und der Kriegswirtschaft unter Albert Speer ab 1942 wurden Produktion, Preise, Devisen, Kapital, Arbeitskräfte und Rohstoffe zunehmend staatlich gelenkt. Die Landwirtschaft wurde im Reichsnährstand organisiert, und Rationierung ersetzte bei vielen Gütern den Preismechanismus. Zugleich wurden zuvor verstaatlichte Großbanken reprivatisiert; ausländische Unternehmen wie Opel und Ford wurden nicht enteignet. Die Betriebe blieben meist privat, ihre Entscheidungsfreiheit wurde aber den Zielen von Autarkie, Aufrüstung und Krieg untergeordnet. Dietmar Petzina beschreibt den Wandel von einer korporatistischen Wirtschaft zu einer staatlichen Kommandowirtschaft, in der das Gewinnprinzip fortbestand, die Verfügungsrechte der Unternehmer aber stark eingeschränkt waren.

Die freien Gewerkschaften wurden unmittelbar nach dem inszenierten „Tag der deutschen Arbeit“ am 1. Mai 1933 zerschlagen. Am 2. Mai besetzten Nationalsozialisten ihre Gebäude, beschlagnahmten Vermögen und nahmen Funktionäre in „Schutzhaft“. Damit beseitigte das Regime die organisierte Arbeiterbewegung, obwohl es zuvor mit arbeiterfreundlicher Sprache geworben hatte.

Religion und Kirchenpolitik

Der Nationalsozialismus besaß keine einheitliche Religion. Die „Deutschen Christen“ vertraten einen nationalistisch-antisemitischen Protestantismus; andere Nationalsozialisten befürworteten einen rassistischen Neopaganismus mit Bezügen zur germanischen Mythologie. Alfred Rosenberg verlangte eine Religion von „Blut und Boden“, Heinrich Himmler betrachtete die Überwindung des Christentums und die Wiederbelebung einer angeblich germanischen Lebensweise als Aufgabe der SS.

Der Nationalsozialismus wird teilweise als „politische Religion“ gedeutet, weil Propaganda Hitler als unfehlbare, nahezu gottgleiche Gestalt inszenierte und politische Rituale religiöse Bindungen ersetzen sollten. Diese Deutung ist umstritten: Gegen sie wird angeführt, dass dem Nationalsozialismus echte Transzendenzvorstellungen fehlten und der Judenmord auf rassistischen und eugenischen Lehren beruhte.

Das Parteiprogramm bekannte sich 1920 zu einem „Positiven Christentum“ und zur Religionsfreiheit, aber nur, soweit Religion nicht dem Staat oder dem angeblichen Moralgefühl der „germanischen Rasse“ widersprach. Damit wurde das Christentum dem Rassismus und der autoritären „Volksgemeinschaft“ untergeordnet. Hitlers christenfreundliche Erklärungen von 1933 dienten vor allem dazu, die Unterstützung der Kirchen zu gewinnen. Das Reichskonkordat mit dem Vatikan wurde am 20. Juli 1933 geschlossen. Die evangelische Kirche unterstützte die neue Herrschaft zunächst vielfach; im Kirchenkampf ab 1934 wurde der Gegensatz zwischen christlicher Lehre und NS-Anspruch deutlicher. Die „Deutschen Christen“ scheiterten mit dem Versuch, eine zentral gelenkte Reichskirche zu schaffen und das Alte Testament als angebliche „Verjudung“ abzuschaffen.

Die katholischen Bischöfe hatten 1932 die Mitgliedschaft in der NSDAP für unvereinbar mit dem christlichen Glauben erklärt. Bei der Wahl im Juli 1932 erhielt die NSDAP in homogen katholischen Wahlkreisen durchschnittlich 15 %, in homogen evangelischen dagegen 39 %. Dennoch löste sich die katholische Zentrumspartei am 5. Juli 1933 auf, nachdem sie dem Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 zugestimmt hatte. Als Kirchen ab 1940 einzelnen Massenmorden widersprachen, stärkte Hitler kirchenfeindliche Kräfte. Seine interne Ablehnung der „jüdischen Wurzel“ des Christentums spricht dafür, dass dessen langfristige Beseitigung ein politisches Fernziel war.

1936 förderte das Regime eine Kirchenaustrittsbewegung; zwischen 1937 und 1939 verlor allein die evangelische Kirche mehr als eine Million Mitglieder. Für konfessionslose, aber nicht als atheistisch oder freidenkerisch geltende Nationalsozialisten wurde durch Erlass vom 26. November 1936 die amtliche Bezeichnung „gottgläubig“ eingeführt. Das Philosophische Wörterbuch von 1943 definierte sie als Bezeichnung für Menschen, die sich zu einer „artgemäßen Frömmigkeit und Sittlichkeit“ bekannten, ohne kirchlich gebunden zu sein, zugleich aber Religions- und Gottlosigkeit ablehnten.

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