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KZ Neuengamme
Das Konzentrationslager (KZ) Neuengamme in Hamburg-Neuengamme war ein nationalsozialistisches deutsches Konzentrationslager. Es wurde 1938 zunächst als …
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Entstehung und Funktion
Das Konzentrationslager (KZ) Neuengamme in Hamburg-Neuengamme war ein nationalsozialistisches deutsches Konzentrationslager. Es entstand 1938 zunächst als Außenlager des KZ Sachsenhausen und wurde bis zum Frühjahr 1940 zu einem selbstständigen Konzentrationslager ausgebaut. Seine Häftlinge mussten Zwangsarbeit leisten, vor allem für die SS-Ziegelei, in Rüstungsbetrieben und beim Bau militärischer Anlagen.
Die SS-eigene Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH verhandelte 1938 mit der Stadt Hamburg über ein 50 Hektar großes Gelände mit einer stillgelegten Ziegelei und Tonvorkommen. Vereinbart wurden ein von Hamburg finanziertes Konzentrationslager und die jährliche Lieferung von 20 Millionen Ziegeln für die Neugestaltung des Elbufers. Am 12. Dezember 1938 begannen 100 Häftlinge aus Sachsenhausen den Betrieb der Ziegelei; bewacht wurden sie von 40 SS-Männern aus Buchenwald.
Nach dem Ausbau zum eigenständigen Lager mussten die Häftlinge das Lager, Tongruben, einen Bahnanschluss, ein Hafenbecken und einen Stichkanal zur Doven Elbe errichten. Nach Heinrich Himmlers Besichtigung im Januar 1940 wurde die Ziegelproduktion für die Führerbauten am Elbufer zur wichtigsten Aufgabe erklärt. Ende 1940 arbeiteten bereits 2900 Häftlinge am Lagerbau; bis dahin waren 430 Tote verzeichnet.
Lageralltag und Zwangsarbeit
Die Lebensbedingungen waren von Gewalt, Hunger, Krankheiten, fehlender Hygiene und Zwangsarbeit geprägt. Die Häftlinge trugen ganzjährig gestreifte Kleidung ohne Schutz gegen Witterung. Ihre Ernährung bestand aus Wasser, Malzkaffee, Brot, Brei und Suppe. Sie mussten die Aufseher grüßen, strammstehen und die Mütze abnehmen. Prügel, Hinrichtungen und harte Arbeit bedrohten ihr Leben.
Die SS-Holzbaracken waren 50 × 8 Meter groß und ab 1941 mit dreistöckigen Betten, Spinden, Tischen und Bänken ausgestattet. Ein Block war für etwa 300 Häftlinge vorgesehen, in den späteren Kriegsjahren aber oft mit bis zu 600 Personen belegt. In den ersten Jahren gab es nur Handpumpen; trotz einer Kanalisation blieben die sanitären Verhältnisse unzureichend. Für hunderte Häftlinge standen lediglich 20 Waschmöglichkeiten zur Verfügung.
Die Arbeitskommandos mussten das Lager ausbauen und instand halten, den Stichkanal zur Doven Elbe graben, den Fluss verbreitern und in den Tongruben arbeiten. Im Klinkerwerk errichteten Häftlinge zunächst die Anlagen; später waren dort etwa 50 Häftlinge eingesetzt. Ab 1942 kamen die Unternehmen Jastram, Messap und Walther-Werke hinzu. Sie produzierten Kriegsmaterial, darunter Motoren und Torpedos, Zeitzünder, automatische Gewehre sowie später Pistolen- und Gewehrteile. In Außenkommandos arbeiteten Häftlinge außerdem im Schiffbau, bei großen Bauprojekten, bei der Trümmerbeseitigung und bei der Suche nach Bombenblindgängern.
Ausbau, Außenlager und Verbrechen
Das Lager wuchs während des Krieges stark. Ende 1942 waren etwa 10.000 Häftlinge registriert. 1943 wurden etwa 11.300 Menschen eingeliefert; im August unterstanden etwa 9500 Häftlinge der Lagerverwaltung, davon etwa 2700 in Außenlagern. 1944 wurden rund 25.000 Häftlinge aus 28 Nationen nach Neuengamme oder in die Außenlager deportiert. Einschließlich der Außenlager waren 1944 etwa 48.800 Häftlinge registriert.
Gegen Kriegsende gab es etwa 90 Außenlager. Sie reichten im Norden bis Ladelund an der dänischen Grenze, im Osten bis Wittenberge, im Westen bis Meppen und im Süden bis Bad Sassendorf. Auch ein Außenlager auf der deutsch besetzten britischen Kanalinsel Alderney gehörte zum Lagerkomplex. In Hamburg bestanden Männer- und Frauenlager, unter anderem in Finkenwerder, Fuhlsbüttel, Hammerbrook, Rothenburgsort, Steinwerder, Veddel, Eidelstedt, Langenhorn, Neugraben, Sasel, Tiefstack und Wandsbek. Frauen mussten beispielsweise bei Bau- und Aufräumarbeiten sowie im U-Boot-Bau arbeiten; Männer wurden unter anderem auf Werften und in der Rüstungsindustrie eingesetzt.
1941 wurden 43 sowjetische Offiziere erschossen und fast 1000 sowjetische Kriegsgefangene in einer überfüllten, isolierten Baracke untergebracht. Die meisten starben durch Verhungern. Eine Fleckfieberepidemie forderte etwa 1000 Tote und konnte erst Ende März 1942 durch Dusch- und Entlausungsanlagen eingedämmt werden. Nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge wurden durch Phenolspritzen getötet oder in andere Konzentrationslager überstellt. Im Oktober 1942 wurde im Arrestbunker eine provisorische Gaskammer eingerichtet; dort wurden 197 und vier Wochen später weitere 251 versehrte sowjetische Kriegsgefangene mit Zyklon B ermordet.
Der SS-Arzt Kurt Heißmeyer führte Tuberkulose-Versuche an Häftlingen durch. Im November 1944 wurden 20 jüdische Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren aus Auschwitz nach Neuengamme gebracht, mit Tuberkulose infiziert und für die Entwicklung eines Impfstoffs untersucht. In der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 wurden sie im Keller der Schule am Bullenhuser Damm mit Morphin getötet und erhängt. Mit ihnen starben vier Betreuer und etwa 24 sowjetische Kriegsgefangene. Die Tat sollte die Spuren der Menschenversuche vor dem Eintreffen der britischen Truppen beseitigen.
Opfer und Räumung 1945
Bis 1945 waren im Lagerkomplex etwa 100.000 Häftlinge aus Deutschland und den besetzten Ländern inhaftiert. 9 % kamen aus Deutschland, 91 % aus den besetzten Ländern. Mindestens 50.000 Menschen starben durch unmenschliche Arbeits- und Lebensbedingungen, Morde und Todesmärsche.
Für die Opferzahlen nennt der Artikel mehrere Berechnungen: Die Gedenkstätte kann 20.400 Namen von Menschen angeben, die vor der Räumung im Stammlager und in Außenlagern starben; geschätzt werden dafür rund 26.800 Tote. Bei der Räumung kamen vermutlich weitere rund 17.000 Menschen ums Leben. Als gesicherte Mindestzahl ergibt sich daraus, dass 42.900 Häftlinge Neuengamme nicht überlebten. Das Lager gilt als das tödlichste Arbeitslager.
Am 24. März 1945 begann die SS mit der Räumung der Außenlager. Schätzungsweise 20.000 Häftlinge wurden nach Bergen-Belsen, Sandbostel oder Wöbbelin gebracht; viele verhungerten. Am 8. April starben bei der Bombardierung eines Häftlingszuges durch britische Flugzeuge rund 2000 Gefangene. Am 19. April wurde die Räumung des Hauptlagers angeordnet. Zwischen dem 20. und 26. April wurden rund 9000 Häftlinge nach Lübeck und auf Schiffe gebracht. Etwa 9000 kranke und nicht transportfähige Häftlinge wurden in Sandbostel zurückgelassen, 5000 nach Wöbbelin und 8000 meist jüdische Frauen nach Bergen-Belsen gebracht.
Über 4000 skandinavische Häftlinge konnten ab dem 20. April 1945 mit den „Weißen Bussen“ evakuiert werden. Die letzten etwa 600 bis 700 Häftlinge mussten Spuren der Verbrechen beseitigen und verließen das Lager zwischen dem 30. April und dem 2. Mai in Richtung Flensburg. Britische Truppen fanden das Lager am 2. Mai leer vor; in der Einleitung wird dafür auch der 4. Mai genannt. Die letzten Häftlinge wurden am 10. Mai 1945 in Flensburg befreit.
Am 3. Mai 1945 wurden die Schiffe Cap Arcona, Thielbek und Athen durch einen britischen Luftangriff versenkt, der auf der falschen Annahme beruhte, dort befänden sich fliehende SS-Angehörige. Die Angaben des Artikels unterscheiden sich: Genannt werden etwa 6400 Tote unter ungefähr 7000 Häftlingen sowie etwa 7100 Tote, darunter 6600 Häftlinge; in der Einleitung ist von fast 7000 Toten auf Cap Arcona und Thielbek die Rede. Auch die Dampfschiffe Olga Siemers und Rheinfels wurden im April 1945 für Häftlingstransporte eingesetzt.
Lagerleitung und Nachkriegsprozesse
Die Lagerverwaltung bestand unter anderem aus Lagerkommandantur, Politischer Abteilung, Schutzhaftlager, Arbeitseinsatz, Standortverwaltung, Sanitätswesen, Wachmannschaften und Schulung. Lagerkommandanten waren Walter Eisfeld von Februar bis März 1940, Martin Gottfried Weiß von April 1940 bis August 1942 und Max Pauly von September 1942 bis Mai 1945. Schutzhaftlagerführer waren Wilhelm Schitli, Albert Lütkemeyer und Anton Thumann. Die Lagerleitung unterstand der Inspektion der Konzentrationslager in Oranienburg.
Die Wachmannschaften sollten Häftlinge nach den Richtlinien Theodor Eickes brutal behandeln. Das Lager war durch Stacheldraht gesichert, der nachts unter Strom stand; Fluchtversuche sollten mit Schusswaffen verhindert werden. Insgesamt wurden Anfang 1945 für den Lagerkomplex 2211 SS-Angehörige genannt.
Zwischen 1946 und 1948 mussten sich vor britischen Militärgerichten mehr als 120 Angehörige des Lagerpersonals verantworten. Im Neuengamme-Hauptprozess vom 18. März bis 13. Mai 1946 standen 14 leitende SS-Offiziere und Aufseher vor Gericht. Elf Todesurteile wurden ausgesprochen und am 8. Oktober 1946 in Hameln vollstreckt, darunter gegen Max Pauly und Anton Thumann. In sieben Folgeprozessen gab es zwölf Todesurteile; acht wurden bestätigt und vollstreckt, darunter das Urteil gegen Albert Lütkemeyer. Wegen des Mordes an den 20 Kindern wurden unter anderem Alfred Trzebinski, Ewald Jauch und Johann Frahm hingerichtet. Kurt Heißmeyer und Arnold Strippel waren zunächst nicht greifbar.
Nutzung nach 1945 und Erinnerung
Nach der Befreiung wurde das Gelände zunächst als DP-Camp für mehrere Zehntausend sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter genutzt. Danach diente es als Kriegsgefangenenlager. Von Sommer 1945 bis August 1948 war es ein Internierungslager für NS-Funktionäre, SS-Führer und belastete staatliche Funktionsträger, ab November 1945 offiziell „Civil Internment Camp No. 6“. Ab Herbst 1946 bestand daneben ein Transitcamp für ausgewiesene deutsche Familien. Das DP-Camp wurde Ende Mai 1945 aufgelöst; die Repatriierung sowjetischer Displaced Persons hatte bereits am 9. Mai begonnen. Die hygienischen und materiellen Bedingungen waren schwierig, zugleich berichteten Überlebende, sie hätten sich dort erholen können.
1948 übernahm die Stadt Hamburg das Gelände und richtete zunächst im Klinkerwerk, später im ehemaligen Häftlingslager Justizvollzugsanstalten ein. Viele frühere Gebäude wurden abgerissen. 1953 entstand ein erstes Mahnmal, 1965 eine offizielle Gedenktafel. Seit 1981 wurde eine Dokumentations- und Gedenkstätte geplant; 1984 wurden Reste der KZ-Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Nach der Verlegung der Gefängnisse 2003 und 2006 wurde das Gelände 2005 neu gestaltet. Seit 2005 besteht dort die KZ-Gedenkstätte Neuengamme; seit 2020 gehört sie zur Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen.
Die Gedenkstätte umfasst 55 Hektar und beinhaltet unter anderem Ausstellungen, ein Studienzentrum, das Klinkerwerk, die Walther-Werke, Fundamente, Rekonstruktionen, ein Hafenbecken, den Stichkanal, Mahnmale und ein Haus des Gedenkens. Fotodokumente stammen vor allem aus der Lager-SS; der Lagerfotograf Josef Schmitt übergab 1945 etwa 100 Bilder an die Briten, weitere rettete der Häftling Heinz Masset. Das 1967 erschienene „Totenbuch Neuengamme“ wurde von Franz Glienke über 20 Jahre hinweg zusammengestellt. Von etwa 100.000 Häftlingen sind heute 44.000 namentlich bekannt. Die Datenbank enthält außerdem 3800 von etwa 7000 Internierten des CIC 6 und 1000 Namen von etwa 2600 ehemaligen SS-Mannschaften.