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Sophie Scholl & die Weiße Rose: die 5 letzten Tage

MrWissen2go Geschichte | Terra X10:54 510.744 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 119 Zeilen
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  1. In diesem Video geht es um Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit. Das hört sich vielleicht erst mal überzogen an, aber es stimmt.
  2. Wir erzählen euch die Geschichte fünf dramatischer Tage im Februar 1943.
  3. In diesen fünf Tagen entscheidet sich das Schicksal einer Gruppe, die unter dem Namen die "Weiße Rose"
  4. die Nazidiktatur herausfordert. Sie sind die bekannteste Gruppe des bürgerlichen Widerstandes,
  5. die für ihre Ideale auch den eignen Tod in Kauf nimmt. (Nachdenkliche Musik)
  6. Bevor es mit der spannenden und zugleich grausamen Geschichte losgeht,
  7. einige Fakten vorab. Die "Weiße Rose", so nennt sich die Widerstandsbewegung
  8. gegen die Nazidiktatur. Ihr gehören die Medizinstudenten
  9. Hans Scholl und Alexander Schmorell an, ihre Freunde Christoph Probst und Willi Graf,
  10. Hans' Schwester Sophie und Prof. Kurt Huber. Während die Scholls in ihrer Jugend noch bei der Hitlerjugend mitmachen,
  11. ist Willi Graf schon damals gegen die Nazis. Als Mitglieder der Weißen Rose
  12. wollen sie etwas gegen die Diktatur unternehmen. Zum einen, weil sie als kritisch denkenden junge Leute
  13. vom NS-Staat ungerecht behandelt werden. Zum anderen, weil sie als Soldaten an der Front
  14. und als aufmerksame Menschen in der Heimat sehen, wie verbrecherisch das Regime ist. Deshalb wollen sie nicht schweigen,
  15. sondern den Deutschen die Augen öffnen. Sie wollen die Wahrheit sagen
  16. und zum Widerstand gegen die Verbrecher ermutigen. Dazu verfassen sie Flugblätter, vervielfältigen diese
  17. und verschicken sie dann zu Tausenden vor allem im Raum München und dem weiteren Umland,
  18. aber auch in österreichischen Städten. Schnell finden sie auch in anderen Städten Mutige,
  19. die die Blätter weitergeben, nachdrucken und versenden. In München bringen sie auch Parolen an den Hauswänden an.
  20. Zum Beispiel schreiben sie groß "Hitler Massenmörder" an ein Haus in der Münchner Fußgängerzone.
  21. Und dann kommt der Donnerstag, 18 Februar 1943. Zwei Studierende betreten die Universität München.
  22. Es handelt sich um Hans Scholl und seine Schwester Sophie Scholl. Die beiden Geschwister tragen einen Koffer bei sich,
  23. in dem sich Flugblätter befinden, die sie im Unigebäude auslegen wollen.
  24. Seit Monaten ist die Gruppe die Weiße Rose aktiv. Ihr Ziel: die Naziregierung stürzen.
  25. Ihre Motive: die Verbrechen der Regierung müssen aufhören. Ihre Aktionen werden immer größer,
  26. und die Staatsmacht tappt wohl im Dunkeln. Obwohl die Universität überwacht wird,
  27. versenden sie über 1.000 Flugblätter. Eine Flugblattaktion in der Universität wird erwogen.
  28. Was treibt sie zu dieser riskanten Aktion? Sind sie sich des Risikos bewusst?
  29. Wenn dann eher abstrakt. Konkret fürchten die sich nicht.
  30. Wer so lange gegen die Nazis kämpft, weiß, dass er erwischt werden kann. Aber ihr Gewissen ist stärker als ihre Angst.
  31. In der Uni sind die Flure wegen der Vorlesungen leer. Die beiden kommen gut voran.
  32. Zum Schluss steigen sie die Treppe hinauf. Von der Balustrade des Lichthofs flattert bald
  33. ein ganzer Stapel Flugblätter in die Tiefe. Ein Hausmeister, der genau das sieht,
  34. hastet alarmiert die Treppe nach oben. Er erklärt Sophie und Hans für verhaftet und nimmt sie mit,
  35. um sie kurze Zeit später der Gestapo zu übergeben, dem Geheimdienst der Nazis.
  36. Hans Scholl trägt noch einen Zettel bei sich. Es handelt sich um einen Textentwurf für das nächste Flugblatt
  37. der Weißen Rose, den Christoph Probst formuliert hat. Der Hausmeister vereitelt Hans' Versuch, den Zettel zu beseitigen.
  38. Ein Beweisstück mehr. Etwa ab elf Uhr werden die beiden von der Gestapo befragt.
  39. Sophie erzählt den Beamten, dass sie, wie ihr Bruder, Mitglied der HJ war, der Hitlerjugend.
  40. Sophie bei der Jungmädelschaft und im BDM, von 1934 bis 1941. Sie steigt zur Gruppenführerin auf.
  41. Sie schildert ihre Abkehr von der Organisation und sagt, dass sie mit den Nazis nichts zu tun haben will.
  42. Sophie und ihr Bruder Hans leugnen aber, etwas mit den Flugblättern zu tun zu haben.
  43. Aber die Gestapo hat bei Hans Beweismaterial gefunden. So erklärt er: "Ja, ich habe die Flugblätter verfasst, alleine."
  44. Er nimmt damit alle Beteiligten in Schutz, indem er alles auf sich zieht.
  45. Auch seine Schwester habe nichts gewusst. Er habe sie erst eingeweiht, als er die Flugblätter verteilen wollte.
  46. Auch Probst versucht er aus der Schusslinie zu ziehen. Der habe den Text auf seinen Auftrag hin verfasst
  47. und nichts von den Flugblättern gewusst. Freitag, der 19. Februar 1943. (Beklemmende Musik)
  48. Die Gestapo verhaftet Christoph Probst. Der Medizinstudent hat an der Ostfront Kriegsdienst geleistet
  49. und studiert in München Medizin. Hier lernt er die Geschwister Scholl kennen.
  50. Probst hat an den Flugblättern mitformuliert. Aber weil er drei kleine Kinder hat,
  51. hat er sich bei der Weißen Rose zurückgehalten. Der Entwurf für das siebte Flugblatt stammt von ihm.
  52. Genau diesen Entwurf trug Hans Scholl bei sich und konnte ihn nicht mehr vernichten.
  53. So kommt die Gestapo auf die Spur von Probst. Sophie Scholl wird von der Gestapo
  54. mit dem Geständnis ihres Bruder konfrontiert. Sie macht klar, dass sie von Anfang an
  55. in die Idee mit den Flugblättern eingeweiht und sogar maßgeblich daran mitbeteiligt war.
  56. Sie habe auch mitgeschrieben. Samstag, der 20, Februar 1943. (Beklemmende Musik)
  57. Die Gestapo verhört Hans Scholl noch einmal. Wieder gibt er an, eigentlich alles allein unternommen zu haben.
  58. Sophie und Alexander Schmorell hätten nur einmal auf sein Bitten hin Flugblätter in andere Städte gefahren.
  59. Er erklärt auch den Namen die "Weiße Rose". Er habe einfach einen Namen mit gutem Klang gesucht.
  60. Christoph Probst, den man nach München gebracht hat, wird ebenfalls verhört.
  61. In der Vernehmung gibt er an, wegen der Niederlage im Osten das Vertrauen zur deutschen Führung verloren zu haben.
  62. Über seine Ängste habe er mit Hans Scholl gesprochen. Den Text habe er in seiner Depression geschrieben,
  63. um sich abzureagieren. Er sei nicht zur Veröffentlichung gedacht gewesen.
  64. Von den Aktivitäten seiner Freunde habe er nichts gewusst. Er sei in unpolitischer Mensch. Warum macht Probst das?
  65. Na ja, ihr müsst daran denken, sich gegen Hitler zu stellen, gegen das Regime, das war lebensgefährlich.
  66. Wer gegen Hitler war, schwieg in den allermeisten Fällen. Kann man als feige bezeichnen, ist aber menschlich.
  67. Probst schwieg nicht, er wagte den Widerstand. Und jetzt, im Moment seiner Verhaftung,
  68. den Tod vor Augen, dass er in diesem Moment versucht, sich und seine Familie zu schützen, das ist eben nur menschlich
  69. und nicht feige. Sonntag, der 21. Februar 1943. (Beklemmende Musik)
  70. Auch an diesem Tag gehen die Verhöre weiter. Weil die jungen Männer der Weißen Rose,
  71. wie nahezu alle jungen Männer, im Krieg offiziell Soldaten sind, dürfen sich eigentlich nicht vor ein Zivilgericht gestellt werden.
  72. Deshalb werden sie aus der Armee entlassen. Damit ist der Weg frei, die Mitglieder der Weißen Rose
  73. vor das damals oberste deutsche Gericht zu bringen: den Volksgerichtshof.
  74. Dessen Präsident Roland Freisler reist extra mit dem Flugzeug nach München.
  75. Er will die Widerstandskämpfer persönlich verurteilen. Freisler versteht sich besonders auf Schauprozesse,
  76. in denen die Angeklagten vorgeführt und gedemütigt werden. Der NS-Apparat arbeitet schnell.
  77. Noch an diesem Sonntag liegen die Anklageschriften vor. Montag, 22. Februar 1943. (Beklemmende Musik)
  78. Am Montag füllt sich der Verhandlungssaal des Volksgerichtshofes mit Zuschauern.
  79. Es sind Frauen und Männer, die treue Anhänger Hitlers sind. Richter Freisler betritt um zehn Uhr die Bühne.
  80. Er ist in seinem Element. Wenn er die Angeklagten befragt, schreit und tobt er herum,
  81. springt immer wieder auf. Hans Scholl hat recht,
  82. wenn er den Prozess als ein "Affentheater" bezeichnet. Gegen Christoph Probst hat Freisler wenig in der Hand.
  83. Nur den zerrissenen Text, den außer Hans Scholl niemand gesehen hat. Probst erklärt, er sei wegen seiner kranken Frau depressiv.
  84. Auch Hans Scholl bittet Freisler darum, Probst zu verschonen. Aber Freisler verurteilt den dreifachen Vater gnadenlos.
  85. Um 12.45 Uhr verkündet Freisler das Urteil: Die Angeklagten haben im Kriege in Flugblättern zur Sabotage
  86. der Rüstung und zum Sturz der nationalsozialistischen Lebensform unseres Volkes aufgerufen, defätistische Gedanken propagiert
  87. und den Führer aufs Gemeinste beschimpft. Und dadurch den Feind des Reiches begünstigt
  88. und unsere Wehrkraft zersetzt. Sie werden deshalb mit dem Tode bestraft.
  89. Die Geschwister Scholl bekommen noch einmal Besuch von ihren Eltern. Christoph Probst darf seine Frau und seine Kinde nicht mehr sehen.
  90. Er lässt sich noch vom katholischen Pfarrer taufen, danach rauchen die drei Freunde eine letzte Zigarette.
  91. Um 17 Uhr beginnen die Hinrichtungen. Sieben Stunden nach Beginn der Gerichtsverhandlung,
  92. und nur fünf Tage nach den ersten Verhaftungen. Als Erste wird Sophie Scholl hingerichtet.
  93. Es wird berichtet, sie sei völlig gefasst gewesen. Hans Scholls letzter Satz ist ein Bekenntnis:
  94. "Es lebe die Freiheit!" Dann legt er den Kopf unter das Fallbein der Guillotine.
  95. Als Letzter stirbt auch Christoph Probst. Damit sind die fünf dramatischen Tage vorüber.
  96. Aber die Verfolgung der Weißen Rose und des Netzwerkes des Widerstandes gehen weiter.
  97. Auch Schmorell, Huber und Graf werden gefasst, verurteilt und hingerichtet. Weitere Helfer und Mitwisser der Weißen Rose
  98. werden in den kommenden Monaten und Jahren zu Haftstrafen verurteilt. Das sechste Flugblatt gelangt durch Widerstandskreise nach England.
  99. Im Juli 1943 werfen alliierte Flugzeuge das Flugblatt über deutschen Städten ab.
  100. In einem Film würde die Geschichte jetzt enden. Ein letzter Triumph der Weißen Rose.
  101. Aber in Wirklichkeit gehen der Krieg und die Terrorherrschaft weiter, noch fast zwei lange Jahre.
  102. Die Nazis verursachen weiteres unendliches Leid bis zur bedingungslosen Kapitulation.
  103. Das Ziel der Weißen Rose hat Deutschland also nicht erreicht: Die Kraft aufzubringen, das Naziregime selbst zu stürzen.
  104. War damit alles vergebens? Was bleibt von der Weißen Rose?
  105. Wie kann ihr Wirken auf uns heute noch Einfluss nehmen? So merkwürdig es auch klingen mag,
  106. das Einfachste und Bequemste für uns heute ist, Hans und Sophie Scholl, Wilhelm Graf, Alexander Schmorell,
  107. Christoph Probst und Kurt Huber als Helden zu verehren, weil sie für Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit kämpften.
  108. Denn vor Helden kann man sich problemlos demütig verneigen. Helden spielen in einer ganz anderen Liga.
  109. Aber was kann ich tun, wo ich doch kein Held bin? Das ist es eben nicht,
  110. was die Weiße Rose bis heute ausmacht. Es waren junge Menschen, keine Überwesen.
  111. Sie wollten keine Helden sein, die die Sache für uns richten wie Superman und Wonder Woman. Sie wollten was anderes sein.
  112. Sie wollten unser böses Gewissen sein. Uns nicht in Ruhe lassen,
  113. bis wir uns gegen das Unrecht erheben. Und genau diese Botschaft hat immer Gültigkeit.
  114. Gestern, heute, morgen. Wenn das bei uns ankommt, war ihr Wirken nicht vergebens,
  115. würde ich zumindest sagen. Wie seht ihr das? Was bedeutet für euch die Weiße Rose?
  116. Wie würdet ihr den Widerstand bewerten? Schreibt's gerne in die Kommentare.
  117. Hier gibt's ein Video zu einem besonderen Schriftzeugnis des Nationalsozialismus: dem Tagebuch der Anne Frank.
  118. Und direkt darunter eins, das Sophie Scholl ganz besonders beleuchtet.
  119. Danke fürs Zuschauen. Bis zum nächsten Mal!

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