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Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Als Widerstand gegen den Nationalsozialismus wird der Widerstand von Einzelpersonen, Gruppen und Institutionen bezeichnet, der im Gebiet des NS-Staates und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung des Widerstands
  2. 2. Widerstand im Deutschen Reich
  3. 3. Gruppen und Formen in Deutschland
  4. 4. Österreichischer Widerstand
  5. 5. Widerstand in besetzten und verbündeten Ländern

Begriff und Bedeutung des Widerstands

Widerstand gegen den Nationalsozialismus bezeichnet Handlungen von Einzelpersonen, Gruppen und Institutionen im NS-Staat sowie in den von der Wehrmacht besetzten Staaten gegen das NS-Regime – vor und während der nationalsozialistischen Diktatur. Nach Klaus Schönhoven ist Widerstand eine bewusste Überschreitung der jeweiligen „Toleranzschwelle“ des Regimes mit dem Ziel, dessen Herrschaftssystem zu schädigen oder zu beseitigen.

Widerstand hatte unterschiedliche politische, religiöse und ethische Gründe. Er reichte von individuellem Handeln, etwa der Verweigerung des Hitlergrußes, über das Verteilen von Flugblättern, Hilfe für Zwangsarbeiter, das Verstecken Verfolgter und Informationsweitergabe an die Alliierten bis zu Sabotage und Attentaten. Organisierter Widerstand entstand auch in Konzentrations-, Gefangenen- und Arbeitslagern. Hilfe zur Rettung Verfolgter wird als Rettungswiderstand beziehungsweise Widerständigkeit verstanden.

Im Deutschen Reich blieb der Widerstand eine kleine Minderheit und bildete keine einheitliche, gemeinsam handelnde Bewegung. Der NS-Staat verfolgte Gegner durch Gestapo und SD; viele wurden verhaftet, gefoltert und getötet. In besetzten Ländern erreichten Widerstandsbewegungen dagegen teils große Ausmaße, etwa die Polnische Heimatarmee, die französische Résistance und Partisanenbewegungen in der Sowjetunion und auf dem Balkan. Historiker warnen davor, Widerstandsformen hierarchisch zu bewerten: Umfang, Risiko, Einsatz und Wirkung waren jeweils verschieden.

Widerstand im Deutschen Reich

Bis 1934 waren alle verfassungsmäßigen Wege ausgeschaltet, Adolf Hitler legal abzusetzen. Zunächst leisteten vor allem kommunistische, sozialdemokratische und andere linke Gruppen Widerstand. Gestapo und SS schwächten sie jedoch in wenigen Jahren stark. Später traten stärker religiös und ethisch motivierte Gruppen sowie Einzelpersonen hervor. Zu einem umfassenden Staatsstreich war erst das Netzwerk des 20. Juli 1944 fähig, das sich überwiegend aus Funktionseliten des „Dritten Reichs“ zusammensetzte.

Teile der Wehrmachtführung standen Hitler kritisch gegenüber. General Ludwig Beck versuchte nach der Blomberg-Fritsch-Krise, die Generalität gegen Hitlers Kriegspläne zusammenzuführen. Die Septemberverschwörung 1938 plante bei einem Krieg in der Sudetenkrise die Verhaftung Hitlers; sie scheiterte, weil das Münchner Abkommen Hitler einen großen Prestigeerfolg verschaffte. Der größte organisierte Umsturz- und Attentatsversuch war der 20. Juli 1944 mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Weitere Attentatspläne, unter anderem 1943 im Führerflugzeug, misslangen.

Eine nennenswerte Unterstützung durch die Alliierten erhielt der deutsche Widerstand nicht. Die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation stärkte nach Darstellung des Artikels eher die Bindung vieler Menschen an die Führung und gab Widerständlern keine Aussicht, die Friedensbedingungen durch einen Umsturz zu verbessern. Nach 1945 berief sich die Bundeswehr besonders auf den 20. Juli, die DDR auf den kommunistischen Widerstand. Dadurch wurden andere Formen, etwa Georg Elser oder die Edelweißpiraten, im Erinnern teilweise zurückgedrängt.

Gruppen und Formen in Deutschland

Der Widerstand aus der Arbeiterbewegung war vielfältig, kontinuierlich und hatte besonders hohe Verluste. Stefan Heinz ordnet wahrscheinlich mehr als zwei Drittel der Menschen, die zwischen 1933 und 1945 Widerstand leisteten, diesem Bereich zu. Die KPD arbeitete nach den Massenverhaftungen 1933 im Untergrund, verbreitete Zeitschriften, Aufrufe und Flugblätter und führte kleinere Sabotageaktionen durch. Ihre zentralistische Organisation half beim Wiederaufbau zerschlagener Gruppen, erleichterte aber auch der Gestapo die Verfolgung. Die Sozialfaschismusthese verhinderte bis 1935 eine öffentliche Zusammenarbeit mit Sozialdemokraten; danach setzte die KPD auf Volksfrontpolitik. Ab 1936 nahm ihre Aktivität stark ab: Die Zahl festgestellter illegaler Flugblätter und Schriften sank von etwa 1.500.000 im Jahr 1936 auf kaum 100.000 im Jahr 1938.

Im Krieg entstanden oder wirkten Gruppen wie die Uhrig-Römer-Gruppe, die Schulze-Boysen-Gruppe, die Knöchel-Seng-Gruppe und ab 1943 die Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation. Viele wurden 1942 bis 1944 durch Verhaftungswellen zerschlagen. Nach dem SPD-Verbot vom 22. Juni 1933 gehörten unter anderem Sopade, Eiserne Front, Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Neu Beginnen und der Internationale Sozialistische Kampfbund zum sozialdemokratischen Widerstand. Auch kleinere linke, kommunistische und anarchistische Kaderorganisationen waren zunächst verhältnismäßig wirksam, wurden aber meist bis 1937/38 zerschlagen. Gewerkschafter, besonders Metaller und Eisenbahner, organisierten ebenfalls illegale Netzwerke und Exilarbeit.

Bürgerliche, jugendliche und kulturelle Gruppen umfassten etwa Kreisauer Kreis, Goerdeler-Kreis, Solf-Kreis, Weiße Rose, Edelweißpiraten und Swing-Jugend. Die Weiße Rose verteilte von Juni 1942 bis Februar 1943 Flugblätter, die zu einer klaren Entscheidung gegen Hitlers Diktatur aufriefen; bei einzelnen Mitgliedern war die Motivation ausdrücklich christlich. In der Roten Kapelle arbeiteten Menschen unterschiedlicher Herkunft, darunter Wehrmachtangehörige, Arbeiter, Künstler und bürgerliche Intellektuelle; zwischen Dezember 1942 und 1944 wurden fast alle Mitglieder der Gruppen um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack zu Zuchthaus oder Tod verurteilt und hingerichtet.

Kirchlicher Widerstand richtete sich vor allem gegen Gleichschaltung, Judenverfolgung und die Ermordung Kranker. Die Bekennende Kirche lehnte die Gleichschaltung der evangelischen Kirche ab; einzelne Mitglieder leisteten passiven oder aktiven Widerstand. Clemens August Graf von Galen kritisierte Rassenideologie, Gestapo und das Euthanasieprogramm, das daraufhin zeitweilig gestoppt wurde. Zeugen Jehovas verweigerten Wahlen, Hitlergruß, Mitgliedschaften in NS-Organisationen und häufig den Wehrdienst. Auch der Kreuzkampf von 1936 im Oldenburger Land zeigte offenen Protest: Das Verbot von Kreuzen in Schulen wurde zurückgenommen.

Widerständigkeit konnte auch im Alltag liegen: Juden verstecken, Zwangsarbeiter versorgen, Akten unterschlagen, um Häftlinge zu schützen, oder Kinder der HJ fernhalten. Beim Untertauchen waren Lebensmittelkarten, Kontrollen, wechselnde Verstecke und eingeschleuste Gestapo-Spitzel besondere Gefahren. In Polen stand Hilfe für untergetauchte Juden unter Todesstrafe. Soldaten konnten sich Kriegsverbrechen entziehen, etwa durch Verweigerung der Teilnahme an Massenerschießungen; laut Artikel bestand dafür kein Befehlsnotstand, der Verweigerer in Lebensgefahr gebracht hätte.

Österreichischer Widerstand

Österreichische Widerstandsgruppen kämpften meist sowohl gegen das NS-Regime als auch für die Loslösung Österreichs vom Deutschen Reich. Ihre Mittel lagen häufig in Propaganda, Organisationsaufbau und Nachrichtendienst für die Alliierten; der Übergang zwischen Widerstand und nachrichtendienstlicher Tätigkeit war fließend. Kämpferische Gruppen blieben eine Minderheit und wurden meist erst nach 1942 aktiv. Sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Gruppen arbeiteten dagegen bereits seit 1933/34 illegal oder im Exil, nachdem sie im Ständestaat verboten worden waren.

Kennzeichnend war die starke parteipolitische Zersplitterung: Es gab linke, bürgerlich-katholische, legitimistische, religiöse und überparteiliche Gruppen. Erst später, auch durch die Moskauer Deklaration angeregt, entstand stärker überparteilicher Widerstand, etwa O5 und Neues freies Österreich. Als wesentliche Gruppe mit militärischer und geheimdienstlicher Arbeit für die Anti-Hitler-Koalition nennt der Artikel die Gruppe um Heinrich Maier und Franz Josef Messner. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes schätzt die Zahl der beteiligten Österreicher auf 100.000.

Bewaffnete Partisanengruppen entstanden unter anderem bei den Kärntner Slowenen und in Leoben-Donawitz. Der Widerstand gegen den Anschluss 1938 war militärisch gering; das Bataillon Edwin Liwas hielt jedoch am Tiroler Fernpass am 12. März 1938 den Einmarsch der Wehrmacht dort für 24 Stunden auf. In Kärnten und der Steiermark verfolgte die Gestapo Widerstandsgruppen mit Prozessen, Deportationen und Todesurteilen. Daneben bestanden österreichische Exilorganisationen vor allem in London, New York und Großbritannien.

Widerstand in besetzten und verbündeten Ländern

In den besetzten Ländern verband Widerstand Untergrundpresse, Fluchthilfe, Verstecken Verfolgter, Informationsbeschaffung, Sabotage und Partisanenkampf. In Belgien verhinderten verschiedene Gruppen 1944 gemeinsam die Zerstörung des Antwerpener Hafens durch deutsche Truppen. Drei belgische Schulfreunde überfielen am 19. April 1943 den 20. Deportationszug nach Auschwitz. In Dänemark wurden ab Oktober 1943 in einer breiten Solidaritätsaktion 7.220 von 7.800 dänischen Juden sowie 686 Ehepartner nach Schweden gerettet.

Die französische Résistance war ein Sammelbegriff für verschiedene politische Gruppen. Militärisch wurde sie ab Sommer und Herbst 1943 bedeutsam. Vor und während der Landung in der Normandie im Juni 1944 störte sie Kommunikations- und Verkehrseinrichtungen und beteiligte sich im August 1944 an der Befreiung von Paris. Als Vergeltung ermordete die Waffen-SS beim Massaker von Oradour am 10. Juni 1944 642 Zivilisten. In Italien bezeichnet Resistenza den Widerstand gegen italienischen Faschismus und die nach dem Waffenstillstand vom 8. September 1943 besetzenden nationalsozialistischen Kräfte. Sein Kern waren Partisanenbewegungen wie CLN, GAP und SAP; die Zahl der Gefallenen wird mit rund 44.700 angegeben, weitere 21.200 blieben verstümmelt oder invalid.

Besonders große Bewegungen bestanden in Polen und der Sowjetunion. In Polen beteiligten sich zwischen November 1939 und Mai 1945 nachweislich über 450.000 Männer und Frauen aktiv an Judenrettung oder Partisanenaktionen, vor allem in der Polnischen Heimatarmee, darunter beim Warschauer Aufstand, sowie in jüdischen, kommunistischen, nationalistischen und bäuerlichen Organisationen. In der Sowjetunion kämpfte neben der Roten Armee eine breite Partisanenbewegung hinter der deutschen Front. In der Slowakei kämpften beim Nationalaufstand 1944 kommunistische Partisanen und Teile der Armee gegen das Tiso-Regime; am 27. Oktober 1944 wurde der Aufstand niedergeschlagen.

Weitere Beispiele zeigen die Vielfalt: In den Niederlanden streikten im Februar 1941 etwa 40.000–50.000 Menschen gegen die ersten Judendeportationen. Auf dem Höhepunkt versteckten Niederländer laut NIOD 350.000 Menschen, darunter 25.000 Juden; mehr als 500.000 Menschen unterstützten sie. In Norwegen half Milorg bei Fluchten nach Schweden und bei der Aufklärung über deutsche Truppen. Im Protektorat Böhmen und Mähren tötete die Operation Anthropoid 1942 Reinhard Heydrich; als Vergeltung wurden Lidice und Ležáky zerstört und ihre Bewohner weitgehend ermordet. In Ungarn wurden Deportationen nach internationalen Veröffentlichungen und Interventionen am 8. Juli 1944 zunächst eingestellt, später aber nach der Machtübernahme der Pfeilkreuzler erneut betrieben; Ende 1944 standen etwa 33.000 Budapester Juden unter diplomatischem Schutz neutraler Staaten oder des IKRK.

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