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Hans Scholl

Er war Mitbegründer und prägendes Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose. Zusammen mit Alexander Schmorell verfasste, vervielfältigte und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Überblick
  2. 2. Herkunft und Jugend
  3. 3. Wehrdienst, Verfolgung und Studium
  4. 4. Abwendung vom Nationalsozialismus
  5. 5. Entstehung und Fortsetzung der Weißen Rose
  6. 6. Verhaftung, Hinrichtung und Erinnerung

Bedeutung und Überblick

Hans Fritz Scholl (* 22. September 1918 in Ingersheim an der Jagst, Württemberg, heute Teil von Crailsheim; † 22. Februar 1943 in München) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er war Mitbegründer und prägendes Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose. Gemeinsam mit Alexander Schmorell verfasste, vervielfältigte und verschickte er im Sommer 1942 die ersten vier Flugblätter der Gruppe. Insgesamt rief die Weiße Rose mit sechs Flugblättern zum Widerstand gegen die NS-Diktatur auf.

Die Flugblätter verbanden Kritik an der Diktatur mit der Forderung, die Bevölkerung müsse selbst handeln. Sie riefen zunächst zum passiven Widerstand, später auch zur Sabotage und zum Kampf gegen die NSDAP auf. Hans Scholl war damit eine zentrale Figur eines Widerstands, der sich auf christliche, ethische und politische Überzeugungen stützte. Im ersten Weiße-Rose-Prozess wurden Hans Scholl, seine Schwester Sophie Scholl und Christoph Probst am 22. Februar 1943 durch den Volksgerichtshof unter dem Vorsitz Roland Freislers zum Tod verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet.

Herkunft und Jugend

Hans Scholls Eltern waren Magdalena Scholl, geborene Müller (1881–1958), und der Politiker Robert Scholl (1891–1973). Magdalena Scholl war bis zu ihrer Eheschließung Diakonisse. Hans hatte die ältere Schwester Inge (1917–1998) und die jüngeren Geschwister Elisabeth (1920–2020), Sophie (1921–1943), Werner (1922–1944) und Thilde (1925–1926), die vor ihrem ersten Geburtstag starb. Zur Familie gehörte außerdem Ernst Gruele (1915–1991), ein älterer Halbbruder aus einer vorehelichen Beziehung des Vaters. Die Eltern erzogen ihre Kinder zu christlichen und liberalen Werten.

Die Familie lebte von 1919 bis 1930 in Forchtenberg, anschließend bis 1932 in Ludwigsburg. Dort besuchte Hans die Oberrealschule, das heutige Mörike-Gymnasium. 1932 zog die Familie nach Ulm, wo er die Kepler-Oberrealschule, das heutige Kepler-Gymnasium Ulm, besuchte.

Im Alter von zwölf Jahren wurde Hans Scholl Mitglied im Christlichen Verein Junger Männer (CVJM). Gegen den erklärten Willen seines Vaters trat er am 15. April 1933 zunächst begeistert der Hitlerjugend bei. Im Jungvolk übernahm er Führungsaufgaben und gehörte dem Jungbann Donauland an. Ab Oktober 1933 war er im Ulmer Jungvolk in leitender Funktion tätig; am 1. Mai 1935 wurde er vom Jungzugführer zum Fähnleinführer befördert.

Unter dem Einfluss von Max von Neubeck pflegte seine Gruppe teilweise Formen der bündischen Jugend, darunter das Kohtenzelt, andere Lieder und eine eigene Fahne. Hans Scholl führte mit seinem Fähnlein eine dj.1.11-Horte von etwa zehn Schülern. Als sich Neubeck später von diesen Formen und Gedanken abwandte, geriet Scholl in Gegensatz zu ihm. Im September 1935 nahm Hans Scholl als einer von drei Fahnenträgern aus Ulm am „Reichsparteitag der Freiheit“ der NSDAP in Nürnberg teil. In dieser Zeit begann sich seine Haltung zum NS-Regime zu verändern. Fanatismus, bedingungslose Unterordnung und die Machtstrukturen der Hitlerjugend stießen ihn zunehmend ab. Vom 9. August bis zum 3. September 1936 nahm er an einer Nordlandfahrt nach Lappland teil.

Wehrdienst, Verfolgung und Studium

Nach dem Abitur am 16. März 1937 leistete Hans Scholl ein halbes Jahr Reichsarbeitsdienst in Göppingen. Danach wurde er bei der Wehrmacht zum Kavallerie-Regiment 18 nach Bad Cannstatt einberufen.

Im Dezember 1937 wurden Hans Scholl und seine Geschwister Inge, Sophie und Werner kurzzeitig inhaftiert. Hans selbst war am 14. Dezember 1937 in der Kaserne in Bad Cannstatt verhaftet worden. Anlass war eine Strafanzeige vom 25. November 1937 nach § 175 a StGB wegen „bündischer Betätigung“ und Vorwürfen homosexueller Handlungen mit einem anderen Jungen. Das Sondergericht Stuttgart eröffnete gegen ihn und andere ein Verfahren nach § 174 und § 175 sowie wegen der Fortsetzung der inzwischen verbotenen bündischen Jugend. Am 30. Dezember 1937 wurde er nach Aufhebung des Haftbefehls wieder freigelassen und kehrte am 6. Januar 1938 in die Kaserne zurück. Am 2. Juni 1938 stellte das Sondergericht Stuttgart das Verfahren nach dem Straffreiheitsgesetz vom 30. April 1938 ein; dies wurde als Amnestie gewertet. Ernst Reden wurde dagegen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Ab dem Frühjahr 1939 studierte Hans Scholl Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort begegnete er Professoren, Lehrkräften und Studenten mit christlich-ethischen und regimekritischen Positionen. Diese Kontakte führten dazu, dass er seine eigene Weltanschauung kritischer prüfte. Er suchte nach einem „geschlossenen Weltbild“ und setzte sich besonders mit christlichen Haltungen auseinander.

Während der Semesterferien wurde Scholl als Sanitäter zum Frontdienst eingezogen. Im Rang eines Sanitätsfeldwebels nahm er am Frankreichfeldzug teil. Die Erfahrungen bei den direkten Fronteinsätzen verstärkten seine Ablehnung der Machthaber und des Krieges.

Abwendung vom Nationalsozialismus

Hans Scholl und seine Geschwister wandten sich in der Folge vom Nationalsozialismus ab. In einem Brief an den katholischen Publizisten Carl Muth vom 22. Dezember 1941 beschrieb Hans Scholl seinen Wandel als Rückkehr zu einem bewusst christlichen Leben. Er schrieb, der Krieg habe ihn vereinsamt und die innere Leere seiner bisherigen Lebensweise sichtbar gemacht. Durch die Begegnung mit Christus habe er „einen sicheren Hintergrund“ und „ein sicheres Ziel“ gefunden.

In dieser Lebensphase beschäftigte er sich mit Philosophie und Religion. Im Sommer 1941 lernte er die Medizinstudentin Traute Lafrenz bei einem Konzert kennen. Beide waren eine Zeit lang ein Paar; auch danach blieb Lafrenz Hans Scholl und seiner Familie eng verbunden.

Wichtige geistige Anregungen erhielt Scholl von den Theologen Theodor Haecker und Carl Muth. Auch die philosophischen Schriften Nikolai Berdjajews, besonders Das neue Mittelalter und Der Sinn der Geschichte, beeinflussten ihn. Berdjajew bezeichnete den Staat als „allesverschlingendes Idol“ und stellte den Menschen vor die Entscheidung zwischen Gott und dem Kaiser beziehungsweise dem „Führer“. Um die „geistige Freiheit“ zu bewahren, müsse der Mensch handeln. Mitte 1941 erkannte Hans Scholl daher, dass es nicht mehr nur um Gedankenfreiheit, sondern um „Widerstand der Tat“ ging.

Ab Februar 1942 organisierte er Leseabende für einen kleinen Kreis ausgewählter Studenten. Dort wurden Vorträge gehalten und kontroverse Diskussionen geführt. Am 17. Juni 1942 nahm der Psychologe und Musikwissenschaftler Kurt Huber an einem solchen Abend teil. Die Diskussion behandelte die Frage, wie man „der Zerstörung der inneren Werte“ begegnen könne. Huber soll dabei ausgerufen haben: „Man muss etwas tun, und zwar heute noch“.

Der genaue letzte Auslöser für Hans Scholls aktiven Widerstand ist nicht vollständig bekannt. Hinweise stammen aus Briefen, Aufzeichnungen, Erinnerungen, Gestapo-Protokollen und Gerichtsunterlagen. Die Gestapo-Unterlagen und Vernehmungen sind jedoch nur eingeschränkt zuverlässig, weil sie von den Gegnern stammten und Scholl Zusammenhänge sowie beteiligte Personen verschleierte. Eine Rolle spielten wahrscheinlich die Predigten des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, über die Tötung von Geisteskranken und den Widerstand gegen den „braunen Terror“. Außerdem orientierten sich Scholl und Schmorell an den ab März 1941 über BBC ausgestrahlten Rundfunkansprachen Thomas Manns, die zum „passiven Widerstand“ aufriefen.

Entstehung und Fortsetzung der Weißen Rose

Die Weiße Rose entstand im Sommer 1942 zunächst als Flugblatt-Aktion von Hans Scholl und Alexander Schmorell. Zwischen dem 27. Juni und dem 12. Juli 1942 verfassten sie innerhalb von 16 Tagen die ersten vier Flugblätter, vervielfältigten sie und verschickten sie an „ausgewählte“ Personen. Die Anschriften stammten größtenteils aus „Telefon- und Adressbüchern“. Von jedem Flugblatt wurden ungefähr 100 Exemplare hergestellt. Alle vier trugen die Überschrift Flugblätter der Weißen Rose. Wie die Gruppe zu diesem Namen kam, ist unklar; in den späteren Flugblättern wurde er nicht mehr verwendet.

Das erste Flugblatt erklärte, nichts sei eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen Herrscherclique regieren zu lassen, und schloss mit dem Aufruf zum passiven Widerstand. Das zweite berichtete über die Ermordung von 300.000 polnischen Juden und bezeichnete dies als ein Verbrechen von beispielloser Größe gegen die Würde des Menschen. Das dritte rief eindringlich zur Sabotage auf. Das vierte endete mit dem Satz: „Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen; die Weiße Rose läßt Euch keine Ruhe!“

Von Ende Juli bis Anfang November 1942 wurden Hans Scholl und Alexander Schmorell an die „Ostfront“ abkommandiert. Auf der Hinfahrt sah Scholl den Umgang mit der jüdischen Bevölkerung im Warschauer Ghetto. In Russland erlebte er großes Elend. In einem verschlüsselten Brief vom 17. August 1942 schrieb er, dieses Elend habe „auf alle einen sehr entschiedenen Eindruck gemacht“, während er selbst fernab „zur Inaktivität“ verdammt sei. Der fünfzehnwöchige Einsatz verstärkte seinen Willen zum Handeln.

Nach der Rückkehr im November 1942 schlossen sich Willi Graf und Sophie Scholl der Widerstandsarbeit an. Außerdem gewann die Gruppe Kurt Huber, einen 49-jährigen Münchner Universitätsprofessor und Musikwissenschaftler. Es entstanden Kontakte zu Widerstandsgruppen im Saarland und in Hamburg, zu einer Schülergruppe in Ulm um Hans Hirzel und Franz J. Müller sowie zu Verbindungsleuten der Harro-Schulze-Boysen/Arvid-Harnack-Gruppe in Berlin. Im fünften Flugblatt, das Hans Scholl verfasste und Kurt Huber überarbeitete, sprach die Gruppe programmatisch von einer deutschen Widerstandsbewegung. Das sechste und letzte Flugblatt entstand nach dem Ausgang der Schlacht von Stalingrad und rief zum Kampf gegen die NSDAP auf.

Verhaftung, Hinrichtung und Erinnerung

Am 18. Februar 1943 verteilte Hans Scholl gemeinsam mit seiner Schwester Sophie das Stalingrad-Flugblatt in der Münchner Universität. Sophie stieß im zweiten Stock einen Stapel Flugblätter in den Lichthof der Eingangshalle. Der Pedell Jakob Schmid beobachtete die fallenden Blätter, hielt die Geschwister fest und lieferte sie an die Gestapo aus. Beide wurden inhaftiert. Am 20. Februar 1943 wurde Christoph Probst in Innsbruck festgenommen.

Am 22. Februar 1943 verurteilte der Volksgerichtshof unter der Leitung Roland Freislers Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst wegen „Wehrkraftzersetzung“, „Feindbegünstigung“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tod durch das Fallbeil. Der evangelische Gefängnisseelsorger Karl Alt besuchte Hans Scholl in der Todeszelle. Nach Alts Bericht bat Scholl darum, das Hohelied der Liebe und den 90. Psalm vorzulesen und mit ihm das Abendmahl zu feiern.

Die Todesurteile wurden noch am selben Tag im Gefängnis München-Stadelheim durch den Henker Johann Reichhart vollstreckt. Walter Roemer, Leiter der Vollzugsabteilung des Münchner Landgerichts, beaufsichtigte die Hinrichtungen. Hans Scholls letzte Worte sollen „Es lebe die Freiheit!“ gewesen sein. Er wurde 24 Jahre alt. Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst wurden auf dem Friedhof am Perlacher Forst bestattet, Grab Nr. 73-1-18/19. Am 27. Februar wurden Hans’ Schwestern Elisabeth und Inge sowie seine Eltern in Ulm in „Sippenhaft“ genommen. Elisabeth wurde wegen ihres Gesundheitszustands im April 1943 freigelassen; die Mutter und Inge wurden am 29. Juli 1943 vorläufig entlassen.

Hans Scholl wird überwiegend gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Weißen Rose und besonders mit seiner Schwester Sophie geehrt. Die Formen reichen von Denkmalen und Ausstellungen bis zur Darstellung in Filmen, Theaterstücken und musikalischen Werken. Individuelle Ehrungen sind seltener. Ein Straßenbahnwagen in Ulm, Baujahr 2008, trägt seinen Namen. 2012 wurde das Auditorium maximum der Sanitätsakademie der Bundeswehr in der Ernst-von-Bergmann-Kaserne nach ihm benannt. Zum 100. Geburtstag entstand 2018 das Theaterstück Es lebe die Freiheit. In Crailsheim wurde am 22. September 2018, seinem Geburtstag, ein Scholl-Grimminger-Denkmal enthüllt.

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