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Sophie Scholl
Im Januar und Februar 1943 war sie an der Herstellung und Verbreitung der beiden letzten Flugblätter der Weißen Rose beteiligt. Am 18. Februar 1943 legte sie …
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Bedeutung und Kern ihres Lebens
Sophia Magdalena „Sophie“ Scholl (* 9. Mai 1921 in Forchtenberg; † 22. Februar 1943 in München) war eine deutsche Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Sie ist besonders wichtig, weil sie als Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose gegen die Diktatur Adolf Hitlers und gegen den Krieg handelte. Sie war die einzige Frau unter den zuletzt sechs Mitgliedern der Gruppe in München.
Im Januar und Februar 1943 beteiligte sie sich an der Herstellung und Verbreitung der beiden letzten Flugblätter der Weißen Rose. Diese Flugblätter riefen zu klaren Entscheidungen gegen Hitlers Diktatur und den Krieg auf. Am 18. Februar 1943 legte sie zusammen mit ihrem Bruder Hans Scholl zahlreiche Exemplare des sechsten Flugblatts im Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München aus. Diese Aktion führte zur Festnahme der Geschwister Scholl. Vier Tage später wurden Sophie und Hans Scholl gemeinsam mit Christoph Probst vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet.
Herkunft, Schule und frühe Prägungen
Sophie Scholl wurde in einem religiös und politisch liberalen, protestantischen Elternhaus erzogen. Ihre Eltern waren Magdalena Scholl (1881–1958), eine Diakonisse, und Robert Scholl (1891–1973), der von 1919 bis 1930 Bürgermeister in Forchtenberg war. Zu ihren Geschwistern gehörten Inge, Hans, Elisabeth, Werner und die früh verstorbene Schwester Thilde. Ebenfalls in der Familie lebte Robert Scholls unehelicher Sohn Ernst Gruele.
Die Familie lebte bis 1930 in Forchtenberg, von 1930 bis 1932 in Ludwigsburg und ab 1932 in Ulm. Sophie besuchte zunächst den Kleinkindergarten und ab 1928 die evangelische Volksschule in Forchtenberg. Später ging sie auf die Evangelische Mädchenvolksschule in Ludwigsburg und ab 1932 auf die Mädchenoberrealschule in Ulm.
Wie ihr Bruder Hans glaubte Sophie zunächst an das von den Nationalsozialisten propagierte Gemeinschaftsideal. 1934 trat sie dem Bund Deutscher Mädel (BDM) bei und blieb dort bis 1941. Sie engagierte sich in ihrer Jungmädel-Gruppe und wurde im Mai 1936 Scharführerin. Ihre Eltern waren gegen die Beteiligung ihrer Kinder an den Jugendorganisationen des NS-Staates, ließen ihnen aber die Entscheidung frei. Später wandte Sophie sich von den Jugendorganisationen der NSDAP ab. 1937 war sie mit ihren Geschwistern für einige Stunden in Polizeigewahrsam, weil Hans wegen seines Engagements in der Bündischen Jugend verfolgt wurde.
Ausbildung, Religion und Weg nach München
Nach dem Abitur im März 1940 an der Ulmer Mädchenoberrealschule begann Sophie Scholl im Mai 1940 eine Ausbildung am evangelischen Kindergärtnerinnen-Seminar in Ulm-Söflingen. Im August 1940 absolvierte sie ein vierwöchiges Praktikum im Kindersanatorium Kohlermann in Bad Dürrheim. Da diese Ausbildung nicht als Ersatz für den Reichsarbeitsdienst anerkannt wurde, musste sie im Frühjahr 1941 zum Reichsarbeitsdienst nach Krauchenwies bei Sigmaringen.
Während dieser Zeit las sie Werke des Kirchenvaters Augustinus von Hippo. Diese Lektüre wurde für ihre Glaubensentwicklung wichtig. In den Jahren 1941 bis 1943 hatte der Katholik Otl Aicher den stärksten Einfluss auf ihre religiöse Entwicklung. Auch das Tagebuch eines Landpfarrers des französischen Autors Georges Bernanos beeindruckte sie. Sophie, ihre Geschwister und Aicher verpflichteten sich, den Glauben, den dieses Buch vermittelte, „für ihr Leben zu erschließen“.
Am 7. Oktober 1941 erhielt Sophie eine Stelle im NSV-Kinderhort in Blumberg, wo sie bis Ende März 1942 Kriegshilfsdienst leisten musste. In Blumberg verband sich ihre religiöse Haltung stärker mit sozialem und politischem Denken. Im Mai 1942 begann sie an der Ludwig-Maximilians-Universität München Biologie und Philosophie zu studieren. Ihr Verlobter Fritz Hartnagel besuchte sie im Mai 1942 in München, bevor er zum Kriegsdienst im Deutsch-Sowjetischen Krieg musste. Sie blieben brieflich verbunden, sahen sich aber nicht mehr wieder.
Widerstand in der Weißen Rose
Durch ihren Bruder Hans, der in München Medizin studierte, lernte Sophie Studenten kennen, die ihre Ablehnung der NS-Herrschaft stärkten. Hans wollte sie zunächst aus der Widerstandsgruppe Weiße Rose heraushalten, um sie zu schützen. Sophie setzte jedoch durch, sich der Gruppe anzuschließen.
Die Weiße Rose schrieb, vervielfältigte und verschickte Flugblätter gegen die NS-Diktatur und den Krieg. An den ersten vier Flugblättern im Sommer 1942 war Sophie Scholl noch nicht beteiligt; von ihnen wurden jeweils nur etwa 100 Kopien hergestellt. Im Januar 1943 half sie erstmals bei der Herstellung eines Flugblatts mit: Es war das fünfte Flugblatt, das mithilfe eines neuen Vervielfältigungsapparats in deutlich höherer Auflage produziert wurde. Sophie beschaffte Materialien, half bei der Herstellung, besorgte Adressen für die Verteilung und führte die Kasse.
Am 25. Januar 1943 brachte sie 2000 Flugblätter nach Ulm und übergab sie Hans Hirzel zur weiteren Verteilung. Hans Hirzel und seine Schwester Susanne warfen in der Nacht des 27. Januar das fünfte Flugblatt in Stuttgarter Briefkästen. Im Februar 1943 schrieb Kurt Huber das sechste Flugblatt. Es richtete sich an Studenten und forderte dazu auf, das NS-Regime zu stürzen und ein „neues geistiges Europa“ zu errichten.
Verhaftung, Prozess und Tod
Am 18. Februar 1943 verteilten Sophie und Hans Scholl in der Münchner Universität etwa 1700 Flugblätter. Dabei fielen einige Flugblätter in den Lichthof. Der Universitätspedell Jakob Schmid, ein SA-Mann, entdeckte die Flugblätter gegen 11:15 Uhr, stellte die Geschwister und brachte sie zum Rektorat. Nach einem mehrstündigen Verhör durch den Universitätssyndikus Karl Ernst Haeffner und den Rektor Walther Wüst wurden Sophie und Hans von der Gestapo festgenommen.
In der Gestapo-Zentrale im Wittelsbacher Palais verhörte Kriminalobersekretär Robert Mohr Sophie Scholl vom 18. bis 20. Februar. Aus dem Vernehmungsprotokoll geht hervor, dass sie versuchte, ihre Freunde zu schützen, indem sie sich und Hans als Hauptakteure darstellte. Am 20. Februar wurde auch Christoph Probst festgenommen.
Am 22. Februar 1943 fand der Prozess gegen Sophie Scholl, Hans Scholl und Christoph Probst vor dem Volksgerichtshof in München statt. Den Vorsitz führte Roland Freisler. Die drei Angeklagten wurden wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat [und] Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Ein Gnadengesuch wurde abgelehnt. Gegen 17 Uhr desselben Tages wurden Sophie Scholl, Hans Scholl und Christoph Probst im Strafgefängnis München-Stadelheim mit der Guillotine enthauptet. Ihre Gräber liegen auf dem Friedhof am Perlacher Forst bei der Justizvollzugsanstalt Stadelheim.
Nachwirkung und Erinnerung
Sophie Scholls Briefe und Tagebuch-Aufzeichnungen zeigen sie als junge Frau mit starker Empfindsamkeit für Natur, tiefem christlichen Glauben und intensiver Beschäftigung mit innerer Haltung. In ihren Briefen erscheint mehrfach ein Zitat von Jacques Maritain: „Il faut avoir l’esprit dur et le cœur tendre“ („Man muss einen harten Geist und ein weiches Herz haben“). Sie schrieb auch über das Verhältnis von Verstand und Seele: „Ich merke, dass man mit dem Geiste (oder dem Verstand) wuchern kann, und dass die Seele dabei verhungern kann.“
Nach Sophie Scholl wurden zahlreiche Straßen, Plätze und öffentliche Einrichtungen in Deutschland und im deutschsprachigen Raum benannt, darunter Schulen in Berlin, Ludwigsburg und Trient. Sie wurde außerdem auf Briefmarken geehrt, unter anderem 1961 in der DDR, 1964 in der Bundesrepublik und 2021 zum 100. Geburtstag. Ebenfalls 2021 erschien eine 20-Euro-Gedenkmünze. Seit 2003 erinnert eine Büste in der Walhalla an sie; seit 2005 steht eine Bronzebüste im Lichthof der LMU München.
Ihre Lebensgeschichte wurde mehrfach in Filmen, Opern, Theaterstücken, Musicals und Medienprojekten dargestellt. Zu den bekannten Filmen gehören Die weiße Rose und Fünf letzte Tage von 1982 sowie Sophie Scholl – Die letzten Tage von 2005, der 2006 für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert wurde. Das Instagram-Projekt @ichbinsophiescholl von 2021 stellte ihre letzten Lebensmonate in Form moderner Social-Media-Beiträge dar. Es wurde für Innovation und gesellschaftliche Relevanz gelobt, aber auch wegen historischer Ungenauigkeiten kritisiert.
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