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Weimar
Darauf folgte die Weimarer Klassik mit Wieland, Goethe, Herder und Schiller. Das 19. Jahrhundert ist verbunden mit Franz Liszt, Richard Strauss, Friedrich …
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Stadtprofil und Bedeutung
Weimar ist eine kreisfreie Stadt in Thüringen und vor allem wegen ihres kulturellen und politischen Erbes bedeutend. Sie liegt an der Ilm ungefähr auf halbem Weg zwischen Erfurt und Jena. Mit 65.954 Einwohnern am 31. Dezember 2024 ist sie die viertgrößte Gemeinde Thüringens. Das Stadtgebiet umfasst 84,48 km²; die Bevölkerungsdichte beträgt 781 Einwohner je km². Weimar ist ein Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums und trägt seit dem 1. Mai 2004 den Beinamen Universitätsstadt.
Die Stadt war ein Zentrum der Weimarer Klassik mit Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder und Friedrich Schiller. Weitere prägende Namen sind Johann Sebastian Bach, Franz Liszt, Richard Strauss, Friedrich Nietzsche, Henry van de Velde und Walter Gropius. In Weimar wurde 1919 das Bauhaus gegründet; zugleich tagte dort die Nationalversammlung, die die Verfassung der Weimarer Republik ausarbeitete.
Weimar war ab 1547/52 Haupt- und Residenzstadt von Sachsen-Weimar, später Sachsen-Weimar-Eisenach. Von Februar bis September 1919 war es vorübergehend Regierungssitz des Deutschen Reichs, von 1920 bis 1952 Hauptstadt Thüringens und 1999 Kulturhauptstadt Europas.
Die UNESCO nahm 1996 das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau sowie 1998 das Ensemble „Klassisches Weimar“ in die Welterbeliste auf. Goethes Nachlass im Goethe- und Schiller-Archiv gehört seit 2001 zum Weltdokumentenerbe; seit 2015 gilt dies auch für frühe Schriften der Reformation, die teilweise in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek liegen. Mehr als 25 Museen und Ausstellungsorte vermitteln das kulturelle Erbe der Stadt.
Von der Vorgeschichte zur Kulturstadt
Die ältesten Spuren reichen weit zurück: Das 1925 entdeckte Skelett des Ehringsdorfer Urmenschen ist etwa 200.000 bis 250.000 Jahre alt. Nahe Schloss Belvedere wurden 2020 Reste einer Siedlung der Stichbandkeramik aus der ersten Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr. gefunden.
Weimar wurde am 11. März 899 als „Vvigmara“ erstmals urkundlich erwähnt. Zwischen 946 und 1346 bestand die Grafschaft Weimar beziehungsweise Weimar-Orlamünde. Eine Siedlung ist 1250 erstmals ausdrücklich belegt. Nach dem Thüringer Grafenkrieg kam Weimar 1365 als Lehen an die Wettiner. 1410 erhielt der Ort Stadtrechte. Ein großer Brand zerstörte 1424 weite Teile der Stadt; beim Wiederaufbau entstand eine doppelte Stadtmauer. 1552 machte Herzog Johann Friedrich der Großmütige Weimar zur Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Weimar. Diese Stellung als Haupt- und Residenzstadt behielt Weimar bis 1918.
Das „Goldene Zeitalter“ bezeichnet die kulturelle Blüte unter Herzogin Anna Amalia und Herzog Carl August am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Wieland, Goethe, Herder und Schiller machten die kleine Residenzstadt zu einem Zentrum der Weltliteratur. Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, das Hoftheater sowie Anlagen wie Park an der Ilm, Tiefurt und Belvedere waren wichtige Bestandteile dieses kulturellen Lebens. Carl August galt als aufgeklärt und gab seinem Staat 1816 als erster deutscher Monarch eine Verfassung. Mit Goethes Tod 1832 endete dieses Zeitalter.
Im „Silbernen Zeitalter“ erlebte Weimar unter Maria Pawlowna, Carl Alexander und Großherzogin Sophie einen neuen Aufschwung. Franz Liszt wurde 1842 Kapellmeister und setzte 1850 die Uraufführung von Richard Wagners „Lohengrin“ durch. 1860 entstand die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule; die dort entwickelte realistische Richtung wurde als Weimarer Malerschule bekannt. Im frühen 20. Jahrhundert machte Henry van de Velde Weimar zu einem Zentrum der Moderne. Seine Kunstgewerbeschule und die Kunstschule wurden 1919 unter Walter Gropius zum Staatlichen Bauhaus vereinigt.
Republik, Diktatur und deutsche Teilung
Vom 6. Februar bis September 1919 tagte die verfassungsgebende Nationalversammlung im Deutschen Nationaltheater, weil Berlin als politisch zu unruhig galt. Nach dem Tagungsort erhielt die parlamentarische Ordnung von 1919 bis 1933 den Namen Weimarer Republik. Am 1. Mai 1920 wurde Weimar Hauptstadt des neuen Landes Thüringen. Beim Kapp-Putsch erschossen Reichswehrsoldaten am 15. März 1920 neun demonstrierende Arbeiter. Walter Gropius entwarf für die „Märzgefallenen“ das 1922 eingeweihte Denkmal „Der Blitz“. Politische und kulturelle Konflikte zwischen freigeistigen und völkisch-nationalistischen Gruppen trugen 1925 zum Umzug des Bauhauses nach Dessau bei. 1932 übernahm die NSDAP unter Gauleiter Fritz Sauckel die Regierung Thüringens.
Nach 1933 wurden politische Gegner, jüdische Einwohner und als unerwünscht geltende Kunst verfolgt. 1937 beschlagnahmte das Regime zahlreiche moderne Werke als „Entartete Kunst“. Während der Novemberpogrome 1938 wurde das letzte Geschäft in jüdischem Besitz zerstört. Ab 1942 deportierte man die verbliebenen Juden in Vernichtungslager; das Gedenkbuch des Bundesarchivs nennt 62 deportierte und größtenteils ermordete jüdische Einwohner Weimars.
1937 begann auf dem Ettersberg der Bau des Konzentrationslagers Buchenwald. Von etwa 250.000 Häftlingen wurden dort bis 1945 mehr als 56.000 ermordet. Im Gestapo-Gefängnis Marstall wurden Gefangene gefoltert und getötet; beim Abzug im April 1945 ermordeten SS und Gestapo 149 Gefangene im Webicht. In den Gustloff-Werken mussten Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge Rüstungsgüter herstellen. Luftangriffe 1945 töteten insgesamt 1.254 Einwohner und 600 Buchenwald-Häftlinge; 325 Gebäude wurden zerstört und 210 schwer beschädigt.
Am 11. April 1945 erreichte die US-Armee Weimar und Buchenwald. Im Juli begann die sowjetische Besatzung. Von August 1945 bis Februar 1950 betrieb der sowjetische Geheimdienst NKWD auf dem Lagergelände das Speziallager Nr. 2; etwa 7.000 der 28.000 Inhaftierten starben. 1948 verlor Weimar die Stellung als Landeshauptstadt an Erfurt, 1952 wurde es Stadtkreis im Bezirk Erfurt. Beim Volksaufstand vom 17. und 18. Juni 1953 streikten 3.000 Beschäftigte des VEB Mähdrescherwerk; sowjetische Truppen und Volkspolizei verhinderten Demonstrationen.
In der DDR entstanden die Plattenbaugebiete Weimar-Nord, Weimar-West und Schöndorf-Waldstadt. Während der Friedlichen Revolution 1989 wurden Kirchen zu Orten der Diskussion. Ab dem 24. Oktober fanden wöchentlich Demonstrationen statt; am 31. Oktober nahmen schätzungsweise 15.000 Menschen teil. Gefordert wurden zunächst Demokratie und offene Stasi-Archive, später die deutsche Wiedervereinigung.
Kultur, Bauwerke und Bildung
Weimars Stadtbild verbindet mehrere Epochen. Zu den wichtigsten Anlagen gehören Stadtschloss, Wittumspalais, Schloss und Park Belvedere, Schloss und Park Tiefurt sowie Schloss Ettersburg. Die um 1500 errichtete Stadtkirche St. Peter und Paul heißt wegen Herders Wirken auch Herderkirche; ihr Altarbild stammt von Lucas Cranach dem Älteren und dem Jüngeren. Weitere bedeutende Kirchen sind die Jakobskirche, die Herz-Jesu-Kirche und die als Feiningerkirche bekannte Dorfkirche Gelmeroda. Goethes und Schillers Wohnhäuser, Goethes Gartenhaus, das Goethe- und Schiller-Denkmal, das Musterhaus Am Horn und die Gebäude der Bauhaus-Universität gehören zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten.
Das Deutsche Nationaltheater und die Staatskapelle Weimar bilden den bedeutendsten Theaterbetrieb. Museen behandeln Kunst, Bauhaus, Stadtgeschichte, Ur- und Frühgeschichte sowie die Weimarer Republik. Das 2019 eröffnete Bauhaus-Museum zeigt unter anderem Werke von Walter Gropius und Johannes Itten. Wichtige Gedächtnisorte sind die Gedenkstätte Buchenwald und Speziallager Nr. 2, das Denkmal der Märzgefallenen und der Gedenkstein für die 149 im Webicht ermordeten Gefangenen.
Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ist eine zentrale Forschungsbibliothek. Bei einem Brand am 2. September 2004 wurden 50.000 Bücher zerstört; nach Wiederaufbau und Restaurierung wurde sie am 24. Oktober 2007 wiedereröffnet. Weitere wichtige Einrichtungen sind das Goethe- und Schiller-Archiv, das Thüringer Landesarchiv, die Universitätsbibliothek und die Stadtbibliothek.
Die Bauhaus-Universität Weimar hat etwa 4.700 Studierende in vier Fakultäten: Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung und Medien. Die Hochschule für Musik Franz Liszt zählt etwa 850 Studierende. Hinzu kommen Gymnasien, Gemeinschafts-, Regel-, Grund-, Berufs- und Förderschulen sowie das Thüringenkolleg und die Volkshochschule.
Zu den regelmäßigen Veranstaltungen gehören das Kunstfest Weimar, der Yiddish Summer, die Weimarer Meisterkurse und das Festival Genius Loci. Der seit 1653 veranstaltete Zwiebelmarkt findet jährlich am zweiten Oktoberwochenende statt und zieht bis zu 350.000 Besucher an.
Naturraum, Bevölkerung und Religion
Weimar liegt rund 200 Meter hoch im Zentrum Thüringens. Die Ilm durchfließt die Stadt von Südosten nach Nordosten. Im Westen schließt sich das fruchtbare, sanft hügelige Thüringer Becken an. Im Norden liegt der bewaldete Ettersberg, der im Geographieabschnitt mit 482 Metern als höchste Erhebung des Thüringer Beckens angegeben wird; in der Einleitung werden 477 Meter genannt. Auf seiner Kuppe befindet sich die Gedenkstätte Buchenwald. Im Süden erhebt sich die trocken-verkarstete Ilm-Saale-Platte aus Muschelkalk. Das Stadtgebiet erstreckt sich 13 Kilometer von Norden nach Süden und rund 9 Kilometer von Westen nach Osten.
Geologisch liegt Weimar in der Thüringer Mulde. Muschelkalk, Keuper, Travertin und Löß prägen den Untergrund. Verwerfungen und ausgelaugter Gips führten zu Karstsenken, Erdfällen und zahlreichen Quellen. Kleinere Ilmzuflüsse wurden seit dem Mittelalter verlegt; Lotte und Asbach verlaufen in der Altstadt heute teilweise unterirdisch.
Der Ettersberg schützt die Stadt nach Norden und Nordwesten, weshalb das Klima etwas wärmer und trockener als in anderen Teilen Mittelthüringens ist. Der Text nennt einen Niederschlagsdurchschnitt von 574 mm pro Jahr, während die Klimatabelle eine Jahressumme von 654 mm ausweist. Die dort angegebene mittlere Jahrestemperatur beträgt 9,4 °C.
Die Einwohnerzahl blieb seit Ende der 1930er Jahre meist zwischen 60.000 und 67.000. Den historischen Höchststand erreichte Weimar 1955 mit 66.675 Einwohnern. Eingemeindungen im Jahr 1994 und Wanderungsgewinne beeinflussten die Entwicklung nach der Wiedervereinigung.
Nach dem Zensus 2011 waren 16,87 % evangelisch und 6,51 % römisch-katholisch. Insgesamt gehörten 30,8 % einer Religionsgemeinschaft an. Neben evangelischen, katholischen, orthodoxen und freikirchlichen Gemeinden bestehen unter anderem eine sunnitische Moschee, eine Gemeinde der Zeugen Jehovas und eine Hare-Krischna-Gemeinschaft.
Politik, Wirtschaft und Verkehr
Der Weimarer Stadtrat hat seit der Wahl 2024 insgesamt 42 Sitze. Stärkste Kraft wurde die CDU mit 19,9 % und acht Sitzen, gefolgt vom Bürgerbündnis weimarwerk mit 17,6 % und sieben Sitzen. Grüne, SPD, Linke und AfD erhielten jeweils sechs Sitze; FDP und dieBasis jeweils einen. Die Wahlbeteiligung betrug 60,4 %. Oberbürgermeister ist seit dem 1. Juli 2018 Peter Kleine, der parteilos ist. Das Stadtwappen zeigt „in einem goldenen, mit roten Herzen übersäten Schild einen rot gezungten, steigenden schwarzen Löwen“.
Weimars Wirtschaft wird von Dienstleistungen geprägt: 2016 arbeiteten 87,7 % der Beschäftigten im Dienstleistungssektor und 11,2 % im produzierenden Gewerbe. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2016 2,001 Milliarden Euro beziehungsweise 31.147 Euro je Einwohner. 2017 gab es etwa 34.300 Erwerbstätige; im Dezember 2018 lag die Arbeitslosenquote bei 5,7 %. Kultur-, Bildungs- und Städtetourismus sind besonders wichtig. Die Stadt besitzt 28 Hotels sowie Jugendherbergen, Hostels, Pensionen und Privatunterkünfte.
Industrielle Schwerpunkte sind Fahrzeug- und Maschinenbau, Pharma- und Verpackungsindustrie. Größtes Industrieunternehmen ist die Bayer Weimar GmbH und Co. KG mit etwa 500 Beschäftigten. Weimar ist außerdem ein bedeutender Verwaltungs-, Justiz- und Gesundheitsstandort. Hier sitzen unter anderem der Thüringer Verfassungsgerichtshof, das Thüringer Oberverwaltungsgericht und das Verwaltungsgericht Weimar. Das Sophien- und Hufeland-Klinikum hat 550 Betten und etwa 1.100 Beschäftigte.
Die Autobahn A 4 sowie die Bundesstraßen 7 und 85 binden Weimar an das Straßennetz an. Neun Stadtbuslinien treffen sich im Rendezvous-System am Goetheplatz; seit 2023 fahren Wasserstoffbusse. Eine Straßenbahn bestand von 1899 bis 1937, ein Oberleitungsbusnetz von 1948 bis 1993. Am Hauptbahnhof treffen Thüringer Bahn, Ilmbahn und Holzlandbahn zusammen. Der ICE-Knoten Erfurt ist in weniger als 15 Bahnminuten erreichbar. Radfernwege wie der Ilmtal-Radweg und der Radfernweg Thüringer Städtekette führen durch die Stadt. Der Flughafen Erfurt-Weimar dient vor allem Ferienflügen; historisch verband ab Februar 1919 eine der ersten zivilen Fluglinien der Welt Weimar mit Berlin.