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Diakonisse
... evangelischen Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft (Schwesterngemeinschaft). ... Beiträge zur weiblichen Diakonie im 19. und 20. Jahrhundert. Evang …
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Was eine Diakonisse ist
Eine Diakonisse ist eine Frau, die in einer verbindlichen evangelischen Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft, einer sogenannten Schwesterngemeinschaft, lebt und dient. Ihr Dienst wird als Auftrag Jesu Christi verstanden und in verbindlicher Gemeinschaft erfüllt. Das männliche Pendant ist der diakonische Bruder.
Diakonissen arbeiten in vielen Bereichen der kirchlichen Diakonie, also des praktischen Dienstes an hilfebedürftigen Menschen. Dazu gehören Gemeinden, Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Kindergärten, Horte und Kinderheime, die offene Jugendarbeit, Ausbildungsstätten und weitere diakonische Arbeitsfelder.
Diakonissen in genossenschaftlicher Form
Die traditionelle Form wird heute als „Diakonissen in genossenschaftlicher Form“ bezeichnet. Die Diakonissen leben in der Regel in einem Diakonissenhaus oder einer Diakonissenanstalt. Von dort erhalten sie eine Aufgabe oder werden in einen Dienst entsandt.
Sie verpflichten sich zu einem einfachen Lebensstil, zur Ehelosigkeit und zum Gehorsam. Welche Regeln genau gelten, legt die jeweilige Ordnung der Gemeinschaft fest. In einem Einsegnungsgottesdienst werden die Diakonissen unter Handauflegung gesegnet.
Typisch war eine Schwesterntracht. Sie bestand gewöhnlich aus einem dunkelblauen, grauen oder schwarzen Kleid, einer Schürze sowie einer weißen Haube oder einem weißen Schleier. Heute regeln die einzelnen Schwesternschaften die Trachtenfrage unterschiedlich. Manche Schwestern tragen die Tracht nur noch bei Veranstaltungen der Schwesternschaft oder an kirchlichen Festen.
Auch die frühere Form der Lebensgemeinschaft wurde teilweise gelockert. Manche Diakonissen erhalten ein reguläres Gehalt und haben das Recht auf eine eigene Wohnung. Trotzdem bleiben sie ihrem Mutterhaus, also dem Diakonissenhaus, lebenslang verbunden. Sie stellen ihr Einkommen bis auf ein monatliches Taschengeld einer gemeinsamen Kasse zur Verfügung. Im Gegenzug gewährleisten die Mutterhäuser bei Bedarf die gegenseitige Kranken- und Altenpflege.
Diakonissen in neuer Form
In zahlreichen Diakonischen Gemeinschaften entstand in den letzten Jahrzehnten eine neue Form der Zugehörigkeit. Diese Diakonissen bilden eine Glaubens- und Arbeitsgemeinschaft, aber keine gemeinsame Lebensgemeinschaft.
Sie leben selbstständig, können heiraten und eine Familie gründen. Meist tragen sie keine Tracht mehr als Erkennungszeichen, sondern häufig eine Brosche oder eine Kette. Sie verfügen über ein eigenes Einkommen und tragen selbst Verantwortung für ihre Versorgung.
Die Frauen, teilweise auch Männer, übernehmen ein Amt, in das sie durch die Landeskirche eingesegnet werden. In der Regel gehört dazu eine berufsbegleitende diakonisch-theologische Weiterbildung. Die Mitglieder arbeiten in den herkömmlichen diakonischen Arbeitsfeldern, können aber auch einen nicht-diakonischen Beruf ausüben. Grundgedanke dieser Gemeinschaften ist, bewusst in der Nachfolge Jesu zu stehen und in seinem Namen hilfebedürftigen Menschen zu dienen.
Entwicklung des Diakonissenamtes
Das Diakonissenamt wird auf das biblische Vorbild der Phoibe von Kenchreä zurückgeführt, die im Dienst der urchristlichen Gemeinde von Kenchreä stand (Röm 16,1 EU).
Theodor Fliedner reaktivierte 1836 in Kaiserswerth den Dienst der Diakonisse nach urchristlichem Vorbild. Dabei beeinflussten ihn Kontakte mit niederländischen Mennoniten und der englischen Reformerin der Gesundheitsfürsorge Elizabeth Fry. Fliedner führte eine Tracht ein, um die Diakonissen vor Angriffen zu schützen und ihren besonderen Lebensstil sichtbar zu machen. Außerdem legte er Richtlinien fest, die den Tagesablauf strukturierten und regelten.
Ein wichtiges Anliegen Fliedners waren die Lebensumstände von Frauen und ihre Möglichkeit, eigenständig im Dienst der Nächstenliebe zu arbeiten. Im 19. Jahrhundert traten viele Frauen neben der geistlichen Motivation auch ein, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Mit der Entwicklung der Erwerbstätigkeit von Frauen verlor dieses Motiv an Bedeutung.
Durch die allmähliche Entwicklung und Professionalisierung des Gesundheitswesens, besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wurde der Diakonissendienst stärker abgegrenzt und definiert. Die Gründung des Kaiserswerther Verbandes im Jahr 1916 und die Zeitschrift Die Diakonisse, die von 1926 bis 1941 erschien, dokumentieren diese Entwicklung. Damals wurde der Dienst als „biblisch begründete Hingabe“ verstanden, die sich nicht mit rationalen Begriffen und Gesetzgebungen vollständig fassen lasse. Nach 1945 gewann die theologische Qualifizierung stärker an Bedeutung.
Seinen Höchststand erreichte der Diakonissenbestand 1951: Damals gab es 29.495 Schwestern in 72 Mutterhäusern, davon 44 in der Bundesrepublik und 28 in der DDR. Im Kaiserswerther Verband sind heute rund 70 Mitgliedseinrichtungen mit etwa 50.000 Mitarbeitenden zusammengeschlossen, darunter etwa 1.600 Diakonissen und 3.000 Diakonische Schwestern und Brüder.
Die Kaiserswerther Diakonisse und Pflegehistorikerin Anna Sticker erforschte die Geschichte der Diakonissen und baute das Theodor-Fliedner-Archiv in Kaiserswerth auf. Dieses gehört heute zur Fliedner-Kulturstiftung Kaiserswerth.