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Deutschland

Deutschland (; Vollform des Staatsnamens: Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa. Es besteht aus 16 Ländern und ist als …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat, Lage und Bevölkerung
  2. 2. Naturraum und Nutzung
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Demokratie, Recht und internationale Rolle
  5. 5. Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung
  6. 6. Gesellschaft, Kultur und Sport

Staat, Lage und Bevölkerung

Deutschland, vollständig Bundesrepublik Deutschland, ist ein parlamentarischer Bundesstaat in Mitteleuropa. Es besteht aus 16 Ländern und ist ein freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat. Hauptstadt sowie Sitz von Parlament und Regierung ist Berlin. Staatsoberhaupt ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Regierungschef Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Die Verfassung ist das Grundgesetz; Gesetzgebungsorgane sind Bundestag und Bundesrat. Amtssprache ist Deutsch, Staatsreligion gibt es keine.

Das Staatsgebiet umfasst 357.684 km². Am 31. Dezember 2025 hatte Deutschland 83.467.117 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 233 Einwohnern pro km². Es grenzt an Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Berlin ist die größte Stadt; Hamburg, München und Köln haben ebenfalls mehr als eine Million Einwohner. Das Ruhrgebiet ist mit 5,1 Millionen Einwohnern der größte Ballungsraum.

Deutschland ist ein föderaler Staat: Länder, Kreise und Gemeinden übernehmen jeweils eigene Aufgaben. Es gibt 294 Kreise, 107 kreisfreie Städte und 10.747 Gemeinden (Stand Januar 2026). Gemeinden besitzen eine durch Art. 28 Abs. 2 GG geschützte Selbstverwaltung. Das Staatsgebiet wurde 1957 durch den Beitritt des Saarlands und 1990 durch den Beitritt der DDR erweitert. Einzelne Grenzfragen, etwa im Ems-Dollart-Gebiet mit den Niederlanden, sind umstritten.

Die Bevölkerung altert: Das Durchschnittsalter lag 2025 bei 45,0 Jahren. 2025 standen 654.241 Lebendgeburten 1.006.588 Sterbefällen gegenüber; die Geburtenrate betrug 1,32 Kinder pro Frau. Deutschland ist seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland. 2022 hatten 23,8 Millionen Menschen beziehungsweise 28,7 % einen Migrationshintergrund. Deutsch ist wichtigste Verwaltungs-, Schrift- und Alltagssprache. Anerkannte Regional- oder Minderheitensprachen sind Niederdeutsch sowie Dänisch, Friesisch, Sorbisch und Romanes; die Deutsche Gebärdensprache ist seit 2002 als eigenständige Sprache anerkannt.

2025 gehörten 48 % keiner Glaubensgemeinschaft und rund 46 % einer christlichen Konfession an. Der Anteil römisch-katholischer Mitglieder lag bei 23,0 %, der evangelische bei 20,7 %. Ende 2025 lebten etwa 3,35 Millionen Muslime in Deutschland, entsprechend 4,0 % der Bevölkerung.

Naturraum und Nutzung

Deutschland liegt in der gemäßigten Klimazone zwischen Nord- und Ostsee sowie Bodensee und Alpen. Seine drei großen Naturräume sind von Norden nach Süden das Norddeutsche Tiefland, die Mittelgebirgszone und das Alpenvorland mit den Alpen. Höchster Punkt ist die Zugspitze in Bayern mit 2962 m über Normalhöhennull; die tiefste allgemein zugängliche Landesstelle liegt bei Neuendorf-Sachsenbande in Schleswig-Holstein 3,54 m unter NHN.

Das Klima liegt im Übergang zwischen Seeklima im Westen und Kontinentalklima im Osten. Für die Normalperiode 1961–1990 betrug die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur 8,2 °C und der mittlere Jahresniederschlag 789 mm. Wetterbeobachtungen zeigen für 1881 bis 2022 einen Temperaturanstieg von etwa 1,7 °C in Deutschland, gegenüber 1,1 °C weltweit. Für die Mitte des 21. Jahrhunderts wurde um 2020 ein Anstieg um 2,3 °C im Jahresmittel prognostiziert.

Die großen Flusssysteme sind Rhein, Elbe, Weser, Ems, Oder und Donau. Der Rhein ist wirtschaftlich besonders bedeutend und eine stark befahrene Wasserstraße. Die Weser hat als einziger dieser großen Flüsse ihr gesamtes Einzugsgebiet in Deutschland. Größter vollständig in Deutschland liegender See ist die Müritz; der Bodensee ist der größte See mit deutschem Anteil. Rügen ist die größte deutsche Insel.

Ohne menschlichen Einfluss wären Laub- und Mischwälder die vorherrschende Vegetation. Rund 30 % der Landfläche sind bewaldet; die häufigsten Baumarten sind Gemeine Fichte mit 26,0 %, Waldkiefer mit 22,9 %, Rotbuche mit 15,8 % und Eichen mit 10,6 % Flächenanteil. Am 31. Dezember 2024 wurden 179.578 km² landwirtschaftlich genutzt. Naturschutz ist als Staatsziel in Art. 20a GG verankert.

In Deutschland sind etwa 48.000 Tierarten nachgewiesen. Wölfe haben sich wieder etabliert: 2023/2024 gab es 209 bestätigte Rudel, 46 Paare und 19 territoriale Einzeltiere. Viele Tier- und Pflanzenarten stehen unter Schutz; zugleich gehören etwa Waschbär, Nutria und Kanadagans zu eingeschleppten, teils invasiven Neozoen.

Historische Entwicklung

Menschen lebten mindestens seit rund 600.000 Jahren im Gebiet des heutigen Deutschland. Ab etwa 5700/5600 v. Chr. wanderten jungsteinzeitliche Bauern ein. In der Antike gehörten Gebiete links des Rheins und südlich der Donau zum Römischen Reich; römische Gründungen wie Trier, Köln, Augsburg und Mainz zählen zu den ältesten deutschen Städten. Die Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. begrenzte die römische Ausdehnung in das germanische Gebiet.

Nach der Völkerwanderung dominierte das Frankenreich. Karl der Große vereinigte um 800 weite Teile des heutigen Deutschlands in seinem Herrschaftsgebiet. Der Vertrag von Verdun 843 teilte das Reich; aus dem Ostfrankenreich entwickelte sich das Heilige Römische Reich. Otto I. wurde 962 zum Kaiser gekrönt. Das Reich blieb bis 1806 eine Wahlmonarchie aus zahlreichen Territorien und Reichsstädten. Reformation, der Augsburger Religionsfrieden von 1555 und der Dreißigjährige Krieg 1618–1648 prägten die Konfessions- und Machtverhältnisse. Der Westfälische Frieden stärkte die Territorien gegenüber dem Kaiser.

Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 entstanden unter Napoleon der Rheinbund und nach dem Wiener Kongress 1815 der Deutsche Bund. Die demokratische Revolution von 1848/49 und die Frankfurter Nationalversammlung scheiterten. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 entstand unter preußischer Führung der Norddeutsche Bund. Aus ihm und den süddeutschen Staaten wurde am 1. Januar 1871 das Deutsche Reich; Wilhelm I. nahm am 18. Januar 1871 den Kaisertitel an.

Nach dem Ersten Weltkrieg endete 1918 die Monarchie. Die Weimarer Republik erhielt 1919 eine demokratische Verfassung, litt aber unter den Folgen des Versailler Vertrags, politischen Konflikten und der Weltwirtschaftskrise. Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler; das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 ermöglichte die nationalsozialistische Diktatur. Das Regime verfolgte politische Gegner und Minderheiten, begann am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg und ermordete im Holocaust mindestens sechs Millionen Juden. Die deutsche Kapitulation erfolgte am 8. Mai 1945.

Deutschland wurde danach in vier Besatzungszonen geteilt. Am 23. Mai 1949 entstand in den Westzonen die Bundesrepublik Deutschland, am 7. Oktober 1949 in der sowjetischen Zone die DDR. Die Bundesrepublik entwickelte eine soziale Marktwirtschaft und wurde Teil der westlichen Bündnisse; die DDR war eine sozialistische Planwirtschaft unter Führung der SED. Der Bau der Berliner Mauer 1961 schloss die innerdeutsche Grenze weitgehend. Die friedliche Revolution in der DDR führte 1989 zur Öffnung der Mauer. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei; die Wiedervereinigung und der Zwei-plus-Vier-Vertrag gaben Deutschland volle Souveränität.

Seit 1990 prägen europäische Integration, Reformen des Sozialstaats, die COVID-19-Pandemie, Klimaschutz und Energiepolitik sowie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine die Entwicklung. Nach der Bundestagswahl 2025 entstand erneut eine schwarz-rote Koalition; Friedrich Merz wurde am 6. Mai 2025 zum Bundeskanzler gewählt.

Demokratie, Recht und internationale Rolle

Art. 20 GG bestimmt Deutschland als demokratischen, sozialen und föderativen Rechtsstaat; diese Grundsätze schützt die Ewigkeitsklausel in Art. 79 Abs. 3 GG. Bund und Länder haben eigene Exekutive, Legislative und Judikative. Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt und hat vor allem repräsentative Aufgaben. Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten mit der Mehrheit der Bundestagsmitglieder gewählt. Er bestimmt die Richtlinien der Politik. Ein Kanzler kann vorzeitig nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgelöst werden: Der Bundestag muss zugleich mit Mehrheit einen Nachfolger wählen.

Bundesgesetze beschließt grundsätzlich der Bundestag; der Bundesrat wirkt als Vertretung der Länder mit. Änderungen des Grundgesetzes benötigen jeweils eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat. Die Gerichte sind unabhängig. Das Bundesverfassungsgericht entscheidet über verfassungsrechtliche Streitigkeiten; oberste Bundesgerichte bestehen unter anderem für Zivil- und Strafrecht, Arbeits-, Verwaltungs-, Sozial- und Finanzrecht. Unionsrecht und Entscheidungen des Gerichtshofs der Europäischen Union beeinflussen das deutsche Recht erheblich.

Deutschland ist Mitglied der EU, der Eurozone, der NATO, der UN, OECD, OSZE, G7, G20 und des Europarats. Der Euro ist seit 2002 Zahlungsmittel. Außenpolitische Leitlinien sind Westbindung und europäische Integration. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee: Über Auslandseinsätze entscheidet der Bundestag. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verlagerte sich ihr Schwerpunkt wieder stärker auf Landes- und Bündnisverteidigung. Für 2024 werden Verteidigungsausgaben von 71,75 Milliarden Euro genannt.

Die innere Sicherheit liegt vor allem bei den Ländern und ihren Polizeien. Auf Bundesebene arbeiten unter anderem Bundespolizei und Bundeskriminalamt. BND, Bundesamt für Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst sind Nachrichtendienste, haben aber keine polizeilichen Vollzugsbefugnisse. Deutschland gilt als eines der sichersten Länder der Welt; 2023 erreichte die Gewaltkriminalität jedoch den höchsten Stand seit 15 Jahren.

Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung

Deutschland hatte 2024 ein nominales Bruttoinlandsprodukt von etwa 4,7 Billionen US-Dollar und war damit die größte Volkswirtschaft Europas sowie die drittgrößte der Welt. Die Wirtschaftsleistung entfiel zu 2,1 % auf Landwirtschaft, zu 24,4 % auf Industrie und zu 73,5 % auf Dienstleistungen. Kennzeichnend sind viele kleine und mittlere Unternehmen, der Mittelstand, die in spezialisierten Industriebereichen häufig Weltmarktführer sind. Wichtige Branchen sind Automobil-, Maschinenbau-, Elektro- und Chemieindustrie, außerdem Finanzwirtschaft, Versicherungen sowie Luft- und Raumfahrt.

Deutschland ist stark in den Welthandel eingebunden und war 2023 nach Warenwert der drittgrößte Importeur und Exporteur der Welt. 2020 betrugen die Exporte 1.205 Milliarden Euro, die Importe 1.025 Milliarden Euro. Die wichtigsten Handelspartner nach Handelsvolumen waren 2020 China, die Niederlande, die USA, Frankreich, Polen und Italien. Die starke Exportorientierung macht die Wirtschaft zugleich anfällig für Schwankungen des Welthandels. Nach dem Einbruch während der COVID-19-Pandemie 2020 um 4,6 % stieg das BIP 2021 um 2,7 %.

Die Energiewende soll den Anteil erneuerbarer Energien erhöhen, Energieverbrauch senken und Treibhausgasemissionen verringern. 2022 machten erneuerbare Energien 17 % des Primärenergieverbrauchs aus. Bis 2050 sollen mindestens 60 % des Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden.

Deutschland besitzt ein dichtes Verkehrsnetz und ist ein wichtiges europäisches Transitland. Das Eisenbahnnetz ist etwa 39.200 km lang; 2024 erreichte der Schienenverkehr 109,8 Milliarden Personenkilometer. Im öffentlichen Nahverkehr wurden 2024 rund 9,8 Milliarden Fahrgäste befördert. Der Flughafen Frankfurt Main war 2023 mit 59,35 Millionen Passagieren der größte deutsche Flughafen. Bedeutende Seehäfen sind Hamburg, Wilhelmshaven und die Bremer Häfen.

Bildung ist vor allem Aufgabe der Länder. Es besteht je nach Land eine neun- bis dreizehnjährige Schulpflicht. Das gegliederte Schulsystem umfasst häufig Hauptschule, Realschule und Gymnasium; die Hochschulreife wird nach zwölf oder dreizehn Jahren erreicht. Kennzeichnend ist die duale Ausbildung: Auszubildende lernen im Betrieb und besuchen Berufsschule. Hochschulen, Fachhochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen wie Max-Planck-, Fraunhofer-, Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft prägen Forschung und Wissenschaft. 2020 studierten etwa 2,9 Millionen Menschen an deutschen Hochschulen, darunter etwa 14 % aus dem Ausland.

Gesellschaft, Kultur und Sport

Deutschland ist eine pluralistische Gesellschaft, in der laut World Values Survey säkular-rationale Werte und persönliche Selbstentfaltung geschätzt werden. Der Sozialstaat beruht auf fünf Pflichtversicherungen für Arbeitnehmer: Kranken-, Unfall-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Er wird hauptsächlich durch Beiträge, bei Defiziten auch durch Steuern finanziert. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll Benachteiligungen etwa wegen Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung, Alter oder sexueller Identität verhindern. Zugleich bestehen soziale Unterschiede: 2024 kritisierte der Europarat wachsende Ungleichheit sowie Armut und Wohnungsnot.

Das Gesundheitswesen verbindet staatliche, gesetzliche und private Akteure. Die gesetzliche Krankenversicherung umfasst den Großteil der Bevölkerung; Familienmitglieder ohne eigenes Einkommen können oft beitragsfrei mitversichert sein. Für 2016 nennt der Text eine Lebenserwartung von 78,2 Jahren für Männer und 83,1 Jahren für Frauen. Gesundheitsausgaben betrugen 2013 11 % des BIP.

Kultur wurde in Deutschland lange vor allem über die gemeinsame Sprache geprägt, weil es lange keinen Nationalstaat gab. Staatliche Kulturförderung von Bund, Ländern und Gemeinden betrug 2017 über elf Milliarden Euro. Massenmedien und Internet haben die Kultur vielfältiger gemacht. Die Medienlandschaft umfasst öffentlich-rechtliche und private Rundfunkanbieter, Zeitungen, Zeitschriften und Onlinemedien.

Sportvereine sind meist im Deutschen Olympischen Sportbund organisiert, der 2023 etwa 27,8 Millionen Mitglieder in 86.000 Vereinen hatte. Fußball ist die verbreitetste und meistverfolgte Sportart. Die deutsche Männernationalmannschaft wurde 1954, 1974, 1990 und 2014 Weltmeister. Weitere bedeutende Sportarten sind Handball, Basketball, Eishockey, Tennis, Motorsport und Wintersport. Deutschland richtete Olympische Spiele 1936 in Berlin und Garmisch-Partenkirchen sowie 1972 in München aus.

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