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Saarland
Das Saarland ([ˈzaːɐ̯lantʰ]; französisch la Sarre) ist ein Land im Südwesten der Bundesrepublik Deutschland. Das kleinste der Flächenländer und hinsichtlich …
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Grundlagen und historische Entwicklung
Das Saarland ist ein Land im Südwesten der Bundesrepublik Deutschland. Es ist mit 2.569,69 km² das kleinste deutsche Flächenland und mit 1.007.342 Einwohnern (31. Dezember 2025) nach Bremen das zweitkleinste Land nach Einwohnerzahl. Staatsform ist eine parlamentarische Republik und ein teilsouveräner Gliedstaat eines Bundesstaates. Landeshauptstadt, größte Stadt und Oberzentrum ist Saarbrücken. Das Saarland grenzt an Rheinland-Pfalz, Frankreich und Luxemburg. Zusammen mit diesen Nachbarn und der belgischen Region Wallonien bildet es die europäische Großregion mit etwa 11,9 Millionen Menschen.
Das Land ist durch Industrialisierung, eine stark ausgebaute Infrastruktur und die Nähe zu Frankreich geprägt. Es weist die höchste grenzüberschreitende Mobilität von Arbeitnehmern in der Europäischen Union auf. Amtssprache ist Deutsch; der ISO-3166-2-Code lautet DE-SL.
Die politische Einheit entstand am 10. Januar 1920 als Saargebiet infolge des Versailler Vertrages. Das Gebiet war aus der Staatsgewalt der Weimarer Republik ausgegliedert, stand 15 Jahre unter der Verwaltung einer vom Völkerbundsrat eingesetzten internationalen Regierungskommission und gehörte wirtschaftlich zum französischen Raum. 1922 wurde ein Landesrat als beratende Volksvertretung eingerichtet. Nach einer Saarabstimmung mit rund 90-prozentiger Zustimmung wurde das Saargebiet am 1. März 1935 als Saarland wieder in das Deutsche Reich eingegliedert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Saarland zunächst zur Französischen Besatzungszone, wurde im Januar 1946 aber aus dem Zuständigkeitsbereich des Alliierten Kontrollrates herausgelöst. 1947 entstanden eine eigene Verfassung und Staatsbürgerschaft; am 16. Juni 1947 erhielt das Saarland kurzzeitig die Saar-Mark, die am 20. November 1947 durch den französischen Franc ersetzt wurde. Die Verfassung trat am 15. Dezember 1947 in Kraft, die politische und wirtschaftliche Selbstständigkeit blieb jedoch durch die französische Oberherrschaft eingeschränkt.
Nach der Ablehnung des Europäischen Statutes für das Saarland durch 67,7 % der Abstimmenden am 23. Oktober 1955 wurde am 27. Oktober 1956 der Saarvertrag geschlossen. Am 1. Januar 1957 trat das Saarland als zehntes Land der Bundesrepublik Deutschland bei; die wirtschaftliche Eingliederung einschließlich der Einführung der D-Mark folgte am 6. Juli 1959, dem sogenannten „Tag X“.
Lage, Natur und Landschaft
Das Saarland liegt links des Rheins im äußersten Südwesten Deutschlands. Es umfasst Teile des Hunsrücks mit dem Schwarzwälder Hochwald, des Lothringischen Schichtstufenlandes und des Saar-Nahe-Berglandes. Bedeutende Landschaften sind unter anderem Bliesgau, Saargau, Köllertal, Ostertal, Saarkohlenwald, Warndt und Sankt Wendeler Land. Die fruchtbaren Kalksteinböden des Saar- und Bliesgaus sind besonders wichtig für die Landschaftsprägung.
Geologisch ist das Land sehr vielfältig. Im Saarbrücker Sattel treten karbonische Gesteine an die Oberfläche. Im Norden und Nordosten schließen sich permische Gesteine, der Hunsrück und das Mainzer Becken an. Südlich, südöstlich und westlich wird der Saarbrücker Sattel von Triasgesteinen eingefasst. Im Südosten liegt die Saargemünd-Zweibrücker Mulde; im Westen und Südwesten finden sich Ablagerungen des jüngeren Mesozoikums aus dem Pariser Becken.
Die höchste Erhebung ist der Dollberg nördlich von Nonnweiler mit 695,4 m, gefolgt vom Schimmelkopf mit 694,8 m. Als Hausberg des Saarlandes gilt der Schaumberg in Tholey. Er ist 569 m hoch, hebt sich aber deutlich aus seiner Umgebung ab. Ein Drittel der Landesfläche ist mit sommergrünem Mischwald bedeckt. Gemeinsam mit Hessen und Rheinland-Pfalz besitzt das Saarland damit den höchsten Waldflächenanteil Deutschlands; zugleich ist hier der Anteil des Laubwaldes an der Gesamtwaldfläche bundesweit am größten.
Der längste Fluss ist die Blies: Von ihrem 99,5 km langen Lauf liegen etwa 93 km im Saarland. Die Saar fließt dagegen auf 68 km durch das Land. Die Blies entspringt bei Selbach und mündet bei Saargemünd in die Saar. Weitere Gewässer sind Prims, Rossel, Nied, Nahe, Glan und Mosel sowie Bostalsee, Primstalsperre und Stausee Losheim. Fast 95 % der Landesfläche gehören zum Einzugsgebiet des Saar-Mosel-Flusssystems, die übrigen 5 % zum Glan-Nahe-Gebiet. Das Klima ist gemäßigt ozeanisch, die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt 800 mm; das Saarland gehört zu den wärmsten Regionen Deutschlands.
Bevölkerung, Sprache und Versorgung
Während der Industrialisierung entstand entlang der Strecke Dillingen–Saarbrücken–Neunkirchen ein dicht besiedelter Raum der Kohle- und Stahlproduktion. Die ländlichen Randgebiete sind weniger dicht besiedelt. Die Einwohnerzahl stieg von 116.819 im Jahr 1802 auf 1.127.354 im Jahr 1965. Danach ging sie langfristig zurück: 983.991 Einwohner wurden 2020 gezählt, 1.012.719 im Jahr 2024. Seit 2022 liegt die Einwohnerzahl durch Zuwanderung wieder über einer Million. Die Bevölkerungsdichte beträgt 392 Einwohner je km².
Zwei große Wachstumsphasen prägten die Bevölkerungsgeschichte. Nach den Zerstörungen des 17. Jahrhunderts wurden unter anderem Hugenotten, Wallonen, Picarden, Tiroler und Schweizer angeworben. Im 19. Jahrhundert führte die Industrialisierung zu starkem Zuzug aus dem Hochwald und dem Hunsrück. Die Bevölkerung der Großregion Saarbrücken vervierfachte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 2006 sank die Bevölkerung um 0,68 %; der natürliche Bevölkerungssaldo betrug −0,48 %. Die Fertilitätsrate lag 2006 bei 1,233 und 2017 bei 1,51 Kindern.
Gesprochen werden rhein- und moselfränkische Mundarten, die meist „Platt“ genannt werden. Die Grenze zwischen beiden Dialektfamilien bildet die dat-das-Linie. Typische Merkmale sind Diphthongarmut, Monophthongisierung, binnendeutsche Konsonantenschwächung und vereinfachte Wortsuffixe. Wegen der Grenzlage ist Französisch im Alltag und in der regionalen Zusammenarbeit präsent. Das Saarland ist das einzige deutsche Bundesland, das an Gymnasien Französisch als Pflichtfremdsprache vorschreibt; die Landesregierung plant, Französisch bis 2043 zur zweiten Verkehrssprache zu machen.
Laut Zensus 2022 waren 51,0 % der Einwohner römisch-katholisch, 15,7 % evangelisch und 33,3 % konfessionslos, Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften oder ohne Angabe. Ende 2025 gehörten 45,1 % der katholischen und 14,1 % der evangelischen Kirche an; 40,8 % entfielen auf die übrigen Gruppen oder machten keine Angabe. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 2015/17 77,5 Jahre für Männer und 82,2 Jahre für Frauen und lag damit unter dem Bundesdurchschnitt. Das Land verfügt über Akutkrankenhäuser, das Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg, Reha-Kliniken sowie die Kurorte Merzig-Bietzen und Rilchingen-Hanweiler.
Staatsaufbau und politische Ordnung
Die Verfassung des Saarlandes wurde am 8. November 1947 verabschiedet und trat am 15. Dezember 1947 in Kraft. Nach der Änderung vom 20. Dezember 1956 ist das Saarland eine freiheitliche Demokratie und ein sozialer Rechtsstaat in der Bundesrepublik. Die Staatsgewalt ist in Legislative, Exekutive und Judikative geteilt.
Die Legislative liegt vor allem beim Landtag des Saarlandes. Der Landtag umfasst 51 Sitze; die Wahlperiode dauert fünf Jahre. Bei der Wahl am 27. März 2022 erhielt die SPD die absolute Mehrheit und 29 Sitze, die CDU 19 und die AfD 3. Ministerpräsidentin ist Anke Rehlinger (SPD), Landtagspräsidentin Heike Winzent (SPD). Die nächste Landtagswahl wird voraussichtlich 2027 stattfinden. Das Saarland verfügt über drei Stimmen im Bundesrat.
Die Landesregierung besteht nach Artikel 86 der Verfassung aus der Ministerpräsidentin, Ministern und Staatssekretären. Die Ministerpräsidentin wird vom Landtag mit der Mehrheit der gesetzlichen Mitglieder in geheimer Abstimmung für die gesamte Legislaturperiode gewählt. Sie ernennt und entlässt mit Zustimmung des Landtages die Minister und leitet die Regierungsgeschäfte.
Gesetzesvorlagen können von der Landesregierung, einem Landtagsmitglied oder einer Fraktion eingebracht werden. Verfassungsänderungen benötigen eine Zweidrittelmehrheit und dürfen die Grundsätze des demokratischen und sozialen Rechtsstaates nicht verletzen. Über Volksbegehren können Stimmberechtigte den Erlass, die Änderung oder Aufhebung eines Gesetzes verlangen. Dafür müssen zunächst 5.000 Stimmberechtigte den Antrag stellen; zustande kommt das Volksbegehren bei Unterstützung durch mindestens ein Fünftel der Stimmberechtigten. Finanzwirksame Gesetze, insbesondere zu Abgaben, Besoldung und Staatshaushalt, sind ausgeschlossen. Nimmt der Landtag den Entwurf binnen drei Monaten nicht an, folgt innerhalb weiterer drei Monate ein Volksentscheid. Ein Gesetz ist dabei beschlossen, wenn mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten zustimmt. Die Judikative besteht aus den Gerichten verschiedener Gerichtswege; oberstes Gericht ist der Verfassungsgerichtshof mit acht vom Landtag gewählten Mitgliedern.
Wirtschaft, Verkehr, Bildung und Medien
Die Wirtschaft wurde bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem durch Steinkohlebergbau und Stahlindustrie geprägt. Seit den 1960er Jahren begann ein Strukturwandel, der in den 1980er Jahren durch eine starke Verringerung der Fördermengen verstärkt wurde. Die Ansiedlung der Automobilindustrie schuf neue Arbeitsplätze. Das letzte Kohlebergwerk, das Bergwerk Saar, wurde im Juni 2012 stillgelegt. Bedeutende Unternehmen und Branchen sind die Automobilzuliefererindustrie, Saarstahl, die Dillinger Hüttenwerke, Hager, Festo, Villeroy & Boch sowie Unternehmen der Informatik und Informationsindustrie wie Scheer und SAP. ZF Friedrichshafen war mit knapp 9.000 Beschäftigten der größte industrielle Arbeitgeber im Saarland.
2024 betrug das Bruttoinlandsprodukt rund 42,6 Milliarden Euro, die Wirtschaftsleistung pro Kopf 42.857 Euro. Der Schuldenstand lag im Juni 2023 bei 13,1 Milliarden Euro; die Pro-Kopf-Verschuldung betrug etwa 14.400 Euro. Im Dezember 2025 lag die Arbeitslosenquote bei 7,2 %. Das Saarland ist stark durch Pendler geprägt: Rund 52.000 Menschen pendeln zur Arbeit ins Land, knapp 28.000 Saarländer pendeln vor allem nach Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.
2014 bestand der Strommix aus 60,2 % Steinkohle, 19,5 % Erdgas, 10 % erneuerbaren Energien und 10,3 % sonstigen Quellen. Die erneuerbaren Energien entwickelten sich seit dem Windpark Freisener Höhe von 1995; bis 2013 waren Windkraftanlagen mit insgesamt 138 MW Leistung angeschlossen.
Die frühe Industrialisierung führte zu einer dichten Verkehrsinfrastruktur. 2005 wurde der Saarländische Verkehrsverbund SaarVV eingeführt. Die wichtigste Fernbahnverbindung ist Mannheim–Paris; Saarbrücken ist an die französische Hochgeschwindigkeitsstrecke LGV Est européenne angeschlossen, die Fahrtzeit nach Paris beträgt eine Stunde und 50 Minuten. Die Saarbahn nahm 1997 den Betrieb auf. Der Saarbrücker Flughafen verzeichnet etwa 12.000 Starts und Landungen jährlich. Die Saar ist von Konz bis oberhalb Saarbrückens für Großschiffe ausgebaut; bis Saargemünd können kleinere Schiffe fahren.
Die Universität des Saarlandes mit Standorten in Saarbrücken und Homburg wurde 1948 gegründet. Saarbrücken ist besonders für Informatik bekannt; im Kaiserslautern-Saarbrücken Computer Science Cluster arbeiten etwa 800 Forscher. Hinzu kommen die Deutsch-Französische Hochschule, das Deutsch-Französische Hochschulinstitut, die Hochschule für Musik Saar, die Hochschule der Bildenden Künste Saar und die HTW Saar. Forschungsinstitute sind unter anderem Max-Planck-, Helmholtz-, Fraunhofer- und Leibniz-Einrichtungen, CISPA und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Der Saarländische Rundfunk mit Sitz in Saarbrücken ist Mitglied der ARD; die Saarbrücker Zeitung ist die einzige Tageszeitung des Landes.
Die Top-Level-Domain .saarland wird seit dem 30. Oktober 2014 von der dotSaarland GmbH verwaltet.
Kultur, Denkmäler und regionale Besonderheiten
Zu den bedeutendsten Kultur- und Technikdenkmälern gehören keltische und römische Ausgrabungen an der Obermosel und im Bliesgau, der Hunnenring bei Otzenhausen, der barocke Ludwigsplatz mit der Ludwigskirche in Saarbrücken und die als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragene Völklinger Hütte. Das Historische Museum Saar dokumentiert auf 1.700 m² die Landesgeschichte von 1870 bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Saarländische Bergbaumuseum in Bexbach behandelt die Geschichte des Steinkohlenbergbaus vom 15. Jahrhundert bis zur Mitte der 1980er Jahre. Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums besitzt bedeutende Werke des deutschen Expressionismus und eine umfangreiche Sammlung von Alexander Archipenko. Außerdem gibt es 16 jüdische Friedhöfe.
Das Saarlandlied ist die Landeshymne. Das Landeswappen ist ein geviertelter Halbrundschild mit den Wappenbildern der vier historisch bedeutenden Landesherren: dem Nassauer Löwen, dem Kreuz des Kurfürstentums Trier, den Alérions des Herzogtums Lothringen und dem Pfälzer Löwen. Die heutige Landesflagge verbindet die deutsche Flagge mit dem Landeswappen. Sie verweist damit auf die Zugehörigkeit zur Bundesrepublik Deutschland; im Unterschied zu manchen anderen Landesflaggen darf sie von allen Bürgern verwendet werden.
Die traditionelle Küche beruht auf Kartoffeln, Gemüse, Sauerkraut, Getreidemehl, Wurst und Fleisch. Typisch sind Dibbelabbes, Schaales, Lyoner, Hoorische, Gefillde, Geheirade, Doppelweck, Schneebällchen und Schwenker. Im Merziger Raum und auf dem Saargau wird Viez, also Apfelwein, hergestellt. Weitere regionale Erzeugnisse sind Obstschnäpse und saarländische Biere. Die saarländischen Weine stammen von der Obermosel, nicht vom Unterlauf der Saar in Rheinland-Pfalz.
Die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern entstand 2007 durch Fusion zweier Rundfunkorchester. Bedeutende Festivals sind Rocco del Schlacko, das SR Ferien Open Air St. Wendel und die Musikfestspiele Saar. Das Saarländische Staatstheater in Saarbrücken ist ein dreispartiges Theater; der Max-Ophüls-Preis ist ein bedeutendes Festival für deutschsprachigen Nachwuchsfilm. Das deutsch-französische Festival Perspectives besteht seit 1977. Internationale Partnerschaften bestehen mit Podkarpackie in Polen seit 2009 und Lwiw in der Ukraine seit 2023.
Eine besondere historische Rolle hatte das Saarland zwischen 1952 und 1956: Es nahm mit einer eigenen Mannschaft an den Olympischen Sommerspielen 1952 teil und war als eigenständiges FIFA-Mitglied an der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954 beteiligt. Die höchste Auszeichnung des Landes ist der Saarländische Verdienstorden.
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