Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Fränkisches Reich

Das Fränkische Reich oder Frankenreich, das vom 5. bis ins 9. Jahrhundert bestand und sich im Wesentlichen aus dem römischen Gallien und angrenzenden …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Merowinger und Chlodwigs Reichsbildung
  3. 3. Aufstieg der Karolinger und Karl der Große
  4. 4. Teilungen und Ende der Reichseinheit
  5. 5. Bevölkerung, Grundherrschaft und Klöster
  6. 6. Königliche Herrschaft

Überblick und Bedeutung

Das Fränkische Reich bestand vom 5. bis ins 9. Jahrhundert. Es entstand vor allem aus dem römischen Gallien und angrenzenden rechtsrheinisch-germanischen Siedlungsgebieten. Als wichtigster Nachfolgestaat des 476 untergegangenen Weströmischen Reiches wurde es zur bedeutendsten Reichsbildung Europas seit der Antike.

Während der Völkerwanderungszeit stieg das Reich unter Merowingern und Karolingern zu einer Großmacht auf, die weite Teile West-, Mittel- und Südeuropas beherrschte. Den Höhepunkt von Macht und Ausdehnung erreichte es unter Karl dem Großen (768–814). Nach Teilungen im 9. Jahrhundert gingen aus dem östlichen Reichsteil das Heilige Römische Reich und aus dem westlichen das spätere Königreich Frankreich hervor. Der moderne Staat Frankreich ist nach dem Fränkischen Reich benannt.

Merowinger und Chlodwigs Reichsbildung

Seit dem 4. Jahrhundert lebten germanische Gruppen als Foederaten im Römischen Reich. Foederaten waren Krieger unter eigenen Anführern, die den Kaisern dienten und dafür Versorgung durch den Staat beanspruchen konnten. Die Franken waren seit dem späten 4. Jahrhundert als foederati für die Verteidigung der Rheingrenze zuständig. Wie aus diesen überwiegend germanischen Söldnern ein Volk mit eigener Identität entstand, ist umstritten.

Nachdem Gallien der weströmischen Kontrolle zunehmend entglitten war, erweiterten die Franken nach dem Untergang des Weströmischen Reiches um 476 ihr Gebiet. 486/87 besiegte Chlodwig I. Syagrius, eroberte dessen Herrschaftsbereich um Soissons und übernahm die verbliebenen römischen Truppen. Seine Grenze reichte nun bis zur Loire. Chlodwig beseitigte weitere fränkische Teilherrschaften, führte 496/506 erfolgreiche Kriege gegen die Alamannen und schlug 507 die Westgoten bei Vouillé oder Voulon. Danach waren die Westgoten fast vollständig aus Gallien verdrängt.

Chlodwig übernahm möglichst viel vom spätantiken römischen Verwaltungs- und Finanzapparat. Bischöfe spielten dabei eine wichtige Rolle, weil sie in den civitates, den städtischen Verwaltungsbezirken, oft Verwaltungsaufgaben übernommen hatten. Seine Taufe zum katholischen Christentum wird vielleicht auf 496/98 oder 508 datiert; das genaue Datum ist umstritten. Sie gewann ihm die Unterstützung römischer Christen. 511 nahm er auf dem ersten fränkischen Reichskonzil Einfluss auf die Bischofsinvestitur und auf eine einheitliche kirchliche Gesetzgebung. Die Lex Salica entstand im frühen 6. Jahrhundert; sie wird heute eher auf spätrömisches Soldatenrecht als auf altes germanisches Stammesrecht zurückgeführt.

Aufstieg der Karolinger und Karl der Große

Nach Chlodwigs Tod 511 wurde das Reich unter seinen vier Söhnen geteilt, konnte aber mehrfach wieder vereinigt werden. Ab spätestens 623 forderte der Adel in Austrasien mehr Eigenständigkeit. Die Hausmeier, ursprünglich leitende Amtsträger am Königshof, gewannen zunehmend die tatsächliche Macht. Nach Dagobert I. waren die Merowinger möglicherweise nicht durchgehend so schwach, wie spätere pro-karolingische Quellen darstellen.

In der Schlacht bei Tertry 687 setzte sich der austrasische Hausmeier Pippin II. durch und schuf die Grundlage für den Aufstieg der Arnulfinger, Pippiniden und Karolinger. Sein Sohn Karl Martell herrschte ab 737 ohne Königstitel über das Reich. 732 besiegte er bei Tours und Poitiers gemeinsam mit Eudo von Aquitanien und mit Unterstützung der Langobarden muslimische Araber. Außerdem festigte er seine Herrschaft in Kämpfen gegen Friesen, Sachsen, Bajuwaren und Alamannen und unterstützte die Mission des Bonifatius.

751 setzte Pippin III. mit Zustimmung Papst Zacharias’ den letzten Merowinger Childerich III. ab und ließ sich zum König salben. Im Vertrag von Quierzy von 754 versprach er dem Papst das ehemalige oströmische Exarchat von Ravenna als weltliche Herrschaft; daraus entstand durch seine Eroberungen der Kirchenstaat. Karl, später Karl der Große, wurde 771 Alleinherrscher. Er eroberte 774 das Langobardenreich, unterwarf Widukind 785 und führte die Sachsenkriege bis 804 weiter. 811 wurde die Eider als Grenze zum dänischen Reich festgelegt.

Karl sicherte Grenzräume durch Marken, also militärische Grenzgebiete mit Burgen und wehrhafter Bauernbevölkerung. Markgrafen verwalteten sie mit besonderen Rechten. Um 793 zentralisierte Karl die Verwaltung: Königshof, Pfalzgericht und Kanzlei waren Grundlagen der Herrschaft; Grafen verwalteten Königsgüter und wurden durch Königsboten, die missi dominici, kontrolliert. Aachen wurde Kaiserpfalz und Zentrum des Reiches. Am 25. Dezember 800 wurde Karl zum römischen Kaiser gekrönt.

Teilungen und Ende der Reichseinheit

Karl starb 814, sein Sohn Ludwig der Fromme folgte ihm. Anders als die fränkische Erbteilungstradition wollte Ludwig die Reichseinheit erhalten. Die Divisio Regnorum von 806 hatte noch eine Teilung unter Karls Söhnen Pippin, Ludwig dem Frommen und Karl dem Jüngeren vorgesehen; weil Pippin und Karl der Jüngere 810 beziehungsweise 811 starben, wurde Ludwig 813 Mitkaiser und trat 814 alle kaiserlichen Rechte an.

Mit der Ordinatio imperii von 817 erklärte Ludwig die Kaiserwürde für unteilbar und bestimmte seinen ältesten Sohn Lothar zum Mitkaiser. Seit 829 kam es dennoch zu militärischen Konflikten mit seinen Söhnen. Nach Ludwigs Tod 840 teilten Lothar I., Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche das Reich im Vertrag von Verdun 843. Es entstanden das Westfrankenreich Karls des Kahlen, Ursprung des späteren Frankreichs, das Ostfrankenreich Ludwigs des Deutschen, Ursprung des späteren Heiligen Römischen Reiches, und Lothars Mittelreich, das Lotharii Regnum.

855 teilte Lothar I. in der Prümer Teilung das Mittelreich unter seinen Söhnen. Nach deren Tod wurde es 870 im Vertrag von Meerssen zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen aufgeteilt. Im Vertrag von Ribemont erhielt der ostfränkische König Ludwig III. 880 die Westhälfte Lotharingiens. Die Grenze zwischen West- und Ostteil blieb im Mittelalter nahezu unverändert. Nur unter Karl III. bestand 885–887 kurzzeitig erneut eine Reichseinheit. Der westliche Teil übernahm später den Namen Frankreich; das Ostfrankenreich führte die Tradition des römischen Kaisertums fort.

Bevölkerung, Grundherrschaft und Klöster

Der größte Teil der Bevölkerung waren Bauern oder bäuerliches Gesinde. Städte gab es in vielen Gegenden nicht; im Süden blieben jedoch verkleinerte römische Anlagen als Verwaltungsorte unter Bischöfen oder Grafen erhalten. Dort bildeten Gallorömer die große Mehrheit, während sich im Norden fränkische Sprache und Lebensweise stärker durchsetzten. Lesen und Schreiben konnten nur wenige Menschen. Gearbeitet wurde meist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, mit Ausnahmen an Sonntagen und kirchlichen Festtagen. Genaue Bevölkerungszahlen sind unbekannt: Schätzungen nennen etwa 2 Millionen Menschen im nördlichen, „deutsch“-sprachigen Teil und durchschnittlich etwa acht Einwohner je Quadratkilometer im ganzen Reich, in fränkischen Sprachgebieten vier bis fünf.

Aus spätrömischen Latifundien und fränkischen Herrenhöfen entstand in einem langen, nicht genau geklärten Prozess die Grundherrschaft. Sie wurde zum üblichen landwirtschaftlichen Betrieb und zum Grundbaustein der Gesellschaft. Grundherren waren Adlige, Klöster, Bischöfe und der König. Bauern wurden nach ihrem Rechtsstatus als Freie, Halbfreie und Unfreie unterschieden; später unterschied man außerdem Leibeigene und Hörige. Hörige durften die Grundherrschaft nicht ohne Erlaubnis verlassen. Sie leisteten Dienste und Abgaben, meist Ernteanteile. Der Herr schuldete ihnen dagegen „Schutz und Schirm“, also Schutz, Unterstützung und Friedenswahrung.

Neben Hörigen und Gesinde gab es Zinsbauern, die keine Frondienste auf Herrenland leisten mussten, aber Abgaben zahlten. Gegen Ende des Frankenreichs unterschieden sie sich praktisch nicht mehr von Hörigen. Königsfreie standen nur unter dem König, waren zur Heerfolge verpflichtet und dienten als Fußkrieger. Durch Landschenkungen oder freiwillige Unterordnung konnten auch sie schrittweise hörig werden.

Viele Klöster übernahmen seit dem ersten Karolingerkönig und Bonifatius die 530 verfasste Benediktregel. Mönche und Nonnen gelobten Ehelosigkeit, Mittellosigkeit und Gehorsam gegenüber dem Abt. Sie beteten mehrfach täglich, arbeiteten und lasen. Klöster stellten vieles selbst her, bewirtschafteten Felder und Gärten und kopierten christliche wie weltliche Schriften. Durch Landschenkungen wurden sie häufig reiche Grundherren.

Königliche Herrschaft

Seit karolingischer Zeit stand der König über Bauern, Adligen, Äbten und Bischöfen und war der größte Grundherr. Grafen beaufsichtigten Königsgüter und Fronhöfe, halfen beim Heeresaufgebot und zogen königliche Abgaben ein, etwa Zölle sowie Münzprägungs- und Marktabgaben.

Der König besaß keine feste Hauptstadt. Er reiste mit seinem Hof von Pfalz zu Pfalz, um versorgt zu werden und im Reich Präsenz und Kontrolle zu zeigen. Pfalzen waren größere steinerne Gebäude auf Königsgütern; Überschüsse umliegender Güter mussten an sie abgegeben werden. Ein Pfalzgraf stand ihnen vor. Zum Gefolge gehörten unter anderem Kämmerer, Marschall und ein Geistlicher, der die Kanzlei leitete. Der Herrscher konnte meist nicht lesen und schreiben; auch Karl der Große ergänzte sein Monogramm auf Urkunden mit einem kleinen Strich statt einer Unterschrift.

Lernvideos zu Fränkisches Reich

Weiterlesen

Römisches Reich Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. · Der letzte römische bzw. etruskische … Weströmisches Reich Das sogenannte Weströmische Reich, auch Westrom oder Westreich (lat. Hesperium Imperium), entstand im Jahre 395 durch die sogenannte Reichsteilung von 395 … Europa Europa ; 10.523.000 km² · 746 Millionen (2020) · 70 Einwohner/km² · ca. 50 · UTC±0 (Island) bis UTC+5 (Russland) … Antike Die Antike (von lateinisch antiquus ‚alt, altertümlich, altehrwürdig') war eine Epoche im Mittelmeerraum, die etwa von 800 v. Chr. bis 600 n. Franken (Volk) Fränkische Krieger dienten dem Kaiser im 4. und 5. Jahrhundert als foederati, bevor sie im Übergang von der Spätantike ins Frühmittelalter das bedeutendste … Völkerwanderung Die Völkerwanderungszeit fällt in die Spätantike und bildet für die Geschichte des nördlichen Mittelmeerraums sowie West- und Mitteleuropas ein Bindeglied … Untergang des Römischen Reiches Die Osthälfte des Römischen Reiches überdauerte den Zusammenbruch des weströmischen Kaisertums. Sie durchlief als Byzantinisches Reich mehrere Transformationen … Frühmittelalter Das von den Merowingern im späten 5. Jahrhundert gegründete Frankenreich entwickelte sich zum bedeutendsten Nachfolgereich im Westen. Im Osten behauptete sich … Merowinger Die Merowinger (selten Merovinger) waren das älteste Königsgeschlecht der Franken von Mitte des 5. Jahrhunderts bis 751. Nach ihnen wird die historische … Karolinger Karolinger ist der auf Karl Martell zurückgehende Hausname des Herrschergeschlechts der westgermanischen Franken, das ab 751 im Frankenreich die Königswürde … König Im Europa des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit war der König in der Regel höchster Souverän seines Landes: Oberhaupt der Regierung, oberster Richter … Karl der Große Er erlangte am 25. Dezember 800 als erster westeuropäischer Herrscher seit der Antike die Kaiserwürde, die mit ihm erneuert wurde. Der Enkel des Hausmeiers Karl …