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Frankreich

Die Französische Republik wird in ihrer Verfassung als unteilbar, laizistisch, demokratisch und sozial erklärt. Ihr Grundsatz lautet: „Regierung des Volkes …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat, Lage und Bedeutung
  2. 2. Bevölkerung, Sprache und Religion
  3. 3. Geschichte im Überblick
  4. 4. Politik und Verwaltung
  5. 5. Wirtschaft, Energie und Verkehr
  6. 6. Kultur, Bildung und Alltag

Staat, Lage und Bedeutung

Frankreich, amtlich Französische Republik (République française), ist ein interkontinentaler Einheitsstaat in Westeuropa mit Überseegebieten auf fast allen Kontinenten außer Asien. Die Amtssprache ist Französisch, die Hauptstadt ist Paris. Frankreich ist eine semipräsidentielle Republik der Fünften Französischen Republik, ohne Staatsreligion und mit dem Wahlspruch „Liberté, Égalité, Fraternité“ („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“).

Das gesamte Staatsgebiet umfasst 632.733,9 km², davon entfallen 543.939,9 km² auf Metropolitan-Frankreich, also den europäischen Teil. Wegen seiner Form wird das französische Festland oft „Hexagone“ genannt. Frankreich ist flächenmäßig das größte Land der Europäischen Union und nach Einwohnerzahl hinter Deutschland das zweitgrößte. 2024 hatte es 68.373.433 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 105 Einwohnern pro km².

Metropolitan-Frankreich reicht vom Mittelmeer bis zum Ärmelkanal und zur Nordsee sowie vom Rhein bis zum Atlantik. Das Land grenzt in Europa an Spanien, Andorra, Belgien, Luxemburg, Deutschland, die Schweiz, Italien und Monaco; über Überseegebiete grenzt es außerdem an Suriname, Brasilien und Sint Maarten. Wichtige Gebirge sind Pyrenäen, Zentralmassiv, Vogesen, Jura und Alpen. Der höchste Berg ist der 4805 Meter hohe Mont Blanc.

Frankreich hat international großes politisches Gewicht: Es ist Gründungsmitglied der Europäischen Union und der Vereinten Nationen, ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates mit Vetorecht, Mitglied der G7, G20, NATO, OECD und WTO sowie die einzige Atommacht der Europäischen Union. Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt war Frankreich 2024 mit 3,2 Billionen US-Dollar die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Bevölkerung, Sprache und Religion

Am 1. Januar 2022 lebten 67,8 Millionen Menschen in Frankreich, davon 65,2 Millionen in Metropolitan-Frankreich. 2021 betrug das Bevölkerungswachstum +0,3 %. Frankreich hatte 2020 eine statistische Geburtenrate von 1,8 Kindern pro Frau, eine Lebenserwartung von 82,2 Jahren und ein Medianalter von 40,1 Jahren. 2023 lebten 82 % der Bevölkerung in Städten. Die größten Städte nach Einwohnerzahl 2019 waren Paris mit 2.103.778 Einwohnern, Marseille mit 886.040, Lyon mit 519.127 und Toulouse mit 514.819.

Migration prägt Frankreich seit der Industrialisierung. Schon im 19. Jahrhundert kamen Arbeitskräfte aus Italien, Polen, Deutschland, Spanien und Belgien. Nach dem Zweiten Weltkrieg warb Frankreich vor allem Menschen aus Spanien und Portugal an; später kamen viele Einwanderer aus früheren Kolonien, besonders aus Nordafrika. 2008 lebten 5,23 Millionen Einwanderer in Frankreich, 8,4 % der Gesamtbevölkerung. 2018 wurden 273.000 Einwanderer registriert; 39 % kamen aus Afrika und 35 % aus Europa. Seit Beginn der europäischen Flüchtlingskrise stieg die Zahl der Asylsuchenden, die größte Gruppe kam aus Afghanistan.

Französisch ist nach Artikel 2 der Verfassung von 1958 die alleinige Amtssprache. Daneben gibt es Regionalsprachen wie Bretonisch, Okzitanisch, Korsisch, Baskisch, Katalanisch, Elsässisch, Lothringisch, Flämisch und mehrere Sprachen in Überseegebieten. Seit 2008 nennt die Verfassung Regionalsprachen als Kulturerbe Frankreichs; regionale Amtssprachen gibt es jedoch nicht.

Frankreich ist laizistisch, Staat und Religionsgemeinschaften sind getrennt. Da der Staat keine Religionszugehörigkeit erhebt, beruhen Zahlen auf Schätzungen und Umfragen. Eine Umfrage von Le Monde des religions nannte 51 % Katholiken, 31 % ohne Religion, etwa 9 % Muslime, 3 % Protestanten und 1 % Juden. Andere Schätzungen weichen deutlich ab. Historisch war der Katholizismus lange prägend; das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat wurde am 9. Dezember 1905 beschlossen. Im Elsass und in Teilen Lothringens gilt wegen der damaligen Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich bis heute im Wesentlichen eine Sonderregelung von 1801.

Geschichte im Überblick

Das Gebiet des heutigen Frankreich wurde vor etwa 48.000 Jahren besiedelt. Ab 600 v. Chr. gründeten phönizische und griechische Händler Stützpunkte an der Mittelmeerküste; Kelten besiedelten das spätere Gallien. Zwischen 58 und 51 v. Chr. eroberte Caesar Gallien für Rom. Nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches entstanden germanische Reiche, bis die Franken unter Chlodwig I. das Reich der Merowinger gründeten und 496 den Katholizismus übernahmen. 843 wurde das Frankenreich im Vertrag von Verdun geteilt; aus dem westlichen Teil entwickelte sich das Königreich Frankreich.

Im Mittelalter wuchs die Macht des Königtums gegen Hochadel und Klöster. Die Kapetinger stärkten den Gedanken eines Einheitsstaats. Konflikte mit England prägten die Entwicklung: Nach langen Auseinandersetzungen begann 1337 der Hundertjährige Krieg. England errang zunächst große Erfolge, doch der von Jeanne d’Arc gestärkte Widerstand trug zur Rückeroberung fast aller verlorenen Gebiete bis 1453 bei. Die Pest von 1348 tötete etwa ein Drittel der Bevölkerung.

In der Frühen Neuzeit wurde Frankreich stärker zentralisiert. Die Reformation führte zu schweren Konflikten zwischen Katholiken und Hugenotten; die Hugenottenkriege forderten bis zu 4 Millionen Tote. Das Edikt von Nantes von 1598 gewährte den Protestanten Religionsfreiheit, wurde aber 1685 durch Ludwig XIV. wieder aufgehoben. Unter Ludwig XIV., dem „Sonnenkönig“, erreichte der Absolutismus seinen Höhepunkt; Versailles wurde zum Symbol königlicher Macht.

Die Finanzkrise des Ancien Régime führte 1789 zur Französischen Revolution. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte war eine zentrale Errungenschaft. 1791 wurde Frankreich konstitutionelle Monarchie, 1793 wurde Ludwig XVI. hingerichtet und die Erste Republik ausgerufen. Napoleon Bonaparte übernahm 1799 die Macht, krönte sich 1804 zum Kaiser, beherrschte zeitweise große Teile Europas und wurde nach Waterloo 1815 endgültig verbannt. Im 19. Jahrhundert folgten Restauration, Julimonarchie, Zweite Republik und Zweites Kaiserreich.

Die Dritte Republik bestand von 1871 bis 1940 und baute ein großes Kolonialreich auf. Im Ersten Weltkrieg gehörte Frankreich zu den Siegermächten, verlor aber 1,5 Millionen Soldaten und hatte zusätzlich 166.000 Opfer der Spanischen Grippe. 1940 besiegte Deutschland Frankreich; das Land wurde geteilt, im unbesetzten Teil entstand das Vichy-Regime. Die Résistance und Charles de Gaulles Forces françaises libres kämpften weiter. 1944 wurde Frankreich befreit, im Oktober 1944 wurde das Frauenwahlrecht beschlossen. Nach 1945 wurde Frankreich Gründungsmitglied der UNO, 1949 der NATO und ab 1951 ein Motor der europäischen Integration. 1958 entstand die Fünfte Republik mit einem starken Präsidenten.

Politik und Verwaltung

Seit der Verfassung vom 5. Oktober 1958 ist Frankreich die Fünfte Republik. Sie ist eine zentralistisch organisierte Demokratie mit semipräsidentiellem Regierungssystem. Das bedeutet: Sowohl der direkt gewählte Staatspräsident als auch der Premierminister haben wichtige politische Aufgaben. Die Verfassung nennt keinen eigenen Grundrechtekatalog, verweist aber auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 und auf soziale Grundrechte der Verfassung von 1946.

Der Staatspräsident ist das höchste Staatsorgan. Er wacht über die Verfassung, sichert die Kontinuität des Staates, ernennt den Premierminister und auf dessen Vorschlag die Regierungsmitglieder. Er hat wichtige Kompetenzen in Außen- und Sicherheitspolitik, kann Referenden einleiten, Gesetze dem Verfassungsrat vorlegen und die Nationalversammlung auflösen. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und verfügt im Notstand über sehr weitreichende Befugnisse. Schwieriger wird die Zusammenarbeit bei einer „Cohabitation“, wenn Präsident und Premierminister verschiedenen politischen Lagern angehören.

Das Parlament besteht aus zwei Kammern: der Nationalversammlung mit 577 direkt auf fünf Jahre gewählten Abgeordneten und dem Senat mit 348 indirekt gewählten Mitgliedern für sechs Jahre. Gesetze können vom Premierminister oder von einer Parlamentskammer vorgeschlagen werden. Beide Kammern müssen denselben Gesetzestext beschließen. Die Nationalversammlung kann die Regierung stürzen, das Parlament kann den Präsidenten politisch aber nicht direkt herausfordern.

Frankreich ist seit dem 1. Januar 2016 in 18 Regionen gegliedert, davon 13 in Europa und fünf in Übersee: Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Mayotte und Réunion. Darunter stehen 103 Départements, 335 Arrondissements, 2054 Kantone und 34.955 Gemeinden zum 1. Januar 2022. Die Dezentralisierung seit 1982/83 übertrug mehr Aufgaben an Gebietskörperschaften. Regionen kümmern sich unter anderem um Wirtschaft und Infrastruktur der Berufs- und Gymnasialbildung; Départements um Sozial- und Gesundheitswesen, Collèges, Kultur- und Sporteinrichtungen, Departementsstraßen und Sozialbau; Gemeinden um Grundschulbildung, Stadtplanung, Abfall, Abwasser und Kulturaktivitäten.

Die Parteienlandschaft ist zersplittert und dynamisch. Wichtige Kräfte sind die zentristische Partei Renaissance von Emmanuel Macron, die konservativen Les Républicains, das rechte Rassemblement National, die linke La France insoumise und das Linksbündnis NUPES sowie Sozialisten, Grüne und Kommunisten.

Wirtschaft, Energie und Verkehr

Frankreich ist eine gelenkte Volkswirtschaft mit traditionell starker staatlicher Wirtschafts- und Industriepolitik. Nach 1946 begann eine staatliche Planification; der Finanzsektor wurde weitgehend verstaatlicht. Auch unter François Mitterrand ab 1981 gab es zahlreiche Verstaatlichungen. Ein staatlicher Mindestlohn, der SMIC, lag 2016 bei 9,67 Euro brutto pro Stunde.

Wichtige Wirtschaftsbereiche sind Maschinenbau, Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrttechnik, Pharmaindustrie, Elektronik, Weinbau, Lebensmittelbranche, Tourismus und Luxusgüter. Frankreich ist Teil des Europäischen Binnenmarkts und der Eurozone; frühere Währung war bis 2002 der Französische Franc. 2024 betrug das nominale BIP 3,2 Billionen US-Dollar, das BIP pro Kopf nominal 46.187 US-Dollar. 2023 exportierte Frankreich Waren im Wert von 600,0 Milliarden Euro und importierte Waren im Wert von 727,1 Milliarden Euro, also mit einem Handelsbilanzsaldo von −127,1 Milliarden Euro. Wichtigster Handelspartner war Deutschland.

Die wirtschaftliche Lage war in den letzten Jahren von Wachstumsschwäche, Arbeitslosigkeit, Deindustrialisierung und hoher Staatsverschuldung geprägt. Die Staatsverschuldung lag 2021 bei 2,8 Billionen Euro; am 30. September 2025 betrug sie 3482,2 Milliarden Euro beziehungsweise 117,4 % des BIP. 2023 betrug das Haushaltsdefizit 5,5 %, die Staatsschulden lagen bei rund 111 % des BIP. Standard & Poor’s stufte Frankreichs Bonität Ende Mai 2024 von AA auf AA– herab.

Die Energieversorgung ist stark von Kernenergie geprägt. Nach der Ölpreiskrise der 1970er-Jahre begann Frankreich mit dem Messmer-Plan ein großes Nuklearprogramm. Anfang 2009 waren 21 Kernkraftwerke mit 59 Reaktoren und 63,3 Gigawatt Leistung am Netz. 2008 stammten 84 % der in Frankreich produzierten Energie aus Atomkraftwerken; beim Strom lag der Atomstromanteil zeitweise bei etwa 75 bis 80 %. Ein Energiewende-Gesetz von 2014 sah vor, den Anteil der Kernenergie am Strommix bis 2025 auf 50 % zu senken, die CO₂-Emissionen bis 2030 um 40 % zu senken und den Gesamtenergieverbrauch bis 2050 zu halbieren. Bei erneuerbaren Energien spielen Wasserkraft, Windenergie, Biomasse und Photovoltaik eine Rolle.

Im Verkehr besitzt Frankreich ein dichtes Autobahnnetz, das stark auf Paris ausgerichtet ist; viele Autobahnen sind mautpflichtig. Der Schienenverkehr ist durch den Hochgeschwindigkeitszug TGV geprägt, dessen Netz seit den 1980er-Jahren ausgebaut wird und auch Nachbarländer erreicht. Paris hat ein sehr dichtes Métro-Netz. Der Luftverkehr ist stark auf Paris konzentriert: Die Flughäfen Charles de Gaulle und Orly fertigten 2008 zusammen 87,1 Millionen Fluggäste ab. Binnenwasserstraßen und Kanäle wurden historisch stark ausgebaut; das Netz ging von 11.000 km im 19. Jahrhundert auf rund 8500 km zurück.

Kultur, Bildung und Alltag

Frankreich versteht Kultur als wichtigen Teil nationaler Identität. Staatliche Kulturpolitik schützt und fördert Sprache, Film, Musik und kulturelle Vielfalt. In der Europäischen Union, UNESCO und WTO vertritt Frankreich die Idee der „exception culturelle“: Kultur soll nicht wie eine gewöhnliche Ware behandelt werden. Das kulturelle Erbe wird als nationale Aufgabe gepflegt, etwa durch Tage des nationalen Erbes, der Musik oder des Kinos.

Das Bildungssystem ist zentralistisch organisiert, laizistisch und öffentlich grundsätzlich unentgeltlich. Seit 1967 gilt Unterrichtspflicht bis zum 16. Lebensjahr. Die École maternelle ist eine stark schulisch verstandene Vorschule ab zwei Jahren. Danach folgen fünf Jahre École élémentaire, vier Jahre Collège mit dem Abschluss Brevet des collèges und anschließend verschiedene Wege: berufliche Bildung, Lycée mit Baccalauréat oder Lycée professionnel beziehungsweise Centre de formation d’apprentis mit Baccalauréat professionnel. In der Hochschulbildung bestehen Universitäten neben angesehenen Grandes écoles; im Bologna-System führen Licence/Bachelor nach drei Jahren, Master nach fünf Jahren und Doktorat nach acht Jahren zum Abschluss.

Die französische Küche gilt seit der frühen Neuzeit als eine der einflussreichsten Küchen Europas. Das gastronomische Mahl der Franzosen wurde 2010 von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt. Architekturgeschichtlich reichen wichtige Beispiele von römischen Bauten wie Pont du Gard über romanische und gotische Kirchen, Schlösser der Renaissance, Versailles und Louvre bis zum Eiffelturm, Centre Pompidou und der Bibliothèque Nationale François Mitterrand.

Frankreich gilt als Geburtsort des Films: 1895 veranstalteten die Brüder Lumière in Paris die erste kommerzielle Filmvorführung. Später prägten unter anderem der Poetische Realismus, die Nouvelle Vague mit Regisseuren wie Jean-Luc Godard und François Truffaut sowie staatliche Filmförderung das französische Kino. Musikalisch reicht die Tradition von mittelalterlichen Troubadours und Komponisten wie Lully, Rameau, Berlioz, Debussy und Ravel bis zu Chanson, Jazz, French House, Hip-Hop, bretonischer und korsischer Musik.

Im Sport sind Fußball, Rugby, Radsport, Tennis, Motorsport, Judo, Handball, Basketball und Wintersport wichtig. Frankreich gewann die Fußball-Weltmeisterschaft 1998 und 2018 und war mehrfach Gastgeber großer Turniere. Die Tour de France ist eines der bekanntesten Radrennen der Welt. Olympische Spiele fanden unter anderem 1900, 1924 und 2024 in Paris sowie 1924 in Chamonix, 1968 in Grenoble und 1992 in Albertville statt; die Olympischen Winterspiele 2030 sollen in den französischen Alpen stattfinden.

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