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Projektionstheorie

Die Projektionstheorie ist eine atheistische Erklärung über den Sinn von Religion und Gott. Inhaltsverzeichnis. 1 Ludwig Feuerbach; 2 Paul Tillich; 3 Zitate …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Projektionstheorie
  2. 2. Feuerbachs Deutung
  3. 3. Folgerungen bei Feuerbach
  4. 4. Tillichs Einwand
  5. 5. Glaube und das Absolute
  6. 6. Zentrale Zitate

Grundidee der Projektionstheorie

Die Projektionstheorie ist eine atheistische Erklärung dafür, welchen Sinn Religion und Gott für Menschen haben. Sie deutet Gott nicht als ein unabhängiges göttliches Wesen, sondern als Ergebnis menschlicher Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse. „Projektion“ bedeutet hier: Menschen schreiben etwas, das aus ihnen selbst stammt, einer Gottheit zu.

Im Artikel stehen zwei Deutungen im Mittelpunkt: Ludwig Feuerbach erklärt Religion religionskritisch als Projektion menschlicher Wünsche auf Gott. Paul Tillich widerspricht nicht völlig, dass Gottesbilder durch menschliche Erfahrungen geprägt sind, unterscheidet aber zwischen dem projizierten Bild und dem, worauf es projiziert wird.

Feuerbachs Deutung

Nach Ludwig Feuerbach (1804–1872) ist Gott die Summe menschlicher Wünsche, etwa nach Unsterblichkeit, Vollkommenheit, Glückseligkeit und Gleichberechtigung. Der Mensch erkenne diese Wünsche aber nicht als eigene Wünsche, sondern projiziere sie auf eine Gottheit.

Dabei werde der Mensch selbst als negatives Extrem beschrieben: endlich, sündhaft, unvollkommen und ohnmächtig. Als Gegenbild stelle er sich Gott so vor, wie er selbst gern sein möchte: unendlich, ewig, vollkommen, mächtig und vor allem heilig.

Feuerbach sieht Religion deshalb kritisch. Die Gottheit werde auch benutzt, um den Menschen eine höhere Macht überzuordnen, die mit Autorität Gesetze erlässt, die alle Mitglieder der Gesellschaft beachten sollen. Dadurch sichere sich jeder Mensch Schutz vor Übergriffen anderer Menschen auf sein Naturrecht. Zugleich verliere der Mensch aber einen Teil seiner eigenen Wünsche, weil er sie nicht mehr als Teil seiner selbst erkenne.

Folgerungen bei Feuerbach

Feuerbach fordert, Theologie müsse Anthropologie und Physiologie werden. Theologie ist die Lehre von Gott; Anthropologie meint hier die Lehre vom Menschen, Physiologie die Lehre vom körperlichen Leben. Der Mensch solle also nicht über Gott zu sich selbst kommen, sondern sich direkt als Mensch verstehen.

Seine zentrale Forderung lautet: Der Mensch müsse für den Menschen das höchste Wesen werden. Der Mensch solle vom Gottesfreund zum Menschenfreund werden. Außerdem solle er sich seiner eigenen Entwicklungsmöglichkeiten und seiner selbst bewusst werden, ohne den Umweg über Gott.

Der Artikel weist darauf hin, dass Feuerbach selbst den Begriff „Projektion“ in seinen religionskritischen Schriften „Wesen des Christentums“ und „Wesen der Religion“ nicht gebraucht hat. Außerdem habe bereits zweihundert Jahre vor Feuerbach der polnische Philosoph Kazimierz Łyszczyński die Projektionstheorie vertreten.

Tillichs Einwand

Der deutsche Theologe Paul Tillich (1886–1965) setzte sich häufig mit dem Projektionsvorwurf von Karl Marx und Sigmund Freud auseinander, zum Beispiel in einer Besprechung von Erich Fromms Buch über Psychoanalyse und Religion.

Tillich meint, bei diesem Vorwurf würden zwei Dinge verwechselt: „Das, was projiziert wird, und das, worauf es projiziert wird“, also das „Bild“ und die „Projektionswand“. Er bestreitet nicht, dass Gottesbilder aus menschlichen Erfahrungen stammen. Gute und böse Erfahrungen der Kindheit, etwa Gott als „Vater“, und Erfahrungen des späteren Lebens prägten diese Bilder. Gottesbilder könnten also den Stempel von Erlebnissen, Wünschen, Ängsten und Hoffnungen tragen.

Für Tillich folgt daraus aber nicht, dass Gott selbst nur eine Projektion ist. Die „Projektionswand“, also Gott als „der letzte Grund alles Seins und Sinns, Grund und Ziel unserer Existenz“, sei etwas anderes als das menschlich geprägte Bild.

Glaube und das Absolute

Tillich fragt, warum bei der Projektion gerade das Bild Gottes entsteht: das Bild eines Unendlichen, Göttlichen, Unbedingten und Absoluten, und nicht nur ein Doppelbild des Menschen selbst. Seine Antwort lautet: Menschen leben zwar in einer Welt endlicher und bedingter Erscheinungen, haben aber zugleich ein „Bewusstsein von etwas Absolutem“.

Für jeden Menschen gebe es etwas, „was uns unbedingt angeht“ und dem das letzte Interesse gilt. Der Glaube nimmt dies als Zeichen Gottes. Dazu zitiert der Artikel die religiöse Formulierung: „Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.“

Zentrale Zitate

Ein wichtiges Feuerbach-Zitat lautet: „Homo Homini Deus est“; es wird im Artikel übersetzt als „Der Mensch ist dem Menschen ein Gott“, „Der Mensch soll für den Menschen zum Gott werden“ oder „Der Mensch ist der menschliche Gott“. Es stammt aus „Das Wesen des Christentums“.

Außerdem wird Friedrich Nietzsche aus „Die fröhliche Wissenschaft“ zitiert. In dem Gedichtausschnitt wird die Aussage „Gott liebt uns weil er uns erschuf!“ mit der Gegenbehauptung „Der Mensch schuf Gott!“ verbunden. Das passt zur Projektionstheorie, weil es die Vorstellung aufgreift, dass Gott aus menschlichem Schaffen oder menschlicher Vorstellung hervorgeht.

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