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Theologie
Theologie in anderen Religionen · Judentum · Islam · Hinduismus · Wicca und Neopaganismus.
Inhalt5 Abschnitte
Bedeutung und Aufgaben
Theologie bedeutet „Lehre von Gott“ oder von Göttern. Sie behandelt allgemein Vorstellungen von Gottheiten und besonders Inhalt, Quellen und Glaubensdokumente einer bestimmten Religion. In der christlichen Theologie ist sie eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Glaubensquellen, Glaubenspraxis und der systematischen Darstellung des Glaubens.
Wichtige Bereiche sind die Biblische und Historische Theologie für die Quellen des Glaubens, die Praktische Theologie für die Glaubenspraxis sowie die Systematische Theologie. Zu ihr gehören unter anderem Fundamentaltheologie, Dogmatik und Ethik. Seit dem 20. Jahrhundert untersucht die Interkulturelle Theologie christliche Theologie und Praxis im Verhältnis zu verschiedenen Kulturen, Religionen und Gesellschaften. Christliche Theologie ist meist an eine Konfession gebunden; diese prägt häufig Inhalte, Denkweisen und Methoden und wird innerhalb der wissenschaftlichen Theologie selbst reflektiert.
Entwicklung im Christentum
In der griechischen Antike bezeichnete theologia zunächst das Erzählen und Singen von Göttergeschichten. Platon prüfte solche Mythen an der Frage nach dem Einen, Guten und Unveränderlichen. Aristoteles verstand Theologie dagegen als höchste theoretische Wissenschaft über das Göttliche als erstes und eigentliches Prinzip. Damit verschob sich der Begriff von Mythologie zu Metaphysik.
Christliche Autoren des 2. Jahrhunderts grenzten ihre Theologie von der heidnischen mythologia ab. Bei den Kirchenvätern meinte sie zunächst nur die Lehre, soweit sie unmittelbar Gott betraf; das Heilshandeln Gottes für Menschen wurde als Ökonomie (griechisch oikonomía) behandelt. Im Hochmittelalter erhielt Theologie die weitere Bedeutung des gesamten heiligen Wissens und damit der ganzen christlichen Lehre. Thomas von Aquin sah sie vor allem als spekulative, theoretische Wissenschaft.
Die Reformatoren hoben erneut ihre praktische Seite hervor: Theologie sollte auf die Zueignung des Heils durch Gott und den Vollzug des Glaubenslebens gerichtet sein. In der lutherischen Orthodoxie wurde sie daher oft als scientia practica, also praktische Wissenschaft, bestimmt. Seit der Aufklärung wurde Theologie zunehmend als nachgeordnete Reflexion über Glauben oder Religion verstanden. Die bis heute wichtige Unterscheidung zwischen Theologie und Glaube wurde dadurch geprägt; Schleiermachers Auffassung, Theologie sei auf Kirchenleitung bezogen, bleibt umstritten.
Kritische Aufgaben und Wissenschaftsfrage
Innerhalb der Theologie gehört Kritik zur Auseinandersetzung mit anderen Auffassungen und zum selbstkritischen Prüfen eigener Erkenntnis. Paulus formulierte: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21 EU); Erkenntnis bleibe „Stückwerk“ (1 Kor 13,9.12 EU). Theologische Lexika betonen daher die kritische Aufgabe der Theologie.
Außerhalb der Theologie wird ihre Wissenschaftlichkeit teilweise bestritten. Kritisiert werden insbesondere die Bekenntnisgebundenheit, eine angeblich fehlende Ergebnisoffenheit und die fehlende Falsifizierbarkeit vorausgesetzter Glaubenswahrheiten. Weitere Einwände richten sich gegen kirchlichen Einfluss bei der Besetzung theologischer Lehrstühle und bei katholischen Fakultäten auf die Lehrerlaubnis, gegen eine mögliche Entfernung dogmatischer Theologie von menschlichen Erfahrungen sowie gegen die Trennung protestantischer und katholischer Theologie an Universitäten.
Theologen reagieren unterschiedlich: Wolfhart Pannenberg versteht Gott als Gegenstand des Glaubens, nicht unmittelbar einer theologischen Wissenschaft. Die Natürliche Theologie vertritt dagegen, Gott sei durch natürliche Vernunft auch ohne Glauben oder angenommene Offenbarung grundsätzlich erkennbar. Die Bewertung hängt zudem vom jeweiligen Wissenschaftsbegriff ab, etwa im Logischen Empirismus oder Kritischen Rationalismus. In der Analytischen Philosophie gibt es sowohl Kritik an theologischen Grundannahmen als auch die Analytische Theologie, die Grundbegriffe und Grundprobleme konstruktiv bearbeitet.
Judentum und Islam
In Deutschland bestehen konfessionell gebundene Fakultäten und Seminare für Christentum, Judentum und Islam. Vergleichende Religionswissenschaft sowie Judaistik und Islamwissenschaft erforschen Religionen zwar wissenschaftlich, unterscheiden sich aber durch Perspektive und Methode von konfessioneller Theologie.
Im Judentum gibt es keine allgemeinverbindlichen Dogmen und daher keine Theologie im eigentlichen Sinn als „Lehre von Gott“. Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg widmet sich der Wissenschaft des Judentums; Judaistik kann an mehreren Universitäten unabhängig von der Religionszugehörigkeit studiert werden.
Islamwissenschaftliche Institute erforschen Geschichte und Praxis des Islam aus einer Außenperspektive. Eine Islamische Theologie mit wissenschaftlicher Innenperspektive entstand im deutschen Sprachraum seit 2009, für Religionspädagogik teilweise schon früher. 2010 empfahl der Wissenschaftsrat Zentren für theologisch orientierte Islamische Studien. Geförderte Fachbereiche beziehungsweise Zentren entstanden unter anderem in Erlangen-Nürnberg, Frankfurt und Gießen, Münster, Osnabrück und Tübingen, seit 2019 auch in Berlin und Paderborn. Sie verbinden traditionelle Disziplinen wie Ilm al-Kalam, die Systematische Theologie, und Fiqh, die Rechtswissenschaften, mit neueren Fragen und Methoden sowie Religionspädagogik oder Praktischer Theologie. Fachvertreter betonten 2019, dass Curricula, Berufungen und Forschung nach fachlichen Kriterien erfolgen müssten, um die Fachautonomie zu sichern.
Hinduismus, Wicca und Neopaganismus
Der Hinduismus besitzt keine einheitliche Theologie, weil es keine zentralisierte Institution und kein dogmatisch festgelegtes Glaubenssystem gibt. Seine unterschiedlichen philosophischen und theologischen Strömungen heißen darśanas, also „Anschauungen“ oder „Sichtweisen“. Sie unterscheiden sich etwa darin, wie sie Universum, höchstes Prinzip und individuelle Seele (ātman) verstehen.
Im Vedanta stehen drei Auffassungen besonders gegenüber: Advaita Vedanta beschreibt Brahman als ein unteilbares, ewiges Universalselbst; Vishishtadvaita betont die qualitative Verschiedenheit und gleichzeitige Verbindung von Seele und Gott; Dvaita vertritt, dass Gott, Vishnu, und Seele ewig verschieden sind. Weitere Traditionen sind der Vaishnavismus mit Lehren über Vishnu, Krishna oder Rama und Avatāras, der Shaivismus mit Shiva als höchstem Prinzip sowie Shakti-Traditionen mit Devi oder Shakti als höchster Wirklichkeit. Devas können je nach Richtung Aspekte eines höchsten Prinzips oder eigenständige göttliche Wesen sein.
Auch Wicca kennt keine Dogmen und kein einheitliches theologisches Verständnis. Viele Anhänger verstehen die große Göttin und den gehörnten Gott nicht als real existierende Wesenheiten, sondern als Sinnbilder für alle Aspekte des Seins. Wicca und andere neopagane Religionen betrachten Natur als heilig und verwenden häufig Magie als rituelle Komponente. Pagane Theologie beziehungsweise Pagan Studies ist international an vielen Universitäten und Seminaren ein anerkanntes Studienfach.
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