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Mensch

Mensch (Homo sapiens, lateinisch für „verstehender, verständiger“ oder „weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch“) ist nach der biologischen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Körpermerkmale
  2. 2. Lebensweise, Sexualität und Entwicklung
  3. 3. Taxonomie und Genetik
  4. 4. Stammesgeschichte und weltweite Ausbreitung
  5. 5. Sozialität, Sprache und Kultur
  6. 6. Offene Menschheitsfragen und Umweltfolgen

Einordnung und Körpermerkmale

Der Mensch (Homo sapiens) ist eine Art der Gattung Homo innerhalb der Menschenaffen und damit ein Primat sowie ein Höheres Säugetier. Homo sapiens bedeutet „verstehender, verständiger“ beziehungsweise „weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch“. Die Art wurde 1758 von Carl von Linné wissenschaftlich benannt. Menschen sind die einzige heute lebende Art der Gattung Homo. Fossilien belegen sie in Afrika seit rund 300.000 Jahren; wahrscheinlich entwickelte sie sich über archaischen Homo sapiens aus Homo erectus. Die nächsten lebenden Verwandten sind Schimpansen, danach Gorillas.

Die Menschheit umfasst inzwischen mehr als acht Milliarden Menschen. Von den heute lebenden Menschen sind 25 % höchstens 14 Jahre alt, 15 % 15 bis 24 Jahre, 50 % 25 bis 64 Jahre und 10 % mindestens 65 Jahre alt. 49,7 % wurden weiblichen, 50,3 % männlichen Geschlechts geboren; einige Menschen haben eine nichtbinäre Geschlechtsidentität.

Wichtige körperliche Merkmale sind der aufrechte Gang und die daran angepasste Anatomie. Menschen gehen, stehen und laufen zweibeinig; das Erlernen dauert etwa ein bis eineinhalb Jahre ab der Geburt. Die Arme sind kürzer als die Beine, die Füße besitzen keine Greiffunktion mit abspreizbarer Großzehe, und die Hände werden nicht mehr zur Fortbewegung benötigt. Kennzeichnend sind außerdem eine doppelt-S-förmige Wirbelsäule, ein kräftiges Gesäß und das Fehlen eines Schwanzes.

Erwachsene Menschen haben individuell verschieden 206 bis 214 Knochen; Säuglinge besitzen zunächst mehr als 300 Knochen, von denen später einige zusammenwachsen. Die Körpergröße ist teilweise vererbt, wird aber auch durch Lebensumstände wie Ernährung beeinflusst. In Deutschland beziehungsweise Mitteleuropa stieg sie seit dem 19. Jahrhundert von 167,6 cm bei Männern und 155,7 cm bei Frauen auf 178 cm beziehungsweise 165 cm. Die WHO definiert als BMI-Normbereich 18,50 bis 24,99.

Das Gehirn ähnelt dem anderer Primaten, ist im Verhältnis zur Körpergröße aber größer. Es enthält etwa 86 Milliarden Nervenzellen, davon etwa 16 Milliarden in der Großhirnrinde. Besonders stark ausgeprägt sind Großhirnrinde und Frontallappen, die unter anderem Impulskontrolle, emotionale Regulation, Aufmerksamkeit, Planung, Bewegungssteuerung und Selbstkorrektur unterstützen. Auch Seh- und Sprachbereiche sind vergrößert. Der aufrechte Gang entwickelte sich in der Stammesgeschichte deutlich früher als das große Gehirn.

Menschen besitzen sehr viele Schweißdrüsen und können Wärme besonders gut durch Schwitzen abgeben. Sie haben kein dichtes Fell, wodurch sie bei Kälte rasch auskühlen und bei starker UV-Strahlung leichter Hautschäden erleiden können. Feuer, Kleidung und Behausungen ermöglichen das Leben in kälteren Regionen. Unterschiedliche Hautfarben werden als Anpassung an regional unterschiedlich starke UV-Einstrahlung interpretiert.

Lebensweise, Sexualität und Entwicklung

Menschen sind Allesfresser (Omnivoren), also weder reine Fleischfresser noch reine Pflanzenfresser. Umstritten ist, wie groß der Anteil von Fleisch und Pflanzenkost in verschiedenen Zeiten und Regionen war. Die vielseitige Ernährung erleichterte die Besiedlung fast aller Ökosysteme. Das menschliche Gebiss ist ein Allesfressergebiss mit parabelförmigen Zahnreihen. Das Milchgebiss besitzt 20, das bleibende Gebiss 32 Zähne einschließlich Weisheitszähnen. Die Zahnformel lautet I2-C1-P2-M3; Schneide- und Eckzähne sind verkleinert.

Die Geschlechtsreife beginnt beim Menschen später als bei anderen, auch langlebigen Primaten. Eine Besonderheit ist der versteckte Eisprung: Die fruchtbare Phase wird nicht deutlich durch körperliche oder Verhaltenssignale angezeigt. Sexualität ist deshalb weniger eng an Fortpflanzung gebunden und erfüllt neben der Rekombination von Genen soziale Funktionen; es gibt mehrere sexuelle Orientierungen. Bei Frauen endet die Fruchtbarkeit mit der Menopause.

Eine Schwangerschaft dauert von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 266 Tage. Die Geburt ist wegen des großen Gehirnvolumens und des durch den aufrechten Gang beeinflussten, relativ engen Geburtskanals besonders komplikationsanfällig. Daraus entwickelte sich die Geburtshilfe. Neugeborene sind vergleichsweise unreif und hilflos: Sie besitzen zunächst vor allem Reflexe, können sich nicht selbst fortbewegen und sind weitgehend passive Traglinge.

Der Mensch ist die langlebigste Primatenart. Lebenserwartung hängt neben genetischen Anlagen von medizinischer Versorgung, Stress, Ernährung und Bewegung ab. Frauen leben durchschnittlich mehrere Jahre länger als Männer. In den meisten Ländern stieg die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten; unter guten Bedingungen können Menschen 100 Jahre und älter werden.

Taxonomie und Genetik

Genetische Vergleiche zeigten, dass Schimpansen und Gorillas näher mit Menschen verwandt sind als Orang-Utans. Deshalb gehören Menschen, Schimpansen und Gorillas heute zur Unterfamilie Homininae; Orang-Utans gehören zum Taxon Ponginae. Homo sapiens unterscheidet sich von anderen Menschenaffen durch Genotyp, Phänotyp, Ontogenie und Verhalten. Besonders ist die lange Kindheit und Adoleszenz: Menschen werden später geschlechtsreif, Eltern investieren stark in ihre Kinder, Geburten liegen dichter beieinander und die Lebenserwartung ist höher.

Die frühere Einteilung von Homo sapiens in menschliche „Rassen“ oder Varietäten gilt aufgrund populationsgenetischer Untersuchungen seit den 1970er-Jahren als nicht haltbar. Auch eine allgemein anerkannte körperliche Diagnose der Art Homo sapiens fehlt bis heute. Fossilien werden daher häufig vor allem anhand ihres Alters zugeordnet. Carl von Linné selbst wurde 1959 als Lectotypus, also nomenklatorischer Typus, der Art Homo sapiens festgelegt.

Die Erbinformation liegt im Zellkern als DNA auf 46 Chromosomen, darunter zwei Geschlechtschromosomen, sowie in den Mitochondrien. Das menschliche Genom wurde von 1998 bis 2005 vollständig sequenziert. Es umfasst rund 20.000 bis 25.000 Gene und 3,2 Milliarden Basenpaare. Es enthält codierende und nicht-codierende DNA; viele Sequenzen sind mit denen verwandter Lebewesen homolog oder bei nahen Verwandten sogar identisch.

Genetische Analysen bestätigen Bonobos und Gemeine Schimpansen, danach Gorillas und Orang-Utans als nächste lebende Verwandte. Die genetische Vielfalt des Menschen ist im Vergleich zu anderen Menschenaffen gering; dies wird mit einer zeitweise sehr kleinen Population erklärt. Studien weisen zudem auf Genfluss zwischen Homo sapiens und archaischen Menschen hin: Neandertaler hinterließen bei heutigen Populationen in Europa und Westasien, Denisova-Menschen in Südostasien Spuren von etwa 1–2 % im Genom. Auch für Afrika wurde ein solcher Genfluss postuliert.

Stammesgeschichte und weltweite Ausbreitung

Mit der Entwicklung des Menschen beschäftigen sich vor allem Paläoanthropologie, Archäologie und Genetik. Als mögliche Entwicklungsreihe zu Homo sapiens werden Ardipithecus ramidus, Australopithecus afarensis, Homo rudolfensis beziehungsweise Homo habilis sowie Homo ergaster beziehungsweise Homo erectus genannt. Als älteste unbestrittene Fossilien von Homo sapiens gelten 315.000 Jahre alte Schädelknochen aus Djebel Irhoud in Marokko. Lange lebte Homo sapiens in Afrika gleichzeitig mit dem vor allem in Europa und Vorderasien verbreiteten Neandertaler.

Die Out-of-Africa-Theorie wird durch zahlreiche Funde gestützt: Während der letzten Kaltzeit breitete sich der Mensch von Afrika aus, durchschnittlich mit 400 Metern pro Jahr, über die Erde aus. Die ältere Annahme eines multiregionalen Ursprungs aus Homo erectus in mehreren Weltregionen gilt nach molekulargenetischen Untersuchungen als wenig wahrscheinlich.

Die Lebensweise früher Menschen als Jäger und Sammler blieb über Jahrhunderttausende nahezu konstant. Vor rund 70.000 Jahren begann die erfolgreiche weltweite Ausbreitung und stärkere Vermehrung. Als möglicher Auslöser werden Mutationen genannt, welche die neuronale Vernetzung im Gehirn stark veränderten. Damit werden technische Innovationen, komplexere Sprache und Kooperation großer Gruppen verbunden.

Nach der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren wurden Menschen in günstigen Regionen länger sesshaft. Sie domestizierten Tiere und bauten Pflanzen an; daraus entstanden komplexere soziale Systeme und erste städtische Zivilisationen. Die Landwirtschaft blieb jedoch lange nur eine zusätzliche Nahrungsquelle, weshalb der Begriff „Neolithische Revolution“ irreführend sein kann. Ähnliche Entwicklungen fanden zwischen 11.000 v. Chr. und 2.000 v. Chr. mindestens siebenmal unabhängig statt. Seit etwa 500 Jahren beschleunigten Globalisierung, seit Beginn des 19. Jahrhunderts die industrielle Revolution und seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts die digitale Revolution den Wandel.

Sozialität, Sprache und Kultur

Der Mensch gilt seit Aristoteles als Zoon politikon: als Lebewesen, das auf soziales und politisches Zusammenleben angewiesen ist. Menschenkinder benötigen besonders lange Fürsorge, Lernanreize und Gemeinschaft. In der Sozialisation lernen sie Sprache, Verhaltensweisen und Traditionen. Die mündliche und schriftliche Weitergabe solcher Traditionen ermöglicht Geschichte und Geschichtsbewusstsein.

Der aufrechte Gang machte die Hände für vielfältige Tätigkeiten frei. Die Hand kann kräftig greifen und präzise arbeiten; das Zusammenspiel von Auge und Hand stärkt Seh- und Tastsinn. Die verringerte Schnauzenform und der veränderte Kieferapparat unterstützen differenzierte Lautbildung. Menschen werden im Vergleich zu anderen höheren Säugern sehr früh geboren. Adolf Portmann bezeichnete das erste Lebensjahr deshalb als „extra-uterines Jahr des Embryo“. Viele Verbindungen im Gehirn entstehen erst durch Erfahrungen und soziale Zuwendung.

Sprache gilt als grundlegende menschliche Bedingung. Ihre Anfänge liegen wohl 100.000 bis 200.000 Jahre zurück, eine ausgebildete Sprachfähigkeit wird etwa vor 35.000 Jahren angenommen. Die angeborene Fähigkeit muss früh gelernt werden. Etwa 6.000 Sprachen bestehen aus Lautzeichen und Regeln zu ihrer Kombination. Sprache dient dem Austausch, der Zusammenarbeit, dem Erinnern, Erzählen und der Weitergabe von Kultur. Sie ist für Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Wissenschaft unverzichtbar.

Menschen deuten ihre Welt auch durch Bilder, Erzählungen, Mythen, Riten und Schrift. Dadurch werden Vorstellungen etwa von Liebe, Tod, Vergangenheit und Zukunft kulturell geprägt. Menschen handeln stets zwischen einer feststehenden Vergangenheit und einer nur teilweise gestaltbaren Zukunft. Erkenntnis bleibt dabei gefährdet, etwa durch Vergessen, einseitige Sichtweisen, Informationsüberflutung und die Unterschätzung des Nichtwissens.

Offene Menschheitsfragen und Umweltfolgen

Das Verhältnis von Körper und Geist, Willensfreiheit, Biotechnologie, künstliche Intelligenz, Umweltveränderungen und der Sinn des Lebens sind umstrittene Fragen. Heute besteht weitgehend Einigkeit, dass Geist nicht unabhängig vom Körper existiert. Der physikalistische Standpunkt versteht ihn als emergente, also neu entstehende, aber körperabhängige Eigenschaft neuronaler Netze. Ungeklärt bleiben jedoch Qualia – subjektive Erlebnisse – und die mentale Verursachung, also wie Denken Handeln bewirken kann.

Bei der Willensfreiheit stehen sich Determinismus und die Annahme eines bedingten freien Willens gegenüber. Deterministen betrachten Entscheidungen als Ergebnis von Ursachenketten. Andere halten dennoch an einer Freiheit fest, die unter Bedingungen besteht. Für Rechtsprechung und die Frage nach Schuld und Unschuld ist die Annahme freier Entscheidungen bedeutsam.

Genomanalyse, Klonen, Keimbahneingriffe, Neuroimplantate und Neuroenhancement eröffnen Chancen zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten, werfen aber Fragen nach eugenischer Selektion, wirtschaftlichen Interessen und der technischen Optimierung des Menschen auf. Auch die Entwicklung künstlicher Intelligenz und von Robotern verändert mögliche Zukunftsbilder des Menschen.

Seit der Neolithischen Revolution verändert der Mensch seine Umwelt stark. Industrialisierung und Bevölkerungswachstum verschärfen ökologische Probleme wie die globale Erwärmung. Luft, Atmosphäre und Weltmeere sind Allgemeingüter; daraus entsteht die „Tragik der Allmende“, weil sich individuelle Verzichtsleistungen kaum direkt auswirken. Der umfassende menschliche Einfluss auf das Ökosystem führte zum Vorschlag, das aktuelle Erdzeitalter Anthropozän zu nennen. Planetare Grenzen wurden teilweise bereits überschritten; mögliche Folgen reichen von Zivilisationskollaps bis zum Ende der Menschheit.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens kann wissenschaftlich nicht allgemeingültig beantwortet werden. Sie betrifft einzelne Situationen, das persönliche Leben und das menschliche Dasein insgesamt. Sie stellt sich besonders in Entscheidungssituationen und bleibt eine persönliche Aufgabe. Selbstakzeptanz, die Annahme der eigenen Lebenssituation und eine positive Haltung gegenüber dem Tod können dazu beitragen, das eigene Leben als sinnvoll zu erfahren.

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