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Karl Marx
Mit Friedrich Engels begründete er den „historischen Materialismus“ und wurde zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus, deren Grundzüge …
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Person und Bedeutung
Karl Marx (auch Carl Marx; * 5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London) war deutscher Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, Historiker, politischer Journalist und Kritiker der kapitalistischen Produktionsweise sowie der Religion. Zusammen mit Friedrich Engels entwickelte er den historischen Materialismus und prägte Sozialismus und Kommunismus besonders stark.
Sein Hauptwerk ist Das Kapital. Band 1, Der Produktionsprozess des Kapitals, erschien 1867; die Bände 2 und 3 gab Engels 1885 beziehungsweise 1894 nach Marx’ Tod heraus. Das Manifest der Kommunistischen Partei von 1848 formulierte zentrale politische Ziele. Marx wirkte außerdem in der Internationalen Arbeiterassoziation, der Ersten Internationale, mit. Seine Theorie, der Marxismus, beeinflusste Geschichts-, Sozial-, Wirtschafts- und Politikwissenschaft bis in die Gegenwart.
Leben und politisches Wirken
Marx wuchs in Trier als drittes von neun Kindern des Anwalts Heinrich Marx und Henriette Marx, geborene Presburg, auf. Die Familie hatte jüdische Wurzeln; der Vater konvertierte zwischen 1816 und 1822 zum Protestantismus. Marx legte 1835 am Gymnasium zu Trier das Abitur mit der Durchschnittsnote 2,4 ab und verlobte sich 1836 mit Jenny von Westphalen, die er 1843 heiratete.
Er studierte ab 1835 in Bonn Rechtswissenschaften und Kameralistik, ab 1836 in Berlin. Dort beschäftigte er sich zunehmend mit Philosophie und Geschichte und gehörte zu den Linkshegelianern. 1841 wurde er an der Universität Jena mit einer Arbeit über die Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie zum Doktor der Philosophie promoviert. Eine akademische Laufbahn blieb ihm wegen seiner oppositionellen Haltung verwehrt.
1842 wurde Marx Redakteur, ab 15. Oktober Chefredakteur der Rheinischen Zeitung in Köln. Wegen der preußischen Zensur wurde die Zeitung zum 1. April 1843 verboten. Nach Paris ging er 1843; dort vertiefte sich 1844 seine Zusammenarbeit mit Friedrich Engels. Wegen politischen Drucks Preußens wurde Marx Anfang 1845 aus Frankreich ausgewiesen. Er zog nach Brüssel, gab im Dezember 1845 die preußische Staatsbürgerschaft auf und blieb staatenlos.
In Brüssel entstanden wichtige Schriften, darunter Die deutsche Ideologie mit Engels und 1847 Misère de la philosophie als Kritik an Pierre-Joseph Proudhon. Marx und Engels arbeiteten im Bund der Kommunisten; in dessen Auftrag verfasste Marx das 1848 veröffentlichte Manifest der Kommunistischen Partei. Nach der Februarrevolution wurde Marx aus Belgien ausgewiesen, kehrte über Paris nach Köln zurück und leitete dort die Neue Rheinische Zeitung. Nach ihrem Verbot 1849 begann sein dauerhaftes Londoner Exil.
In London lebte die Familie zunächst in Armut; Engels unterstützte Marx finanziell. Marx schrieb von 1852 bis 1862 als Europakorrespondent für die New York Daily Tribune und entwickelte seine Kapitalismuskritik weiter. 1864 wirkte er führend an der Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation mit. Deren Generalrat wurde nach dem Haager Kongress 1872 nach New York verlegt; 1876 wurde die Internationale formell aufgelöst. Marx starb mit 64 Jahren und wurde auf dem Highgate Cemetery in London beigesetzt.
Historischer Materialismus und Klassenkampf
Der historische Materialismus erklärt Geschichte vor allem aus materiellen und sozialen Verhältnissen, nicht aus Ideen oder einem Weltgeist. Marx übernahm von Hegel die Dialektik, also das Denken in Widersprüchen und Entwicklungen, verband sie jedoch mit Materialismus. Seine Grundthese lautet: „Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.“
Wichtig ist das Basis-Überbau-Schema. Die ökonomische Basis umfasst Produktionsverhältnisse, Klassen- und Herrschaftsverhältnisse sowie Produktivkräfte, also etwa Arbeitskräfte, Wissen und Technik. Auf ihr baut der Überbau auf: Staat, Recht, Kultur und Wertvorstellungen. Der Artikel betont jedoch, dass dies kein starres Modell und kein mechanistischer Determinismus sein soll: Sein und Bewusstsein wirken dialektisch aufeinander ein. Menschen machen ihre Geschichte unter vorgefundenen Bedingungen, können Verhältnisse aber bewusst verändern.
Als zentrale Triebkraft bisheriger Geschichte bezeichnet Marx den Klassenkampf: „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.“ Er beschreibt eine Entwicklung von Urgesellschaft über Sklavenhalter- und Feudalgesellschaft zur bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Deren Widersprüche sollen durch eine soziale Revolution zu Sozialismus und schließlich Kommunismus führen. Revolutionen bezeichnete Marx als „Locomotiven der Geschichte“.
Kapitalismuskritik
In Das Kapital analysiert Marx Waren, Wert, Kapital sowie Produktion und Verteilung im Kapitalismus. Kapitalismus ist für ihn eine Wirtschaftsordnung mit Privateigentum an Produktionsmitteln wie Boden, Fabriken und Maschinen, Produktion für einen Markt, Profitmaximierung und dem Gegensatz von Lohnarbeit und Kapital.
Marx unterscheidet die Bourgeoisie, also die Kapitalisten als Eigentümer der Produktionsmittel, vom Proletariat. Dieses besitzt keine Produktionsmittel und muss seine Arbeitskraft gegen Lohn verkaufen. Formell seien Menschen zwar frei und rechtsgleich; tatsächlich bleibe der Lohnarbeiter von Lohnarbeit abhängig. Das Kleinbürgertum aus Kleinunternehmern und Selbständigen werde nach Marx zunehmend verdrängt.
Seine Arbeitswertlehre unterscheidet bei Waren Gebrauchswert, ihre Nützlichkeit, und Tauschwert. Die Arbeit hat einen Doppelcharakter: Als konkrete Arbeit schafft sie Gebrauchswerte; als abstrakte Arbeit bildet sie den Wert. Marx’ entscheidende Unterscheidung lautet, dass Arbeiter nicht unmittelbar ihre Arbeit, sondern ihre Arbeitskraft verkaufen. Deren Wert richtet sich nach der Arbeitszeit, die nötig ist, um die Lebensmittel für Erhaltung und Fortpflanzung des Arbeiters herzustellen.
Mehrwert ist der Wert, den die Arbeitskraft über ihren eigenen Wert hinaus schafft und den der Kapitalist aneignet. So erklärt Marx Ausbeutung, obwohl die Arbeitskraft formal zu ihrem Wert gekauft wird. Das Mehrwertgesetz nennt er das „absolute Gesetz (der kapitalistischen) Produktionsweise“.
Marx erwartet einen tendenziellen Fall der Profitrate: Maschinen ersetzen menschliche Arbeitskraft, die nach seiner Theorie allein neuen Wert schafft; außerdem zwingt Konkurrenz zu Kostensenkungen. Der Widerspruch zwischen dem Verwertungsinteresse des Kapitals und den Bedürfnissen des Proletariats führe zu Krisen und könne revolutionäre Erhebungen auslösen.
Entfremdung bedeutet, dass Arbeitern ihre Arbeit, deren Produkte und die eigene schöpferische Tätigkeit fremd werden: Sie arbeiten nicht frei zur Befriedigung eigener Bedürfnisse, sondern nach Vorgaben des Kapitalisten für Tauschwert und Lohn. Im späteren Werk erklärt Marx mit Warenfetischismus, warum Waren, Geld und Kapital wie selbständig handelnde Dinge erscheinen. Die in ihnen steckende menschliche Arbeit und die sozialen Beziehungen werden dadurch verdeckt.
Revolution, Kommunismus und Wirkung
Marx und Engels grenzten ihren „wissenschaftlichen Sozialismus“ von fertigen utopischen Entwürfen ab. Kommunismus sollte sich aus den materiellen und historischen Bedingungen entwickeln. Träger der Umwälzung sei das in einer Arbeiterpartei organisierte Proletariat. Es solle politische Macht gewinnen und das Privateigentum an Produktionsmitteln aufheben.
Die Übergangsphase bezeichnet Marx als „Diktatur des Proletariats“: Herrschaft der bisher unterdrückten Mehrheit über die früheren Unterdrücker und „Enteignung der Enteigner“. Sie wird im Artikel mit Sozialismus gleichgesetzt. Im fortgeschritteneren Kommunismus sollen Klassen und Staat überflüssig werden. Als Formel nennt Marx: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ Seine allgemeine Vorstellung lautet, dass die freie Entwicklung jedes Einzelnen die Bedingung für die freie Entwicklung aller wird. Marx schrieb 1848 vom gewaltsamen Umsturz der bisherigen Ordnung, räumte 1872 aber ein, dass Arbeiter in Ländern wie Amerika, England und möglicherweise Holland unter bestimmten Umständen friedlich ans Ziel gelangen könnten.
Marx kritisierte Religion als Ideologie und Selbsttäuschung. Sie sei Ausdruck wirklichen Elends und zugleich Protest dagegen, könne dessen Ursachen aber nicht erklären oder beseitigen. Deshalb nannte er sie „Opium des Volkes“. Die Überwindung religiöser Illusionen erfordere für ihn auch die materielle Veränderung der Lebensverhältnisse.
Marx’ Theorie wurde unterschiedlich aufgenommen: von sozialreformerischer Sozialdemokratie über den Marxismus-Leninismus bis zur Kritischen Theorie und Neuen Linken. Kritiker wie Eugen von Böhm-Bawerk beanstandeten Spannungen zwischen Werttheorie und Produktionspreisen; Karl Popper kritisierte wissenschaftstheoretische Aspekte. Auch die Bewertung von Äußerungen Marx’ über Jüdinnen und Juden ist umstritten: Forschung verweist sowohl auf judenfeindliche und rassistische Formulierungen als auch auf sein Eintreten für jüdische Emanzipation und unterschiedliche Kontexte. 2013 nahm die UNESCO Das Manifest der Kommunistischen Partei und den ersten Band von Das Kapital in das Weltdokumentenerbe auf.