Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Gott

Im Verständnis von Mythologien, Religionen und Glaubensüberzeugungen wird einem Gott oder mehreren Göttern besondere Verehrung zuteil und es werden ihnen unter …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Abgrenzung
  2. 2. Formen und Aufgaben von Gottheiten
  3. 3. Metaphysische Gottesbilder
  4. 4. Gottesvorstellungen in Religionen und Kulturen
  5. 5. Existenzfrage und Verbreitung
  6. 6. Psychologische Perspektiven

Begriff und Abgrenzung

Als Gott (weiblich: Göttin) oder Gottheit gilt meist ein übernatürliches Geistwesen mit großer, transzendenter Macht, die nicht buchstäblich oder naturwissenschaftlich beschreibbar ist. Götter werden verehrt und gelten oft als erster Ursprung, Schöpfer oder Gestalter der Wirklichkeit. Der Begriff kann aber auch eine unpersönliche göttliche Kraft meinen. Ohne nähere Bestimmung bezeichnet „Gott“ meist den einen allumfassenden Gott des Monotheismus; „ein Gott“ oder „eine Göttin“ kann eine bestimmte Gottheit unter mehreren im Polytheismus bezeichnen.

Eine allgemein gültige Definition ist schwierig. H. P. Owen hält sie vielleicht sogar für unmöglich. Das Dictionnaire de la langue philosophique definiert allgemein: „Übernatürliches Wesen, das die Menschen ehren sollen.“ Brian Leftow versteht darunter enger „die höchste Wirklichkeit, die Quelle oder der Grund alles anderen, perfekt und der Anbetung würdig.“ Die Grenzen zu Geistern, Engeln oder Dämonen sind kulturell nicht immer klar: Vodon, Kami und Orishas können etwa sowohl als Gottheiten als auch als Geister bezeichnet werden. Buddhistische Devas sind zwar persönliche übernatürliche Wesen, aber nicht perfekt, unsterblich, allmächtig oder allwissend.

Die kognitive Religionswissenschaft zählt Götter zu übernatürlichen Akteuren: Wesen, denen Ansichten, Wünsche und geistige Fähigkeiten zugeschrieben werden. Übernatürlich sind sie, weil sie alltägliche Erwartungen an ihre Kategorie verletzen können, etwa durch Unsichtbarkeit. Geistige Fähigkeiten sind dabei die anthropomorphe, also menschenähnliche, Eigenschaft, die Gläubige und Theologen gleichermaßen akzeptieren.

Formen und Aufgaben von Gottheiten

Nach der Anzahl unterscheidet man Polytheismus mit mehreren Göttern und Monotheismus mit einem Gott. Polytheistische Götter sind oft als Pantheon organisiert, also als heilige Gemeinschaft mit Hierarchie und unterschiedlichen Aufgaben. Henotheismus bezeichnet Religionen mit einem Hauptgott. Die Abgrenzung ist nicht immer eindeutig, weil ein Gott mehrere Formen oder Hypostasen haben kann, etwa Trimurti im Hinduismus oder Trinität im Christentum. Die drei abrahamitischen Religionen sind heute ausdrücklich monotheistisch.

Ein Hochgott oder Höchstes Wesen kann der Gott monotheistischer Religionen, die ranghöchste Gottheit eines Pantheons oder eine höchste übernatürliche Kraft sein. Hochgötter verschiedener Kulturen dürfen nicht vorschnell mit dem christlichen Gott gleichgesetzt werden. Manche gelten als Schöpfer, greifen nach der Schöpfung aber nicht mehr ins menschliche Leben ein; dies ähnelt dem Deismus.

Gottheiten werden außerdem nach Funktionen beschrieben. Schöpfergötter erklären den Weltursprung, etwa durch ein kosmisches Ei, ein erstes Götterpaar, Opfer eines Urwesens oder Schöpfung aus dem Nichts (creatio ex nihilo). Aristoteles nahm einen unbewegten Beweger als erste Ursache an, der ewiger Materie Struktur gibt; Platon sprach vom Demiurgen, der ungeordneter Urmaterie Form gibt. Hinduistische Vorstellungen kennen wiederkehrende Zyklen aus Schöpfung, Chaos und neuer Schöpfung.

Himmels-, Sturm-, Sonnen-, Mond-, Erd- und Wassergötter verbinden Göttliches mit Naturerscheinungen. Himmelsgötter gelten häufig als höchste, sind aber oft zu fern für den Alltag; Sturm- und Regengötter wirken dagegen unmittelbar auf die Landwirtschaft. Sonne und Mond können höchste Gottheiten, Zeitmesser, Herrscher über Wasser oder mit Fruchtbarkeit verbundene Wesen sein. Erdmütter stehen häufig für Fruchtbarkeit, Wassergötter für Flüsse, Meere und Quellen.

Nach sozialer Funktion können Götter Moral und Ordnung hüten, Krieg führen oder Schutz gewähren, Fruchtbarkeit, Liebe und Ehe fördern sowie Haushalte und Dörfer schützen. Weitere Aufgaben betreffen Heilung, Krankheit, Tod, Kultur, Künste, Berufe und Technik. Georges Dumézil unterschied für die proto-indoeuropäische Kultur Herrschaft und Recht, physische Macht im Krieg sowie Fruchtbarkeit und Wohlstand; auf andere Kulturen ist dieses Schema nur eingeschränkt übertragbar. Götter können als gütig, zornig oder ambivalent gelten. Halbgötter und vergöttlichte Menschen haben meist begrenztere Macht; umgekehrt können Götter als Menschen erscheinen, etwa Jesus in der christlichen Menschwerdung oder Vishnus Avatare.

Metaphysische Gottesbilder

Gottheiten können allwissend, allmächtig und allgegenwärtig sein, aber auch nur begrenztes Wissen oder begrenzte Macht besitzen. Klassischer Theismus bezeichnet im engeren Sinn den Glauben an einen oder mehrere von der Welt verschiedene Götter, die die Welt lenken und in sie eingreifen können. Der Deismus vertritt einen undogmatischen Monotheismus ohne übernatürliche Offenbarung; in einer späteren Bedeutung hat Gott sich nach der Schöpfung zurückgezogen und greift nicht mehr ein.

Der Emanationismus lehrt, dass alles durch Emanation, ein Ausfließen oder Ausstrahlen, aus einem transzendenten Urprinzip hervorgeht; bei Plotin heißt es „das Eine“. Im Panentheismus ist die Welt Teil Gottes, aber nicht mit ihm identisch. Pantheismus setzt Gott und alles Existierende beziehungsweise bei Spinoza mit „Deus sive Natura“ Gott bzw. Natur gleich. Naturalistischer Theismus versteht Gott als kreativen Prozess im Universum oder als Gesamtheit des Universums, ohne eine ontologisch getrennte höhere Realität anzunehmen.

Transzendenz bedeutet, dass Gott außerhalb der Welt steht; Immanenz bedeutet Gegenwart in der Welt. In vielen Traditionen werden beide Eigenschaften verbunden. Allwissenheit, Allmacht und Allgegenwart sind verbreitete Zuschreibungen, besonders an Himmelsgötter. Gott wird oft als persönlich, immateriell und zumindest zeitweise unsichtbar vorgestellt. Zugleich gilt er häufig als unergründlich: Christliche Theologie nennt Vernunft, Offenbarung und religiöse Erfahrung als Erkenntniswege, betont aber Grenzen menschlicher Erkenntnis. Ewigkeit und Unveränderlichkeit stehen dem relationalen Gottesbild gegenüber, in dem Gott zeitgebunden mit Geschöpfen interagiert.

Hartshorne und Reese (1963) ordneten Vorstellungen des Höchsten nach Unveränderlichkeit (U), Veränderlichkeit (V), Bewusstsein (B), Weltwissen (A) und Einschluss der Welt (E). So steht UBA für klassischen Theismus, U für Emanationismus und UVBAE für Panentheismus. Die Einteilung zeigt, dass Gottesbilder philosophisch sehr verschieden aufgebaut sein können.

Gottesvorstellungen in Religionen und Kulturen

In Mesopotamien wurde das Göttliche zunächst als unsichtbare, Dingen innewohnende Kraft verstanden. Später wurden menschenähnliche Götter wie Dumuzi sowie Herrscher- und Kriegsgötter verehrt. Die Götterversammlung richtete über Menschen und Götter. Im babylonischen Enûma elîsch werden etwa 300 Himmels- und 300 Unterweltgötter genannt.

Ägypten kannte Tier-, Menschen- und Mischgestalten sowie mehrere, nicht vereinheitlichte Schöpfungsmythen. Die Achtheit von Hermopolis nennt vier Götterpaare für Urgewässer, Endlosigkeit, Finsternis und Unsichtbarkeit. In Heliopolis ist Atum der Erzeuger der Götter; die memphitische Theologie schreibt Ptah die Schöpfung durch „Herz und Zunge“ zu. Götter konnten hilfreich, feindlich oder ambivalent sein. Aus der altägyptischen Zeit sind 1500 Götter namentlich bekannt.

Im Hinduismus ist Brahman die nicht definierbare, unendliche, immanente und transzendente Wirklichkeit; die Formel neti neti bedeutet „nicht so, nicht so!“. Götter, Ishvara und Devas gelten als aus Brahman hervorgegangene symbolische Kräfte. Die Trimurti Brahma, Vishnu und Shiva repräsentiert drei kosmische Funktionen. Vishnu erscheint in Avataras, Shiva besitzt furchtbare und sanftmütige Formen. Je nach Richtung wird Shiva, Vishnu oder Shakti als Hauptgottheit beziehungsweise höchstes Brahman verehrt. Der Daoismus war in seiner Frühform atheistisch und entwickelte später ein großes polytheistisches Pantheon.

Der Buddhismus kommt in seiner Kausalitätslehre ohne Schöpfergott aus, bestreitet Devas aber nicht. Buddhas und Bodhisattvas werden teilweise zu den göttlichen Wesen gezählt. Götter können bei weltlichen Anliegen helfen, doch nur Buddha zeigt den Weg zur Erlösung. Im griechisch-römischen Raum bildeten menschenähnliche, unsterbliche Götter hierarchische Pantheons; Zeus stand an ihrer Spitze, war aber selbst dem Schicksal unterworfen. Römische Gottheiten wurden später vielfach griechischen gleichgesetzt.

Das biblische und nachbiblische Judentum versteht JHWH als einzigen Schöpfer, Gesetzgeber und Gott Israels. Er gilt als gut, allwissend und allmächtig, zugleich als unergründlich und nicht bildlich darstellbar. Nach der Tempelzerstörung im Jahr 70 traten gemeinschaftliches Gebet und Synagogen an die Stelle von Tempelopfern. Die Kabbala unterscheidet den unergründlichen En Sof von zehn Emanationen, den Sephiroth.

Das Christentum verbindet jüdische Überlieferungen mit griechischer Philosophie. Das Bekenntnis von Nicäa (325) nennt Jesus Christus göttlich und wesenseins mit Gottvater; die Trinitätslehre bestimmt Vater, Sohn und Heiligen Geist als der Substanz nach identisch, der Relation nach verschieden. Der Islam betont die Einheit und Einzigkeit Allahs; Sure 112, Vers 1 unterstreicht den Monotheismus, Vers 3 weist die Vorstellung zurück, Gott sei zeugend oder gezeugt. Im Voodoo wird Bondye als einziger, ferner Gott verehrt; Gebete und Opfer richten sich an die vermittelnden Loa.

Existenzfrage und Verbreitung

Für die Existenz Gottes werden mehrere Argumenttypen genannt: Kosmologische Argumente leiten aus Existenz oder Bewegung aller Dinge eine erste Ursache ab. Teleologische Argumente schließen aus Ordnung und Komplexität der Welt auf einen Schöpfer. Ontologische Argumente wollen aus der Denkbarkeit eines perfekten höchsten Wesens dessen Existenz folgern. Weitere Argumente beziehen sich auf Moral, Bewusstsein, Schönheit, Liebe, Wunder, Offenbarungen, Gotteserfahrungen oder erhörte Gebete. Die Pascalsche Wette hält Glauben für vernünftig, weil Gott ihn gegebenenfalls belohne und Nichtglauben bestrafe.

Kant hielt Gottes objektive Realität weder für beweis- noch für widerlegbar. Starker Agnostizismus erklärt, niemand könne wissen, ob Gott existiert. Nichtglaube wird oft mit fehlenden Belegen begründet; Russells Teekanne verdeutlicht die Beweislast für Existenzbehauptungen. Kritik an bestimmten Gottesvorstellungen betrifft unter anderem Allmachtsparadoxon und Theodizeeproblem. Die im Artikel genannten naturwissenschaftlichen und statistischen Einwände sollen zeigen, dass sich die Welt auch ohne Gott erklären lasse.

Eine Zusammenfassung von Umfragen nannte für 2007 weltweit 505 bis 749 Millionen Atheisten und Agnostiker. Die Encyclopædia Britannica gab für 2009 640 Millionen Nichtreligiöse und Agnostiker (9,4 %) sowie 139 Millionen Atheisten (2,0 %) an. Im Eurobarometer 2005 glaubten 52 % der damaligen EU-Bevölkerung an Gott; weitere 27 % an eine spirituelle oder Lebenskraft. In Deutschland glaubten im März 2019 laut Befragung von 1003 Personen 55 % an Gott, gegenüber 66 % im Jahr 2005. Die Werte lagen 2019 bei 60 % für Frauen, 50 % für Männer, 63 % in Westdeutschland und 26 % in Ostdeutschland.

Psychologische Perspektiven

Psychoanalytische Erklärungen deuten Gottglauben unterschiedlich: Sigmund Freud sah in Gott die Projektion einer schützenden Vaterfigur. Carl Gustav Jung verstand das innerseelische Gottesbild als Archetypus des Selbst und Symbol psychischer Ganzheit; über Gottes metaphysische Wirklichkeit sage dies nichts aus. Ludwig Feuerbach bezeichnete den Gottglauben als „Spiegel des Menschen“.

Die kognitive Religionswissenschaft erklärt die Verfestigung von Vorstellungen übernatürlicher Akteure mit dem Theory of Mind Mechanism (ToMM), durch den Menschen anderen Absichten und Gefühle zuschreiben, und der Agency Detection Device (ADD), die rasch mögliche Akteure in der Umgebung erkennt. Diese Fähigkeit half ursprünglich, Prädatoren zu entdecken, kann aber auch hinter Naturereignissen Akteure vermuten.

Empirische Untersuchungen zeigen vielfältige Gottesbilder selbst innerhalb einer Religion. Nach Justin Barrett neigen Gläubige im Alltag zu personenähnlichen Vorstellungen: Gott bewege sich, verarbeite Sinneseindrücke oder erledige nur eine Aufgabe zugleich. In abstrakteren Situationen werden dagegen Allmacht und Allgegenwart übernommen. Die Anthropomorphismus-Hypothese nimmt an, Kinder verstünden Gott zunächst als „großen Supermenschen im Himmel“; die Preparedness-Hypothese besagt dagegen, Kinder könnten metaphysische Eigenschaften übernatürlicher Akteure von Beginn an akzeptieren.

Weiterlesen

Abrahamitische Religionen auf den Ibrahim des Koran, und seinen Gott beziehen. Symbole der drei bekanntesten abrahamitischen Religionen: Judentum (oben), Christentum (Mitte), Islam ( … El (Gott) Elohim ... jhwh die zweithäufigste Bezeichnung für „Gott“, wird aber häufig auch als Eigenname gebraucht. Laut Wellhausens Urkundenhypothese des Pentateuchs ist … Allah Allah (arabisch الله , DMG Allāh ‚der Gott', ʔalˤːɑːh) ist das Wort für Gott in der arabischen Sprache. Im Islam wird das Wort auch als Eigenname für Gott … Geist Heiliger Geist wird in der christlichen Vorstellungswelt dagegen der „Geist Gottes“ genannt, der als Person der göttlichen Dreieinigkeit verstanden wird. Naturwissenschaft Unter dem Begriff Naturwissenschaft werden Wissenschaften zusammengefasst, die empirisch arbeiten und sich mit der Erforschung der Natur befassen. Mythologie Das deutsche Wort „Mythologie“ fand erstmals 1712 Verwendung in dem Buch Die teutsche Mythologie oder Beschreibung heidnischer Götter. Religion Geschichte konkreter Religionen · Afrikanische Religionen · Bahaitum · Buddhismus · Christentum · Daoismus · Hinduismus · Islam · Jainismus … Glaube (Religion) Grundlage des Glaubens ist die Heilige Schrift der Bibel, die als von Gott inspiriert angesehen wird. Biblische Texte sind interpretationsbedürftig. Schöpfung Schöpfungsmythen in den Religionen · Alter Orient · Antikes Griechenland · Zoroastrismus · Judentum · Christentum · Islam · Hinduismus · Buddhismus. Monotheismus Der Monotheismus ist eine Form des Theismus. Damit werden diese in der Religionswissenschaft vom Polytheismus unterschieden, der viele Götter kennt und verehrt. Polytheismus Es handelt sich um Religionsformen, in denen das Handeln mehrerer personaler Götter angenommen wird. Dieses Handeln wird dargestellt als aufeinander bezogen, …