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Unsterblichkeit
Die Idee der Unsterblichkeit gehört in nahezu allen Religionen zum festen Glaubensbestand. Dabei haftet dem verehrten Gott oder der Götterwelt das Attribut
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Grundidee und biologische Grenzen
Unsterblichkeit ist die Vorstellung eines zeitlich unbegrenzten Lebens in physischer oder spiritueller Form. Biologisch wäre ein Wesen potenziell unbegrenzt lebensfähig, wenn es Beschädigungen immer in demselben Maß reparieren könnte, in dem sie auftreten. Bei den meisten bekannten Tieren nimmt die Fähigkeit zur Selbstregeneration im Lauf des Lebens ab. Ein Beweis für biologische Unsterblichkeit oder ihre Möglichkeit bei höher entwickelten tierischen und pflanzlichen Lebensformen steht noch aus.
Bei Organismen, die als „biologisch unsterblich“ beschrieben werden, ist diese Unsterblichkeit nur potenziell oder relativ gemeint: Sie können weiterhin durch äußere Einflüsse und Krankheiten sterben. Beispiele sind Einzeller oder Bakterienkolonien, die sich unter idealen Bedingungen durch Zellteilung immer weiter vermehren können, ohne dass Altern und Tod beobachtet werden; neuere Untersuchungen stellen dies aber infrage, weil Nachfolgergenerationen kleiner, schwächer und sterbeanfälliger erscheinen. Die Qualle Turritopsis dohrnii kann nach sexueller Reife durch Transdifferenzierung, also Zellumwandlung, wieder in ein kindliches Stadium zurückkehren; dieser Zyklus scheint unbegrenzt wiederholbar. Für einige Seegurkenarten wird unter idealen Bedingungen ein unbegrenztes Leben angenommen, bei Süßwasserpolypen wurden bisher keine Anzeichen von Alterung nachgewiesen, und Pilze gelten als potenziell unsterblich.
Warum Altern entsteht
Altern und natürlicher Tod werden als Folge des Evolutionsprozesses verstanden. Warum sich Altern als Selektionskriterium durchgesetzt hat, bleibt offen. Der programmierte Zelltod und das Problem kürzer werdender Telomere, also Endstücke der Chromosomen, kommen schon bei einfachen Organismen vor. Dies könnte mit einem Kompromiss zusammenhängen: Einerseits soll Krebs vermieden werden, andererseits entsteht dadurch Altern.
Eine moderne Erklärung ist die Mutations-Akkumulations-Theorie von Peter Medawar aus dem Jahr 1952. Sie besagt im Kern, dass es nie zu einer Selektion gegen das Altern kommt, weil die Fortpflanzungsphase schon abgeschlossen ist, bevor Alterserscheinungen die Selektion negativ beeinflussen könnten. Eine andere Theorie ist die Antagonistische Pleiotropie, 1957 von George C. Williams vorgeschlagen. Sie besagt, dass dieselben Gene, die in frühen Lebensabschnitten nützlich sind, im Alter schädliche Wirkungen haben können.
Technische Lebensverlängerung
Die durchschnittliche Lebensspanne in den Industrienationen ist bereits stark gestiegen. Gründe sind Fortschritte bei Hygiene, Ernährung, Lebensstandard und medizinischer Versorgung. Weitere Zuwächse der Lebenserwartung werden durch Gen- und Zelltherapie, regenerative Medizin, Biomedizin sowie Mikro- oder Nanotechnologie erwartet. Robert Freitas entwirft Modelle von Nanomaschinen, die dauerhaft im menschlichen Körper eingesetzt werden könnten, um Krankheitserreger zu beseitigen, Krebs zu kontrollieren und Reparaturen durchzuführen. So könnte Altern möglicherweise verlangsamt oder gestoppt werden, indem Verschleiß gezielt repariert wird.
Aubrey de Grey versteht menschliches Altern als eine Art Krankheit, die auf ungünstigen biochemischen Prozessen beruht. Sein Konzept SENS, „Strategies for Engineered Negligible Senescence“, setzt an sieben von ihm vertretenen Angriffspunkten an. Er ist mit David Gobel Mitbegründer des „Methusalem-Maus-Preises“, der Forschung zur Lebensverlängerung fördern soll. Im Juni 2008 betrug das Preisgeld 2,8 Millionen EUR beziehungsweise 4,4 Millionen USD und sollte an Labore gehen, die die Lebensspanne von Mäusen nachweislich deutlich verlängern.
Kryonik ist das Einfrieren des ganzen Körpers oder des Gehirns als Sitz des Bewusstseins. Bei sehr tiefen Temperaturen, praktisch −196 °C, kommt Bioaktivität zum Erliegen und weiterer Gewebeverfall wird gestoppt. Moderne Kryonik nutzt Vitrifizierung: Die organische Materie wird nicht klassisch eingefroren, sondern geht in eine glasähnliche Struktur über, wodurch Eiskristallschäden vermieden werden sollen. Besonders beim Gehirn ist die genaue Struktur wichtig, weil darin Erinnerungen und Bewusstsein erhalten sein sollen.
Cyborgs und digitale Unsterblichkeit
Die Umwandlung eines Menschen in einen Cyborg bedeutet, dass der Mensch durch technische Implantate erhalten oder verbessert wird. Erste Ansätze sieht der Artikel etwa bei künstlichen Herzen, auch wenn menschengemachte Systeme biologischen Vorbildern noch deutlich unterlegen sind. Cyborgologie kann Neuro-Implantate zur Erhaltung und Erweiterung kognitiver Fähigkeiten sowie den Ersatz biologischer Organe durch leistungsfähigere technische Systeme umfassen.
Digitale Unsterblichkeit meint den Versuch, bewusstseinsrelevante Teile des Gehirns durch Mind uploading in ein digitales Medium auszulagern. Das könnte als Alternative zur Kryonik dienen oder ein Bewusstsein in einer digitalen virtuellen Welt zum „Leben“ erwecken. Denkbar wäre auch, das Bewusstsein in eine physische Einheit wie einen Roboter zu übertragen, der Sinneseindrücke verarbeitet und mit Armen oder Beinen mit der Umwelt interagiert.
Ein Vorteil des Uploading wäre Schutz vor körperlichen Schäden und die Möglichkeit, Backups auf räumlich verteilten digitalen Systemen zu speichern. Der entscheidende Nachteil ist die neue physische Form oder das Fehlen einer solchen. Es gibt keinen Konsens, ob Mind-Uploading grundsätzlich möglich ist, weil dies von geistesphilosophischen Auffassungen abhängt. Offen bleibt besonders die Frage, ob eine angenommene Subjektivität verloren ginge.
Religion und Philosophie
In fast allen Religionen gehört die Idee der Unsterblichkeit zum festen Glaubensbestand. Göttern oder einer Götterwelt wird häufig Unsterblichkeit zugeschrieben, und auch der menschlichen Seele wird sie oft zugesprochen. Zu den frühesten literarisch überlieferten Bemühungen um Unsterblichkeit zählt die Geschichte von Gilgamesch. Auch Thutmosis III., gestorben 1425 v. Chr., wird im Artikel genannt.
Im Daoismus gibt es Strömungen, nach denen der Mensch Geist und Körper so kultivieren kann, dass er physische Unsterblichkeit erlangt und ein Xian wird. Andere Strömungen verstehen Unsterblichkeit nicht körperlich, sondern spirituell, geistig oder nachtodlich. Die chinesische Alchemie suchte bis zum Ende der Tang-Dynastie vor allem nach einem Elixier der Unsterblichkeit; der Quanzhen-Daoismus wandte sich ausdrücklich vom Ziel der physischen Unsterblichkeit ab.
In der Bibel wird im Alten Testament erzählt, dass Adam und Eva ihre Unsterblichkeit verloren. Im Neuen Testament gibt es Stellen, die sich auf relative physische Unsterblichkeit beziehen, abhängig vom göttlichen Willen, etwa Joh 21,22, Lk 9,27 und Mk 9,1. Das Christentum betont aber vor allem Leben nach dem Tod und Auferstehung; diese Stellen haben in der christlichen Theologie meist geringere Bedeutung. Philosophische Argumente für die Unsterblichkeit der Seele oder des Geistes gehen unter anderem auf Platon und Aristoteles zurück: Die geistige Seele könne nicht zerstört oder zerteilt werden, weil sie eine einfache, nicht-zusammengesetzte, immaterielle Substanz sei. Immanuel Kant postulierte 1793 in Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft die Möglichkeit der Existenz Gottes und der Unsterblichkeit der Seele als Gegenstände rationalen Glaubens, lehnte aber metaphysische Beweise dafür ab.
Motive in Kunst und Popkultur
In künstlerischen Darstellungen erscheint Unsterblichkeit oft als Wunsch nach ewiger Jugend, als Fluch oder als Zeitreise über lange Zeiträume. Dornröschen wird als bekanntes Märchen genannt, in dem der von außen beeinflusste Zeitpunkt des Wiedererwachens viele psychologische Deutungen ausgelöst hat.
In Oscar Wildes The Picture of Dorian Gray von 1890 bleibt Dorian Gray äußerlich jung und schön, während ein Bild von ihm altert und seine innere Entwicklung ausdrückt. In Leoš Janáčeks Oper Die Sache Makropulos, uraufgeführt 1926, lebt Elina Makropulos durch einen Zaubertrank ihres Vaters über mehrere Jahrhunderte, ohne zu altern. Der Stoff beruht auf einem Theaterstück von Karel Čapek aus dem Jahr 1922.
Ein weiteres Motiv ist der Jungbrunnen als Quelle ewiger Jugend. Er erscheint unter anderem in Die Jagd nach dem Jungbrunnen von 1989, Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten von 2011, Star Trek: Der Aufstand von 1998, Orson Welles’ The Fountain of Youth von 1958 und dem Computerspiel Indiana Jones and the Fountain of Youth. Unsterblichkeit kann außerdem als Zeitreise in Literatur und Film gestaltet werden, entweder rückblickend in die Vergangenheit oder dystopisch in die Zukunft.