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Ludwig Feuerbachs Religionskritik verständlich erklärt! | Abitur
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 41 Zeilen
- Als erster bedeutender Vertreter der klassischen Religionskritik gilt Ludwig Feuerbach (1804-1972). Er wird auch der „Kirchenvater des Atheismus genannt“.
- Feuerbachs Hauptwerk „Das Wesen des Christentums“ (1841) erregte die größte Aufmerksamkeit bei Theologen und Philosophen. In
- diesem Buch behauptet Feuerbach im Kern, dass Religion nichts anderes sei als die Projektion Projektion des eigenen
- menschlichen vollkommenen Wesens in den Himmel. Schauen wir uns seine Argumentation genauer an: Feuerbach geht bei seiner Religionskritik
- ganz vom Menschen aus. Er stellt nüchtern fest, dass der Mensch sich selbst unterschiedlichen Gefahren wie Leid, Krankheit und dem Tod
- ausgesetzt sieht. Dies führt zu verschiedenen Gefühlen im Menschen. Der Mensch ist nicht vollkommen frei,
- er ist von verschiedenen Umständen abhängig, er nimmt sich angesichts des eigenen Todes als endlich wahr und muss feststellen, dass er unvollkommen, also fehlerhaft ist.
- Um diesem Zustand zu bewältigen, seiner Unvollkommenheit zu überwinden, projiziert, so Feuerbach, der Mensch all seine Wünsche und
- Sehnsüchte auf ein göttliches Wesen, dass dann im Gegensatz zum Menschen
- vollkommen, ewig und allmächtig ist. Gott ist, so könnte man sagen, die Summe der menschlichen Sehnsüchte, ein absolutes und vollkommenes Wesen.
- Die biblische Aussage: Gott schuf den Mensch zu seinem Bilde (Gen1) dreht Feuerbach um und schreibt:
- „Der Mensch schuf Gott zu seinem Bilde.“ Worin besteht für Feuerbach jetzt das Problem? Die menschliche Projektion bewertet
- Feuerbach als krankhaft, denn sie führe zur Entzweiung des Menschen mit sich selbst. Man könnte auch sagen,
- der Mensch ist innerlich gespalten. Der Mensch erkennt seine eigenen Fähigkeiten und Potentiale nicht. Ziel Feuerbachs ist es also, diesen Vorgang der Projektion zu durchschauen,
- sich vom Gottesglauben abzuwenden und statt eines Gottesglaubens
- den Glaube an den Menschen zu entwickeln. Die Menschen sollen nicht mehr Theologie, sondern Anthropologie betreiben.
- Feuerbach formuliert: „Setze an die Stelle der Gottesliebe die Menschenliebe, an die Stelle des Gotteslaubens den Glauben des Menschen an sich selbst und seine Kraft – so hast
- du die wahre Religion.“ So könne der Mensch sein eigenes Wesen und die darin liegende Größe und Würde entdecken. Die
- Liebe zu Gott müsse überführet werden in eine Liebe zu den Menschen: „Der Mensch ist dem Menschen ein Gott“ (homo homini deus est).
- Theologie ist Anthropologie So findet der Mensch wieder zu sich selbst, entdeckt seine eigenen Fähigkeiten und kann seine Probleme selber lösen.
- Feuerbach formuliert das so: So werden die Menschen „aus Gottesfreunden zu Menschenfreunden, aus Gläubigen zu Denkern,
- aus Betern zu Arbeitern, aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Deisseits, aus Christen zu Menschen zu ganzen Menschen.“
- Wie kann man diese Religionskritik beurteilen? Was kann man daran auch als Christ würdigend anerkennen und was kann man kritisieren?
- Nun: Zuallererst ist festzuhalten: Feuerbach hat Recht. Er hat Recht, denn jeder Mensch projiziert tatsächlich eine individuelle Vorstellung von Gott. Das ist sehr menschlich.
- Dabei stehen Menschen immer in der Gefahr, sich Gott so vorzustellen, wie sie sich es wünschen. Menschen stehen in der Gefahr sich Gott
- selbst zu eigen zu machen. Dieses Problem kennt die Bibel, weshalb sie schon in den 10 Geboten als zweites Gebot das
- Bilderverbot erlässt. Zu diesem Gebot kannst du dir auch ein entsprechendes Video auf dem Kanal anschauen.
- Allerdings muss man zu Feuerbach kritisch anmerken: Nur weil Menschen sich etwas vorstellen, oder einen Wunsch haben, heißt das nicht, dass dieser Wunsch irreal ist. Ich kann mir z.B.
- eine Sahnetorte wünschen. Dieser Wunsch sagt noch nichts darüber aus, ob es diese Sahnetorte gibt, oder nicht gibt.
- Des Weiteren muss man zugestehen, dass das christliche Gottesbild auf den ersten Blick überhaupt nicht den menschlichen Wünschen und Sehnsüchten entspricht. Gott offenbart sich
- dem Menschen in Jesus, der in einem Stall geboren wird und am Ende den elendigsten Tod stirbt. Wer denkt sich das aus? Außerdem sagt an verschiedenen Stellen von sich
- selbst, dass er immer der ganz andere bleibt (sieh dir dazu gerne das Video zum Brennenden Dornbusch in Exodus 3 an).
- Vielmehr könnte man auch so argumentieren: Die Sehnsüchte des Menschen sind gerade ein Anzeichen dafür, dass es Gott gibt. So steht es zum Beiespiel im biblischen Buch Prediger 3,11:
- „In das Herz des Menschen hat Gott den Wunsch gelegt, nach dem zu fragen, was ewig ist.“ Zuletzt kann man Fragen:
- Wenn der Mensch nicht mehr Gott verehrt, wen verehrt er dann? Steht er dann nicht in Gefahr, dass er sich selbst zu Gott macht? Der Mensch als Lösung aller Probleme? Ist diese Vorstellung
- überzeugend? Was passieren kann, wenn Menschen sich selbst zum Gott machen, haben wir in der Geschichte jedenfalls zu Genüge gesehen.
- Bei aller Kritik: Der Hinweis von Feuerbach bleibt bestehen: Christen sind immer wieder herausgefordert, ihre eigenen Projektionen zu erkennen und
- zu überwinden. Christen müssen bereit sein, ihr eigenes Gottesbild zu hinterfragen und korrigieren zu lassen.
- Was ist deine Meinung zu Feuerbachs Religionskritik? Ist sie für dich nachvollziehbar? Lass
- mir gerne einen Kommentar mit deiner Einschätzung da. Und wenn du kein
- weiteres Video, wie z.B. andere Religionskritiken verpassen willst, dann abonniere die Glocke. Bis zum nächsten Video.