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Ludwig Feuerbach | Religionskritik
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Transkriptautomatisch erstellt · 77 Zeilen
- Gibt es einen Gott oder hat der Mensch ihn nur erfunden? Diese Frage stellt sich der Religionskritiker Ludwig Feuerbach 1841 in seinem Werk „Das
- Wesen des Christentums“. Als Antwort entwickelt er seine berühmte Projektionstheorie, die spätere Religionskritiker
- wie Karl Marx, Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud nachhaltig beeinflusst hat. Ludwig Feuerbach (1804-1872) ist einer der berühmtesten Religionskritiker überhaupt.
- In seinem Hauptwerk „Das Wesen des Christentums“ (1841) entwickelt er eine fundamentale Religionskritik, in welcher er die christliche Religion - genauer die christliche Theologie und Philosophie
- - kritisiert. Vor seinem Philosophiestudium hat Feuerbach ein Jahr lang Theologie studiert.
- Seine hier erlangten theologischen Kenntnisse fließen ebenso in seine Religionskritik ein wie Gedanken der Aufklärung, Ideen seines Lehrers Georg Wilhelm Friedrich Hegel und
- das Werk Martin Luthers. Feuerbach schließt 1828 seine Promotion in Philosophie ab und habilitiert sich schon
- wenige Monate später. Ab 1829 lehrt er als Privatdozent an der Universität Erlangen.
- 1830 veröffentlicht er anonym seine religionskritische Schrift „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit“. Auf Grund seiner religionskritischen Haltung kann Feuerbach seine Universitätslaufbahn
- nicht weiter fortsetzen und verfasst seine philosophischen Schriften später als Privatgelehrter auf dem Landsitz seiner Frau, von deren Einkünften er lebt.
- „Das Wesen des Christentums“ erscheint 1841 und macht ihn schlagartig berühmt. Das Werk sorgt für heftige Kontroversen.
- Seine sogenannte Projektionstheorie hat großen Einfluss auf spätere Religionskritiker, vor allem auf Karl Marx, Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud.
- Feuerbach entwickelt eine anthropologische Philosophie, die ihren Bezugspunkt ausschließlich im Diesseits hat.
- Seiner Ansicht nach soll man nur vom Menschen selbst ausgehen, nicht von einem göttlichen Wesen oder irgendeinem absoluten Prinzip.
- Diese anthropologische Perspektive nimmt er auch in Bezug auf Religion ein. Diese ist seiner Ansicht nach eindeutig menschlichen Ursprungs, eine Konstruktion des menschlichen
- Verstandes. Bei der Religion steht also kein höheres Wesen, sondern immer nur der Mensch im Mittelpunkt.
- Dementsprechend ist für Feuerbach die Theologie auch keine eigenständige Wissenschaft, sondern kann auf andere Wissenschaften zurückgeführt werden, die sich ebenfalls mit dem Menschen
- beschäftigen - etwa auf die Psychologie oder Anthropologie. Theologie - die Wissenschaft von Gott - ist seiner Ansicht nach Anthropologie - die Wissenschaft
- vom Menschen. Feuerbach prognostiziert mit dem Fortschreiten der Wissenschaft einen natürlichen Abfall
- des Menschen vom Glauben. Doch warum ist die Geschichte des Menschen immer mit einer göttlichen Vorstellung verbunden?
- Feuerbach erklärt Gott als eine Projektion des Menschen. Die Vorstellung von Gott ist dem menschlichen Geist entsprungen, Gott ist so beschaffen,
- wie ihn die Menschen sich wünschen. Gott existiert demnach nur in der Vorstellung, in der Einbildung des Menschen, und zwar als
- idealisiertes Abbild seiner selbst. In der Bibel heißt es: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde.“ Feuerbach verkehrt
- diese Aussage in ihr Gegenteil und kehrt damit den Schöpfungsprozess um. Nicht Gott schuf den Menschen, sondern der Mensch seinen Gott.
- „Was er (der Mensch) selbst nicht ist, aber zu sein wünscht, das stellt er sich in seinen Göttern seiend vor; die Götter sind die als wirklich gedachten, die in wirkliche Wesen
- verwandelten Wünsche des Menschen.“ (Bd. VIII, 250). Den Beweis hierfür sieht Feuerbach in den Eigenschaften, die Gott zugeordnet werden.
- Sie sind allesamt menschlicher Natur: Weisheit, Güte, Kraft, Gerechtigkeit, Liebe sind menschliche Eigenschaften.
- Feuerbach stützt seine Behauptung geschichtlich. Der historische Wandel der Götter- und Gottesbilder entspricht vollkommen dem Wandel der menschlichen
- Kultur und Menschenbilder. Die späteren Religionen betrachten dementsprechend die früheren als Götzendienst oder Aberglaube.
- Die Idee Gottes resultiert also aus dem Menschen selbst. Dieser macht sein eigenes Wesen in überhöhter Weise zu dem Gottes.
- Auf Gott werden dabei nur die positiven Eigenschaften des Menschen übertragen (Spiegelung). Negative Eigenschaften werden hingegen in ihr Gegenteil verkehrt (Komplementarität).
- Ist der Mensch endlich, so muss Gott unendlich sein; ist der Mensch unvollkommen, so muss Gott vollkommen sein; ist der Mensch zeitlich, so muss Gott ewig sein; ist der Mensch ohnmächtig,
- so muss Gott allmächtig sein; ist der Mensch sündhaft, so muss Gott heilig sein. So führt Feuerbach die Religiosität und das Göttliche allein auf den Menschen zurück.
- Religion ist nichts anderes als eine transzendierte Projektion menschlicher Wünsche und Bedürfnisse. Die Idee eines Gottes und anderer religiöser Vorstellungen (wie z.B. Wunder/ewiges Leben/
- unsterbliche Seele) sind nur das Ergebnis von Wunschprojektionen des Menschen. Religion entsteht also, weil der Mensch sein eigenes Wesen als fehlerhaft und beschränkt
- empfindet. In Gott kann er ein Wesen verehren, das fehlerlos und völlig unabhängig ist.
- Gottesverehrung lässt sich demnach auf psychologischer Ebene als menschlicher Kompensationsversuch für die eigenen Schwächen und Defizite deuten.
- Der unvollkommene Mensch erschafft sich ein vollkommenes Wesen als Gegenüber. Indem er jedoch einen Teil von sich auf ein nichtexistentes Wesen projiziert, entfremdet
- er sich von sich selbst. Und welche Konsequenzen soll der Mensch nun aus alldem ziehen?
- Für Feuerbach ist Religion kein Feind, der bekämpft werden muss, sondern ein Traum, aus dem der Mensch aufwachen soll, und eine Krankheit, die es zu heilen gilt.
- Der Mensch soll durchschauen, dass es sich bei der Vorstellung Gottes nur um eine Projektion seiner eigenen idealisierten Eigenschaften handelt.
- Es geht Feuerbach darum, den Gottesgedanken als Illusion zu enttarnen und zu entmystifizieren. Der Mensch soll erkennen, dass alles Übernatürliche natürliche Wurzeln hat und Gott nur eine
- Projektion menschlicher Wünsche und Hoffnungen ist. So kann sich der Mensch von der Religion emanzipieren.
- Diese ist laut Feuerbach nämlich nur ein Kindheitsstadium des menschlichen Selbstbewusstseins. Im Glauben an die Allmacht Gottes drückt sich beispielsweise der menschliche Wunsch
- aus, die Natur zu beherrschen. Im Glauben an einen liebevollen und fürsorglichen Gott der Wunsch nach einem respektvollen und
- solidarischen Zusammenleben. Der emanzipierte Mensch muss diese Wünsche als seine eigenen Wünsche erkennen, um sie
- als Orientierung für sein Handeln nutzen zu können. Religion führt laut Feuerbach zwangsläufig zu Gleichgültigkeit und Passivität, behindert
- Wissenschaft, Aufklärung, Mündigkeit und Freiheit, fördert Intoleranz gegen Nichtgläubige und verlagert die Verantwortung für das Leben weg vom Menschen.
- Denn der Glaube an Gott entfremdet Feuerbachs Ansicht nach die Menschen von sich selbst und verhindert, dass sie ihre wahren Interessen erkennen.
- Durch die Emanzipation von der Religion gewinnt der Mensch wieder Autonomie und Kontrolle über das Diesseits.
- Dann kann er auch den politischen Mächten, die ihre Macht auf Gott gründen, ihre Macht entziehen und selbst politische Verantwortung übernehmen.
- Feuerbach vertritt damit ein positives, sehr selbstbewusstes Menschenbild. Der eigentliche Gott des Menschen soll der menschliche Verstand sein.
- Denn dieser hat göttliche Eigenschaften, ist unsterblich und unbegrenzt. Anstatt sich mit religiösen Mythen zu beschäftigen, soll der Mensch sich auf seinen Verstand verlassen
- und nach der Wahrheit suchen. So kann er seine wahren Interessen erkennen und politisch mündig werden.
- Im Zentrum allen Denkens und Handelns steht also der Mensch. Die wichtigste Aufgabe des Menschen ist, seinen eigenen Verstand zu benutzen.
- Die wichtigste Aufgabe der menschlichen Gemeinschaft, für das Wohlergehen der Menschen zu sorgen. Damit vertritt Feuerbach einen radikalen Humanismus.
- Er schreibt: „Homo homini deus est.“ - „Der Mensch ist dem Menschen ein Gott.“ Ein wahrer Humanismus kann sich laut Feuerbach aber erst entfalten, wenn die ehemals Gott
- zugeschriebenen Eigenschaften wieder menschliche Ideale und Ziele einer humanen Lebensführung werden.
- Der Mensch soll für den Menschen das höchste Wesen werden, er soll vom Gottesfreund zum Menschenfreund werden.
- Das Prinzip der Moral ist für Feuerbach eine vom Gottes- und Jenseitsglauben befreite Liebe, eine Liebe zur menschlichen und nichtmenschlichen Natur.
- Es gibt einige Kritikpunkte, die man gegen Feuerbachs anthropologische Religionskritik vorbringen kann.
- Hier die wichtigsten drei. Zum einen ist sein Religionsbegriff recht einseitig.
- Feuerbach leitet sein Religionsbild aus dem Christentum ab und kritisiert demzufolge nur die christliche oder andere theistische Religionen.
- Erfahrungsreligionen wie zum Beispiel der Buddhismus bleiben von seiner Theorie unberührt. Somit wird Feuerbach der Differenziertheit und Komplexität des Phänomens Religion nicht
- wirklich gerecht. Das Christentum, das Feuerbach kritisiert, ist zudem sehr einseitig gezeichnet und umfasst
- nicht einmal alle Aspekte des christlichen Gottesbildes. Die Vorstellung eines richtenden, zornigen, ungerechten Gottes, wie er stellenweise im
- Alten Testament beschrieben wird, lässt sich mit einer Projektion wünschenswerter Eigenschaften nicht erklären.
- Zudem schließt die Existenz als Projektion eine tatsächliche Existenz nicht aus. Feuerbach kann nicht widerlegen, dass Gott jenseits meiner Wünsche und Illusionen tatsächlich
- existiert. Der deutsche Philosoph Eduard von Hartmann (1842-1906) brachte diese Kritik folgendermaßen
- auf den Punkt: “Es ist richtig, dass etwas darum noch nicht existiert, weil man es sich wünscht, aber das heißt nicht, dass darum etwas nicht existieren
- kann, weil man es sich wünscht. Wenn die Götter Wunschwesen sind, folgt daraus für ihre Existenz oder Nichtexistenz gar
- nichts.“ Bis heute konnte weder die Existenz noch die Nicht-Existenz eines Gottes bewiesen werden.
- Auf dem Gedenkstein zu Ehren Feuerbachs in Nürnberg stehen zwei berühmte Zitate von ihm: „Tue das Gute um des Menschen willen.“ Und: „Der Mensch schuf Gott nach seinem
- Bilde.“ Was hältst du persönlich von Feuerbachs Theorie?
- Ist Gott tatsächlich nur eine Projektion menschlicher Wünsche? Schreibe deine Meinung sehr gerne unten in die Kommentare.
- Mit dem Quizlet-Lernset „Ludwig Feuerbach (Klassische Religionskritik)“ kannst du dein Wissen jetzt überprüfen.
- Viel Spaß beim Lernen und bis bald!
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