Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Feuerbachs Religionskritik | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 6:24 1.234 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 42 Zeilen
Herunterladen
  1. Hey, mal ganz ehrlich, was wenn das mit Gott alles nur erfunden ist? Das ist eine der provokantesten Fragen überhaupt. Eine, die wirklich alles auf
  2. den Kopf stellt, was viele über Religion glauben. Und genau dieser krassen Idee gehen wir heute mal auf den Grund. Gibt es also einen Gott oder haben wir
  3. Menschen ihn uns einfach nur ausgedacht? Genau diese Frage hat sich schon im 19. Jahrhundert ein Philosophellt, Ludwig Feuerbach. Und seine Antwort, boah, die
  4. war so radikal, dass sie das Denken von Giganten wie Karl Marx, Friedrich Nietzsche und sogar Sigmund Freud für immer geprägt hat. Also schauen wir uns
  5. das mal genauer an. Feuerbach hat nämlich nicht nur so ein bisschen an der Religion gezweifelt. Nee, nee, er hat das ganze Ding, wirklich alles einmal
  6. komplett umgedreht. Du kennst doch bestimmt diesen berühmten Satz aus der Bibel, oder? Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Tja, und Feuerbach
  7. sagt dazu: "Pustekuchen, völliger Quatsch." Er dreht den Spieß einfach um 180° und behauptet: Leute, es ist genau anders herum. Nicht Gott hat uns
  8. gemacht, sondern wir haben Gott gemacht und zwar nach unserem Bild. Das ist schon eine Ansage, oder? Und genau dieser Gedanke ist der absolute Kern
  9. seiner ganzen Theorie. Feuerbach meint, Götter sind im Grunde nichts anderes als unsere eigenen Wünsche. Also die ganz tiefen Sehnsüchte, die wir haben und die
  10. malen wir uns dann einfach als echte Wesen aus. Stell dir vor, alles was du gerne wärst, aber nicht sein kannst, unendlich, perfekt, allmächtig, genau
  11. das packen wir alles zusammen und nennen es Gott. Okay, aber wer war dieser Typ eigentlich, der damals mit so einer Idee für einen Riesenskandal gesorgt hat?
  12. Schauen wir uns den Feuerbach mal kurz an. Also Feuerbach, der startete eigentlich total vielversprechend als Philosophiedozent, aber dann 1830 macht
  13. er was Verrücktes. Er veröffentlicht anonym eine religionskritische Schrift. Tja, und das war's dann auch schon mit seiner Unikarriere. Zack, rausgeflogen.
  14. Aber hat er aufgegeben? Nö. 1841 haut er sein Hauptwerk raus, das Wesen des Christentums, und wird damit auf einen Schlag berühmt. Und sein Einfluss
  15. gigantisch, wie wir ja schon gehört haben. Okay, okay, klingt ja alles spannend, aber wie genau soll das denn bitte funktionieren? Ich meine, wie
  16. kommen wir darauf, unsere Wünsche einfach so an den Himmel zu projizieren? Tja, dafür hat Feuerbrach eine ziemlich clevere Erklärung. Das Ganze nennt sich
  17. die Projektionstheorie und die Idee dahinter ist eigentlich total einfach. Stell dir vor, Gott gibt's nicht wirklich, also nicht da draußen,
  18. irgendwo im Himmel. Er ist eine reine Kapfgeburt, eine mentale Konstruktion. Wir Menschen nehmen sozusagen unsere besten Eigenschaften, unsere geheimsten
  19. Wünsche, unser Ideal Ich und beamen das alles auf ein ausgedachtes Wesen. Und deshalb ist für Feuerbach die Theologie, also die Lehre von Gott, in Wahrheit
  20. nichts anderes als Psychologie. Die Lehre von uns selbst. Das ist im Prinzip wie ein Spiegelbild, nur umgeklärt. Schauen wir hier. Wir Menschen, wir sind
  21. endlich sterblich. Also erfinden wir einen Gott, der klar unendlich ist. Wir sind unvollkommen, machen Fehler, also muss Gott perfekt sein. Wir fühlen uns
  22. oft machtlos, Gott allmächtig. Wir sehen uns als sündhaft, also muss Gott heilig sein. Du siehst das Muster, oder? Jede unserer Schwächen wird umgedreht und zur
  23. perfekten Eigenschaft von Gott. Und genau darum geht's im Kern. Religion ist für Feuerbach quasi ein Kompensationsgeschäft, ein Versuch,
  24. unsere eigenen Mängel und Schwächen auszugleichen. Wir basteln uns ein perfektes Wesen, zu dem wir aufschauen können und das macht es irgendwie
  25. erträglicher, selbst nicht perfekt zu sein. Okay, jetzt könnte man denken, Feuerbach wollte einfach nur die Religion kaputt machen, oder? Aber nee,
  26. so einfach ist es nicht. Er hatte ein viel viel größeres Ziel. Für ihn war Religion sowas wie eine Art Kindheitsphase der Menschheit und sein
  27. Ziel war, dass wir erwachsen werden, uns emanzipieren. Er sagt: "In dem Moment, wo wir kapieren, dass Gott nur eine Projektion ist, hören wir auf uns selbst
  28. fremd zu sein. Wir holen unsere ganzen tollen Eigenschaften, Liebe, Gerechtigkeit, der Wunsch nach Glück, die wir in den Himmel projiziert haben,
  29. wieder zurück auf die Erde. Wir erkennen, hey, das sind unsere Werte." Und erst dann können wir anfangen, wirklich Verantwortung für unser Leben
  30. hier und jetzt zu übernehmen. Und das bringt uns zu seinem wohlberühmtesten Satz Homoomine Deus est heißt übersetzt: "Der Mensch ist dem Menschen ein Gott."
  31. Was er damit meint? Ganz einfach. Wir sollen aufhören zu irgendeinem Wesen in Himmel aufzuschauen. Stattdessen sollten wir anfangen, uns gegenseitig als das
  32. Wichtigste anzusehen. Wir sollen füreinander da sein. Im Grunde weg von der Gottesliebe hin zur Menschenliebe. Puh, das klingt jetzt alles ziemlich
  33. schlüssig und rund, oder? Aber die Sache hat natürlich einen Haken. Feuerbachs Theorie ist nämlich auch nicht perfekt und es gibt ein paar echt gute
  34. Gegenargumente, die wir uns jetzt mal anschauen müssen. Also, die drei Hauptkritikpunkte sind diese. Erstens, seine ganze Kritik ist superstart auf
  35. das Christentum zugeschnitten. Bei Religionen wie dem Buddhismus, wo es gar nicht um so einen Gott geht, der Wünsche erfüllt, funktioniert das Ganze schon
  36. nicht mehr so gut. Zweitens, was ist mit den strafenden zornigen Göttern? Ich meine, wer wünscht sich denn freiwillig einen Gott, der einen bestraft? Das
  37. erklärt seine Theorie nicht wirklich. Und drittens, und das ist vielleicht der wichtigste Punkt, rein logisch hat seine Argumentation eine Schwachstelle. Ein
  38. anderer Philosoph Eduard von Hartmann hat das mal perfekt auf den Punkt gebracht. Er sagte sinngemäß: "Klar, nur weil wir uns etwas wünschen, heißt das
  39. noch lange nicht, dass es das auch wirklich gibt. Aber und jetzt kommt's, es heißt eben auch nicht, dass es das nicht geben kann, nur weil wir es uns
  40. wünschen." Verstehst du? Das ist der Denkfehler. Feuerbachs Argument beweist am Ende gar nichts. Weder es Gott gibt, noch dass es ihn nicht gibt. Tja, und
  41. damit sind wir wieder ganz am Anfang. Und die Frage gebe ich jetzt direkt an dich weiter. Was hältst du von der ganzen Sache? Ist Gott am Ende wirklich
  42. nur eine riesige Projektion all unserer Wünsche und Hoffnungen oder steckt da doch mehr dahinter? Die Antwort, die musst du am Ende für dich selbst finden.

Zum Nachlesen