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Kopftuch
Frauen aus dem indischen Raum tragen oft einen Sari und bedecken die Haare mit einem langen Stück Stoff. Ein Kopftuch kann als Zierde oder modisches …
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Begriff und Funktionen
Ein Kopftuch ist meist ein dreieckiges oder zu einem Dreieck gefaltetes Stück Stoff zur Bedeckung des Kopfes. Es kann unter dem Kinn oder im Nacken verknotet, lose getragen oder anders gebunden werden. Gründe sind vor allem praktische, kulturelle, religiöse und modische.
Praktisch schützt es vor Kälte, Hitze, Wind, Sonne und Schmutz. Bei der Arbeit kann es verhindern, dass Haare stören oder in rotierende Maschinenteile geraten; geeignete Kopfbedeckungen können deshalb Teil des Arbeitsschutzes sein. In Küchen und Krankenhäusern dienen Kopfbedeckungen auch der Hygiene. Kulturell gehört das Kopftuch zu vielen Frauentrachten und kann Schmuck, modisches Accessoire, Ausdruck von Identität oder Zugehörigkeit zu einer Gruppe sein. Es kann außerdem politische oder weltanschauliche Bedeutung haben, etwa die weißen Kopftücher der Madres de Plaza de Mayo bei Protestaktionen.
Frauen und Kopftücher in Europa
In Europa war das Kopftuch, besonders in ländlichen Gebieten, bis in die 1980er Jahre verbreitet. In der Nachkriegszeit trugen es Trümmerfrauen häufig zum Schutz der Haare vor Schmutz. In Filmen der 1950er und 1960er Jahre wurde es unter anderem durch Audrey Hepburn und Grace Kelly wieder modisch. Mit Grace Kelly wird eine Bindungsart verbunden: unter dem Kinn gekreuzt und im Nacken verknotet.
Später ging die Nutzung zunächst in Städten und dann auch auf dem Land zurück. Hüte und Mützen verdrängten das Kopftuch weitgehend; oft wird heute überhaupt keine Kopfbedeckung getragen. Ingrid Loscheck stellt fest, dass „nach etwa 1960 Kopfbedeckungen bei beiden Geschlechtern außer Gebrauch kamen“. In vielen ost-, mittel- und südeuropäischen Ländern ist das Kopftuch dagegen weiterhin üblich, beim Gottesdienst und oft auch im Alltag.
Judentum und Christentum
Im orthodoxen Judentum bedecken verheiratete Frauen im Rahmen der Zniut, also der Sittsamkeit, ihr Haar. Das Kopftuch heißt dabei Tichel oder Mitpachat und weist die Trägerin als verheiratete Frau aus. Die Bibelstelle Genesis 24,64–65 EU berichtet, dass Rebekka einen Schleier nimmt und sich verhüllt, als sie Isaak begegnet.
Im gegenwärtigen Christentum tragen vor allem Frauen orthodoxer Kirchen, der Brüderbewegung sowie einiger mennonitischer und täuferischer Gemeinschaften Kopftücher. Bei den hutterischen Schmiedeleut sind weiße Polkatupfen auf schwarzem Grund vorgeschrieben. Schleier, die Kopftüchern ähneln, gehören auch zur Ordenstracht einiger neuerer Kongregationen, etwa der Kleinen Schwestern Jesu und der Kleinen Schwestern vom Lamm.
Einige Ost- und Südeuropäische Kirchen praktizieren ein aus der Bibel abgeleitetes Kopftuchgebot im religiös-öffentlichen Raum. Auch in einzelnen weiteren christlichen Gemeinden bedecken viele Frauen beim Gebet ihren Kopf und beziehen sich auf 1. Korinther 11,5 EU: Eine Frau entehrt ihr Haupt, wenn sie beim Beten oder prophetischen Reden nicht verhüllt ist. Zugleich kann 1. Korinther 11,14–16 lange Haare als Hülle der Frau verstehen.
Islamische Deutungen und Debatten
Drei Koranverse behandeln Kleidungsvorschriften für Frauen: 33,53 betrifft nur die Frauen Mohammeds, 33,59 diese und die muslimischen Frauen, 24,30–31 muslimische Frauen und Männer. Sie wurden 626 bis 627 verkündet, als Mohammed politischer Führer in Medina war. Nach dem Artikel verlangen diese Verse weder ausdrücklich, das Haar zu bedecken, noch das Gesicht zu verhüllen; das Kopftuch wird daher mit regionaler Kultur und Tradition erklärt. Auch Hadithe, also Überlieferungen des Propheten Mohammed, äußern sich zur Bedeckung von Frauen; ihre Auslegung und Bedeutung hängt vom jeweiligen Gläubigen ab.
Frauen tragen ein Kopftuch aus unterschiedlichen Gründen: Gewohnheit, religiösem Selbstverständnis, individuellem Selbstausdruck, gesetzlichen Vorschriften in einigen islamischen Ländern, sozialem Druck, Gruppenzugehörigkeit oder selten als Protest. In Diskussionen wird oft nicht zwischen einem üblichen Kopftuch, bei dem noch ein Teil der Frisur sichtbar bleibt, und einer weitergehenden Bedeckung unterschieden, die auch alle Haare verdeckt.
Im Westen und auch von liberalen Muslimen wird das islamisch motivierte Kopftuch teils kritisch als Symbol des islamischen Patriarchats, als Druckmittel gegen Frauen oder als „Symbol der Geschlechter-Apartheid“ betrachtet. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wies im Mai 2004 eine Klage ab und befand nach dem Artikel, ein Kopftuchverbot könne zulässig sein und stelle keine Menschenrechtsverletzung dar. 2001 hatte derselbe Gerichtshof bereits die Klage einer muslimischen Lehrerin aus der Schweiz zurückgewiesen, der im Kanton Genf das Unterrichten mit Kopftuch untersagt worden war. Koranisten lehnen Kopftuch und andere Verschleierungsformen als unkoranisch und unislamisch ab, weil Frauen in keinem Koransatz zur Verhüllung von Kopf oder Körper verpflichtet würden.
Kopftücher für Männer
Für Männer ist das Kopftuch in westlichen Ländern traditionell als Kopfbedeckung von Piraten überliefert; ob dies Tatsache oder Legende ist, gilt als nicht gesichert. In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gehört es zur Kostümierung vieler Narren, besonders bei Hexenzünften. Rocker können damit die Zugehörigkeit zu einem Club zeigen.
Ein Bandana ist ein meist nur 50 bis 60 Zentimeter großes Tuch, das wie ein Piraten-Kopftuch getragen wird. Es kommt in Outdoor-Bekleidung vor, kann modisches Accessoire oder Sonnenschutz sein und Gruppenzugehörigkeit ausdrücken. Im arabischen Raum tragen Männer die Kufiya, oft rotweiß, schwarzweiß oder einfarbig. Durch den Nahostkonflikt wurde sie zu einem Symbol für gegen Israel kämpfende Palästinenser und ist im deutschsprachigen Raum oft als „Palästinensertuch“ bekannt. In Oman wird ein Tuch turbanähnlich gewickelt.
Saharavölker wie Tuareg, Peul, Tukulor und Mauretanier bedecken Kopf und teils Gesicht mit einem Tuch gegen Sonne, Wind und Sand. Der Tagelmust der Tuareg, auf Französisch auch Chèche, ist eine rechteckige Baumwollstoffbahn von vier bis zehn Metern Länge; sie lässt nur die Augen frei.
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