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Zniut

Orthodoxe jüdische Männer tragen als Kopfbedeckung die Kippa, ultra-orthodoxe Männer über der Kippa noch einen Hut (in verschiedener Ausführung). Dies …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Kleidung
  3. 3. Bedeckung der Haare
  4. 4. Perücken
  5. 5. Männer und Kopfbedeckung
  6. 6. Getrennte Bereiche und Stimme

Grundidee

Zniʿut (צְנִיעוּת Znīʿūt) ist ein hebräischer Begriff und bedeutet auf Deutsch Sittsamkeit oder Bescheidenheit. Gemeint ist ein religiöser jüdischer Verhaltenskodex, der vor allem beschreibt, wie sich religiöse jüdische Frauen in der Öffentlichkeit kleiden und verhalten sollen.

Zniʿut betrifft nicht nur Kleidung, sondern auch Umgangsformen und Situationen im Kontakt zwischen Männern und Frauen. Ziel ist, eine als störend verstandene erotische Ausstrahlung in der Öffentlichkeit zu vermeiden. Als Beispiele nennt der Artikel, dass eine Frau in der Öffentlichkeit keinen Minirock und keine ärmellosen Shirts tragen soll.

Kleidung

Für orthodoxe Juden wird Zniʿut im Alltag besonders durch Kleidungsregeln sichtbar. Frauen bedecken den Körper weitgehend. Auch bei sommerlich warmem Wetter tragen sie Hemden und Blusen mit langen Ärmeln.

Röcke bedecken grundsätzlich die Knie. Außerdem sollen die Körperformen nicht betont werden. Deshalb gibt es für orthodoxe Jüdinnen Alternativen zur üblichen Bademode, die im Artikel mit dem Burkini verglichen werden.

Bedeckung der Haare

Verheiratete orthodoxe jüdische Frauen bedecken nach dem Konzept der Zniʿut ihr Haar. Dabei gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie vollständig das Haar bedeckt sein muss.

Rav Moshe Feinstein (1895–1986) kam nach intensiver Recherche zu dem Schluss, dass Frauen ihr Haar an der Stirn zwei Daumen breit zeigen dürfen. Der Sohar, das Hauptwerk der Kabbala, besteht dagegen darauf, dass eine Frau ihr ganzes Haar ohne Ausnahme bedecken muss.

Die Haarbedeckung kann auf verschiedene Weise erfolgen, zum Beispiel durch Haube, Mütze, Hut, Schal, Schleier oder Kopftuch. Ein Kopftuch wird „Tichel“ oder „Mitpachat“ genannt.

Perücken

Eine aus religiösen Gründen getragene Perücke heißt auf Jiddisch Sheitel (שייטל). Als Perücken in Europa Mode wurden, übernahmen einige liberalere jüdische Frauen diese Mode. Daraus entstand eine rabbinische Diskussion.

Rav Joschua Boʿaz ben Simon Baruch erlaubte Perücken, und seine Entscheidung wurde in den Schulchan Aruch aufgenommen. Viele orthodoxe Juden lehnen moderne Perückenmode aber ab. Der Grund ist, dass eine hochwertige moderne Perücke vom natürlichen Haar kaum zu unterscheiden ist; viele orthodoxe Rabbiner sehen deshalb den Gedanken der Zniʿut nicht verwirklicht.

Die Chabad-Bewegung schreibt dagegen vor, im Alltag durchgängig Perücken zu tragen. Das stellt hohe Anforderungen an Qualität und Preis der Perücken. Weil eine Perücke nur begrenzt neu frisiert werden kann, haben sich einige Hersteller auf diese Bedürfnisse spezialisiert.

Männer und Kopfbedeckung

Orthodoxe jüdische Männer tragen als Kopfbedeckung die Kippa. Ultra-orthodoxe Männer tragen über der Kippa zusätzlich einen Hut, der in verschiedenen Ausführungen vorkommt.

Der Artikel betont jedoch, dass diese männliche Kopfbedeckung nicht aus den Regeln von Zniʿut abgeleitet wird. Zniʿut wird hier als Begriff für Frauenbekleidung verwendet.

Getrennte Bereiche und Stimme

Orthodoxe Männer und Frauen bleiben weitgehend unter sich, wenn sie keine Familienangehörigen sind. Sie vermeiden nach Möglichkeit Situationen, die sie in näheren Kontakt mit Personen des jeweils anderen Geschlechts bringen.

In orthodoxen Synagogen sitzen Frauen und Männer nicht zusammen, auch nicht als Familien. Die Westmauer des Jerusalemer Tempels, die sogenannte „Klagemauer“, gilt ebenfalls als Synagoge.

Ein weiterer diskutierter Begriff ist „Stimme der Frau“ (קול אישה qōl īschah). Damit ist die Regel gemeint, dass die Stimme einer Frau in der Öffentlichkeit nicht laut zu hören sein soll, besonders nicht in einer Synagoge. Das setzt der aktiven Teilnahme von Frauen am Gottesdienst in orthodoxen Gemeinden traditionell Grenzen. Die Women of the Wall setzen sich bewusst über diese Konventionen hinweg oder interpretieren die zugrunde liegenden halachischen Texte auf ihre Weise. Dadurch können sich Menschen, Männer wie Frauen, die Zniʿut für sich als bindend ansehen, provoziert fühlen.

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