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Christentum

Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Judäa hinaus ausbreitete.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Ursprung und Selbstverständnis
  3. 3. Glaube und Quellen
  4. 4. Verbreitung und Organisation
  5. 5. Kirchenrichtungen und Geschichte
  6. 6. Andere Religionen und Kultur

Grundidee und Bedeutung

Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Judäa hinaus ausbreitete. Seine Anhänger heißen Christen; ihre Gesamtheit wird auch Christenheit genannt. Mit rund 2,5 Milliarden Mitgliedern im Jahr 2022 ist das Christentum vor Islam und Hinduismus die weltweit am weitesten verbreitete Religion.

Im Mittelpunkt steht Jesus von Nazaret, ein jüdischer Wanderprediger, der etwa 28–30 n. Chr. auftrat und in Jerusalem hingerichtet wurde. Seine Jünger waren überzeugt, dass er von den Toten auferstanden sei, und bekannten ihn als Sohn Gottes und erwarteten Messias. In diesem Bekenntnis nennen sie ihn Jesus Christus. Der Glaube an ihn ist in den Schriften des Neuen Testaments grundgelegt.

Die meisten Christen glauben an einen Gott, also an Monotheismus. Dieser eine Gott wird in der Mehrheitslehre als Trinität verstanden: als Wesenseinheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Daneben gibt es kleinere antitrinitarische Gruppen, die diese Dreieinigkeit ablehnen oder anders verstehen. Die wichtigsten großen Gruppen des Christentums sind die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, die protestantischen Kirchen, die anglikanischen Kirchen und die Pfingstbewegung.

Ursprung und Selbstverständnis

Die Wurzeln des Christentums liegen im Judentum im römisch beherrschten Palästina zu Beginn des 1. Jahrhunderts. Mit dem Judentum ist es besonders durch den ersten Teil seiner Bibel verbunden: Das Alte Testament entspricht den jüdischen heiligen Schriften des Tanach. Christen lesen diese Texte jedoch von Jesus Christus her und auf ihn hin; das nennt man christologische Interpretation. Ohne das Alte Testament wäre der christliche Glaube nach dem Artikel geschichtslos und unverständlich.

Zum christlichen Selbstverständnis gehört die bedingungslose Liebe Gottes zu den Menschen und zur gesamten Schöpfung. Diese Liebe offenbart sich nach christlichem Glauben in Jesus von Nazaret. Sie betrifft alle Daseinsbereiche des Menschen und gilt Menschen aller Nationen unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung. Deshalb versteht sich das Christentum als universale Religion. Aus dem Sendungsauftrag Christi in Mt 28,19–20 leitet sich sein missionarischer Charakter ab.

Das Christentum verbreitete sich früh im Mittelmeerraum. Dabei beeinflusste der Hellenismus, also die griechisch geprägte Kultur- und Denkweise der Antike, das christliche Denken stark. Die Bezeichnung „Christen“ soll nach Apg 11,26 zuerst in Antiochia am Orontes für die Jünger Jesu verwendet worden sein.

Glaube und Quellen

Zentral für die christliche Lehre sind die Menschwerdung Gottes, der Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi. Nach vorherrschendem christlichem Verständnis ist Jesus zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch. Die Menschwerdung wird Inkarnation genannt. Der Tod Jesu am Kreuz wird als Erlösung verstanden: Gott wendet sich der in Sünde verstrickten Menschheit zu und beseitigt Schuld und Sünde.

Die Glaubensgewissheit der ersten Christen gründete besonders auf den Osterereignissen, also auf der Überzeugung, dass Gott Jesus am dritten Tag nach der Kreuzigung auferweckt habe. Die Jünger machten nach ihrem Glauben die Erfahrung, dass ihnen der auferstandene Jesus erschien und seine bleibende Gegenwart zusagte. An Pfingsten erhielt die Kirche nach christlichem Verständnis durch den Heiligen Geist die Befähigung, den Missionsauftrag zu erfüllen.

Viele Konfessionen teilen gemeinsame Glaubensaussagen: Es gibt einen dreieinigen Gott; Jesus Christus ist Sohn Gottes und verheißener Messias; er verkündete das kommende Gottesreich; Maßstab christlichen Lebens ist die Einheit von Gottesliebe und Nächstenliebe einschließlich Feindesliebe; Taufe und Glaube sind mit der Hoffnung auf ewiges Leben verbunden; der auferstandene Jesus wird wiederkehren; die Bibel gilt als von Gott inspiriertes Wort Gottes.

Die Bibel ist die zentrale Quelle des Christentums, wobei Stellenwert und Auslegung je nach Konfession variieren. Sie besteht aus Altem und Neuem Testament. Das Neue Testament enthält die Evangelien über das Leben Jesu, die Apostelgeschichte über die frühe Kirche von etwa 30 bis 62, Briefe der Apostel und die Offenbarung des Johannes. Das Alte Testament wurde ursprünglich auf Hebräisch verfasst und in der Septuaginta ins Altgriechische übersetzt; das Neue Testament entstand in Koine, einer Form des Altgriechischen. Neben der Bibel prägen in vielen Kirchen auch Glaubensbekenntnisse, Katechismen, Tradition, Liturgie und christliche Vorbilder die Praxis.

Verbreitung und Organisation

Das Christentum umfasst ungefähr ein Drittel der Weltbevölkerung. Zahlen zur Religionszugehörigkeit beruhen oft auf Selbstbezeichnungen, Hochrechnungen oder amtlichen Listen; in Ländern mit Christenverfolgung sind sie unsicher. Für die Jahre 1998–2000 nennt der Artikel weltweit 1.973,0 Millionen Christen bei 6.065 Millionen Menschen, also 32,5 Prozent. In Europa lag der Anteil bei 71,0 Prozent, in Lateinamerika bei 91,6 Prozent, in Afrika bei 48,3 Prozent und in Asien bei 8,5 Prozent. Das Wachstum verlagerte sich damals besonders von Europa nach Asien und Afrika; in Europa ging die Zahl der Christen wegen Geburtenrückgang, Kirchenaustritten und Migration zurück.

Die gesamte Christenheit wird theologisch oft als Ekklesia verstanden, als Leib Christi mit Christus als Haupt. Innerhalb des Christentums gibt es Konfessionen und Denominationen, zu denen verschiedene Kirchen oder Gemeinden gehören. Daneben existieren konfessionsübergreifende Richtungen wie liberal, evangelikal oder charismatisch.

Zur Zusammenarbeit zwischen Kirchen dienen ökumenische Zusammenschlüsse und Abkommen. Beispiele sind der Ökumenische Rat der Kirchen, die Evangelische Allianz und die Leuenberger Konkordie. Manche Kirchengemeinschaften beinhalten eine gegenseitige Anerkennung von Sakramenten, Kirchenmitgliedschaft und Ämtern, etwa die Anglikanische Gemeinschaft, die orthodoxen Kirchen und evangelische Unierte Kirchen.

Kirchenrichtungen und Geschichte

In der antiken Kirche gab es fünf wichtige Patriarchate: Rom, Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem. Bei wichtigen Lehrfragen wurden Konzile einberufen, also Versammlungen von Bischöfen. Von 325 bis 787 gab es sieben ökumenische Konzile, die bis heute von der katholischen, den orthodoxen, den anglikanischen und den meisten evangelischen Kirchen anerkannt werden; einige protestantische Kirchen lehnen das Zweite Konzil von Nicäa wegen seiner Aussagen zur Bilderverehrung ab.

Frühe Spaltungen entstanden durch Streit über die Lehre von Christus. Nach dem Konzil von Ephesos 431 trennte sich die Apostolische Kirche des Ostens ab. Das Konzil von Chalcedon definierte Christus als zugleich menschlich und göttlich. Orientalisch-orthodoxe Kirchen wie die koptische, syrisch-orthodoxe und armenische apostolische Kirche nahmen die Beschlüsse von Chalcedon nicht an.

Zwischen westlicher und östlicher Tradition wuchs die Entfremdung über Jahrhunderte. Unterschiede betrafen unter anderem Sprache, Politik, Liturgie und Lehren wie Erbsünde, Fegefeuer, Filioque und päpstlichen Primat. 1054 kam es zur gegenseitigen Exkommunikation zwischen Papst und Patriarch von Konstantinopel; dieses Datum gilt gewöhnlich als Beginn des morgenländischen Schismas.

Die Westkirche spaltete sich im 16. Jahrhundert durch die Reformation. Reformatoren wie Martin Luther, Ulrich Zwingli, Johannes Calvin und Thomas Cranmer kritisierten Missbräuche und entwickelten neue Lehren, besonders zum Kirchen- und Sakramentenverständnis sowie zur Rechtfertigung. Evangelische Kirchen betonen Sola scriptura, also die Begründung allein aus der Bibel, und häufig die „vier Soli“: sola fide, sola gratia, sola scriptura und solus Christus. Die römisch-katholische Kirche sieht sich unter Leitung des Papstes als Nachfolger des Apostels Petrus; 1870 wurden päpstliche Unfehlbarkeit bei ex cathedra verkündeten Glaubensaussagen und der Jurisdiktionsprimat dogmatisch festgelegt.

Daneben gibt es evangelische Freikirchen wie Mennoniten, Baptisten, Methodisten, Adventisten und Pfingstkirchen, außerdem apostolische Gemeinschaften wie die Neuapostolische Kirche. Weitere neureligiöse Gemeinschaften wie Zeugen Jehovas oder die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage weichen in bestimmten Lehren, etwa zur Trinität oder zu Schriften neben der Bibel, deutlich von großen Kirchen ab; ob sie zu den christlichen Konfessionen gezählt werden, ist umstritten.

Andere Religionen und Kultur

Das Christentum steht in Beziehung zu anderen Religionen und Weltanschauungen. Im Islam wird Jesus im Koran als Isa ibn Maryam, Sohn Marias, und als Prophet anerkannt; seine Gottessohnschaft, seine Anbetung, die Dreieinigkeit und nach Sure 4,157 auch die Kreuzigung werden jedoch zurückgewiesen. Nichtchristen sehen am Christentum häufig Positives wie die Lehre der Nächstenliebe und christlichen Einsatz für Frieden und gegen Armut. Negativ werden unter anderem Kreuzzüge, Hexenverfolgungen, Inquisition und Antijudaismus genannt. Themen wie Empfängnisverhütung, Homosexualität und Schwangerschaftsabbruch sind auch innerchristlich umstritten.

Ein wichtiges Anliegen vieler Kirchen ist die Ökumene, also die Versöhnung und Zusammenarbeit christlicher Kirchen. Einige Kirchen führen außerdem interreligiösen Dialog mit anderen Religionen, um friedliches Zusammenleben zu fördern. Zugleich gab es Christenverfolgungen im Römischen Reich, und auch heute wird von starker Christenverfolgung besonders in kommunistischen und islamischen Ländern gesprochen.

Das Christentum hatte starken kulturellen Einfluss auf das Abendland. Glaube, Kultur und Kunst beeinflussten sich gegenseitig; christliche Themen prägten Malerei, Architektur und Musik. Musik war seit jeher Teil der Liturgie. Der gregorianische Gesang, Kirchenmusik von Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn Bartholdy sowie Texte von Martin Luther und Paul Gerhardt spielten eine große Rolle.

Auch Sprache, Bildung, Technik und Wissenschaft wurden beeinflusst. Martin Luthers Bibelübersetzung prägte die Entwicklung und Verbreitung der hochdeutschen Sprache. Bibelübersetzungen stärkten in kleineren Sprachräumen teils die Entwicklung einer Schriftsprache. Klöster verbanden Gebet und Arbeit nach dem Grundsatz Ora et labora. Zugleich war das Verhältnis von Kirche und Naturwissenschaft lange belastet, weil kirchliche Wahrheitsansprüche abweichende Ideen unterdrückten, etwa beim heliozentrischen Weltbild oder bei der Evolutionstheorie. Erst in der Aufklärung lösten sich die Wissenschaften vollständig von der Kirchendoktrin. Zur kulturellen Wirkung gehört außerdem die christliche Zeitrechnung im Abendland.

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