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Täufer

Gläubigentaufe (Ablehnung der Säuglingstaufe) · Kirchenzucht (Bann bei Verfehlungen) · Brotbrechen (Abendmahl) als Zeichen der Gemeinschaft · Absonderung von der „ …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und Begriff
  2. 2. Entstehung und erste Gemeinden
  3. 3. Lehre und Ausbreitung
  4. 4. Verfolgung und ihre Ursachen
  5. 5. Richtungen und Gegenwart

Grundzüge und Begriff

Täufer sind Anhänger einer radikalreformatorischen Bewegung, die nach 1520 in den deutsch- und niederländischsprachigen Teilen Europas entstand und zum linken Flügel der Reformation gerechnet wird. Ihr hervorstechendes Merkmal ist die Ablehnung der Kindertaufe. Stattdessen praktizieren sie die Gläubigentaufe: Die Taufe setzt ein aktives, persönliches Bekenntnis zum Glauben voraus und wird nur Menschen gespendet, die sie selbst begehren.

Die Bezeichnung „Wiedertäufer“ wurde von Gegnern geprägt, weil Täufer Menschen tauften, die als Säuglinge bereits getauft worden waren. Die Täufer hielten die Säuglingstaufe jedoch für unbiblisch und ungültig und verstanden ihre Taufe daher als Ersttaufe. Sie lehnten den Ausdruck von Anfang an als abwertend ab und bezeichneten sich unter anderem als „Brüder in Christo“ oder „Gemeinde Gottes“. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts setzt sich im Deutschen überwiegend die neutrale Bezeichnung „Täufer“ durch.

Zentrale Vorstellungen sind die Nachfolge Jesu, die Kirche als Bruderschaft der Gläubigen und die Gewaltlosigkeit. Die Täufer begründen ihren Glauben mit der wortgetreuen Auslegung des Neuen Testaments (sola scriptura). Weitere Kennzeichen sind:

  • die Gemeindeautonomie und das Priestertum aller Gläubigen;
  • das Abendmahl als symbolisches Gedächtnis- und Gemeinschaftsmahl;
  • die Forderung nach Glaubensfreiheit und nach Trennung von Kirche und Staat;
  • die Ablehnung des Eides und meist auch des Wehrdienstes;
  • die Absonderung von der „Welt“;
  • teilweise die Gütergemeinschaft, besonders bei den Hutterern.

Diese Grundsätze waren in den einzelnen Gruppen unterschiedlich stark ausgeprägt. Zu den heutigen Täufern zählen vor allem Mennoniten, Amische und Hutterer. Jüngere Strömungen sind unter anderem die Mennonitischen Brüdergemeinden und die Bruderhöfer. Im weiteren Sinne werden auch die Schwarzenau-Brüder, der Bund Evangelischer Täufergemeinden (ETG) und die River Brethren dazugezählt. Baptisten, Adventisten und Pfingstler sind trotz einzelner Berührungspunkte konfessionell nicht den Täufern zuzurechnen.

Entstehung und erste Gemeinden

Die ältere Forschung nahm eine Monogenese an: Danach begann die Täuferbewegung allein in der Zürcher Reformation mit Konrad Grebel, Felix Manz und Jörg Blaurock im Jahr 1525. Seit etwa 1960 wird überwiegend von einer Polygenese ausgegangen. Danach hatte das Täufertum drei Hauptwurzeln: die Zürcher Reformation, die radikale Reformation um Karlstadt und Thomas Müntzer mit Hans Hut in Oberdeutschland sowie ein spiritualistisch-endzeitliches Milieu in Straßburg, aus dem Melchior Hofmann die Bewegung in den niederdeutschen Raum brachte. Neuere Forschung betont zusätzlich die Beziehungen zwischen diesen Gruppen. Der Beginn kann wegen der öffentlich verbreiteten Kritik an der Kindertaufe bereits auf 1521 angesetzt werden.

Viele radikale Reformatoren waren vom Fortgang der Reformation enttäuscht. Sie forderten die „sofortige Herstellung einer staatsfreien evangelischen Kirche nach dem Vorbild des Neuen Testaments“. Ihre Gemeinden sollten auf dem freien Willen persönlich gläubiger Mitglieder beruhen. In Zürich entstand der Konflikt mit Huldrych Zwingli, weil Grebel, Manz und ihre Mitstreiter die Reformation als nicht weitreichend genug empfanden. Sie verlangten unter anderem die sofortige Abschaffung der Messe und die Entfernung der Bilder. Der Zürcher Rat ordnete am 11. August 1524 an, alle Kinder taufen zu lassen; wer dies verweigerte, sollte eine Buße von 1 Mark Silber zahlen.

Nach erfolglosen Gesprächen zwischen Zwingli und dem Kreis um Grebel und Manz kam es am 17. Januar 1525 zu einer öffentlichen Täuferdisputation im Zürcher Rathaus. Bereits am 18. Januar erließ der Rat ein Mandat gegen die Täufer. Kindertaufverweigerer mussten ihre Kinder innerhalb von acht Tagen taufen lassen oder wurden des Landes verwiesen. Ein weiteres Mandat vom 21. Januar verbot Grebel und Manz jede Agitation gegen die Kindertaufe sowie den Unterricht in ihren Bibelschulen.

Am Abend des 21. Januar 1525 versammelte sich der Kreis um Grebel und Manz im Haus von Manz’ Mutter. Jörg Blaurock bat Konrad Grebel um die Taufe; anschließend taufte Blaurock auf deren Bitte weitere Mitglieder des Kreises. Diese Zusammenkunft gilt als Gründungsakt der Täuferbewegung. In Zollikon predigte Blaurock kurz darauf und taufte zahlreiche Menschen. In Hausversammlungen feierten die Täufer das Abendmahl mit Brot und Wein. Dadurch entstand 1525 in Zollikon nach Fritz Blanke die erste protestantische Freikirche.

Der Zürcher Rat nahm am 30. Januar 1525 mehrere Täufer vorübergehend fest. Felix Manz blieb bis zum Herbst 1525 in Haft und wurde nach einer erneuten Verhaftung in den ersten Januartagen 1527 in der Limmat ertränkt. Grebel, Blaurock und andere verbreiteten die Bewegung dennoch weiter. Wilhelm Reublin gewann in Waldshut Balthasar Hubmaier und dessen Gemeinde für das Täufertum; Johannes Brötli gründete in Hallau eine Gemeinde. Weitere Missionare wirkten in der Ostschweiz, in Basel, Bern, Südwestdeutschland, Graubünden und Tirol.

Lehre und Ausbreitung

Nach dem Scheitern der Bauernerhebung, zunehmender Verfolgung und inneren Spannungen kam es zu einer stärkeren Abgrenzung der Täufer. Am 24. Februar 1527 versammelten sie sich unter der Leitung von Michael Sattler in Schleitheim bei Schaffhausen. Dort entstand mit den Schleitheimer Artikeln die erste ausführliche programmatische Bekenntnisschrift der Täufer. Sie fasst die wichtigsten Grundsätze in sieben Punkten zusammen:

  • Gläubigentaufe statt Säuglingstaufe;
  • Kirchenzucht und Bann bei Verfehlungen;
  • Brotbrechen als Zeichen der Gemeinschaft;
  • Absonderung von der „Welt“;
  • freie Wahl des Hirten oder Seelsorgers;
  • Ablehnung des Wehrdienstes;
  • Verweigerung des Eides.

Die Artikel rückten die religiöse Komponente gegenüber sozialrevolutionären Vorstellungen in den Vordergrund und kennzeichneten den Übergang von einer volkskirchlichen Bewegung zu einer minderheitlichen Freikirche. Auf der Augsburger Täufersynode im August 1527 konnten sich Sattlers Thesen jedoch nicht allgemein durchsetzen; weil viele Teilnehmer später hingerichtet wurden, wird sie auch „Augsburger Märtyrersynode“ genannt.

Die Bewegung breitete sich nach den Schweizer Anfängen 1525/26 innerhalb weniger Jahre sehr schnell in Mitteleuropa aus. Zeitgenossen betrachteten sie neben lutherischer und zwinglischer Reformation als dritte „kraftvolle“ reformatorische Bewegung. Für die Zeit nach 1530 gibt es die Schätzung, dass in Deutschland jeweils etwa ein Drittel der Bevölkerung katholisch, lutherisch und täuferisch gewesen sei; diese Angabe ist als Schätzung zu verstehen.

1526 sind Täufer im Tiroler Inntal, bei Horb und Rottenburg am Neckar, in Straßburg und Augsburg sowie in Mähren nachweisbar. 1527 entstanden Gemeinden unter anderem in Nieder- und Oberösterreich, Nürnberg, Erlangen, Regensburg, Memmingen, München, Esslingen, Schwäbisch Gmünd und Schlesien. 1528 breitete sich die Bewegung von Hessen aus bis in Gebiete der lutherischen Reformation. Melchior Hofmann taufte 1530 in Emden etwa 300 Menschen. Glaubensflüchtlinge trugen die Lehren anschließend nach Preußen und England.

Verfolgung und ihre Ursachen

Die Täufer wurden in den ersten beiden Jahrhunderten ihrer Geschichte von weltlichen Obrigkeiten und Amtskirchen heftig verfolgt. Zeitgenössische Gegner bescheinigten ihnen häufig einen vorbildlichen Lebenswandel: Zwingli lobte 1527 ihr Leben, Heinrich Bullinger hob ihre Ablehnung von Habsucht, Stolz, Trinken und Völlerei hervor, und der katholische Theologe Franz Agricola beschrieb 1582 Demut, Geduld, Treue, Sanftmut und Aufrichtigkeit. Trotzdem galten sie als „Aufrührer“.

Verbindungen zu den Bauernaufständen ab 1524 bestanden in einzelnen Fällen, doch der weitaus größte Teil der Täufer lehnte den Gebrauch des Schwertes, Krieg und Mord ab. Konrad Grebel schrieb bereits vor der Gründung der Zürcher Gemeinde, wahre Christen verwendeten weder das weltliche Schwert noch Krieg oder Mord. Auch die Schleitheimer Artikel verwarfen Schwert und Waffen mit Verweis auf die Worte Christi.

Der Hauptgrund der Verfolgung war daher die grundsätzliche Haltung zur weltlichen Obrigkeit. Weil die Täufer unter Berufung auf die Bergpredigt (Mt 5,33–37 LUT) den Eid ablehnten, verweigerten viele die damals üblichen Lehens- und Gehorsamseide. Wegen ihres Gewaltverzichts wollten viele Täufer weder Richter, Soldaten oder Scharfrichter sein noch öffentliche Ämter ausüben. Katholische, lutherische und reformierte Obrigkeiten deuteten diese Haltung als möglichen Umsturz, obwohl die meisten Täufer passiv und zurückgezogen lebten. Einzelne Täufer im Bauernkrieg und besonders das Täuferreich von Münster brachten die gesamte uneinheitliche Bewegung zusätzlich unter Generalverdacht.

Der Reichstag zu Speyer 1529 verabschiedete das sogenannte Wiedertäufermandat. Es forderte die Todesstrafe für Wiedergetaufte, für hartnäckige Anhänger der Lehre, für Anführer und für Personen, die die Taufe ihrer Kinder verweigerten. Widerrufende konnten unter bestimmten Bedingungen begnadigt werden; Rückfällige und führende Personen waren davon ausgeschlossen. Geflohene sollten auch in anderen Territorien verfolgt werden, und Amtspersonen mussten das Mandat streng anwenden. Die Durchführung war jedoch unterschiedlich. Einige evangelische Theologen wie Martin Bucer und Johannes Brenz befürworteten eher die Ausweisung. In Württemberg wurden 1557 „aufrührische“ und nicht aufrührische Täufer unterschieden; Letztere konnten bei Zurückhaltung geduldet werden.

Etwa 1000 namentlich erfasste Täufer starben im 16. und 17. Jahrhundert aus Glaubensgründen; etwa 800 Namen enthält allein der mennonitische Märtyrerspiegel. Die Forschung geht davon aus, dass die dokumentierte Opferzahl mindestens verdoppelt werden muss. Zusätzlich verloren viele Täufer Besitz, Heimat und Freiheit oder wurden in die Sklaverei verkauft. Besonders lange dauerte die Verfolgung der Schweizer Täufer; Zürich und Bern verhängten noch im 17. Jahrhundert häufig tödliche Galeerenstrafen. 1699 richtete Bern eine besondere Täuferkammer ein. 1709 sollen auf Beschluss des Berner Rates etwa 500 Personen aus der Schweiz vertrieben worden sein. 2010 bat der Lutherische Weltbund die Mennoniten um Vergebung für die frühere Verfolgung; bereits 2007 hatte die Reformierte Kirche der Schweiz um Vergebung gebeten.

Richtungen und Gegenwart

Das Täufertum war keine einheitliche Kirche. Die Forschung unterscheidet meist vier oder fünf Hauptströmungen, wobei diese Einteilung wegen der Vielfalt nur unscharf ist. Gemeinsame Merkmale waren die Gläubigentaufe, radikale Jesus-Nachfolge, die Gemeinde als bruderschaftliche Gemeinschaft, Eidesverweigerung, Gewaltverzicht, das Abendmahl als Gedächtnismahl und die Trennung von Staat und Kirche. Verfolgung und Migration erschwerten ein gemeinsames Gemeindenetzwerk; eine übergeordnete Kirchenhierarchie lehnten die Täufer grundsätzlich ab.

Die Schweizer Brüder gingen aus der ersten Zürcher Gemeinde hervor und verbreiteten sich in der Schweiz, am Oberrhein, im Kraichgau und in der Kurpfalz. Sie betonten besonders die „Absonderung von der Welt“. 1693 spalteten sich von Schweizer Täufern die Amischen ab.

Die süd- und mitteldeutschen Täufer wirkten in Schwaben, Bayern, Franken, Österreich, Hessen, Thüringen und bis zum Harz. Sie missionierten stark und waren eschatologisch, teilweise spiritualistisch geprägt. Der Marbeck-Kreis bildete eine wichtige Sondergruppe. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die süddeutschen Gemeinden größtenteils ausgelöscht.

In Mähren trennten sich die Täufer 1526 nach Auseinandersetzungen über die Legitimität von Verteidigung in Schwertler und pazifistische Stäbler. Aus den Stäblern entstand 1528 in Austerlitz die erste kommunitäre Täufergemeinde. Daraus gingen die Hutterer hervor. Ihr Gemeindeleben war bis zum Dreißigjährigen Krieg durch Gütergemeinschaft, Gewaltlosigkeit und Absonderung von der Welt gekennzeichnet. Verfolgungen führten sie über die Slowakei, Siebenbürgen und Russland nach Nordamerika, wo sie heute in über 450 Kolonien leben.

Die niederdeutsch-niederländische Bewegung ging vor allem auf Melchior Hofmann zurück. Aus ihr entstanden unter anderem die münsterschen Täufer und die Mennoniten. Das Täuferreich von Münster wich unter Jan Matthys und Jan van Leiden vom pazifistischen Täufertum ab, setzte Gewalt ein und wurde durch katholische und protestantische Fürsten nach einer grausamen Belagerung vernichtet. Die Überlebenden schlossen sich meist anderen Gruppen an oder kehrten in die evangelische Kirche zurück.

Die Mennoniten knüpften nach 1535 bewusst an die gewaltfreien Täufer an. Frühe Kennzeichen waren strikter Pazifismus und Eidesverweigerung. Durch Migration verbreiteten sie sich von den Niederlanden, Norddeutschland und Danzig über die Ukraine, Russland, Nordamerika und Lateinamerika. 2015 wurden für getaufte Mitglieder unterschiedliche Kontinentalzahlen angegeben: Afrika 736.801, Nordamerika 682.559, Asien 430.9793, Mittel- und Südamerika 199.912, Europa 64.610 und Australien 334. Die Darstellung nennt damit zugleich eine Gesamtzahl von etwa 1,6 Millionen Täufern für 2009; die Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Jahre und Zählweisen.

Nach Angaben der Mennonitischen Weltkonferenz gab es 2009 weltweit etwa 1,6 Millionen Täufer. Heute gibt es knapp 300.000 Amische, etwa 60.000 bis 80.000 Mennoniten alter Ordnung und 40.000 bis 50.000 Hutterer. Etwa 300.000 Russlandmennoniten leben in Nord-, Mittel- und Südamerika. Europa stellt nur etwa vier Prozent der weltweiten täuferischen Gemeinschaft. Insgesamt halten etwa 700.000 traditionelle Täufer an deutschen Dialekten wie Pennsylvania-Deutsch, Plautdietsch, Hutterer-Deutsch, Berndeutsch und niederalemannischem Elsässisch fest; für Bibel und Gottesdienst verwenden sie Hochdeutsch. Ihre Zahl wächst relativ schnell, da sehr große Familien häufig sind.

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