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Tanach
Mehrere Ströme (Texttypen) fließen parallel darin, mischen sich manchmal und trennen sich wieder. → Hauptartikel: Schriftrollen vom Toten Meer …
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Grundidee, Bedeutung und Gebrauch
Der Tanach oder Tenach ist die Hebräische Bibel, also die Sammlung heiliger Schriften des Judentums. Der Name TNK ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben seiner drei Hauptteile: Tora („Weisung, Lehre, Gesetz“), Neviʾim („Propheten“) und Ketuvim („Schriften“). Der Tanach umfasst 24 überwiegend hebräische Bücher; zwei davon enthalten längere aramäische Passagen. Eine ältere synonyme Bezeichnung ist Mikraʾ („Vorlesen, Rezitation des heiligen Textes“).
Im jüdischen Gottesdienst wird die Tora am Schabbat fortlaufend in Wochenabschnitten, den Paraschen, gelesen, sodass sie innerhalb eines Jahres vollständig vorgetragen wird. Zu jeder Parascha gehört eine kürzere Lesung aus den Propheten, die Haftara. Aus den Ketuvim werden besonders die Psalmen sowie die fünf Festrollen verwendet: Schir haSchirim an Pessach, Rut an Schawuot, ʾEcha am 9. Av, Kohelet an Sukkot und ʾEster an Purim.
Liturgisch geeignete Handschriften heißen Kitve haKodesch („Schriften des Heiligtums“). Nach Mischna Jadajim 4,5 müssen sie auf Hebräisch oder Aramäisch, in Quadratschrift, mit Tinte und auf einer Leder- oder Pergamentrolle geschrieben sein. Das Christentum übernahm alle Bücher des Tanach, ordnete sie jedoch anders an und kanonisierte sie als Altes Testament.
Die drei Hauptteile
Die Reihenfolge Tora, Neviʾim und Ketuvim entspricht ihrer schrittweisen Kanonisierung. Die Tora besitzt dabei überragende Bedeutung. Sie umfasst Bereschit, Schemot, Wajikra, Bemidbar und Devarim und wird auch Pentateuch („Fünfbuch“) oder Chumasch genannt. Ihr Schluss in Dtn 34,10–12 stellt die Mosetora als unvergleichliche, unüberbietbare und dauerhaft gültige Offenbarung und Lebensweisung dar. Mose gilt als größer als alle späteren Propheten; die von JHWH bewirkte Befreiung aus Ägypten bildet das Grunddatum der Geschichte Israels.
Neviʾim gliedert sich in Vordere und Hintere Propheten. Die Vorderen Propheten Jehoschuaʿ, Schoftim, Schemuʾel und Melachim erzählen die Geschichte der Reiche Israel und Juda von der Geburt Samuels bis zum Babylonischen Exil. Prophetengestalten erinnern Könige und Volk an den in der Tora offenbarten Gotteswillen. In der historisch-kritischen Forschung werden diese Bücher meist dem Deuteronomistischen Geschichtswerk zugerechnet. Die Hinteren Propheten sind Jeschaʿjahu, Jirmejahu, Jechezkeʾl und Tre ʿaśar, das Zwölfprophetenbuch. Ihre Sprüche deuten Israels Geschichte als Verheißung und richten sich meist an die Allgemeinheit. Mal 3,22–24 schließt den Teil mit dem Rückbezug auf Mose und Elija ab.
Die elf Bücher der Ketuvim umfassen die Dreiergruppe Tehillim, Mischle und ʾIjov; die fünf Megillot Rut, Schir haSchirim, Kohelet, ʾEcha und ʾEster; außerdem Danijʾel, ʿEzraʾ mit Nechemja und Divre haJamim. Die Anordnung blieb lange variabel. Divre haJamim kann mit dem Kyros-Edikt um 539 v. Chr. und der Erlaubnis zum Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels einen programmatischen Abschluss bilden; im Codex von Aleppo und im Codex Leningradensis steht es jedoch am Anfang der Ketuvim.
Entstehung von Kanon und Text
Die Kanonisierung dauerte Jahrhunderte. Nach dem Exil war zunächst die Tora gemeinsame Heilige Schrift von Juden und Samaritanern. Danach wurden die Neviʾim und zuletzt die Ketuvim abgeschlossen. Danijʾel, ʿEzraʾ und Divre haJamim passen inhaltlich teilweise zu den Propheten, wurden aber den Ketuvim zugeordnet, weil der Umfang der Neviʾim bereits feststand. Samaritaner und Sadduzäer erkannten die beiden jüngeren Hauptteile nicht als kanonisch an. Das jüngste Buch ist Danijʾel, dessen Endredaktion auf etwa 167/165 v. Chr. datiert wird.
Der griechische Prolog zu Jesus Sirach bezeugt um 130 v. Chr. erstmals die Dreiteilung in Gesetz, Propheten und „andere Bücher“, wobei der dritte Teil noch nicht fest umrissen war. Flavius Josephus nannte um 93 n. Chr. 22 vertrauenswürdige Bücher. Das 4. Buch Esra unterschied Ende des 1. Jahrhunderts 24 allgemein zugängliche heilige Bücher von 70 Schriften für die Weisen. Die früheste jüdische Liste, welche die 24 Bücher namentlich nennt, steht im Babylonischen Talmud; ihre Datierung ist umstritten. Auch über den Abschluss der Ketuvim besteht kein Konsens: Marc Zvi Brettler setzt ihn vor Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. an, Timothy H. Lim erst im 2./3. Jahrhundert.
Die historisch-kritische Forschung erklärt die Entstehung des Pentateuch mit verschiedenen Modellen: Nach der Fortschreibungshypothese wurde eine Grundschrift erweitert; nach der Quellenhypothese wurden mehrere teilweise parallel erzählende Quellenschriften verbunden; nach der Fragmentenhypothese fügte eine Redaktion zunächst selbstständige Überlieferungen zu einer Gesamterzählung zusammen. Auch Neviʾim und Ketuvim enthalten nach dieser Forschung ältere Einzelquellen und spätere redaktionelle Verbindungen. Jüdische Forscher bewerteten diese Modelle unterschiedlich: Benno Jacob lehnte die Quellenhypothese ab, Martin Buber verstand die Tora als einheitliches Werk, ohne Mose als Verfasser anzunehmen, und Yehezkel Kaufmann akzeptierte grundsätzlich Quellen, datierte aber den israelitischen Monotheismus und wesentliche Texte deutlich früher.
Überlieferung und Sicherung
Die Textgeschichte lässt sich in drei Phasen gliedern. Vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis 70 n. Chr. gewann der am Jerusalemer Heiligtum gepflegte protomasoretische Text gegenüber anderen Texttypen an Ansehen, seine Rechtschreibung war aber noch nicht vereinheitlicht. Von 70 bis zum 7. Jahrhundert wurde er im Judentum zum autoritativen Konsonantentext. Ab dem 8. Jahrhundert legten die Masoreten Aussprache und Vortrag durch Vokalzeichen, Akzente und weitere Hilfen fest; so entstand der Masoretische Text.
Die ältesten erhaltenen Bibeltexte sind Segensworte auf den Silberrollen von Ketef Hinnom, deren Datierung zwischen dem 7./6. Jahrhundert v. Chr. und späterer persischer oder hellenistischer Zeit umstritten ist. Die Schriftrollen vom Toten Meer enthalten zusammenhängende Texte aus allen später kanonischen Büchern außer Ester sowie weitere damals geschätzte Schriften. Die 7,34 m lange Große Jesajarolle überliefert alle 66 Kapitel und enthält auch interpretierende Varianten. Die Kleine Jesajarolle stimmt dagegen fast vollständig mit rund 1100 Jahre jüngeren masoretischen Handschriften überein.
In der Antike bestanden mehrere Texttypen nebeneinander, darunter der protomasoretische, ein präsamaritanischer und Vorlagen der griechischen Septuaginta. Einzelne Bücher waren offenbar in mehreren Fassungen oder „Auflagen“ im Umlauf. Nach der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. und dem Bar-Kochba-Aufstand 132/35 konzentrierten sich jüdische Gelehrte auf den Text des Jerusalemer Heiligtums. Die Tora blieb dennoch in drei bis heute nachweisbaren Texttypen erhalten: Masoretischer Text, Samaritanus und Septuaginta.
Die Masoreten gliederten den Text in Lese- und Sinnabschnitte und ergänzten Vokale, Akzente, Satzzeichen und Versmarkierungen. Von mehreren Systemen setzte sich die tiberische Vokalisation durch. Randbemerkungen, die Masora parva und Masora magna, dokumentierten seltene Schreibweisen und Wortvorkommen und ermöglichten Qualitätskontrolle. Der Sofer schrieb meist die Konsonanten, der Nakdan punktierte, und der Masran ergänzte die Masora und korrigierte. Dadurch stimmen mittelalterliche Handschriften im Wortlaut fast vollständig überein, obwohl Varianten bestehen blieben.
Der Codex Cairensis von 895 ist der älteste erhaltene hebräische Bibelcodex und enthält die Propheten. Der qualitativ besonders bedeutende Codex von Aleppo verlor 1947 große Teile. Deshalb ist der 1008 in Alt-Kairo kopierte Codex Leningradensis der älteste vollständige Textzeuge des Tanach.
Handschriften, Drucke und moderne Ausgaben
Im Mittelalter bestanden mehrere Buchtypen nebeneinander. Masoretische Bibeln boten den Tanach ohne Übersetzungen oder Kommentare. Ein Chumasch verband die nach Wochenlesungen gegliederte Tora mit Haftarot und manchmal Megillot. Studienbibeln stellten Bibeltext und klassische Kommentare gemeinsam auf eine Seite. Sefardische, aschkenasische und italienische Handschriften unterschieden sich in Gestaltung, Schreibung und Buchfolge. Die Reihenfolge von Neviʾim und Ketuvim blieb bis zum Buchdruck variabel.
Die Familie Soncino druckte 1488 erstmals den gesamten Tanach. Ihr Nachdruck von Brescia 1494 wurde bei christlichen Gelehrten zum Standard. Besonders einflussreich war die von Daniel Bomberg gedruckte Zweite Rabbinerbibel von 1524/25, deren Text Jacob Ben Chajim Ibn Adonijah bearbeitete. Sie kombinierte hebräischen Text, Targum, Masora und Kommentare und blieb bis ins 20. Jahrhundert maßgeblich; unter anderem beeinflusste sie die Zürcher Bibel von 1531 und die Lutherbibel von 1534. Der Druck vereinheitlichte die Überlieferung, verdrängte aber regionale, besonders aschkenasische Text- und Masoratraditionen.
Weit verbreitete neuere Ausgaben waren die Letteris-Bibel von 1852 beziehungsweise 1866 und die wissenschaftlich kritisierte Snaith-Bibel. Der Koren-Tanach von 1962 entwickelte sich in Israel zum Standard und ordnet den Text stärker nach traditionellen Sinnabschnitten als nach der christlich geprägten Kapitel- und Verseinteilung. Mordechai Breuer rekonstruierte verlorene Teile des Codex von Aleppo; seine letzte Fassung erschien 2000 als Keter Yerushalayim. Der JPS Tanakh verwendet den Codex Leningradensis in der Textfassung der Biblia Hebraica Stuttgartensia, korrigiert Schreibfehler und führt eine moderne Gliederung ein.
Wissenschaftliche diplomatische Editionen geben eine konkrete Handschrift möglichst genau wieder. Die Biblia Hebraica Stuttgartensia, erschienen 1967–1977, folgt dem Codex Leningradensis weitgehend, bietet aber eine normalisierte Masora. Die seit 2004 erscheinende Biblia Hebraica Quinta ist urkundengetreuer und wertet auch die Schriftrollen vom Toten Meer umfassend aus. Aron Dotans Biblia Hebraica Leningradensia von 2001 ist eine streng diplomatische Edition. Das Hebrew University Bible Project ediert den Codex von Aleppo mit umfangreichem Variantenapparat. Einen anderen Weg verfolgt das Oxford Hebrew Bible Project: Es will als eklektische Edition die älteste erreichbare Textgestalt jedes Buches rekonstruieren und gegebenenfalls mehrere antike Fassungen nebeneinanderstellen.
Auslegung, Übersetzung und Christentum
Die rabbinische Hermeneutik, also Lehre von der Auslegung, behandelt den festgelegten Konsonantentext als vollkommenen Text. Sie beginnt beim einfachen Sinn, erlaubt aber mehrere Bedeutungen, etwa durch neue Vokalisierung, andere Wortgrenzen oder Gematrie, das Lesen von Buchstaben als Zahlen. Tradition und das Nebeneinander verschiedener namentlich zugeordneter Auslegungen begrenzen diese Vielfalt. Im Mittelalter entstand eine Spannung zwischen Peschat, dem schlichten Wortsinn, und Derasch, der überlieferten erbaulichen Deutung. Raschi verband beide Ansätze; Abraham ibn Esra betonte Grammatik und Wortsinn, Maimonides die philosophisch-allegorische Auslegung.
Seit dem 19. Jahrhundert wurde historische Bibelkritik auch im Judentum diskutiert. Vertreter der Haskala beschäftigten sich zunächst vorsichtig damit; Reformgelehrte waren teilweise offener, während orthodoxe Gelehrte wie David Hoffmann besonders die Einheit des Pentateuch verteidigten. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist jüdische Bibelwissenschaft vor allem in den Vereinigten Staaten und Israel fest an Universitäten verankert.
Zu den wichtigen jüdischen deutschen Übersetzungen gehören Moses Mendelssohns Biʾur, begonnen 1770 und in den 1830er Jahren vollendet, die von Leopold Zunz 1838 herausgegebenen Vier und zwanzig Bücher der heiligen Schrift, Ludwig Philippsons illustrierte Übersetzung von 1839–1854, die Verdeutschung Martin Bubers und Franz Rosenzweigs von 1925–1961 mit ihrem „Leitwortstil“ sowie Naftali Herz Tur-Sinais Fassungen von 1935/37 und 1954.
Das frühe Christentum zitierte die jüdischen Schriften meist nach der griechischen Septuaginta. Hieronymus erklärte dagegen den hebräischen Text zur maßgeblichen Grundlage und übersetzte ihn ins Lateinische, während Augustinus die Septuaginta verteidigte. In Mittelalter und Früher Neuzeit lernten zunehmend christliche Gelehrte Hebräisch; Rabbinerbibeln, jüdische Kommentare und später der Samaritanische Pentateuch wurden für Vergleiche genutzt.
Im christlichen Kanon stehen dieselben Bücher in anderer Anordnung als Altes Testament. Christen lasen die Tora stärker als Geschichte Israels und deuteten prophetische und poetische Texte häufig auf Jesus Christus. Die Bezeichnung „Altes Testament“ wurde oft im Sinne einer Ablösung Israels durch die Kirche missverstanden. Um diese Substitutionstheologie und den christlichen Antijudaismus zu vermeiden, verwenden manche Christen heute „Erstes Testament“ oder „Hebräische Bibel“ und betonen die gemeinsame Grundlage beider Religionen.
Lernvideos zu Tanach
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Mit starker Hand und ausgestrecktem Arm #torah #bibel #juden #tanach
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