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Was der Glaube trägt – Von Kopftuch, Kippa & Co. | Reportage
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 224 Zeilen
- . * Musik *
- Das Berliner Stadtbild ist bunt. Kopftuch, Kippa, Turban und Ordenskleid
- begegnen uns im Alltag überall. Warum machen manche Leute ihren Glauben so sichtbar?
- Und wie fühlt es sich an, als religiöser Mensch erkennbar zu sein? Wir haben Gläubige aus fünf Religionen gefragt.
- Ich bin Herr Sarwan Singh, ich komme aus Indien. Ich bin seit 7 Jahren in Berlin, in Deutschland.
- Ich mache eine Weiterbildung gerade, in der IT-Branche, als Cloud- und Web-Entwickler.
- Und nebenbei arbeite ich einen Tag in der Gastronomie, in einem indischen Laden.
- * Musik * Sarwan Singh kam als Student nach Berlin.
- Er war auch schon Postzusteller, Lagerhalter und Taxifahrer. * Musik *
- Den Turban trägt er als Sikh immer. Ehrliche Arbeit gehört zu den Grundprinzipien
- dieser Religionsgemeinschaft. Für einen Sikh ist die Arbeit wie ein Gebet.
- So, wie wir in den Tempel gehen und beten, ist die Arbeit auch ein Gebet für uns.
- Deswegen sind wir einfach fleißig. Mit der deutschen Sprache hatte er kein Problem.
- Wenn man in Indien wohnt, kennt man sowieso 5-6 Sprachen. Ich habe ein großes Interesse, Deutsch zu lernen.
- Ich habe es schnell gelernt. Manche Leute brauchen mehr Zeit,
- aber als Inder eine Sprache zu lernen, insbesondere die deutsche Sprache, das ist keine große Sache.
- Das ist sozusagen Pillepalle. * orientalische Musik *
- * ruhige Musik * Mein Name ist Schwester Hannelore.
- Ich gehöre der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen an und lebe mit zwei Mitschwestern hier in Berlin
- seit mittlerweile 33 Jahren. Mitten in Pankow arbeiten und beten die Schwestern gemeinsam.
- Schwester Juvenalis ist seit über 60 Jahren Nonne. Ich habe das Album mal mitgebracht.
- So sah ich aus, als ich 25 Jahre alt war. Das bist du? - Ja.
- Und das bin ich auch. Und fromm bin ich da. Na, ich bin ja immer noch so.
- Und der alte Schleier, wo man ja sozusagen ... ... nicht rechts, nicht links gucken konnte.
- Und keinen Führerschein machen konnte. Denn sie konnten ja nicht, ... wie nennt man den Blick?
- Schulterblick. - Das ging ja nicht. Ich weiß noch, als ich gekleidet wurde:
- Das war ja alles steif gestärkt. Bei jedem Schritt in der ersten Nachtwache:
- Ich hatte immer das Gefühl, es kommt jemand hinter mir her. Es machte: "tsch, tsch, tsch", weil das so gestärkt war.
- In den letzten 30 Jahren hat sich die Ordenskleidung stark verändert. Das ist also das jetzige Ordenskleid.
- Es ist also jetzt einfach ein normales Kleid, ... ... das es auch in legerem Grau und als Arbeitskleid in Weiß gibt.
- Früher war der Kragen ja wirklich so groß. Jetzt ist es ein Stück Stoff.
- Das ist das Zeichen unserer Ordensgemeinschaft, daneben die rote Schleife
- als Solidaritätszeichen für Menschen mit einer HIV-Infektion bzw. einer Aids-Erkrankung.
- Der Schleier hat sich auch deutlich verändert von dem früheren geschlossenen Schleier,
- wo auch die Stirn verdeckt war, zu diesem Halbschleier. Die Frauen, die im 19. Jahrhundert in Westfalen verheiratet waren,
- da war klar: Die gehen nicht aus dem Haus ohne Kopfbedeckung. Sie hatten dann so eine Art Schlapphut,
- quasi so eine Haube rund um den Kopf mit etwas hervorstehenden Stoffbahnen.
- Daher kommt der Ausdruck "unter die Haube kommen". Ja, und dieser Schleier
- ist sozusagen das Pendant auf Ordensebene. * ruhige Musik *
- Dovid Gernetz legt den Gebetsschal an. Dass er ihn dabei kurz über den Kopf zieht, soll so sein.
- Er schirmt sich damit von der Welt ab, um sich besser auf das Gebet vorbereiten zu können.
- Mein Name ist Dovid Gernetz, ich bin 28 Jahre alt. Ich bin hier in der Kahal Adass Jisroel
- Assistenzrabbiner und parallel Dozent am Rabbinerseminar zu Berlin. Ich bin schon seit 15 Jahren in Berlin.
- Beim Gebet stehen wir vor Gott, deswegen ist es besonders wichtig, repräsentabel gekleidet zu sein.
- Wir kommen generell gut angezogen zum Gebet in die Synagoge, aber das ist eine weitere, schönere Form, vor Gott zu stehen.
- In der Synagoge Beth Zion in Berlin-Mitte sitzen die Frauen oben auf der Empore
- und die Männer unten. Die Gemeinde Kahal Adass Jisroel ist orthodox
- und lebt das Judentum sehr traditionell. Der gebürtige Ukrainer ist hier der Assistenzrabbiner.
- Er zeigt uns den heiligsten Gegenstand in der Synagoge: Die Torarolle.
- Das ist, was wir von Gott erhalten haben, wo alles drinsteht, unsere Geschichte und alle Ge- und Verbote.
- Wir behandeln diesen Gegenstand mit dem allergrößten Respekt, er wird nur herausgeholt für das Gebet und besondere Anlässe.
- Er wird auch großzügig verziert mit Silberschmuck. Es ist der heiligste Gegenstand im Judentum.
- Eine Torarolle wird auch nicht weggeschmissen, wenn sie veraltet ist, man sie nicht mehr benutzen kann,
- sie wird begraben. Sie wird wirklich auf einem jüdischen Friedhof begraben.
- Die Torarolle ist so ein wichtiger Gegenstand wie ein Mensch für uns.
- Teltow, südlich von Berlin. Hier hat die Berliner Sikh-Gemeinde ihren Tempel.
- Die Religionsgemeinschaft aus Nordwestindien ist naturverbunden und legt Wert auf Nachhaltigkeit, der Ort im Grünen passt darum gut.
- Sikhs sind sehr naturlieb. Die Luft ist unser Lehrer.
- Das Wasser ist unser Vater. Und die ganze Erde ist unsere Mutter,
- die uns alle Nahrung zum Leben gibt. Bevor es in den Tempel, den Gurdwara, geht,
- müssen die Füße gewaschen werden. Füße nackt, der Kopf immer bedeckt: So wird der Tempel betreten.
- Bei den Sikhs ist Gott gestaltlos und geschlechtslos. Angebetet wird eine Heilige Schrift,
- die als "lebendiges Buch" verehrt wird. Diese Skripte werden hier aufbewahrt und mit einem Tuch bedeckt.
- Sie enthalten die Lehren der 10 Gurus der Sikhs. * Gebetsgesang *
- Ausgeteilt wird Parshad, eine heilige Süßspeise, die aus Milch, Mehl, Zucker, Butterschmalz und Wasser besteht.
- Alle bekommen etwas davon, denn im Sikhismus gelten alle Menschen gleich viel.
- In jedem Sikh-Tempel gibt es kostenlose vegetarische Speisen, Langar genannt.
- Langar bezeichnet eine freie Küche für alle. Es gibt keinen Rassismus.
- Es wird nie gefragt: Woher kommst du? Welche Religion hast du? Welche Hautfarbe hast du?
- Du kannst einfach kommen, dich setzen, das Essen wird serviert.
- Hier sind die Männer unter sich. Oder täuscht der Eindruck? Er sagt, da sitzen nur Männer.
- Und hier sitzen wir zusammen. Das hat er nicht verstanden.
- Es gibt keine feste Vorgabe. Wir können zusammen oder getrennt sitzen.
- 500 Mitglieder hat die Berliner Sikh-Gemeinde. Als Besucher kommen bis zu 2000 Menschen in einer Woche her.
- Tempel und Küche sind täglich geöffnet. * ruhige Musik *
- Ich heiße Iman Andrea Reimann, ich bin Muslimin. Und ich trage Kopftuch, weil im Koran steht,
- dass ich als Muslimin erkennbar sein soll. Soll ich türkisch vorlesen? - Ja.
- Ja? * liest vor auf Türkisch * Kannst du das verstehen? Echt?
- Das ist ja klasse, dass du Türkisch lesen kannst. Ich kann das gar nicht.
- * Singen * Andrea Reimann wuchs in Brandenburg auf.
- Später wählte sie den zusätzlichen Vornamen Iman. Religion war für mich, bzw. Gott war für mich immer da.
- Ich wuchs damit auf, in einer evangelischen Familie, mein Großvater war Pfarrer.
- Damit stellte sich gar nicht die Frage: Gibt es einen Gott oder nicht? Er war halt da.
- Ich war Anfang 20, ich suchte nicht wirklich, dachte nicht, ich brauche mal etwas anderes als Christentum,
- das hat sich entwickelt, und zwar dergestalt, dass ich dann auch mit muslimischen Menschen
- zusammenarbeitete, dann haben wir uns unterhalten. Das war sozusagen der Türöffner für meine islamische Lebensweise.
- Im Kindergarten zieht sich Iman Andrea Reimann in den Pausen zum Gebet zurück.
- Ich betete anfangs ohne Kopftuch, weil mir nicht klar war, dass man sich dafür bedecken soll.
- Ich las dann in der Übersetzung des Korans: "Bedeckt euch, damit ihr erkannt werdet."
- Und das war für mich so einleuchtend! * ruhige Musik *
- Die Gebete sind immer ein Innehalten für mich. Das gibt mir irgendwie eine gute Struktur am Tag,
- nach der ich mich ausrichten kann. Berlin-Neukölln:
- Der Bau des Hindu-Tempels in der Hasenheide geht voran. Die Gemeinde ist besonders stolz auf die neue Tür.
- Sie wiegt mehrere Tonnen, ist handgeschnitzt aus Teak und extra in Indien hergestellt.
- Das Holz gibt es nicht hier, und auch die Arbeiter nicht. Das müssen fähige Handwerker sein, die gibt es dafür nur in Indien.
- Mein Name ist Vilwanathan Krishnamurthy, ich bin 73 Jahre alt, ich bin seit 51 Jahren in Berlin.
- Der Bau des spendenfinanzierten Tempels zieht sich hin, Grundsteinlegung war schon 2007.
- Aber auch in diesem Jahr konnte der Neubau nicht eingeweiht werden: Der Boden aus Granit fehlt noch.
- So feiert die Gemeinde weiter in einer alten Turnhalle ihre Gottesdienste.
- Vilwanathan Krishnamurthy legt ein spezielles Gewand an. Weiß ist gedacht für Reinheit, es symbolisiert Reinheit.
- Also: Ich bin innerlich und äußerlich rein. Wenn wir den Tempel besuchen: Das Gewand nennt man Dhoti.
- Die Männer tragen einen Dhoti, Frauen tragen einen Sari. Die umgebaute Turnhalle hat bald als provisorischer Tempel ausgedient.
- Hier trifft Vilwanathan Krishnamurthy einen Freund aus dem Tempel-Vorstand.
- Das Zeichen auf der Stirn heißt Tilaka, dieses "dritte Auge" dient dem Schutz vor Dämonen.
- Ich habe gerade zuhause gebetet. Dann mache ich einen Punkt drauf.
- Ohne Punkt können wir nicht zu Gott beten. Tilakas werden als Streifen oder Punkte getragen,
- sind oft aus Sandelholz-Pulver und gelten als Segenszeichen. Ein Prieser aus Mumbai ist zu Gast und inspiziert den Tempel-Neubau.
- Im Hinduismus gibt es kein einheitliches Glaubensbekenntnis, keine zentrale Autorität, es herrscht Vielfalt.
- So bunt wie der Tempel ist auch die Kleidung. Normalerweise tragen wir diese Kleidung nicht draußen,
- nur für den Tempel-Besuch, es ist eine Art heilige Kleidung. Wir tragen sie nur zum Gebet, sonst nicht.
- Sie kann gelb oder rot sein, die Farbe spielt keine Rolle. Wir sind als Franziskanerinnen nach Berlin gekommen,
- um uns für Menschen mit HIV und Aids zu engagieren. Das heißt, wir begleiten sie in der letzten Lebensphase.
- Über 550 Menschen begleiteten die Ordensschwestern schon beim Sterben, niemand ist vergessen:
- Jeder Zettel an diesem Vorhang trägt den Namen eines Verstorbenen. Das Schlüsselerlebnis,
- was sowohl Schwester Juvenalis als auch mich sehr bewegt hat, war, dass der erste Aids-Kranke,
- der zu Schwester Juvenalis auf die Station kam, sehr deutlich geäußert hat,
- wie viel Angst er hat, wie diese "Nonnen" mit ihm umgehen,
- wenn herauskommt, er ist schwul und er ist aidskrank. Wir haben dann gesagt: Als Krankenschwestern
- und als Franziskanerinnen kann uns das nicht egal sein. Und ich gehe davon aus, dass der Gott, an den ich glaube,
- jeden Menschen liebt, so wie er ist. In unserer Arbeit
- sind wir Ordensschwerstern in der Regel in Zivil. Das hat einfach den Grund,
- dass eine Reihe der Menschen, die wir begleiten, durch Äußerungen gerade von offizieller Kirche aus den 1980ern,
- Stichwort "Aids ist eine Strafe Gottes", mit Kirche nicht gerade die besten Erfahrungen machten.
- Und wenn ich dort in Ordenskleidung auftauche, kann ich bei manchen Menschen sehen,
- wie innerlich die Jalousie runtergeht. Ich habe die Ordenskleidung ja nie in dem Sinne "abgelegt",
- aber es gibt eben gute Gründe zu gucken: Wann ziehe ich sie an?
- Dovid Gernetz ist Dozent im Rabbinerseminar der Gemeinde Kahal Adass Jisroel.
- An jeder Tür hängt eine Mesusa, ein Minitorarolle. Aktuell sind Semesterferien, ansonsten sitzen hier 10 Schüler.
- An seinem Alltagsoutfit sind die "Schaufäden" zu sehen. Sie sind Teil eines speziellen Unterhemdes.
- Dovid Gernetz trägt es fast immer, außer nachts und beim Sport. Der Name sagt es schon, "Schaufäden": Man schaut sie an
- und erinnert sich an die Ge- und Verbote. So steht es auch in der Tora: Man soll die Fäden anschauen,
- sich dadurch erinnern an die Gebote Gottes. Die moderne Technologie hat so Clips,
- wodurch die Kippa auf dem Kopf bleibt, nicht herunterfällt oder im Wind wegfliegt.
- Die Kippa erinnert mich und alle Juden, die sie tragen, an die konstante Präsenz Gottes: Er ist mit uns über uns.
- Symbolisch gesehen, ist Gott im Himmel, deswegen ist die Kippa eine konstante Erinnerung:
- Jemand ist über dir, jemand ist mit dir, du bist nie allein.
- Vor zwei Jahren gab es einen Brandanschlag auf das Gemeindezentrum, seitdem ist es speziell gesichert.
- Anfeindungen gehören für Dovid Gernetz zum Alltag. Trotzdem trägt er seine religiösen Symbole
- auch auf der Straße, aber nicht in allen Bezirken. Wir würden sie dann einstecken, einfach so in die Tasche,
- und eine Basecap über der Kippa tragen. Es macht mich schon traurig:
- Die Welt ist so fortgeschritten, alles ist emanzipiert,
- trotzdem müssen wir hier in Berlin 2025 unsere jüdische Identität verstecken, das ist sehr schade.
- * ruhige Musik * * orientalische Musik *
- In der Sikh-Religion haben wir "5K": Kesh heißt Haare,
- Kangha heißt der Holzkamm. Dann haben wir so einen kleinen Dolch,
- der heißt Kirpan. Dann haben wir eine Unterhose, eine besondere, die heißt Kachera.
- Außerdem einen Armreif, der Kara heißt. Die Haare, Kesh, dürfen in dieser Religion
- nicht geschnitten werden, sie gelten als Geschenk Gottes. * Musik *
- So, fertig. Der Turban ist ein Zeichen, dass alle gleich sind,
- ein Gleichheitszeichen: ein Kaiser trägt einen Turban, das normale Volk auch.
- Sonntagmorgen im Sikh-Tempel Teltow. * Unterricht auf Panjabi *
- Am Sonntag gibt es Schulzeiten. Die kleinen Kinder, die die indische Sprache nicht kennen,
- können sie hier lernen. Unsere Sprache heißt Panjabi, das ist unsere Muttersprache,
- und das ist auch die Sprache unserer Religion. * Unterricht *
- Auch die Kleinsten bedecken schon ihr Haar, Jungen wie Mädchen.
- Die Männer tragen einen sogenannten Dastar. Und was die Frauen tragen, das heißt Dumalla.
- Das hat eine runde Form. Wir haben ein Dreieck, sie tragen eine runde Form.
- * Musik * "Tar" in den alten Schriften heißt "Meter", also 1-2 Meter z.B.
- "Tar" heißt "Meter, und "Das" heißt "Zehn". Also: Es sind zehn Meter.
- Im Alter von 12-16 Jahren wird den Jungen in einer feierlichen Zeremonie der erste Turban überreicht.
- Wie man den Stoff richtig bindet, muss ein junger Sikh erst lernen. * Musik *
- Ich wurde teilweise auf dem Dorf groß, bei meinen Großeltern. Und das war natürlich für meine Familie nicht so einfach:
- Das Kopftuch war wirklich eine schwierige Geschichte, weil sie ja dann mit mir gesehen werden,
- und das hat ihnen einiges abverlangt. Da bin ich auch sehr dankbar, dass sie das mit mir durchgegangen sind.
- Man fällt immer auf, man ist immer ein Hingucker. Die Kita-Kinder kennen sie nur mit Kopftuch.
- Ob die Mädchen später eines tragen, sollen sie selbst bestimmen. Ich mache das aus mir selbst heraus,
- weil ich das für mich richtig finde, dass ich in Deutschland die Freiheit habe, mich zu entscheiden:
- Trage ich das Kopftuch oder nicht? Das ist ja ein hohes Gut, dass ich in Deutschland ...
- ... mich im Grunde bekleiden kann, wie ich möchte. Es muss ja aus einem selbst herauskommen,
- weil das, was damit verbunden ist, ein Kopftuch zu tragen, das ist nicht immer einfach!
- Zur eigenen Religion stehen und zugleich andere Religionen achten: Das wollen sie und ihre Kolleginnen den Kindern beibringen.
- Deshalb kooperiert die Kita mit jüdischen und christlichen Einrichtungen.
- Interreligiöse Arbeit finde ich wichtig, weil es den Kindern zeigt: Ich bin nicht alleine mit dem, was ich als gottgläubiges Kind habe,
- was mich ausmacht, da gibt es auch andere. Ich hoffe einfach, dass es sie stärkt für die Zukunft.
- * Musik * Raus aus der Anonymität, rein in die Ordenskleidung.
- Jetzt fallen die zwei Schwestern auf Berlins Straßen auf. Die gucken schon verstohlen oder ganz offen hin.
- Oder sie sagen so ganz betont: "Guten Tag, Schwester." Wenn wir Patienten begleiten:
- Manchmal ist es für die Patienten von Vorteil, wenn wir in Ordenskleidung sind.
- Ich sage es mal etwas provokant: Der Ton im Sozialamt ändert sich möglicherweise,
- wenn ich in Ordenskleidung daneben stehe. Aber ansonsten: Für die Patienten, wenn sie uns kennengelernt haben,
- dann ist es sozusagen kaum noch ein Unterschied. * Musik *
- Schwester Hannelore und Schwester Juvenalis sind im Park mit einem langjährigen Freund verabredet.
- Vor fast 30 Jahren begleiteten sie Marc Mattulat und seinen Mann Paul. Beide HIV-infiziert.
- Paul starb schließlich an Aids. * Musik *
- Über ihre erste Begegnung können sie heute lachen. Zwei schwule Männer, der eine HIV-Träger, der andere aidskrank,
- und ... * die Schwestern lachen *
- ... Nonnen: Das geht doch nicht! Und dann schwebten die beiden ehrwürdigen Schwestern
- die Treppe hoch, nicht so schön schwarz und feierlich wie heute,
- sondern im grauen Ordenskleid. Das war sozusagen schon die weichgespülte Version.
- Nicht ganz so offiziell. - Genau, und nicht so streng. Das machte schon Eindruck.
- Sein Mann Paul war katholisch. Und dann sagt er:
- "Du weißt ja, ich wollte aus der Kirche austreten." Er sprach immer so langsam.
- Ich fragte: "wollte"? "Ja, ich habe gedacht, ...
- ... wenn es Menschen in dieser Kirche gibt wie euch, muss ich nicht mehr austreten."
- * sie atmet tief aus * Da dachte ich: "Dann sind wir ja auf dem richtigen Dampfer."
- Die Baustelle in der Hasenheide. Das hinduistische Lichterfest Diwali
- muss wieder in der alten Turnhalle gefeiert werden. Zum Fest kommen die Gäste von nah und fern.
- Diwali ist ähnlich wie Weihnachten, das Lichterfest, das größte Fest im Hinduismus.
- Das ist das Fest, das gefeiert wird als Sieg des Lichts über die Dunkelheit
- oder des Guten über das Böse. Ich bin Anvita, das ist mein Mann Rohit.
- Wir sind in Berlin wohnhaft seit 23 Jahren. Ich bin Dozentin von Beruf, mein Mann arbeitet als Ingenieur.
- Arohi hat ihr Abitur gemacht und Ira ist in der 9. Klasse. * Musik *
- Zum Lichterfest trägt Familie Prabhu festliche und farbenfrohe Kleidung. Man zieht sich bunt an, Schwarz und Weiß sind verboten.
- Diese Farbenpracht bringt auch Freude. Anvita Prabhu trägt den Sari, ein traditionell ungenähtes Kleid.
- Es ist ein langer Stoff, ungefähr fünf Meter lang. Das Tragen ist nicht immer einfach,
- man muss es hier falten, es richtig tragen. Mittlerweile werden sie auch genäht, d.h. man zieht es wie ein Kleid an.
- Das ist viel einfacher. Auch die Jugend bevorzugt praktischere Festkleidung.
- Bei Festen trage ich eher Kurtas, eher etwas Bequemeres.
- Ich fühle mich immer sehr schön, es ist sehr elegant. Ich fühle mich selbstbewusst, wenn ich das trage.
- Und es macht mich froh. In der Öffentlichkeit tragen sie traditionelle Kleidung eher nicht:
- Manchmal bekam ich dann Blicke in der U-Bahn usw. Im Auto würde ich es tragen,
- aber nach dem Aussteigen würde ich sofort ins Haus oder in den Saal gehen, wo die Veranstaltung stattfindet.
- Wenn man mich anstarrt, weil ich anders gekleidet bin: Das ist manchmal nicht so schön.
- Das ist keine Alltags-Bürokleidung. Auch in Indien trägt man heutzutage Shirts und Hosen.
- Aber ich trage das gerne. Meine Kollegen freuen sich auch, etwas Neues, anderes zu sehen.
- Und mir macht das überhaupt nichts aus. Ich kann die Blicke ertragen. (lacht)
- Wir sind etwas anders. (lacht) Der Hinduismus ist vielfältig, es gibt mehrere Millionen Gottheiten,
- und die Familien haben ein sehr persönliches Verhältnis zu den Göttern.
- Im Hinduismus ist Gott wie einer von uns. Er schläft, er isst, er ist wie ein Familienmitglied.
- Man behandelt die Götter so wie einen Gast oder wie ein Familienmitglied, das verwöhnt wird.
- Ob Diwali, Chanukka, Lucia, Advent: Lichterfeste gibt es in fast allen Religionen.
- Und überall dieselbe Hoffnung: Dass das Licht über die Dunkelheit siegt,
- und dass der Glaube trägt. Ganz gleich, was man trägt.
- Untertitelung: rbb 2025
Zum Nachlesen
Dastar1 Gebrauch im Sikhismus. 1.1 Männer; 1.2 Frauen und Kinder. 2 Material, Form und Farbe; 3 Debatten; 4 Weblinks; 5 Einzelnachweise. Gebrauch im Sikhismus.
SikhismusDie Sikh-Religion (Panjabi ਸਿੱਖੀ sikhī) ist eine im 15. Jahrhundert entstandene monotheistische Religion, die auf den Gründer Guru Nanak Dev zurückgeht.