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Was der Glaube trägt – Von Kopftuch, Kippa & Co. | Reportage

rbb Doku28:02 18.815 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 224 Zeilen
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  1. . * Musik *
  2. Das Berliner Stadtbild ist bunt. Kopftuch, Kippa, Turban und Ordenskleid
  3. begegnen uns im Alltag überall. Warum machen manche Leute ihren Glauben so sichtbar?
  4. Und wie fühlt es sich an, als religiöser Mensch erkennbar zu sein? Wir haben Gläubige aus fünf Religionen gefragt.
  5. Ich bin Herr Sarwan Singh, ich komme aus Indien. Ich bin seit 7 Jahren in Berlin, in Deutschland.
  6. Ich mache eine Weiterbildung gerade, in der IT-Branche, als Cloud- und Web-Entwickler.
  7. Und nebenbei arbeite ich einen Tag in der Gastronomie, in einem indischen Laden.
  8. * Musik * Sarwan Singh kam als Student nach Berlin.
  9. Er war auch schon Postzusteller, Lagerhalter und Taxifahrer. * Musik *
  10. Den Turban trägt er als Sikh immer. Ehrliche Arbeit gehört zu den Grundprinzipien
  11. dieser Religionsgemeinschaft. Für einen Sikh ist die Arbeit wie ein Gebet.
  12. So, wie wir in den Tempel gehen und beten, ist die Arbeit auch ein Gebet für uns.
  13. Deswegen sind wir einfach fleißig. Mit der deutschen Sprache hatte er kein Problem.
  14. Wenn man in Indien wohnt, kennt man sowieso 5-6 Sprachen. Ich habe ein großes Interesse, Deutsch zu lernen.
  15. Ich habe es schnell gelernt. Manche Leute brauchen mehr Zeit,
  16. aber als Inder eine Sprache zu lernen, insbesondere die deutsche Sprache, das ist keine große Sache.
  17. Das ist sozusagen Pillepalle. * orientalische Musik *
  18. * ruhige Musik * Mein Name ist Schwester Hannelore.
  19. Ich gehöre der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen an und lebe mit zwei Mitschwestern hier in Berlin
  20. seit mittlerweile 33 Jahren. Mitten in Pankow arbeiten und beten die Schwestern gemeinsam.
  21. Schwester Juvenalis ist seit über 60 Jahren Nonne. Ich habe das Album mal mitgebracht.
  22. So sah ich aus, als ich 25 Jahre alt war. Das bist du? - Ja.
  23. Und das bin ich auch. Und fromm bin ich da. Na, ich bin ja immer noch so.
  24. Und der alte Schleier, wo man ja sozusagen ... ... nicht rechts, nicht links gucken konnte.
  25. Und keinen Führerschein machen konnte. Denn sie konnten ja nicht, ... wie nennt man den Blick?
  26. Schulterblick. - Das ging ja nicht. Ich weiß noch, als ich gekleidet wurde:
  27. Das war ja alles steif gestärkt. Bei jedem Schritt in der ersten Nachtwache:
  28. Ich hatte immer das Gefühl, es kommt jemand hinter mir her. Es machte: "tsch, tsch, tsch", weil das so gestärkt war.
  29. In den letzten 30 Jahren hat sich die Ordenskleidung stark verändert. Das ist also das jetzige Ordenskleid.
  30. Es ist also jetzt einfach ein normales Kleid, ... ... das es auch in legerem Grau und als Arbeitskleid in Weiß gibt.
  31. Früher war der Kragen ja wirklich so groß. Jetzt ist es ein Stück Stoff.
  32. Das ist das Zeichen unserer Ordensgemeinschaft, daneben die rote Schleife
  33. als Solidaritätszeichen für Menschen mit einer HIV-Infektion bzw. einer Aids-Erkrankung.
  34. Der Schleier hat sich auch deutlich verändert von dem früheren geschlossenen Schleier,
  35. wo auch die Stirn verdeckt war, zu diesem Halbschleier. Die Frauen, die im 19. Jahrhundert in Westfalen verheiratet waren,
  36. da war klar: Die gehen nicht aus dem Haus ohne Kopfbedeckung. Sie hatten dann so eine Art Schlapphut,
  37. quasi so eine Haube rund um den Kopf mit etwas hervorstehenden Stoffbahnen.
  38. Daher kommt der Ausdruck "unter die Haube kommen". Ja, und dieser Schleier
  39. ist sozusagen das Pendant auf Ordensebene. * ruhige Musik *
  40. Dovid Gernetz legt den Gebetsschal an. Dass er ihn dabei kurz über den Kopf zieht, soll so sein.
  41. Er schirmt sich damit von der Welt ab, um sich besser auf das Gebet vorbereiten zu können.
  42. Mein Name ist Dovid Gernetz, ich bin 28 Jahre alt. Ich bin hier in der Kahal Adass Jisroel
  43. Assistenzrabbiner und parallel Dozent am Rabbinerseminar zu Berlin. Ich bin schon seit 15 Jahren in Berlin.
  44. Beim Gebet stehen wir vor Gott, deswegen ist es besonders wichtig, repräsentabel gekleidet zu sein.
  45. Wir kommen generell gut angezogen zum Gebet in die Synagoge, aber das ist eine weitere, schönere Form, vor Gott zu stehen.
  46. In der Synagoge Beth Zion in Berlin-Mitte sitzen die Frauen oben auf der Empore
  47. und die Männer unten. Die Gemeinde Kahal Adass Jisroel ist orthodox
  48. und lebt das Judentum sehr traditionell. Der gebürtige Ukrainer ist hier der Assistenzrabbiner.
  49. Er zeigt uns den heiligsten Gegenstand in der Synagoge: Die Torarolle.
  50. Das ist, was wir von Gott erhalten haben, wo alles drinsteht, unsere Geschichte und alle Ge- und Verbote.
  51. Wir behandeln diesen Gegenstand mit dem allergrößten Respekt, er wird nur herausgeholt für das Gebet und besondere Anlässe.
  52. Er wird auch großzügig verziert mit Silberschmuck. Es ist der heiligste Gegenstand im Judentum.
  53. Eine Torarolle wird auch nicht weggeschmissen, wenn sie veraltet ist, man sie nicht mehr benutzen kann,
  54. sie wird begraben. Sie wird wirklich auf einem jüdischen Friedhof begraben.
  55. Die Torarolle ist so ein wichtiger Gegenstand wie ein Mensch für uns.
  56. Teltow, südlich von Berlin. Hier hat die Berliner Sikh-Gemeinde ihren Tempel.
  57. Die Religionsgemeinschaft aus Nordwestindien ist naturverbunden und legt Wert auf Nachhaltigkeit, der Ort im Grünen passt darum gut.
  58. Sikhs sind sehr naturlieb. Die Luft ist unser Lehrer.
  59. Das Wasser ist unser Vater. Und die ganze Erde ist unsere Mutter,
  60. die uns alle Nahrung zum Leben gibt. Bevor es in den Tempel, den Gurdwara, geht,
  61. müssen die Füße gewaschen werden. Füße nackt, der Kopf immer bedeckt: So wird der Tempel betreten.
  62. Bei den Sikhs ist Gott gestaltlos und geschlechtslos. Angebetet wird eine Heilige Schrift,
  63. die als "lebendiges Buch" verehrt wird. Diese Skripte werden hier aufbewahrt und mit einem Tuch bedeckt.
  64. Sie enthalten die Lehren der 10 Gurus der Sikhs. * Gebetsgesang *
  65. Ausgeteilt wird Parshad, eine heilige Süßspeise, die aus Milch, Mehl, Zucker, Butterschmalz und Wasser besteht.
  66. Alle bekommen etwas davon, denn im Sikhismus gelten alle Menschen gleich viel.
  67. In jedem Sikh-Tempel gibt es kostenlose vegetarische Speisen, Langar genannt.
  68. Langar bezeichnet eine freie Küche für alle. Es gibt keinen Rassismus.
  69. Es wird nie gefragt: Woher kommst du? Welche Religion hast du? Welche Hautfarbe hast du?
  70. Du kannst einfach kommen, dich setzen, das Essen wird serviert.
  71. Hier sind die Männer unter sich. Oder täuscht der Eindruck? Er sagt, da sitzen nur Männer.
  72. Und hier sitzen wir zusammen. Das hat er nicht verstanden.
  73. Es gibt keine feste Vorgabe. Wir können zusammen oder getrennt sitzen.
  74. 500 Mitglieder hat die Berliner Sikh-Gemeinde. Als Besucher kommen bis zu 2000 Menschen in einer Woche her.
  75. Tempel und Küche sind täglich geöffnet. * ruhige Musik *
  76. Ich heiße Iman Andrea Reimann, ich bin Muslimin. Und ich trage Kopftuch, weil im Koran steht,
  77. dass ich als Muslimin erkennbar sein soll. Soll ich türkisch vorlesen? - Ja.
  78. Ja? * liest vor auf Türkisch * Kannst du das verstehen? Echt?
  79. Das ist ja klasse, dass du Türkisch lesen kannst. Ich kann das gar nicht.
  80. * Singen * Andrea Reimann wuchs in Brandenburg auf.
  81. Später wählte sie den zusätzlichen Vornamen Iman. Religion war für mich, bzw. Gott war für mich immer da.
  82. Ich wuchs damit auf, in einer evangelischen Familie, mein Großvater war Pfarrer.
  83. Damit stellte sich gar nicht die Frage: Gibt es einen Gott oder nicht? Er war halt da.
  84. Ich war Anfang 20, ich suchte nicht wirklich, dachte nicht, ich brauche mal etwas anderes als Christentum,
  85. das hat sich entwickelt, und zwar dergestalt, dass ich dann auch mit muslimischen Menschen
  86. zusammenarbeitete, dann haben wir uns unterhalten. Das war sozusagen der Türöffner für meine islamische Lebensweise.
  87. Im Kindergarten zieht sich Iman Andrea Reimann in den Pausen zum Gebet zurück.
  88. Ich betete anfangs ohne Kopftuch, weil mir nicht klar war, dass man sich dafür bedecken soll.
  89. Ich las dann in der Übersetzung des Korans: "Bedeckt euch, damit ihr erkannt werdet."
  90. Und das war für mich so einleuchtend! * ruhige Musik *
  91. Die Gebete sind immer ein Innehalten für mich. Das gibt mir irgendwie eine gute Struktur am Tag,
  92. nach der ich mich ausrichten kann. Berlin-Neukölln:
  93. Der Bau des Hindu-Tempels in der Hasenheide geht voran. Die Gemeinde ist besonders stolz auf die neue Tür.
  94. Sie wiegt mehrere Tonnen, ist handgeschnitzt aus Teak und extra in Indien hergestellt.
  95. Das Holz gibt es nicht hier, und auch die Arbeiter nicht. Das müssen fähige Handwerker sein, die gibt es dafür nur in Indien.
  96. Mein Name ist Vilwanathan Krishnamurthy, ich bin 73 Jahre alt, ich bin seit 51 Jahren in Berlin.
  97. Der Bau des spendenfinanzierten Tempels zieht sich hin, Grundsteinlegung war schon 2007.
  98. Aber auch in diesem Jahr konnte der Neubau nicht eingeweiht werden: Der Boden aus Granit fehlt noch.
  99. So feiert die Gemeinde weiter in einer alten Turnhalle ihre Gottesdienste.
  100. Vilwanathan Krishnamurthy legt ein spezielles Gewand an. Weiß ist gedacht für Reinheit, es symbolisiert Reinheit.
  101. Also: Ich bin innerlich und äußerlich rein. Wenn wir den Tempel besuchen: Das Gewand nennt man Dhoti.
  102. Die Männer tragen einen Dhoti, Frauen tragen einen Sari. Die umgebaute Turnhalle hat bald als provisorischer Tempel ausgedient.
  103. Hier trifft Vilwanathan Krishnamurthy einen Freund aus dem Tempel-Vorstand.
  104. Das Zeichen auf der Stirn heißt Tilaka, dieses "dritte Auge" dient dem Schutz vor Dämonen.
  105. Ich habe gerade zuhause gebetet. Dann mache ich einen Punkt drauf.
  106. Ohne Punkt können wir nicht zu Gott beten. Tilakas werden als Streifen oder Punkte getragen,
  107. sind oft aus Sandelholz-Pulver und gelten als Segenszeichen. Ein Prieser aus Mumbai ist zu Gast und inspiziert den Tempel-Neubau.
  108. Im Hinduismus gibt es kein einheitliches Glaubensbekenntnis, keine zentrale Autorität, es herrscht Vielfalt.
  109. So bunt wie der Tempel ist auch die Kleidung. Normalerweise tragen wir diese Kleidung nicht draußen,
  110. nur für den Tempel-Besuch, es ist eine Art heilige Kleidung. Wir tragen sie nur zum Gebet, sonst nicht.
  111. Sie kann gelb oder rot sein, die Farbe spielt keine Rolle. Wir sind als Franziskanerinnen nach Berlin gekommen,
  112. um uns für Menschen mit HIV und Aids zu engagieren. Das heißt, wir begleiten sie in der letzten Lebensphase.
  113. Über 550 Menschen begleiteten die Ordensschwestern schon beim Sterben, niemand ist vergessen:
  114. Jeder Zettel an diesem Vorhang trägt den Namen eines Verstorbenen. Das Schlüsselerlebnis,
  115. was sowohl Schwester Juvenalis als auch mich sehr bewegt hat, war, dass der erste Aids-Kranke,
  116. der zu Schwester Juvenalis auf die Station kam, sehr deutlich geäußert hat,
  117. wie viel Angst er hat, wie diese "Nonnen" mit ihm umgehen,
  118. wenn herauskommt, er ist schwul und er ist aidskrank. Wir haben dann gesagt: Als Krankenschwestern
  119. und als Franziskanerinnen kann uns das nicht egal sein. Und ich gehe davon aus, dass der Gott, an den ich glaube,
  120. jeden Menschen liebt, so wie er ist. In unserer Arbeit
  121. sind wir Ordensschwerstern in der Regel in Zivil. Das hat einfach den Grund,
  122. dass eine Reihe der Menschen, die wir begleiten, durch Äußerungen gerade von offizieller Kirche aus den 1980ern,
  123. Stichwort "Aids ist eine Strafe Gottes", mit Kirche nicht gerade die besten Erfahrungen machten.
  124. Und wenn ich dort in Ordenskleidung auftauche, kann ich bei manchen Menschen sehen,
  125. wie innerlich die Jalousie runtergeht. Ich habe die Ordenskleidung ja nie in dem Sinne "abgelegt",
  126. aber es gibt eben gute Gründe zu gucken: Wann ziehe ich sie an?
  127. Dovid Gernetz ist Dozent im Rabbinerseminar der Gemeinde Kahal Adass Jisroel.
  128. An jeder Tür hängt eine Mesusa, ein Minitorarolle. Aktuell sind Semesterferien, ansonsten sitzen hier 10 Schüler.
  129. An seinem Alltagsoutfit sind die "Schaufäden" zu sehen. Sie sind Teil eines speziellen Unterhemdes.
  130. Dovid Gernetz trägt es fast immer, außer nachts und beim Sport. Der Name sagt es schon, "Schaufäden": Man schaut sie an
  131. und erinnert sich an die Ge- und Verbote. So steht es auch in der Tora: Man soll die Fäden anschauen,
  132. sich dadurch erinnern an die Gebote Gottes. Die moderne Technologie hat so Clips,
  133. wodurch die Kippa auf dem Kopf bleibt, nicht herunterfällt oder im Wind wegfliegt.
  134. Die Kippa erinnert mich und alle Juden, die sie tragen, an die konstante Präsenz Gottes: Er ist mit uns über uns.
  135. Symbolisch gesehen, ist Gott im Himmel, deswegen ist die Kippa eine konstante Erinnerung:
  136. Jemand ist über dir, jemand ist mit dir, du bist nie allein.
  137. Vor zwei Jahren gab es einen Brandanschlag auf das Gemeindezentrum, seitdem ist es speziell gesichert.
  138. Anfeindungen gehören für Dovid Gernetz zum Alltag. Trotzdem trägt er seine religiösen Symbole
  139. auch auf der Straße, aber nicht in allen Bezirken. Wir würden sie dann einstecken, einfach so in die Tasche,
  140. und eine Basecap über der Kippa tragen. Es macht mich schon traurig:
  141. Die Welt ist so fortgeschritten, alles ist emanzipiert,
  142. trotzdem müssen wir hier in Berlin 2025 unsere jüdische Identität verstecken, das ist sehr schade.
  143. * ruhige Musik * * orientalische Musik *
  144. In der Sikh-Religion haben wir "5K": Kesh heißt Haare,
  145. Kangha heißt der Holzkamm. Dann haben wir so einen kleinen Dolch,
  146. der heißt Kirpan. Dann haben wir eine Unterhose, eine besondere, die heißt Kachera.
  147. Außerdem einen Armreif, der Kara heißt. Die Haare, Kesh, dürfen in dieser Religion
  148. nicht geschnitten werden, sie gelten als Geschenk Gottes. * Musik *
  149. So, fertig. Der Turban ist ein Zeichen, dass alle gleich sind,
  150. ein Gleichheitszeichen: ein Kaiser trägt einen Turban, das normale Volk auch.
  151. Sonntagmorgen im Sikh-Tempel Teltow. * Unterricht auf Panjabi *
  152. Am Sonntag gibt es Schulzeiten. Die kleinen Kinder, die die indische Sprache nicht kennen,
  153. können sie hier lernen. Unsere Sprache heißt Panjabi, das ist unsere Muttersprache,
  154. und das ist auch die Sprache unserer Religion. * Unterricht *
  155. Auch die Kleinsten bedecken schon ihr Haar, Jungen wie Mädchen.
  156. Die Männer tragen einen sogenannten Dastar. Und was die Frauen tragen, das heißt Dumalla.
  157. Das hat eine runde Form. Wir haben ein Dreieck, sie tragen eine runde Form.
  158. * Musik * "Tar" in den alten Schriften heißt "Meter", also 1-2 Meter z.B.
  159. "Tar" heißt "Meter, und "Das" heißt "Zehn". Also: Es sind zehn Meter.
  160. Im Alter von 12-16 Jahren wird den Jungen in einer feierlichen Zeremonie der erste Turban überreicht.
  161. Wie man den Stoff richtig bindet, muss ein junger Sikh erst lernen. * Musik *
  162. Ich wurde teilweise auf dem Dorf groß, bei meinen Großeltern. Und das war natürlich für meine Familie nicht so einfach:
  163. Das Kopftuch war wirklich eine schwierige Geschichte, weil sie ja dann mit mir gesehen werden,
  164. und das hat ihnen einiges abverlangt. Da bin ich auch sehr dankbar, dass sie das mit mir durchgegangen sind.
  165. Man fällt immer auf, man ist immer ein Hingucker. Die Kita-Kinder kennen sie nur mit Kopftuch.
  166. Ob die Mädchen später eines tragen, sollen sie selbst bestimmen. Ich mache das aus mir selbst heraus,
  167. weil ich das für mich richtig finde, dass ich in Deutschland die Freiheit habe, mich zu entscheiden:
  168. Trage ich das Kopftuch oder nicht? Das ist ja ein hohes Gut, dass ich in Deutschland ...
  169. ... mich im Grunde bekleiden kann, wie ich möchte. Es muss ja aus einem selbst herauskommen,
  170. weil das, was damit verbunden ist, ein Kopftuch zu tragen, das ist nicht immer einfach!
  171. Zur eigenen Religion stehen und zugleich andere Religionen achten: Das wollen sie und ihre Kolleginnen den Kindern beibringen.
  172. Deshalb kooperiert die Kita mit jüdischen und christlichen Einrichtungen.
  173. Interreligiöse Arbeit finde ich wichtig, weil es den Kindern zeigt: Ich bin nicht alleine mit dem, was ich als gottgläubiges Kind habe,
  174. was mich ausmacht, da gibt es auch andere. Ich hoffe einfach, dass es sie stärkt für die Zukunft.
  175. * Musik * Raus aus der Anonymität, rein in die Ordenskleidung.
  176. Jetzt fallen die zwei Schwestern auf Berlins Straßen auf. Die gucken schon verstohlen oder ganz offen hin.
  177. Oder sie sagen so ganz betont: "Guten Tag, Schwester." Wenn wir Patienten begleiten:
  178. Manchmal ist es für die Patienten von Vorteil, wenn wir in Ordenskleidung sind.
  179. Ich sage es mal etwas provokant: Der Ton im Sozialamt ändert sich möglicherweise,
  180. wenn ich in Ordenskleidung daneben stehe. Aber ansonsten: Für die Patienten, wenn sie uns kennengelernt haben,
  181. dann ist es sozusagen kaum noch ein Unterschied. * Musik *
  182. Schwester Hannelore und Schwester Juvenalis sind im Park mit einem langjährigen Freund verabredet.
  183. Vor fast 30 Jahren begleiteten sie Marc Mattulat und seinen Mann Paul. Beide HIV-infiziert.
  184. Paul starb schließlich an Aids. * Musik *
  185. Über ihre erste Begegnung können sie heute lachen. Zwei schwule Männer, der eine HIV-Träger, der andere aidskrank,
  186. und ... * die Schwestern lachen *
  187. ... Nonnen: Das geht doch nicht! Und dann schwebten die beiden ehrwürdigen Schwestern
  188. die Treppe hoch, nicht so schön schwarz und feierlich wie heute,
  189. sondern im grauen Ordenskleid. Das war sozusagen schon die weichgespülte Version.
  190. Nicht ganz so offiziell. - Genau, und nicht so streng. Das machte schon Eindruck.
  191. Sein Mann Paul war katholisch. Und dann sagt er:
  192. "Du weißt ja, ich wollte aus der Kirche austreten." Er sprach immer so langsam.
  193. Ich fragte: "wollte"? "Ja, ich habe gedacht, ...
  194. ... wenn es Menschen in dieser Kirche gibt wie euch, muss ich nicht mehr austreten."
  195. * sie atmet tief aus * Da dachte ich: "Dann sind wir ja auf dem richtigen Dampfer."
  196. Die Baustelle in der Hasenheide. Das hinduistische Lichterfest Diwali
  197. muss wieder in der alten Turnhalle gefeiert werden. Zum Fest kommen die Gäste von nah und fern.
  198. Diwali ist ähnlich wie Weihnachten, das Lichterfest, das größte Fest im Hinduismus.
  199. Das ist das Fest, das gefeiert wird als Sieg des Lichts über die Dunkelheit
  200. oder des Guten über das Böse. Ich bin Anvita, das ist mein Mann Rohit.
  201. Wir sind in Berlin wohnhaft seit 23 Jahren. Ich bin Dozentin von Beruf, mein Mann arbeitet als Ingenieur.
  202. Arohi hat ihr Abitur gemacht und Ira ist in der 9. Klasse. * Musik *
  203. Zum Lichterfest trägt Familie Prabhu festliche und farbenfrohe Kleidung. Man zieht sich bunt an, Schwarz und Weiß sind verboten.
  204. Diese Farbenpracht bringt auch Freude. Anvita Prabhu trägt den Sari, ein traditionell ungenähtes Kleid.
  205. Es ist ein langer Stoff, ungefähr fünf Meter lang. Das Tragen ist nicht immer einfach,
  206. man muss es hier falten, es richtig tragen. Mittlerweile werden sie auch genäht, d.h. man zieht es wie ein Kleid an.
  207. Das ist viel einfacher. Auch die Jugend bevorzugt praktischere Festkleidung.
  208. Bei Festen trage ich eher Kurtas, eher etwas Bequemeres.
  209. Ich fühle mich immer sehr schön, es ist sehr elegant. Ich fühle mich selbstbewusst, wenn ich das trage.
  210. Und es macht mich froh. In der Öffentlichkeit tragen sie traditionelle Kleidung eher nicht:
  211. Manchmal bekam ich dann Blicke in der U-Bahn usw. Im Auto würde ich es tragen,
  212. aber nach dem Aussteigen würde ich sofort ins Haus oder in den Saal gehen, wo die Veranstaltung stattfindet.
  213. Wenn man mich anstarrt, weil ich anders gekleidet bin: Das ist manchmal nicht so schön.
  214. Das ist keine Alltags-Bürokleidung. Auch in Indien trägt man heutzutage Shirts und Hosen.
  215. Aber ich trage das gerne. Meine Kollegen freuen sich auch, etwas Neues, anderes zu sehen.
  216. Und mir macht das überhaupt nichts aus. Ich kann die Blicke ertragen. (lacht)
  217. Wir sind etwas anders. (lacht) Der Hinduismus ist vielfältig, es gibt mehrere Millionen Gottheiten,
  218. und die Familien haben ein sehr persönliches Verhältnis zu den Göttern.
  219. Im Hinduismus ist Gott wie einer von uns. Er schläft, er isst, er ist wie ein Familienmitglied.
  220. Man behandelt die Götter so wie einen Gast oder wie ein Familienmitglied, das verwöhnt wird.
  221. Ob Diwali, Chanukka, Lucia, Advent: Lichterfeste gibt es in fast allen Religionen.
  222. Und überall dieselbe Hoffnung: Dass das Licht über die Dunkelheit siegt,
  223. und dass der Glaube trägt. Ganz gleich, was man trägt.
  224. Untertitelung: rbb 2025

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