Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Geld

Geldfunktionen · Geld hat Zahlungsmittelfunktion: Unter einem Tausch- oder Zahlungsmittel versteht man ein Objekt oder auch ein erwerbbares Recht, das ein Käufer …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und rechtliche Einordnung
  2. 2. Arten und Geldmengen
  3. 3. Funktionen und Entstehung
  4. 4. Geldpolitik und Geldtheorie
  5. 5. Entwicklung, Gesellschaft und Lernen
  6. 6. Kritik und kulturelle Deutungen

Grundbegriff und rechtliche Einordnung

Geld sind die in einer Gesellschaft allgemein anerkannten Tausch- und Zahlungsmittel. Es unterscheidet sich von einfachen Tauschmitteln dadurch, dass es den Bedarf eines Tauschpartners nicht unmittelbar befriedigt, sondern wegen seiner allgemeinen Akzeptanz für weiteren Tausch eingesetzt werden kann. Das in der Währungsverfassung eines Staates als gesetzliches Zahlungsmittel bestimmte Geld heißt Währung.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht wurde Geld unter anderem als „Anweisung auf das Sozialprodukt“ (Friedrich Bendixen) und als „dokumentiertes Wertversprechen allgemeiner Geltung“ (Günter Schmölders) beschrieben. Juristisch gilt Geld als vom Staat vorgeschriebenes gesetzliches Zahlungsmittel mit bestimmten Denominationen, also festgelegten Nennwerten. Es ist ein „Geschöpf der Rechtsordnung“: Der Staat oder eine staatlich ermächtigte Stelle gibt es als Wertträger für den öffentlichen Verkehr aus.

Der Bundesgerichtshof beschreibt Geld als „jedes vom Staat oder einer durch ihn ermächtigten Stelle als Wertträger beglaubigte, zum Umlauf im öffentlichen Verkehr bestimmtes Zahlungsmittel ohne Rücksicht auf einen allgemeinen Annahmezwang“. Weil der Staat die Ausgabe von Geld kontrolliert, ist unbefugtes Herstellen und In-Umlauf-Bringen von Geld strafbare Fälschung von Zahlungsmitteln. Nach deutschem Recht wird Geld den Inhaberpapieren gleichgestellt (§ 935 Abs. 2 BGB): Es kann gutgläubig erworben werden, auch wenn es zuvor gestohlen wurde, verloren ging oder sonst abhandenkam. Münzen und Scheine gehören demjenigen, dem sie übereignet wurden; für den Euro gilt nicht, dass die Europäische Zentralbank Eigentümerin und der Inhaber nur berechtigter Besitzer sei. Euroscheine sind Sachen im Sinne von § 90 BGB, Eigentum wird nach § 929 Satz 1 BGB durch Einigung und Übergabe übertragen. In Deutschland ist die Zerstörung von Zahlungsmitteln weder rechtswidrig noch strafbar; die Bundesbank ersetzt absichtlich beschädigte Geldscheine jedoch nicht.

Arten und Geldmengen

Moderne Geldsysteme sind meist zweistufig: Es gibt Zentralbankgeld und Buchgeld. Zentralbankgeld umfasst Bargeld in Form von Münzen, Banknoten, Papiergeld und digitalem Zentralbankgeld sowie Einlagen von Geschäftsbanken bei der Zentralbank. Buchgeld oder Giralgeld ist ein Zahlungsanspruch einer Nichtbank gegenüber einem Kreditinstitut, zum Beispiel ein Guthaben auf einem Girokonto.

Ein großer Teil heutiger Zahlungen läuft bargeldlos über EC-Karten oder Kreditkarten. Der größte Teil der Geldmenge besteht aus Girokonto- und Tagesgeldguthaben, also Sichteinlagen. Geldmengen werden unterschiedlich definiert; die Europäische Zentralbank unterscheidet mehrere Aggregate nach der Verfügbarkeit des Geldes.

M0, auch Geldbasis genannt, umfasst Zentralbankgeld, also Bargeld und Einlagen von Geschäftsbanken bei der Zentralbank. M1 umfasst Bargeld und Sichteinlagen, also innerhalb eines Tages abrufbare Bankguthaben wie Girokonto und Tagesgeldkonto. M2 umfasst M1 sowie Spareinlagen mit einer Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten und Termineinlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren. M3 enthält M2 und zusätzlich Repogeschäfte, Geldmarktfondsanteile, Geldmarktpapiere sowie Bankschuldverschreibungen mit einer Ursprungslaufzeit von bis zu zwei Jahren.

Je länger eine Verbindlichkeit gebunden ist, desto weniger wirkt sie für den Inhaber wie ein flüssiges Zahlungsmittel. Deshalb hängt die gemessene Geldmenge stark davon ab, welche Definition verwendet wird; diese Definitionen unterscheiden sich auch zwischen Währungsräumen.

Funktionen und Entstehung

In der Volkswirtschaftslehre wird Geld vor allem über seine Funktionen bestimmt. Es hat eine Zahlungsmittelfunktion: Als Tausch- oder Zahlungsmittel wird es verwendet, um Waren und Dienstleistungen zu erwerben oder Schulden aufzunehmen und zu tilgen. Geld ist außerdem ein Wertaufbewahrungsmittel, weil Kaufkraft über die Zeit gehalten werden kann. Es dient als Wertmaßstab oder Recheneinheit: Durch Denominationen, also Nominalwerte von Banknoten und Münzen, lassen sich Marktwerte und Marktpreise messen und verrechnen. Für das Wesen des Geldes gilt besonders die Funktion als transaktionsdominierendes Tauschmittel als entscheidend. Je besser ein Gut diese Funktionen erfüllt, desto eher wird es als Geld angesehen.

Geld entsteht heute üblicherweise im zweistufigen Bankensystem aus Zentralbank und Geschäftsbanken. Zentralbankgeld entsteht zum Beispiel, wenn Geschäftsbanken der Zentralbank Wechsel, Devisen oder Wertpapiere verkaufen und dafür Banknoten, Münzen oder Zentralbankguthaben erhalten. Es kann auch durch verzinsliche Kreditvergabe der Zentralbank an Geschäftsbanken gegen Pfandhinterlegung entstehen. Die Zentralbank steuert diesen Prozess über geldpolitische Instrumente, besonders Leitzins und Offenmarktpolitik. Auch wenn die Zentralbank Ausgaben tätigt und mit Zentralbankgeld bezahlt, entsteht Zentralbankgeld.

Giralgeld entsteht hauptsächlich, wenn eine Bank einen Kredit vergibt und dem Kunden den Betrag auf dem Konto gutschreibt. Dabei verlängert sich die Bankbilanz: Auf der Aktivseite wächst der Kreditbetrag, auf der Passivseite das Kontoguthaben des Kunden. Banken können die Geldmenge aber nicht beliebig ausweiten. Kredite müssen je nach Ausfallrisiko mit bis zu 8 % Eigenkapital unterlegt werden. Außerdem begrenzen die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe und die Bereitschaft der Kunden zur Kreditaufnahme die Giralgeldschöpfung. In Banken-, Wirtschafts- oder Finanzkrisen kann die Giralgeldschöpfung nachlassen und die Giralgeldmenge sinken. Nicht jede Kreditgewährung erhöht automatisch die Geldmenge; nach Decker/Goodhart 2021 hängt dies von den Zahlungsströmen ab.

Geldpolitik und Geldtheorie

Die Geldmenge ist eine wichtige ökonomische Größe, weil sie mit der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zusammenhängt und Hinweise auf künftige Preisentwicklungen geben kann. Über den Geldmarkt können Zentralbanken auf das Verhältnis von Geldangebot und Geldnachfrage einwirken. Das Geldangebot kann die Zentralbank weitgehend steuern; die Geldnachfrage hängt vom Verhalten der Wirtschaftssubjekte ab, also von Unternehmen, Privathaushalten, dem Staat und seinen Untergliederungen.

Inflation und Deflation können monetäre Ursachen haben. Übersteigt das Geldangebot die Geldnachfrage, steigen die Preise: Das nennt man Inflation. Ist das Geldangebot kleiner als die Geldnachfrage, fallen die Preise: Das nennt man Deflation. Zentralbanken stehen dabei vor einem geldpolitischen Dilemma. Niedrige Zinsen für Zentralbankgeld können Investitionen und Wirtschaftswachstum fördern, erhöhen aber die Gefahr, dass das Geldangebot die Geldnachfrage übersteigt. Um Inflation niedrig zu halten, kann eine Zentralbank durch Zinserhöhungen gegensteuern; dadurch wird die Schöpfung von Zentralbankgeld teurer. Die Europäische Zentralbank beobachtet dabei vor allem die Geldmenge M3.

Inflation ist jedoch nicht immer nur monetär. Sie kann auch realwirtschaftliche Ursachen haben, etwa wenn sich auf dem Gütermarkt wichtige Güter wie Rohöl verknappen. Solche Preissteigerungen können sich in nachgelagerte Märkte, zum Beispiel das Transportgewerbe, fortpflanzen.

Die Geldtheorie ist eine Disziplin der Volkswirtschaftslehre. Sie untersucht Wesen, Funktionen, Wert und Wirkungen des Geldes. Teilgebiete sind unter anderem die Theorie der Geldnachfrage, die Theorie des Geldangebots, die Erklärung des geldpolitischen Transmissionsmechanismus, die Inflationstheorie, die Zinstheorie und die Theorie der Geldpolitik.

Entwicklung, Gesellschaft und Lernen

Geld wurde nicht zu einem einzelnen Zeitpunkt erfunden. Verschiedene Gewohnheiten und Praktiken entwickelten sich über lange Zeit zu dem, was heute Geld genannt wird. Im 8. Jahrhundert wurden in Japan Pfeilspitzen, Reis und Goldpuder als Tauschmittel verwendet. Anfangs gehörte Geld stärker zur kultischen und rechtlichen Sphäre und bezeichnete etwas, womit Buße oder Opfer entrichtet werden konnten. Erst nach dem 14. Jahrhundert nahm es die heutige Bedeutung als geprägtes Zahlungsmittel an. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts existierte in vielen Ländern der Goldstandard: Der Umtausch gesetzlicher Zahlungsmittel wie Münzen und Banknoten in eine feste Menge Gold wurde versprochen. Um 1930 gaben fast alle größeren Staaten den Goldstandard auf. Danach sollten geldpolitische Maßnahmen der Notenbanken Preisniveaustabilität sichern. Durch Digitalisierung gewinnen elektronische Zahlungsvorgänge und Zahlungsmittel an Bedeutung.

Soziologisch wird Geld als wichtiger Bestandteil moderner Gesellschaften betrachtet. Es gab und gibt aber auch Wirtschaftsformen ohne Geld, etwa Naturalwirtschaft oder Subsistenzwirtschaft. Dort herrschen Verteilung nach gemeinschaftlichen Regeln, Selbstversorgung oder Tauschhandel. Neuere Systemtheorien verstehen Geld als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium: Talcott Parsons entwickelte das Konzept symbolischer Tauschmedien wie Geld, Macht, Einfluss und Wertschätzung; Niklas Luhmann übernahm den Gedanken, um die Funktion des Geldes in modernen Gesellschaften zu beschreiben.

Psychologisch hängt Geld mit Freiheit, Zufriedenheit, sozialem Einfluss und Macht zusammen. Geld zu bekommen wirkt als Belohnung; Menschen arbeiten dafür und werden dabei zu Wettbewerbern. Eine Untersuchung des Psychologen Dacher Keltner stellte die Tendenz fest, dass ärmere Menschen beim Spenden großzügiger seien und stärkeres Interesse am Wohlergehen anderer zeigten.

Gelderziehung vermittelt Kindern und Jugendlichen Verständnis für den Wert von Gütern, Arbeit, Dienstleistungen und Geldbeträgen sowie den Umgang mit Zahlungsmitteln und dem Geldwesen. Traditionell gehören Taschengeld, Hinzuverdienste, Sparbücher und Schülerkonten dazu; heute auch Online-Shopping und Schulden. Laut einer Jugendstudie der Direktbank Revolut von 2021 meint rund die Hälfte der Eltern in Deutschland und Europa, Kinder sollten sich schon mit 6 bis 10 Jahren mit Geld beschäftigen. Eine Jugendstudie von 2019 mit 1600 deutschen Teilnehmenden im Alter von 16 bis 25 Jahren ergab, dass mehr als 90 % ein Schulfach „Finanzwissen“ befürworten: 43 % als Wahlfach und fast 50 % als Pflichtfach.

Kritik und kulturelle Deutungen

Geld wurde immer wieder kritisiert. Kritik richtete sich gegen das Geldwesen, gegen die Rolle des Geldes und teilweise gegen Geld selbst. Gefordert wurden etwa eine Begrenzung des Handelns mit Geld auf bestimmte Mengen oder Personen sowie alternative Formen der Verteilung von Reichtum, Waren und Leistungen. Geldkritik war zunächst oft moralisch begründet; seit der Entstehung des Kapitalismus wurde sie auch mit Kapitalismuskritik verbunden, zum Beispiel im Marxismus. Eine andere Richtung der Geldkritik führte zum modernen Antisemitismus, verstärkt durch historische Berufsverbote gegenüber Juden und das christliche Verbot des Geldhandels.

Neuere Kritik fragt auch nach der mangelnden Finanzierung von Sorge-, Haus- und Familienarbeit und diskutiert eine Demokratisierung der Geldschöpfung. Dabei werden Aspekte wie bedingungsloses Grundeinkommen, Dezentralisierung und Dekolonialisierung aufgegriffen. Forschungen zu postmonetären Formen des Zusammenlebens untersuchen Gemeinschaffen, Commoning beziehungsweise Commonismus, technische Lösungen mit Künstlicher Intelligenz sowie Versuche geldlosen Zusammenlebens in kleineren Gruppen. 2024 initiierten plurale Ökonomen und Geldkritiker um Dirk Ehnts und Christian Felber die Plattform „Geld der Zukunft“, um Alternativen zur gegenwärtigen Geldschöpfung und Finanzwirtschaft vorzustellen und zu diskutieren.

Auch in Religion, Mythologie, Philosophie und Sprache erscheint Geld als bedeutendes Thema. In Religionen wird Geld teils kritisch als Mammon oder falscher Gott gesehen, teils positiv als Zeichen wirtschaftlicher Prosperität, etwa im Konfuzianismus, bei Lakshmi oder nach Max Webers These im Protestantismus. In Mythen steht die Sage von König Midas für die Gefahr, alles in Gold verwandeln zu wollen. Philosophisch deutete Karl Marx Geld im Kapital als Warenfetisch und als allgemein anerkannten Tauschwert; Georg Simmel, Alfred Sohn-Rethel und Ferdinand Tönnies entwickelten weitere Deutungen. Physikalische Vergleiche wie Geld als „Energie“ gelten aus Sicht der Physik als nicht sinnvoll, weil Geld vernichtet werden kann, Energie nach dem Energieerhaltungssatz jedoch nicht.

Lernvideos zu Geld

Weiterlesen

Volkswirtschaftslehre Ökonomische Modelle ... Besonders kritisiert wurden vor allem die vorherrschenden DSGE-Modelle, die als umfassende Makro-Modelle der Wirtschaft entwickelt wurden. Soziologie In neuerer Zeit steht der soziale Wandel im Fokus von Modernisierungstheorien. ... soziale Verbände oder die Politik, selten aber nachhaltiger auch durch soziale … Staat Im weitesten Sinn bezeichnet er eine politische Ordnung, in der einer bestimmten Gruppe, Organisation oder Institution eine privilegierte Stellung zukommt. Es … Währung Der Währungsraum ist dabei der Geltungsbereich einer Währung als Zahlungsmittel. Sie ermöglicht den Transfer von Waren und Dienstleistungen, ohne eine … Digitales Zentralbankgeld Für den Zahlungsverkehr und zur Wertaufbewahrung könnten Mobile Apps oder anonyme Guthabenkarten genutzt werden. Derzeit gibt es erste Umsetzungen auf den … Europäische Zentralbank Aufgaben und Ziele · Festlegung und Durchführung der Geldpolitik (siehe „geldpolitische Instrumente“), · Durchführung von Devisengeschäften, · Verwaltung der … Karl Marx Mit Friedrich Engels begründete er den „historischen Materialismus“ und wurde zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus, deren Grundzüge … Verkäufer Verkäufer (gelegentlich auch Detailhandelsfachleute genannt) sind Fachkräfte, die mit dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen sowie der Akquisition von … Ware Für Vertrauensangelegenheiten wie „wahr“, „Ware“, „Wert“, „Wart“, „Wirt“, „Wirtschaft“ verbindet eine begrifflich gemeinsame Etymologie zur Wortfamilie. Die … Gut (Wirtschaftswissenschaft) Besitzt der Anbieter eines Gutes mehr Informationen über das Gut als der Nachfrager, herrscht Informationsasymmetrie. Such- bzw. Inspektionsgüter (englisch … Transaktion (Wirtschaft) Transaktion ist in der Volkswirtschaftslehre die Übertragung von Wirtschaftsobjekten zwischen Wirtschaftssubjekten. Inhaltsverzeichnis. Kredittheorie Kredittheorie ist in der Volkswirtschaftslehre ein Sammelbegriff für mehrere, nebeneinander stehende, sich ganz oder teilweise gegenseitig widersprechende …