Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Gut (Wirtschaftswissenschaft)

Besitzt der Anbieter eines Gutes mehr Informationen über das Gut als der Nachfrager, herrscht Informationsasymmetrie. Such- bzw. Inspektionsgüter (englisch …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und wirtschaftliche Bedeutung
  2. 2. Bereitstellung und Verteilung
  3. 3. Wichtige Güterarten und ihre Merkmale
  4. 4. Verwendungszweck, Nutzungsdauer und Produktion
  5. 5. Nachfrageverhalten und Präferenzen
  6. 6. Informationsasymmetrie, Handelbarkeit, Wohlfahrt und Ungüter

Grundbegriff und wirtschaftliche Bedeutung

Güter sind in der Wirtschaftswissenschaft alle materiellen und immateriellen Wirtschaftsobjekte, die der Bedürfnisbefriedigung der Wirtschaftssubjekte dienen. Die Güterwirtschaft, also das Wirtschaften mit Gütern, gehört zu den wichtigsten Untersuchungsgegenständen der Volkswirtschaftslehre. Güter werden auf Gütermärkten gehandelt: Dort treffen das Angebot der Hersteller und Händler sowie die Nachfrage der Verbraucher aufeinander. Die Gegenleistung erfolgt in modernen Märkten meist in Geld; beim Naturaltausch wurden Güter direkt gegen andere Güter getauscht.

Im engeren Sinn sind Güter Wirtschaftsgüter oder knappe Güter. Ein Gut ist knapp, wenn es nicht jederzeit und überall in der gewünschten Qualität und Menge zur Verfügung steht. Wichtige Eigenschaften sind deshalb seine Tausch- und Marktfähigkeit. Wirtschaftsgüter werden unter anderem in lang- und kurzlebige Güter, Verbrauchs- und Gebrauchsgüter sowie Vorleistungs- und Investitionsgüter eingeteilt.

Die Wirtschaftswissenschaft geht vom Unersättlichkeitsaxiom aus: Menschen haben unendlich viele Bedürfnisse, sodass die Bedarfsmenge immer größer als die Angebotsmenge ist. Weil die Bereitstellung von Gütern Kosten verursacht, müssen Menschen und Unternehmen über knappe Güter entscheiden. Wirtschaften bedeutet daher das Entscheiden über knappe Güter. Güter stiften Nutzen und bestimmen dadurch letztlich auch die ökonomische Wohlfahrt. Eine wichtige Aufgabe der Wirtschaftspolitik besteht darin, Rahmenbedingungen für eine möglichst optimale Zuteilung der Güter zu schaffen.

Bereitstellung und Verteilung

Die Bereitstellung von Gütern kann durch Naturgaben, Spaß, Altruismus oder autoritären Zwang erfolgen. Für eine ausreichende Versorgung moderner Industriegesellschaften reichen diese Gründe allein jedoch nicht aus. Deshalb sind Anreize wichtig. Neben nichtmonetären Anreizen wie Lob, Orden oder Prestige spielen finanzielle Anreize eine zentrale Rolle, insbesondere Einkommen oder die Möglichkeit, Ausgaben einzusparen.

Arbeitsteilung führt dazu, dass kaum jemand alle benötigten Güter selbst herstellen kann. Deshalb werden Güter getauscht. Wegen ihrer Knappheit müssen sie außerdem rationiert, also nach bestimmten Regeln verteilt werden. Vier grundlegende Verteilungsprinzipien sind:

  • Markt: In einer kompetitiven Ökonomie werden Ressourcen durch freien Tausch verteilt. Unter den genannten Bedingungen entsteht eine Pareto-effiziente Allokation. Es gilt die Zahlungswilligkeit: Wer den Marktpreis bezahlt, erhält das Gut.
  • Autorität: Gesetze und vorgegebene Kriterien bestimmen die Verteilung. Probleme können Korruption sowie die Schwierigkeit sein, alle Bedürfnisse zu kennen.
  • Verhandlung: Die Beteiligten versuchen, durch Diskussion eine Einigung zu erreichen. Machtpositionen, Verhandlungsgeschick und Tradition können das Ergebnis beeinflussen.
  • Wahl: Betroffene entscheiden direkt zwischen mehreren Alternativen. Die praktische Umsetzung kann jedoch kompliziert sein.

In der Realität treten diese Prinzipien selten in Reinform auf. Die Soziale Marktwirtschaft verbindet beispielsweise den Marktmechanismus mit staatlicher Kontrolle, etwa bei öffentlichen Gütern sowie durch Steuern oder Subventionen.

Wichtige Güterarten und ihre Merkmale

Güter können nach verschiedenen Merkmalen klassifiziert werden. Nach ihrer Gegenständlichkeit unterscheidet man materielle Güter oder Sachgüter, etwa ein Haus, von immateriellen Gütern. Immaterielle Güter umfassen Dienstleistungen, beispielsweise einen Arztbesuch, und ideelle Güter wie Patente. Die Übergänge können fließend sein: Ein Auto ist ein Sachgut, sein Kundendienst eine Dienstleistung. Digitale Güter wie Software und virtuelle Güter wie Computerspiele sind weitere Formen.

Nach der Verfügbarkeit gibt es freie und knappe Güter. Ein freies Gut ist in einem bestimmten Gebiet zu einer bestimmten Zeit so reichlich vorhanden, dass jeder seine Sättigungsmenge konsumieren kann. Es hat grundsätzlich keinen Preis. Beispiele wie Luft oder Wasser gelten jedoch nur unter den jeweiligen räumlichen und zeitlichen Bedingungen; Luft in einer Raumstation oder in einer Umweltzone kann durch Transport, Aufbereitung oder Bewirtschaftung Kosten verursachen. Knappe Güter müssen durch menschliche Wirtschaftstätigkeit bereitgestellt werden. Sie werden in Realgüter, also Sachgüter, Dienstleistungen und Rechte, sowie Nominalgüter wie Geld und geldwerte Zahlungsmittel eingeteilt.

Nach Ausschließbarkeit und Rivalität unterscheidet man vier Grundtypen. Öffentliche Güter sind nicht ausschließbar und nicht rival, etwa ein Deich. Allmendegüter sind nicht ausschließbar, aber rival, etwa eine überfüllte Innenstadtstraße. Klubgüter sind ausschließbar, aber nicht rival, etwa Pay-TV. Private Güter sind ausschließbar und rival, etwa Speiseeis. Ausschließbarkeit und Rivalität hängen teilweise von den Umständen und vom technischen oder finanziellen Aufwand ab: Straßen oder Fernsehen können durch Maut beziehungsweise Pay-TV ausschließbar werden, und zunächst nicht-rivale Güter können bei Überfüllung rival werden.

Nach ihrer Mobilität heißen transportierbare Sachgüter Mobilien, unbewegliche Sachgüter Immobilien. Der volkswirtschaftliche Begriff der Immobilie umfasst neben Gebäuden und Grundstücken auch Straßen und Stromleitungen. Güter können außerdem komplementär sein, sich also ergänzen, oder substitutiv, sich also ersetzen. Nach dem Eigentümer werden unter anderem öffentliche und private Güter unterschieden. Gemeingüter können private Güter wie ein Einfamilienhaus oder echte Gemeingüter wie Allmende-, Klub- und öffentliche Güter sein. Eine Güterkategorie ist nicht dauerhaft: Musik kann beispielsweise ein öffentliches Gut bei einem kostenlosen Open-Air-Konzert, ein Klubgut im Opernhaus oder ein privates Gut auf einer Audio-CD sein.

Verwendungszweck, Nutzungsdauer und Produktion

Nach dem Verwendungszweck unterscheidet man Konsumgüter und Produktionsgüter. Konsumgüter werden von privaten Haushalten gekauft, etwa Nahrungsmittel, Bücher, Privatautos oder Wohnungseinrichtungen. Produktionsgüter werden von Unternehmen zur Herstellung anderer Güter eingesetzt, beispielsweise Eismaschinen, Firmengebäude, Firmenautos, Benzin, Strom oder Wasser.

Nach ihrer Stellung im Produktionsprozess heißen Güter Input- oder Outputgüter. Inputgüter gehen als Produktionsfaktoren in einen Produktionsprozess ein und werden Bestandteil von Outputgütern. Konsumgüter sind immer Outputgüter. Produktionsgüter können sowohl Output- als auch Inputgüter sein, wenn sie in einem nachgelagerten Produktionsprozess verwendet werden.

Nach der Nutzungsdauer unterscheidet man dauerhaft nutzbare Güter mit einer erwarteten Nutzungsdauer von mehr als einem Jahr und nicht-dauerhaft nutzbare Güter mit einer erwarteten Nutzungsdauer von weniger als einem Jahr. Einmal verwendbare Konsumgüter heißen Verbrauchsgüter, länger nutzbare Konsumgüter Gebrauchsgüter. Eine Kaffeemaschine ist ein Gebrauchsgut, Kaffeepulver ein Verbrauchsgut. Länger nutzbare Produktionsgüter heißen Investitionsgüter, kürzer nutzbare Produktionsgüter Vorleistungsgüter. Eine Lackiermaschine ist ein Investitionsgut, der verwendete Lack ein Vorleistungsgut.

Nach der Produktionseigenschaft werden direkte Güter oder Rohstoffe, die unmittelbar in die Produktion eingehen, von indirekten Gütern unterschieden. Indirekte Güter dienen der Aufrechterhaltung des Betriebs, beispielsweise Schleifpapier oder Büromöbel. Im elektronischen Einkauf werden sie häufig als MRO-Güter bezeichnet; MRO steht für „Maintain – Repair – Operate“.

Nachfrageverhalten und Präferenzen

Gewöhnliche Güter werden bei steigendem Preis in geringerem Umfang nachgefragt; ihre Preiselastizität ist negativ. Bei Giffengütern steigt die Nachfrage dagegen trotz eines steigenden Preises; die Preiselastizität ist positiv. Preis-Konsum-Kurve und Nachfragekurve bilden diesen Preiseffekt ab.

Nach dem Einkommen unterscheidet man: Inferiore Güter werden bei steigendem Einkommen weniger nachgefragt (negative Einkommenselastizität: ηᵢ ≤ 0). Normale Güter werden stärker nachgefragt (ηᵢ > 0). Bei notwendigen Gütern oder Sättigungsgütern nimmt der Nachfragezuwachs kontinuierlich ab, bis die Sättigungsmenge erreicht ist (0 < ηᵢ ≤ 1); die Engel-Kurve verläuft konkav. Bei superioren oder Luxusgütern steigt die Nachfrage überproportional (ηᵢ > 1); die Engel-Kurve verläuft konvex.

Substitutionsgüter sind austauschbar. Wird eines teurer, steigt die Nachfrage nach dem anderen. Bei perfekten Substituten ist ein vollständiger Ersatz ohne zusätzliche Kosten oder Qualitätsunterschiede möglich; die Grenzrate der Substitution ist konstant. Brot und Brötchen sind ein Beispiel. Unvollständige Substitute wie CDs und Audio-Kassetten unterscheiden sich etwa in Qualität oder Speicherplatz. Komplementärgüter werden gemeinsam nachgefragt. Wird eines teurer, sinkt die Nachfrage nach dem anderen. Perfekte Komplemente können nur zusammen sinnvoll konsumiert werden, etwa rechter und linker Handschuh. Ihr Nutzen lässt sich als U(x₁,x₂)=min{x₁,x₂} ausdrücken. Unvollständige Komplemente wie Computer, Drucker und Bildschirm ergänzen sich, werden aber auch einzeln nachgefragt.

Soziale Effekte führen zum Veblen-Effekt, wenn ein hoher Preis oder Exklusivität die Nachfrage steigert, zum Snob-Effekt, wenn die Nachfrage sinkt, sobald bestimmte Gruppen das Gut ebenfalls nachfragen, und zum Mitläufer-Effekt, wenn ein Gut gerade deshalb gewünscht wird, weil andere es besitzen. Homogene Güter sind vollständig austauschbar; allein der Preis bestimmt die Kaufentscheidung. Heterogene Güter unterscheiden sich objektiv oder subjektiv, etwa durch Qualität, Ausstattung oder Markenimage. Homogenität ist eine notwendige Voraussetzung für den vollkommenen Markt.

Informationsasymmetrie, Handelbarkeit, Wohlfahrt und Ungüter

Bei Informationsasymmetrie besitzt der Anbieter mehr Informationen über ein Gut als der Nachfrager. Such- oder Inspektionsgüter können vor dem Kauf geprüft werden, etwa ein Buch oder eine DVD; die Informationsasymmetrie ist gering. Bei Erfahrungsgütern zeigt sich die Qualität erst nach Vertragsschluss, beispielsweise bei einem Friseurbesuch. Vertrauensgüter sind auch nach dem Kauf schwer zu beurteilen; die Informationskosten sind hoch, etwa bei ärztlicher Versorgung oder Anlageberatung. Vertrauen ersetzt hier häufig die eigene Informationssuche.

Handelbare Güter, englisch tradeables, können international gehandelt werden. Nicht handelbare Güter, englisch non-tradeables, werden wegen zu hoher Transaktionskosten, etwa Transportkosten, oder aus anderen Gründen nicht international gehandelt. Dienstleistungen und Immobilien sind typische Beispiele. Die Unterscheidung ist unter anderem für die Außenhandelstheorie und den Balassa-Samuelson-Effekt wichtig.

Meritorische Güter werden aus gesellschaftlicher Sicht in zu geringem Umfang nachgefragt. Demeritorische Güter werden gesellschaftlich zu stark nachgefragt. Ursachen können irrationale Entscheidungen, unvollständige Informationen, falsche Zeitpräferenzraten oder externe Effekte sein.

Ein Ungut, auch Missgut, Last oder Übel genannt, hat einen negativen Nutzen oder Grenznutzen. Der Konsument möchte möglichst wenig davon haben; mit steigender Menge nimmt der Nutzen ab. Müll und Schadstoffe sind typische Beispiele. Menschen sind unter Umständen bereit, Geld für ihre Vermeidung auszugeben. In der Produktionstheorie heißen Ungüter Redukte, wenn sie während einer Produktion beziehungsweise Reduktion vernichtet werden, und Abprodukte, wenn sie dabei entstehen, etwa Abwasser oder Abgase. Ihre Erzeugung wird mit negativen Gewinnen oder Deckungsbeiträgen und ihre Beschaffung mit negativen Kosten modelliert.

Lernvideos zu Gut (Wirtschaftswissenschaft)

Weiterlesen

Wirtschaftswissenschaft Die Wirtschaftswissenschaft (auch Ökonomie und vereinzelt auch Ökonomik) ist eine Wissenschaft, die versucht, wirtschaftliche Zusammenhänge zu beschreiben, … Bedürfnis Der Bedarf an Gütern ist „das Ergebnis der Konkretisierung und Spezifizierung von Bedürfnissen in den Wirtschaftsobjekten“. Wird Bedarf mit Kaufkraft … Volkswirtschaftslehre Ökonomische Modelle ... Besonders kritisiert wurden vor allem die vorherrschenden DSGE-Modelle, die als umfassende Makro-Modelle der Wirtschaft entwickelt wurden. Disposition (Wirtschaft) Disposition ist in der Betriebsorganisation eine Stelle innerhalb aller betrieblichen Funktionen eines Unternehmens, deren Aufgabe in der Durchführung des … Knappheit Knappheit (englisch scarcity) ist in der Volkswirtschaftslehre das Missverhältnis zwischen den unbegrenzten Bedürfnissen der Menschen und den zu ihrer … Ware Für Vertrauensangelegenheiten wie „wahr“, „Ware“, „Wert“, „Wart“, „Wirt“, „Wirtschaft“ verbindet eine begrifflich gemeinsame Etymologie zur Wortfamilie. Die … Verbraucher Als Verbraucher oder Konsument wird eine natürliche Person bezeichnet, die eine oder mehrere Waren oder Dienstleistungen zur eigenen privaten … Geld Geldfunktionen · Geld hat Zahlungsmittelfunktion: Unter einem Tausch- oder Zahlungsmittel versteht man ein Objekt oder auch ein erwerbbares Recht, das ein Käufer … Wirtschaftskreislauf Der Wirtschaftskreislauf (englisch Circular flow of income) bezieht sich in der Volkswirtschaftslehre in Form eines Modells auf den Umlaufprozess von Gütern … Stromgröße Bestandsgrößen werden auf Bestandskonten in der Bilanz verbucht, die zum Bilanzstichtag (meist der 31. Dezember) ermittelt werden. Stromgrößen werden auf … Finanzwirtschaft Finanzwirtschaft. Teil des wirtschaftlichen Geschäftsprozesses und gliedert sich in Investition, Finanzierung und Risikomanagement. Artikel · Diskussion. Konsumgut Konsumgüter sind in der Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre Güter, die von Wirtschaftssubjekten zum Zwecke des Konsums verwendet werden.