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Volkswirtschaftslehre
Ökonomische Modelle ... Besonders kritisiert wurden vor allem die vorherrschenden DSGE-Modelle, die als umfassende Makro-Modelle der Wirtschaft entwickelt wurden.
Inhalt4 Abschnitte
Gegenstand und Einordnung
Die Volkswirtschaftslehre (VWL), auch Nationalökonomie oder wirtschaftliche Staatswissenschaften, ist im deutschsprachigen Kontext ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaft. Sie untersucht, wie Güter und Produktionsfaktoren erzeugt und verteilt werden. Produktionsfaktoren sind die Mittel, die für Produktion eingesetzt werden.
Im Mittelpunkt steht der Zielkonflikt zwischen knappen Ressourcen und den Bedürfnissen von Wirtschaftssubjekten, also etwa Haushalten, Unternehmen oder Gemeinschaften. Die VWL untersucht menschliches Handeln unter ökonomischen Bedingungen: Wie lässt es sich ökonomisch begründen, und welches Handeln schafft den größtmöglichen Nutzen für Einzelne oder Gemeinschaften? Sie sucht außerdem Gesetzmäßigkeiten und Handlungsempfehlungen für die Wirtschaftspolitik.
Man unterscheidet positive und normative Analyse. Die positive Analyse beschreibt und erklärt wirtschaftliche Zusammenhänge; die normative Analyse befasst sich mit Bewertungen und Empfehlungen.
Die VWL gilt als Realwissenschaft und wird an deutschen Universitäten den Sozialwissenschaften zugeordnet. Mit Politikwissenschaft und Soziologie ist sie verwandt, benötigt aber wegen der Komplexität wirtschaftlicher Phänomene auch Erkenntnisse etwa aus Psychologie, Politik und Geschichte. Charakteristisch sind das Axiom des rationalen Individuums, die Betonung wirtschaftspolitischer Gleichgewichte und das Effizienzkriterium als soziales Optimum. Die enge Verbindung zur Spieltheorie erklärt die starke Bedeutung von Rationalität und wechselseitigen Abhängigkeiten.
Teilgebiete und wirtschaftspolitische Aufgaben
Die Mikroökonomie untersucht Entscheidungen einzelner Wirtschaftssubjekte, insbesondere von Haushalten und Unternehmen. Sie betrachtet Konsum, Produktion und Handel auf Märkten sowie die Allokation, also die Verteilung knapper Ressourcen und Güter durch den Marktmechanismus. Wichtige Themen sind Marktstrukturen wie Monopol, Oligopol und Polypol, institutionelle Rahmenbedingungen sowie das Marktgleichgewicht: Es stellt sich durch Preisbildung ein.
Zentrale mikroökonomische Bereiche sind Haushaltstheorie auf der Nachfrageseite, Produktionstheorie auf der Angebotsseite und Preistheorie zu Märkten, Preisen, Marktformen und Marktversagen. Hinzu kommen Informationsökonomik, Wohlfahrtsökonomik, Institutionenökonomik und Spieltheorie. Die Evolutionsökonomik betrachtet wirtschaftliche Prozesse aus einem Paradigma des Mangels an Wissen; ob sie ein neuer mikroökonomischer Ansatz oder eine eigenständige Perspektive ist, ist umstritten. Die experimentelle Ökonomik überprüft theoretische Verhaltensannahmen der Mikroökonomie experimentell.
Die Makroökonomie betrachtet die Wirtschaft als Ganzes, beispielsweise auf der Ebene eines Landes, einer Staatengemeinschaft oder der Weltwirtschaft. Zu ihren Gegenständen gehören gesamtwirtschaftliches Einkommen, Konsum und Investitionen, Arbeitsmarkt, Preisniveau, Inflation, Geldtheorie, Konjunkturtheorie und Wirtschaftswachstum.
Ökonometrie untersucht Wirtschaftsgeschehen quantitativ und meist empirisch. Dafür nutzt sie mathematische Methoden aus Statistik und Stochastik und formuliert Testhypothesen. Spezialdisziplinen wenden mikro- und makroökonomische Sichtweisen auf einzelne Bereiche an, etwa Arbeits-, Außenwirtschafts-, Bildungs-, Entwicklungs-, Familien-, Gesundheits-, Industrie-, Innovations-, Regional-, Umwelt- und Kulturökonomie.
Die Theorie der Wirtschaftspolitik befasst sich mit der Gestaltung von Wirtschaftsordnung und wirtschaftlichen Abläufen. Dazu gehören Ordnungspolitik einschließlich Wettbewerbspolitik, Strukturpolitik und Prozesspolitik; zur Prozesspolitik zählen Fiskalpolitik und Geldpolitik. Die Finanzwissenschaft untersucht wirtschaftliche Aspekte öffentlicher Haushalte und Staatsfinanzen. Wirtschaftsgeographie analysiert ökonomische Strukturen räumlich, Wirtschaftsgeschichte die historische Wirtschaftsentwicklung.
Modelle und quantitative Werkzeuge
Die VWL verwendet abstrakte ökonomische Modelle zur Beschreibung und Untersuchung wirtschaftlicher Strukturen und Prozesse. Modelle sind Bündel von Annahmen, die nicht genau der Realität entsprechen müssen, aber Erkenntnisse für ökonomische Theorien ermöglichen.
Zu den wichtigsten Modellen zählen der vollkommene Markt und der Homo oeconomicus. Im vollkommenen Markt hängen Preise und damit die Nachfrage nach Gütern von Angebot und Nachfrage ab; dies führt zum Marktgleichgewicht. Der Homo oeconomicus handelt rational: Unter den ihm bekannten Optionen wählt er anhand der verfügbaren Informationen stets die Handlung mit dem größten Nutzen.
Komplexere Ansätze sind Partialmarktmodelle, allgemeine Gleichgewichtsmodelle, dynamische stochastische allgemeine Gleichgewichtsmodelle (DSGE-Modelle), Stock-Flow Consistent Models und agentenbasierte Modellierung. Die Spieltheorie untersucht strategische Interaktionen. Handelnde berücksichtigen dabei nicht nur eigene Optionen, sondern auch Erwartungen über das Verhalten anderer und deren Erwartungen. Das Nash-Gleichgewicht ist ein grundlegendes Konzept zur Lösung dieser Zirkularität.
Der von Herbert A. Simon maßgeblich geprägte Ansatz der begrenzten Rationalität nimmt an, dass Menschen wegen begrenzter kognitiver Kapazitäten und der Komplexität sozialen Geschehens nie vollkommen rational handeln können. Sie handeln zielorientiert, können aber nicht immer die objektiv beste Handlung wählen.
Mathematische Modelle sind wichtig, weil sie klare Beweise und eindeutig definierte Annahmen verlangen und meist keine mehrdeutigen oder „weich“ interpretierbaren Ergebnisse liefern. In den letzten Jahren nahm die Bedeutung ökonometrischer Arbeiten zu.
Wichtige Entwicklungslinien der Theorie
Frühe wirtschaftliche Überlegungen finden sich in Mesopotamien, Griechenland, Rom, Indien, China, Persien und arabischen Zivilisationen. Im Mittelalter beschäftigten sich unter anderem Thomas von Aquin und Ibn Chaldūn mit wirtschaftlichen Zusammenhängen. Joseph Schumpeter sah Ibn Chaldūn als wichtigsten Vorläufer der modernen Ökonomie.
In der frühen Neuzeit prägten Merkantilismus und Physiokratie die Entwicklung. Der Merkantilismus des 16. bis 18. Jahrhunderts verband nationalen Reichtum mit der Anhäufung von Gold und Silber, setzte auf Warenexporte, billige importierte Rohstoffe und staatliche Regulierung wie Schutzzölle. Die Physiokratie des 18. Jahrhunderts verstand Wirtschaft als Kreislauf von Einkommen und Produktion, hielt allein die Landwirtschaft für Quelle eines deutlichen Ertragsüberschusses und forderte Laissez-faire, also minimale staatliche Eingriffe, sowie eine einzige Steuer auf Einkommen der Landbesitzer.
Die Klassik wurde mit Adam Smiths Der Wohlstand der Nationen zur eigenständigen Disziplin. Smith nannte Land, Arbeit und Kapital als Produktionsfaktoren, betonte Arbeitsteilung, Produktivität und Handelsgewinne. David Ricardo entwickelte das Prinzip des komparativen Kostenvorteils: Nationen sollten sich auf Güter mit den geringsten relativen Produktionskosten spezialisieren. John Stuart Mill unterschied zwischen effizienter Ressourcenallokation durch Märkte und einer weniger effizienten Einkommensverteilung, die Markteingriffe rechtfertigen könne. Klassische Ökonomen vertraten die Arbeitswerttheorie, nach der aufgewendete Arbeitszeit das objektive Wertmaß sei.
Der Marxismus geht von Karl Marx aus; der erste Band von Das Kapital erschien 1867. Marx verband Arbeitswerttheorie und Mehrwerttheorie: Arbeiter erhielten nur einen Teil des durch ihre Arbeit geschaffenen Werts als Lohn. Die marxistische Wirtschaftstheorie zählt zur heterodoxen Ökonomie und wird vom ökonomischen Mainstream abgelehnt.
Die zwischen 1870 und 1910 entstandene Neoklassik übernahm mathematische Methoden. Sie erklärt Entscheidungen rational handelnder Akteure unter knappen Ressourcen durch stabile Präferenzen, Ziele und Wahlmöglichkeiten. Angebot und Nachfrage bestimmen systematisch Preis und Menge; die Arbeitswerttheorie wurde durch Grenznutzen auf der Nachfrageseite und Kostentheorie auf der Angebotsseite ersetzt. In der Makroökonomie wird besonders die Quantitätstheorie des Geldes genannt, die bis heute als dominante Theorie zur Erklärung von Inflation gilt.
John Maynard Keynes begründete mit der Allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes die moderne Makroökonomie. Bei kurzfristig relativ unflexiblen Preisen könne geringe „effektive Nachfrage“ Arbeitslosigkeit verursachen, die sich nicht selbst korrigiere. Deshalb könne staatliche Fiskalpolitik beziehungsweise deficit spending erforderlich sein. Die neoklassische Synthese verband danach Keynesianismus und neoklassische Ökonomie.
Die Chicagoer Schule um Milton Friedman betonte im Monetarismus Geldpolitik gegenüber Fiskalpolitik. Robert Lucas führte rationale Erwartungen ein und formulierte die Lucas-Kritik: Makromodelle mit statischen Annahmen seien problematisch, weil Akteure Erwartungen dynamisch an Informationen anpassten. Dies führte zur Mikrofundierung makroökonomischer Modelle.
Der Neukeynesianismus gilt im Artikel als aktueller wissenschaftlicher Konsens. Er verbindet rationale Erwartungen und Mikrofundierung mit Keynes’ Annahme kurzfristig starrer Preise und Löhne. Daraus entstand die neue neoklassische Synthese. Neukeynesianische Modelle untersuchen Marktversagen und begründen, dass Fiskal- und Geldpolitik effizientere Ergebnisse als Laissez-faire erzielen können. DSGE-Modelle gelten als heutiger Stand der Makroökonomie; die Europäische Zentralbank verwendet beispielsweise das Smets-Wouters-Modell für Wirkungen ihrer Geldpolitik in der Eurozone.
Die Finanzkrise von 2007–2008 und die anschließende Große Rezession stellten bestehende Modelle infrage. Kritisiert wurden besonders DSGE-Modelle mit einem einzigen „repräsentativen Agenten“. Der tiefere Konsens blieb jedoch bestehen; Modelle wurden um Marktversagen auf Finanzmärkten, unterschiedliche Agentenmerkmale und Erkenntnisse aus Informations- und Verhaltensökonomik erweitert. Neukeynesianische Modelle mit heterogenen Agenten heißen HANK-Modelle. Neuere Makroökonomik bezieht außerdem Ungleichheit und Klimawandel ein; Modelle der EZB und des IWF analysieren Klimarisiken für langfristig stabiles Wirtschaftswachstum.
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