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Deutschland im Mittelalter

Der Artikel Deutschland im Mittelalter bietet einen geschichtlichen Überblick über die Zeit des Mittelalters im Gebiet des heutigen Deutschlands von etwa …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Reich und Identität
  2. 2. Von den Karolingern zu den Ottonen
  3. 3. Salier und Investiturstreit
  4. 4. Die Stauferzeit
  5. 5. Interregnum und Wahlkönigtum
  6. 6. Das 15. Jahrhundert und der Übergang

Reich und Identität

Der Zeitraum des Mittelalters im Gebiet des heutigen Deutschlands reicht ungefähr von 800 bis 1500. Aus dem karolingischen Frankenreich gingen im 9. Jahrhundert das Westfranken- und das Ostfrankenreich hervor. Diese Reiche waren wichtige Vorstufen Frankreichs und Deutschlands, doch eine deutsche Identität entstand erst sehr langsam und war im frühen Mittelalter nicht bewusst vorhanden.

Das römisch-deutsche Reich entwickelte sich aus dem Ostfrankenreich. Die Liudolfinger, auch Ottonen genannt, erlangten im 10. Jahrhundert die westliche römische Kaiserwürde. Das Reich war kein Nationalstaat, sondern hatte einen supranationalen Charakter. Es umfasste neben dem deutschsprachigen Reichsteil auch Reichsitalien und seit 1032/33 das Königreich Burgund. Seit dem späten 13. Jahrhundert wurde es auch als Heiliges Römisches Reich bezeichnet.

Die Herrscher verstanden sich in der Translationstheorie als Nachfolger des antiken Römischen Reichs. Ihr Herrschaftsanspruch war daher zumindest theoretisch universal. Die wichtigsten politischen Gegenspieler waren das Kaisertum, also das Imperium, und das Papsttum, also das Sacerdotium. Zwischen beiden Universalgewalten kam es wiederholt zu Konflikten, besonders im Investiturstreit, in spätstaufischer Zeit und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Umstritten ist, ab wann von Deutschland oder vom deutschen Volk gesprochen werden kann. Die moderne Forschung versteht Ethnogenese, also die Entstehung einer Gemeinschaftsidentität, als sozialen und langfristigen Prozess. Erst im 11. Jahrhundert ist die Fremdbezeichnung rex Teutonicorum („König der Deutschen“) belegt; die Herrscher selbst nannten sich rex Romanorum („König der Römer“). Eine deutsche Identität im Sinne einer abgegrenzten politischen Gemeinschaft bildete sich im allgemeinen Bewusstsein erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts heraus.

Von den Karolingern zu den Ottonen

Karl der Große (reg. 768–814) erweiterte das Frankenreich zu einer Großmacht neben Byzanz und dem Abbasiden-Kalifat. Er verbesserte die Verwaltung und leitete eine Bildungsreform ein. Seine Kaiserkrönung zu Weihnachten 800 begründete das westliche mittelalterliche Kaisertum.

Nach seinem Tod 814 regierte Ludwig der Fromme. Seine geplante Reichsordnung führte zu Konflikten zwischen seinen Söhnen. 830 erhoben sich die ältesten Söhne gegen ihn; 833 wurde Ludwig auf dem „Lügenfeld bei Colmar“ gefangen genommen. Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche besiegten Lothar 841 bei Fontenoy und bekräftigten ihr Bündnis 842 mit den Straßburger Eiden. Der Vertrag von Verdun von 843 teilte das Reich: Karl erhielt den Westen, Ludwig den Osten und Lothar ein Mittelreich mit Italien. Nach weiteren Erbstreitigkeiten teilte der Vertrag von Meerssen 870 das Reich endgültiger. Eine kurze Wiedervereinigung unter Karl III. blieb eine Episode. 911 starb mit Ludwig dem Kind der letzte ostfränkische Karolinger; Konrad I. folgte ihm.

919 wurde Heinrich I. aus dem sächsischen Haus der Liudolfinger König. Er stärkte die Grenzsicherung, schloss 926 einen Waffenstillstand mit den Ungarn, besiegte sie 933 bei Riade und gewann 925 Lothringen. Otto I. (reg. 936–973) schlug die Ungarn 955 auf dem Lechfeld und förderte die Einbindung der Elbslawen sowie die Errichtung des Erzbistums Magdeburg. Am 2. Februar 962 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt. Damit verband sich die römische Kaiserwürde dauerhaft mit dem ostfränkischen beziehungsweise römisch-deutschen Königtum; Reichsitalien wurde eingegliedert.

Otto II. scheiterte 982 bei Kap Colonna gegen die Araber, und der Slawenaufstand von 983 schwächte die ostfränkische Missions- und Siedlungspolitik. Otto III. konzentrierte sich stark auf Italien. Heinrich II. (reg. 1002–1024) stärkte die Reichskirche, gründete das Bistum Bamberg, wurde 1014 zum Kaiser gekrönt und schloss 1018 den Frieden von Bautzen mit Polen. Da er kinderlos blieb, folgten 1024 die Salier.

Salier und Investiturstreit

1024 wählten die Fürsten den Salier Konrad II. zum König. Er erwarb 1032/33 das Königreich Burgund. Damit bestand das römisch-deutsche Reich aus dem nordalpinen Reichsteil, Reichsitalien und Burgund und erreichte einen Höhepunkt seiner Macht. Konrad förderte kirchliche Reformen und die Stadt Speyer.

Heinrich III. setzte diese Politik fort. Auf der Synode von Sutri setzte er 1046 drei rivalisierende Päpste ab und verbot kurz darauf die Simonie, also den Kauf oder Verkauf geistlicher Ämter. Die Investitur von Bischöfen und Äbten übte er weiterhin selbst aus. Die Reichskirche, also die enge Verbindung von Königtum und kirchlichen Institutionen, wurde stark in seine Herrschaft einbezogen. Heinrich erreichte außerdem die Lehnsherrschaft über Böhmen, Polen und Ungarn. Zugleich entstand Widerstand in Lothringen, Sachsen und Süddeutschland.

Heinrich IV. bestieg den Thron als Minderjähriger. Seine Versuche, den Einfluss der Fürsten einzudämmen, führten unter anderem zu Kämpfen in Sachsen. Gleichzeitig eskalierte der Investiturstreit zwischen König und Papst. Papst Gregor VII. verbot 1073 die Laieninvestitur, also die Einsetzung von Geistlichen durch weltliche Herrscher. Nachdem Heinrich dieses Verbot missachtet hatte, exkommunizierte Gregor ihn 1076. Um einer Absetzung zu entgehen, erreichte Heinrich im Gang nach Canossa 1077 die Aufhebung des Kirchenbanns.

Gegenkönige wie Rudolf von Rheinfelden und Hermann von Salm konnten sich nicht durchsetzen. Heinrich ließ sich 1084 zum Kaiser krönen und setzte Gregor VII. ab. Sein Sohn Heinrich V. verbündete sich jedoch mit den Fürsten gegen ihn und erreichte 1105 seine Absetzung. Das Wormser Konkordat von 1122 beendete den Investiturstreit durch einen Ausgleich zwischen König und Kirche. Heinrich V. musste wegen des Drucks der Fürsten schließlich wieder zur konsensualen Herrschaft zurückkehren.

Die Stauferzeit

Nach dem Tod Heinrichs V. 1125 wählten die Fürsten Lothar III. von Supplinburg. Ein Teil von ihnen erhob den Staufer Konrad III. zum Gegenkönig; nach Lothars Tod wurde Konrad 1138 König. Der Konflikt mit den Welfen bestimmte seine Herrschaft. Heinrich dem Löwen wurden Bayern und Sachsen zunächst entzogen, Sachsen erhielt er 1142 zurück. Konrad wurde außerdem durch den Zweiten Kreuzzug in die europäische Außenpolitik einbezogen.

Konrads Neffe Friedrich I. Barbarossa wurde 1152 König. Er arbeitete zunächst mit Heinrich dem Löwen zusammen und erhielt 1155 die Kaiserkrönung. Friedrich betonte den Honor Imperii, also die Wahrung der Reichsrechte. Gegen die nach größerer Selbstständigkeit strebenden lombardischen Städte war er zuerst erfolgreich; 1162 ließ er Mailand zerstören. Der Konflikt mit Papst Alexander III. verschärfte sich, nachdem Friedrich den Gegenpapst Viktor IV. unterstützt hatte. Der Lombardenbund besiegte Friedrich 1176 bei Legnano. Im Frieden von Venedig erkannte Friedrich Alexander III. als Papst an; der Friede von Konstanz von 1183 beendete die Kämpfe mit den lombardischen Städten durch Kompromisse.

1180 ächtete Friedrich Heinrich den Löwen und entzog ihm seine Herzogtümer. Bayern fiel an die Wittelsbacher, Sachsen wurde geteilt. Friedrich starb 1190 während des Dritten Kreuzzugs in Kleinarmenien.

Sein Sohn Heinrich VI. erwarb durch seine Ehe mit Konstanze 1194 das Königreich Sizilien einschließlich Unteritaliens. Sein Versuch, das Reich in eine Erbmonarchie umzuwandeln, scheiterte. Nach seinem Tod 1197 kam es zur Doppelwahl von Philipp von Schwaben und Otto IV. Nach Philipps Ermordung wurde Otto König, geriet aber wegen seines Anspruchs auf Sizilien in Konflikt mit Papst Innozenz III. Die Schlacht bei Bouvines 1214 entschied den Streit zugunsten Friedrichs II.

Friedrich II. regierte überwiegend von Sizilien aus, wo er über einen stärker organisierten Staatsapparat verfügte. Im deutschen Reichsteil gewannen die weltlichen und geistlichen Landesherren an Macht. 1220 wurde Friedrich Kaiser; 1235 setzte er seinen Sohn Heinrich ab und ließ Konrad IV. zum König wählen. Die Konflikte mit den Päpsten führten 1227 und 1239 zu Bannungen. Friedrich erreichte 1229 die kampflose Übergabe Jerusalems, konnte aber den dauerhaften Gegensatz zum Papsttum nicht überwinden. Nach Friedrichs Tod im Dezember 1250 zerfiel die staufische Herrschaft. Konrad IV. starb 1254, die Staufer verloren 1266 Sizilien; 1268 wurde Konradin, der letzte Staufer, in Neapel hingerichtet.

Interregnum und Wahlkönigtum

Das Spätmittelalter von etwa 1250 bis 1500 gilt in der neueren Forschung nicht grundsätzlich als Niedergangszeit. Nach dem Ende der Staufer wurde die ohnehin begrenzte Königsmacht jedoch weiter geschwächt. Im Interregnum von 1250 bis 1273 herrschten teilweise mehrere Könige gleichzeitig, ohne sich im gesamten Reich durchzusetzen. Das Reichsgut schrumpfte unter anderem durch Reichspfandschaften. Die Könige mussten ihre Macht deshalb durch Hausmachtpolitik, also den Ausbau eigener dynastischer Besitzungen, sichern.

Die Landesherren stärkten ihre Stellung. Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts beanspruchten die Kurfürsten ein exklusives Königswahlrecht und achteten auf die Wahrung ihrer Rechte. Rudolf von Habsburg beendete 1273 das Interregnum. Er erwarb Österreich, Steiermark und die Krain, ordnete das Reichsgut und errichtete Landvogteien, konnte aber die Kaiserkrone nicht gewinnen. Adolf von Nassau wurde 1298 abgesetzt und starb in der Schlacht von Göllheim. Albrecht I. wurde 1308 ermordet.

Heinrich VII. aus dem Haus Luxemburg wurde 1308 König, erwarb 1310 Böhmen und erhielt 1312 die Kaiserkrone. Er versuchte, das Kaisertum zu erneuern, starb aber 1313. 1314 setzte sich Ludwig der Bayer gegen Friedrich den Schönen durch. Ludwig erwarb unter anderem Brandenburg, Tirol, Holland, Zeeland und Hennegau. 1338 wies der Kurverein von Rhense die Forderung nach päpstlicher Bestätigung der Königswahl zurück; seine Kaiserkrönung von 1328 fand ohne den Papst statt.

Karl IV. (reg. 1346–1378) verlagerte den Herrschaftsschwerpunkt nach Böhmen und betrieb vor allem Hausmachtpolitik. Er gewann Brandenburg und die Lausitzen, verpfändete aber Reichsgut. 1348 wurde in Prag die erste deutschsprachige Universität des Heiligen Römischen Reichs gegründet, 1355 wurde Karl zum Kaiser gekrönt. Die Goldene Bulle von 1356 regelte das Wahlrecht der Kurfürsten und blieb bis zum Ende des Reiches eine Art Grundgesetz. Überbevölkerung, Missernten und Naturkatastrophen verursachten Hungersnöte; 1349/50 starb rund ein Drittel der Bevölkerung an der Pest. Gleichzeitig florierten Städte, Handel und die Hanse.

Das 15. Jahrhundert und der Übergang

Nach Karl IV. verfiel die Königsmacht weiter. Wenzel wurde 1400 von den vier rheinischen Kurfürsten abgesetzt; auch Ruprecht konnte den Verfall wegen fehlender Mittel nicht aufhalten. 1411 wurde Sigismund, ein Sohn Karls IV., König. Er wurde 1433 zum Kaiser gekrönt, konnte aber weder das Königtum stabilisieren noch eine Reichsreform gegen den Widerstand der Landesfürsten durchsetzen. Mit dem Konzil von Konstanz beendete er das Abendländische Schisma. Die Verurteilung und Hinrichtung von Jan Hus führte jedoch zu den Hussitenkriegen.

Nach Sigismunds Tod erlosch das Haus Luxemburg in männlicher Linie. Die Habsburger übernahmen die Königsherrschaft und stellten bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 fast durchgehend die Kaiser. Albrecht II. und Friedrich III. scheiterten an einer Reichsreform. Dennoch verdichteten sich die Beziehungen zwischen Königtum und Reichsgliedern in einem politischen und verfassungsrechtlichen Wandel, den Peter Moraw als „gestaltete Verdichtung“ bezeichnete.

Maximilian I. gewann Teile des burgundischen Erbes, geriet dadurch aber in einen längeren Konflikt mit Frankreich. Wegen der Türkenkriege und der Auseinandersetzungen mit Frankreich war er auf die Reichsstände angewiesen. Auf dem Wormser Reichstag wurde 1495 eine Reichsreform beschlossen. 1508 nahm Maximilian ohne päpstliche Krönung den Kaisertitel an und beendete damit die Krönungszüge römisch-deutscher Könige nach Rom. Seine Heiratspolitik stärkte die Habsburger in Böhmen, Ungarn und Spanien. Mit dem Aufstieg Habsburgs unter Karl V. zur Weltmacht endete das Mittelalter.

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