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Die gesamte Geschichte der deutschen Kaiser zum Einschlafen

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  1. Die gesamte Geschichte der deutschen Kaiser zum Einschlafen. Die Geburt des Heiligen Römischen Reiches. 8692. Es war einst eine Zeit, als die Sonne
  2. über den weiten Ebenen Europas langsam unterging und die Menschen sich nach Ruhe und Frieden sehnten. In dieser Zeit vor mehr als 1000 Jahren, begann eine
  3. Geschichte, die uns heute sanft in den Schlaf begleiten soll. Die Geschichte der deutschen Kaiser. Stellen Sie sich vor, wie die warmen Strahlen der
  4. Abendsonne durch die bunten Glasfenster einer alten Kirche fallen. Es ist das Jahr 800 und in der prächtigen Peterskirche zu Rom herrscht eine
  5. feierliche Stille. Ein großer Mann mit einem langen grauen Bart kniet vor dem Altar. Sein Name ist Karl, doch die Geschichte wird ihn als Karl den großen
  6. Carolus Magnus in Erinnerung behalten. Papst Leo de Trete nähert sich ihm mit einer goldenen Krone in den Händen. Die Krone funkelt im Kerzenlicht wie die
  7. Sterne am nächtlichen Himmel. Mit einer sanften, aber bedeutungsvollen Geste setzt der Papst die Krone auf Karls Haupt. In diesem Moment wird nicht nur
  8. ein Mann gekrönt, es wird ein Traum geboren, der Traum eines vereinten christlichen Reiches im Herzen Europas. Karl der Große war ein Herrscher, der
  9. sein Volk wie ein fürsorglicher Vater führte. Seine Augen blickten weit über die Grenzen seines Reiches hinaus, das sich von den Pyrénäen bis zur Elbe
  10. erstreckte. Wie ein ruhiger Fluss, der durch eine friedliche Landschaft fließt, breitete sich seine Herrschaft über das Land aus. Er liebte die Gelehrsamkeit
  11. und umgabisesten Männern seiner Zeit. In seiner Palastschule zu Aen versammelten sich Lehrer und Schüler aus aller Herrenländer, um das Wissen der
  12. Antike zu bewahren und zu mehren. Stellen Sie sich vor, wie Karl an einem milden Sommerabend durch die Gärten seiner Pfals wandelte. Die Luft war
  13. erfüllt vom Duft der Linden und dem leisen Gemurmel der Gelehrten, die unter den Bäumen disputierten. Die Sterne funkelten am klaren Himmel und Karl
  14. dachte an die Zukunft seines Reiches. Er wusste, dass große Dinge vergänglich sind wie die Blüten im Frühling. Doch er hoffte, dass sein Werk bestand haben
  15. würde. Nach Karls Tod im Jahre 814 teilten seine Söhne das große Reich unter sich auf, wie Kinder, die ein kostbares Erbe teilen. Der Traum der
  16. Einheit schien zu zerbrechen wie ein zerbrechlicher Traum beim Erwachen. Das Reich zerfiel in drei Teile. Das westfränkische Reich, das später zu
  17. Frankreich werden sollte, das ostfränkische Reich aus dem Deutschland entstehen würde und das Reich der Mitte, Lutheringien.
  18. Jahrhunderte vergingen wie langsame träge Wolken am Sommerhimmel. Die Nachkommen Karls des Großen herrschten über ihre Teilreiche, doch die Macht der
  19. Kaiser schwand wie das Licht bei Sonnenuntergang. Wikinger kamen von Norden her wie wilde Stürme. Magiaren ritten aus dem Osten
  20. heran wie Windböhnen. Unsere Zähnen bedrohten das Reich von Süden her. Doch manchmal, wenn die Nacht am dunkelsten ist, erscheint der erste Stern am
  21. Himmel. So war es auch mit Otto, dem Sohn Heinrichs des Vogelstellers. Otto dempertend, den die Geschichte Otto den Großen nennen wird, bestieg im Jahre
  22. den Thron des ostfränkischen Reiches. Otto war ein Herrscher mit der Weisheit eines alten Baumes und der Kraft eines Berges. Er besiegte die Magiaren in der
  23. Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre55, wie ein Hirte seine Herde vor den Wölfen beschützt. Das Volk atmete auf, wie nach einem langen, bangen Traum. Die
  24. Bedrohung von Osten war gebannt und Ruhe kehrte ins Land ein. Doch Otto träumte von mehr als nur Sicherheit. Er träumte von der Wiederbelebung des Kaisertraums
  25. Karls des Großen. Wie ein Pilger, der einem fernen heiligen Ziel entgegengeht, zog Otto nach Italien. Die Alpen lagen vor ihm wie schlafende Riesen, deren
  26. Gipfel im Mondlicht silbern schimmerten. In Rom wartete Papst Johannes Doezisti auf ihn. Am Z. Februar, als der Winter noch über dem Land lag
  27. und die ersten Knospen an den Bäumen zu sprießen begann, wurde Otto zum Kaiser gekrönt. In diesem Moment wurde das Heilige römische Reich geboren. Ein
  28. Reich, das fast 1000 Jahre bestehen sollte, länger als alle Reiche vor und nach ihm. Die Krönung fand in der alten Peterskirche statt, dort wo einst Karl
  29. der Große die Kaiserkrone empfangen hatte. Die Kerzen flackerten sanft im kalten Februarwind, der durch die offenen Türen wehte. Otto kniete vor dem
  30. Altar und als die goldene Krone sein Haupt berührte, war es, als würde der Geist Karls des Großen zurückkehren. Von diesem Tag an nannte man das Reich
  31. Sakrum Imperium Romanum, das Heilige römische Reich. Es sollte ein Reich sein, das Ost und West, Nord und Süd vereinte. Ein Reich, in dem Friede und
  32. Gerechtigkeit herrschten wie ewiger Frühling. Otto kehrte nach Deutschland zurück wie ein Held, der eine große Quest vollendet hat. Sein Reich
  33. erstreckte sich nun von der Nordsee bis nach Rom, von der Elbe bis zu den Alpen. Unter seiner milden Herrschaft blüht Künste und Wissenschaften auf wie Blumen
  34. nach einem warmen Regen. Teil 2: Die Otonen und Salier. 962 1125. Nachdem Otto der Große den Grundstein für das Heilige römische Reich gelegt
  35. hatte, übernahm sein Sohn Otto II. die Herrschaft wie ein Sohn das kostbare Erbe seines Vaters übernimmt. Otto I war ein Herrscher mit dem Mut eines Löwen
  36. und der Klugheit einer Eule. Er heiratete die byzantinische Prinzessin Theofanu, eine Frau von großer Schönheit und noch größerer Weisheit, deren Augen
  37. funkelten wie die Sterne des Ostens. Stellen Sie sich vor, wie Theofanu in den kalten deutschen Winternächten am Kamin saß und ihrem kleinen Sohn Otto
  38. Geschichten aus Bzanz erzählte. Sie sprach von goldenen Palästen, von Kaisern in purpurnen Gewändern und von einer Welt, in der Kunst und Kultur
  39. blühten wie ein Garten im Frühling. Ihre sanfte Stimme erfüllte die Gemächer wie der Duft von Weihauch eine Kirche. Als Otto De Zweige früh starb, übernahm
  40. Theofanu die Regentschaft für ihren noch minderjährigen Sohn Otto de I. Wie eine weise Königin aus einem Märchen führte sie das Reich mit fester, aber
  41. liebevoller Hand. Sie brachte byzantinische Kultur und Kunst nach Deutschland und unter ihrer Herrschaft erstrahlte das Reich in neuem Glanz.
  42. Otto Det, der unter der liebevollen Führung seiner Mutter aufgewachsen war, träumte von einem universalen Kaiserreich. Er sah sich selbst als
  43. Nachfolger der römischen Cäsaren und wollte sein Reich von Rom ausregieren. Wie ein junger Adler, der zum ersten Mal seine Flügel ausbreitet, strebte er nach
  44. den höchsten Höhen. Doch Otto de Drei starb jung, noch bevor sein Traum Wirklichkeit werden konnte. Sein Tod war wie ein Blatt, das zu früh vom Baum
  45. fällt. Mit ihm endete die direkte Linie der Otonen, doch ihr Vermächtnis lebte weiter wie ein Lied, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.
  46. Heinrich II. Ein Verwandter der Otonen übernahm die Krone. Er war ein Herrscher von großer Frömigkeit, der seine Macht als Geschenk Gottes betrachtete.
  47. Heinrich liebte die Kirche, wie ein Sohn seine Mutter liebt, und er und seine Gemahlin Kunigunde lebten in solcher Heiligkeit, dass die Kirche sie später
  48. zu ihren Heiligen zählte. Unter Heinrichs Herrschaft war das Reich wie ein friedlicher Garten, in dem jeder Baum seine Früchte trug. Er gründete das
  49. Bistum Bamberg und machte es zu einem Zentrum der Gelehrsamkeit und Kunst. Wenn man heute durch die alten Straßen Bambergs wandelt, kann man noch immer
  50. seinen Geist spüren wie einen sanften Wind, der durch die Geschichte weäht. Nach Heinrichs Tod im Jahre wählten die deutschen Fürsten Konrad II.
  51. aus dem Hause der Salier zum König. Die Salier waren wie frische Winde, die neue Ideen und neue Energie ins Reich brachten. Konrad II. war ein Herrscher
  52. von großer Tatkraft und Vision. Er erweiterte das Reich und festigte seine Macht wie ein geschickter Gärtner, der seinem Garten zu neuer Blüte verhilft.
  53. Sein Sohn Heinrich der Dre erbte nicht nur die Krone, sondern auch die Ideale seines Vaters. Heinrich Der D war ein Kaiser von tiefer Religiosität und
  54. hohemischen Anspruch. Er sah sich als Stellvertreter Gottes auf Erden und wollte die Kirche von allen weltlichen Einflüssen befreien. wie man einen
  55. kostbaren Edelstein von allem Schmutz befreit. Doch Heinrichs Sohn Heinrich Vierfer sollte eine der schwierigsten Zeiten der deutschen Kaisergeschichte
  56. erleben. Er war noch ein Kind, als er den Thron bestieg und seine Mutter Agnes führte die Regentschaft wie eine Hirtin, die ihre Herde durch schwieriges Gelände
  57. führt. Als Heinrich den vier erwachsen wurde, sah er sich einem mächtigen Gegner gegenüber, Papst Gregor Sebn. Dieser Papst war ein Mann von eisernem
  58. Willen und unerschütterlichem Glauben, der die Kirche von allen weltlichen Einflüssen befreien wollte. Der Streit zwischen Kaiser und Papst entzündete
  59. sich an der Frage der Investitur: Wer hatte das Recht, Bischöfe zu ernennen? Der Konflikt eskalierte, als Gregor Seponmer Heinrich der VI exkommunizierte
  60. und seine Untertanen von ihren Treueiden entbannt. Heinrich stand plötzlich allein da wie ein Baum im Sturm. Die deutschen Fürsten wandten sich von ihm
  61. ab und sein Reich drohte zu zerfallen wie ein Bauwerk aus Sand. In dieser dunkelsten Stunde fasste Heinrich einen verzweifelten Entschluss. Im harten
  62. Winter des Jahres 1077 machte er sich auf den Weg über die verschneiten Alpen nach Kanosa, wo der Papst in der Burg der Marktgräfin
  63. Matilde weilte. Die Reise war beschwerlich, wie der Weg eines Pilgers zu einem fernen Heiligtum. Stellen Sie sich vor, wie Heinrich vor den Toren der
  64. Burg Kanossa stand. Drei Tage und drei Nächte harrte er dort aus, barfuß und in einem Büßergewand, während der kalte Januarwind über die
  65. Berge fegte. Die Schneeflocken fielen auf sein unbedecktes Haupt wie Tränen des Himmels. Schließlich öffneten sich die Tore und Papst Gregor Seffenbeirer
  66. gewährte ihm die Audienz. Heinrich kniete vor dem Papst nieder wie ein ruiger Sohn vor seinem Vater. Gregor löste den Bann, doch die Demütigung von
  67. Kanossa sollte Heinrich sein Leben lang verfolgen wie ein Schatten. Heinrich kehrte nach Deutschland zurück, doch sein Kampf mit der Kirche war noch nicht
  68. zu Ende. Jahre vergingen, in denen Kaiser und Papst um die Macht rangen wie zwei Titanen. Heinrich musste erleben, wie seine eigenen Söhne sich gegen ihn
  69. wandten, getrieben von Ehrgeiz und dem Wunsch nach Macht. Der alte Kaiser starb einsam und verlassen, doch sein Sohn Heinrich Fund setzte den Kampf fort.
  70. Erst mit dem Wormser Konkordat von 1122 fand der lange Streit zwischen Kaiser und Papst sein Ende. Wie zwei müde Kämpfer, die ihre Waffen niederlegen,
  71. einigten sich Kaiser und Papst auf einen Kompromiss. Der Kaiser durfte weiterhin die weltlichen Rechte der Bischhöfe verleihen, doch die geistliche
  72. Investitur blieb dem Papst vorbehalten. Mit Heinrich V endete die Dynastie der Salier im Jahre 1125. Sie hatten das Reich durch schwere
  73. Zeiten geführt wie Sterne, die Wanderern in der Nacht den Weg weisen. Ihr Vermächtnis war ein Reich, das gestärkt aus den Kämpfen hervorgegangen war und
  74. bereit für neue Herausforderungen. Teil 3: Die Staufer Glanz und Fall. 1155255 1250.
  75. Nach dem Ende der Salier erwachte das Reich wie ein Garten nach einem langen Winter zu neuer Blüte. Die deutschen Fürsten wählten Lotha von Suplinburg zum
  76. König, einen Mann von ruhiger Weisheit und bedachter Art. Doch nach seinem Tod entbrannte ein Kampf um die Krone zwischen zwei mächtigen Familien, den
  77. Wen und den Staufern. Ein Streit, der das Reich erschüttern sollte wie Donner einen stillen See. Konrad Hendenz aus dem Hause der Staufer ergriff die Macht
  78. im Jahre 113. Er war wie ein Morgenstern, der den Aufstieg einer neuen Dynastie ankündigte. Konrad war ein Herrscher von
  79. großer Tapferkeit, doch sein Leben wurde überschattet von den Kämpfen mit seinem Rivalen Heinrich dem Stolzen aus dem Hause der Wen stellen Sie sich vor, wie
  80. die beiden Heere einander gegenüber standen, wie Gewitterwolken am Horizont. Doch Konrad erkannte, dass das Reich mehr brauchte als innere Kämpfe. Er nahm
  81. das Kreuz und zog ins heilige Land, um Jerusalem zu befreien. Doch die Wüstensonne und die Pfeile der Sarazhen zwangen ihn zur Umkehr wie einen
  82. Wanderer, der vor einem unüberwindlichen Berg steht. Als Konrad der Dretti starb, folgte ihm sein Neffe Friedrich der Ste auf den Thron. Jener Friedrich, den die
  83. Geschichte als Barbarossa den Rotbart in ewiger Erinnerung behalten sollte. Friedrich war ein Kaiser wie aus einem Märchen, groß und stark, mit einem roten
  84. Bart, der im Sonnenlicht leuchtete wie glühendes Kupfer. Seine Augen blickten weit und tief wie das Meer und seine Stimme klang wie das Rauschen eines
  85. mächtigen Stroms. Friedrich Barbarossa träumte von einem Reich, das von der Ostsee bis nach Sizilien reichen sollte. Er sah sich als rechtmäßigen Nachfolger
  86. der römischen Kaiser und wollte die Herrlichkeit des antiken Imperiums wiedererwecken. Wie ein Adler, der majestätisch über die Berge gleitet,
  87. erstreckte sich seine Vision über ganz Europa. Sechs mal zog Friedrich nach Italien, um seine Herrschaft über die reichen lombardischen Städte zu
  88. festigen. Diese Städte waren wie trotzige Kinder geworden, die sich gegen die väterliche Autorität auflehnten. Mailand, die stolzeste unter ihnen,
  89. widersetzte sich dem Kaiser mit solcher Hartnäckigkeit, dass Friedrich schließlich die Stadt schleifen ließ, wie einen Gärtner, der Unkraut jätet.
  90. Doch die Lombardenstädte schlossen sich zusammen wie Geschwister, die einander in der Not beistehen. Sie bildeten den Lombardenbund und fanden einen mächtigen
  91. Verbündeten in Papst Alexander den Zette. Die Schlacht von Legano im Jahre und wurde zu Friedrichs schwerster Niederlage. Wie ein Gewitter, das
  92. plötzlich über einen sonnigen Tag hereinbricht, zerbrach sein Traum von der italienischen Herrschaft. Doch Friedrich war ein weiser Herrscher, der
  93. aus Niederlagen zu lernen verstand. Im Frieden von Konstanz erkannte er die Rechte der lombardischen Städte an, behielt aber seine kaiserliche
  94. Oberhoheit. Es war ein Kompromiss wie ein Regenbogen nach einem Sturm. Beide Seiten konnten zufrieden sein. In Deutschland festigte Friedrich seine
  95. Macht durch geschickte Politik. Er versöhnte sich mit Heinrich, dem Löwen, dem mächtigen Wenherzog, und für eine Zeit herrschte Friede im Reich, wie eine
  96. sanfte Abendbrise über einem stillen See. Heinrich der Löwe war ein Herrscher von großer Tatkraft, der neue Städte gründete und das Land Urbachte wie ein
  97. Bauer, der brachliegende Felder zum Leben erweckt. Doch auch diese Harmonie war nicht von Dauer. Heinrich der Löwe wurde zu mächtig, zu stolz. Als
  98. Friedrich ihn um Hilfe für einen seiner Italienzüge bat und Heinrich diese verweigerte, zerbrach das Bündnis wie Glas. Friedrich ließ Heinrich
  99. verurteilen und in die Verbannung schicken. Der mächtige Herzog ging nach England ins Exil, wie ein gestürzter Stern, der vom Himmel fällt. Im Jahre
  100. 1189, als Friedrich bereits über 60 Jahre alt war, nahm er das Kreuz für den dritten Kreuzzug. Sein Bart war inzwischen weiß geworden wie Schnee auf
  101. einem Berggipfel, doch sein Geist war noch immer jung und feurig. Mit einem gewaltigen Heer zog er gehen Osten, um das heilige Land zu befreien. Die Reise
  102. führte ihn durch das Byzantinische Reich und Anatolien. Überall wurde er empfangen wie ein legendärer Held. Doch am 10. Juni,
  103. als er den kleinen Fluss Salev in Anatolien durchqueren wollte, ertrank der große Kaiser. Manche sagen, er sei vom Pferd gestürzt, andere behaupten,
  104. sein Herz habe versagt. Wie auch immer, der rote Bart verschwand für immer unter den Wellen. Doch das Volk wollte nicht glauben, dass ihr geliebter Kaiser tot
  105. sei. Bald entstanden Legenden, die erzählten: Barbarossa schlafe in einem Berg im Küffhäuser, umgeben von seinen treuen Rittern.
  106. Dort warte er auf die Stunde, da Deutschland ihn am meisten brauche. Sein Bart wachse durch den steinernen Tisch und wenn er dreimal um den Berg
  107. gewachsen sei, werde Barbarossa erwachen und sein Reich erneuern. Friedrichs Sohn Heinrich VI erbte nicht nur die Krone, sondern auch das sizilianische
  108. Königreich durch seine Ehe mit Konstanze von Sizilien. Heinrich war ein Herrscher von großer Intelligenz und eisernem Willen, doch auch von unbändiger
  109. Grausamkeit. Unter seiner Herrschaft erstreckte sich das Reich von der Nordsee bis nach Sizilien wie ein gewaltiger Adler, der seine Schwingen
  110. über ganz Europa breitet. Heinrich träumte von einem Erbkaiserreich, in dem die Krone nicht mehr gewählt, sondern vererbt wurde. Doch der frühe Tod
  111. ereilte auch ihn wie ein kalter Wind, der eine Kerze auslöscht. Er starb im Jahre7 in Messina und hinterließ nur einen kleinen Sohn Friedrich II. Teil 4.
  112. Das Interregnum und die Luxemburger 1250 1437. Als Friedrich den II, der letzte große Stauferkaiser, im Jahre in seinem
  113. geliebten Sizilien starb, war es, als würde die Sonne über dem Heiligen Römischen Reich untergehen. Sein Tod markierte das Ende einer Era und den
  114. Beginn einer Zeit, die die Geschichtsschreiber das Interregnum nennen würden. Eine Zeit ohne Kaiser, dunkel und verworren wie ein Wald
  115. inloser Nacht. Friedrich II. II. war ein Kaiser gewesen, wie ihn die Welt noch nie gesehen hatte. Die Menschen nannten ihn Stupor Mundis, das Staunen der Welt.
  116. Er sprach neun Sprachen, liebte die Wissenschaften und Künste. Und sein Hof in Sizilien war ein Zentrum der Gelehrsamkeit, wo christliche, arabische
  117. und jüdische Weise zusammenkamen wie Sterne in einer Konstellation. Doch mit seinem Tod zerbrach das mächtige Staufereich wie ein kostbares Gefäß, das
  118. zu Boden fällt. Sein Sohn Konrad der I. starb bereits vier Jahre später. Und mit dem jungen Konradin endete8 die stolze Dynastie der Staufer auf dem
  119. Schafft in Neapel wie eine Blume, die vom Frost dahinerafft wird. Deutschland versank im Chaos des Interregnums. Verschiedene Pretendenten
  120. erhoben Anspruch auf die Krone, wie hungrige Wölfe, die um Beute kämpfen. Richard von Cornwall und Alfons von Castilien ließen sich zu Königen wählen,
  121. doch ihre Macht reichte nicht weiter als der Schatten, den sie warfen. Das Reich zerfiel in unzählige kleine Territorien. Jeder Fürst war sein eigener Herr
  122. geworden. In dieser Zeit der Verwirrung erstärkten die Städte wie junge Bäume nach einem Waldbrand. Sie schloossen sich zu Bünden zusammen, um sich zu
  123. schützen und den Handel zu fördern. Die Hanse im Norden und der Rheinische Städtebund wurden zu mächtigen Faktoren, die ihre eigene Politik betrieben, wie
  124. kluge Kaufleute, die ihre Geschäfte führen. Doch nach 20 Jahren der Wirren sehnten sich die Menschen nach Frieden und Ordnung wie Wanderer nach einem
  125. warmen Feuer in kalter Nacht. Die deutschen Fürsten erkannten, daß sie einen starken Kaiser brauchten, und ihre Wahl fiel auf Rudolf von Habsburg, einen
  126. Grafen aus dem Schweizerischen Argau. Rudolf Isbeste war kein mächtiger Fürst, keine schillernde Gestalt wie die großen Staufer vor ihm. Er war ein Mann von
  127. mittleren Jahren, bescheiden in seinem Auftreten wie ein Landedelmann, der seine Felder bestellt. Doch gerade diese Bescheidenheit machte ihn für die
  128. Fürsten akzeptabel. Er war stark genug, um Ordnung zu schaffen, aber nicht so mächtig, daß er ihre eigene Stellung bedrohte. Rudolf erwies sich als
  129. geschickter und weitsichtiger Herrscher. Er besiegte Otoka von Böhmen, der sich zu mächtig geworden war und eroberte Österreich und die Steiermark für das
  130. Reich. Diese Länder verlie seinen Söhnen als Lehen, und so begann der Aufstieg der Habsburger zu einer der mächtigsten Dynastien Europas wie ein kleiner Bach,
  131. der zu einem gewaltigen Strom anschwillt. Nach Rudolfs Tod wählten die Fürsten bewusst schwächere Herrscher Adolf von Nassau und Heinrich Sepzin von
  132. Luxemburg. Sie wollten keinen neuen Rudolf, der zu stark werden könnte. Heinrich Seben war der erste Kaiser seit langer Zeit, der wieder nach Rom zog, um
  133. sich dort krönen zu lassen. Doch er starb früh in Italien und seine Träume von einem neuen Kaiserreich zerrannen wie tau in der Morgensonne. Ludwig de
  134. VI. Der Bier folgte ihm auf den Thron, doch seine Herrschaft wurde überschattet von einem erbitterten Kampf mit dem Papst in Avignon. Wie seine Vorgänger
  135. mußte er lernen, daß die Zeiten der großen mittelalterlichen Kaiser vorbei waren. Die Macht war zersplittert, die Welt komplexer geworden. Einen neuen
  136. Höhepunkt erreichte das Kaisertum unter Karl VI aus dem Hause Luxemburg. Karl war in Paris erzogen worden und brachte die Kultur des Westens mit nach
  137. Deutschland wie ein Händler kostbare Waren aus fernen Ländern. Er war ein Kaiser von großer Bildung und diplomatischem Geschick, der verstand,
  138. daß die Zeit der Gewalt vorüber war und die Zukunft der Klugheit gehörte. Karl I machte Prag zu seiner Residenz und verwandelte die Stadt in ein glänzendes
  139. Zentrum der Kunst und Wissenschaft. Die Karlsbrücke über die Moldau und der majestätische FeDom zeugen noch heute von seinem Willen zur Schönheit. Er
  140. gründete die erste deutsche Universität in Prag und zog Gelehrte aus ganz Europa an, wie ein Magnet das Eisen anzieht. Sein wichtigstes Werk war die goldene
  141. Bulle von 1356, ein Gesetz, das die Kaiserwahl endgültig regelte. Sieben Kurfürsten sollten in Zukunft den Kaiser wählen. Die Erzbischöfe von Mainz, Köln
  142. und Trier, der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg.
  143. Diese goldene Bulle blieb über vier Jahre lang das Grundgesetz des Reiches, stabil und dauerhaft wie ein Fundament aus festem Stein. Karl verstand es, das
  144. Reich zu einen, ohne Gewalt anzuwenden. Er reiste unermüdlich durch seine Lande wie ein Hirte, der seine Herde zusammenhält. Überall wurde er mit
  145. Freuden empfangen, denn die Menschen erkannten in ihm einen Herrscher, der ihr wohlsuchte und nicht nur seine eigene Macht. Doch auch Karls Söhne
  146. konnten den Glanz ihres Vaters nicht bewahren. Wenzel wurde als unfähig abgesetzt und Sigesmund, der letzte Luxemburger auf dem Kaiserton,
  147. verbrachte den größten Teil seiner langen Herrschaft mit dem Kampf gegen die Hositen in Böhmen und die Türken an den Grenzen des Reiches. Sigismund war
  148. ein Herrscher von großer Tatkraft, doch die Zeiten waren schwierig geworden. Die Kirche war gespalten. Konzil von Konstanz rang um die Einheit der
  149. Christenheit wie Ärzte um das Leben eines schwerkranken Patienten. Sigismund spielte eine wichtige Rolle bei der Überwindung des großen Schismas, doch
  150. seine Bemühungen um Reformen im Reich blieben weitgehend erfolglos. Als sie Gismund 1437 starb, endete mit ihm die Dynastie der
  151. Luxemburger. Das Reich stand an einem Wendepunkt seiner Geschichte. Die Zeit der großen reisenden Kaiser war vorüber. Die Zukunft würde anderen gehören, den
  152. Habsburgern, die aus dem fernen Österreich kamen und das Reich für Jahrhunderte prägen sollten wie ein Fluss, der ein neues Bett gräbt. Teil 5.
  153. Die Habsburger Vormacht, 1438 156. Mit der Wahl Albrecht von Habsburg im Jahre
  154. begann eine neue Era in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. Die Habsburger, jene bescheidene Adelsfamilie aus dem Argau, die Rudolf
  155. Estares zur Macht verholfen hatte, waren nun bereit, das Schicksal Europas in ihre Hände zu nehmen wie ein Gärtner, der einen kostbaren Garten übernimmt.
  156. Albrecht II. II herrschte nur kurz wie ein Stern, der hell aufleuchtet und schnell wieder erlischt. Doch sein Tod brachte einen noch
  157. bedeutenderen Herrscher hervor, Friedrich Denite, den letzten Kaiser, der in Rom gekrönt werden sollte. Friedrich war ein stiller, bedächtiger
  158. Mann, der sich lieber mit Büchern und gelehrten Gesprächen beschäftigte, als mit Kriegen und Intrigen. Die Menschen seiner Zeit verstanden Friedrich oft
  159. nicht. Sie sahen einen Kaiser, der sich in seine österreichischen Lande zurückzog, statt das Reich zu einen. Doch Friedrich dachte in längeren
  160. Zeiträumen als andere Menschen. Sein Wahlspruch war das geheimnisvolle A I Ou. Austria eritt in Orbe ultima. Österreich wird in der Welt das letzte
  161. sein. Oder wie manche deuteten, alles Erdreich ist Österreich untertan. Friedrich II. verstand die Kunst der dynastischen Politik, wie ein
  162. Schachmeister die Züge auf dem Brett. Während andere Herrscher ihre Energie in kostspieligen Kriegen verbrauchten, schmiedete er Ehebündnisse, die seinem
  163. Hause für Jahrhunderte Macht verschaffen sollten. Die Hochzeit seines Sohnes Maximilian mit Maria von Burgund war wie der erste Zug in einem großen Spiel, das
  164. Europa verändern würde. Als Friedrich 1493 starb, hinterließ er seinem Sohn ein Reich, das äußerlich schwach erschien, aber die Samen künftiger Größe
  165. in sich, trug wie ein karger Boden, unter dem reiche Schätze verborgen liegen. Maximilian de Fousmeister, den die Menschen liebevoll den letzten
  166. Ritter nannten, war das Gegenteil seines bedächtigen Vaters. Er war ein Mann der Tat und des Abenteuers, ein Herrscher, der die Menschen faszinierte wie ein
  167. Held aus alten Sagen. Mit seinem goldenen Haar und seinen strahlenden Augen verkörperte er das Ideal des ritterlichen Kaisers. Maximilian liebte
  168. die Jagd und den Kampf, die Kunst und die Musik. Er konnte mit gleicher Begeisterung eine Burg belagern oder ein Gedicht verfassen, einen Hirsch erlegen
  169. oder einen gelehrten Disput führen. Sein Hof war ein Zentrum der Renaissancekultur, wo Künstler wie Dürer und Gelehrte wie
  170. Konrad Zeltis zusammenkamen wie Sterne in einer hell funkelnden Konstellation. Doch Maximilian war mehr als nur ein romantischer Ritter. Er war ein
  171. geschickter Diplomat, der das Habsburgische Hausmachtprinzip zur Vollendung führte. Seine eigene Ehe mit Maria von Burgund brachte die reichen
  172. niederländischen Provinzen in Habsburgischen Besitz. Die Eheschließungen seiner Kinder waren strategisch geplant wie die Züge eines
  173. Feldherrn. Philip den Schönen, seinen Sohn, verheiratete er mit Johanna der Wahnsinnigen von Spanien. Diese Ehe sollte den Habsburgern die spanische
  174. Krone und die unermesslichen Schätze der neuen Welt einbringen. Seine Enkelkinder verheiratete er mit den Erben Böhmens und Ungarns. So webte Maximilian ein
  175. Netz dynastischer Verbindungen über ganz Europa wie ein geschickter Weber, ein kostbares Gewand. Als Maximilian 15.19 starb, hinterließ er seinem Enkel Karl
  176. ein Erbe, das alle Träume übertraf. Karl VI erbte ein Reich, über das die Sonne niemals unterging. Deutschland und Österreich, die Niederlande und Spanien,
  177. Teile Italiens und die fernen Kolonien in Amerika. Er war der mächtigste Herrscher seit Karl dem Großen, ein Kaiser, dessen Macht die Grenzen Europas
  178. überschritt. Stellen Sie sich vor, wie der junge Karl zum ersten Mal die Karte seines Reiches betrachtete. Von den nebligen Küsten Flanderns bis zu den
  179. sonnigen Stränden Andalusiens, von den Goldminen Perus bis zu den Gewürzinseln der Moluken, erstreckte sich seine Herrschaft. Es muss sich angefühlt
  180. haben, als trüge er die ganze Welt auf seinen Schultern. Doch diese Macht brachte auch gewaltige Verantwortung und endlose Sorgen mit sich. Karl mußte
  181. gegen Franz von Frankreich kämpfen, der das Habsburgische Reich wie einen Ring umschloß, der zu eng geworden war. "Fünf große Kriege", führte er gegen den
  182. französischen König. Kämpfe, die sich über ganz Europa erstreckten wie Schatten bei untergehender Sonne. Im Osten bedrohten die Türken unter Sultan
  183. Süleimann, dem Prächtigen das Reich. Zweimal standen sie vor den Mauern Wiens. Und ganz Europa zitterte vor der islamischen Macht wie Blätter vor dem
  184. Sturm. Karl mußte seine Kräfte teilen zwischen dem Kampf im Westen gegen Frankreich und der Verteidigung im Osten gegen die Türken. Doch die größte
  185. Herausforderung kam aus dem eigenen Reich. Martin Luther hatte seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen und die Reformation breitete
  186. sich aus wie ein Lauffeuer. Karl, ein treuer Sohn der katholischen Kirche, sah seine Pflicht darin, die Einheit des Glaubens zu bewahren. Ich bin
  187. entschlossen, alles einzusetzen. Meine Reiche und Herrschaften, meine Freunde, meinen Leib und mein Blut, mein Leben und meine Seele", erklärte er auf dem
  188. Reichstag zu Worms. Jahre vergingen in religiösen Kriegen, die das Reich zerrissen wie einen kostbaren Stoff. Der schmalkaldische Bund der
  189. protestantischen Fürsten kämpfte gegen den Kaiser, Bruder gegen Bruder, Deutsche gegen Deutsche. Karl siegte in der Schlacht bei Mühlberg, doch der Sieg
  190. war bitter wie Wehrmut, denn er brachte keine Einheit, sondern nur tiefere Spaltung. Teil 6 Die Zeit der Reformation und Kriege.
  191. 1640. Im Jahre 156, als die Herbstblätter golden von den Bäumen fielen, traf Karl Finn eine
  192. Entscheidung, die Europa erschüttern sollte. In einer feierlichen Zeremonie im Palast zu Brüssel dankte er ab als erster Kaiser in der Geschichte des
  193. Reiches, der freiwillig die Krone niederlegte wie ein müderer sein Gepäck. Karl war erst Jahre alt, doch die Last der Welt hatte ihn vorzeitig altern Haar
  194. war weiß geworden wie Schnee, sein Gesicht von Sorgenfalten durchzogen wie eine Landkarte schwerer Wege. "Ich bin müde", sagte er zu seinen weinenden
  195. Höflingen. "Gott hat mir mehr auferlegt, als ein Mensch tragen kann. Das gewaltige Reich wurde geteilt wie ein zu groß gewordenes Gewand. Die spanischen
  196. Besitzungen mit den reichen Kolonien in Amerika gingen an seinen Sohn Philip II. während die deutschen Lande an seinen Bruder Ferdinand fielen. Es war das Ende
  197. des universalen Kaiserreichs, doch der Beginn einer neuen Epoche. Ferdinand I. War ein ruhiger, besonnener Herrscher, der die Kunst des Ausgleichs verstand,
  198. wie ein erfahrener Diplomat die Geheimnisse der Verhandlung. Er hatte Jahre als Stadthalter in den deutschen Länden verbracht und kannte die Nöte und
  199. Sorgen seiner Untertanen, wie ein Hirte seine Herde kennt. Als Ferdinand die Kaiserkrone übernahm, stand das Reich vor gewaltigen Herausforderungen. Die
  200. Reformation hatte das Land gespalten, die Türken bedrohten weiterhin die Ostgrenzen und die alten Institutionen schienen nicht mehr den neuen Zeiten zu
  201. entsprechen. Ferdinand erkannte, dass nur Kompromisse das Reich retten konnten. Der Augsburger Religionsfrieden von 155
  202. war sein größtes Werk. Kuius Regio Eius Religio, wessen das Land, dessen der Glaube, wurde zum Grundsatz, der den konfessionellen Frieden sicherte, wie
  203. ein Deich das Land vor Überschwemmung schützt. Es war kein perfekter Frieden, aber er brachte dem Kriegsmüden Reich eine Generation der Ruhe. Ferdinand
  204. liebte die Musik und die Künste. An seinem Hof in Wien versammelten sich Musiker und Gelehrte aus ganz Europa. Die Hofkapelle wurde berühmt für ihre
  205. Mutetten und Messen und der Klang der Musik erfüllte die kaiserlichen Gemächer wie Weihauch eine Kathedrale. Sein Sohn Maximilian II. erbte die tolerante
  206. Gesinnung des Vaters. Maximilian war ein Herrscher der Renaissance, gebildet und aufgeschlossen, der ins geheim mit dem Protestantismus sympathisierte. Doch aus
  207. politischer Klugheit katholisch blieb. Unter seiner Herrschaft erlebte das Reich eine Blütezeit der Kultur und Wissenschaft. Doch diese goldenen Jahre
  208. sollten nicht von Dauer sein. Rudolf den II, Maximilians Sohn, war ein Herrscher von ganz anderem Schlag. Rudolf war ein Melancholiker, ein Grübler, der sich
  209. immer mehr von den Regierungsgeschäften zurückzog, wie ein Einsiedler in seine Klause. Rudolf machte Prag zu seiner Residenz und verwandelte die Ratschin in
  210. ein Zentrum für Alchemie und okkulte Wissenschaften. Magier und charlatane, Astronomen und Astrologen, bevölkerten seinen Hof wie merkwürdige Vögel einen
  211. verwunschenen Garten. Der Kaiser sammelte Kunstwerke und Kuriositäten, suchte den Stein der Weisen und das Elixier des Lebens. Während Rudolf in
  212. seinen Studien versunken war, geriet das Reich in immer größere Unordnung. Die Religionsgegensätze verschärften sich wieder, denn die Gegenreformation hatte
  213. begonnen. Die Jesuiten predigten mit missionarischem Eifer. Die protestantischen Prediger antworteten mit gleicher Leidenschaft und zwischen
  214. ihnen wuchs die Spannung wie Gewitterwolken am Sommerhimmel. In Böhmen kam es zum offenen Aufstand, als die protestantischen Stände ihre
  215. katholischen Stadthalter aus den Fenstern der Pragerburg warfen. Der berühmte Prager Fenstersturz von 16 und 18, der wie ein Funke das Pulverfass
  216. Europa entzündete. Rudolfs Bruder Matthias übernahm die Regierung, doch auch er konnte den Frieden nicht bewahren. Als er starb, folgte ihm
  217. Ferdinand I. Ein Kaiser von tiefer Frömkeit und eisernem Willen, der entschlossen war, die Einheit des katholischen Glaubens
  218. wiederherzustellen, koste es, was es wolle. Ferdinand II. war das Gegenteil seines schwermütigen Vorgängers. Er war ein Mann der Tat, ein Kämpfer für seine
  219. Überzeugungen, der bereit war, alles für seinen Glauben zu opfern, wie ein Kreuzritter für das heilige Land. Sein Wahlspruch war: "Besser eine Wüste
  220. regieren als ein Land voller Ketzer." Der dreißigjährige Krieg, der nun begann, sollte Deutschland verwüsten wie eine Pest. Was als böhmischer Aufstand
  221. begonnen hatte, weitete sich zu einem europäischen Krieg aus, der alle Mächte des Kontinents erfasste, wie ein Waldbrand, der außer Kontrolle gerät. In
  222. der Schlacht am Weißen Berg bei Prag besiegte Ferdinand die bömischen Protestanten, doch der Sieg brachte keinen Frieden. Schwedische und dänische
  223. Heere marschierten in Deutschland ein. Französische Truppen kämpften an der Seite der Protestanten und das Reich wurde zum Schlachtfeld Europas. Städte
  224. wurden erobert und geplündert, Dörfer niedergebrannt, Menschen erschlagen oder vertrieben wie Blätter im Herbststurm. Magdeburg, die stolze Hansestadt, wurde
  225. so gründlich zerstört, dass man sie die Magdeburgische Bluthochzeit nannte. Söldnerere zogen durch das Land wie Heuschrecken, die alles Karl fressen.
  226. General Tilly und Wallenstein, Gustavus Adolfus von Schweden und Bernhard von Weimer. Ihre Namen klangen durch Europa wie Donner am Himmel. Sie führten ihre
  227. Armeen von Schlacht zu Schlacht, von Sieg zu Niederlage und hinter ihnen blieben verbrannte Erde und weinende Witwen zurück. Ferdinand Zetti, der 1637
  228. die Nachfolge seines Vaters antrat, erkannte endlich, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Er war ein müder Mann geworden, gealtert vor seiner Zeit,
  229. der nur noch den Frieden suchte wie ein Durstiger das Wasser. Die Friedensverhandlungen in Münster und Osnerbrück zogen sich Jahre hin wie eine
  230. schwere Krankheit. Endlich, am 24. Oktober 1648 wurde der westfälische Friede unterzeichnet. Die Glocken läuteten in
  231. ganz Deutschland und die Menschen weinten vor Erleichterung wie nach einem langen bösen Traum. Doch der Friede hatte einen hohen Preis. Deutschland war
  232. verwüstet, seine Bevölkerung um ein Drittel dezimiert, seine politische Einheit endgültig zerbrochen. Die Schweiz und die Niederlande schien aus
  233. dem Reich aus. Frankreich gewann Elsas Lotringen, Schweden erhielt Pommern und andere deutsche Gebiete. Das heilige römische Reich existierte noch, aber es
  234. war nur noch ein Schatten seiner Selbst, zersplittert in hunderte kleiner Territorien, deren Fürsten nun souverän waren wie kleine Könige in ihren
  235. Ländern. Der Traum von einem vereinten deutschen Kaiserreich schien für immer begraben unter den Trümmern des dreißigjährigen Krieges. Teil 7 Barok
  236. und Aufklärung 1650 1792. Nach den Schrecken des dreißigjährigen Krieges erwachte das Reich langsam zu neuem Leben wie ein Garten nach einem
  237. harten Winter, in dem die ersten zarten Knospen zu sprießen beginnen. Leopold Zwertens, der 1658 den Kaisertron bestieg, war ein
  238. Herrscher, der das verwüstete Land wieder aufbauen wollte wie ein geduldiger Handwerker, der aus zerbrochenen Stücken etwas Neues und
  239. Schönes erschafft. Leopold war ein stiller, nachdenklicher Mann mit dem charakteristischen Habsburger Kinn und melancholischen Augen, die tief blickten
  240. wie sehen im Mondlicht. Er liebte die Musik über alles. Er komponierte selbst und spielte Klavier mit der Hingabe eines wahren Künstlers. Sein Hof in Wien
  241. wurde zu einem Zentrum der Barockenkultur, wo die Musik von Monteverdi und später von Mozart erklang, wie Himmelsschöre in einer
  242. prächtigen Kathedrale. Doch Leopolds Herrschaft war nicht von Ruhe geprägt. Vom Osten her drohte eine neue Gefahr. Die Türken unter dem Großvesier Kara
  243. Mustafa rüsteten zu einem gewaltigen Fellzug, der die christliche Welt erschüttern sollte, wie ein Erdbeben. Im Sommer 1683 standen 200.000 Osmanische
  244. Krieger vor den Mauern Wiens und ganz Europa hielt den Atem an wie beim Anblick eines heranziehenden Gewitters. Die Belagerung Wien dauerte zwei Monate.
  245. In der Stadt herrschten Hunger und Verzweiflung. Die Mauern bröckelten unter dem Beschuss der türkischen Kanonen und die Verteidiger wurden
  246. weniger mit jedem Tag. Der verstrich wie Sandkörner in einer Sanduhr. Leopold war nach Passau geflohen, doch in Wien kämpften tapfere Männer um jeden Stein,
  247. jeden Balken, jeden Fußbreitboden. Am 12. September 1683, als die Morgensonne über den Karlenberg stieg, erschien die Rettung. König
  248. Johann Sobjki von Polen führte ein vereintes christliches Heer an, das wie ein Sturzbach von den Hügeln herabbrach. Die Schlacht war kurz, aber
  249. entscheidend. Die türkische Armee zerstob wie Nebel vor dem Wind und Wien war gerettet. Kara Mustafa ließ in seinem Zelt sogar seinen Kaffee stehen.
  250. So entstand die Legende vom Wiener Kaffeehaus. Nach dem Sieg bei Wien begann eine neue Zeit für das Habsburger Reich. Unter dem glorreichen Feldherrn
  251. Prinz Eugin von Savoyen eroberten die kaiserlichen Truppen weite Teile Ungarns und des Balkans zurück. Prinz Eugen war ein Mann von kleiner Gestalt, doch sein
  252. Geist war groß wie ein Adler. der hoch über den Wolken kreist. Seine Siege bei Zenta und Peterwartein halten durch ganz Europa wie Siegeslieder. Leopold starb
  253. 175 und sein Sohn Josef I. folgte ihm auf den Thron. Josef war ein Herrscher voller Energie und neuer Ideen, doch seine Herrschaft war kurz wie ein
  254. Sommertag. Er starb bereits 17.11 an den Pocken und sein Bruder Karl Seesens übernahm die schwere Bürde der Kaiserkrone. Karl Seesens war der letzte
  255. männliche Habsburger und diese Tatsache überschattete seine ganze Herrschaft wie eine dunkle Wolke. Er hatte nur eine Tochter, Maria Theresia, und um ihr die
  256. Nachfolge zu sichern, erließ er die pragmatische Sanktion. Jahrelang reiste er durch Europa wie ein Pilger, der um Almosen bittet und bat die anderen
  257. Herrscher die Erbfolge seiner Tochter anzuerkennen. Karls Hof war prächtig wie ein Märchenschloss. Die Wiener Hofburg wurde erweitert und verschönert. Das
  258. Schloss Schön Brunn entstand in seiner ganzen barocken Herrlichkeit. Künstler und Architekten schufen Werke von zeitloser Schönheit, als wollten sie die
  259. Vergänglichkeit des Lebens durch die Ewigkeit der Kunst überwinden. Als Karl VI 1740 starb, hinterließ er seiner 24-jährigen Tochter Maria Theresia, ein
  260. Reich in der Krise. Die junge Kaiserin, obwohl sie niemals offiziell Kaiserin war, nannten sie alle so, stand vor Feinden, die ihr Reich wie hungrige
  261. Wölfe umkreisten. Friedrich II. Von Preußen fiel in Schlesien ein. Bayern und Sachsen erhoben Ansprüche auf österreichische Gebiete und ganz Europa
  262. schien sich gegen sie verschworen zu haben. Doch Maria Theresia war eine Frau von außergewöhnlicher Kraft und Klugheit. Sie trat vor die ungarischen
  263. Stände und hob ihr kleines Kind in die Höhe wie eine Mutter, die um Schutz für ihr Kind bittet. Moriamur Prorge Nostr Maria Theresia. Sterben wollen wir für
  264. unsere Königin Maria Theresia! Die ungarischen Magnaten, und ihre Säbel blitzten im Licht der Kerzen. Jahre vergingen in Kriegen um das
  265. österreichische Erbe. Doch Maria Theresia behauptete sich gegen alle Feinde. Sie verlor Schlesien an Friedrich den Großen, doch sie behielt
  266. den Kaisertron für ihr Haus. Ihr Gemahl franz immer. Von Lotringen wurde zum Kaiser gewählt und das Haus Habsburg Lotringen übernahm die Kaiserwürde.
  267. Maria Theresia war nicht nur eine große Herrscherin, sondern auch eine liebende Mutter. Sie gebar 16 Kinder und jedes war ihr teuer wie ein kostbarer
  268. Edelstein. Ihre Tochter Marie Antoinette wurde Königin von Frankreich. Ihre Söhne regierten in verschiedenen Ländern Europas. Die Habsburger weieder ihr Netz
  269. dynastischer Verbindungen über den Kontinent, wie fleißige Spinnen ihr kunstvolles Gewebe. Als Franz die I. starb, wurde ihr ältester Sohn Joseph II
  270. Kaiser. Joseph war ein Mann der Aufklärung, erfüllt von neuen Ideen wie ein Segel vom frischen Wind. Er wollte sein Reich von Grund auf reformieren,
  271. die Bauern befreien, die Religionsfreiheit einführen, die Verwaltung modernisieren. Seine Mutter betrachtete seine Pläne mit Sorge, wie
  272. eine alte Frau die Sturheit ihres Sohnes. Joseph II war ungeduldig wie ein Frühlingsbach, der alle Hindernisse wegspülen will. Er erließ tausende von
  273. Verordnungen, bereiste sein Reich Incognito wie ein Wanderer, der die Wahrheit sucht. Er hob die Leibeigenschaft auf, gestattete allen
  274. Religionen freie Ausübung, löste viele Klöster auf und verwendete ihre Güter für Schulen und Krankenhäuser. Hier rut Joseph den. Tem nichts gelang, was er
  275. unternahm, ließ er als seinen Grabspruch verfassen, doch das war zu streng mit sich selbst. Seine Reformen weckten das Bürgertum auf, wie die Morgensonne die
  276. schlafende Erde weckt. Beehofen widmete ihm zunächst seine Heroika. Mozart schrieb für ihn die Entführung aus dem Seril und Schiller pries ihn als
  277. Befreier der Menschheit. Doch Joseph war zu schnell, zu radikal. Seine Reformen stießen auf Widerstand bei Adel und Clerus, bei Bauern, die ihre alten
  278. Gewohnheiten liebten und bei Bürgern, die Ordnung der Veränderung vorzogen. Aufstände brachen aus in Ungarn und den Niederlanden. Die Türken griffen wieder
  279. an und das Reich schien zu zerbrechen wie ein zu straff gespanntes Seil. Josef starb 1790. Erst 48 Jahre alt, gebrochen von den Widerständen gegen seine
  280. Reformen. Sein Bruder Leopold II. folgte ihm ein weiser und besonnener Mann, der verstand, dass Reformen langsam wachsen müssen wie Bäume in einem Garten. Doch
  281. auch Leopold war nur eine kurze Zeit vergönnt. Er starb bereits 1792 und mit ihm endete eine Epoche des Habsburger Reiches. Teil 8. Das Ende des
  282. Heiligen Römischen Reiches 17926. Als Franz I im Jahre 1792 die Kaiserkrone übernahm, war er noch ein
  283. junger Mann von 24 Jahren, doch die Zeiten, in die er hineinreierte, waren schwer wie Blei und dunkel wie eine mondlose Nacht. Jenseits des Reins tobte
  284. die französische Revolution wie ein Orkan, der alles Alte hinwegzufen drohte. Die Könige Europas zitterten auf ihren Thronen und die Welt schien aus
  285. den Fugen geraten zu sein. Franz war ein Herrscher von konservativer Gesinnung, der die alten Ordnungen liebte, wie ein Gärtner seiner bewährten Pflanzen. Er
  286. misstraute allem Neuen, allem Revolutionären wie ein vorsichtiger Mann dem Eis eines unbekannten Sees. Seine Augen, die unter den schweren Liedern
  287. der Habsburger blickten, sahen die Welt mit Sorge und Melancholie, die Hinrichtung seines Schwagers Ludwig X. und seiner Nichte Marie Antoinette
  288. erschütterte Franz wie ein persönlicher Schicksalsschlag. Die Königin von Frankreich, die einst als lächelndes Mädchen den Wiener Hof
  289. verlassen hatte, starb unter der Gillotine wie eine verwelkte Blume, die von einem grausamen Sturm geknickt wird. Bald darauf erschien ein Name, der
  290. Europa in Angst und Schrecken versetzen sollte. Napoleon Bonaparte. Dieser korsische Offizier stieg empor wie ein Komet am Himmel der Geschichte. Erst als
  291. Konsul, dann als Kaiser der Franzosen. Seine Armeen marschierten über Europa wie Sturmwolken, die alles verdunkeln, was sie berühren. Die Koalitionskriege
  292. begannen, jene gewaltigen Kämpfe, die 20 Jahre lang Europa verwüsten sollten. Franz führte sein Reich in Schlacht nach Schlacht. Doch Napoleon schien
  293. unbesiegbar wie ein Dämon aus alten Legenden. Bei Austerlitz im Jahre 1805 vernichtete der französische Kaiser die vereinten Heere Österreichs und
  294. Russlands so gründlich, dass man die Schlacht die Dreikaiserschlacht nannte. Doch nur ein Kaiser ging als Sieger daraus hervor. Nach Austerlitz stand
  295. Franz vor den Trümmern seiner Träume. Napoleon diktierte ihm den Frieden von Pressburg, der Österreich Territorien kostete, die seit Jahrhunderten
  296. Habsburgisch gewesen waren. Venedig und die italienischen Besitzungen gingen verloren wie Perlen einer zerrissenen Kette, die ins dunkle Wasser fallen.
  297. Doch das war noch nicht das Schlimmste. Napoleon, der sich nun als Herr über Europa sah, stellte Franz ein Ultimatum. Er solle die Kaiserkrone des Heiligen
  298. Römischen Reiches niederlegen oder die französischen Armeen würden Wien erobern. Franz stand vor der schwersten Entscheidung seines Lebens, schwerer als
  299. alle Schlachten, die er verloren hatte. Am 6. August 1806, als die Sommersonne über Wien stand und die Menschen ihren gewohnten Geschäften nachgingen,
  300. unterzeichnete Franz und II die Abdankungsurkunde. Mit wenigen Federstrichen beendete er ein Reich. das fast tausend Jahre
  301. bestanden hatte, länger als alle Imperien der Geschichte. Das Heilige römische Reich deutscher Nation war Geschichte geworden wie ein Lied, das
  302. Verhalt. Wir legen die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder und betrachten das Band, das uns bisher an den deutschen Reichskörper knüpfte, als
  303. aufgelöst, schrieb Franz in seiner Abdankungsurkunde. Die Worte waren trocken und formal, doch hinter ihnen verbarg sich das Ende einer
  304. Epoche, die von Karl dem Großen bis in die Neuzeit gereicht hatte. Doch Franz war klug genug gewesen, vorzusorgen. Bereits 1804 hatte er sich zum Kaiser
  305. von Österreich proklamiert, um einen neuen Titel zu haben, wenn der Alte verschwinden sollte. So wurde Franz den II. Der letzte Kaiser des Heiligen
  306. Römischen Reiches zu Franz dein Tensu, dem ersten Kaiser von Österreich, wie ein Schauspieler, der in einem Stück mehrere Rollen spielt. Die deutschen
  307. Fürsten, die jahrhundertelang dem Kaiser gehuldigt hatten, fanden neue Herren. Napoleon gründete den Rheinbund, einen Zusammenschluss deutscher Staaten unter
  308. französischem Protektorat. Bayern und Württemberg wurden zu Königreichen erhoben, Baden und Hessen zu Großherzogtümern.
  309. Sie wandten sich ab von der alten Ordnung wie Kinder, die ihr Elternhaus verlaßen. Nur wenige trauerten dem alten Reich nach. Es war schwach und
  310. zersplittert gewesen, seine Institutionen überholt wie Instrumente aus einer vergangenen Zeit. Doch mit seinem Ende verschwand auch etwas
  311. anderes. Die Idee eines vereinten deutschen Kaisertums, die tausend Jahre lang die Fantasie der Menschen beflügelt hatte, wie ein ferner Traum von Größe
  312. und Einheit. In Wien herrschte Stille nach dem Sturm. Die kaiserlichen Garden trugen noch immer ihre prächtigen Uniformen, doch sie dienten nun einem
  313. anderen Reich. Die Schatzkammer bar noch immer die alte Reichskrone mit ihren Edelsteinen und dem Kreuz Christi. Doch sie war nur noch ein Reliquie geworden,
  314. wie ein Rosenkranz aus längst vergangenen Zeiten. Franz regierte weiter als österreichischer Kaiser und sein Reich erholte sich langsam von den
  315. Schlägen der napoleonischen Kriege. Seine Tochter Marie Louise heiratete Napoleon. Eine Ironie des Schicksals, die den alten Kaiser schmerzte wie eine
  316. nie heilende Wunde. Der Mann, der sein erstes Reich zerstört hatte, wurde sein Schwiegersohn. Doch Napoleons Stern begann zu sinken. Der Russlandfeldzug
  317. von 1812 wurde zur Katastrophe und in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 vereinten sich die Gegner Frankreichs zu einem letzten entscheidenden Schlag.
  318. Österreich kämpfte nun an der Seite seiner ehemaligen Feinde gegen den Mann, der Europa unterworfen hatte. Als Napoleon 1814 abdankte und nach Elba
  319. verbannt wurde, war Franz einer der Sieger. Der Wiener Kongress neuordnete Europa und Österreich erhielt einen ehrenvollen Platz in der neuen Ordnung.
  320. Metterich, franz genialer Außenminister webte ein System von Bündnissen und Verträgen, das 30 Jahre lang den Frieden sichern sollte, wie ein kunstvolles
  321. Spinnennetz. Doch das alte Heilige römische Reich war für immer verschwunden. An seiner Stelle entstanden neue Gebilde, der deutsche
  322. Bund, ein loser Zusammenschluss von 35 Fürsten und vier freien Städten und die wachsende Macht Preußens, das eines Tages die deutsche Einheit unter ganz
  323. anderen Vorzeichen verwirklichen sollte. Franz lebte noch bis 1835 und erlebte die Zeit der Restauration, als Europa müde von Revolution und Krieg
  324. zur Ruhe kommen wollte. wie ein erschöpfter Wanderer, der endlich Rast macht. Er starb als Kaiser von Österreich, doch die Geschichte würde
  325. ihn als den letzten deutschen Kaiser in Erinnerung behalten, als den Mann, der das Ende einer tausendjährigen Tradition besiegelte, wie das letzte Kapitel eines
  326. langen, traurigen Buches. Teil 9 Das deutsche Kaiserreich entsteht 181887. Nach dem Ende des Alten Reiches vergingen Jahrzehnte wie Schatten über
  327. einem verlassenen Garten. Deutschland blieb geteilt in den deutschen Bund, ein schwaches Gebilde von 35 Fürstentümern und vier freien Städten, die
  328. zusammenkamen wie Fremde zu einem höflichen Gespräch ohne wirkliche Einheit oder gemeinsames Ziel. Doch in dieser Zeit der Zersplitterung keimte
  329. ein neuer Traum, die Sehnsucht nach einem geeinten deutschen Vaterland. In Preußen, dem nördlichen Königreich, das aus der Mark Brandenburg entstanden war,
  330. erwachte eine neue Kraft. Dort herrschte seit 1861 Wilhelm der Star, ein Mann von soldatischer Geratheit und preußischen Tugenden, dessen weißer Backenbart und
  331. aufrechte Haltung Würde und Autorität ausstrahlten wie ein alter Eichenbaum Stärke und Beständigkeit. Wilhelm war ein König, der seine Pflicht
  332. kannte, wie ein Hirte seine Herde. Er liebte das Militär, die Ordnung, die klaren Linien des Kommandos und Gehorsams. Doch er war auch weise genug
  333. zu erkennen, dass Preußen einen Mann brauchte, der klüger war als er selbst, einen Staatsmann, der die komplexen Fäden der europäischen Politik zu weben
  334. verstand, wie eine geschickte Weberin, ihr kostbarstes Tuch. Diesen Mann fand er in Otto von Bismarck, einem pomchen Junker mit den Augen eines Falken und
  335. dem Verstand eines Schachmeisters. Bismarck war groß und breitschultrig, seine Stimme klang tief wie fernes Donnergrollen und wenn er sprach,
  336. lauschten die Menschen wie Kinder einem Märchenerzähler. Doch hinter seiner manchmal rauen Art verbarg sich ein Geist von seltener
  337. Brillanz. Als Bismarck 186 preußischer Ministerpräsident wurde, erklärte er vor dem Landtag, die großen Fragen der Zeit werden nicht durch Reden
  338. und Majoritätsbeschlüsse entschieden. Das ist der Fehler von 184 und 1849 gewesen, sondern durch Eisen und Blut. Diese Worte sollten zur Prophezeiung
  339. werden für das kommende Vierteljahrhundert. Bismarks erster Streich galt Dänemark, das die deutschen Herzogtümer Schleswig
  340. und Holstein beherrschte, wie ein Fremder, ein Erbe, das ihm nicht zustand. 1864 marschierten preußische und
  341. österreichische Truppen gemeinsam nach Norden und befreiten die Herzogtümer aus dänischer Herrschaft. Doch schon bald zeigte sich, daß Bismarck größere Pläne
  342. hatte als nur die Befreiung deutscher Lande. Der Streit um die Verwaltung von Schleswig- Holstein war nur ein Vorwand. Bismarck wusste, dass Deutschland nicht
  343. geeint werden konnte, solange Österreich und Preußen um die Führung stritten, wie zwei Brüder um das väterliche Erbe. Einer von beiden musste weichen und
  344. Bismarck war entschlossen, dass es nicht Preußen sein würde. Der Krieg von 1866 war kurz und entscheidend wie ein Sommersgewitter. Bei König Grätz in
  345. Böhmen trafen die beiden deutschen Mächte aufeinander in einer Schlacht, die das Schicksal Deutschlands bestimmen sollte. Die preußischen Gewehre mit
  346. ihrem Hinterladersystem erwiesen sich als Überlegen und nach wenigen Stunden war die österreichische Armee geschlagen wie Blätter vor dem Herbststurm. König
  347. Wilhelm wollte nach Wien marschieren und Österreich demütigen, doch Bismarck war klüger. Wir müssen Österreich schonen", sagte er zu seinem König, "denn wir
  348. werden es noch als Freund brauchen." So kam es zum milden Frieden von Prag, der Österreich aus Deutschland hinausdrängte, ohne es zu vernichten.
  349. Nun war der Weg frei für Bismarks Meisterwerk, die Gründung des norddeutschen Bundes unter preußischer Führung.
  350. Deutsche Staaten nördlich des Mains vereinigten sich unter der Krone Preußens wie Bäche, die sich zu einem mächtigen Strom vereinen. Wilhelm wurde
  351. Bundespräsident, Bismarck Bundeskanzler und zum ersten Mal seit Jahrhunderten gab es wieder eine starke deutsche Macht, doch der Süden blieb noch
  352. außerhalb. Bayern, Würtemberg, Baden und Hessen Darmstadt hielten sich fern wie Scheuerehe am Waldrand. Sie fürchteten die preußische Vorherrschaft und
  353. blickten lieber nach Paris als nach Berlin. Bismarck wusste, dass nur ein gemeinsamer Feind sie zur Einheit zwingen würde. Dieser Feind kam in
  354. Gestalt Napoleon II von Frankreich, des Neffen des großen Korsen, der von der Glorie seines Onkels träumte und das wachsende Deutschland als Bedrohung sah.
  355. Der Streit um die spanische Thronfolge war nur ein Anlass. Die wahren Ursachen lagen tiefer. in der Konkurrenz zweier Nationen um die Vorherrschaft in Europa.
  356. Die Emsa de Pesche, jenes berühmte Telegramm, das Bismarck so geschickt redigierte, dass es wie eine Ohrfeige klang, entfachte die französische
  357. Empörung wie ein Funke das Pulver. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg und ganz Deutschland erhob sich wie ein einziger Mann. Bayern
  358. und Württemberg, Baden und Hessen stellten ihre Truppen an die Seite Preußens, denn es ging nun nicht mehr um preußische oder österreichische
  359. Vorherrschaft. Es ging um Deutschland gegen Frankreich, um die deutsche Nation gegen den Erbfeind. Die Süddeutschen Regimenter marschierten singend gehen
  360. Westen und in ihren Liedern klang die Sehnsucht nach Einheit mit. Der Krieg war von Anfang an ein deutscher Triumph. Bei Sedan kapitulierte Napoleon
  361. mit seiner ganzen Armee und die Nachricht von diesem Sieg verbreitete sich durch Deutschland wie das Leuten der Glocken am Ostermorgen.
  362. In Paris proklamierte das Volk die Republik, doch der Krieg ging weiter, denn die Franzosen kämpften nun für ihre Hauptstadt wie Löwen für ihre Höhle.
  363. Während die deutschen Armeen Paris belagerten wie ein eiserner Ring um die Stadt der Lichter, reiften in Versaill die Pläne für die deutsche Einheit.
  364. König Ludwig II. Von Bayern, der märchenhafte Schlösserbauer, wurde von Bismarck mit goldenen Argumenten überzeugt, Wilhelm
  365. Essatte die deutsche Kaiserkrone anzubieten. Es kostete Bismarck viel Diplomatie und manchen Kompromiss, doch schließlich waren alle Süddeutschen
  366. Fürsten bereit, sich dem neuen Reich anzuschließen wie Planeten, die sich um ihre Sonne reihen. Am 18. Januar 1878, dem Jahrestag der preußischen
  367. Königskrönung, versammelten sich die deutschen Fürsten und Feldherren im Spiegelsaal von Versaille. Dort, wo eins der Sonnenkönig Ludwig Dam Hof gehalten
  368. hatte, sollte die deutsche Einheit vollendet werden wie ein Kreis, der sich schließt nach jahrhundertelanger Wanderung. Wilhelm Deer stand in der
  369. Mitte des prächtigen Saales, umgeben von seinen Generälen und den Vertretern der deutschen Staaten. Er trug die schlichte preußische Uniform, doch seine Haltung
  370. war königlich wie die eines Adlers auf hohem Felsen. Großherzog Friedrich VIP. Von Baden rief: Es lebe seine kaiserliche und königliche Majestät
  371. Kaiser Wilhelm. Und die Anwesenden stimmten ein in den Ruf, der durch die Gewölbe halte wie ein Lied der Erlösung. So wurde Wilhelm II. Deutschen Kaiser
  372. seit Franz II gekrönt. Nicht in einer deutschen Kathedrale, sondern in einem französischen Schloss. Nicht vom Papst, sondern von seinen Fürsten. Nicht mit
  373. der alten Reichskrone, sondern mit einer Neuen, die er nie tragen sollte. Es war eine andere Zeit, eine andere Welt. Doch der Traum von der deutschen Einheit war
  374. wieder Wirklichkeit geworden. Das neue deutsche Reich war mächtiger als alle Reiche vor ihm. Von der Memel bis zum Rhein, von der Nordsee bis zu den Alpen
  375. erstreckte sich nun ein geeintes Deutschland, das stärkste Land Europas. Bismarck wurde der erste Reichskanzler und führte das junge Reich mit eiserner
  376. Hand und kluger Politik durch die ersten schwierigen Jahre wie ein Steuermann sein Schiff durch gefährliche Gewässer. Wilhelm Beisest regierte als Kaiser, wie
  377. er als König regiert hatte, pflichtbewusst, bescheiden, volksnah. Er war kein glänzender Herrscher wie Napoleon oder Friedrich der Große, aber
  378. er war ein guter Kaiser, der sein Volk liebte wie ein Vater seiner Kinder. Wenn er durch Berlin fuhr, grüßten ihn die Menschen als den alten Wilhelm, und in
  379. diesem Namen lag mehr Liebe als in allen Kaisertiteln der Welt. Die Jahre vergingen in Frieden und Wohlstand. Deutschland wurde zur führenden
  380. Industriemacht Europas. Seine Universitäten waren die besten der Welt. Seine Armee die stärkste. Bismarck webte ein kunstvolles System von Bündnissen,
  381. das Deutschland sicher hielt vor seinen Feinden wie eine starke Burg ihre Bewohner. Als Wilhelm die Arte [Musik]
  382. im Alter von 91 Jahren starb, trauerte ganz Deutschland wie um einen geliebten Großvater. Er hatte die Einheit erlebt und bewahrt. Er hatte aus einem
  383. Flickenteepich von Kleinstaaten ein mächtiges Reich geschaffen. Sein Werk schien vollendet, dauerhaft, für die Ewigkeit bestimmt wie ein Dom aus
  384. solidem Stein. Teil 10 Die letzten Kaiser 188818. Das Jahr88 ging als das Dreikaiserjahr in die
  385. deutsche Geschichte ein, dunkel und verhängnisvoll wie ein Komet, der Unheil verkündet. Auf Wilhelm BF, den alten Kaiser, folgte sein Sohn Friedrich. Ein
  386. Mann von edler Gesinnung und liberalen Überzeugungen, der Deutschland zu einer parlamentarischen Monarchie nach englischem Vorbild umformen wollte, wie
  387. ein Gärtner, der einen verwilderten Garten neu gestaltet. Friedrich war mit der englischen Prinzessin Victoria verheiratet, der ältesten Tochter der
  388. großen Königin Victoria, und durch sie waren liberale Ideen an den deutschen Hof gelangt wie frische Winde aus dem Westen. Friedrich liebte die Künste und
  389. Wissenschaften. Er glaubte an Freiheit und Fortschritt, an ein Deutschland, das nicht nur stark, sondern auch human sein sollte, wie das Licht, das Wärme und
  390. Helligkeit spendet. Doch das Schicksal wollte es anders. Bereits als Kronprinz hatte Friedrich eine Krankheit entwickelt, die seinen Kehlkopf befiel
  391. wie ein schleichender Feind. Als er endlich Kaiser wurde, war er bereits todkrank. Seine Stimme war nur noch ein Flüstern, und seine großen Pläne blieben
  392. unverwirklicht wie Samen, die in der Kälte nicht aufgehen können. 99 Tage regierte Friedrich. Zu kurz, um sein Deutschland zu verwirklichen, zu lang,
  393. um seine Leiden nicht zu spüren. Er starb am 15. Juni8 und mit ihm starb die Hoffnung auf ein anderes Deutschland, ein Deutschland der
  394. Liberalität und des Friedens. Seine Frau Victoria weinte um ihn wie um alle verlorenen Träume der Welt. Nun bestieg Wilhelmde II den Thron. Der Enkel des
  395. alten Wilhelm, ein junger Mann von 29 Jahren, voller Energie und Ehrgeiz wie ein Feuer, das hell brennt und viel Rauch macht. Wilhelm II war das
  396. Gegenteil seines Vaters. Impulsiv statt besonnen, pralerisch statt bescheiden, verliebt in Glanz und Gloria wie ein Kind in bunte Spielsachen. Wilhelm hatte
  397. einen verkrüppelten linken Arm, eine Geburtsverletzung, die er sein Leben lang zu verbergen suchte. Vielleicht war es dieser körperliche Makel, der ihn
  398. antrieb, immer der Stärkste, der erste, der größte sein zu wollen, wie ein Schwimmer, der gegen eine starke Strömung ankämpft. Er liebte Uniformen
  399. und Paraden, Reden und Auftritte. Er wollte bewundert werden von seinem Volk und gefürchtet von seinen Feinden. Der junge Kaiser und der alte Kanzler
  400. verstanden sich nicht von Anfang an. Bismarck, der eiserne Kanzler, war gewohnt zu herrschen wie ein erfahrener Kapitän sein Schiff Wilhelm II. aber
  401. wollte selbst regieren, wollte nicht nur repräsentieren, sondern entscheiden. "Es gibt nur einen Herrn im Reich und das bin ich", erklärte er, und seine Worte
  402. klangen wie eine Kampfansage. 1890 kam es zum Bruch. Bismarck reichte sein Entlassungsgesuch ein wie ein alter Adler, der seine Schwingen senkt. Die
  403. berühmte Karikatur im Punch zeigte ihn als Lutzen, der von Bord geht, während das Schiff des deutschen Staates in schwere See gerät. Der LZE geht von
  404. Bord. Diese Worte wurden zur Prophezeiung für das kommende Unglück. Wilhelm II. übernahm nun selbst die Leitung der deutschen Politik und seine
  405. Herrschaft wurde zu einer Zeit der Widersprüche und Extreme. Einerseits erlebte Deutschland unter seiner Regierung eine beispiellose Blüte. Die
  406. Wirtschaft wuchs, die Bevölkerung stieg, neue Erfindungen revolutionierten das Leben. Männer wie Karl Benz und Gottlib Daimler erfanden das Automobil. Rudolf
  407. Diesel, den nach ihm benannten Motor und deutsche Wissenschaftler wie Wilhelm Röndgen und Max Plan veränderten unser Verständnis der Welt. Andererseits aber
  408. führte Wilhelms unberechenbare Politik Deutschland immer tiefer in die Isolation. Seine Flottenrüstung brachte England gegen Deutschland auf, wie ein
  409. roter Lappen, den Stier zur Raserei. Seine pralerischen Reden, man nannte sie Hunnenrede oder Krüger Päche, verstimmten alle Nachbarn und machten
  410. aus Freunden Feinde. Wilhelm träumte von einem deutschen Weltreich, von einem Platz an der Sonne für sein Volk. Doch während er träumte, umstellten sich
  411. Deutschlandsgegner wie Jäger das Wild. Frankreich und Russland schlossen die Allianz. Später kam England dazu und das mächtige Deutschland fand sich
  412. eingekreist wie eine Festung, die belagert wird. Der Kaiser alterte in diesen Jahren des wachsenden Misstrauens. Sein Gesicht wurde härter,
  413. seine Augen kälter, sein Backenbart ergraute wie der Himmel vor einem Sturm. Er spürte, dass etwas Großes und schreckliches herannahte, doch er wusste
  414. nicht, wie er es abwenden sollte. Seine Nervosität zeigte sich in hastigen Reisen, unüberlegten Äußerungen, wechselhaften Stimmungen wie bei einem
  415. Menschen, der das Gleichgewicht zu verlieren droht. Als im Juni 1914 in Sarajevo Erzherzog Franz Ferdinand ermordet wurde, glaubte Wilhelm
  416. zunächst, es sei nur eine weitere Balkankrise, die sich lösen würde wie Nebel in der Morgensonne. Doch die Mechanismen, die Bismarck so kunstvoll
  417. konstruiert hatte, waren durch Wilhelms Politik zerstört worden. Das europäische Gleichgewicht war gestört und nun rollten die Ereignisse aufeinander zu,
  418. wie Lawinen im Hochgebirge. Ich führe euch herrlichen Zeiten entgegen, hatte Wilhelm einst seinen Untertanen versprochen. Doch was kam, war der
  419. Weltkrieg vier Jahre des Schreckens, die Deutschland und Europa verwüsten sollten, wie die Pest des Mittelalters. Millionen junger Männer marschierten
  420. singend in den Tod, überzeugt, dass sie für Kaiser und Vaterland kämpften, wie Kreuzritter für das heilige Land. Wilhelm war im Krieg nur noch Schatten
  421. seiner selbst. Die wirkliche Macht lag bei seinen Generälen Hintenburg und Ludendorf, während der Kaiser wie ein gefangener Vogel in seinem goldenen
  422. Käfig saß. Seine Reden klangen hohl, seine Auftritte wirken gespielt und das Volk begann zu murren wie ein Sturm, der sich zusammenbraut.
  423. Als im November 1918 die Matrosen in Kiel meuterten und die Revolution sich über Deutschland ausbreitete wie ein Waldbrand, war Wilhelms Schicksal
  424. besiegelt. Der Kaiser muss abdanken, halte es durch die Straßen der deutschen Städte. Reichskanzler Max von Baden verkündete eigenmächtig die Abdankung,
  425. ohne Wilhelm gefragt zu haben, doch dieser hatte bereits keine Wahl mehr. Am 10. November 1918 überschritt Wilhelm II. die Grenze nach Holland wie ein
  426. geschlagener Feldherr, der vom Schlachtfeld flieht. Er war der letzte deutsche Kaiser, der Urenkel des großen Wilhelm Eer, der das Reich begründet
  427. hatte. Mit ihm endete eine Epoche, die nur sie Jahre gewährt hatte. Kurz wie ein Menschenleben, aber reich an Glanz und Elend. In seinem holländischen Exil
  428. in Doren fällte Wilhelm Bäume und schrieb Memoiren wie ein alter Mann, der seine Vergangenheit ordnet. Er erlebte noch den Zweiten Weltkrieg, sah sein
  429. Deutschland in Trümmern liegen und starb 1941 als vergessener Mann in einem fremden Land wie ein König aus einem Märchen, dessen Zeit vorüber ist. So
  430. endete die Geschichte der deutschen Kaiser mit einem leisen Seufzerstatt mit triumphierendemfahrenstoß. Das Reich, das 1000 Jahre bestehen
  431. sollte, hatte nur 64 Jahre gedauert, vom ersten Wilhelm bis zum letzten Wilhelm. Doch in diesen Jahren hatte Deutschland eine Rolle gespielt auf der Bühne der
  432. Weltgeschichte, wie ein großer Schauspieler in einem Drama, das in Tragödie endet. Die Krone liegt nun im Museum. Die Kaiser schlafen in ihren
  433. Mausolen und ihre Geschichte ist geworden wie alle Geschichte. Ein Märchen für die Nachwelt, eine Erinnerung an vergangene Größe und
  434. vergangenes Leid. Doch in den Herzen der Menschen lebt fort, was groß und edel war an ihnen. Wie in einer stillen Nacht die Sterne leuchten über einer Welt, die
  435. zur Ruhe gekommen ist. Und wenn Sie nun die Augen schließen und dem sanften Rhythmus ihres Atems lauschen, dann mögen sie träumen von jenen fernen
  436. Zeiten, als Kaiser über Deutschland herrschten und die Geschichte noch jung war wie der Morgen. Gute Nacht und süße Träume von vergangenen Zeiten und ewigen
  437. Geschichten. Teil 11: Das Erbe der Kaiser. Mythen und Erinnerungen. 1918 1945. Als die letzten Kanonenschüsse des
  438. Weltkrieges verilt waren und Wilhelm der Zweitum seinen einsamen Weg ins holländische Exil antrat, blieb Deutschland zurück wie ein Haus, dessen
  439. Bewohner plötzlich verschwunden sind. Die Republik wurde ausgerufen, doch in den Herzen vieler Deutscher lebte die Sehnsucht nach den Kaisern fort wie eine
  440. alte Melodie, die man nicht vergessen kann. In den goldenen 20er Jahren, als Berlin zur leuchtenden Metropole wurde und Deutschland wieder zu atmen begann,
  441. schien die Kaiserzeit so fern wie ein verweht Traum. Doch in den stillen Winkeln des Landes, in den Dörfern und kleinen Städten bewahrten die Menschen
  442. ihre Erinnerungen auf wie kostbare Schätze in verborgenen Truhen. Alte Veteranen erzählten ihren Enkeln von der Zeit, als noch ein Kaiser über
  443. Deutschland herrschte und in ihren Augen glimmte ein Licht wie von fernen Sternen. Der junge Adolf Hitler, ein gescheiterter Maler aus Österreich,
  444. verstand diese Sehnsucht zu nutzen wie ein Verführer die Träume einsamer Menschen. Er sprach von einem tausendjährigen Reich, dass die Größe
  445. der alten Kaiser übertreffen sollte. Doch seine Worte waren vergiftet wie schöne Früchte, die tödliche Samen in sich bergen. Das dritte Reich, wie er es
  446. nannte, sollte nach dem Heiligen Römischen Reich und dem Deutschen Kaiserreich die dritte große deutsche Epoche werden. In der Propaganda der
  447. Nationalsozialisten wurden die alten Kaiser zu Helden stilisiert, ihre Geschichte umgedeutet und verfälscht wie alte Münzen, die neu
  448. geprägt werden. Friedrich Barbarosser, der legendäre Kaiser, der im Küffhäuser schlief, wurde zum Symbol für die deutsche Wiederauferstehung gemacht.
  449. Operation Barbarossa nannten sie ihren Überfall auf Russland, als würde der alte Kaiser seinen Segen zu diesem Verbrechen geben. Doch die wahren Erben
  450. der Kaiser waren nicht jene, die ihren Namen missbrauchten. In der Stille der Bibliotheken und Archive arbeiteten Historiker daran, die echte Geschichte
  451. zu bewahren, wie Mönche in ihren Skriptorien die alten Handschriften kopierten. Sie wussten, dass die Kaiser nicht Heilige oder Dämonen gewesen
  452. waren, sondern Menschen mit menschlichen Schwächen und menschlicher Größe. Wilhelm II. Der letzte Kaiser, lebte noch immer in seinem Exil in Dorn. Er
  453. war ein alter Mann geworden, dessen Haar weiß war wie Schnee und dessen Hände zitterten wie Herbstblätter. Manchmal stand er am Fenster seines Schlosses und
  454. blickte nach Osten, wo sein verlorenes Reich lag. Die Holländer behandelten ihn höflich, aber er blieb ein Fremder in einem fremden Land wie ein Vogel, der zu
  455. weit von seinem Nest geflogen ist. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, weigerte sich Wilhelm nach Deutschland zurückzukehren. "Ich bin Kaiser von
  456. Gottes Gnaden gewesen", sagte er zu einem Besucher. "aber was dort geschieht, geschieht nicht in Gottes Namen. Er starb am 4. Juni 1941,
  457. wenige Tage vor Hitlers Angriff auf Russland und wurde still in Dorn begraben wie ein Wanderer, der endlich seine Ruhe gefunden hat. In Deutschland
  458. tobte der Krieg, der alle Kriege übertreffen sollte an Grausamkeit und Zerstörung. Hitlers Reich, das 1000 Jahre dauern sollte, zerbrach nach 12
  459. Jahren wie ein Gebäude aus Morschem Holz. Die alten Kaiserstädte lagen in Trümmern. Achen, wo Karl der Große gekrönt worden war. Warms, wo Heinrich
  460. de vor dem Papst gestanden hatte. Frankfurt, wo die Kaiser gewählt wurden, alle waren sie zerstört wie zerbrochene Träume. Als 1945 die Waffen endlich
  461. schwiegen, war von Deutschlands Macht nichts übrig geblieben als Schutt und Asche. Die Menschen krochen aus ihren Kellern wie Tiere nach einem langen,
  462. harten Winter und sahen eine Welt, die nicht mehr die Ire war. Die Sieger teilten Deutschland unter sich auf wie ein Kuchen und wo einst ein
  463. mächtiges Reich gestanden hatte, entstanden zwei kleine Staaten, getrennt durch eine Mauer aus Stein und Stacheldraht. Doch auch in dieser
  464. dunkelsten Stunde lebte etwas fort von dem alten Deutschland. Die Sprache Gotes und Schillers, die Musik Bachs und Beeofens, die Wissenschaft von Kppler
  465. und Einstein. Diese geistigen Schätze konnten keine Bomben zerstören, keine Armeen erobern. Sie schlummerten in den Herzen der Menschen wie Samen unter dem
  466. Schnee, die darauf warteten, wieder zu blühen. In den Trümmern der Städte suchten alte Frauen nach den Scherben zerbrochener Kaiserportraits
  467. nicht aus Nostalgie, sondern aus dem Bedürfnis, etwas von der Vergangenheit zu retten. Kinder fanden rostige Helme und fragten ihre Großväter, wer sie
  468. getragen hatte. Und die Alten erzählten von einer Zeit, die so fernschien wie ein Märchen aus vergangenen Tagen. Teil Die ewige Sehnsucht, Kaiser in unseren
  469. Träumen. Heute, da wir in einer Welt leben, die von den alten Kaisern so weit entfernt ist wie die Sterne vom Mond, bleibt doch etwas von ihrer Magie in
  470. unseren Herzen lebendig. Deutschland ist längst ein demokratisches Land geworden, geeint nicht durch einen Kaiser, sondern durch die freie Wahl seiner Bürger.
  471. Doch manchmal in stillen Stunden kehren die Gedanken zurück zu jenen fernen Zeiten, als noch Kronen funkelten und purpur wehte. Die Burgen und Schlösser
  472. der Kaiser stehen noch immer, viele davon restauriert und zu Museen geworden, wo Besucher durch die alten Gemächer wandeln, wie durch verzauberte
  473. Räume. In der Aachener Pfalzkapelle kann man noch den Thron Karls des Großen sehen, schlicht und aus Stein gehauen, doch ehrfurchtgebietend in seiner
  474. Einfachheit. In Wien bewahrt die Schatzkammer die Reichskleinodien auf, die goldene Krone mit ihren kostbaren Steinen, das Reichsschwert, den
  475. Reichsapfel und das Zepter. Stumme Zeugen einer versunkenen Welt. Kinder stehen vor diesen Reliquien und fragen ihre Eltern: "Wer hat diese Krone
  476. getragen? Wie schwer ist sie? Hat sie wirklich magische Kräfte? Und die Eltern lächeln und erzählen von Friedrich Barbarosser, der im Berg
  477. schläft, von Karl dem Großen, der Europa einte, von den Rittern und Minnesängern, den Kreuzzügen und großen Schlachten. Die Geschichte wird zum Märchen, das
  478. Märchen zur Legende und die Legende lebt fort in den Träumen der Menschen. In den deutschen Wäldern, wo die Buchen rauschen und die Eichen ihre Kronen
  479. recken, wandern noch heute Menschen, die von der Romantik der Kaiserzeit träumen. Sie folgen den Spuren der alten Heerstraßen, besuchen die Ruinen alter
  480. Burgen und lauschen dem Wind, der durch die verfallenen Mauern weht. Manchmal, wenn der Nebel über die Täller zieht, können Sie fast die Hufe der
  481. Kaiserpferde hören, das Klirren der Rüstungen, den Gesang der Minnesänger. Die großen Komponisten haben die Kaiserzeit in Musik verwandelt, die
  482. unsterblich ist wie die Sterne. Wagners, Lohngreen und Tannhäuser erzählen von der Welt der Minänger und Ritter seine Meistersinger von den stolzen Bürgern
  483. mittelalterlicher Städte. Wenn diese Opern erklingen, erwacht für wenige Stunden das alte Deutschland zu neuem Leben, und die Zuhörer träumen sich
  484. zurück in eine Zeit, die schöner war in der Erinnerung, als sie in der Wirklichkeit je gewesen ist. Schriftsteller und Dichter haben immer
  485. wieder zu den Kaisern zurückgefunden, wie Pilger zu einem heiligen Ort. Gustav Freitag schrieb von den deutschen Kaisern in seinen historischen Romanen
  486. Konrad Ferdinand Meier besang sie in seinen Balladen und noch heute entstehen Bücher und Filme über Friedrich Barbarosser Friedrich II. Die
  487. dramatischen Ereignisse der Kaiserzeit. Die Geschichte wird zur Kunst und die Kunst macht die Geschichte unsterblich. Doch vielleicht leben die Kaiser am
  488. meisten in den stillen Träumen der Menschen fort, die sich nach etwas sehnen, was größer ist als ihr alltägliches Leben. In einer Welt, die
  489. oft prosaisch und nüchtern erscheint, verkörpern die alten Kaiser das Märchenhafte, das Heroische, das Erhabene. Sie sind zu Symbolen geworden
  490. für eine Zeit, als die Welt noch voller Geheimnisse war und große Taten möglich schienen. Wenn wir heute durch eine deutsche Stadt gehen und die alten Türme
  491. und Mauern sehen, können wir uns vorstellen, wie einst ein Kaiser mit seinem Gefolge durch diese Straßen ritt. Die Steine sind stumm, doch sie haben so
  492. viel gesehen. Krönungen und Abschiede, Triumphe und Tragödien, die ganze große und schreckliche Geschichte der Menschheit. Die Kaiser sind tot, ihre
  493. Reiche sind vergangen wie Wolken am Himmel. Doch ihre Geschichten leben weiter. In den Liedern der Kinder, in den Träumen der Erwachsenen, in den
  494. Büchern und Filmen, in den Steinen alter Dome und den Melodien unsterblicher Musik. Sie sind ein Teil unserer Seele geworden, ein Teil dessen, was uns zu
  495. Menschen macht, die Sehnsucht nach dem Schönen, dem Großen, dem Ewigen. Und so endet unsere lange Reise durch die Geschichte der deutschen Kaiser nicht
  496. mit einem Ende, sondern mit einem neuen Anfang. Denn solange Menschen träumen, solange sie sich nach Geschichten sehnen, die größer sind als ihr eigenes
  497. Leben, werden die Kaiser weiterleben in unserem kollektiven Gedächtnis wie Sterne, die auch am Tag noch da sind, auch wenn wir sie nicht sehen können.
  498. Schließen Sie nun die Augen und lassen Sie die Bilder dieser langen Geschichte durch Ihren Geist ziehen wie einen friedlichen Strom. Sehen Sie Karl den
  499. Großen in seiner Aen Pfalz, Friedrich Barbarosse auf seinem Weg nach Italien, den letzten Wilhelm im holländischen Exil. Sie alle sind nun Teil einer
  500. großen Erzählung geworden, die niemals endet, sondern sich fortsetzt in den Träumen und Erinnerungen der Menschen. Teil 13: Die Schatten der Vergangenheit.
  501. Deutschland zwischen Schuld und Sehnsucht 1945 1990. Als die Sonne über dem zerstörten Deutschland aufging im Mai 194
  502. schien es, als würde sie über einem Land scheinen, das seine Seele verloren hatte. Die Stunde Null hatte geschlagen wie
  503. eine düstere Kirchenglocke, und in den Trümmern der Städte suchten die Menschen nicht nur nach Brot und Wasser, sondern auch nach ihrer Identität wie Wanderer,
  504. die den Weg verloren haben. Die Besatzungsmächte teilten Deutschland auf wie einen Kuchen und wo einst das Reich der Kaiser gestanden hatte, entstanden
  505. zwei neue Staaten, getrennt durch eine Grenze, die tiefer schnitt als alle Schwerter der Geschichte. Im Westen die Bundesrepublik, im Osten die deutsche
  506. demokratische Republik. Beide Kinder einer gespaltenen Zeit, beide auf der Suche nach ihrer eigenen Wahrheit. In den ersten Jahren nach dem Krieg war das
  507. Sprechen über die Kaiser fast tabu geworden, wie das Nennen eines verbotenen Namens. Zu sehr hatte das tausendjährige Reich die deutsche
  508. Geschichte missbraucht. Zu sehr waren die alten Symbole beschmutzt worden. Doch in der Stille der Herzen lebte die Erinnerung fort wie ein unterirdischer
  509. Bach, der auch im Winter nicht gefriert. Konrad Adenauer, der erste Kanzler der jungen Bundesrepublik, war ein Mann, der die Geschichte kannte wie ein alter
  510. Bibliothekar seine Bücher. Er stammte aus dem Rheinland, wo die Spuren der Kaiser besonders tief waren. Von Aen bis Speier, von Worms bis Mainz. In seiner
  511. ruhigen, bedächtigen Art half er den Deutschen dabei, sich wieder mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, wie ein Arzt, der eine alte Wunde heilt. "Wir
  512. können unsere Geschichte nicht wegwerfen wie einen alten Mantel", sagte Adenauer einmal in einer seiner nachdenklichen Stunden. "Wir müssen lernen, mit ihr zu
  513. leben, das Gute zu bewahren und aus dem Schlechten zu lernen." So begann langsam die Rehabilitation der deutschen Geschichte, vorsichtig und
  514. tastend wie jemand, der nach einem Sturz wiedergehen lernt. In den 50er Jahren, als Deutschland wieder zu atmen begann und das Wirtschaftswunder die Wunden zu
  515. heilen schien, erwachte auch das Interesse an der Kaiserzeit zu neuem Leben. Die Menschen besuchten wieder die alten Dome und Burgen nicht mehr als
  516. Pilge einer politischen Ideologie, sondern als Suchende nach ihren kulturellen Wurzeln. Die Niebelungenfestspiele in Worms erlebten
  517. ihre Wiedergeburt. Wagner wurde wieder gespielt in Beirud und in den Buchhandlungen erschienen neue Biografien der Kaiser, diesmal ohne
  518. politische Propaganda, sondern mit dem ehrlichen Bemühen, die historische Wahrheit zu finden, wie Archäologen, die verschüttete Schätze ausgraben. In der
  519. DDR war der Umgang mit der Kaiserzeit komplizierter wie ein Tanz auf dünnem Eis. Die marxistische Geschichtsschreibung sah in den Kaisern
  520. feudale Unterdrücker, doch auch dort erkannte man allmählich den kulturellen Wert des mittelalterlichen Erbes. Thomas Münzer, der Bauernführer, wurde zum
  521. Heldenstilisiert. Doch auch Friedrich II. Der Staufer fand Anerkennung als aufgeklärter Herrscher und Förderer der Wissenschaften. Die Berliner Mauer, die
  522. 1961 durch die alte Kaiserstadt gezogen wurde, wie ein Schwert durch ein lebendes Herz, teilte auch die Geschichte. Im Westen wurde die
  523. Tradition der parlamentarischen Monarchie geschätzt, im Osten die sozialen Bewegungen des Mittelalters. Doch beide Seiten suchten in der
  524. Vergangenheit nach Legitimation für ihre Gegenwart. Willy Brand, der Sozialdemokrat, der in den 70er Jahren Deutschland führte, fand besonders zu
  525. Friedrich den I. dem Staufer Kaiser, eine Verbindung. Dieser Kaiser, der als Stupor Mundi die Welt erstaunte, verkörperte für Brand das andere
  526. Deutschland, tolerant, Weltoffenen, der Aufklärung verpflichtet. "Er war ein Deutscher, der Europa dachte", sagte Brand einmal, und in diesen Worten
  527. schwang die Hoffnung auf ein neues, ein besseres Deutschland mit. In dener Jahren, als die Teilung Deutschlands schon zur Gewohnheit geworden war wie
  528. ein alter Schmerz, den man nicht mehr spürt, begannen Historiker auf beiden Seiten der Mauer die Kaiserzeit neu zu bewerten. Sie erkannten, dass die
  529. Geschichte komplexer war, als es die Ideologien wahrhaben wollten, weder schwarz noch weiß, sondern in allen Schattierungen des menschlichen Lebens
  530. gemalt. Die Staufer Ausstellung von 197 in Stuttgart wurde zu einem Ereignis, das Menschen aus ganz Deutschland anlockte, wie Bienen zu einem blühenden
  531. Garten. Zum ersten Mal seit dem Krieg wurde die deutsche Kaiserzeit wieder als kultureller Höhepunkt gefeiert, nicht als politisches Programm. Die Menschen
  532. standen staunend vor den mittelalterlichen Kunstwerken und spürten, daß sie Teil einer großen alten Kultur waren. Doch die Vergangenheit war
  533. nicht nur schön zu betrachten wie ein Gemälde im Museum, sie warf auch Schatten auf die Gegenwart. Immer wieder mussten sich die Deutschen fragen, wie
  534. war es möglich gewesen, dass aus dem Land der Dichter und Denker, aus dem Reich der Kaiser und Kathedralen ein Terrorregime entstehen konnte? Diese
  535. Frage quälte die Intellektuellen wie ein unlösbares Rätsel. Manche suchten die Antwort in der deutschen Romantik, die das Irrationale über das Rationale
  536. gestellt habe. Andere sahen die Ursache in der verspäteten Demokratisierung, im Obrigkeitsdenken, das seit der Kaiserzeit die deutsche
  537. Mentalität geprägt habe. Wieder andere argumentierten, dass gerade der Verlust der alten Ordnung, der Bruch mit der Tradition den Weg für die Barberei
  538. freigemacht habe. Heinrich Böll, der große Schriftsteller, fand Worte für das deutsche Dilemma. "Wir sind ein Volk ohne Geschichte geworden", schrieb er,
  539. nicht weil wir keine hätten, sondern weil wir nicht wissen, wie wir mit ihr umgehen sollen. Diese Worte trafen ins Herz des deutschen Problems nach 1945.
  540. Als die 80er Jahre sich ihrem Ende näherten und der eiserne Vorhang zu rosten begann, ahnten nur wenige, dass eine neue Zeit anbrach. In der DDR
  541. gingen die Menschen auf die Straßen und ihre Rufe "Wir sind das Volk!" Hall Städte wie ein Echo aus längst vergangenen Zeiten, als das Volk noch zu
  542. seinen Kaisern aufblickte und sie als seinen natürlichen Herrscher anerkannte. Teil 14: Die Wiedergeburt der Erinnerung. Deutschland findet zu sich
  543. selbst 1990 heute als am 9. November 1989. die Berliner Mauer fiel und Menschen mit Hämmern und Meißeln auf die Betonsteine
  544. einschlugen, war es, als würde Deutschland aus einem langen, unruhigen Schlaf erwachen. Die Teilung, die 45 Jahre gedauert hatte, länger als das
  545. ganze Kaiserreich von 18 von Sens bis 1918, war zu Ende wie ein böser Traum, der endlich vergeht. In den Monaten der
  546. Wiedervereinigung suchten die Deutschen nach Symbolen für ihre wiedergefundene Einheit. Da war die Brandenburger Tor, durch das einst die Kaiser gezogen
  547. waren. Da war die schwarzrotgoldene Fahne, die schon 1848 die demokratischen Träume verkörpert hatte. Und da war auch die Erinnerung an das alte geinte
  548. Deutschland der Kaiserzeit. Nicht als politisches Vorbild, sondern als kulturelles Gedächtnis. Helmut Kohl, der Kanzler Einheit, war ein Mann, der die
  549. Macht der Geschichte verstand, wie ein Dirigent, die Partitur einer Symfonie. Er stammte aus der Pfalz, jenem Land, wo die Salier geherrscht hatten, und er
  550. wußte, daß Politik ohne historisches Bewusstsein wie ein Haus ohne Fundament ist. Bei der Wiedervereinigung griff er bewusst auf die Symbolik der deutschen
  551. Geschichte zurück. Das wiederinte Deutschland begann nun seine Vergangenheit neu zu entdecken, wie Archäologen, eine verschüttete Stadt.
  552. Die Kaiser wurden wieder salonfähig, nicht als politische Figuren, sondern als Teil des kulturellen Erbes. Friedrich Barbarossa wurde nicht mehr
  553. als Nationalist vereinnahmt, sondern als europäischer Herrscher gewürdigt, der zwischen den Kulturen vermittelte wie eine Brücke zwischen verschiedenen
  554. Welten. In den 90er Jahren entstanden überall in Deutschland neue Museen und Ausstellungen zur Kaiserzeit. Das Haus der Geschichte in Bonn, das Deutsche
  555. historische Museum in Berlin, regionale Museen von Bayern bis Schleswig-Holstein. Alle widmeten sie der deutschen
  556. Kaisergeschichte neue Aufmerksamkeit. Die Menschen strömten zu diesen Ausstellungen wie Pilger zu Heiligen Städten, nicht aus Nostalgie, sondern
  557. aus dem Bedürfnis, ihre Wurzeln zu verstehen. Die Medien entdeckten die Kaiser als Stoff für Dokumentationen und Spielfilme. Die Deutschen, eine große
  558. ZDF Dokumentationsserie, erzählte die Geschichte von Karl dem Großen bis zu Wilhelm II für ein Millionenpublikum.
  559. Plötzlich diskutierten die Menschen wieder über Friedrich II. und seine Toleranz über Otto den Großen und seine Reichsidee über die Tragödie des
  560. 30-jährigen Krieges. Auch in der Wissenschaft erlebte die Kaiserforschung eine Renaissance wie ein Garten im Frühling. Neue Quellen wurden
  561. erschlossen, alte Urteile revidiert. Das Bild der Kaiser wurde differenzierter und menschlicher. Sie erschienen nicht mehr als Heroen oder Dämonen, sondern
  562. als Menschen ihrer Zeit mit allen Stärken und Schwächen, die das menschliche Leben ausmachen. Besonders Friedrich Zweig, der Staufer, wurde zu
  563. einer Ikone des neuen deutschen Geschichtsbewusstseins. Seine Toleranz gegenüber anderen Religionen, seine Förderung der
  564. Wissenschaften, seine Mehrsprachigkeit. All das schien wie ein Vorbild für das moderne europäische Deutschland. Er war der erste Europäer auf dem deutschen
  565. Kaiserton, schrieb ein Historiker, und viele nickten zustimmend. Die deutsche Einheit brachte auch die Wiederentdeckung der ostdeutschen
  566. Kaiserstädten mit sich. Der Magdeburger Dom, wo Otto der Große begraben liegt, die Wartburg bei Eisenach, wo der Minnesang blühte, die Kaiserfals zu
  567. Gosla. All diese Orte wurden wieder zu Zielen deutscher und europäischer Touristen, die auf den Spuren der Kaiser wandelten, wie Suchende auf einem
  568. spirituellen Weg. In Berlin entstand die Diskussion um die Rekonstruktion des Stadtschlosses, der alten Residenz der preußischen Könige
  569. und deutschen Kaiser. Jahrzehntelang hatte an seiner Stelle der Palast der Republik gestanden, das Parlament der DDR. Nun sollte das Schloss wieder
  570. erstehen, nicht als Symbol monarchischer Macht, sondern als kulturelles Zentrum, das die deutsche Geschichte in all ihren Facetten zeigen würde. Die Debatte um
  571. das Berliner Schloss war wie ein Spiegel der deutschen Seele nach der Wiedervereinigung. Die einen sahen in dem Projekt eine gefährliche Rückkehr zu
  572. preußischen Traditionen, die anderen eine notwendige Wiederaneignung der eigenen Geschichte. Am Ende siegte die Überzeugung, dass man die Geschichte
  573. nicht auslöschen kann wie Kreide von einer Tafel. Sie bleibt Teil der Identität, ob man will oder nicht. Als das Humboldforum im rekonstruierten
  574. Schloss eröffnet wurde, war es ein Symbol für das neue Deutschland geworden. Selbstbewusst in seiner Geschichte, aber kritisch in der
  575. Reflexion. offen für die Welt, aber verwurzelt in der eigenen Tradition. Die Kaiser waren zurückgekehrt, nicht als Herrscher, sondern als Teil des
  576. kollektiven Gedächtnisses. In den Schulen begann man wieder, die Kaisergeschichte zu unterrichten, nicht als Heldenverehrung, sondern als Teil
  577. der europäischen Entwicklung. Kinder lernten von Karl dem Großen als dem Vater Europas, von Friedrich Barbarossa als dem Kämpfer um die italienische
  578. Krone, von Carl entfer als dem weisen Gesetzgeber der goldenen Bulle. Die Geschichte wurde lebendig durch Erzählung, nicht durch Ideologie. Das
  579. Internet brachte eine neue Demokratisierung der Geschichtserkenntnis. Plötzlich konnten Menschen in den
  580. entlegensten Winkeln Deutschlands auf mittelalterliche Handschriften zugreifen, Kaiserbriefe lesen, Siegel betrachten. Die Kaiser wurden wieder zu
  581. Menschen aus Fleisch und Blut, mit persönlichen Briefen, Sorgen und Freuden. Renactment Gruppen entstanden überall im Land. Menschen, die in der
  582. Freizeit in die Rollen mittelalterlicher Ritter und Bürger schlüpften. Sie nähten sich Gewänder nach historischen Vorbildern, lernten alte
  583. Handwerkstechniken, kochten nach mittelalterlichen Rezepten. Es war als wollten sie mit den Händen begreifen, was ihre Köpfe über die Geschichte
  584. gelernt hatten. Heute im 21. Jahrhundert sind die deutschen Kaiser endgültig zu einem Teil der kulturellen Identität geworden, frei von politischen
  585. Ambitionen. Sie leben in den Steinen alter Dome, in den Melodien mittelalterlicher Lieder, in den Geschichten, die Großeltern ihren Enkeln
  586. erzählen. Sie sind Märchenfiguren geworden und historische Persönlichkeiten zugleich. Menschen, die vor Jahrhunderten gelebt haben, aber
  587. deren Träume und Hoffnungen, deren Erfolge und Niederlagen noch heute zu uns sprechen wie alte Freunde, die uns besuchen kommen. Wenn heute ein Kind
  588. durch die Gassen von Rotenburg, ob der Tauber läuft oder die Burg hohen Zollern besichtigt, wenn es im Dom zu Speier vor den Kaisergräbern steht oder in Aen
  589. Karls des großen Thron betrachtet, dann berührt es mehr als nur Steine und Gold. Es berührt die Träume von Menschen, die vor tausend Jahren lebten und doch noch
  590. heute in unserer Erinnerung weiterleben wie Sterne, die auch nach ihrem Erlöschen noch leuchten. Die Kaiser sind heimgekehrt in das Herz Deutschlands,
  591. nicht als Herrscher, sondern als Erinnerung, nicht als Politik, sondern als Poesie. Sie gehören nun allen Menschen, die sich für Geschichte
  592. interessieren, für die großen Träume und die menschlichen Tragödien, die das Leben ausmachen. In dieser Form werden sie unsterblich sein, solange es
  593. Menschen gibt, die träumen können von fernen Zeiten und vergangener Größe. Und so schließt sich der große Kreis unserer Erzählung, kehrt zurück zu seinem Anfang
  594. und findet doch kein Ende, denn Geschichten haben nur dann ein Ende, wenn niemand mehr da ist, der sie erzählt. Die deutschen Kaiser leben
  595. weiter in jedem Märchen, das erzählt wird, in jeder Melodie, die erklingt, in jedem Traum von vergangener Größe und zukünftiger Hoffnung. Schlafen sie nun
  596. sanft und träumen Sie von Kaisern und Königen, von Rittern und Minnesängern, von einer Zeit, da die Welt noch voller Wunder war. Ende der Geschichte, Anfang
  597. der Träume.

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