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Die gesamte Geschichte der deutschen Kaiser zum Einschlafen
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Transkriptautomatisch erstellt · 597 Zeilen
- Die gesamte Geschichte der deutschen Kaiser zum Einschlafen. Die Geburt des Heiligen Römischen Reiches. 8692. Es war einst eine Zeit, als die Sonne
- über den weiten Ebenen Europas langsam unterging und die Menschen sich nach Ruhe und Frieden sehnten. In dieser Zeit vor mehr als 1000 Jahren, begann eine
- Geschichte, die uns heute sanft in den Schlaf begleiten soll. Die Geschichte der deutschen Kaiser. Stellen Sie sich vor, wie die warmen Strahlen der
- Abendsonne durch die bunten Glasfenster einer alten Kirche fallen. Es ist das Jahr 800 und in der prächtigen Peterskirche zu Rom herrscht eine
- feierliche Stille. Ein großer Mann mit einem langen grauen Bart kniet vor dem Altar. Sein Name ist Karl, doch die Geschichte wird ihn als Karl den großen
- Carolus Magnus in Erinnerung behalten. Papst Leo de Trete nähert sich ihm mit einer goldenen Krone in den Händen. Die Krone funkelt im Kerzenlicht wie die
- Sterne am nächtlichen Himmel. Mit einer sanften, aber bedeutungsvollen Geste setzt der Papst die Krone auf Karls Haupt. In diesem Moment wird nicht nur
- ein Mann gekrönt, es wird ein Traum geboren, der Traum eines vereinten christlichen Reiches im Herzen Europas. Karl der Große war ein Herrscher, der
- sein Volk wie ein fürsorglicher Vater führte. Seine Augen blickten weit über die Grenzen seines Reiches hinaus, das sich von den Pyrénäen bis zur Elbe
- erstreckte. Wie ein ruhiger Fluss, der durch eine friedliche Landschaft fließt, breitete sich seine Herrschaft über das Land aus. Er liebte die Gelehrsamkeit
- und umgabisesten Männern seiner Zeit. In seiner Palastschule zu Aen versammelten sich Lehrer und Schüler aus aller Herrenländer, um das Wissen der
- Antike zu bewahren und zu mehren. Stellen Sie sich vor, wie Karl an einem milden Sommerabend durch die Gärten seiner Pfals wandelte. Die Luft war
- erfüllt vom Duft der Linden und dem leisen Gemurmel der Gelehrten, die unter den Bäumen disputierten. Die Sterne funkelten am klaren Himmel und Karl
- dachte an die Zukunft seines Reiches. Er wusste, dass große Dinge vergänglich sind wie die Blüten im Frühling. Doch er hoffte, dass sein Werk bestand haben
- würde. Nach Karls Tod im Jahre 814 teilten seine Söhne das große Reich unter sich auf, wie Kinder, die ein kostbares Erbe teilen. Der Traum der
- Einheit schien zu zerbrechen wie ein zerbrechlicher Traum beim Erwachen. Das Reich zerfiel in drei Teile. Das westfränkische Reich, das später zu
- Frankreich werden sollte, das ostfränkische Reich aus dem Deutschland entstehen würde und das Reich der Mitte, Lutheringien.
- Jahrhunderte vergingen wie langsame träge Wolken am Sommerhimmel. Die Nachkommen Karls des Großen herrschten über ihre Teilreiche, doch die Macht der
- Kaiser schwand wie das Licht bei Sonnenuntergang. Wikinger kamen von Norden her wie wilde Stürme. Magiaren ritten aus dem Osten
- heran wie Windböhnen. Unsere Zähnen bedrohten das Reich von Süden her. Doch manchmal, wenn die Nacht am dunkelsten ist, erscheint der erste Stern am
- Himmel. So war es auch mit Otto, dem Sohn Heinrichs des Vogelstellers. Otto dempertend, den die Geschichte Otto den Großen nennen wird, bestieg im Jahre
- den Thron des ostfränkischen Reiches. Otto war ein Herrscher mit der Weisheit eines alten Baumes und der Kraft eines Berges. Er besiegte die Magiaren in der
- Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre55, wie ein Hirte seine Herde vor den Wölfen beschützt. Das Volk atmete auf, wie nach einem langen, bangen Traum. Die
- Bedrohung von Osten war gebannt und Ruhe kehrte ins Land ein. Doch Otto träumte von mehr als nur Sicherheit. Er träumte von der Wiederbelebung des Kaisertraums
- Karls des Großen. Wie ein Pilger, der einem fernen heiligen Ziel entgegengeht, zog Otto nach Italien. Die Alpen lagen vor ihm wie schlafende Riesen, deren
- Gipfel im Mondlicht silbern schimmerten. In Rom wartete Papst Johannes Doezisti auf ihn. Am Z. Februar, als der Winter noch über dem Land lag
- und die ersten Knospen an den Bäumen zu sprießen begann, wurde Otto zum Kaiser gekrönt. In diesem Moment wurde das Heilige römische Reich geboren. Ein
- Reich, das fast 1000 Jahre bestehen sollte, länger als alle Reiche vor und nach ihm. Die Krönung fand in der alten Peterskirche statt, dort wo einst Karl
- der Große die Kaiserkrone empfangen hatte. Die Kerzen flackerten sanft im kalten Februarwind, der durch die offenen Türen wehte. Otto kniete vor dem
- Altar und als die goldene Krone sein Haupt berührte, war es, als würde der Geist Karls des Großen zurückkehren. Von diesem Tag an nannte man das Reich
- Sakrum Imperium Romanum, das Heilige römische Reich. Es sollte ein Reich sein, das Ost und West, Nord und Süd vereinte. Ein Reich, in dem Friede und
- Gerechtigkeit herrschten wie ewiger Frühling. Otto kehrte nach Deutschland zurück wie ein Held, der eine große Quest vollendet hat. Sein Reich
- erstreckte sich nun von der Nordsee bis nach Rom, von der Elbe bis zu den Alpen. Unter seiner milden Herrschaft blüht Künste und Wissenschaften auf wie Blumen
- nach einem warmen Regen. Teil 2: Die Otonen und Salier. 962 1125. Nachdem Otto der Große den Grundstein für das Heilige römische Reich gelegt
- hatte, übernahm sein Sohn Otto II. die Herrschaft wie ein Sohn das kostbare Erbe seines Vaters übernimmt. Otto I war ein Herrscher mit dem Mut eines Löwen
- und der Klugheit einer Eule. Er heiratete die byzantinische Prinzessin Theofanu, eine Frau von großer Schönheit und noch größerer Weisheit, deren Augen
- funkelten wie die Sterne des Ostens. Stellen Sie sich vor, wie Theofanu in den kalten deutschen Winternächten am Kamin saß und ihrem kleinen Sohn Otto
- Geschichten aus Bzanz erzählte. Sie sprach von goldenen Palästen, von Kaisern in purpurnen Gewändern und von einer Welt, in der Kunst und Kultur
- blühten wie ein Garten im Frühling. Ihre sanfte Stimme erfüllte die Gemächer wie der Duft von Weihauch eine Kirche. Als Otto De Zweige früh starb, übernahm
- Theofanu die Regentschaft für ihren noch minderjährigen Sohn Otto de I. Wie eine weise Königin aus einem Märchen führte sie das Reich mit fester, aber
- liebevoller Hand. Sie brachte byzantinische Kultur und Kunst nach Deutschland und unter ihrer Herrschaft erstrahlte das Reich in neuem Glanz.
- Otto Det, der unter der liebevollen Führung seiner Mutter aufgewachsen war, träumte von einem universalen Kaiserreich. Er sah sich selbst als
- Nachfolger der römischen Cäsaren und wollte sein Reich von Rom ausregieren. Wie ein junger Adler, der zum ersten Mal seine Flügel ausbreitet, strebte er nach
- den höchsten Höhen. Doch Otto de Drei starb jung, noch bevor sein Traum Wirklichkeit werden konnte. Sein Tod war wie ein Blatt, das zu früh vom Baum
- fällt. Mit ihm endete die direkte Linie der Otonen, doch ihr Vermächtnis lebte weiter wie ein Lied, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.
- Heinrich II. Ein Verwandter der Otonen übernahm die Krone. Er war ein Herrscher von großer Frömigkeit, der seine Macht als Geschenk Gottes betrachtete.
- Heinrich liebte die Kirche, wie ein Sohn seine Mutter liebt, und er und seine Gemahlin Kunigunde lebten in solcher Heiligkeit, dass die Kirche sie später
- zu ihren Heiligen zählte. Unter Heinrichs Herrschaft war das Reich wie ein friedlicher Garten, in dem jeder Baum seine Früchte trug. Er gründete das
- Bistum Bamberg und machte es zu einem Zentrum der Gelehrsamkeit und Kunst. Wenn man heute durch die alten Straßen Bambergs wandelt, kann man noch immer
- seinen Geist spüren wie einen sanften Wind, der durch die Geschichte weäht. Nach Heinrichs Tod im Jahre wählten die deutschen Fürsten Konrad II.
- aus dem Hause der Salier zum König. Die Salier waren wie frische Winde, die neue Ideen und neue Energie ins Reich brachten. Konrad II. war ein Herrscher
- von großer Tatkraft und Vision. Er erweiterte das Reich und festigte seine Macht wie ein geschickter Gärtner, der seinem Garten zu neuer Blüte verhilft.
- Sein Sohn Heinrich der Dre erbte nicht nur die Krone, sondern auch die Ideale seines Vaters. Heinrich Der D war ein Kaiser von tiefer Religiosität und
- hohemischen Anspruch. Er sah sich als Stellvertreter Gottes auf Erden und wollte die Kirche von allen weltlichen Einflüssen befreien. wie man einen
- kostbaren Edelstein von allem Schmutz befreit. Doch Heinrichs Sohn Heinrich Vierfer sollte eine der schwierigsten Zeiten der deutschen Kaisergeschichte
- erleben. Er war noch ein Kind, als er den Thron bestieg und seine Mutter Agnes führte die Regentschaft wie eine Hirtin, die ihre Herde durch schwieriges Gelände
- führt. Als Heinrich den vier erwachsen wurde, sah er sich einem mächtigen Gegner gegenüber, Papst Gregor Sebn. Dieser Papst war ein Mann von eisernem
- Willen und unerschütterlichem Glauben, der die Kirche von allen weltlichen Einflüssen befreien wollte. Der Streit zwischen Kaiser und Papst entzündete
- sich an der Frage der Investitur: Wer hatte das Recht, Bischöfe zu ernennen? Der Konflikt eskalierte, als Gregor Seponmer Heinrich der VI exkommunizierte
- und seine Untertanen von ihren Treueiden entbannt. Heinrich stand plötzlich allein da wie ein Baum im Sturm. Die deutschen Fürsten wandten sich von ihm
- ab und sein Reich drohte zu zerfallen wie ein Bauwerk aus Sand. In dieser dunkelsten Stunde fasste Heinrich einen verzweifelten Entschluss. Im harten
- Winter des Jahres 1077 machte er sich auf den Weg über die verschneiten Alpen nach Kanosa, wo der Papst in der Burg der Marktgräfin
- Matilde weilte. Die Reise war beschwerlich, wie der Weg eines Pilgers zu einem fernen Heiligtum. Stellen Sie sich vor, wie Heinrich vor den Toren der
- Burg Kanossa stand. Drei Tage und drei Nächte harrte er dort aus, barfuß und in einem Büßergewand, während der kalte Januarwind über die
- Berge fegte. Die Schneeflocken fielen auf sein unbedecktes Haupt wie Tränen des Himmels. Schließlich öffneten sich die Tore und Papst Gregor Seffenbeirer
- gewährte ihm die Audienz. Heinrich kniete vor dem Papst nieder wie ein ruiger Sohn vor seinem Vater. Gregor löste den Bann, doch die Demütigung von
- Kanossa sollte Heinrich sein Leben lang verfolgen wie ein Schatten. Heinrich kehrte nach Deutschland zurück, doch sein Kampf mit der Kirche war noch nicht
- zu Ende. Jahre vergingen, in denen Kaiser und Papst um die Macht rangen wie zwei Titanen. Heinrich musste erleben, wie seine eigenen Söhne sich gegen ihn
- wandten, getrieben von Ehrgeiz und dem Wunsch nach Macht. Der alte Kaiser starb einsam und verlassen, doch sein Sohn Heinrich Fund setzte den Kampf fort.
- Erst mit dem Wormser Konkordat von 1122 fand der lange Streit zwischen Kaiser und Papst sein Ende. Wie zwei müde Kämpfer, die ihre Waffen niederlegen,
- einigten sich Kaiser und Papst auf einen Kompromiss. Der Kaiser durfte weiterhin die weltlichen Rechte der Bischhöfe verleihen, doch die geistliche
- Investitur blieb dem Papst vorbehalten. Mit Heinrich V endete die Dynastie der Salier im Jahre 1125. Sie hatten das Reich durch schwere
- Zeiten geführt wie Sterne, die Wanderern in der Nacht den Weg weisen. Ihr Vermächtnis war ein Reich, das gestärkt aus den Kämpfen hervorgegangen war und
- bereit für neue Herausforderungen. Teil 3: Die Staufer Glanz und Fall. 1155255 1250.
- Nach dem Ende der Salier erwachte das Reich wie ein Garten nach einem langen Winter zu neuer Blüte. Die deutschen Fürsten wählten Lotha von Suplinburg zum
- König, einen Mann von ruhiger Weisheit und bedachter Art. Doch nach seinem Tod entbrannte ein Kampf um die Krone zwischen zwei mächtigen Familien, den
- Wen und den Staufern. Ein Streit, der das Reich erschüttern sollte wie Donner einen stillen See. Konrad Hendenz aus dem Hause der Staufer ergriff die Macht
- im Jahre 113. Er war wie ein Morgenstern, der den Aufstieg einer neuen Dynastie ankündigte. Konrad war ein Herrscher von
- großer Tapferkeit, doch sein Leben wurde überschattet von den Kämpfen mit seinem Rivalen Heinrich dem Stolzen aus dem Hause der Wen stellen Sie sich vor, wie
- die beiden Heere einander gegenüber standen, wie Gewitterwolken am Horizont. Doch Konrad erkannte, dass das Reich mehr brauchte als innere Kämpfe. Er nahm
- das Kreuz und zog ins heilige Land, um Jerusalem zu befreien. Doch die Wüstensonne und die Pfeile der Sarazhen zwangen ihn zur Umkehr wie einen
- Wanderer, der vor einem unüberwindlichen Berg steht. Als Konrad der Dretti starb, folgte ihm sein Neffe Friedrich der Ste auf den Thron. Jener Friedrich, den die
- Geschichte als Barbarossa den Rotbart in ewiger Erinnerung behalten sollte. Friedrich war ein Kaiser wie aus einem Märchen, groß und stark, mit einem roten
- Bart, der im Sonnenlicht leuchtete wie glühendes Kupfer. Seine Augen blickten weit und tief wie das Meer und seine Stimme klang wie das Rauschen eines
- mächtigen Stroms. Friedrich Barbarossa träumte von einem Reich, das von der Ostsee bis nach Sizilien reichen sollte. Er sah sich als rechtmäßigen Nachfolger
- der römischen Kaiser und wollte die Herrlichkeit des antiken Imperiums wiedererwecken. Wie ein Adler, der majestätisch über die Berge gleitet,
- erstreckte sich seine Vision über ganz Europa. Sechs mal zog Friedrich nach Italien, um seine Herrschaft über die reichen lombardischen Städte zu
- festigen. Diese Städte waren wie trotzige Kinder geworden, die sich gegen die väterliche Autorität auflehnten. Mailand, die stolzeste unter ihnen,
- widersetzte sich dem Kaiser mit solcher Hartnäckigkeit, dass Friedrich schließlich die Stadt schleifen ließ, wie einen Gärtner, der Unkraut jätet.
- Doch die Lombardenstädte schlossen sich zusammen wie Geschwister, die einander in der Not beistehen. Sie bildeten den Lombardenbund und fanden einen mächtigen
- Verbündeten in Papst Alexander den Zette. Die Schlacht von Legano im Jahre und wurde zu Friedrichs schwerster Niederlage. Wie ein Gewitter, das
- plötzlich über einen sonnigen Tag hereinbricht, zerbrach sein Traum von der italienischen Herrschaft. Doch Friedrich war ein weiser Herrscher, der
- aus Niederlagen zu lernen verstand. Im Frieden von Konstanz erkannte er die Rechte der lombardischen Städte an, behielt aber seine kaiserliche
- Oberhoheit. Es war ein Kompromiss wie ein Regenbogen nach einem Sturm. Beide Seiten konnten zufrieden sein. In Deutschland festigte Friedrich seine
- Macht durch geschickte Politik. Er versöhnte sich mit Heinrich, dem Löwen, dem mächtigen Wenherzog, und für eine Zeit herrschte Friede im Reich, wie eine
- sanfte Abendbrise über einem stillen See. Heinrich der Löwe war ein Herrscher von großer Tatkraft, der neue Städte gründete und das Land Urbachte wie ein
- Bauer, der brachliegende Felder zum Leben erweckt. Doch auch diese Harmonie war nicht von Dauer. Heinrich der Löwe wurde zu mächtig, zu stolz. Als
- Friedrich ihn um Hilfe für einen seiner Italienzüge bat und Heinrich diese verweigerte, zerbrach das Bündnis wie Glas. Friedrich ließ Heinrich
- verurteilen und in die Verbannung schicken. Der mächtige Herzog ging nach England ins Exil, wie ein gestürzter Stern, der vom Himmel fällt. Im Jahre
- 1189, als Friedrich bereits über 60 Jahre alt war, nahm er das Kreuz für den dritten Kreuzzug. Sein Bart war inzwischen weiß geworden wie Schnee auf
- einem Berggipfel, doch sein Geist war noch immer jung und feurig. Mit einem gewaltigen Heer zog er gehen Osten, um das heilige Land zu befreien. Die Reise
- führte ihn durch das Byzantinische Reich und Anatolien. Überall wurde er empfangen wie ein legendärer Held. Doch am 10. Juni,
- als er den kleinen Fluss Salev in Anatolien durchqueren wollte, ertrank der große Kaiser. Manche sagen, er sei vom Pferd gestürzt, andere behaupten,
- sein Herz habe versagt. Wie auch immer, der rote Bart verschwand für immer unter den Wellen. Doch das Volk wollte nicht glauben, dass ihr geliebter Kaiser tot
- sei. Bald entstanden Legenden, die erzählten: Barbarossa schlafe in einem Berg im Küffhäuser, umgeben von seinen treuen Rittern.
- Dort warte er auf die Stunde, da Deutschland ihn am meisten brauche. Sein Bart wachse durch den steinernen Tisch und wenn er dreimal um den Berg
- gewachsen sei, werde Barbarossa erwachen und sein Reich erneuern. Friedrichs Sohn Heinrich VI erbte nicht nur die Krone, sondern auch das sizilianische
- Königreich durch seine Ehe mit Konstanze von Sizilien. Heinrich war ein Herrscher von großer Intelligenz und eisernem Willen, doch auch von unbändiger
- Grausamkeit. Unter seiner Herrschaft erstreckte sich das Reich von der Nordsee bis nach Sizilien wie ein gewaltiger Adler, der seine Schwingen
- über ganz Europa breitet. Heinrich träumte von einem Erbkaiserreich, in dem die Krone nicht mehr gewählt, sondern vererbt wurde. Doch der frühe Tod
- ereilte auch ihn wie ein kalter Wind, der eine Kerze auslöscht. Er starb im Jahre7 in Messina und hinterließ nur einen kleinen Sohn Friedrich II. Teil 4.
- Das Interregnum und die Luxemburger 1250 1437. Als Friedrich den II, der letzte große Stauferkaiser, im Jahre in seinem
- geliebten Sizilien starb, war es, als würde die Sonne über dem Heiligen Römischen Reich untergehen. Sein Tod markierte das Ende einer Era und den
- Beginn einer Zeit, die die Geschichtsschreiber das Interregnum nennen würden. Eine Zeit ohne Kaiser, dunkel und verworren wie ein Wald
- inloser Nacht. Friedrich II. II. war ein Kaiser gewesen, wie ihn die Welt noch nie gesehen hatte. Die Menschen nannten ihn Stupor Mundis, das Staunen der Welt.
- Er sprach neun Sprachen, liebte die Wissenschaften und Künste. Und sein Hof in Sizilien war ein Zentrum der Gelehrsamkeit, wo christliche, arabische
- und jüdische Weise zusammenkamen wie Sterne in einer Konstellation. Doch mit seinem Tod zerbrach das mächtige Staufereich wie ein kostbares Gefäß, das
- zu Boden fällt. Sein Sohn Konrad der I. starb bereits vier Jahre später. Und mit dem jungen Konradin endete8 die stolze Dynastie der Staufer auf dem
- Schafft in Neapel wie eine Blume, die vom Frost dahinerafft wird. Deutschland versank im Chaos des Interregnums. Verschiedene Pretendenten
- erhoben Anspruch auf die Krone, wie hungrige Wölfe, die um Beute kämpfen. Richard von Cornwall und Alfons von Castilien ließen sich zu Königen wählen,
- doch ihre Macht reichte nicht weiter als der Schatten, den sie warfen. Das Reich zerfiel in unzählige kleine Territorien. Jeder Fürst war sein eigener Herr
- geworden. In dieser Zeit der Verwirrung erstärkten die Städte wie junge Bäume nach einem Waldbrand. Sie schloossen sich zu Bünden zusammen, um sich zu
- schützen und den Handel zu fördern. Die Hanse im Norden und der Rheinische Städtebund wurden zu mächtigen Faktoren, die ihre eigene Politik betrieben, wie
- kluge Kaufleute, die ihre Geschäfte führen. Doch nach 20 Jahren der Wirren sehnten sich die Menschen nach Frieden und Ordnung wie Wanderer nach einem
- warmen Feuer in kalter Nacht. Die deutschen Fürsten erkannten, daß sie einen starken Kaiser brauchten, und ihre Wahl fiel auf Rudolf von Habsburg, einen
- Grafen aus dem Schweizerischen Argau. Rudolf Isbeste war kein mächtiger Fürst, keine schillernde Gestalt wie die großen Staufer vor ihm. Er war ein Mann von
- mittleren Jahren, bescheiden in seinem Auftreten wie ein Landedelmann, der seine Felder bestellt. Doch gerade diese Bescheidenheit machte ihn für die
- Fürsten akzeptabel. Er war stark genug, um Ordnung zu schaffen, aber nicht so mächtig, daß er ihre eigene Stellung bedrohte. Rudolf erwies sich als
- geschickter und weitsichtiger Herrscher. Er besiegte Otoka von Böhmen, der sich zu mächtig geworden war und eroberte Österreich und die Steiermark für das
- Reich. Diese Länder verlie seinen Söhnen als Lehen, und so begann der Aufstieg der Habsburger zu einer der mächtigsten Dynastien Europas wie ein kleiner Bach,
- der zu einem gewaltigen Strom anschwillt. Nach Rudolfs Tod wählten die Fürsten bewusst schwächere Herrscher Adolf von Nassau und Heinrich Sepzin von
- Luxemburg. Sie wollten keinen neuen Rudolf, der zu stark werden könnte. Heinrich Seben war der erste Kaiser seit langer Zeit, der wieder nach Rom zog, um
- sich dort krönen zu lassen. Doch er starb früh in Italien und seine Träume von einem neuen Kaiserreich zerrannen wie tau in der Morgensonne. Ludwig de
- VI. Der Bier folgte ihm auf den Thron, doch seine Herrschaft wurde überschattet von einem erbitterten Kampf mit dem Papst in Avignon. Wie seine Vorgänger
- mußte er lernen, daß die Zeiten der großen mittelalterlichen Kaiser vorbei waren. Die Macht war zersplittert, die Welt komplexer geworden. Einen neuen
- Höhepunkt erreichte das Kaisertum unter Karl VI aus dem Hause Luxemburg. Karl war in Paris erzogen worden und brachte die Kultur des Westens mit nach
- Deutschland wie ein Händler kostbare Waren aus fernen Ländern. Er war ein Kaiser von großer Bildung und diplomatischem Geschick, der verstand,
- daß die Zeit der Gewalt vorüber war und die Zukunft der Klugheit gehörte. Karl I machte Prag zu seiner Residenz und verwandelte die Stadt in ein glänzendes
- Zentrum der Kunst und Wissenschaft. Die Karlsbrücke über die Moldau und der majestätische FeDom zeugen noch heute von seinem Willen zur Schönheit. Er
- gründete die erste deutsche Universität in Prag und zog Gelehrte aus ganz Europa an, wie ein Magnet das Eisen anzieht. Sein wichtigstes Werk war die goldene
- Bulle von 1356, ein Gesetz, das die Kaiserwahl endgültig regelte. Sieben Kurfürsten sollten in Zukunft den Kaiser wählen. Die Erzbischöfe von Mainz, Köln
- und Trier, der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg.
- Diese goldene Bulle blieb über vier Jahre lang das Grundgesetz des Reiches, stabil und dauerhaft wie ein Fundament aus festem Stein. Karl verstand es, das
- Reich zu einen, ohne Gewalt anzuwenden. Er reiste unermüdlich durch seine Lande wie ein Hirte, der seine Herde zusammenhält. Überall wurde er mit
- Freuden empfangen, denn die Menschen erkannten in ihm einen Herrscher, der ihr wohlsuchte und nicht nur seine eigene Macht. Doch auch Karls Söhne
- konnten den Glanz ihres Vaters nicht bewahren. Wenzel wurde als unfähig abgesetzt und Sigesmund, der letzte Luxemburger auf dem Kaiserton,
- verbrachte den größten Teil seiner langen Herrschaft mit dem Kampf gegen die Hositen in Böhmen und die Türken an den Grenzen des Reiches. Sigismund war
- ein Herrscher von großer Tatkraft, doch die Zeiten waren schwierig geworden. Die Kirche war gespalten. Konzil von Konstanz rang um die Einheit der
- Christenheit wie Ärzte um das Leben eines schwerkranken Patienten. Sigismund spielte eine wichtige Rolle bei der Überwindung des großen Schismas, doch
- seine Bemühungen um Reformen im Reich blieben weitgehend erfolglos. Als sie Gismund 1437 starb, endete mit ihm die Dynastie der
- Luxemburger. Das Reich stand an einem Wendepunkt seiner Geschichte. Die Zeit der großen reisenden Kaiser war vorüber. Die Zukunft würde anderen gehören, den
- Habsburgern, die aus dem fernen Österreich kamen und das Reich für Jahrhunderte prägen sollten wie ein Fluss, der ein neues Bett gräbt. Teil 5.
- Die Habsburger Vormacht, 1438 156. Mit der Wahl Albrecht von Habsburg im Jahre
- begann eine neue Era in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. Die Habsburger, jene bescheidene Adelsfamilie aus dem Argau, die Rudolf
- Estares zur Macht verholfen hatte, waren nun bereit, das Schicksal Europas in ihre Hände zu nehmen wie ein Gärtner, der einen kostbaren Garten übernimmt.
- Albrecht II. II herrschte nur kurz wie ein Stern, der hell aufleuchtet und schnell wieder erlischt. Doch sein Tod brachte einen noch
- bedeutenderen Herrscher hervor, Friedrich Denite, den letzten Kaiser, der in Rom gekrönt werden sollte. Friedrich war ein stiller, bedächtiger
- Mann, der sich lieber mit Büchern und gelehrten Gesprächen beschäftigte, als mit Kriegen und Intrigen. Die Menschen seiner Zeit verstanden Friedrich oft
- nicht. Sie sahen einen Kaiser, der sich in seine österreichischen Lande zurückzog, statt das Reich zu einen. Doch Friedrich dachte in längeren
- Zeiträumen als andere Menschen. Sein Wahlspruch war das geheimnisvolle A I Ou. Austria eritt in Orbe ultima. Österreich wird in der Welt das letzte
- sein. Oder wie manche deuteten, alles Erdreich ist Österreich untertan. Friedrich II. verstand die Kunst der dynastischen Politik, wie ein
- Schachmeister die Züge auf dem Brett. Während andere Herrscher ihre Energie in kostspieligen Kriegen verbrauchten, schmiedete er Ehebündnisse, die seinem
- Hause für Jahrhunderte Macht verschaffen sollten. Die Hochzeit seines Sohnes Maximilian mit Maria von Burgund war wie der erste Zug in einem großen Spiel, das
- Europa verändern würde. Als Friedrich 1493 starb, hinterließ er seinem Sohn ein Reich, das äußerlich schwach erschien, aber die Samen künftiger Größe
- in sich, trug wie ein karger Boden, unter dem reiche Schätze verborgen liegen. Maximilian de Fousmeister, den die Menschen liebevoll den letzten
- Ritter nannten, war das Gegenteil seines bedächtigen Vaters. Er war ein Mann der Tat und des Abenteuers, ein Herrscher, der die Menschen faszinierte wie ein
- Held aus alten Sagen. Mit seinem goldenen Haar und seinen strahlenden Augen verkörperte er das Ideal des ritterlichen Kaisers. Maximilian liebte
- die Jagd und den Kampf, die Kunst und die Musik. Er konnte mit gleicher Begeisterung eine Burg belagern oder ein Gedicht verfassen, einen Hirsch erlegen
- oder einen gelehrten Disput führen. Sein Hof war ein Zentrum der Renaissancekultur, wo Künstler wie Dürer und Gelehrte wie
- Konrad Zeltis zusammenkamen wie Sterne in einer hell funkelnden Konstellation. Doch Maximilian war mehr als nur ein romantischer Ritter. Er war ein
- geschickter Diplomat, der das Habsburgische Hausmachtprinzip zur Vollendung führte. Seine eigene Ehe mit Maria von Burgund brachte die reichen
- niederländischen Provinzen in Habsburgischen Besitz. Die Eheschließungen seiner Kinder waren strategisch geplant wie die Züge eines
- Feldherrn. Philip den Schönen, seinen Sohn, verheiratete er mit Johanna der Wahnsinnigen von Spanien. Diese Ehe sollte den Habsburgern die spanische
- Krone und die unermesslichen Schätze der neuen Welt einbringen. Seine Enkelkinder verheiratete er mit den Erben Böhmens und Ungarns. So webte Maximilian ein
- Netz dynastischer Verbindungen über ganz Europa wie ein geschickter Weber, ein kostbares Gewand. Als Maximilian 15.19 starb, hinterließ er seinem Enkel Karl
- ein Erbe, das alle Träume übertraf. Karl VI erbte ein Reich, über das die Sonne niemals unterging. Deutschland und Österreich, die Niederlande und Spanien,
- Teile Italiens und die fernen Kolonien in Amerika. Er war der mächtigste Herrscher seit Karl dem Großen, ein Kaiser, dessen Macht die Grenzen Europas
- überschritt. Stellen Sie sich vor, wie der junge Karl zum ersten Mal die Karte seines Reiches betrachtete. Von den nebligen Küsten Flanderns bis zu den
- sonnigen Stränden Andalusiens, von den Goldminen Perus bis zu den Gewürzinseln der Moluken, erstreckte sich seine Herrschaft. Es muss sich angefühlt
- haben, als trüge er die ganze Welt auf seinen Schultern. Doch diese Macht brachte auch gewaltige Verantwortung und endlose Sorgen mit sich. Karl mußte
- gegen Franz von Frankreich kämpfen, der das Habsburgische Reich wie einen Ring umschloß, der zu eng geworden war. "Fünf große Kriege", führte er gegen den
- französischen König. Kämpfe, die sich über ganz Europa erstreckten wie Schatten bei untergehender Sonne. Im Osten bedrohten die Türken unter Sultan
- Süleimann, dem Prächtigen das Reich. Zweimal standen sie vor den Mauern Wiens. Und ganz Europa zitterte vor der islamischen Macht wie Blätter vor dem
- Sturm. Karl mußte seine Kräfte teilen zwischen dem Kampf im Westen gegen Frankreich und der Verteidigung im Osten gegen die Türken. Doch die größte
- Herausforderung kam aus dem eigenen Reich. Martin Luther hatte seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen und die Reformation breitete
- sich aus wie ein Lauffeuer. Karl, ein treuer Sohn der katholischen Kirche, sah seine Pflicht darin, die Einheit des Glaubens zu bewahren. Ich bin
- entschlossen, alles einzusetzen. Meine Reiche und Herrschaften, meine Freunde, meinen Leib und mein Blut, mein Leben und meine Seele", erklärte er auf dem
- Reichstag zu Worms. Jahre vergingen in religiösen Kriegen, die das Reich zerrissen wie einen kostbaren Stoff. Der schmalkaldische Bund der
- protestantischen Fürsten kämpfte gegen den Kaiser, Bruder gegen Bruder, Deutsche gegen Deutsche. Karl siegte in der Schlacht bei Mühlberg, doch der Sieg
- war bitter wie Wehrmut, denn er brachte keine Einheit, sondern nur tiefere Spaltung. Teil 6 Die Zeit der Reformation und Kriege.
- 1640. Im Jahre 156, als die Herbstblätter golden von den Bäumen fielen, traf Karl Finn eine
- Entscheidung, die Europa erschüttern sollte. In einer feierlichen Zeremonie im Palast zu Brüssel dankte er ab als erster Kaiser in der Geschichte des
- Reiches, der freiwillig die Krone niederlegte wie ein müderer sein Gepäck. Karl war erst Jahre alt, doch die Last der Welt hatte ihn vorzeitig altern Haar
- war weiß geworden wie Schnee, sein Gesicht von Sorgenfalten durchzogen wie eine Landkarte schwerer Wege. "Ich bin müde", sagte er zu seinen weinenden
- Höflingen. "Gott hat mir mehr auferlegt, als ein Mensch tragen kann. Das gewaltige Reich wurde geteilt wie ein zu groß gewordenes Gewand. Die spanischen
- Besitzungen mit den reichen Kolonien in Amerika gingen an seinen Sohn Philip II. während die deutschen Lande an seinen Bruder Ferdinand fielen. Es war das Ende
- des universalen Kaiserreichs, doch der Beginn einer neuen Epoche. Ferdinand I. War ein ruhiger, besonnener Herrscher, der die Kunst des Ausgleichs verstand,
- wie ein erfahrener Diplomat die Geheimnisse der Verhandlung. Er hatte Jahre als Stadthalter in den deutschen Länden verbracht und kannte die Nöte und
- Sorgen seiner Untertanen, wie ein Hirte seine Herde kennt. Als Ferdinand die Kaiserkrone übernahm, stand das Reich vor gewaltigen Herausforderungen. Die
- Reformation hatte das Land gespalten, die Türken bedrohten weiterhin die Ostgrenzen und die alten Institutionen schienen nicht mehr den neuen Zeiten zu
- entsprechen. Ferdinand erkannte, dass nur Kompromisse das Reich retten konnten. Der Augsburger Religionsfrieden von 155
- war sein größtes Werk. Kuius Regio Eius Religio, wessen das Land, dessen der Glaube, wurde zum Grundsatz, der den konfessionellen Frieden sicherte, wie
- ein Deich das Land vor Überschwemmung schützt. Es war kein perfekter Frieden, aber er brachte dem Kriegsmüden Reich eine Generation der Ruhe. Ferdinand
- liebte die Musik und die Künste. An seinem Hof in Wien versammelten sich Musiker und Gelehrte aus ganz Europa. Die Hofkapelle wurde berühmt für ihre
- Mutetten und Messen und der Klang der Musik erfüllte die kaiserlichen Gemächer wie Weihauch eine Kathedrale. Sein Sohn Maximilian II. erbte die tolerante
- Gesinnung des Vaters. Maximilian war ein Herrscher der Renaissance, gebildet und aufgeschlossen, der ins geheim mit dem Protestantismus sympathisierte. Doch aus
- politischer Klugheit katholisch blieb. Unter seiner Herrschaft erlebte das Reich eine Blütezeit der Kultur und Wissenschaft. Doch diese goldenen Jahre
- sollten nicht von Dauer sein. Rudolf den II, Maximilians Sohn, war ein Herrscher von ganz anderem Schlag. Rudolf war ein Melancholiker, ein Grübler, der sich
- immer mehr von den Regierungsgeschäften zurückzog, wie ein Einsiedler in seine Klause. Rudolf machte Prag zu seiner Residenz und verwandelte die Ratschin in
- ein Zentrum für Alchemie und okkulte Wissenschaften. Magier und charlatane, Astronomen und Astrologen, bevölkerten seinen Hof wie merkwürdige Vögel einen
- verwunschenen Garten. Der Kaiser sammelte Kunstwerke und Kuriositäten, suchte den Stein der Weisen und das Elixier des Lebens. Während Rudolf in
- seinen Studien versunken war, geriet das Reich in immer größere Unordnung. Die Religionsgegensätze verschärften sich wieder, denn die Gegenreformation hatte
- begonnen. Die Jesuiten predigten mit missionarischem Eifer. Die protestantischen Prediger antworteten mit gleicher Leidenschaft und zwischen
- ihnen wuchs die Spannung wie Gewitterwolken am Sommerhimmel. In Böhmen kam es zum offenen Aufstand, als die protestantischen Stände ihre
- katholischen Stadthalter aus den Fenstern der Pragerburg warfen. Der berühmte Prager Fenstersturz von 16 und 18, der wie ein Funke das Pulverfass
- Europa entzündete. Rudolfs Bruder Matthias übernahm die Regierung, doch auch er konnte den Frieden nicht bewahren. Als er starb, folgte ihm
- Ferdinand I. Ein Kaiser von tiefer Frömkeit und eisernem Willen, der entschlossen war, die Einheit des katholischen Glaubens
- wiederherzustellen, koste es, was es wolle. Ferdinand II. war das Gegenteil seines schwermütigen Vorgängers. Er war ein Mann der Tat, ein Kämpfer für seine
- Überzeugungen, der bereit war, alles für seinen Glauben zu opfern, wie ein Kreuzritter für das heilige Land. Sein Wahlspruch war: "Besser eine Wüste
- regieren als ein Land voller Ketzer." Der dreißigjährige Krieg, der nun begann, sollte Deutschland verwüsten wie eine Pest. Was als böhmischer Aufstand
- begonnen hatte, weitete sich zu einem europäischen Krieg aus, der alle Mächte des Kontinents erfasste, wie ein Waldbrand, der außer Kontrolle gerät. In
- der Schlacht am Weißen Berg bei Prag besiegte Ferdinand die bömischen Protestanten, doch der Sieg brachte keinen Frieden. Schwedische und dänische
- Heere marschierten in Deutschland ein. Französische Truppen kämpften an der Seite der Protestanten und das Reich wurde zum Schlachtfeld Europas. Städte
- wurden erobert und geplündert, Dörfer niedergebrannt, Menschen erschlagen oder vertrieben wie Blätter im Herbststurm. Magdeburg, die stolze Hansestadt, wurde
- so gründlich zerstört, dass man sie die Magdeburgische Bluthochzeit nannte. Söldnerere zogen durch das Land wie Heuschrecken, die alles Karl fressen.
- General Tilly und Wallenstein, Gustavus Adolfus von Schweden und Bernhard von Weimer. Ihre Namen klangen durch Europa wie Donner am Himmel. Sie führten ihre
- Armeen von Schlacht zu Schlacht, von Sieg zu Niederlage und hinter ihnen blieben verbrannte Erde und weinende Witwen zurück. Ferdinand Zetti, der 1637
- die Nachfolge seines Vaters antrat, erkannte endlich, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Er war ein müder Mann geworden, gealtert vor seiner Zeit,
- der nur noch den Frieden suchte wie ein Durstiger das Wasser. Die Friedensverhandlungen in Münster und Osnerbrück zogen sich Jahre hin wie eine
- schwere Krankheit. Endlich, am 24. Oktober 1648 wurde der westfälische Friede unterzeichnet. Die Glocken läuteten in
- ganz Deutschland und die Menschen weinten vor Erleichterung wie nach einem langen bösen Traum. Doch der Friede hatte einen hohen Preis. Deutschland war
- verwüstet, seine Bevölkerung um ein Drittel dezimiert, seine politische Einheit endgültig zerbrochen. Die Schweiz und die Niederlande schien aus
- dem Reich aus. Frankreich gewann Elsas Lotringen, Schweden erhielt Pommern und andere deutsche Gebiete. Das heilige römische Reich existierte noch, aber es
- war nur noch ein Schatten seiner Selbst, zersplittert in hunderte kleiner Territorien, deren Fürsten nun souverän waren wie kleine Könige in ihren
- Ländern. Der Traum von einem vereinten deutschen Kaiserreich schien für immer begraben unter den Trümmern des dreißigjährigen Krieges. Teil 7 Barok
- und Aufklärung 1650 1792. Nach den Schrecken des dreißigjährigen Krieges erwachte das Reich langsam zu neuem Leben wie ein Garten nach einem
- harten Winter, in dem die ersten zarten Knospen zu sprießen beginnen. Leopold Zwertens, der 1658 den Kaisertron bestieg, war ein
- Herrscher, der das verwüstete Land wieder aufbauen wollte wie ein geduldiger Handwerker, der aus zerbrochenen Stücken etwas Neues und
- Schönes erschafft. Leopold war ein stiller, nachdenklicher Mann mit dem charakteristischen Habsburger Kinn und melancholischen Augen, die tief blickten
- wie sehen im Mondlicht. Er liebte die Musik über alles. Er komponierte selbst und spielte Klavier mit der Hingabe eines wahren Künstlers. Sein Hof in Wien
- wurde zu einem Zentrum der Barockenkultur, wo die Musik von Monteverdi und später von Mozart erklang, wie Himmelsschöre in einer
- prächtigen Kathedrale. Doch Leopolds Herrschaft war nicht von Ruhe geprägt. Vom Osten her drohte eine neue Gefahr. Die Türken unter dem Großvesier Kara
- Mustafa rüsteten zu einem gewaltigen Fellzug, der die christliche Welt erschüttern sollte, wie ein Erdbeben. Im Sommer 1683 standen 200.000 Osmanische
- Krieger vor den Mauern Wiens und ganz Europa hielt den Atem an wie beim Anblick eines heranziehenden Gewitters. Die Belagerung Wien dauerte zwei Monate.
- In der Stadt herrschten Hunger und Verzweiflung. Die Mauern bröckelten unter dem Beschuss der türkischen Kanonen und die Verteidiger wurden
- weniger mit jedem Tag. Der verstrich wie Sandkörner in einer Sanduhr. Leopold war nach Passau geflohen, doch in Wien kämpften tapfere Männer um jeden Stein,
- jeden Balken, jeden Fußbreitboden. Am 12. September 1683, als die Morgensonne über den Karlenberg stieg, erschien die Rettung. König
- Johann Sobjki von Polen führte ein vereintes christliches Heer an, das wie ein Sturzbach von den Hügeln herabbrach. Die Schlacht war kurz, aber
- entscheidend. Die türkische Armee zerstob wie Nebel vor dem Wind und Wien war gerettet. Kara Mustafa ließ in seinem Zelt sogar seinen Kaffee stehen.
- So entstand die Legende vom Wiener Kaffeehaus. Nach dem Sieg bei Wien begann eine neue Zeit für das Habsburger Reich. Unter dem glorreichen Feldherrn
- Prinz Eugin von Savoyen eroberten die kaiserlichen Truppen weite Teile Ungarns und des Balkans zurück. Prinz Eugen war ein Mann von kleiner Gestalt, doch sein
- Geist war groß wie ein Adler. der hoch über den Wolken kreist. Seine Siege bei Zenta und Peterwartein halten durch ganz Europa wie Siegeslieder. Leopold starb
- 175 und sein Sohn Josef I. folgte ihm auf den Thron. Josef war ein Herrscher voller Energie und neuer Ideen, doch seine Herrschaft war kurz wie ein
- Sommertag. Er starb bereits 17.11 an den Pocken und sein Bruder Karl Seesens übernahm die schwere Bürde der Kaiserkrone. Karl Seesens war der letzte
- männliche Habsburger und diese Tatsache überschattete seine ganze Herrschaft wie eine dunkle Wolke. Er hatte nur eine Tochter, Maria Theresia, und um ihr die
- Nachfolge zu sichern, erließ er die pragmatische Sanktion. Jahrelang reiste er durch Europa wie ein Pilger, der um Almosen bittet und bat die anderen
- Herrscher die Erbfolge seiner Tochter anzuerkennen. Karls Hof war prächtig wie ein Märchenschloss. Die Wiener Hofburg wurde erweitert und verschönert. Das
- Schloss Schön Brunn entstand in seiner ganzen barocken Herrlichkeit. Künstler und Architekten schufen Werke von zeitloser Schönheit, als wollten sie die
- Vergänglichkeit des Lebens durch die Ewigkeit der Kunst überwinden. Als Karl VI 1740 starb, hinterließ er seiner 24-jährigen Tochter Maria Theresia, ein
- Reich in der Krise. Die junge Kaiserin, obwohl sie niemals offiziell Kaiserin war, nannten sie alle so, stand vor Feinden, die ihr Reich wie hungrige
- Wölfe umkreisten. Friedrich II. Von Preußen fiel in Schlesien ein. Bayern und Sachsen erhoben Ansprüche auf österreichische Gebiete und ganz Europa
- schien sich gegen sie verschworen zu haben. Doch Maria Theresia war eine Frau von außergewöhnlicher Kraft und Klugheit. Sie trat vor die ungarischen
- Stände und hob ihr kleines Kind in die Höhe wie eine Mutter, die um Schutz für ihr Kind bittet. Moriamur Prorge Nostr Maria Theresia. Sterben wollen wir für
- unsere Königin Maria Theresia! Die ungarischen Magnaten, und ihre Säbel blitzten im Licht der Kerzen. Jahre vergingen in Kriegen um das
- österreichische Erbe. Doch Maria Theresia behauptete sich gegen alle Feinde. Sie verlor Schlesien an Friedrich den Großen, doch sie behielt
- den Kaisertron für ihr Haus. Ihr Gemahl franz immer. Von Lotringen wurde zum Kaiser gewählt und das Haus Habsburg Lotringen übernahm die Kaiserwürde.
- Maria Theresia war nicht nur eine große Herrscherin, sondern auch eine liebende Mutter. Sie gebar 16 Kinder und jedes war ihr teuer wie ein kostbarer
- Edelstein. Ihre Tochter Marie Antoinette wurde Königin von Frankreich. Ihre Söhne regierten in verschiedenen Ländern Europas. Die Habsburger weieder ihr Netz
- dynastischer Verbindungen über den Kontinent, wie fleißige Spinnen ihr kunstvolles Gewebe. Als Franz die I. starb, wurde ihr ältester Sohn Joseph II
- Kaiser. Joseph war ein Mann der Aufklärung, erfüllt von neuen Ideen wie ein Segel vom frischen Wind. Er wollte sein Reich von Grund auf reformieren,
- die Bauern befreien, die Religionsfreiheit einführen, die Verwaltung modernisieren. Seine Mutter betrachtete seine Pläne mit Sorge, wie
- eine alte Frau die Sturheit ihres Sohnes. Joseph II war ungeduldig wie ein Frühlingsbach, der alle Hindernisse wegspülen will. Er erließ tausende von
- Verordnungen, bereiste sein Reich Incognito wie ein Wanderer, der die Wahrheit sucht. Er hob die Leibeigenschaft auf, gestattete allen
- Religionen freie Ausübung, löste viele Klöster auf und verwendete ihre Güter für Schulen und Krankenhäuser. Hier rut Joseph den. Tem nichts gelang, was er
- unternahm, ließ er als seinen Grabspruch verfassen, doch das war zu streng mit sich selbst. Seine Reformen weckten das Bürgertum auf, wie die Morgensonne die
- schlafende Erde weckt. Beehofen widmete ihm zunächst seine Heroika. Mozart schrieb für ihn die Entführung aus dem Seril und Schiller pries ihn als
- Befreier der Menschheit. Doch Joseph war zu schnell, zu radikal. Seine Reformen stießen auf Widerstand bei Adel und Clerus, bei Bauern, die ihre alten
- Gewohnheiten liebten und bei Bürgern, die Ordnung der Veränderung vorzogen. Aufstände brachen aus in Ungarn und den Niederlanden. Die Türken griffen wieder
- an und das Reich schien zu zerbrechen wie ein zu straff gespanntes Seil. Josef starb 1790. Erst 48 Jahre alt, gebrochen von den Widerständen gegen seine
- Reformen. Sein Bruder Leopold II. folgte ihm ein weiser und besonnener Mann, der verstand, dass Reformen langsam wachsen müssen wie Bäume in einem Garten. Doch
- auch Leopold war nur eine kurze Zeit vergönnt. Er starb bereits 1792 und mit ihm endete eine Epoche des Habsburger Reiches. Teil 8. Das Ende des
- Heiligen Römischen Reiches 17926. Als Franz I im Jahre 1792 die Kaiserkrone übernahm, war er noch ein
- junger Mann von 24 Jahren, doch die Zeiten, in die er hineinreierte, waren schwer wie Blei und dunkel wie eine mondlose Nacht. Jenseits des Reins tobte
- die französische Revolution wie ein Orkan, der alles Alte hinwegzufen drohte. Die Könige Europas zitterten auf ihren Thronen und die Welt schien aus
- den Fugen geraten zu sein. Franz war ein Herrscher von konservativer Gesinnung, der die alten Ordnungen liebte, wie ein Gärtner seiner bewährten Pflanzen. Er
- misstraute allem Neuen, allem Revolutionären wie ein vorsichtiger Mann dem Eis eines unbekannten Sees. Seine Augen, die unter den schweren Liedern
- der Habsburger blickten, sahen die Welt mit Sorge und Melancholie, die Hinrichtung seines Schwagers Ludwig X. und seiner Nichte Marie Antoinette
- erschütterte Franz wie ein persönlicher Schicksalsschlag. Die Königin von Frankreich, die einst als lächelndes Mädchen den Wiener Hof
- verlassen hatte, starb unter der Gillotine wie eine verwelkte Blume, die von einem grausamen Sturm geknickt wird. Bald darauf erschien ein Name, der
- Europa in Angst und Schrecken versetzen sollte. Napoleon Bonaparte. Dieser korsische Offizier stieg empor wie ein Komet am Himmel der Geschichte. Erst als
- Konsul, dann als Kaiser der Franzosen. Seine Armeen marschierten über Europa wie Sturmwolken, die alles verdunkeln, was sie berühren. Die Koalitionskriege
- begannen, jene gewaltigen Kämpfe, die 20 Jahre lang Europa verwüsten sollten. Franz führte sein Reich in Schlacht nach Schlacht. Doch Napoleon schien
- unbesiegbar wie ein Dämon aus alten Legenden. Bei Austerlitz im Jahre 1805 vernichtete der französische Kaiser die vereinten Heere Österreichs und
- Russlands so gründlich, dass man die Schlacht die Dreikaiserschlacht nannte. Doch nur ein Kaiser ging als Sieger daraus hervor. Nach Austerlitz stand
- Franz vor den Trümmern seiner Träume. Napoleon diktierte ihm den Frieden von Pressburg, der Österreich Territorien kostete, die seit Jahrhunderten
- Habsburgisch gewesen waren. Venedig und die italienischen Besitzungen gingen verloren wie Perlen einer zerrissenen Kette, die ins dunkle Wasser fallen.
- Doch das war noch nicht das Schlimmste. Napoleon, der sich nun als Herr über Europa sah, stellte Franz ein Ultimatum. Er solle die Kaiserkrone des Heiligen
- Römischen Reiches niederlegen oder die französischen Armeen würden Wien erobern. Franz stand vor der schwersten Entscheidung seines Lebens, schwerer als
- alle Schlachten, die er verloren hatte. Am 6. August 1806, als die Sommersonne über Wien stand und die Menschen ihren gewohnten Geschäften nachgingen,
- unterzeichnete Franz und II die Abdankungsurkunde. Mit wenigen Federstrichen beendete er ein Reich. das fast tausend Jahre
- bestanden hatte, länger als alle Imperien der Geschichte. Das Heilige römische Reich deutscher Nation war Geschichte geworden wie ein Lied, das
- Verhalt. Wir legen die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder und betrachten das Band, das uns bisher an den deutschen Reichskörper knüpfte, als
- aufgelöst, schrieb Franz in seiner Abdankungsurkunde. Die Worte waren trocken und formal, doch hinter ihnen verbarg sich das Ende einer
- Epoche, die von Karl dem Großen bis in die Neuzeit gereicht hatte. Doch Franz war klug genug gewesen, vorzusorgen. Bereits 1804 hatte er sich zum Kaiser
- von Österreich proklamiert, um einen neuen Titel zu haben, wenn der Alte verschwinden sollte. So wurde Franz den II. Der letzte Kaiser des Heiligen
- Römischen Reiches zu Franz dein Tensu, dem ersten Kaiser von Österreich, wie ein Schauspieler, der in einem Stück mehrere Rollen spielt. Die deutschen
- Fürsten, die jahrhundertelang dem Kaiser gehuldigt hatten, fanden neue Herren. Napoleon gründete den Rheinbund, einen Zusammenschluss deutscher Staaten unter
- französischem Protektorat. Bayern und Württemberg wurden zu Königreichen erhoben, Baden und Hessen zu Großherzogtümern.
- Sie wandten sich ab von der alten Ordnung wie Kinder, die ihr Elternhaus verlaßen. Nur wenige trauerten dem alten Reich nach. Es war schwach und
- zersplittert gewesen, seine Institutionen überholt wie Instrumente aus einer vergangenen Zeit. Doch mit seinem Ende verschwand auch etwas
- anderes. Die Idee eines vereinten deutschen Kaisertums, die tausend Jahre lang die Fantasie der Menschen beflügelt hatte, wie ein ferner Traum von Größe
- und Einheit. In Wien herrschte Stille nach dem Sturm. Die kaiserlichen Garden trugen noch immer ihre prächtigen Uniformen, doch sie dienten nun einem
- anderen Reich. Die Schatzkammer bar noch immer die alte Reichskrone mit ihren Edelsteinen und dem Kreuz Christi. Doch sie war nur noch ein Reliquie geworden,
- wie ein Rosenkranz aus längst vergangenen Zeiten. Franz regierte weiter als österreichischer Kaiser und sein Reich erholte sich langsam von den
- Schlägen der napoleonischen Kriege. Seine Tochter Marie Louise heiratete Napoleon. Eine Ironie des Schicksals, die den alten Kaiser schmerzte wie eine
- nie heilende Wunde. Der Mann, der sein erstes Reich zerstört hatte, wurde sein Schwiegersohn. Doch Napoleons Stern begann zu sinken. Der Russlandfeldzug
- von 1812 wurde zur Katastrophe und in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 vereinten sich die Gegner Frankreichs zu einem letzten entscheidenden Schlag.
- Österreich kämpfte nun an der Seite seiner ehemaligen Feinde gegen den Mann, der Europa unterworfen hatte. Als Napoleon 1814 abdankte und nach Elba
- verbannt wurde, war Franz einer der Sieger. Der Wiener Kongress neuordnete Europa und Österreich erhielt einen ehrenvollen Platz in der neuen Ordnung.
- Metterich, franz genialer Außenminister webte ein System von Bündnissen und Verträgen, das 30 Jahre lang den Frieden sichern sollte, wie ein kunstvolles
- Spinnennetz. Doch das alte Heilige römische Reich war für immer verschwunden. An seiner Stelle entstanden neue Gebilde, der deutsche
- Bund, ein loser Zusammenschluss von 35 Fürsten und vier freien Städten und die wachsende Macht Preußens, das eines Tages die deutsche Einheit unter ganz
- anderen Vorzeichen verwirklichen sollte. Franz lebte noch bis 1835 und erlebte die Zeit der Restauration, als Europa müde von Revolution und Krieg
- zur Ruhe kommen wollte. wie ein erschöpfter Wanderer, der endlich Rast macht. Er starb als Kaiser von Österreich, doch die Geschichte würde
- ihn als den letzten deutschen Kaiser in Erinnerung behalten, als den Mann, der das Ende einer tausendjährigen Tradition besiegelte, wie das letzte Kapitel eines
- langen, traurigen Buches. Teil 9 Das deutsche Kaiserreich entsteht 181887. Nach dem Ende des Alten Reiches vergingen Jahrzehnte wie Schatten über
- einem verlassenen Garten. Deutschland blieb geteilt in den deutschen Bund, ein schwaches Gebilde von 35 Fürstentümern und vier freien Städten, die
- zusammenkamen wie Fremde zu einem höflichen Gespräch ohne wirkliche Einheit oder gemeinsames Ziel. Doch in dieser Zeit der Zersplitterung keimte
- ein neuer Traum, die Sehnsucht nach einem geeinten deutschen Vaterland. In Preußen, dem nördlichen Königreich, das aus der Mark Brandenburg entstanden war,
- erwachte eine neue Kraft. Dort herrschte seit 1861 Wilhelm der Star, ein Mann von soldatischer Geratheit und preußischen Tugenden, dessen weißer Backenbart und
- aufrechte Haltung Würde und Autorität ausstrahlten wie ein alter Eichenbaum Stärke und Beständigkeit. Wilhelm war ein König, der seine Pflicht
- kannte, wie ein Hirte seine Herde. Er liebte das Militär, die Ordnung, die klaren Linien des Kommandos und Gehorsams. Doch er war auch weise genug
- zu erkennen, dass Preußen einen Mann brauchte, der klüger war als er selbst, einen Staatsmann, der die komplexen Fäden der europäischen Politik zu weben
- verstand, wie eine geschickte Weberin, ihr kostbarstes Tuch. Diesen Mann fand er in Otto von Bismarck, einem pomchen Junker mit den Augen eines Falken und
- dem Verstand eines Schachmeisters. Bismarck war groß und breitschultrig, seine Stimme klang tief wie fernes Donnergrollen und wenn er sprach,
- lauschten die Menschen wie Kinder einem Märchenerzähler. Doch hinter seiner manchmal rauen Art verbarg sich ein Geist von seltener
- Brillanz. Als Bismarck 186 preußischer Ministerpräsident wurde, erklärte er vor dem Landtag, die großen Fragen der Zeit werden nicht durch Reden
- und Majoritätsbeschlüsse entschieden. Das ist der Fehler von 184 und 1849 gewesen, sondern durch Eisen und Blut. Diese Worte sollten zur Prophezeiung
- werden für das kommende Vierteljahrhundert. Bismarks erster Streich galt Dänemark, das die deutschen Herzogtümer Schleswig
- und Holstein beherrschte, wie ein Fremder, ein Erbe, das ihm nicht zustand. 1864 marschierten preußische und
- österreichische Truppen gemeinsam nach Norden und befreiten die Herzogtümer aus dänischer Herrschaft. Doch schon bald zeigte sich, daß Bismarck größere Pläne
- hatte als nur die Befreiung deutscher Lande. Der Streit um die Verwaltung von Schleswig- Holstein war nur ein Vorwand. Bismarck wusste, dass Deutschland nicht
- geeint werden konnte, solange Österreich und Preußen um die Führung stritten, wie zwei Brüder um das väterliche Erbe. Einer von beiden musste weichen und
- Bismarck war entschlossen, dass es nicht Preußen sein würde. Der Krieg von 1866 war kurz und entscheidend wie ein Sommersgewitter. Bei König Grätz in
- Böhmen trafen die beiden deutschen Mächte aufeinander in einer Schlacht, die das Schicksal Deutschlands bestimmen sollte. Die preußischen Gewehre mit
- ihrem Hinterladersystem erwiesen sich als Überlegen und nach wenigen Stunden war die österreichische Armee geschlagen wie Blätter vor dem Herbststurm. König
- Wilhelm wollte nach Wien marschieren und Österreich demütigen, doch Bismarck war klüger. Wir müssen Österreich schonen", sagte er zu seinem König, "denn wir
- werden es noch als Freund brauchen." So kam es zum milden Frieden von Prag, der Österreich aus Deutschland hinausdrängte, ohne es zu vernichten.
- Nun war der Weg frei für Bismarks Meisterwerk, die Gründung des norddeutschen Bundes unter preußischer Führung.
- Deutsche Staaten nördlich des Mains vereinigten sich unter der Krone Preußens wie Bäche, die sich zu einem mächtigen Strom vereinen. Wilhelm wurde
- Bundespräsident, Bismarck Bundeskanzler und zum ersten Mal seit Jahrhunderten gab es wieder eine starke deutsche Macht, doch der Süden blieb noch
- außerhalb. Bayern, Würtemberg, Baden und Hessen Darmstadt hielten sich fern wie Scheuerehe am Waldrand. Sie fürchteten die preußische Vorherrschaft und
- blickten lieber nach Paris als nach Berlin. Bismarck wusste, dass nur ein gemeinsamer Feind sie zur Einheit zwingen würde. Dieser Feind kam in
- Gestalt Napoleon II von Frankreich, des Neffen des großen Korsen, der von der Glorie seines Onkels träumte und das wachsende Deutschland als Bedrohung sah.
- Der Streit um die spanische Thronfolge war nur ein Anlass. Die wahren Ursachen lagen tiefer. in der Konkurrenz zweier Nationen um die Vorherrschaft in Europa.
- Die Emsa de Pesche, jenes berühmte Telegramm, das Bismarck so geschickt redigierte, dass es wie eine Ohrfeige klang, entfachte die französische
- Empörung wie ein Funke das Pulver. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg und ganz Deutschland erhob sich wie ein einziger Mann. Bayern
- und Württemberg, Baden und Hessen stellten ihre Truppen an die Seite Preußens, denn es ging nun nicht mehr um preußische oder österreichische
- Vorherrschaft. Es ging um Deutschland gegen Frankreich, um die deutsche Nation gegen den Erbfeind. Die Süddeutschen Regimenter marschierten singend gehen
- Westen und in ihren Liedern klang die Sehnsucht nach Einheit mit. Der Krieg war von Anfang an ein deutscher Triumph. Bei Sedan kapitulierte Napoleon
- mit seiner ganzen Armee und die Nachricht von diesem Sieg verbreitete sich durch Deutschland wie das Leuten der Glocken am Ostermorgen.
- In Paris proklamierte das Volk die Republik, doch der Krieg ging weiter, denn die Franzosen kämpften nun für ihre Hauptstadt wie Löwen für ihre Höhle.
- Während die deutschen Armeen Paris belagerten wie ein eiserner Ring um die Stadt der Lichter, reiften in Versaill die Pläne für die deutsche Einheit.
- König Ludwig II. Von Bayern, der märchenhafte Schlösserbauer, wurde von Bismarck mit goldenen Argumenten überzeugt, Wilhelm
- Essatte die deutsche Kaiserkrone anzubieten. Es kostete Bismarck viel Diplomatie und manchen Kompromiss, doch schließlich waren alle Süddeutschen
- Fürsten bereit, sich dem neuen Reich anzuschließen wie Planeten, die sich um ihre Sonne reihen. Am 18. Januar 1878, dem Jahrestag der preußischen
- Königskrönung, versammelten sich die deutschen Fürsten und Feldherren im Spiegelsaal von Versaille. Dort, wo eins der Sonnenkönig Ludwig Dam Hof gehalten
- hatte, sollte die deutsche Einheit vollendet werden wie ein Kreis, der sich schließt nach jahrhundertelanger Wanderung. Wilhelm Deer stand in der
- Mitte des prächtigen Saales, umgeben von seinen Generälen und den Vertretern der deutschen Staaten. Er trug die schlichte preußische Uniform, doch seine Haltung
- war königlich wie die eines Adlers auf hohem Felsen. Großherzog Friedrich VIP. Von Baden rief: Es lebe seine kaiserliche und königliche Majestät
- Kaiser Wilhelm. Und die Anwesenden stimmten ein in den Ruf, der durch die Gewölbe halte wie ein Lied der Erlösung. So wurde Wilhelm II. Deutschen Kaiser
- seit Franz II gekrönt. Nicht in einer deutschen Kathedrale, sondern in einem französischen Schloss. Nicht vom Papst, sondern von seinen Fürsten. Nicht mit
- der alten Reichskrone, sondern mit einer Neuen, die er nie tragen sollte. Es war eine andere Zeit, eine andere Welt. Doch der Traum von der deutschen Einheit war
- wieder Wirklichkeit geworden. Das neue deutsche Reich war mächtiger als alle Reiche vor ihm. Von der Memel bis zum Rhein, von der Nordsee bis zu den Alpen
- erstreckte sich nun ein geeintes Deutschland, das stärkste Land Europas. Bismarck wurde der erste Reichskanzler und führte das junge Reich mit eiserner
- Hand und kluger Politik durch die ersten schwierigen Jahre wie ein Steuermann sein Schiff durch gefährliche Gewässer. Wilhelm Beisest regierte als Kaiser, wie
- er als König regiert hatte, pflichtbewusst, bescheiden, volksnah. Er war kein glänzender Herrscher wie Napoleon oder Friedrich der Große, aber
- er war ein guter Kaiser, der sein Volk liebte wie ein Vater seiner Kinder. Wenn er durch Berlin fuhr, grüßten ihn die Menschen als den alten Wilhelm, und in
- diesem Namen lag mehr Liebe als in allen Kaisertiteln der Welt. Die Jahre vergingen in Frieden und Wohlstand. Deutschland wurde zur führenden
- Industriemacht Europas. Seine Universitäten waren die besten der Welt. Seine Armee die stärkste. Bismarck webte ein kunstvolles System von Bündnissen,
- das Deutschland sicher hielt vor seinen Feinden wie eine starke Burg ihre Bewohner. Als Wilhelm die Arte [Musik]
- im Alter von 91 Jahren starb, trauerte ganz Deutschland wie um einen geliebten Großvater. Er hatte die Einheit erlebt und bewahrt. Er hatte aus einem
- Flickenteepich von Kleinstaaten ein mächtiges Reich geschaffen. Sein Werk schien vollendet, dauerhaft, für die Ewigkeit bestimmt wie ein Dom aus
- solidem Stein. Teil 10 Die letzten Kaiser 188818. Das Jahr88 ging als das Dreikaiserjahr in die
- deutsche Geschichte ein, dunkel und verhängnisvoll wie ein Komet, der Unheil verkündet. Auf Wilhelm BF, den alten Kaiser, folgte sein Sohn Friedrich. Ein
- Mann von edler Gesinnung und liberalen Überzeugungen, der Deutschland zu einer parlamentarischen Monarchie nach englischem Vorbild umformen wollte, wie
- ein Gärtner, der einen verwilderten Garten neu gestaltet. Friedrich war mit der englischen Prinzessin Victoria verheiratet, der ältesten Tochter der
- großen Königin Victoria, und durch sie waren liberale Ideen an den deutschen Hof gelangt wie frische Winde aus dem Westen. Friedrich liebte die Künste und
- Wissenschaften. Er glaubte an Freiheit und Fortschritt, an ein Deutschland, das nicht nur stark, sondern auch human sein sollte, wie das Licht, das Wärme und
- Helligkeit spendet. Doch das Schicksal wollte es anders. Bereits als Kronprinz hatte Friedrich eine Krankheit entwickelt, die seinen Kehlkopf befiel
- wie ein schleichender Feind. Als er endlich Kaiser wurde, war er bereits todkrank. Seine Stimme war nur noch ein Flüstern, und seine großen Pläne blieben
- unverwirklicht wie Samen, die in der Kälte nicht aufgehen können. 99 Tage regierte Friedrich. Zu kurz, um sein Deutschland zu verwirklichen, zu lang,
- um seine Leiden nicht zu spüren. Er starb am 15. Juni8 und mit ihm starb die Hoffnung auf ein anderes Deutschland, ein Deutschland der
- Liberalität und des Friedens. Seine Frau Victoria weinte um ihn wie um alle verlorenen Träume der Welt. Nun bestieg Wilhelmde II den Thron. Der Enkel des
- alten Wilhelm, ein junger Mann von 29 Jahren, voller Energie und Ehrgeiz wie ein Feuer, das hell brennt und viel Rauch macht. Wilhelm II war das
- Gegenteil seines Vaters. Impulsiv statt besonnen, pralerisch statt bescheiden, verliebt in Glanz und Gloria wie ein Kind in bunte Spielsachen. Wilhelm hatte
- einen verkrüppelten linken Arm, eine Geburtsverletzung, die er sein Leben lang zu verbergen suchte. Vielleicht war es dieser körperliche Makel, der ihn
- antrieb, immer der Stärkste, der erste, der größte sein zu wollen, wie ein Schwimmer, der gegen eine starke Strömung ankämpft. Er liebte Uniformen
- und Paraden, Reden und Auftritte. Er wollte bewundert werden von seinem Volk und gefürchtet von seinen Feinden. Der junge Kaiser und der alte Kanzler
- verstanden sich nicht von Anfang an. Bismarck, der eiserne Kanzler, war gewohnt zu herrschen wie ein erfahrener Kapitän sein Schiff Wilhelm II. aber
- wollte selbst regieren, wollte nicht nur repräsentieren, sondern entscheiden. "Es gibt nur einen Herrn im Reich und das bin ich", erklärte er, und seine Worte
- klangen wie eine Kampfansage. 1890 kam es zum Bruch. Bismarck reichte sein Entlassungsgesuch ein wie ein alter Adler, der seine Schwingen senkt. Die
- berühmte Karikatur im Punch zeigte ihn als Lutzen, der von Bord geht, während das Schiff des deutschen Staates in schwere See gerät. Der LZE geht von
- Bord. Diese Worte wurden zur Prophezeiung für das kommende Unglück. Wilhelm II. übernahm nun selbst die Leitung der deutschen Politik und seine
- Herrschaft wurde zu einer Zeit der Widersprüche und Extreme. Einerseits erlebte Deutschland unter seiner Regierung eine beispiellose Blüte. Die
- Wirtschaft wuchs, die Bevölkerung stieg, neue Erfindungen revolutionierten das Leben. Männer wie Karl Benz und Gottlib Daimler erfanden das Automobil. Rudolf
- Diesel, den nach ihm benannten Motor und deutsche Wissenschaftler wie Wilhelm Röndgen und Max Plan veränderten unser Verständnis der Welt. Andererseits aber
- führte Wilhelms unberechenbare Politik Deutschland immer tiefer in die Isolation. Seine Flottenrüstung brachte England gegen Deutschland auf, wie ein
- roter Lappen, den Stier zur Raserei. Seine pralerischen Reden, man nannte sie Hunnenrede oder Krüger Päche, verstimmten alle Nachbarn und machten
- aus Freunden Feinde. Wilhelm träumte von einem deutschen Weltreich, von einem Platz an der Sonne für sein Volk. Doch während er träumte, umstellten sich
- Deutschlandsgegner wie Jäger das Wild. Frankreich und Russland schlossen die Allianz. Später kam England dazu und das mächtige Deutschland fand sich
- eingekreist wie eine Festung, die belagert wird. Der Kaiser alterte in diesen Jahren des wachsenden Misstrauens. Sein Gesicht wurde härter,
- seine Augen kälter, sein Backenbart ergraute wie der Himmel vor einem Sturm. Er spürte, dass etwas Großes und schreckliches herannahte, doch er wusste
- nicht, wie er es abwenden sollte. Seine Nervosität zeigte sich in hastigen Reisen, unüberlegten Äußerungen, wechselhaften Stimmungen wie bei einem
- Menschen, der das Gleichgewicht zu verlieren droht. Als im Juni 1914 in Sarajevo Erzherzog Franz Ferdinand ermordet wurde, glaubte Wilhelm
- zunächst, es sei nur eine weitere Balkankrise, die sich lösen würde wie Nebel in der Morgensonne. Doch die Mechanismen, die Bismarck so kunstvoll
- konstruiert hatte, waren durch Wilhelms Politik zerstört worden. Das europäische Gleichgewicht war gestört und nun rollten die Ereignisse aufeinander zu,
- wie Lawinen im Hochgebirge. Ich führe euch herrlichen Zeiten entgegen, hatte Wilhelm einst seinen Untertanen versprochen. Doch was kam, war der
- Weltkrieg vier Jahre des Schreckens, die Deutschland und Europa verwüsten sollten, wie die Pest des Mittelalters. Millionen junger Männer marschierten
- singend in den Tod, überzeugt, dass sie für Kaiser und Vaterland kämpften, wie Kreuzritter für das heilige Land. Wilhelm war im Krieg nur noch Schatten
- seiner selbst. Die wirkliche Macht lag bei seinen Generälen Hintenburg und Ludendorf, während der Kaiser wie ein gefangener Vogel in seinem goldenen
- Käfig saß. Seine Reden klangen hohl, seine Auftritte wirken gespielt und das Volk begann zu murren wie ein Sturm, der sich zusammenbraut.
- Als im November 1918 die Matrosen in Kiel meuterten und die Revolution sich über Deutschland ausbreitete wie ein Waldbrand, war Wilhelms Schicksal
- besiegelt. Der Kaiser muss abdanken, halte es durch die Straßen der deutschen Städte. Reichskanzler Max von Baden verkündete eigenmächtig die Abdankung,
- ohne Wilhelm gefragt zu haben, doch dieser hatte bereits keine Wahl mehr. Am 10. November 1918 überschritt Wilhelm II. die Grenze nach Holland wie ein
- geschlagener Feldherr, der vom Schlachtfeld flieht. Er war der letzte deutsche Kaiser, der Urenkel des großen Wilhelm Eer, der das Reich begründet
- hatte. Mit ihm endete eine Epoche, die nur sie Jahre gewährt hatte. Kurz wie ein Menschenleben, aber reich an Glanz und Elend. In seinem holländischen Exil
- in Doren fällte Wilhelm Bäume und schrieb Memoiren wie ein alter Mann, der seine Vergangenheit ordnet. Er erlebte noch den Zweiten Weltkrieg, sah sein
- Deutschland in Trümmern liegen und starb 1941 als vergessener Mann in einem fremden Land wie ein König aus einem Märchen, dessen Zeit vorüber ist. So
- endete die Geschichte der deutschen Kaiser mit einem leisen Seufzerstatt mit triumphierendemfahrenstoß. Das Reich, das 1000 Jahre bestehen
- sollte, hatte nur 64 Jahre gedauert, vom ersten Wilhelm bis zum letzten Wilhelm. Doch in diesen Jahren hatte Deutschland eine Rolle gespielt auf der Bühne der
- Weltgeschichte, wie ein großer Schauspieler in einem Drama, das in Tragödie endet. Die Krone liegt nun im Museum. Die Kaiser schlafen in ihren
- Mausolen und ihre Geschichte ist geworden wie alle Geschichte. Ein Märchen für die Nachwelt, eine Erinnerung an vergangene Größe und
- vergangenes Leid. Doch in den Herzen der Menschen lebt fort, was groß und edel war an ihnen. Wie in einer stillen Nacht die Sterne leuchten über einer Welt, die
- zur Ruhe gekommen ist. Und wenn Sie nun die Augen schließen und dem sanften Rhythmus ihres Atems lauschen, dann mögen sie träumen von jenen fernen
- Zeiten, als Kaiser über Deutschland herrschten und die Geschichte noch jung war wie der Morgen. Gute Nacht und süße Träume von vergangenen Zeiten und ewigen
- Geschichten. Teil 11: Das Erbe der Kaiser. Mythen und Erinnerungen. 1918 1945. Als die letzten Kanonenschüsse des
- Weltkrieges verilt waren und Wilhelm der Zweitum seinen einsamen Weg ins holländische Exil antrat, blieb Deutschland zurück wie ein Haus, dessen
- Bewohner plötzlich verschwunden sind. Die Republik wurde ausgerufen, doch in den Herzen vieler Deutscher lebte die Sehnsucht nach den Kaisern fort wie eine
- alte Melodie, die man nicht vergessen kann. In den goldenen 20er Jahren, als Berlin zur leuchtenden Metropole wurde und Deutschland wieder zu atmen begann,
- schien die Kaiserzeit so fern wie ein verweht Traum. Doch in den stillen Winkeln des Landes, in den Dörfern und kleinen Städten bewahrten die Menschen
- ihre Erinnerungen auf wie kostbare Schätze in verborgenen Truhen. Alte Veteranen erzählten ihren Enkeln von der Zeit, als noch ein Kaiser über
- Deutschland herrschte und in ihren Augen glimmte ein Licht wie von fernen Sternen. Der junge Adolf Hitler, ein gescheiterter Maler aus Österreich,
- verstand diese Sehnsucht zu nutzen wie ein Verführer die Träume einsamer Menschen. Er sprach von einem tausendjährigen Reich, dass die Größe
- der alten Kaiser übertreffen sollte. Doch seine Worte waren vergiftet wie schöne Früchte, die tödliche Samen in sich bergen. Das dritte Reich, wie er es
- nannte, sollte nach dem Heiligen Römischen Reich und dem Deutschen Kaiserreich die dritte große deutsche Epoche werden. In der Propaganda der
- Nationalsozialisten wurden die alten Kaiser zu Helden stilisiert, ihre Geschichte umgedeutet und verfälscht wie alte Münzen, die neu
- geprägt werden. Friedrich Barbarosser, der legendäre Kaiser, der im Küffhäuser schlief, wurde zum Symbol für die deutsche Wiederauferstehung gemacht.
- Operation Barbarossa nannten sie ihren Überfall auf Russland, als würde der alte Kaiser seinen Segen zu diesem Verbrechen geben. Doch die wahren Erben
- der Kaiser waren nicht jene, die ihren Namen missbrauchten. In der Stille der Bibliotheken und Archive arbeiteten Historiker daran, die echte Geschichte
- zu bewahren, wie Mönche in ihren Skriptorien die alten Handschriften kopierten. Sie wussten, dass die Kaiser nicht Heilige oder Dämonen gewesen
- waren, sondern Menschen mit menschlichen Schwächen und menschlicher Größe. Wilhelm II. Der letzte Kaiser, lebte noch immer in seinem Exil in Dorn. Er
- war ein alter Mann geworden, dessen Haar weiß war wie Schnee und dessen Hände zitterten wie Herbstblätter. Manchmal stand er am Fenster seines Schlosses und
- blickte nach Osten, wo sein verlorenes Reich lag. Die Holländer behandelten ihn höflich, aber er blieb ein Fremder in einem fremden Land wie ein Vogel, der zu
- weit von seinem Nest geflogen ist. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, weigerte sich Wilhelm nach Deutschland zurückzukehren. "Ich bin Kaiser von
- Gottes Gnaden gewesen", sagte er zu einem Besucher. "aber was dort geschieht, geschieht nicht in Gottes Namen. Er starb am 4. Juni 1941,
- wenige Tage vor Hitlers Angriff auf Russland und wurde still in Dorn begraben wie ein Wanderer, der endlich seine Ruhe gefunden hat. In Deutschland
- tobte der Krieg, der alle Kriege übertreffen sollte an Grausamkeit und Zerstörung. Hitlers Reich, das 1000 Jahre dauern sollte, zerbrach nach 12
- Jahren wie ein Gebäude aus Morschem Holz. Die alten Kaiserstädte lagen in Trümmern. Achen, wo Karl der Große gekrönt worden war. Warms, wo Heinrich
- de vor dem Papst gestanden hatte. Frankfurt, wo die Kaiser gewählt wurden, alle waren sie zerstört wie zerbrochene Träume. Als 1945 die Waffen endlich
- schwiegen, war von Deutschlands Macht nichts übrig geblieben als Schutt und Asche. Die Menschen krochen aus ihren Kellern wie Tiere nach einem langen,
- harten Winter und sahen eine Welt, die nicht mehr die Ire war. Die Sieger teilten Deutschland unter sich auf wie ein Kuchen und wo einst ein
- mächtiges Reich gestanden hatte, entstanden zwei kleine Staaten, getrennt durch eine Mauer aus Stein und Stacheldraht. Doch auch in dieser
- dunkelsten Stunde lebte etwas fort von dem alten Deutschland. Die Sprache Gotes und Schillers, die Musik Bachs und Beeofens, die Wissenschaft von Kppler
- und Einstein. Diese geistigen Schätze konnten keine Bomben zerstören, keine Armeen erobern. Sie schlummerten in den Herzen der Menschen wie Samen unter dem
- Schnee, die darauf warteten, wieder zu blühen. In den Trümmern der Städte suchten alte Frauen nach den Scherben zerbrochener Kaiserportraits
- nicht aus Nostalgie, sondern aus dem Bedürfnis, etwas von der Vergangenheit zu retten. Kinder fanden rostige Helme und fragten ihre Großväter, wer sie
- getragen hatte. Und die Alten erzählten von einer Zeit, die so fernschien wie ein Märchen aus vergangenen Tagen. Teil Die ewige Sehnsucht, Kaiser in unseren
- Träumen. Heute, da wir in einer Welt leben, die von den alten Kaisern so weit entfernt ist wie die Sterne vom Mond, bleibt doch etwas von ihrer Magie in
- unseren Herzen lebendig. Deutschland ist längst ein demokratisches Land geworden, geeint nicht durch einen Kaiser, sondern durch die freie Wahl seiner Bürger.
- Doch manchmal in stillen Stunden kehren die Gedanken zurück zu jenen fernen Zeiten, als noch Kronen funkelten und purpur wehte. Die Burgen und Schlösser
- der Kaiser stehen noch immer, viele davon restauriert und zu Museen geworden, wo Besucher durch die alten Gemächer wandeln, wie durch verzauberte
- Räume. In der Aachener Pfalzkapelle kann man noch den Thron Karls des Großen sehen, schlicht und aus Stein gehauen, doch ehrfurchtgebietend in seiner
- Einfachheit. In Wien bewahrt die Schatzkammer die Reichskleinodien auf, die goldene Krone mit ihren kostbaren Steinen, das Reichsschwert, den
- Reichsapfel und das Zepter. Stumme Zeugen einer versunkenen Welt. Kinder stehen vor diesen Reliquien und fragen ihre Eltern: "Wer hat diese Krone
- getragen? Wie schwer ist sie? Hat sie wirklich magische Kräfte? Und die Eltern lächeln und erzählen von Friedrich Barbarosser, der im Berg
- schläft, von Karl dem Großen, der Europa einte, von den Rittern und Minnesängern, den Kreuzzügen und großen Schlachten. Die Geschichte wird zum Märchen, das
- Märchen zur Legende und die Legende lebt fort in den Träumen der Menschen. In den deutschen Wäldern, wo die Buchen rauschen und die Eichen ihre Kronen
- recken, wandern noch heute Menschen, die von der Romantik der Kaiserzeit träumen. Sie folgen den Spuren der alten Heerstraßen, besuchen die Ruinen alter
- Burgen und lauschen dem Wind, der durch die verfallenen Mauern weht. Manchmal, wenn der Nebel über die Täller zieht, können Sie fast die Hufe der
- Kaiserpferde hören, das Klirren der Rüstungen, den Gesang der Minnesänger. Die großen Komponisten haben die Kaiserzeit in Musik verwandelt, die
- unsterblich ist wie die Sterne. Wagners, Lohngreen und Tannhäuser erzählen von der Welt der Minänger und Ritter seine Meistersinger von den stolzen Bürgern
- mittelalterlicher Städte. Wenn diese Opern erklingen, erwacht für wenige Stunden das alte Deutschland zu neuem Leben, und die Zuhörer träumen sich
- zurück in eine Zeit, die schöner war in der Erinnerung, als sie in der Wirklichkeit je gewesen ist. Schriftsteller und Dichter haben immer
- wieder zu den Kaisern zurückgefunden, wie Pilger zu einem heiligen Ort. Gustav Freitag schrieb von den deutschen Kaisern in seinen historischen Romanen
- Konrad Ferdinand Meier besang sie in seinen Balladen und noch heute entstehen Bücher und Filme über Friedrich Barbarosser Friedrich II. Die
- dramatischen Ereignisse der Kaiserzeit. Die Geschichte wird zur Kunst und die Kunst macht die Geschichte unsterblich. Doch vielleicht leben die Kaiser am
- meisten in den stillen Träumen der Menschen fort, die sich nach etwas sehnen, was größer ist als ihr alltägliches Leben. In einer Welt, die
- oft prosaisch und nüchtern erscheint, verkörpern die alten Kaiser das Märchenhafte, das Heroische, das Erhabene. Sie sind zu Symbolen geworden
- für eine Zeit, als die Welt noch voller Geheimnisse war und große Taten möglich schienen. Wenn wir heute durch eine deutsche Stadt gehen und die alten Türme
- und Mauern sehen, können wir uns vorstellen, wie einst ein Kaiser mit seinem Gefolge durch diese Straßen ritt. Die Steine sind stumm, doch sie haben so
- viel gesehen. Krönungen und Abschiede, Triumphe und Tragödien, die ganze große und schreckliche Geschichte der Menschheit. Die Kaiser sind tot, ihre
- Reiche sind vergangen wie Wolken am Himmel. Doch ihre Geschichten leben weiter. In den Liedern der Kinder, in den Träumen der Erwachsenen, in den
- Büchern und Filmen, in den Steinen alter Dome und den Melodien unsterblicher Musik. Sie sind ein Teil unserer Seele geworden, ein Teil dessen, was uns zu
- Menschen macht, die Sehnsucht nach dem Schönen, dem Großen, dem Ewigen. Und so endet unsere lange Reise durch die Geschichte der deutschen Kaiser nicht
- mit einem Ende, sondern mit einem neuen Anfang. Denn solange Menschen träumen, solange sie sich nach Geschichten sehnen, die größer sind als ihr eigenes
- Leben, werden die Kaiser weiterleben in unserem kollektiven Gedächtnis wie Sterne, die auch am Tag noch da sind, auch wenn wir sie nicht sehen können.
- Schließen Sie nun die Augen und lassen Sie die Bilder dieser langen Geschichte durch Ihren Geist ziehen wie einen friedlichen Strom. Sehen Sie Karl den
- Großen in seiner Aen Pfalz, Friedrich Barbarosse auf seinem Weg nach Italien, den letzten Wilhelm im holländischen Exil. Sie alle sind nun Teil einer
- großen Erzählung geworden, die niemals endet, sondern sich fortsetzt in den Träumen und Erinnerungen der Menschen. Teil 13: Die Schatten der Vergangenheit.
- Deutschland zwischen Schuld und Sehnsucht 1945 1990. Als die Sonne über dem zerstörten Deutschland aufging im Mai 194
- schien es, als würde sie über einem Land scheinen, das seine Seele verloren hatte. Die Stunde Null hatte geschlagen wie
- eine düstere Kirchenglocke, und in den Trümmern der Städte suchten die Menschen nicht nur nach Brot und Wasser, sondern auch nach ihrer Identität wie Wanderer,
- die den Weg verloren haben. Die Besatzungsmächte teilten Deutschland auf wie einen Kuchen und wo einst das Reich der Kaiser gestanden hatte, entstanden
- zwei neue Staaten, getrennt durch eine Grenze, die tiefer schnitt als alle Schwerter der Geschichte. Im Westen die Bundesrepublik, im Osten die deutsche
- demokratische Republik. Beide Kinder einer gespaltenen Zeit, beide auf der Suche nach ihrer eigenen Wahrheit. In den ersten Jahren nach dem Krieg war das
- Sprechen über die Kaiser fast tabu geworden, wie das Nennen eines verbotenen Namens. Zu sehr hatte das tausendjährige Reich die deutsche
- Geschichte missbraucht. Zu sehr waren die alten Symbole beschmutzt worden. Doch in der Stille der Herzen lebte die Erinnerung fort wie ein unterirdischer
- Bach, der auch im Winter nicht gefriert. Konrad Adenauer, der erste Kanzler der jungen Bundesrepublik, war ein Mann, der die Geschichte kannte wie ein alter
- Bibliothekar seine Bücher. Er stammte aus dem Rheinland, wo die Spuren der Kaiser besonders tief waren. Von Aen bis Speier, von Worms bis Mainz. In seiner
- ruhigen, bedächtigen Art half er den Deutschen dabei, sich wieder mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, wie ein Arzt, der eine alte Wunde heilt. "Wir
- können unsere Geschichte nicht wegwerfen wie einen alten Mantel", sagte Adenauer einmal in einer seiner nachdenklichen Stunden. "Wir müssen lernen, mit ihr zu
- leben, das Gute zu bewahren und aus dem Schlechten zu lernen." So begann langsam die Rehabilitation der deutschen Geschichte, vorsichtig und
- tastend wie jemand, der nach einem Sturz wiedergehen lernt. In den 50er Jahren, als Deutschland wieder zu atmen begann und das Wirtschaftswunder die Wunden zu
- heilen schien, erwachte auch das Interesse an der Kaiserzeit zu neuem Leben. Die Menschen besuchten wieder die alten Dome und Burgen nicht mehr als
- Pilge einer politischen Ideologie, sondern als Suchende nach ihren kulturellen Wurzeln. Die Niebelungenfestspiele in Worms erlebten
- ihre Wiedergeburt. Wagner wurde wieder gespielt in Beirud und in den Buchhandlungen erschienen neue Biografien der Kaiser, diesmal ohne
- politische Propaganda, sondern mit dem ehrlichen Bemühen, die historische Wahrheit zu finden, wie Archäologen, die verschüttete Schätze ausgraben. In der
- DDR war der Umgang mit der Kaiserzeit komplizierter wie ein Tanz auf dünnem Eis. Die marxistische Geschichtsschreibung sah in den Kaisern
- feudale Unterdrücker, doch auch dort erkannte man allmählich den kulturellen Wert des mittelalterlichen Erbes. Thomas Münzer, der Bauernführer, wurde zum
- Heldenstilisiert. Doch auch Friedrich II. Der Staufer fand Anerkennung als aufgeklärter Herrscher und Förderer der Wissenschaften. Die Berliner Mauer, die
- 1961 durch die alte Kaiserstadt gezogen wurde, wie ein Schwert durch ein lebendes Herz, teilte auch die Geschichte. Im Westen wurde die
- Tradition der parlamentarischen Monarchie geschätzt, im Osten die sozialen Bewegungen des Mittelalters. Doch beide Seiten suchten in der
- Vergangenheit nach Legitimation für ihre Gegenwart. Willy Brand, der Sozialdemokrat, der in den 70er Jahren Deutschland führte, fand besonders zu
- Friedrich den I. dem Staufer Kaiser, eine Verbindung. Dieser Kaiser, der als Stupor Mundi die Welt erstaunte, verkörperte für Brand das andere
- Deutschland, tolerant, Weltoffenen, der Aufklärung verpflichtet. "Er war ein Deutscher, der Europa dachte", sagte Brand einmal, und in diesen Worten
- schwang die Hoffnung auf ein neues, ein besseres Deutschland mit. In dener Jahren, als die Teilung Deutschlands schon zur Gewohnheit geworden war wie
- ein alter Schmerz, den man nicht mehr spürt, begannen Historiker auf beiden Seiten der Mauer die Kaiserzeit neu zu bewerten. Sie erkannten, dass die
- Geschichte komplexer war, als es die Ideologien wahrhaben wollten, weder schwarz noch weiß, sondern in allen Schattierungen des menschlichen Lebens
- gemalt. Die Staufer Ausstellung von 197 in Stuttgart wurde zu einem Ereignis, das Menschen aus ganz Deutschland anlockte, wie Bienen zu einem blühenden
- Garten. Zum ersten Mal seit dem Krieg wurde die deutsche Kaiserzeit wieder als kultureller Höhepunkt gefeiert, nicht als politisches Programm. Die Menschen
- standen staunend vor den mittelalterlichen Kunstwerken und spürten, daß sie Teil einer großen alten Kultur waren. Doch die Vergangenheit war
- nicht nur schön zu betrachten wie ein Gemälde im Museum, sie warf auch Schatten auf die Gegenwart. Immer wieder mussten sich die Deutschen fragen, wie
- war es möglich gewesen, dass aus dem Land der Dichter und Denker, aus dem Reich der Kaiser und Kathedralen ein Terrorregime entstehen konnte? Diese
- Frage quälte die Intellektuellen wie ein unlösbares Rätsel. Manche suchten die Antwort in der deutschen Romantik, die das Irrationale über das Rationale
- gestellt habe. Andere sahen die Ursache in der verspäteten Demokratisierung, im Obrigkeitsdenken, das seit der Kaiserzeit die deutsche
- Mentalität geprägt habe. Wieder andere argumentierten, dass gerade der Verlust der alten Ordnung, der Bruch mit der Tradition den Weg für die Barberei
- freigemacht habe. Heinrich Böll, der große Schriftsteller, fand Worte für das deutsche Dilemma. "Wir sind ein Volk ohne Geschichte geworden", schrieb er,
- nicht weil wir keine hätten, sondern weil wir nicht wissen, wie wir mit ihr umgehen sollen. Diese Worte trafen ins Herz des deutschen Problems nach 1945.
- Als die 80er Jahre sich ihrem Ende näherten und der eiserne Vorhang zu rosten begann, ahnten nur wenige, dass eine neue Zeit anbrach. In der DDR
- gingen die Menschen auf die Straßen und ihre Rufe "Wir sind das Volk!" Hall Städte wie ein Echo aus längst vergangenen Zeiten, als das Volk noch zu
- seinen Kaisern aufblickte und sie als seinen natürlichen Herrscher anerkannte. Teil 14: Die Wiedergeburt der Erinnerung. Deutschland findet zu sich
- selbst 1990 heute als am 9. November 1989. die Berliner Mauer fiel und Menschen mit Hämmern und Meißeln auf die Betonsteine
- einschlugen, war es, als würde Deutschland aus einem langen, unruhigen Schlaf erwachen. Die Teilung, die 45 Jahre gedauert hatte, länger als das
- ganze Kaiserreich von 18 von Sens bis 1918, war zu Ende wie ein böser Traum, der endlich vergeht. In den Monaten der
- Wiedervereinigung suchten die Deutschen nach Symbolen für ihre wiedergefundene Einheit. Da war die Brandenburger Tor, durch das einst die Kaiser gezogen
- waren. Da war die schwarzrotgoldene Fahne, die schon 1848 die demokratischen Träume verkörpert hatte. Und da war auch die Erinnerung an das alte geinte
- Deutschland der Kaiserzeit. Nicht als politisches Vorbild, sondern als kulturelles Gedächtnis. Helmut Kohl, der Kanzler Einheit, war ein Mann, der die
- Macht der Geschichte verstand, wie ein Dirigent, die Partitur einer Symfonie. Er stammte aus der Pfalz, jenem Land, wo die Salier geherrscht hatten, und er
- wußte, daß Politik ohne historisches Bewusstsein wie ein Haus ohne Fundament ist. Bei der Wiedervereinigung griff er bewusst auf die Symbolik der deutschen
- Geschichte zurück. Das wiederinte Deutschland begann nun seine Vergangenheit neu zu entdecken, wie Archäologen, eine verschüttete Stadt.
- Die Kaiser wurden wieder salonfähig, nicht als politische Figuren, sondern als Teil des kulturellen Erbes. Friedrich Barbarossa wurde nicht mehr
- als Nationalist vereinnahmt, sondern als europäischer Herrscher gewürdigt, der zwischen den Kulturen vermittelte wie eine Brücke zwischen verschiedenen
- Welten. In den 90er Jahren entstanden überall in Deutschland neue Museen und Ausstellungen zur Kaiserzeit. Das Haus der Geschichte in Bonn, das Deutsche
- historische Museum in Berlin, regionale Museen von Bayern bis Schleswig-Holstein. Alle widmeten sie der deutschen
- Kaisergeschichte neue Aufmerksamkeit. Die Menschen strömten zu diesen Ausstellungen wie Pilger zu Heiligen Städten, nicht aus Nostalgie, sondern
- aus dem Bedürfnis, ihre Wurzeln zu verstehen. Die Medien entdeckten die Kaiser als Stoff für Dokumentationen und Spielfilme. Die Deutschen, eine große
- ZDF Dokumentationsserie, erzählte die Geschichte von Karl dem Großen bis zu Wilhelm II für ein Millionenpublikum.
- Plötzlich diskutierten die Menschen wieder über Friedrich II. und seine Toleranz über Otto den Großen und seine Reichsidee über die Tragödie des
- 30-jährigen Krieges. Auch in der Wissenschaft erlebte die Kaiserforschung eine Renaissance wie ein Garten im Frühling. Neue Quellen wurden
- erschlossen, alte Urteile revidiert. Das Bild der Kaiser wurde differenzierter und menschlicher. Sie erschienen nicht mehr als Heroen oder Dämonen, sondern
- als Menschen ihrer Zeit mit allen Stärken und Schwächen, die das menschliche Leben ausmachen. Besonders Friedrich Zweig, der Staufer, wurde zu
- einer Ikone des neuen deutschen Geschichtsbewusstseins. Seine Toleranz gegenüber anderen Religionen, seine Förderung der
- Wissenschaften, seine Mehrsprachigkeit. All das schien wie ein Vorbild für das moderne europäische Deutschland. Er war der erste Europäer auf dem deutschen
- Kaiserton, schrieb ein Historiker, und viele nickten zustimmend. Die deutsche Einheit brachte auch die Wiederentdeckung der ostdeutschen
- Kaiserstädten mit sich. Der Magdeburger Dom, wo Otto der Große begraben liegt, die Wartburg bei Eisenach, wo der Minnesang blühte, die Kaiserfals zu
- Gosla. All diese Orte wurden wieder zu Zielen deutscher und europäischer Touristen, die auf den Spuren der Kaiser wandelten, wie Suchende auf einem
- spirituellen Weg. In Berlin entstand die Diskussion um die Rekonstruktion des Stadtschlosses, der alten Residenz der preußischen Könige
- und deutschen Kaiser. Jahrzehntelang hatte an seiner Stelle der Palast der Republik gestanden, das Parlament der DDR. Nun sollte das Schloss wieder
- erstehen, nicht als Symbol monarchischer Macht, sondern als kulturelles Zentrum, das die deutsche Geschichte in all ihren Facetten zeigen würde. Die Debatte um
- das Berliner Schloss war wie ein Spiegel der deutschen Seele nach der Wiedervereinigung. Die einen sahen in dem Projekt eine gefährliche Rückkehr zu
- preußischen Traditionen, die anderen eine notwendige Wiederaneignung der eigenen Geschichte. Am Ende siegte die Überzeugung, dass man die Geschichte
- nicht auslöschen kann wie Kreide von einer Tafel. Sie bleibt Teil der Identität, ob man will oder nicht. Als das Humboldforum im rekonstruierten
- Schloss eröffnet wurde, war es ein Symbol für das neue Deutschland geworden. Selbstbewusst in seiner Geschichte, aber kritisch in der
- Reflexion. offen für die Welt, aber verwurzelt in der eigenen Tradition. Die Kaiser waren zurückgekehrt, nicht als Herrscher, sondern als Teil des
- kollektiven Gedächtnisses. In den Schulen begann man wieder, die Kaisergeschichte zu unterrichten, nicht als Heldenverehrung, sondern als Teil
- der europäischen Entwicklung. Kinder lernten von Karl dem Großen als dem Vater Europas, von Friedrich Barbarossa als dem Kämpfer um die italienische
- Krone, von Carl entfer als dem weisen Gesetzgeber der goldenen Bulle. Die Geschichte wurde lebendig durch Erzählung, nicht durch Ideologie. Das
- Internet brachte eine neue Demokratisierung der Geschichtserkenntnis. Plötzlich konnten Menschen in den
- entlegensten Winkeln Deutschlands auf mittelalterliche Handschriften zugreifen, Kaiserbriefe lesen, Siegel betrachten. Die Kaiser wurden wieder zu
- Menschen aus Fleisch und Blut, mit persönlichen Briefen, Sorgen und Freuden. Renactment Gruppen entstanden überall im Land. Menschen, die in der
- Freizeit in die Rollen mittelalterlicher Ritter und Bürger schlüpften. Sie nähten sich Gewänder nach historischen Vorbildern, lernten alte
- Handwerkstechniken, kochten nach mittelalterlichen Rezepten. Es war als wollten sie mit den Händen begreifen, was ihre Köpfe über die Geschichte
- gelernt hatten. Heute im 21. Jahrhundert sind die deutschen Kaiser endgültig zu einem Teil der kulturellen Identität geworden, frei von politischen
- Ambitionen. Sie leben in den Steinen alter Dome, in den Melodien mittelalterlicher Lieder, in den Geschichten, die Großeltern ihren Enkeln
- erzählen. Sie sind Märchenfiguren geworden und historische Persönlichkeiten zugleich. Menschen, die vor Jahrhunderten gelebt haben, aber
- deren Träume und Hoffnungen, deren Erfolge und Niederlagen noch heute zu uns sprechen wie alte Freunde, die uns besuchen kommen. Wenn heute ein Kind
- durch die Gassen von Rotenburg, ob der Tauber läuft oder die Burg hohen Zollern besichtigt, wenn es im Dom zu Speier vor den Kaisergräbern steht oder in Aen
- Karls des großen Thron betrachtet, dann berührt es mehr als nur Steine und Gold. Es berührt die Träume von Menschen, die vor tausend Jahren lebten und doch noch
- heute in unserer Erinnerung weiterleben wie Sterne, die auch nach ihrem Erlöschen noch leuchten. Die Kaiser sind heimgekehrt in das Herz Deutschlands,
- nicht als Herrscher, sondern als Erinnerung, nicht als Politik, sondern als Poesie. Sie gehören nun allen Menschen, die sich für Geschichte
- interessieren, für die großen Träume und die menschlichen Tragödien, die das Leben ausmachen. In dieser Form werden sie unsterblich sein, solange es
- Menschen gibt, die träumen können von fernen Zeiten und vergangener Größe. Und so schließt sich der große Kreis unserer Erzählung, kehrt zurück zu seinem Anfang
- und findet doch kein Ende, denn Geschichten haben nur dann ein Ende, wenn niemand mehr da ist, der sie erzählt. Die deutschen Kaiser leben
- weiter in jedem Märchen, das erzählt wird, in jeder Melodie, die erklingt, in jedem Traum von vergangener Größe und zukünftiger Hoffnung. Schlafen sie nun
- sanft und träumen Sie von Kaisern und Königen, von Rittern und Minnesängern, von einer Zeit, da die Welt noch voller Wunder war. Ende der Geschichte, Anfang
- der Träume.
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