Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Römisches Reich
Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. · Der letzte römische bzw. etruskische …
Inhalt6 Abschnitte
Grundzüge und Bedeutung
Das Römische Reich (lateinisch Imperium Romanum) war das von Rom beziehungsweise dem römischen Staat beherrschte Gebiet. Es bestand, mit fließenden Grenzen zur vorrömischen Zeit und zum Byzantinischen Reich, ungefähr vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. Seine Staatsform wandelte sich von einer nur unsicher belegten Königsherrschaft über die Republik zum Kaisertum. Die übliche staatsrechtliche Bezeichnung seit Augustus lautete Senatus Populusque Romanus (S.P.Q.R.), „Der Senat und das Volk von Rom“.
Traditionell unterscheidet man vier Phasen: die Königszeit von 753 bis 509 v. Chr.; die Republik von 509 bis 27 v. Chr.; den Prinzipat, also die frühe und hohe Kaiserzeit, von 27 v. Chr. bis zur Reichskrise von 235 bis 284/285; sowie die Spätantike ab 284/285 bis ins 6./7. Jahrhundert. Diese Zeitangaben sind teilweise historisch unsicher. Die Spätantike umfasste die sogenannte Völkerwanderung von 375 bis 568, die faktische Reichsteilung von 395, das Ende des westlichen Kaisertums 476/480 und die Umwandlung des Ostreichs in das Byzantinische Reich im 7. Jahrhundert.
Unter Kaiser Trajan erreichte das Reich 115–117 seine größte Ausdehnung. Es umfasste Gebiete auf drei Kontinenten rund um das gesamte Mittelmeer, von Britannien und Gallien bis zum Schwarzen Meer und zeitweise bis Mesopotamien. Das Reich beeinflusste Verwaltung, Städtewesen, Wirtschaft, Kunst, Religion, Sprachen und Recht Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens nachhaltig. Latein wirkte in den romanischen Sprachen und als Bildungs-, Kirchen- und Wissenschaftssprache fort; das römische Recht prägte besonders das kontinentaleuropäische Zivilrecht.
Von Rom zur Mittelmeermacht
Die Überlieferung setzt Roms Gründung meist um 750 v. Chr. an; das kanonische Datum 753 v. Chr. geht auf Marcus Terentius Varro zurück. Archäologische Siedlungsspuren reichen bis ins 10. Jahrhundert v. Chr., Hinweise auf eine Stadt wohl ins letzte Drittel des 7. Jahrhunderts v. Chr. Wegen der späten schriftlichen Quellen ist selbst die frühe Königsherrschaft nicht sicher belegt. Rom stand zeitweise unter etruskischem Einfluss und kontrollierte mit der Via Latina und der Via Salaria wichtige Handelswege.
Nach der traditionellen, möglicherweise später ausgestalteten Darstellung wurde König Tarquinius Superbus 510/09 v. Chr. vertrieben. Wahrscheinlich entstand die Republik jedoch erst um 450 v. Chr. Ihr Staatswesen verband nach Polybios monarchische Elemente in den Magistraten, aristokratische im Senat und demokratische in den Volksversammlungen. Zwei jährlich amtierende Konsuln besaßen in historisch gesicherter Zeit die höchste Regierungsgewalt. Das Zwölftafelgesetz um 450 v. Chr. ist ein erster fester Bezugspunkt. Patrizier bildeten zunächst die politisch führende Oberschicht; Plebejer erlangten nach etwa 150 Jahren Ständekämpfen 367 v. Chr. nahezu politische Gleichberechtigung. Sklaven galten rechtlich als „sprechende Werkzeuge“, konnten aber freigelassen werden.
Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. expandierte Rom in Italien. Nach der Eroberung Veiis 396 v. Chr., dem Galliersturm wahrscheinlich 387 v. Chr., drei Samnitenkriegen und dem Latinerkrieg schuf es Kolonien und ein Bündnissystem. Um 275 v. Chr. unterwarf Rom nach dem Krieg gegen Pyrrhos I. auch die griechischen Städte Süditaliens.
In den Punischen Kriegen besiegte Rom Karthago. Der Erste Punische Krieg (264–241 v. Chr.) brachte Sizilien, später auch Sardinien und Korsika, unter römische Kontrolle. Im Zweiten Punischen Krieg (218–201 v. Chr.) vernichtete Hannibal mehrere römische Heere; die Niederlage bei Cannae 216 v. Chr. war besonders schwer. Da Roms italisches Bündnissystem bestehen blieb, konnte Scipio Hannibal 202 v. Chr. bei Zama besiegen. Nach dem Dritten Punischen Krieg (149–146 v. Chr.) wurde Karthago zerstört. Gleichzeitig griff Rom im östlichen Mittelmeer ein: Makedonien wurde 148 v. Chr., Griechenland und Africa 146 v. Chr., Pergamon 133 v. Chr. und Syria 64/63 v. Chr. römische Provinz. Ägypten folgte 30 v. Chr.; an der Grenze zum Partherreich endete die Expansion zunächst.
Krise der Republik und Prinzipat
Seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. geriet die Republik in eine schwere soziale und politische Krise. Großgrundbesitzer umgingen die Grenze von 500 Iugera Landbesitz, während Kleinbauern durch lange Kriegsdienste, Verschuldung und die Konkurrenz der Sklavenwirtschaft verarmten. Die Landreformen der Brüder Tiberius und Gaius Gracchus scheiterten am Widerstand konservativer Senatoren. Tiberius wurde ermordet, Gaius nahm sich 121 v. Chr. das Leben. Popularen, die sich auf das Volk stützten, und Optimaten, die den Vorrang des Senats verteidigten, bekämpften einander zunehmend gewaltsam.
Nach dem Bundesgenossenkrieg 91–89 v. Chr. erhielten die italischen Verbündeten das römische Bürgerrecht. Es folgten Bürgerkriege, Diktaturen und Proskriptionen, also staatlich angeordnete Verfolgungslisten. Das erste Triumvirat verband Pompeius, Caesar und Crassus informell. Caesar eroberte 58–51 v. Chr. Gallien und besiegte Pompeius 48 v. Chr. bei Pharsalos. Er führte 46 v. Chr. den Julianischen Kalender ein und wurde 45 v. Chr. „Diktator auf Lebenszeit“, aber 44 v. Chr. ermordet. Danach siegten Octavian und Marcus Antonius über die Republikaner. Octavian besiegte Antonius und Kleopatra 31 v. Chr. bei Actium und gewann Ägypten.
27 v. Chr. erhielt Octavian den Titel Augustus. Er ließ republikanische Einrichtungen formal bestehen, vereinigte aber Ämter, Sondervollmachten und den Oberbefehl über wichtige Provinzen. Diese Herrschaftsordnung heißt Prinzipat; der Princeps war der „Erste Bürger“. Senat, Ämterlaufbahn und Provinzverwaltung bestanden weiter, verloren jedoch politische Selbstständigkeit. Augustus sicherte die Grenzen mit einem Berufsheer von etwa 300.000 Mann, baute Verkehrswege aus und festigte die Pax Romana, den „römischen Frieden“. Die Expansion nach Nordosten endete nach der Varusschlacht im Jahr 9 und späteren erfolglosen Rückeroberungsversuchen.
Unter Claudius wurde Britannien erobert. Nach Neros Tod 68 und dem Vierkaiserjahr stabilisierten die Flavier das Reich. Die Adoptivkaiserzeit gilt als Höhepunkt. Trajan erweiterte das Reich 117 bis zu seiner größten Ausdehnung; nicht haltbare Gebiete östlich des Euphrats wurden bald aufgegeben. Hadrian konsolidierte die Grenzen, unter anderem durch den Hadrianswall. Unter Mark Aurel (161–180) belasteten Markomannenkriege, ein Krieg gegen die Parther und die ab 166 verbreitete Antoninische Pest das Reich. Caracalla verlieh 212 durch die Constitutio Antoniniana fast allen freien Reichsbewohnern das römische Bürgerrecht.
Reichskrise, Reformen und Teilung
Mit der Ermordung des Severus Alexander 235 begann die Reichskrise des 3. Jahrhunderts. Häufig wechselnde Soldatenkaiser, Usurpationen und Bürgerkriege trafen mit Angriffen an Rhein, Donau und im Osten zusammen. 259/260 wurde der Obergermanisch-Raetische Limes aufgegeben. Das neupersische Sassanidenreich erwies sich als besonders gefährlich; 260 geriet Kaiser Valerian in die Gefangenschaft Schapurs I. Zeitweise lösten sich das Gallische Sonderreich und Gebiete unter Palmyra von Rom, wurden aber unter Aurelian wieder eingegliedert. Ob innere Wirren Ursache oder Folge der äußeren Bedrohungen waren, ist umstritten.
Diokletian leitete 284 die Spätantike ein. Er zentralisierte und bürokratisierte das Reich, trennte zivile und militärische Verwaltung und ordnete Provinzen in Diözesen und Präfekturen. Die Tetrarchie sah zwei ranghohe Augusti und zwei Caesares als Junior-Kaiser vor, blieb unter Diokletians Vorrang aber eine Monarchie. Höchstpreisverordnungen sollten Inflation und wirtschaftlichen Niedergang begrenzen. Unter Diokletian fanden die letzten und heftigsten Christenverfolgungen statt.
Konstantin der Große setzte sich bis 324 als Alleinherrscher durch. Er privilegierte das Christentum, gründete Konstantinopel als neue Hauptstadt und trennte Militär- und Zivilverwaltung weiter. Nach einer kurzen heidnischen Erneuerung unter Julian wurde unter Theodosius I. das Christentum Staatsreligion. Theodosius war 394 der letzte Herrscher des gesamten Reiches. Nach seinem Tod 395 regierten Honorius im Westen und Arcadius im Osten; die Teilung erwies sich als dauerhaft, obwohl die Idee eines einheitlichen Reiches und das gemeinsame Bürgerrecht fortbestanden.
Westroms Ende und Ostroms Wandel
Das wirtschaftlich schwächere Westreich zerfiel im 5. Jahrhundert unter dem Druck von Bürgerkriegen, leeren Staatskassen und dem Verlust von Provinzen. Germanische Krieger dienten zunächst häufig als Foederaten, also verbündete Truppen unter eigenen Führern, verfolgten aber zunehmend eigene Ziele. Ob die Hunnen einen entscheidenden Dominoeffekt auslösten oder innere Konflikte ausschlaggebend waren, ist umstritten; ebenso wird eine „Barbarisierung“ des Heeres kontrovers beurteilt. Der Verlust Africas an die Vandalen 435 entzog Westrom wichtige Mittel. Rom wurde 410 von Westgoten, 455 von Vandalen und 472 von Ricimers Kriegern geplündert. Odoaker setzte 476 Romulus Augustulus ab; als letzter anerkannter Westkaiser gilt jedoch Julius Nepos, der 480 starb.
Ostrom blieb wegen seiner stärkeren Wirtschaft, größeren Bevölkerung, natürlichen Barrieren, strategischen Reserven und geschickteren Diplomatie bestehen. Unter Justinian I. und Belisar wurden im 6. Jahrhundert Nordafrika, Italien und Südspanien zurückerobert, doch viele Gebiete gingen bald wieder verloren; ab 568 eroberten die Langobarden große Teile Italiens.
Im letzten großen römisch-persischen Krieg von 603 bis 628 besetzten die Perser zeitweise Syrien und Ägypten. Herakleios siegte, doch das erschöpfte Reich verlor bis 642 Syrien, Ägypten und Nordafrika an die islamischen Araber. Herakleios ersetzte den Titel „Imperator“ durch „Basileus“ und machte Griechisch zur einzigen Amtssprache. Nach etwa 640 hatten sich die Strukturen so stark verändert, dass die Geschichtswissenschaft vom Byzantinischen Reich spricht. Seine Bewohner verstanden sich weiterhin als Römer; der Begriff „Byzantiner“ entstand erst im 19. Jahrhundert. Das Ostreich bestand bis zur osmanischen Eroberung Konstantinopels 1453. Die römische Reichsidee lebte unter anderem in der Kaiserkrönung Karls des Großen 800, im Heiligen Römischen Reich und im russischen Anspruch eines „Dritten Rom“ fort.
Staat, Gesellschaft und kulturelles Erbe
Das Reich war in Provinzen gegliedert, die Augustus in kaiserliche und senatorische Provinzen teilte. Das Rückgrat der Verwaltung bildeten jedoch halbautonome Städte wie colonia, municipium, civitas und urbs. Sie übernahmen besonders die Steuererhebung und ermöglichten eine kleine Zentralverwaltung. Durch die Gesetze von 90 und 89 v. Chr. erhielten die italischen Landstädte volles Bürgerrecht; 212 verlieh die Constitutio Antoniniana fast allen freien Reichsbewohnern das Bürgerrecht.
Die Bevölkerungszahl ist unsicher, weil Volkszählungen meist nur männliche Bürger erfassten. Für die Mitte des 2. Jahrhunderts werden knapp 75 Millionen Einwohner geschätzt; höhere Schätzungen reichen bis 100 Millionen. Um 150 lebten möglicherweise knapp 30 Prozent der Weltbevölkerung im Reich. Knapp die Hälfte der Neugeborenen überlebte die ersten fünf Jahre nicht. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug etwa 20 bis 30 Jahre, ohne den Einfluss der hohen Kindersterblichkeit 40 bis 45 Jahre. Mindestens sechs Kinder pro Frau waren nötig, um das Ersatzniveau zu halten. Rom hatte auf seinem Höhepunkt mindestens eine Million Einwohner; Alexandria etwa eine halbe Million.
Grundlagen der reichsweiten Wirtschaft waren Pax Romana, Freizügigkeit, demografische Stabilität und ein verbreitetes Währungssystem. Landwirtschaft und Latifundien, also Großgrundbesitz, bildeten die Basis; Handel und Handwerk waren ebenfalls wichtig. Das Handelsnetz reichte bis weit nach Asien. Sklaverei spielte eine zentrale Rolle, verlor aber seit der späten Kaiserzeit an Bedeutung.
Latein war reichsweite Amtssprache; im griechisch geprägten Osten und in Ägypten war auch Altgriechisch Amtssprache und im gesamten Reich Bildungssprache. Andere Regionalsprachen blieben erhalten. Aus dem Lateinischen entstanden unter anderem Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch. Latein blieb bis zum Barock Bildungssprache und ist weiterhin Amtssprache der römisch-katholischen Kirche sowie Fachsprache etwa in Biologie, Medizin und Recht.
Römische Kunst verband italische und etruskische Grundlagen mit griechischer Architektur, Malerei, Plastik und Mythologie; im Osten kamen hellenistische und orientalische Elemente hinzu. Pompeji und Herculaneum, die beim Vesuvausbruch 79 unter Asche und Bimsstein begraben wurden, bewahrten Wohnviertel, Tempel, Thermen, Werkstätten, Fresken und Mosaiken und zeigen Wohlstand sowie kulturelle Vielfalt. Der Staat war häufig religiös tolerant, geriet aber zeitweise mit Judentum und Christentum sowie später mit paganen Kulten und abweichenden christlichen Gruppen in Konflikt.
Das römische Recht entwickelte sich vom altrömischen und vorklassischen Recht über das klassische Kaiserrecht zum nachklassischen Recht. Pontifices, Volksversammlungen, Prätoren, Juristen und Kaiser prägten es. Das Zwölftafelgesetz blieb die einzige frühe Kodifikation. Im 6. Jahrhundert sammelte das Corpus iuris civilis unter Justinian das weiterhin wichtige Recht in vier Büchern und wurde zur Grundlage für die langfristige Wirkung des römischen Rechts.
Lernvideos zu Römisches Reich
15:20
Antikes Rom I Geschichte Römisches Reich
MrWissen2go Geschichte | Terra X · 2 Mio. Aufrufe
14:09
Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962–1806
MrWissen2go Geschichte | Terra X · 1 Mio. Aufrufe
14:42
Römisches Reich: Darum war es so erfolgreich
MrWissen2go Geschichte | Terra X · 791.007 Aufrufe
1:24:36
Römisches Reich, Sklaverei und WEIRD People | Arbeit und Macht #002
Augen der Welt · 69 Aufrufe