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Kaiser

In der Antike hießen seit der Zeit des Augustus, des Großneffen Caesars, die Herrscher des Römischen Reichs Imperator Caesar Augustus (siehe auch Prinzipat und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutung
  2. 2. Römische Ursprünge
  3. 3. Spätantike und sakrale Stellung
  4. 4. Byzanz, Russland und Balkan
  5. 5. Westeuropäische Kaisertümer
  6. 6. Außereuropäische Kaiser

Grundbegriff und Bedeutung

Ein Kaiser ist ein Monarch mit einem besonders hohen Herrschertitel; die weibliche Form lautet Kaiserin. Die Herrschaft und manchmal auch der Herrschaftsbereich heißen Kaisertum. Der deutsche Titel geht auf den Namen Gaius Iulius Caesar zurück. In der Antike wurden seit Augustus die römischen Herrscher als Imperator Caesar Augustus bezeichnet. Im Westen endete das römische Kaisertum je nach Sichtweise 476 oder 480, im Osten bestand es im Byzantinischen Reich bis 1453 weiter.

Im europäischen Mittelalter wurde das westliche Kaisertum 800 durch Karl den Großen erneuert. Die Kaiser des Frankenreiches und später des Heiligen Römischen Reiches galten als vom Papst gekrönte Herrscher. Sie sollten Beschützer des Abendlandes und des christlichen Glaubens sein und eine Ehrenhoheit über die lateinisch-christlichen Könige besitzen, die praktisch aber kaum durchsetzbar war. Das Kaisertum war dadurch eine „gesteigerte Königsherrschaft“, ähnlich der Idee eines „Königs der Könige“.

In der Neuzeit verlor der Titel zunehmend seinen sakralen und universalen Charakter. Er wurde dem Königstitel ähnlicher und auch auf nichtchristliche oder außereuropäische Herrscher übertragen, besonders wenn diese göttliche Herkunft oder Weltherrschaft beanspruchten. Seit 1979 wird als einziger Monarch nur noch der Tennō von Japan als Kaiser bezeichnet.

Römische Ursprünge

Gaius Iulius Caesar errang 49 bis 45 v. Chr. im Bürgerkrieg die Alleinherrschaft, nahm aber nicht den verhassten Königstitel an. Stattdessen ließ er sich zum Dictator perpetuus, also „Diktator auf Lebenszeit“, wählen. Außerdem trug er den Titel Imperator, der ursprünglich einen militärischen Oberbefehl bezeichnete. Später blieb dieser Titel den Kaisern vorbehalten und verwies auf die wichtigste Machtgrundlage: die Militärgewalt.

Als erster Kaiser gilt meist nicht Caesar selbst, sondern sein Großneffe Gaius Octavius, der spätere Augustus. Nach Caesars Ermordung 44 v. Chr. nahm er dessen Namen an. 27 v. Chr. erhielt er vom Senat den Ehrentitel Augustus, „der Erhabene“. Er nannte sich fortan Imperator Caesar Augustus. Die monarchische Herrschaft wurde formal verschleiert: Augustus trat als princeps auf, also als „erster Bürger“, während wichtige Sondervollmachten wie die tribunicia potestas und das imperium proconsulare maius seine tatsächliche Macht absicherten.

Das römische Kaisertum blieb rechtlich ein Ausnahmeamt und wurde nie einfach als erbliches Amt festgelegt. Deshalb mussten Nachfolger oft schon zu Lebzeiten des Vorgängers als Mitkaiser eingebunden werden. Seit Claudius wurde Caesar endgültig Teil der Herrschertitulatur; seit Vespasian wurden jedem Kaiser bei Regierungsantritt die Sonderkompetenzen gebündelt übertragen. Alle römischen Herrscher trugen fortan bis zum Ende der Antike die Titel Imperator Caesar Augustus, ergänzt durch persönliche Namen.

Spätantike und sakrale Stellung

In der Spätantike änderte sich die Bedeutung der Titel. Unter Diokletian entstand die Tetrarchie, eine Vierherrschaft mit zwei ranghöheren Kaisern, den Augusti, und zwei untergeordneten Juniorkaisern, den Caesares. Formal blieb das Reich eine Monarchie, tatsächlich wurden mehrere Herrschaftsbereiche von verschiedenen Kaisern verwaltet. Nach 285 gab es nur noch selten einen einzigen Augustus; nach dem Tod Theodosius’ I. im Jahr 395 wurde die Teilung des Kaisertums zwischen Ost und West faktisch dauerhaft.

Das westliche Kaisertum endete 476 mit Romulus Augustulus beziehungsweise 480 mit Julius Nepos. Im Osten bestand das Kaisertum weiter. Um 625 legte Herakleios den lateinischen Titel Imperator oder Autokrator ab und führte stattdessen den griechischen Titel Basileus. Damit begann das griechisch-byzantinische Kaisertum.

Das Kaisertum hatte auch eine religiöse Dimension. Seit 12 v. Chr. waren alle römischen Kaiser Pontifex Maximus, also oberste Priester. Caesar wurde nach seinem Tod vergöttlicht, Augustus rückte dadurch ebenfalls in die Nähe göttlicher Verehrung. Nach der Christianisierung unter Konstantin dem Großen wurde der heidnische Titel Pontifex Maximus abgelegt, doch die sakrale Würde blieb weitgehend bestehen: Nun entwickelte sich die Vorstellung eines Gottesgnadentums. Auch byzantinische Kaiser, russische Zaren und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches leiteten aus Krönungsriten eine besondere, teilweise priesterähnliche Stellung ab.

Die Stellung des römischen Kaisers blieb trotzdem unsicher. Althistoriker beschreiben die römische Monarchie als „Akzeptanz-System“: Ein Kaiser musste von wichtigen Gruppen wie Senat, Stadtbevölkerung Roms und Militär akzeptiert werden. Da es keine allgemein anerkannte Regel für umstrittene Nachfolgen gab, konnten Attentate, Usurpationen und Bürgerkriege entstehen. Besonders das Heer wurde rasch zum entscheidenden Machtfaktor.

Byzanz, Russland und Balkan

Im Byzantinischen Reich setzte sich die römische Kaisertradition nach dem Ende der Antike noch rund 800 Jahre fort, bis Konstantinopel 1453 von den Türken erobert wurde. Unter Herakleios wurde der griechische Titel Basileus eingeführt. Die Kaiser von Byzanz gaben ihren Anspruch, Rechtsnachfolger der antiken römischen Kaiser zu sein, nie auf. Seit 812 wurde dies mit der Titulatur Basileus ton Rhomaion, „Herrscher der Römer“, besonders betont.

Nach der Eroberung Konstantinopels durch Kreuzfahrer 1204 entstand das Lateinische Kaiserreich. Es war ein von päpstlichem Rom und Venedig abhängiger Kreuzfahrerstaat, der schon bald stark geschwächt war und 1261 mit der Rückeroberung Konstantinopels durch die Kaiser von Nikaia endete. Das Kaiserreich Nikaia stellte danach das Byzantinische Reich unter den Palaiologen wieder her. Daneben gab es Trapezunt, das länger als Byzanz selbst bestand, aber 1461 von den Osmanen zur Kapitulation gezwungen wurde.

Nach dem Fall Konstantinopels betrachteten sich die russischen Großfürsten zunehmend als Erben des oströmischen Kaisertums. Unter Iwan III. entstand die Idee von Moskau als „Drittem Rom“, und der Titel Zar wurde verwendet. Er stand für uneingeschränkte Selbstherrschaft und den Schutz des orthodoxen Glaubens. Iwan IV. wurde 1547 gekrönt, doch die Anerkennung des Zarentitels durch europäische Mächte war schwierig. Peter I. nahm am 20. Oktober 1721 den Titel „Imperator und Selbstherrscher aller Russen“ beziehungsweise „Kaiser aller Reußen“ an. Russische Herrscher führten den Imperatorentitel bis zum Sturz Nikolaus’ II. im Jahr 1917.

Auch Bulgarien und Serbien übernahmen in Konkurrenz zu Byzanz kaiserliche Ansprüche. Simeon I. wurde 912 zum „Basileus der Bulgaren“ gekrönt und nannte sich nach Erfolgen gegen Byzanz „Zar der Bulgaren und Rhomäer“. Stefan Uroš IV. Dušan nahm 1346 als „Zar der Serben und Rhomäer“ den Kaisertitel an. Beide Beispiele zielten eher auf Ranggleichheit oder Konkurrenz zu Byzanz als auf ein dauerhaft anerkanntes neues Kaisertum.

Westeuropäische Kaisertümer

Im Westen riss die römische Kaisertradition nach 476/480 zunächst ab. Die Kaiserkrönung Karls des Großen am Weihnachtstag 800 in Rom galt als Wiederherstellung des römischen Kaisertums im Westen oder als Übertragung auf den Frankenkönig. 812 wurde Karls Kaisertitel vom byzantinischen Kaisertum als gleichrangig anerkannt.

962 belebte Otto I. mit seiner Kaiserkrönung durch den Papst in Rom die Tradition erneut. Die ostfränkischen und römisch-deutschen Könige betrachteten sich bis 1806 als berechtigte Nachfolger der römischen Caesaren und als weltliche Oberhäupter der Christenheit. Im Mittelalter war dafür meist ein Romzug zur Krönung durch den Papst nötig. Später entfiel dies: Maximilian I. durfte 1508 den Titel „Erwählter Römischer Kaiser“ annehmen, Karl V. wurde 1530 als letzter von einem Papst gekrönt, und Ferdinand I. führte ab 1556 mit Zustimmung der Kurfürsten automatisch den römischen Kaisertitel. 1806 legte Franz II. die Krone nieder und erklärte das Heilige Römische Reich für erloschen.

Frankreich erhielt erst unter Napoleon Bonaparte ein neues Kaisertum. Napoleon nahm 1804 den Titel Empereur an und krönte sich am 2. Dezember 1804 in Notre Dame selbst zum „Kaiser der Franzosen“. Der Titel betonte nicht ein Reich, sondern ein Volk. Napoleons Herrschaft beruhte stark auf militärischem Erfolg und brach 1814/15 zusammen. Napoleon III. stellte 1852 ein zweites Kaiserreich her, das nach der Niederlage bei Sedan 1870 endete.

In Österreich nahm Franz II. 1804 den Titel „Kaiser von Österreich“ an, um protokollarisch nicht hinter Napoleon und dem russischen Zaren zurückzustehen. Nach 1806 wurde dieses Kaisertum zur symbolischen Klammer des habsburgischen Vielvölkerreichs, ab 1867 Österreich-Ungarn. Im Deutschen Reich war „Deutscher Kaiser“ ab 1871 der Titel des preußischen Königs als Inhaber des Bundespräsidiums. Wilhelm I. wurde am 18. Januar 1871 in Versailles proklamiert. Der Titel erlosch am 9. November 1918 mit der Ausrufung der Republik.

Außereuropäische Kaiser

Seit der frühen Neuzeit bezeichnete man in Europa auch bedeutende außereuropäische Herrscher als Kaiser. Das galt besonders für Herrscher mit Anspruch auf Weltherrschaft, göttliche Abstammung oder den Rang eines „Königs der Könige“. China verstand sich als Reich der Mitte. Der chinesische Herrschertitel 帝 (Dì) oder 皇帝 (Huángdì) wird im Deutschen meist mit „Kaiser“ übersetzt. Das historische chinesische Kaisertum begann 221 v. Chr., als Ying Zheng aus der Qin-Dynastie sich nach der Einigung Chinas „Erster Kaiser“ nannte.

In Japan galt der Tennō traditionell als göttlich; auf diesen Anspruch verzichtete er erst nach der Kapitulation Japans am Ende des Zweiten Weltkrieges. Vom 12./13. bis ins 19. Jahrhundert war seine Macht meist symbolisch, während der Shōgun regierte. Erst Meiji-tennō gewann 1869 wieder tatsächliche Macht. Seit 1979 ist der Tennō der einzige Monarch, der noch als Kaiser bezeichnet wird.

Weitere asiatische Kaisertitel entstanden oft im Zusammenhang mit Kolonialismus und Imperialismus: Annam in Vietnam führte ab 1806 den Kaisertitel mit chinesischer Genehmigung; Korea nahm 1897 den Kaisertitel an, um Unabhängigkeit und Gleichrangigkeit mit China und Japan auszudrücken, verlor aber 1910 seine Unabhängigkeit an Japan. Mandschukuo wurde 1934 von Japan zum Kaiserreich gemacht; Puyi war Staatsoberhaupt, nachdem er als Kind bereits letzter Kaiser von China gewesen war.

Auch andere Regionen kannten oder erhielten kaiserähnliche Titel: In Persien trugen Herrscher den Titel Schahanschah, „König der Könige“; in Äthiopien lautete der Titel Negus Negesti. Im Osmanischen Reich beanspruchte der Sultan nach der Eroberung des byzantinischen Reiches kaiserlichen Rang und wurde diplomatisch als „Kaiserliche Majestät“ anerkannt. In der Neuzeit entstanden außerdem kurzlebige oder kolonial geprägte Kaisertümer in Haiti, Mexiko, Brasilien, Indien und im Zentralafrikanischen Kaiserreich.

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