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Karolinger
Karolinger ist der auf Karl Martell zurückgehende Hausname des Herrschergeschlechts der westgermanischen Franken, das ab 751 im Frankenreich die Königswürde …
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Kern und Bedeutung
Die Karolinger waren das auf Karl Martell zurückgehende Herrschergeschlecht der westgermanischen Franken. Ab 751 stellten sie die Könige des Frankenreichs. Der bekannteste Karolinger war Karl der Große. Nach der Reichsteilung von 843 regierten karolingische Linien im Ostfrankenreich bis 911 und im Westfrankenreich – mit zwei Unterbrechungen – bis 987. Ein Seitenzweig herrschte im Herzogtum Niederlothringen noch bis ins frühe 11. Jahrhundert.
Im Mannesstamm starb das Geschlecht mit diesem Seitenzweig aus, wenn nur nachfolgeberechtigte eheliche Söhne berücksichtigt werden. Nicht thronfähige Nachkommen unehelicher Kinder sowie Nachkommen Karls des Großen in weiblicher Linie gab es jedoch weiterhin in großer Zahl. Die Karolinger prägten die politische Entwicklung Mitteleuropas entscheidend. Aus den Reichsteilungen und besonders aus dem Vertrag von Verdun von 843 entwickelten sich langfristig die Grundlagen Frankreichs und Deutschlands. Zugleich nahm die Macht des Adels zu; auf dem Gebiet des heutigen Deutschland entstanden wichtige Grundlagen einer föderativen und dezentralen Herrschaft.
Vom Hausmeiergeschlecht zum Königtum
Die Vorfahren der Karolinger waren Arnulf von Metz aus dem Geschlecht der Arnulfinger und Pippin der Ältere aus dem Geschlecht der Pippiniden. Seit 639 übten Karolinger mit Unterbrechungen das Amt des Hausmeiers aus. Sie regierten damit faktisch im Frankenreich, während die Merowinger weiterhin den alleinigen Anspruch auf die Königswürde behielten.
Bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts hatten die Karolinger ihre Macht so stark ausgebaut, dass Pippin der Jüngere 751 mit Unterstützung des Papstes und der fränkischen Adligen zum König der Franken akklamiert wurde. Der letzte Merowinger wurde abgesetzt, geschoren und in ein Kloster verbannt. Dieser Dynastiewechsel begründete die Königsherrschaft zunächst mit dem Gottesgnadentum. Die weiterhin lebendige Vorstellung eines erblichen Geblütsrechts wurde auf die neue Dynastie übertragen.
Pippins Sohn Karl wurde 771 Alleinherrscher. Er wollte alle germanischen Stämme in einem Reich vereinen. Bayern und Langobarden wurden nahezu vollständig unterworfen; 32 Jahre nach seinem Herrschaftsantritt bezwang Karl auch die heidnischen Sachsen, die anschließend christianisiert werden mussten. Am 25. Dezember 800 salbte und krönte Papst Leo III. Karl in Rom zum Kaiser. Bald darauf wurde er als Karl der Große bezeichnet.
Teilung, Nachfolge und Ende der Dynastie
814 folgte Ludwig der Fromme Karl dem Großen als Kaiser, weil Karls ältere Söhne Karl der Jüngere und Pippin der Bucklige bereits gestorben waren. Ludwigs Söhne Lothar I., Ludwig II., Pippin und Karl II. der Kahle erhoben sich mehrfach gegen ihren Vater und bekämpften sich gegenseitig. Lothars Rang als Mitkaiser, den er seit 817 innehatte, wurde dabei nicht grundsätzlich bestritten.
Im Vertrag von Verdun von 843 teilten die drei verbliebenen Brüder Lothar I., Ludwig II. und Karl II. ihre Herrschaft. Nachdem Lothars Söhne ohne Erben gestorben waren, wurde das Gebiet im Vertrag von Meerssen von 870 erneut zwischen Karl II. und Ludwig II. geteilt. Karl III. der Dicke, König des Ostfrankenreichs, vereinigte 885 kurzfristig beide fränkischen Reichsteile. Als Kaiser folgten ihm Arnulf von Kärnten und Ludwig III. der Blinde; danach erlosch die karolingische Kaiserdynastie.
Im Ostfrankenreich starb die karolingische Linie 911 mit Ludwig dem Kind aus. Es folgten Konrad I. aus dem Geschlecht der Konradiner und ab 919 Heinrich I. aus dem Geschlecht der Liudolfinger, die später Ottonen genannt wurden. Im Westfrankenreich blieb die Herrschaft bis 987 karolingisch; dann verdrängten die Kapetinger die Dynastie. Die karolingische Zeit hinterließ außerdem den karolingischen Baustil, eine Form der Vorromanik, und die karolingische Minuskel, eine unter Karl dem Großen entstandene Buch- und Verwaltungsschrift. Wichtige Quellen sind Einhards Biographie Karls des Großen, verschiedene Annalen, Chroniken wie die des Regino von Prüm und Nithards Historien.
Könige, Kaiser und Teilreiche
Die Entwicklung der Herrschaft lässt sich über mehrere Ämter und Teilreiche verfolgen:
- Als Hausmeier wirkten unter anderem Pippin der Ältere (580–640), Grimoald der Ältere (643–662), Pippin der Mittlere (687–714), Karl Martell (714–741), Karlmann (741–747) und Pippin der Jüngere (741–751).
- Karolingische Könige waren Pippin der Jüngere (751–768), Karlmann I. (768–771) und Karl der Große (768–800); Karl der Jüngere regierte als König (800–811).
- Kaiser waren Karl der Große (800–814), Ludwig I. der Fromme (813/814–840), Lothar I. (840–855), Ludwig II. von Italien (855–875), Karl II. der Kahle (875–877), Karl III. der Dicke (881–888), Arnulf von Kärnten (896–899), Ludwig III. der Blinde (901–905, mütterlicherseits) und Berengar I. (915–924, mütterlicherseits).
- Im Ostfrankenreich regierten Ludwig II. der Deutsche (843–876), Karlmann (876–880), Ludwig III. der Jüngere (876–880/882), Karl III. der Dicke (876–887), Arnulf von Kärnten (887–899) und Ludwig IV. das Kind (893–911).
- Im Westfrankenreich folgten auf Karl II. den Kahlen (843–877) Ludwig II. der Stammler (877–879), Ludwig III. (879–882), Karlmann (866–884), Karl III. der Dicke (885–887), Karl III. der Einfältige (898–923), Ludwig IV. der Überseeische (936–954), Lothar (954–986) und Ludwig V. der Nichtstuer (986–987).
- In Italien herrschten unter anderem Karl der Große (774–814), Pippin als Mitkönig (781–810), Bernhard (813–818), Lothar I. (818–855), Ludwig II. (844–875), Karl II. der Kahle (875–877), Karlmann (877–879), Karl III. der Dicke (879–887), Berengar I. (888–889 und 896–901; danach 905–924) und Ludwig III. der Blinde (900–905).
- Weitere karolingische Herrschaften bestanden in Lothringen mit Lothar I. (843–855), Lothar II. (855–869) und Zwentibold (895–900), in Aquitanien mit Ludwig dem Frommen (778–814), Pippin I. (817–838), Pippin II. (838–848) und Karl dem Kind (848–866) sowie in Niederburgund mit Karl (855/56–863), Ludwig III. dem Blinden (um 882–905), Hugo I. (905–947) und Lothar II. (947–950).
- Ein Seitenzweig herrschte in Niederlothringen: Karl von Frankreich (978–991) und Otto (991–1005/06). Karlmann war außerdem König von Bayern (876–880).
Die Grafen von Vermandois und das Aussterben
Während die herrschenden karolingischen Linien ausstarben, bestand der Zweig der Grafen von Vermandois weiter. Er leitete sich von Bernhard ab, dem Unterkönig von Italien von 812 bis 818. Bernhard war ein außerehelicher Sohn Pippins, der von 781 bis 810 Unterkönig von Italien und ein Enkel Karls des Großen war.
Der letzte männliche Nachkomme dieses Hauses und damit der letzte männliche Karolinger war Graf Eudes, der nach 1085 starb. Seine Schwester Adelaide, Gräfin von Vermandois und Valois († 1120/24), brachte diese Grafschaften in ihre Ehe mit Hugo von Frankreich (* 1057; † 1101) ein. Dadurch entstand das zweite Haus Vermandois.