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Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962–1806
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 140 Zeilen
- Heute widmen wir uns einem Thema, das schon Generationen von Schülern in Schweiß und Tränen versetzt haben dürfte,
- Weil es den Ruf hat, superkompliziert zu sein. Das Heilige Römische Reich, später das Heilige Römische Reich Deutscher Nation.
- Dieses Reich ist ein ganz besonderes Gebilde, das sich am Ende aus gut 300 kleinen und großen geistlichen und weltlichen Herrschaften zusammensetzt
- und in dem ständig alle darüber streiten, wer wie viel zu sagen hat. Trotz aller Krisen existiert dieses Reich mehr als 800 Jahre lang.
- Schon ein Autor im 17. Jahrhundert verglich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation mit einem „Monstrum“.
- Wir versuchen es mal, dieses Monstrum zu zähmen und hangeln uns dafür an fünf wichtigen Daten entlang.
- Los geht's. Zweiter Februar 962, Rom.
- Viele Historiker setzen auf dieses Datum den Beginn des Reiches. Otto I. ist bereits König des Ostfrankenreiches,
- als der Papst ihn an diesem Tag zum römischen Kaiser krönt. Damit wird schon klar: Das Römische Reich ist der Bezugspunkt,
- das Vorbild, für das Reich dessen Kaiser Otto ist. Wie kommt es dazu?
- Kurzer Rückblick Um das Jahr 500 nach Christus zerfällt der westliche Teil des Römischen Reichs. In West- und Mitteleuropa
- Entsteht in den nächsten Jahrhunderten das Frankenreich. Dessen Herrscher, Karl der Große, lässt sich im Jahr 800 in Rom zum Kaiser krönen
- und knüpft damit ganz bewusst an die Tradition der römischen Kaiser an. Karls Frankenreich wird später unter seinen drei Enkeln aufgeteilt.
- Der östliche Teil, das ostfränkische Reich, umfasst insbesondere Gebiete, wo heute Deutschland liegt.
- Damals allerdings bezeichnet der Begriff „Deutsch“ nicht das Land oder das Gebiet, auch nicht die Kultur,
- - Das kommt erst später auf - Stattdessen bezeichnet Deutsch die Menschen im Frankenreich,
- die kein Latein sprechen. Dieses ostfränkische Reich bekommt im Jahr 919 zum Ersten Mal
- einen nichtfränkischen König Heinrich I. Die Besonderheit ist Er erbt den Thron nicht, sondern
- er wird von den Mächtigen Anführern der Stämme in seinem Reich gewählt. Nach Heinrichs Tod wird sein Sohn Otto zum ostfränkischen König gewählt.
- Otto sichert 955 seine Herrschaft mit einem Sieg gegen die Ungarn. Seine Truppen kommen aus allen Ecken des ostfränkischen Reiches.
- Dieser Sieg macht Otto zum Retter des christlichen Europas und hat alle in seinem Reich hinter ihm versammelt.
- Ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht. 960 Erreicht Otto ein Hilferuf vom Papst aus Rom.
- Teile des päpstlichen Kirchenstaates werden besetzt. Otto nimmt den Hilferuf aus Rom gerne an,
- denn er hofft, auch die Herrschaft über Italien zu erlangen und dazu vom Papst die Kaiserwürde.
- 962 ist es dann soweit. Mit der Krönung zum Kaiser wird Otto, zum Nachfolger
- von Karl dem Großen, zum Nachfolger der römischen Kaiser. Das ostfränkisch-deutsch- italienische Reich ist jetzt offiziell
- das Imperium Romanum, das Römische Reich. 23. September 1122, Worms
- Mit einem Vertrag liegen Kaiser Heinrich V. und Papst Calixt II. einen Streit darüber bei, wer im Reich die Bischöfe einsetzen darf.
- Dieser Vertrag, das sogenannte Wormser Konkordat, soll klären, wer mächtiger ist Kaiser oder Papst.
- Wie kommt es dazu? Wir springen zeitlich wieder zurück.
- Zwischen dem weltlichen Herrscher und dem geistlichen Kirchenoberhaupt gibt es im Römischen Reich immer wieder Probleme.
- Die Herrschaften sind vielfach aufeinander angewiesen. Die römisch deutschen Könige und Kaiser sind Schutzherren der Kirche.
- Sie bauen mithilfe der kirchlichen Strukturen in ihrem Reich so etwas wie eine Verwaltung auf.
- In den Bistümern und in den großen Klöstern setzen also weltliche Herrscher, Bischöfe und Äbte ein.
- Damit machen sie sich zugleich die Erträge der kirchlichen Ländereien zunutze. Sie bekommen zum Beispiel Abgaben in Form von Getreide.
- Die Geistlichen ersetzen einen Beamtenapparat. Sie übernehmen beispielsweise das Schreiben.
- Die Päpste wehren sich dagegen. Sie wollen, dass die Einsetzung von Kirchenämtern
- eine reine Angelegenheit der Kirche ist. Denn über Bischöfe
- und Klöster können die Päpste Einfluss auf die Politik im Reich nehmen. Zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. eskaliert
- im Jahr 1076 der so genannte Investitionsstreit. Wer die Bischöfe einsetzen darf,
- das geht so weit, dass der König den Papst loswerden will. Der Papst kommt ihm zuvor und exkommuniziert Heinrich IV.
- Also, er schließt ihn aus der Kirche aus. Heinrichs Gegner unter den mächtigen Reichsfürsten
- nutzen die Lage aus und stellen dem König ein Ultimatum „Werde den Kirchenbann los, oder wir wählen einen neuen König.“
- Heinrich bleibt nichts anderes übrig. Er bricht nach Rom auf.
- Der Papst wiederum ist gerade auf dem Weg nach Norden. Als er mitbekommt, dass Heinrich über die Alpen kommt,
- zieht er sich auf die Burg Canossa in der Nähe von Parma zurück. Heinrich baut darauf, dass ihm der Papst als Priester vergeben wird,
- wenn er als reuiger Sünder vor ihn tritt. Also unterwirft er sich im einfachen Gewand und barfuß dem Papst.
- Der lässt ihn drei Tage warten, aber dann nimmt er tatsächlich den Bann von Heinrich.
- Wir kennen dieses Ereignis heute als Gang nach Canossa, und die Redensart „Gang nach Canossa“
- steht heute noch dafür, dass jemand reumütig irgendwo hingehen muss. Der Konflikt
- geht aber trotzdem noch einige Zeit weiter hin und her bis zum Jahr 1105. Da nämlich wird Heinrich IV., der mittlerweile Kaiser ist,
- von seinem Sohn Heinrich V. zur Abdankung gezwungen. Und der einigt
- sich jetzt mit dem Papst und erkennt an, dass dieser die Bischöfe einsetzt, damit ist der Streit fürs Erste entschieden.
- Das Ansehen des römischen Kaisers hat allerdings schwer gelitten. In der Folgezeit
- wird die Kirche sehr viel eigenständiger, die Päpste werden mächtiger. So mächtig, dass sie sich sogar in die Königswahl im Römischen Reich einmischen.
- Das Reich heißt offiziell weiterhin Römisches Reich. Jetzt aber, weil der Kaiser aus der Kirche weiter herausgedrängt wurde,
- taucht die Bezeichnung „sacrum“ heilig als Kennzeichnung für das Reich auf. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts
- setzt sich dann dieser Titel durch das Heilige Römische Reich. 10. Januar 1356, Nürnberg
- Nach Beratungen auf einem Hof mit den Mächtigen des Reichs verkündet Kaiser Karl IV. mehrere Gesetze, die wichtige Regeln festschreiben.
- Heute kennt man diese Sammlung als die „Goldene Bulle“, benannt nach den goldenen Siegeln auf dem Schriftstück.
- Historiker bezeichnen sie oft sogar als „Grundgesetz des Alten Reichs“. Wie kommt es dazu?
- Kurzer Rückblick: Etwa 100 Jahre zuvor ist das Reich in Schwierigkeiten. Keine Herrscherfamilie kann sich lange im Amt halten.
- Oft wird um die Krone Krieg geführt. Zum Beispiel, wenn die Fürsten
- zwei unterschiedliche Personen gleichzeitig zum König wählen. Generell hat der König in weiten Teilen des Reichs weniger Macht,
- als wir heute vielleicht denken. Seine Herrschaft kann er nur dort durchsetzen, wo er selbst
- oder die Kirche Land besitzt oder in sogenannten Reichsstädten. In den Gebieten der konkurrierenden Dynastien,
- vor allem in den großen Kurfürstentümern kann er nur wenig oder gar nichts bewirken.
- In der Goldenen Bulle hat Kaiser Karl IV. jetzt mit den Mächtigen des Reichs etwas Wichtiges festgelegt.
- Künftig soll ein Gremium den König wählen. Die Kurfürsten: der Erzbischof von Mainz, der Erzbischof von Trier,
- der Erzbischof von Köln, der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg.
- Auch in einer weiteren Frage gibt es Einigkeit: Wer König und später eventuell Kaiser wird, das legen die Kurfürsten fest.
- Der Papst hat nichts mehr zu entscheiden. Die Kurfürsten sind die Gewinner dieser Gesetzgebung.
- Das Heilige Römische Reich wird jetzt nicht mehr von einer starken Zentralgewalt gelenkt, sondern es ist föderalistisch aufgebaut.
- Ab dem 15. Jahrhundert geht der Kaisertitel mit nur einer Ausnahme immer an das Haus Habsburg.
- Der Kaiserkandidat muss den Kurfürsten vor seiner Wahl immer eine ganze Reihe von Zugeständnissen machen.
- In einem schriftlichen Vertrag. Aber die Frage, wer jetzt wirklich mehr Macht hat,
- Die Fürsten des Reichs oder der Kaiser, die führt noch zu ziemlichen Auseinandersetzungen zum Namen des Reichs.
- Mit Beginn der Neuzeit scheiden größere Territorien aus dem Reich aus. Die Niederlande, die Schweiz und auch die italienischen Gebiete.
- Zum Teil bleiben sie zwar rein formal rechtlich Lehensgebiet des Kaisers, aber praktisch sind diese Gebiete nicht Gegenstand der Reichspolitik.
- Das Reich konzentriert sich sozusagen auf den Kern. Die Gebiete nördlich der Alpen werden inzwischen „Deutsch“ genannt.
- Deshalb lautet nun der Name des Reichs offiziell Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation.
- 24. Oktober 1648, Münster. Mit der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens in Münster und Osnabrück
- endet der 30-jährige Krieg. Auch das Heilige Römische Reich
- Deutscher Nation wird wieder auf eine feste Grundlage gestellt. Wie kommt es zu dieser Vertragsunterzeichnung?
- Der 30-jährige Krieg ist ein sehr komplexes Ereignis, weil sich in ihm mehrere Konflikte auf einmal entladen,
- weil auch ausländische Mächte mitmischen und weil verschiedene Entwicklungen ihn beeinflussen.
- Wir haben dazu auch schon mal ein Video gemacht. Wenn euch das interessiert, dann oben auf dem „i“ vorbeischauen.
- Für uns hier ist bedeutend, dass im Reich schon seit dem 16. Jahrhundert zwei Konflikte gären.
- Zum einen ein Konflikt zwischen dem Kaiser und den Fürsten darüber, wer im Reich mehr zu sagen hat
- und zum anderen spaltet seit einiger Zeit eine Frage das Reich und ganz Europa. Nach der Reformation, die Martin Luther lostritt, streiten
- Katholiken, Lutheraner und Calvinisten darum, wer den christlichen Glauben richtig auslegt.
- Das alles entlädt sich in einem Krieg. Nach langen Jahren des Verhandelns kommt es zu einem Friedensvertrag.
- Alle drei Konfessionen werden anerkannt und bekommen die gleichen Rechte. Und wenn vorher ein Landesherr seine Konfession
- wechselte, mussten das in der Regel auch die Untertanen tun. Auch das sorgte regelmäßig für Unruhe.
- Im Friedensvertrag wird jetzt festgelegt: Die Gebiete der einzelnen Konfessionen sollen so verteilt bleiben, wie sie
- im Jahr 1624, also sechs Jahre nach Kriegsbeginn, verteilt waren dem sogenannten „Normaljahr“.
- Ob der Landesherr seine Konfession wechselt, ist jetzt egal. Außerdem wird festgeschrieben:
- Der Kaiser muss mit den Kurfürsten und dem Reichstag, also der Versammlung aller mächtigen und weniger mächtigen Fürsten, Herzöge und Grafen,
- den geistlichen Herrschaften und den Reichsstädten zusammenarbeiten. Das ist nichts grundlegend Neues, aber jetzt wird das endgültig festgelegt.
- Ab 1663 tagt die Versammlung der Reichsstände, nicht nur, wenn sie zusammengerufen wird, sondern ständig.
- Nämlich in Regensburg als immerwährender Reichstag. 6. August 1806, Wien.
- Der römisch deutsche Kaiser Franz II. legt seine Kaiserkrone nieder. Er entbindet die Zitat Kurfürsten, Fürsten
- und Stände und alle Reichsangehörigen von ihren Pflichten. Bekannt gemacht wird das in den Folgetagen durch die Zeitungen.
- Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hört damit de facto auf, zu existieren.
- Aber wie kommt es dazu? Dazu auch wieder ein kurzer Rückblick.
- Tatsächlich gibt es schon länger Probleme im Reich. Das Reich kann seine wichtigsten Aufgaben nicht mehr erfüllen, nämlich
- die Kleinen vor den Großen schützen, den Frieden bewahren und äußere Feinde abwehren.
- Mitte des 18. Jahrhunderts stehen sich im Heiligen Römischen Reich
- Deutscher Nation zwei Großmächte gegenüber Österreich und Preußen. Regiert von den Häusern Habsburg und Hohenzollern.
- Große Gebiete dieser Staaten liegen außerhalb der Grenzen des Reiches. Sie sprengen praktisch den Rahmen.
- Die österreichischen Habsburger stellen mit nur einer Ausnahme seit gut 300 Jahren den Kaiser.
- Preußenkönig Friedrich der Große beginnt mehrere Kriege, um Österreich Land wegzunehmen. Das Reich ist gespalten.
- Und dann folgen die Französische Revolution und die Herrschaft von Napoleon Bonaparte.
- Napoleon will eine französische Vorherrschaft über ganz Europa errichten. Und dabei steht ihm dieses alte Reich im Weg.
- Durch militärische Siege gliedert er linksrheinische Teile des Reiches Frankreich ein.
- Um die weltlichen deutschen Fürsten zu entschädigen und um sie an sich zu binden, lässt
- Napoleon sie für diese Verluste entschädigen. Und zwar dadurch, dass die geistlichen Territorien im Reich aufgehoben werden.
- Das nennt man „Säkularisation“ und auch kleinere weltliche Herrschaften zum Beispiel Güter von Rittern, Grafschaften, Reichsstädte
- werden als eigenständige politische Territorien aufgelöst. Das nennt man „Mediatisierung“.
- Die großen Länder im Reich schlucken diese Gebiete. und das Gesetz, das das alles regelt,
- hat einen langen Namen, das heißt „Reichsdeputationshauptschluss“. Ein schöner Begriff,
- der fast genauso kompliziert ist wie das Gebilde des Reichs selbst. Napoleon gründet ein Gebilde, den sogenannten Rheinbund,
- einen Zusammenschluss von deutschen Staaten, dem auch viele beitreten und dafür dann aus dem Reich ausscheiden.
- Im Jahr 1806 setzt Napoleon Franz II. unter Druck. Wenn er die Kaiserwürde des Reiches aufgibt,
- dann wird er ihn als Kaiser von Österreich anerkennen. Wenn nicht, dann gibt es Krieg.
- Franz fügt sich. Er beendet das Reich. Er ist sozusagen derjenige, der das Licht ausmacht und die Tür absperrt.
- Früher, zurzeit des Nationalismus, galt es als schwach und kaputt. Heute sehen einige das Alte Reich sogar als ein mögliches Vorbild
- der Europäischen Union. Ein Gebilde, das bei allen Diskussionen nach innen
- eine Ordnung gibt und Rechte sichert, die man sogar vor Gericht einklagen kann. Aber kein Staat, der nach außen aggressiv auftreten kann.
- Wenn man solche historischen Parallelen zieht, dann muss man immer sehr vorsichtig sein,
- das ist ganz klar. Ich würde mich dem jetzt auch nicht komplett anschließen,
- aber ich möchte euch mal diese Sicht der Dinge mitgeben. Es ist ganz interessant. Ja, ich hoffe auf jeden Fall.
- Wir haben euch ein paar Grundzüge der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches klar machen können.
- Wenn nicht, dann schaut einfach noch mal von vorne. Gibt es denn Themen, die wir vertiefen sollen,
- außer diesem einen Thema Themen, die ein eigenes Video wert sind? Dann schreibt uns gerne in die Kommentare.
- Euer Wunsch ist uns Befehl! Ihr habt aber auch gemerkt, wie komplex das Ganze ist.
- Auf diesem Kanal gibt es noch einige andere Videos, die sich mit dem Reich befassen und die wir in diesem Video immer wieder
- gestreift haben. Wenn ihr mehr dazu wissen wollt,
- dann findet ihr hier die Playlist zum Mittelalter und außerdem verlinken wir euch noch eine Doku von Terra X.
- Da kommt er hin, wenn ihr hier klickt. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.
Zum Nachlesen
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