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Ostfrankenreich

1 Geschichte. 1.1 Niedergang des Frankenreichs; 1.2 Ostfränkische Karolinger; 1.3 Die Wahl Konrads und die Etablierung der Herzogtümer; 1.4 Heinrich I. 1.5 …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Bedeutung
  2. 2. Aufstieg und Ende der Karolingerherrschaft
  3. 3. Die ostfränkischen Karolinger
  4. 4. Konrad I. und die Stammesherzogtümer
  5. 5. Heinrich I. und Otto I.

Entstehung und Bedeutung

Das Ostfrankenreich (lateinisch Regnum Francorum orientalium) entstand 843 durch die Teilung des Fränkischen Reichs. Es war das östliche Teilreich und gilt zusammen mit großen Teilen des Mittelfrankenreichs als frühmittelalterlicher Vorläufer des Heiligen Römischen Reichs.

Im Vertrag von Verdun beendeten Lothar I., Karl II. der Kahle und Ludwig II. der Deutsche, die Söhne Ludwigs I. des Frommen († 840), ihren Machtkampf. Lothar erhielt den mittleren, Karl den westlichen und Ludwig den östlichen Teil des Reichs. Die Teilung war zunächst nur eine Aufteilung der Herrschaft und nicht das Ende eines gemeinsamen Fränkischen Reichs. Da jedoch keine dauerhafte Einigung unter einem Herrscher gelang, entwickelten sich Ost und West zunehmend auseinander.

Nach dem Tod des letzten ostfränkischen Karolingers wurde 911 Konrad I. zum König gewählt. Dies war ein wichtiger Schritt hin zu einem eigenständigen Reich. Mit der Kaiserkrönung Ottos I. am 2. Februar 962 wurde diese Entwicklung abgeschlossen; sie gilt als Beginn des Heiligen Römischen Reichs.

Aufstieg und Ende der Karolingerherrschaft

Ludwig I. der Fromme hatte 817 auf dem Aachener Reichstag durch eine Erbregelung die Einheit des Reichs sichern wollen. Eine Neuregelung zugunsten seines Sohnes aus zweiter Ehe, Karl, machte er jedoch 829 und löste damit neue innerdynastische Kämpfe aus. Der Vertrag von Verdun beendete diesen Machtkampf.

Die Auseinandersetzungen unter den Karolingern erschwerten die Abwehr äußerer Feinde. Normannen, Sarazenen und ab 899 die Magyaren verwüsteten große Gebiete. Dadurch verlor die karolingische Dynastie an Ansehen, während lokale Anführer an Bedeutung gewannen. Die Wiedervereinigung des Reichs unter Karl III. dem Dicken blieb eine kurze Episode: Nach dem Tod seiner Brüder und der westfränkischen Könige Ludwig III. und Karlmann konnte er ab 885 das Reich Karls des Großen wieder vereinen. Wegen seiner Epilepsie und seines Unvermögens, die Normannen wirksam abzuwehren, verlor er jedoch seine Stellung und wurde von Arnulf von Kärnten abgesetzt.

Auch im Westen wurde mit Odo von Paris ein Nichtkarolinger König. Dennoch suchten Odo und sein Gegenspieler Karl der Einfältige ihre Herrschaft durch Arnulf zu legitimieren. Arnulf wurde 896 zum Kaiser gekrönt, starb aber 899. Sein siebenjähriger Sohn Ludwig IV. das Kind wurde 900 zum König gewählt. Während seiner faktisch von Geistlichen und Adligen, unter anderem Erzbischof Hatto von Mainz, ausgeübten Herrschaft nahmen die Ungarneinfälle zu. Ludwig starb bereits 911.

Die ostfränkischen Karolinger

Das Gebiet Ludwigs des Deutschen war kleiner und weniger entwickelt als die westlichen Reichsteile. Einen Ausgleich bildete sein uneingeschränktes Recht zur Ernennung von Bischöfen. Regensburg und Frankfurt wurden durch Pfalzkapellen zu Zentren seines Reichs. Durch Heiratspolitik band Ludwig den ostfränkischen Adel an seine Dynastie und verankerte seine Familie in den verschiedenen Stammesgebieten.

Eine weitere Missionierung und Expansion nach Osten war zunächst nicht möglich. Die Massentaufe böhmischer Adliger 845 und die Einsetzung des christlichen Rastislav in Mähren 846 konnten die nur nominelle Oberhoheit der Karolinger nicht sichern. Nach Lothars Tod 855 kam es zu Konflikten mit Karl dem Kahlen über die mittleren Gebiete und die Kaiserwürde. Im Vertrag von Meerssen wurde 870 das spätere Lothringen geteilt; im Vertrag von Ribemont fiel es 880 vollständig an das Ostreich. Karl der Kahle wurde 875 mit Unterstützung Papst Johannes’ VIII. zum Kaiser gekrönt, während Ludwig der Deutsche 876 starb.

Nach Ludwigs Bestimmung wurde das Ostfrankenreich unter seinen Söhnen Karlmann († 880), Ludwig III. dem Jüngeren († 882) und Karl III. dem Dicken aufgeteilt. Arnulf von Kärnten, ein illegitimer Sohn Karlmanns, setzte Karl den Dicken ab und wurde 887 König sowie 896 Kaiser. Nach Arnulfs Tod wurde sein Sohn Ludwig das Kind König. Die Karolinger hatten damit so stark an Autorität verloren, dass 911 ein Nichtkarolinger gewählt werden konnte.

Konrad I. und die Stammesherzogtümer

Obwohl Karl der Große die älteren Stammesherzogtümer aufgelöst hatte, lebten die Bewohner des Ostfrankenreichs weiterhin nach unterschiedlichen Stammesrechten. Ludwig der Deutsche verstärkte diese Gliederung, indem er seine Söhne als Teilkönige in den alten Stammesgebieten einsetzte.

Die Abwehrkämpfe gegen Normannen und Ungarn stärkten mächtige lokale Adlige, die häufig als Anführer ihrer Stammesverbände kämpften. In Sachsen und Bayern erlangten sie früh eine übergeordnete Stellung als Herzöge; ab etwa 900 strebten auch Adlige in Schwaben und Franken nach einer solchen Stellung. Beim Tod Ludwigs des Kindes 911 bestanden bereits drei etablierte Stammesherzogtümer in Sachsen, Franken und Bayern. Ihre Herzöge wählten den Franken und Nichtkarolinger Konrad I. zum gemeinsamen König, weil keiner allein den äußeren Feinden gewachsen war. Lothringen schloss sich damals dem Westreich an. Aus dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Abwehr entwickelte sich ein eigenständiges Reich mit den Stammesherzogtümern Franken, Sachsen, Bayern, Schwaben und seit 925 Lothringen.

Konrad I. konnte seine Herrschaft jedoch nicht dauerhaft gegen die Herzöge durchsetzen. Der Versuch, Lothringen zurückzugewinnen, scheiterte. 913 kämpften der bayerische Herzog Arnulf und der Schwabe Erchanger gegen die Ungarn, während Konrad untätig blieb; dadurch verlor er weiter an Ansehen. Auch gegen Herzog Heinrich von Sachsen blieb er erfolglos. Kurz vor seinem Tod 918 bewog Konrad seinen Bruder Eberhard, auf die Nachfolge zu verzichten und Heinrich zu unterstützen.

Heinrich I. und Otto I.

Heinrich I., 919 von Sachsen und Franken zum König gewählt, ging vorsichtiger mit den Herzögen um. Mit Arnulf von Bayern und Burchard von Schwaben einigte er sich bis 920 kampflos. Sie erkannten ihn an und behielten dafür das wichtige Verfügungsrecht über die Kirche. 925 eroberte Heinrich Lothringen. Nach einem Ungarneinfall 926 erreichte er durch die Gefangennahme eines ungarischen Fürsten einen neunjährigen Waffenstillstand.

Auf dem Wormser Reichstag von 926 wurden eine Burgenordnung erlassen und der Heerbann reorganisiert. Heinrich befriedete in mehreren Feldzügen die Slawen, besiegte 933 die Ungarn bei Riade und erreichte 935 die Anerkennung seiner Herrschaft über Lothringen durch den westfränkischen König. Vor seinem Tod 936 bestätigten die Herzöge die Nachfolge seines Sohnes Otto.

Otto I. wurde 936 in Aachen gewählt. Nach Rebellionen seiner Brüder Thankmar und Heinrich, einem Slawenaufstand und einem Konflikt mit dem bayerischen Herzog setzte er sich bis 939 durch. Das uneingeschränkte Nachfolgerecht des ältesten Sohnes wurde gestärkt und die Herzogtümer neu geordnet: Sachsen und Franken blieben unmittelbar beim König, während Heinrich in Lothringen eingesetzt wurde. Bayern und Schwaben wurden durch Heiraten mit der Dynastie verbunden.

950 griff Otto in Italien ein, übernahm die langobardische Königswürde und heiratete Adelheid. Wegen des Aufstands seines Sohnes Liudolf musste er zunächst zurückkehren. 955 besiegte Otto die Ungarn auf dem Lechfeld vor Augsburg. 961 begann sein zweiter Italienzug; am 2. Februar 962 wurde er zum Kaiser gekrönt. Im dritten Italienzug von 966 bis 972 gründete er mit päpstlicher Genehmigung das Erzbistum Magdeburg, förderte die Expansion nach Osten und ließ seinen Sohn Otto Theophanu, eine byzantinische Prinzessin, heiraten. Als Otto 973 starb, war die hegemoniale Stellung des neuen Heiligen Römischen Reichs in Europa begründet.

Auf Otto I. folgten als Könige und Kaiser Otto II. (Mitkönig ab 961, Mitkaiser ab 967, Alleinherrscher ab 973), Otto III. (König ab 983, Kaiser ab 996, zunächst unter der Regentschaft von Theophanu und Adelheid) und Heinrich II. (König von 1002 bis 1024, Kaiser ab 1014).

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