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Buddhismus

→ Hauptartikel: Vier Edle Wahrheiten und Edler Achtfacher Pfad. Dharma (Sanskrit) bzw. Dhamma (Pali) bezeichnet im Buddhismus im Wesentlichen zweierlei: Die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Ziel
  2. 2. Siddhartha Gautama
  3. 3. Zentrale Lehren und Praxis
  4. 4. Erwachen, Nirwana und Meditation
  5. 5. Schulen und Überlieferungen
  6. 6. Geschichte, Verbreitung und Feste

Grundidee und Ziel

Der Buddhismus ist eine der großen Weltreligionen und hat je nach Quelle und Zählweise zwischen 230 und 500 Millionen Anhänger; an anderer Stelle wird die Zahl näherungsweise mit 450 Millionen angegeben. Er entstand in Indien und ist heute besonders in Süd-, Südost- und Ostasien verbreitet. Seit dem 19. Jahrhundert fasste er auch in westlichen Ländern Fuß.

Der Buddhismus ist keine theistische Religion: Im Mittelpunkt steht nicht die Verehrung eines allmächtigen Gottes. Seine Lehren beruhen auf philosophischen Überlegungen, Regeln für die Lebensführung, Meditation und daraus gewonnenem Erfahrungswissen. Es gibt Klöster, religiöse Gemeinschaften und Formen der Volksfrömmigkeit, aber keine zentrale Autorität, die für alle verbindliche Dogmen festlegt.

Alle buddhistischen Richtungen berufen sich auf Siddhartha Gautama, den „historischen Buddha“. „Buddha“ bedeutet „der Erwachte“. Das Erwachen, Bodhi, ist eine befreiende Einsicht in die Grundbedingungen des Lebens, durch die leidhaftes Dasein überwunden werden kann. Ziel der buddhistischen Praxis ist es, diese Erkenntnis nachzuvollziehen und Nirwana zu verwirklichen. Empfohlen wird ein Mittlerer Weg, der sowohl selbstzerstörerische Askese als auch ungezügelten Hedonismus und allgemein radikale Extreme vermeidet.

Wer Zuflucht zu den Drei Juwelen nimmt, bekennt sich zu Buddha, Dharma und Sangha. Buddha bezeichnet den Erwachten beziehungsweise den Zustand des Erwachens, Dharma die Lehre und den Weg dorthin, Sangha die Gemeinschaft der Praktizierenden. Diese umfasst Laien sowie ordinierte Mönche und Nonnen. Der Buddha wird verehrt, aber nicht im engeren Sinne als Gott angebetet.

Siddhartha Gautama

Siddhartha Gautama lebte in Nordindien vermutlich im 6. und möglicherweise noch im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. Seine Lebensdaten sind umstritten. Die traditionelle Datierung 563–483 v. Chr. wird heute kaum noch vertreten; gegenwärtige Forschungsansätze datieren seinen Tod ungefähr zwischen 420 und 368 v. Chr.

Nach der Überlieferung wurde Siddhartha in Lumbini im Fürstentum Kapilavastu, heute ein Teil Nepals, als Sohn des Herrscherhauses der Shakya geboren. Daher heißt er auch Shakyamuni, „Weiser aus dem Hause Shakya“. Mit 29 Jahren erkannte er, dass Reichtum und Luxus kein dauerhaftes Glück sichern und dass Altern, Krankheit, Tod und Schmerz zum Leben gehören. Nach sechs Jahren der Askese, des Studiums und der Meditation fand er den Mittleren Weg. Im Alter von 35 Jahren erlebte er unter einer Pappelfeige in Bodhgaya das Erwachen.

In Isipatana, dem heutigen Sarnath, hielt er seine erste Lehrrede und setzte damit bildlich das „Rad der Lehre“, das Dharmachakra, in Bewegung. Anschließend zog er lehrend durch Nordindien und gründete eine vierfache Gemeinschaft aus Mönchen (Bhikkhu), Nonnen (Bhikkhuni), männlichen Laien (Upāsaka) und weiblichen Laien (Upasika). Er starb der Überlieferung zufolge im Alter von etwa 80 Jahren; mit seinem angenommenen Todesjahr beginnt die buddhistische Zeitrechnung.

Zentrale Lehren und Praxis

Grundlage sind die Vier Edlen Wahrheiten:

• Das Leben ist gewöhnlich von dukkha geprägt. Der Begriff umfasst Leiden wie Geburt, Alter, Krankheit und Tod, aber auch Unbefriedigtsein und Frustration, etwa durch das Festhalten an vergänglichem Glück.

• Leiden entsteht abhängig von Ursachen, besonders von den Drei Geistesgiften Gier, Hass und Unwissenheit beziehungsweise Verblendung.

• Weil Leiden Ursachen hat, kann es beendet werden, wenn diese Ursachen aufgelöst werden. Damit ist vollständige Freiheit von Leiden, Geburt und Tod möglich.

• Der Weg dorthin ist der Edle Achtfache Pfad: rechte Erkenntnis, rechte Absicht, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechte Übung, rechte Achtsamkeit und rechte Meditation. „Recht“ bedeutet dabei die Übereinstimmung mit den Vier Edlen Wahrheiten und der Vermeidung von Leiden.

Der Pfad verbindet Einsicht, ethisches Verhalten und geistiges Training. Dazu gehören die Fünf Silas als Tugendregeln, Samadhi als meditative Sammlung oder „Versenkung“, Mitgefühl mit allen Wesen und Prajna, die umfassende Weisheit.

Dharma beziehungsweise Dhamma bezeichnet einerseits die Lehre Buddhas und andererseits die Gesamtheit der Erscheinungen und der ihnen zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten. Das „bedingte Entstehen“ beschreibt in einer Kette von zwölf miteinander verbundenen Elementen, dass alle Phänomene dynamisch voneinander abhängen. Seine Kurzform lautet: „Dieses ist, weil jenes ist“.

Karma bedeutet „Tat, Wirken“. Gemeint sind Handlungen, Gedanken und Gefühle sowie ihre moralischen Rückwirkungen auf den Handelnden. Sie können gutes, schlechtes oder neutrales Karma hervorbringen. Gutes und schlechtes Karma halten den Kreislauf von Tod und Geburt, Samsara, in Gang. Dieser umfasst alle Existenzformen von Höllenwesen bis zu Göttern. Ziel ist, die karmischen Kräfte zu überwinden und kein neues Karma mehr zu erzeugen. Besonders für Laien stand häufig das Sammeln guten Karmas im Vordergrund; erworbenes Verdienst kann nach verbreitetem Glauben rituell auf andere, auch Verstorbene oder ganze Nationen, übertragen werden.

Der Buddhismus verneint ein dauerhaftes persönliches Selbst oder eine ewige Seele. Diese Lehre heißt anattā beziehungsweise anātman, „Nicht-Selbst“. Eine Persönlichkeit besteht aus fünf Gruppen: Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Geistesregungen und Bewusstsein. Sie ist kein unveränderlicher Wesenskern, sondern ein Vorgang ständigen Werdens, Wandels und Vergehens. Wiedergeburt bedeutet deshalb keine Seelenwanderung und kein Weiterwandern eines dauerhaften Bewusstseins. Unpersönliche karmische Impulse einer Existenz prägen eine spätere Existenzform mit.

Erwachen, Nirwana und Meditation

Bodhi ist das „Erwachen“, häufig ungenau als „Erleuchtung“ bezeichnet. Es setzt das vollständige Verständnis der Vier Edlen Wahrheiten und die Überwindung aller bindenden Bedürfnisse, Täuschungen und karmischen Kräfte voraus. Die Tradition unterscheidet drei Formen: Pacceka-Bodhi wird ohne Lehrer aus eigener Kraft erreicht; ein so Erwachter heißt Pratyeka-Buddha. Savaka-Bodhi entsteht mit Hilfe von Lehrern; der Erwachte heißt Arhat. Samma-Sambodhi ist das Erwachen eines „Vollkommen Erwachten“, der als vollkommen mitfühlende und allwissende Form eines Buddha gilt. Der historische Buddha Shakyamuni wird so eingeordnet.

Nirwana beziehungsweise Nibbana ist die höchste Verwirklichungsstufe des Bewusstseins, in der Ich-Anhaftung und alle Vorstellungen oder Konzepte erloschen sind. Es ist weder ein Ort noch ein Himmel, kein Jenseits und kein „Nichts“. Es kann sprachlich und mit dem Alltagsverstand nicht vollständig erfasst, sondern nur durch intensive Meditation und dauerhafte Achtsamkeit erfahren werden. Der Buddha lebte und lehrte nach dem Erreichen des Nirwana noch 45 Jahre. Das endgültige „Verlöschen“ nach dem Tod heißt Parinirvana.

Für die Praxis genügen weder bloßes intellektuelles Verständnis noch ethisches Verhalten allein. Buddhistische Schulen entwickelten zahlreiche Meditationsformen, darunter Atembeobachtung, Liebende-Güte-Meditation (metta), Mantra-Rezitation, Gehmeditation, Visualisierung und thematische Kontemplation. Ziele sind die Beruhigung und Sammlung des Geistes (samatha), klare und tiefe Einsicht (vipassana), Mitgefühl, Achtsamkeit und die schrittweise Auflösung leidvoller Ich-Verhaftung.

Achtsamkeit bedeutet, vollständig im gegenwärtigen Augenblick zu verweilen und körperliche sowie geistige Erscheinungen wach, bewusst und ohne Wertung wahrzunehmen.

Schulen und Überlieferungen

Die drei Hauptrichtungen sind Hinayana, Mahayana und Vajrayana. Der Ausdruck Hinayana, „Kleines Fahrzeug“, stammt aus dem Mahayana und wird von den damit bezeichneten Schulen abgelehnt. Von seinen Traditionen besteht heute nur noch der Theravada. In allen Hauptrichtungen tragen monastische Orden wesentlich zur Bewahrung und Weitergabe der Lehre bei.

Theravada, „Lehre der Ordens-Älteren“, stützt sich ausschließlich auf die ältesten erhaltenen Schriften im Tipitaka oder Pali-Kanon. Dieser „Dreikorb“ besteht aus dem Vinaya mit den Ordensregeln, dem Sutta mit den Lehrreden Buddhas und dem Abhidhamma mit der philosophischen Systematisierung. Im Mittelpunkt stehen die Befreiung des Einzelnen aus eigener Kraft nach dem Arhat-Ideal und die Erhaltung der Sangha. Theravada ist besonders in Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha verbreitet.

Mahayana, „Großes Fahrzeug“, entwickelte sich im Zusammenhang mit der Mahasanghika nach dem zweiten Konzil. Neben dem Tripitaka verwendet es weitere Sutras, darunter Diamant-, Herz- und Lotos-Sutra sowie die Sutras vom Reinen Land. Zentral ist das Bodhisattva-Ideal: Bodhisattvas haben Bodhi erfahren, verzichten aber auf den Eintritt ins Parinirvana, um allen Wesen beim Erwachen zu helfen. Wichtige Schulen sind Zen-, Nichiren- und Amitabha-Buddhismus.

Vajrayana, „Diamantfahrzeug“, gilt meist als Teil des Mahayana. Es ergänzt dessen Grundlagen durch tantrische Techniken, die den Weg zum Erwachen beschleunigen sollen: Meditation, Visualisierung, Mantras, Rituale, Einweihungen und Guruyoga. Viele Lehren werden schrittweise und direkt vom Lehrer zum Schüler übertragen. Der Dalai Lama ist eine wichtige Autorität des tibetischen Buddhismus. Dessen vier Hauptschulen sind Nyingma, Kagyü, Sakya und Gelug. Vajrayana ist außer in Tibet unter anderem in Bhutan, Nepal, der Mongolei, Japan, China, Teilen Indiens und Russlands verbreitet.

Geschichte, Verbreitung und Feste

Nach Buddhas Tod wurden Lehre und Ordensregeln zunächst mündlich weitergegeben. Beim ersten Konzil in Rajagarha, drei Monate nach seinem Tod, berieten die Schüler über Dhamma und Vinaya. Etwa 100 Jahre später behandelte das zweite Konzil in Vesali vor allem unterschiedliche Auslegungen der Ordensregeln. Dabei und später entstanden bis zu 18 Schulen. Die ersten beiden Konzile werden von allen buddhistischen Schulen anerkannt; der Sinologe Helwig Schmidt-Glintzer hält ihre Historizität jedoch für unwahrscheinlich.

Das dritte Konzil fand im 3. Jahrhundert v. Chr. unter König Ashoka in Pataliputra statt. Es sollte die Lehre vereinheitlichen. Das dort entstandene Kathavatthu wurde ein Kernstück des Abhidhammapitaka. Zusammen mit Suttapitaka und Vinayapitaka bildet dieses den Pali-Kanon.

Unter Ashoka verbreitete sich der Buddhismus über Indien hinaus. In Gandhara entstand unter indischen und hellenistischen Einflüssen die graeco-buddhistische Kultur. Über Sri Lanka gelangte die Lehre nach Südostasien; über Zentralasien und die Seidenstraße erreichte der Mahayana China, Korea und Japan. In Ostasien entstanden unter anderem Chan, Zen und Amitabha-Buddhismus. Im Himalaya entwickelte sich der Vajrayana. Ab dem 12. Jahrhundert verschwand der Buddhismus aus den meisten Gebieten Indiens. Als Gründe nennt der Artikel die gegenseitige Durchdringung mit dem Hinduismus sowie die muslimische Invasion, bei der Mönche getötet und Klöster zerstört wurden.

Heute dominiert Theravada in großen Teilen Südostasiens, Mahayana besonders in Ostasien und Vajrayana im Himalaya und in der Mongolei. Die angegebenen Bevölkerungsanteile schwanken teilweise stark, etwa für Japan zwischen 20 und 67 Prozent. Seit dem 19. und besonders dem 20. Jahrhundert verbreitete sich der Buddhismus auch in Europa, den USA und Australien. Im Westen bestehen viele Richtungen nebeneinander; Achtsamkeit wird dort häufig aus ihrem religiösen Zusammenhang gelöst und therapeutisch oder zur Selbstoptimierung genutzt. Österreich erkannte den Buddhismus 1983 als Religion vollständig staatlich an; in Deutschland und der Schweiz besitzen buddhistische Gemeinschaften keinen öffentlich-rechtlichen Status. In Afrika und Lateinamerika ist der Buddhismus deutlich weniger verbreitet.

Feste werden unter anderem als Puja, Prozession oder Volksfest gefeiert. Der höchste Feiertag ist Vesakh beziehungsweise Visakha Puja Ende Mai oder Anfang Juni; er erinnert an Geburt, Erwachen und Eintritt Buddhas ins Nirwana. Uposatha dient regelmäßig alle fünf bis sieben Tage der inneren Einkehr und Erneuerung der Praxis. Asalha Puja erinnert im Juli an die erste Lehrrede. Vassa ist eine dreimonatige Rückzugszeit der Mönche von Juli bis Oktober. Termine richten sich teils nach dem Lunisolarkalender, teils nach festen Daten des Sonnenkalenders.

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