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Zen-Buddhismus – Warum sollten wir zur Ruhe kommen? | Sternstunde Religion | SRF Kultur
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 172 Zeilen
- [Musik] Guten Tag. Gehe auf einem Bergpfad mit 99 Kurven geradeaus. Mit solchen Sätzen meditiert man im
- Zenbuddhismus und ja, sie sind verwirrend, aber mein heutiger Gast ist Zennmeister und Jesuit Niklaus Brandschen. Er weiß, wie man auf einem
- solchen Pfahrt mit 99 Kurven gerade ausgeht oder Herr Branschen? Ganz ganz einfach, Schritt um Schritt, Atemzug um Atemzug
- und dann kommt man gerade aus und dann kommt man auf den Gipfel, dann kommt man zum Ziel. Was ist denn der Sinn dieser sogenannten
- Kans dieser doch oft sehr unverständlichen, ja, fast schon paradoxen Sätzen? Koran helfen einem aus der Illusion des
- Getrenntseins herauszukommen. Wir trennen ja gerne Subjekt, Objekt, innen, außen, ich, Welt. Und die Tatsache ist, dass alles eins ist,
- verbunden, vernetzt, verschwistert. Das bisschen die Bäume, die verbinden sich unter der Erde. Das weiß das Wetter.
- Denken wir an den Schmetterlingsseffekt. Ein Schmetterling löst, verändert das Wetter aus und so sind wir verbunden vernetzt eins.
- Und sen will durch diese komischen Sätze hindurch auf diese Einheit hin uns in Bewegung bringen. Mhm. Jetzt sitzen wir hier ja auch in
- einem Zenmeditationsraum im Badschönbrunn im Lasalhaus. Sie haben das mitbegründet, haben das ganz lange auch geleitet. Das vergangene Jahr hat
- uns geprägt durch Stille, vielleicht auch Innerlichkeit. Im Grunde genommen wäre das doch eine extrem gute Zeit, um Zen zu üben, oder? Außer wenn es jetzt
- eben von außen aufgedrückt ist. Sie sagen mit Recht im Grunde genommen. Und für viele ist es auch so. Für viele ist diese auferlegte
- Auszeit. eine Chance, dass sie weniger Reisen mehr Zeit haben, mehr Zeit haben für die Pflege der Innerlichkeit. Es gibt die
- anderen, für die ist das sehr schwierig, diese Zeit der Isolation, die Unsicherheit, die Probleme, die damit verbunden sind, auch häuslicher Art,
- finanzieller Art. Aber es gibt andere, die sagen, in dieser in dieser Zeit habe ich mehr zu mir gefunden. Das finde ich ganz spannend, was Sie jetzt ansprechen,
- weil genau den Eindruck habe ich auch, es gibt doch die Stille, die einem auch reicher macht, z.B. eben wenn man hier für längere Zeit schweigt eben und dann
- die Stille, die viele Leute auch zu heiße erlebt haben, die mit Einsamkeit verbunden wird. Das ist eine qualitative Differenz.
- Ja, es gibt verschiedene Qualitäten der Stille. Also das einmal kann man unterscheiden zwischen Vereinsamung, einsam und Stille. Das ist nicht
- dasselbe. Allein sein heißt noch nicht bei sich sein. Es kann zur Vereinsamung führen. Allein sein kann aber auch zu sich
- führen. Und dann gibt es da noch einmal verschiedene Tiefen der Stille. Es gibt die sogenannte, ich nenne das gefühlte Stille, wenn alles so still ist, wenn
- wir zur Ruhe kommen, so wie jetzt hier in diesem Raum. Aber es gibt sozusagen noch eine Stille hinter der Stille,
- die wir nicht begreifen können, nicht erfassen können, die umfängt uns, die begreift und fasst uns, die ist größer. Und das ist das, was ich vorhin sagte,
- mit der Dimension, in die wir hinein reichen, im Schweigen, in der Übung, wo Einheit ist kein Kommen und kein gehen, kein vorher und kein nachher
- Raumfreiheit, Zeitfreiheit oder eben auch Stille. Und um diese Stille geht's im letzten, also um die Stille hinter der Stille
- letztlich sozusagen. Ja. Ja. Wie haben Sie denn für sich selber die Stille entdeckt als eben auch
- Schatz? Es braucht Zeit. Es braucht Zeit. Aber ich darf sagen, ich hatte eine gewisse Affinität zur Stille durch meine
- Herkunft in den Bergen. Sie kommen ja aus dem aus dem Dorf Rand im Mattatal im Walles, im Oberwalles und da gibt es Berge und
- wenn man sich bewegen will, kann man nur die Wände hoch, sozusagen die Hänge hoch und ich bin viel allein oder mit anderen unterwegs gewesen, Wanderungen gemacht.
- So wie ich schon anfang sagte, da habe ich Schritte machen gelernt, Schritt um Schritt, Atemzug und Atemzug. Da habe ich eine erste Affinität zur Stille
- bekommen. Jetzt ist doch die Stille ähm im Zenbuddhismus auch so wichtig, weil die Meditationsform auch ohne Gedanken, ohne
- Worte, ähm ohne Bilder gewissermaßen ist. Also es geht auch um ein radikales Nichts. Heißt das im Umkehrschluss, dass die dass die Sprache uns vor der
- Versenkung hindert? die Sprache nicht unbedingt, aber das Gerede und das Gedue und das Gehabe. Wenn ich darauf aus bin, ständig zu
- pala, zu reden, etwas zu tun und zu haben, dann komme ich keinen Schritt weiter, weil das eine andere
- Qualität ist. Das Meditieren lässt dieses Tun, das äußere Tun vorübergehend los, geht in die absolute Freiheit des
- Tuns, in das nicht tun, auch nicht sein. Und aus dieser Lehre, wie wir im Sinn sagen, Unendlichkeit schöpfen wir. Aus dem Nichts kommt etwas Neues.
- Ich habe mich gefragt, weil genau ja die Stille auch verschiedene Qualitäten ähm hat, was mögen Sie lieber, die Stille des frühen Morgens oder die Stille der
- Nacht? Interessant. Das habe ich mich nie gefragt. Äh beides hat seine seine
- Qualität. in der Früh äh wenn ich aufwache und etwa jetzt die Vögel höre, dann stört das eben diese Stille nicht, sondern
- unterstreicht sozusagen die Stille und der Abend in der Dämmerung, wenn die äh der Tag hinter mir liegt, ist auch ist auch okay. Stille ist dann keine
- Tageszeit gebunden und keine Nachtzeit. Wenn sie tief genug ist, können sie immer stiller sein. Aber was Sie jetzt gesagt haben, heißt
- nur der Mensch macht Lärm. Die Tiere machen keinen Lärm. Sehr gut gesagt. Ich denke, die Tiere bewegen sich, die machen
- Geräusche, das die pfeifen, das knackt, wenn sie laufen. Das ist nicht Lärm. Lärm entsteht, wenn wir etwas
- tun, was nicht so ganz uns in unserem Innersten entspricht, wenn wir herum wursteln, wenn wir hantieren. Aber ein ruhiges Arbeiten
- bricht die Stille nicht, stört die Stille nicht. Wenn ich hier im Haus, meditiere auch mit Gruppen und es wird etwa das Haus gereinigt, man hört so
- einen Besen irgendwo an einer Wand anippen, das gehört zum Tagesablauf. Aber Lärm entsteht oder wir empfinden
- etwas als Lärm, wenn es so hastig ist, gehetzt, unruhig, äh unmotiviert. Ja, es ist manchmal mühsam.
- Wenn man sie so reden hört, dann fragt man sich, suchen Sie sich die Freunde auch danach aus, wie gut sie mit ihnen schweigen können?
- Sie stellen Fragen nicht bewusst. Aber sicher ist, wenn ich das jetzt so zu mir nehme, Mhm.
- Äh ich schweige gerne beim Laufen z.B. mit Gruppen oder auch zu zweit immer fast immer auch eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde ist Schweigen dabei.
- Mhm. Und das ihre Begleiter gut, weil sie sind ja Experte gut und das verbindet verbindet mehr als
- wenn ständig geredet wird. Das ist so ein eine Qualität, eine Schwingung der Verbundenheit wieder Stille als Qualität, die verbindet, die nachher das
- Gespräch verändert, dem Gespräch mehr Tiefe gibt, neue Wendungen gibt. Wenn Stille ja verbindet, dann müssten wir jetzt gewissermaßen ein stilles
- Gespräch führen, bestenfalls oder wenn wir uns miteinander verbinden wollen. Aber wir haben vorhin vor dem Beginn hier uns schon hingesetzt,
- waren in der Maske sehr ruhig, sehr still und das verbindet. Wir sind so verschieden, Frau Relin, sie sind ganz anders, ich bin ganz anders. Aber durch
- dieses Schweigen, diesen Raum, der verbindet auch entsteht Gemeinsamkeit und Einzigartigkeit. Mhm. Wir sind nicht nur eins, wir sind
- verschieden und dank der Erfahrung, der Einheit in Verschiedenheit auch einzigartig. Das erinnert mich dann wieder an das
- Koren von Vom Beginn. Ich habe mich eben gefragt, das ein stilles Gespräch führen, das ist ja auch schon etwas Paradoxes in in einem gewissen Sinne.
- Könnte das auch ein Choren sein? Oder ein ein ähm Zuschauer hat mir im Vorfeld auch geschrieben, was macht denn eigentlich einen Choransatz aus? Kann
- jeder einen solchen Satz produzieren oder wie erkennt man ein richtiges Chor? Das Leben ist voller Koran, voller spannungsgeladener Sätze.
- Z.B. Ich frage, ich sage jetzt ein anderes Korn. Was war ihr Angesicht bevor ihre Eltern geboren wurden? Wie waren sie vor der Zeit der Eltern? Und
- da merken Sie plötzlich, wenn Sie das lösen, dass etwas in ihnen ist, das unzerstörbar ist, das nicht an Zeit
- gebunden ist. Wie sagt, der übrigens von sehisten sehr ernst viel studiert wird, Meister Ecker hat. Es ist etwas in der Seele, das
- nicht geschaffen wurde und nicht zerstört werden kann. Das ist das, was bleibt, was ewig ist. Und das ist so ein ein Korn. Wie löse ich das? Wie erfahre
- ich, dass ich ewig bin? Aber wie lösen Sie das? Wie haben Sie das gelöst? Im stillen Sitzen
- oder auf Wanderungen offenbar auch. Jetzt sind Sie ja nicht nur Zenmeister, sondern sie sind auch jesuit. Was sehen Sie denn konkret als das Verbindende der
- christlichen Spiritualität und das Z? Weil für mich intuitiv denke ich an z.B. Gott als Fülle, wie er im Barock gefeiert wird mit doch auch einer
- verglichen jetzt mit mit dem Zen, wo wo wir eben wir zuvor besprochen haben, wo es auch um das Nichts geht, um die Lehre, das ist für mich ein Widerspruch.
- Es kann als Wier Widerspruch erscheinen, entweder oder. Aber im Sen gibt es eben nicht Widersprüche. Sie sind Philosophin. Sie kennen das
- Widerspruchsprinzip. Wie geht das? Was meinen Sie? Das ist vom ausgeschlossenen Dritten? Also entweder ja oder nein gewissermaßen.
- Ja, genau. Entweder ja oder nein. Mit Aristoteles. Im Sinn ist nicht entweder ja oder nein. Da ist und also ein Beispiel, da kommt
- einer zu einem zu einer Beerdigung und sagt, ist er tot? D sagt er ja. Kommt ein anderer. Lebt er? Und da kommt die Antwort: Ja.
- Mhm. oder ein anderes Wort. Am Ende der Zeiten wird es es groß geschrieben vergehen. Die Antwort ja, es vergeht. Alles vergeht. In einem anderen Choren
- heißt es, wenn die Zeit vorbei ist, wird es das Umfassende das Ganze auch verschwinden. Nein, es bleibt je nachdem. Je nachdem. Offensichtlich
- hat das Leben ein Ende. Es stirbt tot. Und dann aber und auch wieder das ist eine Herausforderung es zu erfahren. Es ist etwas was unzerstörbar ist. Es
- bleibt und insofern ja und nein. Und vielleicht noch der erste Jesuit, der nach Japan kam, Franz Safir, der hat lange diskutiert mit einem Senapt über
- Tod. und Auferstehung und so und der schreibt zurück der Franz eigenartig dieser Ninschit, so hieß der Mönch, der sagt manchmal ja, manchmal nein,
- aber er ist mein Freund. Jetzt haben Sie es aber elegant gelöst. Trotzdem, wenn Sie jetzt uns ein Beispiel geben möchten, wo genau Sie
- selber in ihrem auch lebensvollzugend ihrer ganzen Begegnung auch mit dem Zen, sie waren ja oft auch in Japan, wo sehen Sie denn konkret das Verbindende?
- Das Verbindende z.B. auch zum für mich als Jesuit ja, ist das totale radikale Ernstnehmen vom
- Detail. Also sehen bleibt nicht in der Innerlichkeit stecken. Ist doch ein Grund, warum wir mit offenen Augen
- meditieren. Wir schließen nicht ab. Wir äh ziehen uns nicht in die Innerlichkeit zurück bei der Übung. Ja, aber dann kaum ist die Übung fertig, stehen wir
- auf und stellen uns der Situation der Wirklichkeit. ganz großes Ernst nehmen von allem und jedem, von jedem Detail und das entspricht
- dem Ignatius von Loiola, der wirklich durch die lange Schulung auch durch eine tiefe Erfahrung, die ähnlich ist wie eine Snerfahrung
- überall und in allem Gott gefunden hat. Man kann Gott, sagt er, überall finden. Und ich sage pointiert, man kann Gott überall finden, sogar im Gebet.
- [Gelächter] Ja, das ist wunderbar. Jetzt frage ich mich trotzdem, sehen Sie nicht, dass es auch
- ein Problem gewissermaßen geben könnte von einer Vereinnahmung ähm vielleicht sogar von einer Form von Kolonialisierung von einer anderen
- Kultur. Das ist bestimmt ein Vorwurf, den Sie auch oft hören, weil Sie das so verbinden auch hier im Haus. Genau. Ich hole ganz kurz aus. Hier sind
- wir im Sendor im Meditationsraum. Den habe ich vor 15 Jahren eingerichtet bei einer Neupositionierung. Da kam ein französischer Mitbruder sah
- diesen Raum und sagte tja set an die Schamp an. Er wollte sagen, dass der Vorraum fürs eigentliche und dann sagte ich nün scham. Dieser Raum hat
- Gültigkeit in sich. für sich. Ja. Und dann imselben Haus, unter demselben Dach eine katholische Kapelle, das ordnen wir zu, aber es ist nicht
- sozusagen instrumentalisiert, dass Sen so als Instrument dient, um das Christentum aufzumöbeln. Da wehre ich mich dagegen,
- sondern es sind zwei Wirklichkeiten wie zwei Hände, nehmen wir mal Ost und West. Und die kommen zusammen.
- Nicht zwei, nicht eins ist die Formel 2 ein oder die Hände von Albrecht Dürel die betenden Händ mein kopierte H Motiv von Dürel und
- diese Hände sind so zum verblüffen ähnlich oder selbe wie das Gascho. Das Gcho. Gcho heißt wörtlich aneinander gelegte
- Hände. wird im Sinn immer wieder benutzt ein Ausdruck des Respekts der Achtung voreinander. Wenn ich mich vor ihnen verbeuge, ist das ein Ausdruck der
- Dankbarkeit, der Achtung. Und so diese Haltung, ob im Ost oder West vollzogen, ist menschlich. Und auf diesen Wegen, auf diesen
- einfachen Ausdrucksweisen begegnen wir uns nicht in der Theorie, da gibt's Unterschiede, aber im ganz alltäglichen Vollzug und in der Diskussion im
- intrareligen Dialog. Es gibt den gibt den interreligiösen zwischen Menschen und dann gibt es in
- uns eine Begegnung, einen Dialog. Da merkt man plötzlich, das kommt zusammen, das macht uns reicher und ganzer. Meine, der andere Teil meiner Seele, nämlich
- die östliche kommt zum Zug. Sie sagen ja oft, wenn sie darauf angesprochen werden, wie sie denn eigentlich zum Zen gekommen sind, dass
- sie eben nicht als frustrierter Priester zum Sen gekommen sind. Das ist ihnen offenbar sehr wichtig zu betonen. Weshalb liegt, weshalb ist dieser Aspekt
- Ihnen so wichtig? Also ich betone es, wenn die Menschen fragen, ja, warum hat dir etwas gefehlt in dem Kontext? Und da habe ich gesagt,
- nein, mir hat nichts gefehlt. So eher die Neugierde. Was tut sich auf der anderen Hälfte der Welt? Die Welt anders gesagt wächst zusammen. Ost
- und West begegnen sich. Jung hat noch vor wenigen, Säge Jung, Jahrzehnten gesagt: "Der Geist des Ostens steht vor der Tür. Heute steht er in unserem
- Zimmer und er sagte auch vielleicht ist es eine Infektion und vielleicht ein Heilmittel und da kann man jetzt schauen, probieren. Für mich war das ein
- Mittel, ein Heilmittel ganz zum Sie sprechen ja oft von Zen auch davon, dass es wie Bergsteigen sei. Da habe ich mich gefragt, was sieht man denn vom
- Zenngipfel aus? Das wissen Sie ja als Zennmeister. Also, der Vergleich ist die Übung. Die Übung ist sehr ähnlich. Früh aufstehen,
- in der Gruppe sich bewegen, Schritt um Schritt, Atemzug um Atemzug. Der Atem ist ganz wichtig. In einem Fall haben Sie Aussicht.
- Mhm. Im anderen Einsicht. Ja, das ist sehr schön. Ähm, sie erzählen
- aber sehr wenig darüber, wie Sie selber Priester geworden sind. Das hat eben auch mit dem Bergsteigen zu tun, sagen Sie jedenfalls. Hängt es hängt auch mit
- ihrem ältesten Bruder zusammen, der beim Bergsteigen verunfallt ist, oder? Ja, das war wie ich war damals 18. Das war ein unverschämt schöner Herbsttag.
- Ja, der Sar war aufgebaut im Dorf auf dem Platz und da kam mir so der Gedanke, was soll dieses Leben?
- Warum lebe ich, wozu? Und dann später habe ich festgestellt, dass auch Senbuddhisten oft durch den frühen Tod eines Bruders oder einer Mutter äh
- diesen Weg gefunden haben. Es sind so Schocktherapien, wo man sagt, ja, vielleicht ist ein anderer Weg für mich als der Übliche, der richtige. Und dann
- habe ich ihn gewählt und das hat sich bewährt. Es hat sich bewährt war, also das heißt aber dieses Schockerlebnis hat sie dahinführt, aber das ist ja die
- Entscheidung wirklich auch als Priester zu leben in in diesem Orden der Jesuiten auch zu bleiben. Das ist ja ein ziemlich langer Weg, oder?
- Es ist eine Entscheidung, die ich mit 22 getroffen habe und dann ist ein langer Weg des Vertraut werdens mit dem Geist der Signatius.
- äh durch Studien, durch spirituelle Praktiken. Dann meine ergänzende Studien waren Aufenthalte in Japan. Ja, es ist ein ein Weg äh der dahin führt, wo ich
- jetzt bin. Und mein Glück und da bin ich ewig dankbar. Mein Glück war, dass ein älterer Jesuit, der zuständig war, für mich gesagt hat, du könntest eigentlich
- nach Japan gehen. Und das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich bin gegangen und immer wieder und noch einmal und so hat das einen aus
- zwei wurde eins. Können sich erinnern, weshalb sie denn genau die Jesuiten, also weshalb Ignatius von
- Loyola? Weshalb diese dieser Orden und nicht ein anderer hätte es keine Ahnung die Frage ein ein Motiv war die Weltoffenheit des
- jesüten Ordens. Es die jetzt sehr gut zusammenpasst. Genau. Es gibt Klöster Mönche, die Mauern haben, Kotten, die sich eher
- zurückziehen, die warten, bis die Leute zu ihnen kommen, die betonen die Gastfreundschaft. Jesuiten ist ein apostolischer Orden.
- Wir warten nicht. Wir gehen zu den Leuten. Wir gehen zu den Leuten da, wo sie sind und holen sie da ab, wo sie sind.
- Ja, nun leben sie ja schon seit bald fünf Jahrzehnten hier eben in im Badschönbrunnen im Lasalhaus. Sie haben hier eben auch gelehrt und so weiter.
- Das Haus ist nicht nur speziell wegen diesem zuvor angesprochenen Brückenschlag zwischen christlicher Spiritualität und östlicher
- Spiritualität sozusagen, sondern auch aufgrund der Architektur. Man sieht es schon um uns herum, man nennt das auch harmonikale Bauweise. Und wenn ich das
- richtig verstanden habe, geht es darum, dass die Architektur auf den Menschen wirken soll, so wie Musik z.B. auch auf den Menschen wirkt.
- Merken Sie diese Wirkung? Oh ja. Wie wird es denn? Also einmal es wird mir auch nach 50 Jahren in diesem Haus nicht langweilig.
- Es ist nicht Kaserne, links und rechts Zimmer und mitteneingang. Es ist durchkomponiert. Es ist harmonikale Bauweise. Heißt der Architekt hatte ein
- Seiteninstrument im Büro. Zupfte, hörte, komponierte. Das klingt effektiv. Das also ist dieses Haus ein Musikstück? Ja. Kann man so sagen. Und wie klingt
- das? Es ist ein Instrument und wir bespielen es. Ja, also der einzelne bespielt es
- jeweils. Aber hören Sie hier auch Trompete raus? Ich habe nämlich gelesen, dass Sie Trompetenkonzerte mögen. Ah, das hat eine bestimmte Verbandnis,
- dass bei meiner Geburt der Vater Trompete gespielt hat. M äh wir haben gelegentlich Konzerte äh im großen Saal oben. Ja, das klingt,
- aber das klingt auch ohne Instrumente. Es ist das ist hörbar. Und dann kommt noch dazu, dass das Haus wie in die Landschaft hinein gebaut
- wurde mit zwei Armen. Es ist ein Kreis, aber nicht geschlossener Kreis. Geschlossener Kreis wäre Abschluss. Offener Kreis, das heißt, wir schließen
- uns nicht ab, sondern wir öffnen uns. Und dann gibt es Räume wie diese, die sind maximal geschlossen und die Hallen sind weit offen und auch hier öffnen und
- schließen innen und außen verbindet sich auch da eine Gemeinsamkeit zur Spiritualität des Sen und auf die Trompete noch zurückkommen,
- weil mich das noch interessiert hat, dieses, dass Sie dieses Blasinstrument offenbar auch äh so mögen. Sie haben selber auch Trompete zu lernen begonnen
- oder wie steht es darum? Ich habe auch Klavier zu lernen begonnen, aber noch rechtzeitig aufgegeben.
- Das heißt, sie haben es nicht weitergeführt. Ja, also sie werden uns kein Ständchen jetzt
- spielen. Schade. Ähm, ein anderer Punkt, der mich sehr interessiert an Ihnen, sie haben ja ähm dieses Buch auch geschrieben mit Hilfe
- ihres Tagebuchs. Sie haben ein lebenlang Tagebuch geschrieben. Ich bewundere das, weil ich das selber irgendwie bis jetzt nicht hingekriegt habe. Immer wenn ich
- mich hinsetze und etwas notieren möchte, befremdet mich das irgendwie? Ich entgleite mir da selbst. Dann habe ich mich gefragt, jetzt wo Sie das selber so
- lange gemacht haben, wie haben Sie das wirklich gemacht und waren Sie immer ganz ehrlich oder haben Sie da auch idealisiert?
- Schön, sie fragen sehr direkt. Also, ich lasse mich leiten von der jüdischen Dichterin Rose Ausländer. Der Tag ist mein Buch. Also Tagebuch. Der Tag ist
- mein Buch. Hier trage ich mein Leben ein, an dem ich mich erfreue, dass ich erleide. Alles Liebes und Leides, Freude und Mühe und Not trage
- ich ein. Und jetzt neuerdings, sie haben nach der Stimmung der Stille am Morgen und am Abend gefragt. Neuerdings schreibe ich das Tagebuch am Morgen,
- nachdem ich meditiert habe, gefrühstückt habe, setze ich mich hin, schaue auf den vergangenen Tag zurück und dann halte ich fest, was so war und es hilft mir
- dankbarer zu sein. Immer wieder kommt dann im Tagebuch: "Mein Gott habe ich Grund, dankbar zu sein" und schreibt dann: "Danke, danke, danke." Ich denke,
- dass ich morgen früh, wenn ich das Tagebuch schreibe, auch Bezug nehmen werde auf dieses unseres Gespräch und dann hoffentlich auch mit Danke. Ich
- hoffe, dass es dass es für Sie ein angenehmes Gespräch ist. Sie haben eben auch gesagt, es hilft Ihnen ähm bewusster zu leben. Das kann ich
- natürlich sehr gut verstehen. Ich habe mich dann gefragt, wenn Sie ja eben hier dieses Buch 2017 mit Hilfe dieses dieser Tagebuche geschrieben haben, wie war das
- für Sie? diesen kleinen Niklaus Branschen wieder zu wiederzutreffen gewissermaßen.
- Ich habe mir viel Zeit dafür genommen und bin so laufen gegangen und dann kamen so einzelne Szenen, manche habe ich im Buch festgehalten,
- wo ich mich wie von außen gesehen habe als ein Junge, der so und so und so gehandelt hat. Und dann merkst du, habe ich gemerkt, dass dieser Junge von
- damals in mir ist, der ist nicht weg. Z.B. habe ich sehr gerne bin ich sehr gerne über Zäune geklettert und und das ist geblieben. Ich klettere
- heute noch über Zäune, wenn wenn es irgendwie geht, wenn es sich schickt, wenn niemand zuschaut, solche Geschichten bleiben. Ich würde ja
- eigentlich gerne zuschauen, wie sie da einfach über diese über diese Zäune klettern. Aber das heißt, sie haben sich selber
- wieder erkannt in diesen alten Notizen. Ja. Ja. Ja. Es ist nicht so, dass ich einfach ganz anders bin als jetzt als ich war, sondern das ist alles in uns
- eingeflossen. Wir wir ruhen ja auf auf den Wurzeln der Vorfahren, aber auch auf den Wurzeln, die wir in jungen Jahren geschlagen
- haben. Die tragen uns genauso. Sie sind inzwischen 83 Jahre alt. Das ist eine ziemlich lange Lebenszeit. Haben Sie im Laufe der Dauer verstanden,
- was Zeit ist? Nein. Nein, das da da bin ich immer noch dran und ich habe viele Antworten, aber da
- hat Augustinus sich den Kopf zerbrochen und viele andere. Mein Zugang ist ein Wort von Angelos Silesius. Zeit ist wie Ewigkeit.
- und Ewigkeit wie Zeit. So du nur selber nicht machst einen Unterscheid. Mhm. Zeit ist wie Ewigkeit und Ewigkeit wie
- Zeit. Und wenn ich das so auf mich wirken lasse und dann stehe, dann komme ich in eine Präsenz hinein,
- wo diese gemessene Zeit und der Raum der Zeitfreiheit im erfüllten Augenblick zusammenkommen
- und dann bin ich präsent anwesend und ich hoffe Frau Rolin, dass ich für Sie genügend präsent war. Ich danke Ihnen ganz herzlich, Herr
- Branschen, für dieses schöne Gespräch. Schön. Ja, wir bleiben gleich beim Zen und nehmen Sie mit nach Japan, genauer
- gesagt nach Kyoto. Dort steht der bekannte und berühmte Dauci Tempel. Eine filmische Entdeckung oder vielleicht sogar Erleuchtung. Haben Sie einen
- schönen Sonntag. [Musik] Warum jetzt langt? Ja.