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Weltreligion

die abrahamitischen Religionen (abgeleitet von Abraham): Christentum, Islam und Judentum (alle sind monotheistisch) · die dharmischen Religionen (abgeleitet von …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und grundlegende Einteilung
  2. 2. Weltweite Verbreitung und Mitgliederzahlen
  3. 3. Universalreligionen und Volksreligionen
  4. 4. Erweiterte Einordnungen
  5. 5. Entwicklung des Begriffs in der Forschung

Begriff und grundlegende Einteilung

„Weltreligion“ ist ein grobes Ordnungsschema für Religionen, die sich beispielsweise durch eine hohe Zahl von Anhängern, überregionale Verbreitung und/oder einen universalen Anspruch auszeichnen. Besonders wichtig ist jedoch ihr Einfluss auf beziehungsweise ihre Bedeutung für die Kulturgeschichte der Menschheit.

Zum Wesen einer Weltreligion gehören theologische Reflexion und metaphysische Spekulation. Bei den meisten Weltreligionen haben sich im Lauf der Zeit religiöse Institutionen herausgebildet. Eine einheitliche Mindestzahl von Anhängern gibt es nicht; teilweise wird auch das Alter einer Religion als Kriterium genannt. Deshalb ist eine klare Definition schwierig, und Listen der Weltreligionen sind stets teilweise willkürlich. Die Religionswissenschaft vermeidet den Begriff zunehmend und verwendet stattdessen „Religionen der Welt“. Dieses Schema orientiert sich vor allem an der Zahl der Anhänger und schließt auch schriftlose Religionen ein.

Im deutschen Sprachraum werden im Allgemeinen fünf Religionen als Weltreligionen bezeichnet: Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und Judentum. Nach ihrer religiösen Verwandtschaft lassen sie sich in zwei Gruppen einteilen: Die abrahamitischen Religionen – Christentum, Islam und Judentum – leiten sich von Abraham ab und sind monotheistisch. Die dharmischen Religionen – Hinduismus und Buddhismus – leiten sich vom Begriff Dharma ab und sind in der Regel nicht monotheistisch.

Weltweite Verbreitung und Mitgliederzahlen

Die größten Religions- und Weltanschauungsgruppen sind Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus; außerdem ist ein großer Anteil der Weltbevölkerung konfessionslos. Für 2015 werden folgende weltweite Anteile nach Anhängern angegeben:

  • Christentum: 31,2 %
  • Islam: 24,1 %
  • Konfessionslosigkeit: 16 %
  • Hinduismus: 15,1 %
  • Buddhismus: 6,9 %
  • Ethnische Religionen: 5,7 %
  • Sonstige: 0,5 %
  • Sikhismus: 0,3 %
  • Judentum: 0,2 %

Die fünf häufig als Weltreligionen bezeichneten Religionen hatten 2015 zusammen etwa 5,8 Milliarden Mitglieder. Diese fünf sind jedoch nicht identisch mit den fünf Religionen mit den meisten Anhängern: Shinto, Daoismus, Voodoo und Sikhismus haben mehr Anhänger als das Judentum. Zusätzlich gehört ein bedeutender Teil der Weltbevölkerung keiner Religion an.

Angegeben werden folgende Mitgliederzahlen in Milliarden; die Werte für 2015 stammen aus einer anderen Quelle und fallen deshalb vergleichsweise niedrig aus:

  • Christentum: 2,3 (2015), 2,3 (2010), 2,1 (2005)
  • Islam: 1,8 (2015), 1,6 (2010), 1,3 (2005)
  • Hinduismus: 1,2 (2015), 0,94 (2010), 0,85 (2005)
  • Buddhismus: 0,5 (2015), 0,46 (2010), 0,375 (2005)
  • Judentum: 0,01 (2015), 0,015 (2010), 0,015 (2005)

Das Judentum besitzt ein universelles Selbstverständnis und eine große kulturprägende Bedeutung, weil Christentum und Islam ihm entstammen. Zahlenmäßig liegt es dennoch weit hinter den anderen genannten Weltreligionen. Christentum und Islam betreiben aktive Missionierung, das Judentum aus religions- und kulturgeschichtlichen Gründen nicht. Auch Hinduismus und Buddhismus haben keine aktive Missionierung, eine Konversion ist dort aber möglich. In Hinduismus und Buddhismus ist die religiöse Institutionalisierung vergleichsweise schwach ausgeprägt. Außerdem werden in Islam und Christentum pro Frau die meisten Kinder geboren.

Universalreligionen und Volksreligionen

In einer besonders engen Auffassung werden nur Buddhismus, Christentum und Islam als Weltreligionen betrachtet; sie werden dann auch Universalreligionen genannt. Ihr universeller Geltungsanspruch war bereits bei der Gründung vorhanden. Außerdem zeichnen sie sich durch weltweite Verbreitung, eine sehr hohe Anhängerzahl und ein hohes Alter aus.

Jeder Interessierte kann einer Universalreligion beitreten. Die Zugehörigkeit ist nicht an einen bestimmten Stamm, Klan oder ein Volk gebunden. Ihre wesentlichen Inhalte sind kanonisiert, also verbindlich festgelegt, und liegen als Heilige Schrift vor. Universalreligionen werden damit auch als Buchreligionen beschrieben.

Hinduismus und Judentum werden manchmal ebenfalls als Volksreligionen bezeichnet. Weitere Beispiele sind Daoismus beziehungsweise chinesischer Universalismus und Shintoismus. Volksreligionen sind eng an ein bestimmtes Volk und dessen Kultur gebunden. Sie werden den ethnischen Religionen zugerechnet, obwohl „ethnische Religionen“ meistens nur für kleine lokale Religionen indigener und traditioneller Gesellschaften verwendet wird.

Volksreligionen besitzen keinen missionierenden Anspruch. Häufig wird nicht einmal eine Mitgliederliste geführt; deshalb kann man ihnen auch nicht offiziell beitreten. Damit unterscheiden sie sich besonders von den Universalreligionen, deren Zugehörigkeit grundsätzlich allen Interessierten offensteht.

Erweiterte Einordnungen

Über die fünf meistgenannten Weltreligionen hinaus werden weitere Religionen vorgeschlagen:

  • Daoismus: Die Zahl der Anhänger ist in fünf Staaten schwer erfassbar, weil der Daoismus meist mit anderen Religionen vermischt ist. Für Taiwan werden etwa 8 Millionen genannt, für die Volksrepublik China je nach Schätzung bis zu 60 Millionen; die Encyclopædia Britannica gibt nur knapp 3 Millionen an.
  • Bahaitum: etwa 7 Millionen Anhänger und weltweite Verbreitung.
  • Konfuzianismus: etwa 6 Millionen Anhänger.

Viele Wissenschaftler zählen den Daoismus wegen seiner großen Bedeutung in China und Korea zu den Weltreligionen. Die Einordnung des Konfuzianismus ist umstritten, weil der religiöse Konfuzianismus nur wenige Anhänger hat. Außerdem greift das westliche Verständnis von Religion bei ihm nur eingeschränkt, da der Konfuzianismus vor allem eine Sittenlehre ist.

Das Bahaitum wird vereinzelt als Universalreligion bezeichnet. Dafür sprechen sein universeller Anspruch, religiöse Institutionen und eine Heilige Schrift. Diese Einordnung hängt auch davon ab, ob man alle nach dem Sikhismus entstandenen Religionen grundsätzlich als „Neue religiöse Bewegungen“ einordnet. Beim Sikhismus wird der universelle Anspruch bezweifelt. Die unterschiedlichen Einordnungen zeigen, dass „Weltreligion“ nicht trennscharf verwendet wird.

Entwicklung des Begriffs in der Forschung

In der europäischen Wissenschaft der Neuzeit setzte sich die Praxis durch, Religionen in größere Gruppen zu ordnen und vergleichend zu typisieren. Bis ins frühe 20. Jahrhundert war ein evolutionistisches Stufensystem verbreitet. Es ordnete Religionen von als animistisch gedeuteten „Naturreligionen“ über Volks- beziehungsweise Nationalreligionen bis zu den als universal geltenden Weltreligionen. Monotheistische Religionen wurden in solchen Modellen besonders mit einem zunehmend entmaterialisierten und transzendent gedachten Gottesbegriff verbunden.

Ein wichtiger Schritt zur Anerkennung außereuropäischer Religionen war das Erste Parlament der Weltreligionen in Chicago. Der internationale interreligiöse Kongress tagte vom 11. bis 27. September 1893. Ziel war der friedliche Dialog zwischen Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Taoismus, Konfuzianismus, Zoroastrismus, Shintoismus, Buddhismus und Jainismus.

Max Weber definierte 1915 fünf Weltreligionen über ihre Ethik: die konfuzianische, hinduistische, buddhistische, christliche und islamische Ethik. Das Judentum fügte er als sechste Religion hinzu, weil es für das Verständnis von Christentum und Islam wichtig sei. Den Daoismus behandelte er als Heterodoxie, also als Andersglauben beziehungsweise Häresie, zum Konfuzianismus.

Walter Benjamin stellte 1921 die These auf, auch der Kapitalismus sei eine Religion und könne deshalb als Weltreligion gelten. Er begründete dies damit, dass der Kapitalismus dieselben Sorgen, Qualen und Unruhen befriedige, auf die früher sogenannte Religionen Antworten gegeben hätten. Benjamin bezeichnete ihn als „reine Kultreligion“, möglicherweise als die extremste überhaupt, ohne spezielle Dogmatik und Theologie, und hob die „permanente Dauer des Kultes“ hervor. In systematischen Darstellungen der Weltreligionen wird der Kapitalismus dennoch selten berücksichtigt.

Gustav Mensching betonte 1938, dass frühe Religionen meist auf Familie, Sippe, Stamm oder Volk begrenzt waren. Zur Universal- oder Weltreligion würden sie, wenn sie „den Menschen schlechthin und nicht den bestimmten Volksgenossen“ ansprechen. Weltreligionen richten sich stärker auf das Individuum und dessen „generelle und existentielle Unheilssituation“, aus der es Befreiung oder Erlösung sucht. Mensching nannte Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus.

Weitere Wissenschaftler kamen zu anderen Zahlen und Auswahlen. Helmuth von Glasenapp unterschied 1963 acht „ethische Hochreligionen“ und bezeichnete fünf davon als Weltreligionen: Hinduismus, Buddhismus, chinesischen Universismus, Christentum und Islam. Gerhard Wehr nannte 2002 sieben Weltreligionen: Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus. Manfred Hutter führte 2005 ebenfalls sieben auf, nämlich Buddhismus, Judentum, Christentum, Daoismus, Islam, Bahaitum und Hinduismus. Er schloss den Konfuzianismus wegen der geringen Zahl religiöser Anhänger und den Sikhismus wegen des fehlenden universellen Geltungsanspruchs aus. Diese Unterschiede bestätigen, dass „Weltreligion“ vor allem ein verständlicher Begriff des alltäglichen Sprachgebrauchs und kein eindeutig religionswissenschaftlicher Fachbegriff ist.

Lernvideos zu Weltreligion

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