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Theismus
Theismus (gr. θεός theós „Gott“) bezeichnet den Glauben an Götter bzw. eine göttliche Ordnung hinter allem Existierenden im Universum.
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Grundidee und Gottesverständnis
Theismus bezeichnet den Glauben an Götter oder an eine göttliche Ordnung hinter allem Existierenden im Universum. Der Begriff kann als Oberbegriff für verschiedene Gottesvorstellungen verwendet werden: Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen, personifizierten und absoluten Gott, Polytheismus der Glaube an mehrere Götter.
Nach einer engeren Auffassung bezeichnet Theismus die Vorstellung eines absoluten Gottes, der omnipräsent, also allgegenwärtig, und regelgebend wirkt. Teilweise wird angenommen, dass dieser Gott nicht aktiv in das Weltgeschehen eingreift oder eingreifen kann, weil sonst das Prinzip von Actio und Reactio sowie die Existenz des freien Willens gestört würden. In diesem Verständnis können unterschiedliche Namen und Ausprägungen des absoluten Gottes nebeneinander bestehen; Allah, JHWH und Vishnu schließen sich dann nicht gegenseitig aus. Der Unterschied wird so zusammengefasst: „Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen Gott. Theismus ist der Glaube an einen absoluten Gott.“
Ein Teil der theistischen Religionen versteht Gott als Schöpfer, Erhalter und Lenker der Welt. Gott ist dabei überwiegend transzendent, das heißt, er besteht unabhängig von der Welt und übersteigt sie. Zugleich kann er immanent erscheinen, also innerhalb der Welt wirken, etwa durch Wunder oder Offenbarungen. Trotzdem bleibt er seiner Substanz nach von der Schöpfung verschieden. Diese Trennung heißt Dualismus von Schöpfer und Schöpfung.
Formen des Theismus
Innerhalb des Theismus werden mehrere Formen unterschieden:
• Monotheismus: Es gibt nur einen Gott.
• Henotheismus: Es gibt einen höchsten Gott, daneben können aber weitere Götter verehrt werden.
• Monolatrie: Es gibt mehrere Götter, verehrt wird jedoch nur einer von ihnen.
• Polytheismus: Es gibt mehrere Götter oder Göttinnen. Er entspricht allerdings häufig nicht der engeren Definition des Theismus, weil polytheistische Religionen oft keine ausdrückliche Schöpfung im Sinne eines aktiven Erbauens der Welt kennen und ihre Götter als innerweltliche Mächte verstehen.
• Bitheismus: Es gibt zwei Götter oder Göttinnen.
• Duotheismus: Es gibt ein Götterpaar.
• Tritheismus: Es gibt drei Götter oder Göttinnen.
• Polylatrie: Eine Vielzahl von Gottheiten und transzendenten Mächten wird kultisch und religiös verehrt.
• Offener Theismus: Ein liebender Gott respektiert die Entscheidungsfreiheit der Menschen. Dadurch geht er ein „Risiko“ ein, indem er seine Allmacht und Allgegenwart einschränkt und auf die vollständige Kontrolle und Vorhersehbarkeit menschlichen Handelns verzichtet.
Abgrenzung von anderen Weltanschauungen
Der Theismus unterscheidet sich von Positionen, die ohne Götter auskommen oder die Frage nach Gott anders behandeln. Der Agnostizismus hält die Existenz oder Nicht-Existenz von Göttern für unbeantwortet oder nicht beantwortbar. Der Ignostizismus fordert zunächst eine einheitliche Definition von „Gott“, weil die Existenzfrage sonst als sinnlos gilt. Der Atheismus lehnt den Glauben an Gottheiten ab oder verneint deren Existenz. Der Antitheismus betrachtet Gottheiten oder den Glauben an sie als schädlich. Der Kosmotheismus versteht die Welt als eine sich selbst ordnende Einheit, die keinen gewollten Schöpfungsakt benötigt. Der Nihilismus bestreitet jede Erkenntnismöglichkeit von etwas.
Andere Positionen nehmen zwar etwas Göttliches an, verstehen es aber anders als der Theismus. Der Deismus geht von einem Schöpfergott aus, bestreitet jedoch dessen spätere Einwirkung auf die Welt. Der Pandeismus erklärt dieses Ausbleiben weiterer Eingriffe damit, dass Gott in der Schöpfung beziehungsweise der Welt aufgegangen sei. Der Pantheismus setzt Gott und Natur vollständig und seit jeher gleich. Im Panentheismus ist die Welt Teil einer sich entwickelnden oder sich selbst erfahrenden Gottheit. Der Paneismus nimmt eine göttliche Energie an, ohne sie näher zu bestimmen. Nach der Theothanatologie existierte Gott früher, ist aber gegenwärtig tot und kann deshalb nicht mehr in die Welt eingreifen.
Die Grenzen zwischen diesen Auffassungen sind nicht immer scharf, weil es zahlreiche Überschneidungen gibt. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Theismus und Deismus: Während ein Teil des Theismus ein fortdauerndes göttliches Lenken annimmt, schließt der Deismus solche Eingriffe aus. Vom Pantheismus und Panentheismus unterscheidet sich der Theismus vor allem durch die Trennung zwischen Schöpfer und Schöpfung.
Religionen und typische Zuordnungen
Zu den theistischen Religionen werden unter anderem Christentum, Islam, Hinduismus, Judentum, Bahai und Tengrismus gezählt. Der Tengrismus ist heute nur gering verbreitet, war historisch aber besonders bei türkischen, mongolischen und anderen zentralasiatischen Völkern vertreten.
Auch mehrere historische Religionen gelten als theistisch und werden meist dem Henotheismus zugeordnet. Dazu gehören die griechische, römische, germanische und keltische Religion. Die Zuordnung einzelner Religionen hängt jedoch davon ab, wie weit oder eng der Begriff Theismus verstanden wird.
Kritik am theistischen Gottesbegriff
Ein zentraler Einwand ist das Theodizeeproblem. Es entsteht aus der Verbindung dreier Annahmen: Gott kann lenkend in die Welt eingreifen, er ist allmächtig und er ist allgütig. Dann stellt sich die Frage, weshalb ein solcher Gott zulässt, dass unschuldige Menschen großes Leid erfahren.
Ein weiterer Einwand richtet sich grundsätzlich gegen die Vorstellung göttlicher Eingriffe. Einige Kritiker lehnen sie ab, weil dadurch aus Gott „ein Seiendes neben anderen“ gemacht würde. Gott würde demnach wie ein einzelnes Wesen innerhalb der Wirklichkeit behandelt, obwohl der Gottesbegriff gerade etwas grundsätzlich von gewöhnlichen Dingen und Wesen Verschiedenes bezeichnen soll.