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Siddhartha Gautama
ALTERNATIVNAMEN, Buddha ; KURZBESCHREIBUNG, Religionsstifter ; GEBURTSDATUM, um 563 v. Chr. ; GEBURTSORT, Lumbini, im heutigen Nepal.
Inhalt6 Abschnitte
Bedeutung und Einordnung
Siddhartha Gautama, in Sanskrit Siddhārtha Gautama und in Pali Siddhattha Gotama, war ein indischer Weisheitslehrer und Religionsstifter. Nach der umstrittenen „korrigierten langen Chronologie“ wurde er 563 v. Chr. in Lumbini geboren und starb 483 v. Chr. in Kushinagar; die Datierung ist in der Forschung jedoch nicht einheitlich. Er gilt als der historische Buddha, also als „der Erwachte“, und als Begründer des Buddhismus.
Seine Bedeutung liegt darin, dass er nach einer Zeit als Asket und Schüler verschiedener philosophischer und yogischer Richtungen eine Erfahrung des Erwachens, Bodhi, machte. Danach formulierte er über Jahrzehnte seine Lehre, den Dharma. Außerdem schuf er Strukturen für ihre Weitergabe: das buddhistische Ordenswesen. Dazu gehörte für die damalige Zeit ungewöhnlich auch ein Frauenorden, also ein Nonnenorden.
Sein ursprünglicher Name Siddhartha bedeutet „der sein/das Ziel erreicht hat“ oder „der erfüllte Wunsch“. Gautama oder Gotama bezeichnete die Zugehörigkeit zur Gautama-Sippe. Neben Buddha trug er weitere Ehrennamen, darunter Tathagata, „der So-Gegangene“, und Shakyamuni, „der Weise aus dem Volk der Shakya“.
Quellen und Chronologie
Die Lebensgeschichte Siddhartha Gautamas ist nur über spätere Überlieferungen zugänglich. Berichte über sein Leben wurden nach seinem Tod von Mitgliedern der Sangha, der Gemeinschaft der Dharma-Praktizierenden, gesammelt und lange Zeit mündlich weitergegeben. Diese Quellen wollten nicht nur einzelne historische Fakten bewahren, sondern vor allem die religiöse Bedeutung seines Lebens darstellen. Deshalb lassen sich Legende und Tatsachenaussagen heute nicht klar trennen; streng genommen handelt es sich eher um Buddha-Hagiographie als um eine moderne Biographie.
Auch die Lebensdaten sind umstritten. Die „unkorrigierte lange Chronologie“ oder „südliche buddhistische Chronologie“ setzt den Tod des Buddha nach westlicher Zeitrechnung auf 544 oder 543 v. Chr. Sie beruht auf Chroniken Sri Lankas, besonders Dipavamsa und Mahavamsa, und war traditionell bei Theravada-Buddhisten Südostasiens verbreitet. Die „korrigierte lange Chronologie“ setzte den Tod in den Zeitraum zwischen 486 und 477 v. Chr. und daraus folgend die Geburt auf 563 v. Chr.; sie war lange in Europa und bei vielen westlich gebildeten Buddhisten maßgeblich.
Die neuere Forschung hat die „korrigierte lange Chronologie“ weitgehend aufgegeben, ohne dass es einen neuen Konsens gibt. Häufig werden heute spätere Datierungen diskutiert. Die vorherrschenden Ansätze für den Tod schwanken zwischen ca. 420 und ca. 368 v. Chr. Zugleich legen jüngere, noch nicht wissenschaftlich publizierte Ausgrabungsergebnisse in Lumbini möglicherweise wieder eine frühere Datierung nahe; diese Deutung gilt bisher nur als wissenschaftliche Hypothese.
Herkunft und frühes Leben
Siddhartha stammte aus einem alten nordindischen Adelsgeschlecht. Sein Vater Shuddhodana gehörte zum Stamm der Shakya im gleichnamigen Fürstentum und war wohl kein König, aber regierender Fürst des alten Staates Kapilavastu an der Grenze zwischen dem heutigen Indien und Nepal. Die Familie gehörte zur Kshatriya-Kaste, also zur Krieger- und Herrscherkaste.
Seine Mutter hieß Maya, auch Mahamaya, „große Maya“. Vor Siddharthas Geburt soll ihr nach der Überlieferung seine Seele in einer Vision als weißer Elefant erschienen sein. Geboren wurde er neun Monate später in einer Vollmondnacht in Lumbini. An diesen Tag erinnert in vielen buddhistischen Ländern das Vesakh-Fest, der höchste buddhistische Feiertag, an dem Geburt, Erwachen und Eingang ins Parinirvana gefeiert werden.
Der Seher Asita soll vorhergesagt haben, Siddhartha werde entweder ein großer König oder, wenn er das Leid der Welt erkenne, ein großer heiliger Mann. Deshalb soll Shuddhodana versucht haben, seinen Sohn von religiöser Unterweisung und vom Anblick menschlichen Leids fernzuhalten. Sieben Tage nach der Geburt starb Siddharthas Mutter. Ihre Schwester Pajapati, auch Mahapajapati Gotami, wurde seine Pflegemutter.
Mit 16 Jahren wurde Siddhartha mit der Prinzessin Yasodhara verheiratet. Er lebte in einem Palast, in dem ihm Wohlstand und angenehmes Leben zur Verfügung standen. Trotzdem war er unzufrieden und fühlte sich unausgefüllt.
Weg zum Erwachen
Mit 29 Jahren, kurz nach der Geburt seines Sohnes Rahula, verließ Siddhartha das behütete Palastleben und unternahm Ausfahrten in die Umgebung. Der Name Rahula wird mit „Fessel“ übersetzt. Die Legende berichtet von vier Ausfahrten in verschiedene Himmelsrichtungen. Bei drei Ausfahrten begegnete er den Schattenseiten des Lebens: einem verkrüppelten Greis, einem Fieberkranken und einem verwesenden Leichnam. Bei der vierten begegnete er einem Asketen. Diese Begegnungen heißen zusammen die „Vier Zeichen“.
Durch diese Erfahrungen erkannte Siddhartha nach der Überlieferung, dass Wohlstand und Reichtum keinen Schutz vor Altern, Krankheit, Tod und Schmerz bieten. Er sah das Leiden nicht nur als Folge einzelner Schicksalsschläge oder Ungerechtigkeiten, sondern als etwas, dessen Ursachen in der menschlichen Existenz selbst liegen. Darum suchte er durch geistige Übung nach einem grundsätzlichen Ausweg.
Er verließ Frau, Palast und Elternhaus und lebte als Asket. Als Schüler der brahmanischen Eremiten Alara Kalama und Uddaka Ramaputta lernte er yogische Praxis und Meditation. Zunächst übte er strenge Schmerz-Askese und verbrachte sechs Jahre im Tal des Ganges. Dem Hungertod nahe erkannte er jedoch, dass extreme Askese nicht zur Befreiung führe. Daraufhin gab er die überlieferten Methoden auf und lebte als besitzloser Wanderer, der vor allem Meditation übte, aber keine strenge Askese mehr. Dies nannte er den „Mittleren Weg“, weil er die Extreme anderer religiöser Lehren meidet.
Im Alter von 35 Jahren saß er in einer Vollmondnacht in tiefer Versenkung unter einer Pappelfeige am Ufer des Neranjara-Flusses bei Bodhgaya, nahe Gaya im heutigen Bihar. Dort „erwachte“ er: Hass, Begierde und Unwissenheit fielen von ihm ab. Der Baum wurde deshalb Bodhi-Baum genannt, von Bodhi, „Erwachen“, oft ungenau als „Erleuchtung“ übersetzt. Von da an galt Siddhartha als Buddha, als Erwachter.
Lehre und Gemeinschaft
Nach seinem Erwachen hielt Gautama im Wildpark bei Isipatana, dem heutigen Sarnath, nahe Benares seine erste Lehrrede vor fünf Asketen, seinen früheren Gefährten. Diese Rede ist als Dharmacakrapravatanasūtra auf Sanskrit beziehungsweise Dhammacakkappavattanasutta auf Pali bekannt; auf Deutsch bedeutet der Titel ungefähr „Rede, die das Rad der Lehre in Gang setzt“. In ihr verkündete er die Vier Edlen Wahrheiten, auch vier Wahrheiten des geistig Edlen. Die fünf Gefährten wurden die ersten Mitglieder der buddhistischen Mönchsgemeinschaft, der Sangha.
Danach lehrte er 45 Jahre lang im Nordosten Indiens den mittleren Pfad zwischen Luxus und Askese. Dieser Weg wird als achtfacher Pfad beschrieben und umfasst Tugend, Meditation und Weisheit; er soll zum Erwachen führen. Siddhartha sprach vor Menschen aller Gesellschaftsschichten: Königen und Bauern, Brahmanen und Ausgestoßenen, Geldverleihern und Bettlern, Heiligen und Räubern. Die Kastenordnung nahm er zwar als gesellschaftliche Realität hin, erkannte sie aber nicht als entscheidend an. Für seinen Weg waren soziale Unterschiede unwesentlich.
Sein Weg stand Männern und Frauen offen. Auch Yasodhara und Pajapati, Siddharthas Ziehmutter, traten schließlich als Nonnen in den Orden des Buddha ein. Die Lehren Siddhartha Gautamas sind nur in Übersetzungen überliefert. Die ältesten bekannten Niederschriften entstanden in Südindien in Pali. Es wird vermutet, dass er ursprünglich in Ardhamagadhi lehrte.
Tod und Reliquien
Siddhartha Gautama starb im Alter von 80 Jahren in Kushinagar, im heutigen indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, nachdem er eine verdorbene Pilzsuppe gegessen haben soll. Seine letzten Worte lauteten nach den Anwesenden: „Wohlan denn, ihr Mönche, lasst euch gesagt sein: schwinden muss jede Erscheinung, unermüdlich mögt ihr da kämpfen.“ In anderen Übersetzungen werden „Erscheinungen“ auch als „zusammengesetzte Dinge“ wiedergegeben.
Das Mahāparinibbāna Sutta, DN 16, berichtet von seiner letzten Reise. Kurz vor seinem Tod soll er seinem Vetter und persönlichen Assistenten Ananda erklärt haben, dass alles, was geboren, geworden, zusammengesetzt und dem Verfall unterworfen ist, auch verfallen muss. Eine weitere Überlieferung erzählt, Buddha habe kurz vor seinem Ableben auf dem Geierberg schweigend eine Lotosblume in der Hand gedreht. Mahakashyapa habe als einziger gelächelt; daraufhin sei Buddhas Weisheit und Geist auf ihn übergegangen. Diese Geschichte gilt als Gründungsmythos des Zen-Buddhismus.
Nach seinem Tod sollten nach Buddhas Anweisung die Upāsaka, also die Laien, die Bestattung übernehmen. Um Asche und Knochen entstand Streit zwischen verschiedenen Gruppen, der durch Aufteilung beigelegt wurde. Der Legende nach wurde die Asche unter acht Erdhügeln, Stupas, beigesetzt. Unter Maurya-König Ashoka, der von ca. 268 v. Chr. bis 232 v. Chr. regierte, wurden sieben dieser Grabhügel wieder geöffnet und die Reliquien in 84.000 Stupas im Reich verteilt. Da die Zahlen 8 und 84.000 im Buddhismus symbolische Bedeutung haben, sind diese Angaben vermutlich nicht wörtlich zu verstehen. Heute beanspruchen viele Heiligtümer in Süd-, Ost- und Südostasien, Überreste des Buddha zu besitzen, etwa einen Zahn oder Knochen.
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