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Arbeitsteilung
Wirtschaftssubjekt, Vorteile, Nachteile. Arbeitgeber, Steigerung der Arbeitsproduktivität, bessere Ertragslage, Arbeitsqualität nimmt zu, geringe Flexibilität …
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Was ist Arbeitsteilung?
Arbeitsteilung ist die Organisationsform gemeinschaftlicher menschlicher Arbeit, die sich schon bei Jägern und Sammlern entwickelte. Der Begriff bedeutet: Eine Gesamtaufgabe wird in Teilaufgaben zerlegt und auf mehrere Arbeitskräfte verteilt. Sie entsteht, wenn eine Aufgabe in mehrere Arbeitsvorgänge zergliedert und diese auf mehrere Stellen verteilt werden. Durch Dezentralisation der Aufgaben wird sie verhindert. Arbeitsteilung erfordert Koordination, führt aber zu Abhängigkeiten (Verlust der Selbstständigkeit) der Beteiligten. Sie kann Effektivität steigern und zur Ausbildung unterschiedlicher Berufsbilder führen – in Deutschland gibt es derzeit etwa 24.000 Berufe. Ihre sozialen und ökonomischen Wirkungen werden in Sozialphilosophie, Arbeitssoziologie, Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre erforscht.
Arten von Arbeitsteilung
Anschluss an Karl Bücher lassen sich mehrere, oft überlagernde Formen unterscheiden: Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung (alte Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, z. B. reproduktive vs. produktive Aufgaben). Berufsbildung: Spezialisierung auf bestimmte Güter und Dienstleistungen; zu den ältesten Berufen gehörten Töpfer, Lehmziegelhersteller und Korbflechter. Berufsspaltung: weitere Spezialisierung innerhalb von Berufsgruppen (z. B. Schmiede werden zu Grobschmieden, Kupferschmieden, Schwertfeger). Arbeitszerlegung (betriebliche Arbeitsteilung): Aufteilung des Produktionsprozesses in vertikale (hierarchische) und horizontale (ablauforganisatorische) Teilung innerhalb einer Produktionsstätte; dabei unterscheidet man Artteilung (jeder übernimmt nur einen Teil der Arbeitsabläufe, wie in Smiths Stecknadelbeispiel) und Mengenteilung (alle führen alle Arbeitsabläufe aus, aber nicht an allen Arbeitsgegenständen). Produktionsteilung (zwischenbetriebliche Arbeitsteilung): Teilprozesse laufen in verschiedenen Produktionsstätten. Regionale Arbeitsteilung: Regionen spezialisieren sich auf bestimmte Güter, Vereinigung über Fernhandel. Internationale Arbeitsteilung: Nationen spezialisieren sich, Vereinigung über Außenhandel (Zwangs- oder Freihandel). Nationale Arbeitsteilung: vertikale Spezialisierung über Fertigungsstufen (Rohstoffe → Verarbeitung → Güter) oder horizontale Spezialisierung (unterschiedliche Leistungen auf gleicher Ebene, z. B. in der Bekleidungsbranche). Weitere Unterteilungen: familiäre Arbeitsteilung (egalitär = symmetrische Aufgabenverteilung), gesellschaftliche, volkswirtschaftliche (Primär-, Sekundär-, Tertiärsektor), territoriale (nach naturräumlichen/soziokulturellen Gegebenheiten) und biologische Arbeitsteilung (Differenzierung innerhalb und zwischen Organismen, z. B. Symbiose).
Arbeitsteilung in der Volkswirtschaftslehre
Schon Xenophon, Platon und Demokrit dachten über Arbeitsteilung nach, meist bezogen auf die Größe einer Gemeinde: Je größer sie ist, desto mehr kann die Arbeit aufgeteilt werden. Platon erklärte in seiner Politeia die Entstehung von Gesellschaft durch unterschiedliche Fähigkeiten und Bedürfnisse der Menschen. Den Begriff „division of labour“ prägte Henry Martin 1701. Adam Smith beschrieb 1776 in „Der Wohlstand der Nationen“ die Arbeitsteilung als Aufspaltung des Produktionsprozesses in Teilabläufe zur Produktionssteigerung und stellte ihre Bedeutung für Wirtschaftswachstum heraus. Nach Smith steigert sie die Produktivität aus drei Gründen: Spezialisierung (größere Geschicklichkeit), Zeitersparnis und technischer Fortschritt. Sein berühmtes Stecknadel-Beispiel: Ein einzelner ungelernter Arbeiter schafft täglich nur wenige Stecknadeln; teilt man die Arbeit in Handgriffe auf (Draht ziehen, abzwicken, zuspitzen, Kopf aufsetzen, Verpacken), können fünf Arbeiter täglich tausende Stecknadeln herstellen. Spezialisierung ist begrenzt durch das „Ausmaß des Marktes“ (Nachfrage- und Angebotsseite). Smith sah auch Gefahren: Arbeiter verdummen bei einseitigen, monotonen Handgriffen; er forderte bessere Ausbildung. Durch Arbeitsteilung entstehen nach Smith drei Klassen: Grundbesitzer, Kapitalisten und Arbeiter (Einkünfte: Grundrente, Kapitalertrag, Lohn). David Ricardo zeigte 1817 mit der Theorie der komparativen Kostenvorteile, dass der Handel zwischen Staaten von den relativen, nicht den absoluten Produktionskosten abhängt. Karl Marx sah Arbeitsteilung, Austausch, Privateigentum und Markt als wechselseitig bedingte Institutionen; durch die kapitalistische Produktionsweise entsteht Entfremdung des Arbeiters von seinem Produkt, die Ausbeutung könne zunehmen. Später behandelten u. a. Herbert Spencer (natürliches Ergebnis gesellschaftlicher Evolution), Johann Karl Rodbertus (Teilung des Produktes als Ergänzung), Gustav von Schmoller (soziale Absicherung als Voraussetzung voller Arbeitsteilung), Karl Bücher (erste Typologie der Arbeitszerlegung und -integration) sowie Émile Durkheim das Thema. Durkheim beschrieb den Übergang von „mechanischer“ zu „organischer Solidarität“: Die Arbeitsteilung steigert die wechselseitige Abhängigkeit (Interdependenz) und damit den sozialen Zusammenhalt. Gary Becker und Kevin M. Murphy (1992) argumentierten, dass zunehmende Spezialisierung überproportional steigende Koordinationskosten verursacht und dadurch begrenzt wird.
Arbeitsteilung in der Betriebswirtschaftslehre
In der Betriebswirtschaftslehre werden Arbeitsteilung und Spezialisierung teils als Synonyme verwendet; die Organisationslehre versteht Spezialisierung überwiegend als „vertikale Arbeitsteilung“. Arbeitsteilung bedeutet die Aufgliederung einer Gesamtaufgabe in Teilaufgaben mit Zuordnung zu Organisationseinheiten. François Quesnay schrieb 1766, die Arbeitsteilung basiere auf der „natürlichen Ungleichheit der Menschen“ (unterschiedliche Begabungen und Qualifikationen) und diene dem Gemeinwohl. Frederick Taylors arbeitsteilige Prinzipien heißen Taylorismus: 1911 trennte er geistige von körperlicher Tätigkeit und befreite Facharbeiter von Nebentätigkeiten. Vorteile für Arbeitgeber: gesteigerte Arbeitsproduktivität, bessere Ertragslage, höhere Arbeitsqualität; Nachteile: geringe Flexibilität der Mitarbeiter, Monotonie mit erhöhtem Krankenstand, Abhängigkeiten von Zulieferern und Kunden. Vorteile für Arbeitnehmer: höheres Arbeitsentgelt, höhere Arbeitsmotivation; Nachteile: Monotonie und höheres Arbeitsleid, sinkende Arbeitsmobilität durch einseitige Qualifikation, steigendes Arbeitsplatzrisiko bei Automatisierung.
Arbeitsteilung im Management
Im Produktionsmanagement unterscheidet man die modale Aufteilung von Arbeit nach Menge und Art. Bei der Mengenteilung führt jede Arbeitskraft oder jedes Betriebsmittel den gesamten Arbeitsablauf an einer Teilmenge aus – Ziel ist kürzere Fertigstellung des Arbeitsauftrags. Bei der Artteilung führt jede Arbeitskraft nur einen Teil des Arbeitsablaufs an der Gesamtmenge aus – Ziel ist durch Spezialisierung höhere Mengenleistung und Produktqualität. Daneben kann Arbeit in Phasen aufgeteilt werden (Phasenteilung), z. B. Planung, Vorbereitung und Ausführung; das erlaubt die Zuordnung an Personal und Kostenstellen mit unterschiedlichen Qualifikationsanforderungen und Kosten.
Vergleich der Theorien und offene Probleme
Ein Vergleich der Theorien von Spencer, Durkheim und Simmel zeigt Unterschiede beim Objekt der Teilung: Spencers „specialisation of functions“ umfasst alle zum Fortbestand der Gesellschaft nötigen Tätigkeiten (Regierung, Militär, Geistlichkeit, Verwaltung, Industrie), die „division of labour“ nur den materiellen Teil. Durkheims „division du travail social“ bezieht sich auf Arbeit und Funktion und verlangt komplementäre Funktionen – Durkheim kritisierte Spencer für dessen Nichtbeachtung des nötigen moralischen Bandes zwischen den Beteiligten. Simmel interessierte die Verbindung der Tätigkeitsbereiche und die Differenzierung der Persönlichkeit. Umstritten ist, wie austauschbar die Beteiligten sind: Bei stark zerteilter, unqualifizierter Arbeit sind Arbeitnehmer leicht ersetzbar – dann ist unklar, warum Solidarität entstehen sollte; Simmel sah dagegen Objektivierung sozialer Beziehungen mit steigender individueller Freiheit. Offene Probleme: Arbeitsteilung erzeugt Koordinationsprobleme (Suche, Bereitstellung) und Motivationsprobleme (Spezifität, Abhängigkeit, Messung, Arbeitsbewertung); der Gewinn muss den Koordinationsaufwand übersteigen. Institutionen (Thema der Wirtschaftssoziologie und der Neuen Institutionenökonomik) gelten als Lösungen. Kritisiert werden außerdem diskriminierende Formen: die geschlechterhierarchische Arbeitsteilung, die Frauen Haus- und Sorgearbeit zuschreibt und sie auf dem Erwerbsarbeitsmarkt benachteiligt, sowie rassistische Diskriminierung, die Einwanderern und Farbigen den Zugang zu besser bezahlten Arbeitsplätzen versperrt. Das Ricardo-Modell zeigt Wohlstandsgewinne für alle Beteiligten, seine Annahmen sind aber umstritten. Gelegentlich wird eine Abkehr vom Taylorismus diskutiert; seit den späten 1990ern wird jedoch eine Tendenz zur Re-Taylorisierung (wieder zunehmende Arbeitszerlegung und Standardisierung) beobachtet. In anderen Fachgebieten wird der Begriff übertragen genutzt: in der Biologie (Entwicklung von Einzellern zu Vielzellern; Insektenstaaten mit „Eusozialität“, kooperativer Brutpflege, Generationenüberlappung und sterilen Arbeiterkasten), bei Menschen (Familien, Kasten, Volkswirtschaften) und in der Technik (Fließbandfertigung, Mikrocontroller, Roboter). Auch die Aufteilung der Wissenschaften in Grundlagen- und angewandte Forschung gilt Léon Walras als Arbeitsteilung.
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