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Organisation
Organisation ist ein – je nach Fachgebiet – mit verschiedenen Begriffsinhalten versehener unspezifischer Allgemeinbegriff, der institutionell, funktional, …
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Grundbegriff und zentrale Bedeutungen
Organisation ist ein unspezifischer Allgemeinbegriff, dessen Bedeutung vom Fachgebiet abhängt. Gemeint sein können ein bewusst geschaffenes soziales Gebilde, die Tätigkeit des Organisierens oder die dadurch entstehenden Regeln und Strukturen. Der Artikel behandelt vor allem einzelne Organisationen; informelle Formen der Organisierung zwischen Einzelpersonen und verschiedenen Organisationen werden nur unvollständig erfasst.
Besonders wichtig sind zwei Bedeutungen:
• Funktionell bezeichnet Organisation das gestaltende Handeln, also die Tätigkeit des Organisierens: „Der Betrieb betreibt Organisation“.
• Instrumentell bezeichnet Organisation die dauerhaften Regelungen und Strukturen, die durch dieses Gestalten entstehen: „Der Betrieb hat eine Organisation“.
Daneben gibt es den institutionellen Begriff: Ein Betrieb, Verein oder anderes soziales Gebilde ist selbst eine Organisation. Strukturell kann Organisation die Aufbau- und Ablauforganisation eines Betriebs bezeichnen. Im allgemeinen Sprachgebrauch steht Organisieren außerdem für Gestaltung, etwa Arbeits-, Freizeit- oder Raumgestaltung.
Organisation und Institution
In den Sozialwissenschaften werden Organisation und Institution klar unterschieden. Eine Organisation ist ein bewusst geschaffenes und zielgerichtetes Gebilde mit Gründern, einem Gründungsdatum und Mitgliedern, beispielsweise ein Verein, eine Glaubensgemeinschaft, ein Unternehmen oder eine Nichtregierungsorganisation (NGO).
Eine Institution ist dagegen ein Regelwerk aus Verhaltensmustern und Normen. Es entsteht aus Regelmäßigkeiten des gesellschaftlichen Zusammenlebens und kann ohne Mitglieder gedacht werden. Beispiele sind Wettkampf, Gastfreundschaft, Hochzeit und Bestattung.
Ein und dieselbe Einrichtung kann unter beiden Gesichtspunkten betrachtet werden. Die Universität ist als Organisation ein soziales Gebilde aus Lehrenden, Lernenden, Forschern, Verwaltungsbeschäftigten und weiteren Bediensteten, die arbeitsteilig und planvoll zusammenwirken. Als Institution ist sie eine gesellschaftliche Einrichtung zur Vermittlung, Tradierung und Generierung von praktischem und orientierendem Wissen.
Diese Abgrenzung gilt nicht überall: Die Neue Institutionenökonomik ordnet auch Organisationen ihrem Institutionsbegriff unter.
Organisation in Unternehmen
In Betriebswirtschaftslehre und Organisationstheorie umfasst Organisation alle planvollen Maßnahmen der Unternehmensleitung, mit denen komplexe Geschäftsprozesse strukturiert und Effizienzverluste auf allen Ebenen minimiert werden sollen. Dazu gehören unter anderem Arbeits-, Beschaffungs-, Entscheidungs-, Führungs-, Management-, Produktions- und Vertriebsprozesse. Organisation schafft durch dauerhafte Regelungen Ordnung. Sie unterscheidet sich damit von der Disposition, die Regelungen für den Einzelfall trifft, und von der Improvisation, die Probleme durch spontane Kreativität löst.
Organisieren ist eine koordinierende und ordnende Tätigkeit. Personen und Sachen werden mithilfe von Personal und Organisationsmitteln einem Unternehmensziel zugeordnet. Dazu werden Aufgaben arbeitsteilig auf Organisationsmitglieder verteilt und auf übergeordnete Ziele ausgerichtet.
Wichtige Formen sind:
• Die funktionale Organisation fasst gleichartige Tätigkeiten zu betrieblichen Funktionen wie Beschaffung, Produktion, Finanzierung, Vertrieb und Verwaltung zusammen.
• Die Aufbauorganisation legt fest, wie Aufgaben auf Abteilungen verteilt werden.
• Die Ablauforganisation regelt, wie die zur Aufgabenerfüllung notwendigen Funktionen durchgeführt werden.
• Die formale Organisation beruht auf personenunabhängigen Regeln, die schriftlich, etwa in einem Organisationshandbuch, dokumentiert sind.
• Die informale Organisation entsteht aus Einstellungen, persönlichen Zielen, Sympathien, Wünschen und Vorstellungen der Beschäftigten.
• Die instrumentelle Organisation schafft durch Gestaltung dauerhafte Kompetenzen; ihr stehen dispositive und improvisierte Lösungen gegenüber.
• Die institutionelle Organisation stellt das Wirtschaftssubjekt beziehungsweise die juristische Person, etwa ein Unternehmen oder einen Verein, in den Mittelpunkt.
• In der konfigurativen Deutung nach Erich Kosiol ist Organisation das Ergebnis der Tätigkeit des Organisierens.
Betriebswirtschaftlich sind Organisationen soziale Gebilde, die dauerhaft Ziele verfolgen und eine formale Organisationsstruktur besitzen. Diese soll die Tätigkeiten ihrer Mitglieder auf die jeweiligen Ziele ausrichten. Erich Gutenberg ordnete Organisation als Aufgabe der Unternehmensleitung und als dispositiven Produktionsfaktor ein. Sie folgt für ihn auf die Planung und soll deren Sollwerte verwirklichen. Konrad Mellerowicz definierte sie als „die planvolle Zuordnung von Menschen und Sachen zu optimaler Leistung“. Erwin Grochla verstand Organisation als Instrument zur Zielerreichung sozio-technischer Systeme wie Unternehmen, Behörden und Vereine. Organisationsentscheidungen gehören daher zur Unternehmensführung.
Merkmale und Funktionsweise
Im weiten Alltagsverständnis bedeutet Organisieren jede zweckgerichtete, planmäßige Regelung von Vorgängen. Danach organisieren nicht nur Unternehmen ihre Entscheidungen, sondern beispielsweise auch Familien ihr Zusammenleben, Protestbewegungen Demonstrationen und Freundesgruppen Partys.
Die Organisationssoziologie verwendet einen engeren Begriff. Organisationen sind dort eine besondere Form sozialer Gebilde, die sich von Familien, Gruppen, Bewegungen und Netzwerken unterscheidet. Drei Merkmale sind besonders wichtig:
• Mitgliedschaft: Organisationen entscheiden über Eintritt und Austritt und legen Mitgliedschaftsbedingungen fest. Mitglieder müssen beispielsweise Programme befolgen, Kommunikationswege beachten und andere Organisationsmitglieder als Kommunikationspartner akzeptieren. Offene Verstöße können dazu führen, dass sie die Organisation verlassen müssen.
• Zwecke: Organisationen geben sich Zwecke, an denen sie Entscheidungen ausrichten. Die Annahme, Organisationen ließen sich vollständig aus ihren Zwecken erklären, hat sich nicht durchgesetzt. Zwecke bleiben jedoch wichtig, weil sie die Aufmerksamkeit auf ausgewählte Aspekte richten und anderes ausblenden.
• Hierarchie: Organisationen legen Über- und Unterordnungsverhältnisse fest. Auch Mitglieder auf niedrigen Hierarchiestufen können erhebliche Machtquellen besitzen. Dennoch kann die Befolgung hierarchischer Anweisungen zur Mitgliedschaftsbedingung gemacht werden, sodass sich auch unpopuläre Entscheidungen durchsetzen lassen.
Ein wesentliches Merkmal ist, dass Organisationen die konkrete Ausgestaltung von Mitgliedschaft, Zwecken und Hierarchien selbst bestimmen können. Als soziale oder soziotechnische Systeme grenzen sie sich von ihrer Umwelt ab und können als korporative Akteure mit anderen Akteuren interagieren. Marktfähige Organisationen bestehen nach einer weiteren Sichtweise wesentlich aus Kommunikation von und über Entscheidungen: Jede Entscheidung knüpft an frühere Entscheidungen an und wird zur Voraussetzung späterer Entscheidungen. So entsteht entlang arbeitsteiliger Wertschöpfungsprozesse ein rekursiver Entscheidungsverbund.
Wissenschaftliche Perspektiven
Die Organisationstheorie untersucht Grundelemente und Funktionen von Organisationen sowie ihre Entstehung und ihren Fortbestand in dynamischen Umwelten. Weil Organisationen hochkomplex sind, erfassen die verschiedenen Ansätze jeweils nur bestimmte Aspekte. Zu den wichtigen Theorien gehören Bürokratietheorie, Scientific Management, Human-Relations-Ansatz, situativer und sozio-technischer Ansatz, verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie, Systemtheorie, politische Ökonomie der Organisation, Strukturationstheorie, soziologischer Neoinstitutionalismus, evolutionstheoretischer Ansatz sowie die Neue Institutionenökonomik mit Transaktionskostentheorie, Prinzipal-Agent-Theorie und Property-Rights-Ansatz.
Das interdisziplinäre Organizational Behaviour untersucht menschliches Verhalten in Organisationen und Möglichkeiten, es gezielt zu beeinflussen. Analysiert werden unter anderem soziale Regeln, Prozesse, Funktionen, Strukturen, Erwartungen, Verhalten und Sinn im Hinblick auf ihre verhaltenssteuernde Wirkung.
In der Soziologie bezeichnet Walther Müller-Jentsch Organisation als „ein Gebilde interdependenter Handlungen“, die durch arbeitsteilige Kooperation und Koordination zielgerichtet miteinander verbunden sind. Talcott Parsons sah Organisationen als wichtigen Mechanismus hochdifferenzierter Gesellschaften, um Ziele zu verwirklichen, die die Möglichkeiten Einzelner übersteigen.
In der Politikwissenschaft hat sich keine eigenständige Organisationslehre durchgesetzt. Durch die wachsende Bedeutung von NGOs und supranationalen Organisationen entstanden im 21. Jahrhundert jedoch neue Forschungsfelder, deren Gegenstände vom Roten Kreuz bis zu al-Qaida reichen.
In der Psychologie beschreibt Karl E. Weick Organisation als eine Gruppe von Individuen, die versucht, den Vorgängen in ihrer Umgebung Sinn zu geben. In der Biologie kann Organisation auch außermenschliche Gemeinschafts- und Teambildung bezeichnen, etwa Herden und Schwärme, sowie Staatenbildung wie beim Ameisenstaat, der auch als Superorganismus bezeichnet wird.
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