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Arbeitsproduktivität

Als Arbeitsproduktivität (englisch labour productivity) wird in der Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre die volkswirtschaftliche oder …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Was ist Arbeitsproduktivität?
  2. 2. Berechnungsarten
  3. 3. Betriebswirtschaftliche Berechnung und Arbeitsproduktivitätsindex
  4. 4. Gesamtwirtschaftliche Bedeutung und Anwendung
  5. 5. Internationale Vergleiche und Lohnpolitik
  6. 6. Industriestaaten, wirtschaftliche Aspekte und Kritik

Was ist Arbeitsproduktivität?

Die Arbeitsproduktivität ist eine Kennzahl der Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre. Sie misst die Produktivität des Produktionsfaktors Arbeit, also wie viel Output (Ergebnis) pro eingesetzter Arbeitseinheit erzielt wird. Sie ist die bekannteste und meistgenutzte Teilproduktivität, weil die nötigen Daten leicht verfügbar sind. Sie gilt als Kenngröße für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft, eines Wirtschaftszweigs oder eines Unternehmens und als Maßstab für die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Produktivität wird auch bei anderen Produktionsfaktoren gemessen: Bodenproduktivität (Boden) und Kapitalproduktivität (Kapital). Das Zusammenwirken aller Teilproduktivitäten unter Berücksichtigung des technischen Fortschritts heißt totale Faktorproduktivität. Anwendung findet die Arbeitsproduktivität vor allem in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und in der Außenwirtschaft (Ricardo-Modell), mitunter auch im Personalwesen.

Berechnungsarten

Die allgemeine Formel lautet: AP = Ausbringungsmenge / Arbeitseinsatzmenge. Die Volkswirtschaftstheorie unterscheidet zwei Arten: Die durchschnittliche Arbeitsproduktivität gibt das produzierte Arbeitsvolumen pro eingesetzter Einheit des Faktors Arbeit an; die marginale Arbeitsproduktivität zeigt den mengenmäßigen Produktionszuwachs durch den Einsatz einer zusätzlichen Arbeitseinheit. Volkswirtschaftlich wird die Arbeitsproduktivität je Arbeitsstunde als reales Bruttoinlandsprodukt (BIP_real) geteilt durch das Arbeitsvolumen berechnet: AP = BIP_real / (Et · h), wobei Et die Anzahl der Erwerbstätigen und h die Arbeitsstunden je Erwerbstätigem sind. Je Erwerbstätigem gilt: AP = BIP_real / Et. Der Kehrwert der Arbeitsproduktivität ist der Arbeitskoeffizient: Er gibt an, wie viel Arbeitsleistung für die Herstellung einer Gütereinheit benötigt wird. Er spielt eine wichtige Rolle beim komparativen Vorteil, den David Ricardo 1817 begründete.

Betriebswirtschaftliche Berechnung und Arbeitsproduktivitätsindex

Betriebswirtschaftlich kann die Arbeitsproduktivität als Umsatzerlöse U geteilt durch die Zahl der Mitarbeiter M berechnet werden: AP = U/M. Sie steigt, wenn bei konstanter Mitarbeiterzahl die Umsatzerlöse steigen; um Inflationseffekte zu vermeiden, kann stattdessen die Ausbringungsmenge verwendet werden. Der Arbeitsproduktivitätsindex wird in der amtlichen Statistik für Bergbau und verarbeitendes Gewerbe genutzt: AP(0t) = Q(0t) / MA(0t), wobei Q der Produktionsindex (Zähler) und MA eine Messzahl des Arbeitseinsatzes (Nenner) ist; 0 ist die Basisperiode, t die Berichtsperiode. Es gibt einen Index je Beschäftigtem und einen je geleisteter Arbeitsstunde. Ein Indexwert größer 1 bedeutet, dass die Produktion stärker gestiegen ist als der Arbeitseinsatz, die Arbeitsproduktivität sich also erhöht hat. Eine weitere Berechnungsmöglichkeit ist über die Wertschöpfung, z. B. Wertschöpfung je Mitarbeiter oder je Erwerbstätigem (Personalproduktivität) oder Wertschöpfung je Maschinenstunde (Maschinenproduktivität).

Gesamtwirtschaftliche Bedeutung und Anwendung

In der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität der Quotient aus realem Bruttoinlandsprodukt und den eingesetzten Arbeitseinheiten (Erwerbstätige, Arbeitnehmer oder geleistete/bezahlte Stunden): AP = BIP_real / Arbeitsvolumen. Sie gibt an, welchen Beitrag ein Erwerbstätiger durchschnittlich zum BIP leistet. Die durchschnittliche Arbeitsproduktivität beschreibt die Outputmenge, die in einer Arbeitsstunde im Durchschnitt erzeugt wird; sie steigt, wenn die Produktionsmenge schneller wächst als das Arbeitsvolumen. Die Arbeitsproduktivität bestimmt den realen Lebensstandard eines Staates: Der Wert der Produktion entspricht dem an die Produktionsfaktoren gezahlten Wert, also können Konsumenten ihren Konsum nur steigern, indem sie die produzierte Gesamtmenge erhöhen. Für Branchenvergleiche innerhalb eines Landes kann die Wertschöpfung je Erwerbstätigem herangezogen werden; Vergleiche zwischen Branchen sind aber nicht immer sinnvoll, da kapitalintensive Branchen ihre Wertschöpfung vor allem über Kapital erzielen. Aufschlussreich ist die zeitliche Entwicklung: Aus der Veränderung lassen sich Stärken, Schwächen und krisenfeste bzw. krisenanfällige Branchen ableiten. Beispiel: Zu Beginn der Staatsschuldenkrise 2009 sank das Produktionsergebnis je Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe um 14,2 % – dies war eine Entscheidungsgrundlage für den Einsatz von Kurzarbeit, wodurch Entlassungen vermieden wurden. In Deutschland ermittelt das Statistische Bundesamt die Arbeitsproduktivität für das produzierende Gewerbe monatlich; die Statistischen Landesämter erheben bei Betrieben ab 50 Beschäftigten monatlich die Produktion von über 5400 Erzeugnissen.

Internationale Vergleiche und Lohnpolitik

Für internationale Vergleiche werden Bruttoinlandsprodukte über Wechselkurse (z. B. in US-Dollar oder Euro) oder über Kaufkraftparitäten vergleichbar gemacht; bei Kaufkraftparitäten wird für unterschiedliche Räume gleich hohe Kaufkraft für einen Warenkorb angenommen. Für Vergleiche einzelner Jahre nutzt man das BIP zu aktuellen Preisen, für Zeiträume konstante Preise eines Basisjahres. Die Vergleichbarkeit ist eingeschränkt: Die USA rechneten ihr BIP lange mit den NIPA, Europa mit dem SNA, die teilweise erheblich abweichen. Auch die Inputgrößen (Erwerbspersonen im erwerbsfähigen Alter oder Arbeitsstunden) bereiten Probleme, etwa bei Arbeitslosigkeit, Rentnern im Produktionsprozess, Arbeitsunfähigkeit oder Teilzeit. 2014 fand eine Generalrevision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf Basis der SNA 2008 und der ESVG 2010 statt, doch erfüllen manche Ländergruppen nicht einmal die Standards des SNA 1993 – eine weltweit einheitliche Berechnung besteht nicht. Die produktivitätsorientierte Lohnpolitik orientiert Nominallöhne an der gesamtwirtschaftlichen oder Branchenproduktivität: Löhne sollen im gleichen Verhältnis wie die Arbeitsproduktivität wachsen, Ziel ist Preisniveaustabilität, die Lohnstückkosten bleiben konstant. Nach der Meinhold-Formel wird auch die Preisentwicklung einbezogen: Nominallohn steigt so stark wie reale Arbeitsproduktivität und Preisniveau. Kritik von Gewerkschaften: Die Einkommensverteilung wird gefestigt, andere Kostenfaktoren bleiben unberücksichtigt, und die Einbeziehung der Inflation kann eine Lohn-Preis-Spirale auslösen. Lohnsteigerungen sind beschäftigungs- und inflationsneutral, solange der Nominallohn mit der Rate der durchschnittlichen realen Arbeitsproduktivität wächst.

Industriestaaten, wirtschaftliche Aspekte und Kritik

Nach OECD-Daten (2014) erreichten die USA mit 117.209 USD je Erwerbstätigem und 67,44 USD je Arbeitsstunde den höchsten Wert (100 %), gefolgt von Frankreich (80 % / 93 %), Deutschland (73 % / 92 %), Großbritannien (72 % / 75 %) und Japan (64 % / 62 %). 2001 hatten die USA das höchste Produktionsniveau je Beschäftigtem, bedingt durch den technologischen Wandel der 1990er Jahre (Computerrevolution). Japan hatte 1960–1991 die höchste Wachstumsrate, gefolgt von Deutschland und Frankreich – Folge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg (Aufholprozess). Großbritannien verzeichnete 2001–2007 den höchsten Zuwachs, in der Krise 2007–2009 aber den stärksten Einbruch; nur die USA wiesen in diesen Krisenjahren positive Produktivitätsentwicklung auf. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigem in Deutschland 1991–2011 um 22,7 %, je Erwerbstätigenstunde um 34,48 %, da die Arbeitsstunden je Erwerbstätigem um 7,5 % sanken. Die produktivsten Arbeitsstunden werden in Irland geleistet (114,8 USD je Stunde), fast doppelt so produktiv wie der EU-Durchschnitt (58,1 USD). Wirtschaftlich hängen Arbeits-, Boden- und Kapitalproduktivität zusammen: Hohe Bevölkerungsdichte erfordert hohe Bodenproduktivität; der Körnerfruchtbau sichert höhere Arbeits-, der Hackfruchtbau höhere Bodenproduktivität. Durch Mechanisierung steigt die Arbeits-, durch Intensivierung die Bodenproduktivität. In Industriestaaten führt der reichliche Kapitaleinsatz zu hoher Boden- und Arbeitsproduktivität. Kritik an der Kennzahl: Sie vernachlässigt Boden, Umwelt und Kapital; aus hoher Arbeitsproduktivität folgt nicht automatisch eine hohe Bedeutung des Faktors Arbeit – ein Anstieg kann auch durch technischen Fortschritt, mehr Kapital oder bessere Ausbildung entstehen. Zudem ist sie eine relative Zahl, die nur auf das Vorjahr Bezug nimmt (ordinale Messung, kein konkreter Abstand).

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